PolitikIn den Nachrichten
Ad ACTA gelegt

Den Witz aus der Über­schrift hat, unfre­undlicher­weise, Bov Bjerg vor mir gemacht, aber bess­er hätte ich es nicht beschreiben kön­nen: Deutsch­land mag ACTA jet­zt doch nicht mehr.

Deutsch­land wird vor­erst das ACTA-Abkom­men nicht unterze­ich­nen. Das Auswär­tige Amt habe die Weisung zurück­ge­zo­gen, wie dpa (sic!) twit­terte.

Damit ist das Kapi­tel ACTA vor­erst been­det. “Vor­erst” bedeutet hier, dass sich alle beteiligten Län­der wohl inzwis­chen darüber einig sind, dass ACTA in der vor­liegen­den Form niemals hätte rat­i­fiziert wer­den sollen. Anders gesagt: ACTA wird voraus­sichtlich das Schick­sal der Vor­rats­daten­spe­icherung erlei­den, man wird es mehrfach redigieren, wom­öglich umbe­nen­nen und in einem unbeachteten Moment doch noch durch­drück­en. Die kom­mende Fußball­welt­meis­ter­schaft bietet sich an.

Das ärg­ert natür­lich vor allem die entschlosse­nen ACTA-Geg­n­er, denn die für mor­gen geplanten Demon­stra­tio­nen haben somit ihr Ziel ver­loren. Gegen ein Gesetz zu demon­stri­eren, das der Staat nicht mehr beschließen will, erscheint mir ein wenig däm­lich.

Aber weil man sich schon so lange darauf gefreut hat, endlich in der Kälte herum­ste­hen zu dür­fen, um hin­ter­her einen Grund zu haben, sich mit Glüh­wein zu besaufen, wird natür­lich trotz­dem demon­stri­ert. Das tote Pferd wird so lange getreten, bis irgend­je­mand wiehert.

Die ACTA-Demon­stra­tio­nen ver­ste­hen sich als über­parteilich, NPD-nahe wie auch diverse linke Grup­pen haben eben­so wie Amnesty Inter­na­tion­al ihre Unter­stützung zugesichert. Auf der “Aktiven”-Mailingliste der nieder­säch­sis­chen Piraten­partei wurde eben­falls vorhin für den Tritt gewor­ben:

ich hoffe, Ihr seid mor­gen alle auf der Straße

Ich antwortete auszugsweise neben oben bere­its geschildert­er Befürch­tung betr­e­ffs ein­er kom­menden Neuau­flage von ACTA dies:

Inter­esse­hal­ber: Woge­gen? Dage­gen, dass Deutsch­land vor­erst nicht unter­schreibt? Die Forderung lautet also, dass Deutsch­land noch nichter unter­schreiben soll als es das eh’ schon nicht tut? Wat?

“Vor­erst vom Tisch”. Ja. Strengt doch bitte mal eure ratio an: Vor­erst beste­ht also kein Grund zur Sorge, noch vomtis­ch­er als “vom Tisch” geht nicht. Wenn ihr JETZT protestiert, wird das ver­puffen, denn es gibt nichts mehr, was ihr fordern kön­nt. Vor­erst.

Ihr kön­nt jet­zt sagen “wir wollen kein ACTA”, dann wird Deutsch­land sagen, ja, kriegt ihr doch eh’ nicht, also wo ist das Prob­lem?

Dass ich für diese eher dis­tanzierte Hal­tung zu den auch weit­er­hin sin­n­freier­weise unter “Stopp ACTA” geführten Demon­stra­tio­nen diverse Schelte ein­steck­en durfte, soll hier gar nicht weit­er das The­ma sein: Ich habe Ver­ständ­nis dafür, dass bei manchen Men­schen — auch Pirat­en — der Beißre­flex ein­set­zt, wenn die Sinnlosigkeit des eige­nen, vom men­schlichen Her­den­trieb geleit­eten Tuns offen­bart wird.

Das Prob­lem ist aber gar nicht ACTA, unter welchem Namen auch immer es ger­ade daherkom­men mag — das Prob­lem sitzt tiefer.

Gegen ACTA, SOPA, PIPA und son­stige Abkürzun­gen zu protestieren gle­icht dem Kampf gegen die Hydra: Schlägt man einen Kopf ab, wach­sen sogle­ich neue. ACTA nach­haltig aufzuhal­ten und aus der Erin­nerung jedes Men­schen zu löschen, der irgend­was mit Poli­tik zu tun hat, ist ein inter­es­santes und sich­er auch erstrebenswertes Ziel, aber es beseit­igt nur die Symp­tome, nicht jedoch die Ursache, die da heißt: Lob­b­yarbeit.

ACTA und seine Geschwis­ter sind nur möglich, weil eine arro­gante Indus­trie, die sich jeden Anwalt der Welt müh­e­los leis­ten kann, es schafft, jahrzehn­te­lang ihre Kun­den gegenüber dem Staat als eine räu­berische Bande darzustellen, vor der sie unbe­d­ingt (finanziellen) Schutzes bedarf.

Dabei hat das nicht mal etwas mit dem Inter­net zu tun: Schon, als bespiel­bare Audiokas­set­ten erschwinglich wur­den, sahen die Plat­ten­fir­men ihr Geschäftsmod­ell bedro­ht. Das war, wir erin­nern uns, vor unge­fähr vierzig Jahren. Heute tauscht die Jugend aber nicht mehr Kas­set­ten, son­dern USB-Sticks oder gle­ich per Blue­tooth. Die Empfänger der getauscht­en Ware Musik müssen dann natür­lich keine CDs mehr kaufen, tun es aber bei Gefall­en trotz­dem. Da ist es nur logisch (in der merk­würdig­sten mir bekan­nten Def­i­n­i­tion von “logisch”), dass die Umsätze der Musikin­dus­trie steigen wer­den, wenn man im Inter­net ’n biss­chen härter durch­greift.

Mari­na Weis­band so:

Schlage Exper­i­ment vor: Wir schal­ten für eine Woche “das Inter­net” ab und warten, ob bei den Kün­stlern das Geld nur so in die Kassen strömt.

Der Markt für dig­i­tale Musiküber­tra­gung, etwa per Stream­ing­di­en­sten, wächst kon­tinuier­lich, trotz GEMA auch in Deutsch­land, und dabei bekom­men die Rechtev­er­w­ert­er einen recht großen Teil des Kuchens ab. (Was die Kün­stler am Ende erhal­ten, ste­ht ja auf einem ganz anderen Blatt.) Bös­es, bös­es Inter­net.

