PolitikNetzfundstücke
Schmalhans des Tages: Erika Steinbach, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 2 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Schade: Die Junge Union Köln hat sich von Luca Leit­ter­storfs, der merk­würdi­ger­weise laut eigen­er Aus­sage bis­lang erst ein­mal als Fanatik­er beze­ich­net wurde, geistigem Brei dis­tanziert — wahrschein­lich ist er ihr noch zu gemäßigt. “Rechts von uns darf es nichts geben”, so oder so ähn­lich drück­te es doch F. J. Strauß aus (reimt sich). Jet­zt ist er (der F. J., nicht der Luca) tot, tja.

Schützen­hil­fe bekommt er (der Luca, nicht der F. J.) von Eri­ka Stein­bach, der langjähri­gen Präsi­dentin des Bun­des der Ver­triebe­nen, die gestern per Twit­ter ver­laut­en ließ:

Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? Nation­al­SOZIAL­IS­TIS­CHE deutsche ARBEITERPARTEI.….

Kurz hin­set­zen, sack­en lassen, nach­denken, eventuell empören. Die spon­tane Reak­tion der meis­ten Leser dieses Tweets schien die ersten drei Schritte zu über­sprin­gen: Wenn jemand sein Leben lang “links” sein wollte, nur um “gegen Hitler” zu sein, wäre es natür­lich ärg­er­lich, wenn er dafür stattdessen rechts sein müsste, würde das doch klar zeigen, dass seine einzige poli­tis­che Überzeu­gung ein stumpfes “dage­gen!” ist. Hitler, der linke Lüm­mel.

“Alles ist so, wie es ist, weil es so ist.”
– Die Gold­e­nen Zitro­nen: Fin de mil­lé­naire

Sack­en lassen und nach­denken: Der Erfolg der NSDAP war eine unmit­tel­bare Folge der Wirtschaft­skrise gegen Ende der 20-er Jahre des vorigen Jahrhun­derts. Dass die NSDAP auch poli­tisch linke Ideen als Kern­punk­te führte, ist sich­er nicht verkehrt, aber ein wenig Dif­feren­zierung ist schon von­nöten.

Erstens: Nation­alsozial­is­mus.

Der nationale Sozial­is­mus beze­ich­net zunächst ein­mal den Kom­pro­miss aus Nation­al­is­mus und Sozial­is­mus, zwei konkur­ri­eren­den poli­tis­chen Strö­mungen im deutschen Kaiser­re­ich. Vor­rangiges Ziel war eine starke Gemein­wirtschaft zum Zwecke des Woh­lerge­hens des deutschen Volkes und sein­er Stärkung gegenüber den herrschen­den Klassen. Dass Mit­glieder des Nation­al­sozialen Vere­ins, aufgelöst nach ein­er Wahlnieder­lage im Jahr 1903, später die Vor­läufer­parteien der F.D.P., ursprünglich Teil ein­er linkslib­eralen Strö­mung, grün­de­ten und die nun nicht ger­ade als faschis­tisch bekan­nte SPD sich mit dem Kriegssozial­is­mus zur ersten nation­al­sozial­is­tis­chen Partei Deutsch­lands machte, sollte klar machen, dass die poli­tis­chen Schubladen “links” und “rechts” schon vor hun­dert Jahren inhaltlich völ­lig über­holt waren.

Sozial­is­tis­che Kriegswirtschaft hat­te Deutsch­lands Bünd­nis­part­ner Josef Stal­in, der das mit dem völkischen Denken auch ganz gut kon­nte, eben­falls im Ange­bot, so unter­schiedlich waren die bei­den Staat­en anscheinend keines­falls; wer ist “links”, wer ist “rechts”? Was der sozial­is­tis­chen Sow­je­tu­nion zum Rechts­sein also noch fehlte, war der offen­sive Rassen­hass. Wird eine linke Partei zu ein­er recht­en Partei, wenn sie der­lei propagiert?

“Begriffe wie links und rechts basieren auf ein­er klas­sis­chen Def­i­n­i­tion von Arbeit, die mit der Infor­ma­tion­s­ge­sellschaft nicht mehr viel zu tun haben.”
– Mari­na Weis­band

Die Beto­nung beim Nation­alsozial­is­mus sollte wahrschein­lich eher auf dem ersten Bestandteil — Nation­alsozial­is­mus — liegen, um klarzu­machen, was die NSDAP eigentlich ober­fläch­lich von der SED unter­schied. Und apro­pos SED:

Zweit­ens: Arbeit­erpartei.

Gegrün­det wurde die DAP (später NSDAP) von Arbeit­ern, ihr Wesen wie auch das Wesen des Nation­al­sozial­is­mus’ war es, wie beschrieben, die Arbeit­erk­lasse zu stärken. Auch das galt jedoch expliz­it für die deutschen, arischen Arbeit­er, deren gesellschaftlich­er Auf­stieg zu Kämpfern für das Vater­land an den real existieren­den Sozial­is­mus im Arbeit­er- und Bauern­staat — arbeite hart für dein Volk, wie es dein Volk auch für dich tut — erin­nern mag, der mit dem, was die Ewiggestri­gen unter “rechts” ver­ste­hen, kaum Gemein­samkeit­en aufweist, aber anscheinend gibt es guten und schlecht­en Nation­al­is­mus. Der Nation­al­is­mus von DDR, Chi­na und Sow­je­tu­nion war pri­ma, weil er halt nicht auf (west-)deutschem Boden stat­tfand. Weit weg, inter­essiert uns nicht. Andere nation­al­is­tis­che und sozial­is­tis­che Staat­en haben ihre Völk­er­morde eben weniger wer­be­wirk­sam aufge­zo­gen. Die DDR, immer­hin, hat auf einen solchen verzichtet. Ist sie damit der einzige “linke” von den genan­nten Staat­en gewe­sen?

Wer im Übri­gen den Fehler macht, Nation­al­is­mus und Patri­o­tismus miteinan­der zu ver­wech­seln, dem erscheint diese ganze Diskus­sion wahrschein­lich vol­lkom­men deplatziert. Zur groben Ori­en­tierung dies: Die USA sind patri­o­tisch, Frankre­ich ist nation­al­is­tisch. Man sollte Nation­al­is­mus, Ras­sis­mus, Anti­semitismus und Faschis­mus nicht unbe­d­ingt immer gle­ich­set­zen, auch, wenn das eigene Welt­bild dadurch schön ein­fach wird. Links ist sozial und sozial ist gut, liebe Grüße auch an Fidel Cas­tro; rechts ist (blöd und) nation­al und die Nation ist böse, wenn sie halt nicht ger­ade den eige­nen Leben­sun­ter­halt finanziert. JU: Neukon­ser­v­a­tiv, rechts! Natür­lich mit Aus­rufeze­ichen, bitte gebrüllt mit rol­len­dem “r” vorstellen.

Und über­haupt, Frau Stein­bach, da wir ger­ade beim Dif­feren­zieren sind: “Die NAZIS” waren gar keine Partei, sie waren Mit­glieder ein­er solchen — und nicht ein­mal immer der­sel­ben.

Aber das passt halt nicht in 140 Zeichen.

Schmalhans des Tages

Schmal­hans des Tages: Luca Leit­ter­storf, Junge Union. Schmal­hans des Tages: Wolf­gang Bos­bach, CDU.

Senfecke:

  1. oh, und ich dachte immer Rechts Neokon­ser­v­a­tive (Kon­ser­ven­dosen), Köl­ner und bald Poli­tik­er­seiende Schmal­hänse sehen Nazis als Nation­al-Zion­is­ten an.

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