Wer häufiger mal längere Texte an seinem Windows-Rechner schreibt und nebenbei zum Beispiel in Foren oder im IRC diskutiert, der steht oftmals vor dem Problem, dass die Windows-Zwischenablage sehr begrenzt ist. Mehrere Text- oder Bildausschnitte zur gleichen Zeit passen nicht in sie hinein. (Linuxnutzer mit dem allzu oft unterschätzten KDE haben dieses Problem immerhin nicht.)
Aber selbst Letztere sehen sich mitunter mit einer anderen Hürde konfrontiert: Man schreibt gerade einen längeren Blog- oder Forenkommentar, drückt eine falsche Taste, und alles ist weg. Was tun? Verzweifeln? Neu schreiben? Mitneffen: Wofür gibt’s Programme, die das beseitigen?
Problem Nummer 1: Die begrenzte Zwischenablage von Windows.
mIRC-Benutzer kennen das wahrscheinlich: Markieren sie versehentlich einen Text, weil sie zu langsam doppelklicken, überschreibt dieser Text alle Inhalte der Zwischenablage, sofern die entsprechende Funktion nicht deaktiviert ist. Auch sonst ist man manchmal in der misslichen Situation, mehrere Textschnipsel oder ähnliches gleichzeitig zu benötigen, etwa, wenn man sich manchmal auf seiner Internetseite über SPIEGEL Online lustig machen will.
Programme, die die Windows-Zwischenablage entsprechend erweitern, gibt es mit dem hervorragenden ac’tivAid, Ditto, ClipMan und anderen in großer Zahl, wirklich überzeugt hat mich aber nur das portable ArsClip.
ArsClip, das nur in englischer Sprache verfügbar ist, dessen Konfigurationsfenster man allerdings auch nie wirklich benötigt, “kapert” — arrr! — die windowseigene Kopierfunktion inklusive des Tastenkürzels Strg+C und speichert so mehr als nur die letzte kopierte Eingabe zwischen. Die gespeicherten Ausschnitte — auch Multimediaschnipsel werden unterstützt — sind über ein einstellbares Tastenkürzel, etwa Strg+Alt+V (analog zu Strg+V), in Menüform abruf- und editierbar:
Hierbei wird der letzte verwendete Ausschnitt aus dem Menü automatisch auch per Strg+V verfügbar gemacht; verwendet man also zum Beispiel den drittneuesten Eintrag im Menü, so kann dieser anschließend auch per Strg+V überall eingefügt werden, wo man ihn benötigt. Ich würde so weit gehen, ArsClip als unverzichtbares Werkzeug für jeden, der was mit Internet macht, zu bezeichnen. Tu’ ich aber nicht.
Problem Nummer 2: Der fehlende Zwischenspeicher von Firefox.
Natürlich gibt es Leute, die längere Texte wie etwa diesen hier in ihrem Texteditor schreiben, bevor sie ihn in ihren Browser kopieren, und dies etwa mit der Erweiterung “It’s All Text!” oder Text Editor Anywhere unterstützen. Jedes Mal den Texteditor zu starten, wenn man mal eben einen Blogkommentar hinterlassen möchte, ist aber vielleicht manch jemandem zu umständlich. Und dann findet man plötzlich zufällig die Tastenkombination, um Firefox ungefragt zu beenden, und darf noch mal von vorn beginnen. Das ist nicht schön.
Die Firefox-Erweiterung Textarea Cache löst dieses Problem ziemlich elegant: Jeder in ein Textfeld eingegebene Text wird automatisch protokolliert und ist per Klick auf das Symbol in der “Addon-Leiste” wieder abrufbar, kategorisiert nach dem Titel der Webseite und mit einstellbarer Speichergröße:
Mit Lazarus gibt es eine Alternative für diejenigen Internetnutzer, die Chrome und/oder Safari neben oder anstelle von Firefox verwenden. Lazarus kann auch weitere Formulareingaben speichern, verwendet aber das Kontextmenü statt eines separaten Fensters — wer bereits DownThemAll!, FlashGot, LastPass, ColorZilla und die üblichen weiteren Standarderweiterungen benutzt, die das Kontextmenü des Browsers zum Teil ungefragt erweitern, der bevorzugt unter Umständen auch deshalb Textarea Cache.
An Alternativen soll’s nicht mangeln. Für jedenfalls mich sind genannte Programme indes inzwischen unverzichtbar.
Ergänzungen sind gern gesehen.