Aber ich schweife ab. ACTA ist tat­säch­lich in Deutsch­land nicht nur gefährlich, son­dern oben­drein vol­lkom­men wirkungs­los, denn die enthal­te­nen Forderun­gen sind bere­its Teil deutsch­er Leg­is­latur. Das ist es, woge­gen man demon­stri­eren sollte. Es erschüt­tert mich, dass ACTA so große Wellen schlägt, die koor­dinierten Massen­proteste, als die enthal­te­nen Regelun­gen in die deutsche Geset­zge­bung ein­flossen, aber gän­zlich aus­blieben.

Wir kön­nen gern jedes Jahr auf die Straße gehen, Schilder in die Luft heben, wütend mit den Armen herum­fuchteln und sog­ar Peti­tio­nen unterze­ich­nen, bis uns (wegen der Kälte) die Fin­ger abfall­en, aber alles, was wir damit erre­ichen kön­nen, ist, dass die Hydra einen neuen Kopf bekommt. Der gle­iche Mist in neuer Farbe, und alles geht von vorn los.

Woge­gen deshalb um so ener­gis­ch­er demon­stri­ert wer­den muss, ist die gierige Con­tent-Indus­trie. Zum Ver­gle­ich: Miele hat einen höheren Jahre­sum­satz als die Musikin­dus­trie, erstaunlicher­weise sind Geset­ze wie etwa ein Ver­bot, seine Miele-Waschmas­chine zu ver­lei­hen, trotz­dem noch nicht erlassen wor­den; immer­hin ent­ge­ht Miele so ein Gewinn, da der Beliehene sich keine eigene Waschmas­chine kaufen muss. (Eigentlich sollte die Musikin­dus­trie ja mal was gegen Miele unternehmen, deren Waschmaschi­nen erzeu­gen immer­hin in Konkur­renz zur gegen­wär­ti­gen Pop­musik ste­hende, oben­drein auch länger andauernde Geräusche.)

Aber nie­mand geht gegen die Wurzel auf die Straße. Man hackt lieber Äste ab und freut sich, dass sie wieder nachwach­sen — so hat man wenig­stens immer etwas zu tun.

Hof­fentlich wird es mor­gen kalt.

Spaß mit Spam
Stellen Sie Ihr KreditKarten wieder her

Mein Kred­itKarten wurde gelöscht, will ich es aus dem Papierko­rb wieder­her­stellen?

Manche Spam­versender geben sich ein­fach keine Mühe:

Liebe geschätzte deutche Kred­itkarten­in­hab­er,

“Deutche Kred­itkarten­in­hab­er”, prompt kommt mir Dr. Hel­mut Kohl in den Sinn, der stets seine “lieben Mit­menchen” grüßte. Der Hel­mut war schon possier­lich manch­mal, jaja.

Dies ist ein Betrieb der Nationalen Sicher­heit in Zusam­me­nar­beit mit :
Deutche bank , Sparkasse , Volks­bank und Com­merzbank

“Nationale Sicher­heit”, drunter machen sie’s nicht. Mehrere Banken, darunter die “Deutche bank”, arbeit­en also wahrschein­lich mit der NATO zusam­men, um dafür zu sor­gen, dass jed­er Deutche eine funk­tion­ierende Kred­itkarte besitzt. Klar: Ret­tungss­chirme sind eben teuer.

Sie haben diese E‑Mail bekom­men, weil Ihr Kred­itKarten vor­lдu­fig ges­per­rt wurde.
Öff­nen und füllen Sie dieses For­mu­lar aus, um die Sper­rung Ihres Kred­it und
Deb­it Karten zu ver­mei­den.

Mein Kred­itKarten wurde vor­lдu­fig ges­per­rt, und um zu ver­hin­dern, dass außer meinem Kred­itKarten (warum lese ich immer “Krak­en”?) auch mein Kred­it und Deb­it Karten vor­lдu­fig ges­per­rt wird, sandte man mir ein For­mu­lar zu, das ich doch mit Vergnü­gen aus­fülle. Dabei liegen mir jedoch Steine im Weg:

Es sei darauf hingewiesen, dass sie JavaScript oder activex aus der
Pop-up-Leiste aktivieren sollen, um das For­mu­lar auszufüllen für jede Kred­itkarten !

Immer­hin: Habe ich dies getan, kann ich jede Kred­itkarten freis­chal­ten lassen. Wahrschein­lich auf meinen Namen! Das ist natür­lich sehr adrett.
Also …

Bitte füllen sie die Felder aus und schick­en Sie uns dieses For­mu­lar, um Ihr
Karten erneut zu aktivieren.

… mache ich das doch gle­ich mal.

Die ange­hängte HTML-Datei sieht im Quell­text so aus:

Das sieht doch Ver­trauen erweck­end aus. Natür­lich muss so ein Kred­itin­sti­tut — vor allem eines im Dien­ste der nationalen Sicher­heit — stets darauf acht­en, dass ein Min­dest­maß an Daten­sicher­heit gewahrt bleibt. Fro­hen Mutes öffne ich die Datei in dem Web­brows­er mein­er Wahl. Es öffnet sich fol­gende Seite:

Halt, Moment!, rufe ich im Stillen, da stimmt doch etwas nicht! Man hat mir das falsche For­mu­lar geschickt, statt der erhofften Kred­itkarten­freis­chal­tung ist es lediglich ein Antrag auf einen Secure­Code! Den kann ich ohne Kred­itKarten (der ist ja ges­per­rt) natür­lich noch nicht nutzen.

Gut, dass ich das rechtzeit­ig bemerkt habe. Ich werde gle­ich das richtige For­mu­lar beantra­gen. Aber so ein Faux­pas sollte der Deutchen bank nicht passieren!
Hof­fentlich wird das mit den neuen Vor­standsvor­sitzen­den ab Mai 2012 bess­er.

Vie­len Dank.

Das Deutche Bun­des­Bank Man­age­ment.
XOHOKUSFCXTCFQIWWRHRHDUELGJHUZQUYQXKZS

Stets der Ihre.

Der deutche Kred­itkarten­in­hab­er.
ABCDEFGWARUMTUTMEINKOPFSOWEH

SonstigesNetzfundstücke
Typisch Niedersachsen.

Das hat noch gefehlt: Auch Nieder­sach­sen wird auf der kom­menden CeBIT 2012, der laut “The­men­spezial” auf niedersachsen.de “beu­dend­sten (sic!) IT-Messe”, wenn’s eben für die bedeu­tend­ste nicht reicht, mit einem Stand vertreten sein. Das ist ein kon­se­quenter Schritt, ist Nieder­sach­sen — Mot­to: “Sie ken­nen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken.” — doch vor allem als das Bun­des­land mit der größten dig­i­tal­en Inno­va­tion­skraft bekan­nt. Euch etwa nicht?

Für den Inno­va­tion­s­stand auf der CeBIT gibt es auch eine Infor­ma­tions­broschüre: Diese hier.
(Hin­weis: Die Datei ist etwas über zweiein­halb MiB groß.)

Das Titel­bild ist schon ziem­lich umw­er­fend:

Ein gezo­gen­er Net­zw­erk­steck­er sym­bol­isiert das EDV-Inno­va­tion­s­land Nieder­sach­sen wohl unge­fähr so gut wie der braune Fleck im Kopf­bere­ich, der sich wie ein rot­er Faden durch das cor­po­rate design der Ver­mark­tungskam­pag­nen Nieder­sach­sens zieht. Nach Ver­größerung erken­nt man: Es han­delt sich um Pfer­deäpfel. “Sie ken­nen unsere Pferde, dies ist ihr Dung.”

Auf der The­men­seite “Inno­v­a­tives Nieder­sach­sen” wird verdeut­licht, wofür Nieder­sach­sen son­st noch gern ste­hen würde: Für mehr Religiösität, mehr weiße Kit­tel (“Laborkit­tel”, natür­lich), mehr Mobil­ität, all das jew­eils vere­delt mit dem braunen Klumpen der nieder­säch­sis­chen Pferde.

Typ­isch Nieder­sach­sen.

In den Nachrichten
Äppel statt Büchers

Eine ganz tolle Neuigkeit dringt da aus der Region Braun­schweig herüber:

Apple hat angekündigt, mit iPads und iBooks die Klassen­z­im­mer erobern zu wollen.

iBooks wür­den ide­al in heutige Schulen passen, sechs Jahre alte Hard­ware ist in deren “Com­put­er­räu­men” ja dur­chaus nicht unüblich, wahrschein­lich waren aber Mac­Books gemeint. Kann man ja mal ver­wech­seln, wenn man Apple ist.

Die IGS Volk­mar­o­de ist die erste Schule in Nieder­sach­sen, in der Schüler schon mit den kleinen Tablet-Com­put­ern arbeit­en.

“Arbeit­en”; na denne. Sind mit den “kleinen Tablet-Com­put­ern” jet­zt eigentlich die iPads oder die Mac­Books gemeint? So ein Mac­Book Air ist ja auch nicht ger­ade klein.
Aber die inneren Werte zählen:

Schulleit­er Chris­t­ian Düwel nen­nt die Vorteile der han­dlichen Com­put­er: “Anders als andere Rech­n­er müssen Tablet-Com­put­er nicht erst lange hochge­fahren wer­den. Man stellt sie an und ist sofort online. Der Aufwand ist min­i­mal und die Bedi­enung sehr ein­fach.”

Ein “gesun­des” Win­dows 7 benötigt zum Starten weniger als eine Minute. “Weniger als eine Minute” ist allerd­ings, das ver­ste­he ich, deut­lich länger als “sofort”, und im Unter­richt kommt es auf jede Sekunde an, die die poten­ziellen Applekun­den im Inter­net ver­brin­gen kön­nen. Natür­lich nur zur Recherche:

(…) “Über das Inter­net holen wir die Welt ins Klassen­z­im­mer. Die Recherchemöglichkeit­en sind unbe­gren­zt, das ist natür­lich faszinierend”, schwärmt der Schulleit­er. Zudem gebe es zahlre­iche Anwen­dun­gen, die man nutzen könne. Im Musikun­ter­richt kön­nten die Schüler beispiel­sweise mit ein­er App sel­ber Lieder kom­ponieren: “Ob Rap-Song oder Sax­ophon-Solo – jed­er nach seinem Geschmack und jed­er in seinem eige­nen Lern­tem­po.” Die Ergeb­nisse wer­den dann per Mausklick untere­inan­der aus­ge­tauscht.

“Oooh, was es da alles zu sehen gibt!”
– Dagob­ert Duck bei seinem ersten Aufen­thalt im Inter­net

Natür­lich würde kein Schüler auf die Idee kom­men, ein­mal nachzuse­hen, ob im Inter­net auch unter­richts­ferne Inhalte zu find­en sind. Flash kann das iPad zum Glück ohne­hin nicht, Pornos­tream­ing fällt also aus. Mich beschle­icht anhand sein­er Schilderung allerd­ings eine leise Ahnung, dass Herr Düwel, ver­glichen mit seinen Schülern, ein Inter­net­novize ist und vor allem davon aus­ge­ht, dass das, was die Lehrkraft im Unter­richt vor­führt, auch von allen anderen Anwe­senden ohne Umschweife wieder­holt wird.

Aus ähn­lichem Grund waren in mein­er Schulzeit die Com­put­er­räume meist beset­zt; oft auch dann, wenn dort gar kein Unter­richt stat­tfand. Diese wiss­be­gierige Jugend — nicht ein­mal Freis­tun­den vom Ler­nen gön­nt sie sich!

Ins­beson­dere werde disku­tiert, welchen päd­a­gogis­chen und didak­tis­chen Vorteil iPads im Unter­richt hät­ten.

Ein Vorteil liegt klar auf der Hand: Die Stör­er, die nur ihre Pflichtzeit in der Schule absitzen wollen, hal­ten im Unter­richt endlich mal die Fresse und wid­men sich sog­ar dem Lehr­ma­te­r­i­al. (Apro­pos, auch recht lesenswert: “Am besten verzicht­en [um ihre Pri­vat­sphäre besorgte Men­schen] darauf, ein Mobil­tele­fon mit sich herumzu­tra­gen – ins­beson­dere ein Smart­phone. Denn die Geset­zge­bung hat noch nicht mit der Tat­sache Schritt gehal­ten, dass wir Peilsender kaufen, mit denen wir auch tele­fonieren kön­nen.”)

Anders als in den USA, wo Her­steller Apple neuerd­ings mit großen Schul­buchver­la­gen zusam­me­nar­beit­et, wollen die deutschen Ver­lage nicht mitziehen. Sie haben eine eigene Plat­tform entwick­elt, auf der sie dig­i­tale Schul­büch­er anbi­eten wollen. (…) Beim Braun­schweiger Schul­buchver­lag West­er­mann war am Dien­stag zu diesem The­ma nie­mand zu erre­ichen.

“Wat? Inder­nett? Machen­wa nicht. *klick*”

Düwel ist inzwis­chen rest­los überzeugt vom iPad. Ihm wäre es am lieb­sten, wenn jed­er Schüler sein eigenes Gerät hätte.

iPads für alle! Schüler zu mündi­gen Men­schen erziehen und sie mit Medi­enkom­pe­tenz ausstat­ten ist halt Sache der Eltern, nicht der Schulen. “Sapere aude”, das gehört in den Geschicht­sun­ter­richt, aber doch nicht in eine mod­erne, unab­hängige, aufgek­lärte Schule! iPads sind gut, iPads sind die Zukun­ft, da können’se jeden Com­put­er­fach­mann fra­gen. Android? Ach was, Frick­elkram. Außer­dem sind die Schüler ganz ver­rückt nach dem ange­bis­se­nen Apfel — die wer­den schon wis­sen, was gut ist. “Nicht für die Schule, son­dern für das Leben ler­nen wir”, und im Leben zählt nun ein­mal oft die Brief­tasche.

Aber wer soll das bezahlen?

Aber wer soll das bezahlen? Die 20000 Euro für den ersten Klassen­satz hat die Stadt über­nom­men – die Schule verzichtete dafür auf neue Lap­tops für den EDV-Raum.

Hof­fentlich müssen die Nach­wuch­stal­ente nicht irgend­wann mal Briefe schreiben ler­nen, denn ohne eine angemessene Tas­tatur macht das keinen Spaß, auch nicht mit meinem lei­der noch nicht paten­tierten Vierfin­ger­sys­tem. (Ein­er der Gründe, wieso ich oft etwas länger an neuen Artikeln feile, statt sie gle­ich zu veröf­fentlichen: Auf meinem smart­phone möchte ich nichts schreiben müssen, was kom­plex­er ist als ein Tweet.)

Die iPad-Fre­unde hof­fen nun, dass das Bud­get entsprechend erhöht wird und kein­er der Entschei­der mal auf die Idee kommt, Preise zu ver­gle­ichen und wom­öglich festzustellen, dass iPads nicht nur tech­nisch, son­dern auch preis­lich mit gle­ich- oder höher­w­er­ti­gen Android-Tablets nicht mithal­ten kön­nen.

Andern­falls müssten die Eltern die Kosten tra­gen – mehrere hun­dert Euro pro Gerät. “Das kön­nen nicht alle Eltern leis­ten, und wir wollen auch nie­man­den auss­chließen”, betont Düwel. Derzeit werde nach ein­er Lösung gesucht. (…)

Dabei liegt diese Lösung doch auf der Hand: Eltern, die sich den tech­nis­chen Fir­lefanz nicht leis­ten kön­nen oder wollen, wer­den eben dezent, aber bes­timmt darauf hingewiesen, dass ihr Kind für diese Schule vielle­icht doch nicht so gut geeignet ist. Man kön­nte aber auch ein­fach beim Steuerzahler die Hand aufhal­ten. An finanziellen Mit­teln für die Anschaf­fung unnöti­gen Blödsinns man­gelt es der öffentlichen Hand ja inter­es­san­ter­weise nie, zu pleite für human­itäre Hil­f­sein­sätze ist Deutsch­land wohl noch lange nicht. Was sind da schon ein paar iPads?

Inwiefern nun zum Beispiel apps, die auf Berührung Geräusche von sich gibt, das Erler­nen eines Musikin­stru­ments erübri­gen sollen, weiß Herr Düwel lei­der nicht vorzubrin­gen, aber wen inter­essiert das heute noch? Wer nach dem Warum fragt, ist von gestern, wurde von der Dig­i­tal­isierung abge­hängt und sollte schle­u­nigst in Rente gehen. Alle machen’s jet­zt so, also ist es gut.

“Liebe Güte, Sam­son!”
– Trixi, c/o “Chip & Chap”

KaufbefehleMusikkritik
Cowboys From Hell — Big Fish

Wie ein Stück von Pan­tera heißt das Schweiz­er Trio Cow­boys From Hell, Kuhtreiber aus der Hölle also. Es sei den drei Her­ren verziehen, dass sie trotz­dem keinen Brüll­met­al oder Gäh­n­coun­try zu Gehör brin­gen, son­dern fein­sten instru­men­tal­en Jaz­zcore. “Big Fish” heißt der am ver­gan­genen Mittwoch erschienene Zweitling und gefällt.

War “Mon­ster Rodeo”, das Debüt von 2008, noch schräg-avant­gardesk, ist man auf “Big Fish” beina­he schon diszi­plin­iert. Von anderen Jaz­zcore-Bands wie den Land­sleuten vom Lucien Dubuis Trio oder etwa dem Münch­n­er Quin­tett Panzer­bal­lett unter­schei­det sich das hier Darge­botene dadurch, dass es nicht die Met­alschiene befährt, son­dern eher den Geist von Frank Zap­pa und seinen Zöglin­gen atmet.

Geblieben ist das ver­fremdete Sax­ophon als Uni­ver­salin­stru­ment, Gast­sänger Andi Peter ist aber nicht mehr dabei. Eine Konzen­tra­tion auf das Wesentliche also: Bass, Sax­ophon, Schlagzeug und reich­lich Elek­tron­ik. Die Beset­zung erin­nert vielle­icht an Van der Graaf Gen­er­a­tor oder Mor­phine, die Musik aber keines­falls. Stattdessen taucht man in seine ganz eige­nen Klang­wel­ten ab. Etwas über­trieben klingt das dann so:

Mit waghal­si­gen Arrange­ments und kräfti­gen Klän­gen erzeugt die Band einen wahren Sound-Orkan. Mal dampfen Funk-Grooves, dann rauchen die Rock-Kanonen oder spruzelt die Elek­tron­ik. Man mag an Frank Zap­pa und Rage Against The Machine denken, und doch ist die Musik eigen­ständig und frisch, geprägt von unbändi­gem Spiel­witz und brachialer Energie.

Von selt­samem RIO (“Hor­ror Show”) über grooven­den Funk (“Hymn For The Sailor”, ein­geleit­et natür­lich mit Ozeangeräuschen und mit großar­tiger Bas­sar­beit) bis hin zu einem Jaz­zcov­er von Pan­teras (da sind’se ja) “Walk” wird aller­lei geboten. Was fehlt? Nun, mir per­sön­lich der Gesang — aber es muss ja ander­er­seits auch nicht ständig wer dazwis­chen­grölen.

Wer jeden­falls die von mir bere­its vor einiger Zeit für gut befun­dene Band Welt­pin­guin­tag mag, dem dürften die “Cow­boys” eben­falls zusagen. Zurzeit ist das Album “Big Fish” in ein­er frühen Fas­sung — statt “Hymn For The Trai­tor” ist “Blub­ber” enthal­ten — und etwas ander­er Rei­hen­folge auf soundcloud.com zu hören. Eine angenehme Hör­erfahrung wün­sche ich.

Projekte
eMule beba 2.64: Beta 1 mit Snarl-Unterstützung

Liebe eMule-Fre­unde,

während der let­zten paar Tage habe ich unter anderem an ein­er neuen Ver­sion von eMule beba gear­beit­et, ein­er besseren Ver­sion von eMule. Da die bis­lang let­zte Ver­sion schon ein wenig anges­taubt ist, wurde es mal wieder Zeit für eine neue.

In die erste Betaver­sion (nicht aus­führlich getestet, aber schon voll funk­tion­stüchtig) sind bish­er zwei Verbesserun­gen einge­flossen:

Erstens: Block­ierende Clients ent­fer­nen.

Es kann passieren, dass die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Slots für’s Hochladen von Clients belegt wer­den, die qua­si im Leer­lauf sind und so unnötig die Verteilung von Dateien block­ieren. eMule beba ver­sucht jet­zt, diese automa­tisch zu ent­fer­nen.

Zweit­ens: Snarl-Unter­stützung.

Seit eini­gen Jahren ist eMule wie Win­dows ab “XP” in der Lage, für bes­timmte Ereignisse Bal­lon-Tipps (“Sprech­blasen”) anzuzeigen. Ein Nachteil ist, dass viele Pro­gramme mit­tler­weile ihre eige­nen Bib­lio­theken mit­brin­gen, um diese umzuset­zen, und eMule so zu einem heil­losen Chaos beiträgt. Mac­nutzer haben dieses Prob­lem nicht, dort hat sich Growl als zen­trales Benachrich­ti­gungssys­tem durchge­set­zt; aber die haben auch kein eMule. Unter Win­dows gibt es Snarl.

Snarl ist ein glob­ales Benachrich­ti­gungssys­tem für Win­dows. Pro­gramme informieren den Benutzer mit­tels Snarl über wichtige Ereignisse. Die Form der Benachrich­ti­gung kann der Benutzer voll­ständig kon­fig­uri­eren.

Mit Ver­sion 2.64 bekommt auch eMule beba Unter­stützung für Snarl: Falls es beim Start läuft, wird es automa­tisch erkan­nt und ver­wen­det es anstelle seines eige­nen Benachrich­ti­gungssys­tems. Dieser Automa­tismus kann auf Wun­sch über ein Kon­trol­lkästchen in den beba-Ein­stel­lun­gen abgeschal­tet wer­den (aber warum benutzt man Snarl dann über­haupt?).

Alle wichti­gen Ereignisse wer­den unter­stützt, wenn eines fehlt, lasst es mich bitte wis­sen.

Einige Zeichen­ket­ten, zum Beispiel die Beschrei­bung der reg­istri­erten Ereignisse in Snarl (etwa “Nachricht von”), sind noch nicht opti­mal gewählt, das ändere ich bis zur finalen Ver­sion noch.

Die Vor­ab­ver­sion kön­nt ihr vor­erst hier herun­ter­laden. Etwaige auftre­tende Prob­leme bitte ich umge­hend zu melden, Abstürze bitte in Form der ent­stande­nen .dmp-Datei.

Ich bedanke mich im Voraus und wün­sche viel Spaß beim Testen. :)


Nach­trag vom 11. Feb­ru­ar 2012: Die Test­phase ist vorüber, beba 2.64 “final” wurde veröf­fentlicht.

Musik
Jazz hat den Blues

Dass die Jugend von Musik keinen Schim­mer hat, ist nichts Neues. Dass aber auch die Lehranstal­ten, deren Auf­trag es eigentlich ist, das zu ändern, bei der Ver­mit­tlung der grundle­gen­den Musikken­nt­nisse ver­sagen, war mir neu, bis mir durch Zufall fol­gende Klausur in die Hände fiel:

Ein Musik­test zum The­ma Jazz mag mir wohl gefall­en. Wenn aber fünf von sechs Fra­gen sich mit dem Blues befassen und die sech­ste Spielarten von Blues, Jazz und völ­lig andere Rich­tun­gen bunt durcheinan­der­wirft, bleibt mir nur mehr ein Kopf­schüt­teln. Und die Kinder ler­nen nicht etwa, sich über die Hin­ter­gründe und Unter­schiede zu informieren, son­dern bekom­men eine gute Note dafür, sich falsche Zusam­men­hänge richtig zu merken. Stumpfes Pauken also.

Kein Wun­der, dass sie zu ihrer Unter­hal­tung nur noch diesen scheußlichen Pophiphop­unfug hören, wenn ihnen die Schule den Jazz madig macht.

PolitikIn den Nachrichten
Lecker Merkollade

So’n Pech:

Die franzö­sis­che Präsi­dentschaftswahl find­et am 22. April und am 6. Mai statt. Laut Umfra­gen liegt Hol­lande in der Wäh­ler­gun­st derzeit vor Sarkozy.

Wo die zwei Wochen zwis­chen der Wahl herkom­men, weiß ich nicht — von franzö­sis­ch­er Poli­tik habe ich nur wenig Ahnung. Es bere­it­et mir aber ein wenig Sorge, dass dem­nächst vielle­icht “Merkozy” Geschichte sein wird. Die Frage hier soll doch stets laut­en: Und dann?

Hier mein Vorschlag:

Gibt es bessere?

Montagsmusik
Grauzone — Eisbär

(… und dann sitzt man am Fen­ster und guckt auf end­los scheinende weiße Flächen hinab und würde gern schreien, aber dann wür­den die Leute komisch guck­en.)

Und über­haupt: Kalt.

GRAUZONE — EISBAER (remas­tered) — offi­cial video

Ich möchte ein Eis­bär sein im kalten Polar,
dann müsste ich nicht mehr schrei’n, alles wär’ so klar…

Die 80-er. Ein furcht­bares Jahrzehnt.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXXII: Was wirklich zählt

Dass die Begeis­terung junger Mäd­chen für Film­berühmtheit­en seit Jahrzehn­ten unge­hin­dert bleibt, ist ander­er­seits ganz gut, denn so kön­nen diese, sich ihrer Vor­bild­funk­tion meist bewusst, ihnen Werte vor­leben, die sie zu voll­w­er­ti­gen Mit­gliedern ein­er zivil­isierten Gesellschaft machen.

Sie kön­nen, müssen aber nicht:

Hol­ly­wood-Schaus­pielerin Drew Bar­ry­more freut sich sehr über den Antrag ihres Fre­un­des Will Kopel­man. Vor allem, weil er bei der Auswahl des vierkaräti­gen Ver­lobungsrings so guten Geschmack bewiesen hat­te.

Klar, die inneren Werte zählen, zum Beispiel die des Rings:

“Er (der Ring, A.d.V.) ist ein­fach wun­der­schön. Er hat ihn (den Ring, A.d.V.) aus­ge­sucht und er hat einen großar­ti­gen Geschmack. Er (der Ring, A.d.V.) ist wirk­lich extrav­a­gant. Ich bin eher ein flip­piges Mäd­chen, das ver­schiedene Dinge gerne zusam­men­mis­cht, deshalb habe ich das Gefühl, er (der Ring, A.d.V.) ist wirk­lich extrav­a­gant und ich ver­suche noch, mich damit (mit dem Ring, A.d.V.) wohlzufühlen”, so die 36-jährige Bar­ry­more, die bere­its zwei Mal ver­heiratet war, in einem US-Fernse­hin­ter­view.

Sich mit einem Ver­lobungsring wohlzufühlen scheint anstren­gend zu sein; das mit der ewigen Treue allerd­ings auch.
Ein neues hob­by reich­er Schaus­pielerin­nen: Extrav­a­gante Ringe sam­meln.

“The boy with the cold hard cash is always Mis­ter Right.”
— Madon­na: Mate­r­i­al Girl

Nerdkrams
EncFS und Dropbox unter Windows: Sicher “clouden” leicht gemacht

Aus dem Hause Drop­box gibt es momen­tan gute Neuigkeit­en zu ver­melden: Bere­its nach der kosten­losen Anmel­dung ist es, zumin­d­est unter Win­dows, zurzeit möglich, bis zu 4,5 GiB zusät­zlichen Spe­icher­platz für lau zu bekom­men. Voraus­set­zung sind einzig die Instal­la­tion der neuen Testver­sion 1.3.12 und eine aktivierte “Autostart”-Funktion für externe Daten­träger. Anschließend sollte ein solch­er, etwa eine externe Fest­plat­te oder eine SD-Karte, mit Bild- und/oder Video­dateien angeschlossen und der Menüpunkt zum Importieren dieser Dateien in Drop­box aus­gewählt wer­den. Für jedes halbe GiB wird der Drop­box-Spe­icher­platz ein­ma­lig, aber dauer­haft um diese Menge erhöht.

Nun ist Drop­box wegen ver­schieden­er Sicher­heits­be­denken erst im ver­gan­genen Jahr in die Kri­tik ger­at­en, und statt jet­zt Alter­na­tiv­en wie etwa Wuala (furcht­bar­er Name) zu bewer­ben, rate ich dazu, so etwas wie sen­si­ble Dat­en von frem­den Servern fernzuhal­ten: Wer zum Beispiel interne Unternehmens­dat­en frei­willig auf US-amerikanis­chen Servern ablegt, der ist zumin­d­est naiv.

Alter­na­tiv kann man sich auch mit Kryp­tografie behelfen. Con­tain­erver­schlüs­selung wie etwa per True­Crypt ist für die Ver­wen­dung mit Drop­box nicht empfehlenswert, “echte” Ver­schlüs­selung muss also her. Benutzer von Lin­ux- oder BSD-basierten Sys­te­men wie Mac OS X kön­nen auf EncFS zurück­greifen, das das lokale Drop­box-Verze­ich­nis (und somit auch seine Inhalte in der cloud) ver­schlüs­selt. Das kön­nen Win­dows­nutzer aber auch.

Zunächst benöti­gen sie hier­für die Dokan-Bib­lio­thek, eine Art FUSE, also die Basis für instal­lier­bare Dateisys­teme, für Win­dows. Sollte bere­its eine ältere Ver­sion vorhan­den sein, wird das Instal­la­tion­spro­gramm darauf hin­weisen, eine manuelle Dein­stal­la­tion mit anschließen­dem Neustart, um den Treiber voll­ständig zu ent­laden, wird emp­fohlen.

Wenn Dokan läuft, ist der Boden für EncFS bere­it­et. Eine Win­dows­portierung gibt es etwa hier. Es han­delt sich um eine wahlweise portable Anwen­dung, das .zip-Archiv kann also an einen beliebi­gen Ort ent­packt wer­den. Das Pro­gramm encfsw.exe dient der Steuerung von EncFS. Startet man es, taucht im Benachrich­ti­gungs­feld ein Schlüs­sel­sym­bol auf.

Nehmen wir an, wir haben noch kein ver­schlüs­seltes Verze­ich­nis in der Drop­box angelegt. Das kön­nen wir jet­zt nach­holen:

(Natür­lich sollte man die üblichen Regeln für möglichst kom­pat­i­ble Datei- und Verze­ich­nis­na­men beacht­en; Umlaute zum Beispiel sind tabu.)

Per Dop­pelk­lick auf das Schlüs­sel­sym­bol kön­nen wir diesen Ord­ner mit EncFS bekan­nt machen:

Anschließend denken wir uns ein sicheres Pass­wort aus und bekom­men oben­drein einen Laufw­erks­buch­staben für das “entschlüs­selte” Verze­ich­nis zugewiesen:

Jet­zt haben wir ein ver­schlüs­seltes Verze­ich­nis in der Drop­box. Um Dateien dort abzule­gen, müssen wir es, wie aus der *ix-Welt bekan­nt, moun­ten. Dazu bedarf es eines Recht­sklicks auf das Schlüs­sel­sym­bol und die Auswahl unseres ver­schlüs­sel­ten Verze­ich­niss­es. Nach Eingabe des fest­gelegten Pass­worts ist das virtuelle Laufw­erk, hier F:, benutzbar. Alle Dateien, die wir dort able­gen, wer­den automa­tisch via EncFS-Treiber ver­schlüs­selt:

Daten­schutz in der cloud funk­tion­iert eben doch. Trotz­dem sollte man ihn nicht der Bequem­lichkeit opfern und immer zweimal darüber nach­denken, ob Datei x wirk­lich in die Drop­box muss.

Kor­rek­turen, Anmerkun­gen und Ergänzun­gen sind gern gese­hen. :)

Sonstiges
Medienkritik LXIV: Im Focus der Säufer

Nett auch, “Focus”, ist deine dieswöchige Kam­pagne gegen den Alko­hol sich­er gemeint, aber sie wirkt doch ein wenig alt­modisch; wie du, “Focus”, selb­st allerd­ings auch. Das Titel­blatt ist bere­its viel­sagend:

Feiernde Jugendliche — das ide­ale Sym­bol­bild für ein Titel­bild zum The­ma “Die Gefahren des Alko­holkon­sums”. Wur­den die abge­bilde­ten Jugendlichen eigentlich vorher darüber informiert, dass sie nun an beina­he jedem Zeitschriften­stand wei­thin sicht­bar als poten­ziell komasaufende Men­schen gekennze­ich­net wer­den? Falls noch irgendw­er dachte, beim “Focus” würde man vielle­icht wenig­stens ein biss­chen sach­lich an das The­ma herange­hen, bist du, “Focus”, wenig­stens so fre­undlich, diese Hoff­nung mit dem Unter­ti­tel “Was tolerieren?” zunichte zu machen. Man weiß schon vor dem Lesen des Artikels: Ah, kon­ser­v­a­tive “Experten” wer­den zu Wort kom­men, die wortre­ich zu erk­lären ver­suchen, wieso Alko­holmiss­brauch unter Jugendlichen abnehmen sollte, wenn man nur kräftig genug mit dem recht­en Zeigefin­ger wedelt.

Und so ist es auch.

Der Tenor des Artikels lautet im Wesentlichen: Alko­holmiss­brauch sei typ­isch jugendlich, wobei der “Focus” das “jugendliche” Alter zwis­chen 10 und 25 Jahren ansiedelt (und dabei mal eben Men­schen Mitte 20 mit Grund­schulkindern ver­gle­icht), und ihm komme man nur mit Autorität bei. Das erin­nert mich ein wenig an die Simp­sons-Episode “All­ge­meine Aus­gangssperre”. Dass mir regelmäßig stark alko­holisierte Prekari­er über 30 begeg­nen, ist sich­er nur die berühmte Aus­nahme von der Regel.

Und der Wort­laut des Artikels ist noch bescheuert­er. Darin ste­ht zum Beispiel gle­ich zu Anfang dies:

Alko­hol gilt – trotz aller Gefahren – als der Rohstoff für gute Stim­mung, ger­ade unter Jugendlichen.

“Ger­ade unter Jugendlichen”: Ältere nehmen stattdessen richtige Dro­gen — oder wie ist das zu ver­ste­hen? Eigentlich ist es doch aber genau ander­sherum: Als Jugendlich­er exper­i­men­tiert man mit aller­lei Sub­stanzen, erst später fix­iert man sich auf den Alko­hol. Welche Jugendlichen wur­den da gefragt — die drei vom Titelfo­to?

Das ist noch nicht Besorg­nis erre­gend genug, also legt der “Focus” noch ein wenig Betrof­fen­heit nach und schildert zwei Fälle: Ein Jugendlich­er hat im Alko­hol­rausch beina­he jeman­den zu Tode getreten, ohne zu wis­sen, warum. Böse Jugendliche, bös­er Alko­hol. Für Fall Num­mer 2 musste man ein wenig nach­helfen:

Auch der Tod eines 44-jähri­gen Fam­i­lien­vaters nach ein­er Schlägerei am Vatertag in Ros­tock im ver­gan­genen Jahr lässt sich als furcht­bares Ende eines Besäufniss­es auf­fassen. Zwar war der Täter 24 Jahre alt, aber er hat­te schon in Teen-Jahren gezeigt, dass er mit Alko­hol nicht umzuge­hen ver­mochte.

Beina­he wäre die schöne These vom bru­tal­en Alki-Teen gekippt, aber zum Glück war der Täter schon als Kind ver­sof­fen. Ger­ade noch gerettet!

Um das Bild der verkomme­nen Schnap­sle­ichen­ju­gend zu kom­plet­tieren, ver­sucht man sich im Hause “Focus” auch mal an den anderen Dro­gen, lässt es aber zum Glück nach einem kurzen Absatz bleiben; vielle­icht hat das Autoren­trio “Ellen Daniel / Kurt-Mar­tin May­er / Her­bert Weber” noch rechtzeit­ig bemerkt, dass es von dem ganzen mod­er­nen Zeug eigentlich so gar keine Ahnung hat, weil die eigene Jugend schon ein paar Jahrzehnte her ist:

Der Wirk­stof­fge­halt von Haschisch, Mar­i­hua­na und Cannabis­blüten schwankt um bis zu 40 Prozent, wurde kür­zlich auf ein­er Bun­destagsan­hörung bekan­nt.

Dass man so etwas im Bun­destag erfährt, ist inter­es­sant zu wis­sen. Dass es in der Jugend der Autoren anscheinend nur Cannabis mit kon­stan­tem THC-Gehalt gab, übri­gens auch. Aber wir waren ja noch beim Alko­hol und schwanken schwenken da auch gle­ich wieder hin. Die Autoren haben näm­lich nicht nur keine Ahnung vom Kif­f­en, son­dern auch keine Ahnung vom Miteinan­der unter Jugendlichen:

Doch Bollern bleibt cool, oder welche Jugend­worte für die geplante Promil­leauf­nahme (wie alken, bin­gen, saufen) auch immer ger­ade ange­sagt sind (durstig sein zum Beispiel heißt „unter­hopft sein“).

Dass es “ange­sagte” Begriffe für’s Saufen gibt, wusste ich noch nicht, aber “bollern”, “unter­hopft sein” und “bin­gen”, von der Ortschaft und dem Verb für die Benutzung der Such­mas­chine “Bing” ein­mal abge­se­hen, las ich heute zum ersten Mal und hörte ich noch nie. Zu mein­er Zeit gab es keine homo­gene “Jugend­sprache”. Ich werd’ alt.

Und was wäre so ein Artikel ohne ein aus­führlich­es Gespräch mit einem “Experten”? Er wäre wert­los. Also holt sich das trio infer­nale den kon­ser­v­a­tivsten “Experten”, der ger­ade greif­bar war, näm­lich den Jugendpsy­chi­ater Michael Gün­ter, und über­schreibt das Gespräch so plaka­tiv, dass man sofort sieht, was darin ste­ht, ohne es lesen zu müssen:

Dieser “Experte” hat dann auch gle­ich die Lösung für alle Alko­hol­prob­leme parat: Ein­fach ver­bi­eten!

Das Trinken ein­fach ver­bi­eten – rat­en Sie auch das den Eltern, ist so etwas über­haupt durch­set­zbar?
Je jünger die Kinder sind, desto mehr Sinn sehe ich darin, klare Ver­bote auszus­prechen.

Weil näm­lich:

Ich halte Restrik­tio­nen und deren Überwachung für geeignete flankierende Maß­nah­men.

So ein­fach ist die Welt: Wenn man Kindern den Alko­hol ver­bi­etet, trinken sie keinen mehr. Vielle­icht sollte man ihnen auch das Rauchen und das Stehlen ver­bi­eten. — Ach so, das ist es schon? Dann will ich mal nichts gesagt haben. Wis­sen, wovon man spricht, ist ja auch eher so Mit­te­lal­ter.


Für meine regelmäßi­gen Leser abschließend noch ein eben­falls prozen­thaltiger Hin­weis bezüglich der F.D.P.: Null Prozent.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXXI: Eiskalt erwischt: Passagiere auf der Rodelbahn

Na endlich:

Auf den Gleisen der Deutschen Bahn kommt es offen­bar durch die Kälte wieder zu Prob­le­men mit fest­ge­froren (sic!) Weichen. Am Don­ner­stag­mor­gen blieb ein Regional­ex­press in Rich­tung Düs­sel­dorf auf­grund ein­er Weichen­störung am Duis­burg­er Haupt­bahn­hof ste­hen. Es kam zu weit­eren Ver­spä­tun­gen.

Das wurde auch Zeit — fast hät­ten wir seit Jahren den ersten Win­ter ohne Zugaus­fälle ertra­gen müssen. Ein undenkbar­er Zus­tand. Die Infra­struk­tur der Deutschen Bahn ist auf ungewöhn­lich nor­male Tem­per­a­turen nicht vor­bere­it­et; oder eben auch:

Früher hätt’s das nicht gegeben!

PolitikNetzfundstücke
Schmalhans des Tages: Erika Steinbach, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 2 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Schade: Die Junge Union Köln hat sich von Luca Leit­ter­storfs, der merk­würdi­ger­weise laut eigen­er Aus­sage bis­lang erst ein­mal als Fanatik­er beze­ich­net wurde, geistigem Brei dis­tanziert — wahrschein­lich ist er ihr noch zu gemäßigt. “Rechts von uns darf es nichts geben”, so oder so ähn­lich drück­te es doch F. J. Strauß aus (reimt sich). Jet­zt ist er (der F. J., nicht der Luca) tot, tja.

Schützen­hil­fe bekommt er (der Luca, nicht der F. J.) von Eri­ka Stein­bach, der langjähri­gen Präsi­dentin des Bun­des der Ver­triebe­nen, die gestern per Twit­ter ver­laut­en ließ:

Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? Nation­al­SOZIAL­IS­TIS­CHE deutsche ARBEITERPARTEI.….

Kurz hin­set­zen, sack­en lassen, nach­denken, eventuell empören. Die spon­tane Reak­tion der meis­ten Leser dieses Tweets schien die ersten drei Schritte zu über­sprin­gen: Wenn jemand sein Leben lang “links” sein wollte, nur um “gegen Hitler” zu sein, wäre es natür­lich ärg­er­lich, wenn er dafür stattdessen rechts sein müsste, würde das doch klar zeigen, dass seine einzige poli­tis­che Überzeu­gung ein stumpfes “dage­gen!” ist. Hitler, der linke Lüm­mel.

“Alles ist so, wie es ist, weil es so ist.”
– Die Gold­e­nen Zitro­nen: Fin de mil­lé­naire

Sack­en lassen und nach­denken: Der Erfolg der NSDAP war eine unmit­tel­bare Folge der Wirtschaft­skrise gegen Ende der 20-er Jahre des vorigen Jahrhun­derts. Dass die NSDAP auch poli­tisch linke Ideen als Kern­punk­te führte, ist sich­er nicht verkehrt, aber ein wenig Dif­feren­zierung ist schon von­nöten.

Erstens: Nation­alsozial­is­mus.

Der nationale Sozial­is­mus beze­ich­net zunächst ein­mal den Kom­pro­miss aus Nation­al­is­mus und Sozial­is­mus, zwei konkur­ri­eren­den poli­tis­chen Strö­mungen im deutschen Kaiser­re­ich. Vor­rangiges Ziel war eine starke Gemein­wirtschaft zum Zwecke des Woh­lerge­hens des deutschen Volkes und sein­er Stärkung gegenüber den herrschen­den Klassen. Dass Mit­glieder des Nation­al­sozialen Vere­ins, aufgelöst nach ein­er Wahlnieder­lage im Jahr 1903, später die Vor­läufer­parteien der F.D.P., ursprünglich Teil ein­er linkslib­eralen Strö­mung, grün­de­ten und die nun nicht ger­ade als faschis­tisch bekan­nte SPD sich mit dem Kriegssozial­is­mus zur ersten nation­al­sozial­is­tis­chen Partei Deutsch­lands machte, sollte klar machen, dass die poli­tis­chen Schubladen “links” und “rechts” schon vor hun­dert Jahren inhaltlich völ­lig über­holt waren.

Sozial­is­tis­che Kriegswirtschaft hat­te Deutsch­lands Bünd­nis­part­ner Josef Stal­in, der das mit dem völkischen Denken auch ganz gut kon­nte, eben­falls im Ange­bot, so unter­schiedlich waren die bei­den Staat­en anscheinend keines­falls; wer ist “links”, wer ist “rechts”? Was der sozial­is­tis­chen Sow­je­tu­nion zum Rechts­sein also noch fehlte, war der offen­sive Rassen­hass. Wird eine linke Partei zu ein­er recht­en Partei, wenn sie der­lei propagiert?

“Begriffe wie links und rechts basieren auf ein­er klas­sis­chen Def­i­n­i­tion von Arbeit, die mit der Infor­ma­tion­s­ge­sellschaft nicht mehr viel zu tun haben.”
– Mari­na Weis­band

Die Beto­nung beim Nation­alsozial­is­mus sollte wahrschein­lich eher auf dem ersten Bestandteil — Nation­alsozial­is­mus — liegen, um klarzu­machen, was die NSDAP eigentlich ober­fläch­lich von der SED unter­schied. Und apro­pos SED:

Zweit­ens: Arbeit­erpartei.

Gegrün­det wurde die DAP (später NSDAP) von Arbeit­ern, ihr Wesen wie auch das Wesen des Nation­al­sozial­is­mus’ war es, wie beschrieben, die Arbeit­erk­lasse zu stärken. Auch das galt jedoch expliz­it für die deutschen, arischen Arbeit­er, deren gesellschaftlich­er Auf­stieg zu Kämpfern für das Vater­land an den real existieren­den Sozial­is­mus im Arbeit­er- und Bauern­staat — arbeite hart für dein Volk, wie es dein Volk auch für dich tut — erin­nern mag, der mit dem, was die Ewiggestri­gen unter “rechts” ver­ste­hen, kaum Gemein­samkeit­en aufweist, aber anscheinend gibt es guten und schlecht­en Nation­al­is­mus. Der Nation­al­is­mus von DDR, Chi­na und Sow­je­tu­nion war pri­ma, weil er halt nicht auf (west-)deutschem Boden stat­tfand. Weit weg, inter­essiert uns nicht. Andere nation­al­is­tis­che und sozial­is­tis­che Staat­en haben ihre Völk­er­morde eben weniger wer­be­wirk­sam aufge­zo­gen. Die DDR, immer­hin, hat auf einen solchen verzichtet. Ist sie damit der einzige “linke” von den genan­nten Staat­en gewe­sen?

Wer im Übri­gen den Fehler macht, Nation­al­is­mus und Patri­o­tismus miteinan­der zu ver­wech­seln, dem erscheint diese ganze Diskus­sion wahrschein­lich vol­lkom­men deplatziert. Zur groben Ori­en­tierung dies: Die USA sind patri­o­tisch, Frankre­ich ist nation­al­is­tisch. Man sollte Nation­al­is­mus, Ras­sis­mus, Anti­semitismus und Faschis­mus nicht unbe­d­ingt immer gle­ich­set­zen, auch, wenn das eigene Welt­bild dadurch schön ein­fach wird. Links ist sozial und sozial ist gut, liebe Grüße auch an Fidel Cas­tro; rechts ist (blöd und) nation­al und die Nation ist böse, wenn sie halt nicht ger­ade den eige­nen Leben­sun­ter­halt finanziert. JU: Neukon­ser­v­a­tiv, rechts! Natür­lich mit Aus­rufeze­ichen, bitte gebrüllt mit rol­len­dem “r” vorstellen.

Und über­haupt, Frau Stein­bach, da wir ger­ade beim Dif­feren­zieren sind: “Die NAZIS” waren gar keine Partei, sie waren Mit­glieder ein­er solchen — und nicht ein­mal immer der­sel­ben.

Aber das passt halt nicht in 140 Zeichen.