Oh, was lässt das Auswärtige Amt (“AA”, hihi) denn da in der Kategorie “Friedenspolitik” verlauten? Deutsche Panzer rollen weiter, dem Wachstum der Rüstungsindustrie zuliebe:
Am 26. Januar hat der Bundestag beschlossen, dass das ISAF-Mandat der Bundeswehr in Afghanistan bis zum 31. Januar 2013 verlängert wird.
Nachdem sie alles kurz und klein geschossen und massenhaft Zivilisten gemeuchelt haben, ja, nicht einmal mehr der Auslöser für den Einsatz noch existiert, ist das natürlich eine gute und richtige Entscheidung; sozusagen als Belohnung für die hervorragende Arbeit:
(…) Die deutschen Soldaten hätten — wie auch die Entwicklungshelfer und Diplomaten — in Afghanistan unter schwierigen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet(…).
Die bisher mit Abstand größte Zahl von Opfern durch einen Einsatz der ISAF war Folge einer Bombardierung durch US-Flugzeuge am 4. September 2009, die von Deutschen angefordert worden war. Nach NATO-Einschätzung wurden dabei bis zu 142 Menschen, darunter auch Kinder, getötet oder verletzt. Gute Arbeit, meine Herren! (Apropos: “Unter schwierigen Bedingungen” hatte doch auch Frhr. v.u.z. Guttenberg “seine” “Doktorarbeit” “angefertigt”, oder?)
Natürlich weiß das Auswärtige Amt, dass die deutschen Bürger teilweise nicht doof sind, und versucht es mit einer Erklärung, die die Konservativen unter den Wählern zufriedenstellen sollte:
So gebe es Fortschritte bei der Sicherheitslage, dem Wiederaufbau und beim Kampf gegen den Terrorismus.
Mehr Sicherheit! Weniger Terrorismus! Mal was anderes als immer nur “das böse Internet”, immerhin. Hierzu nur zwei Anmerkungen:
- Die Bundeswehr hat “in internationalem Auftrag” ein Land zu zerstören geholfen, das diese Hilfe gar nicht wollte. Ausländer, die ungebeten Anschläge verüben, bei denen bislang einige Tausend Menschen gestorben sind — wenn Afghanen das in den USA machen, ist es Terrorismus, wenn die USA das in Afghanistan machen, ist es ein Hilfseinsatz. Schön, dass wir mal darüber geredet haben.
- Der “Wiederaufbau” wäre nicht notwendig, wenn man nicht vorher alles kaputtgeschossen hätte. So schafft man sich also die Grundlagen, die das eigene Handeln rechtfertigen: “Wenn es nach uns ginge, wären wir gar nicht in Afghanistan, aber wir haben alles zerstört, so können die doch nicht leben!” — Natürlich auch weiterhin: Hilfe nur mit Panzern und Gewehren. Für die Sicherheitslage, wissenschon.
Denn eigentlich will man gar nicht in Afghanistan sein:
(…) Deutschland handle entsprechend der international vereinbarten Strategie, die auf die schrittweise Übergabe der Verantwortung und schrittweise Reduzierung der internationalen Truppen in Afghanistan setzt.
Manche schreiten eben etwas langsamer voran als andere. Auch geistig:
“Wir dürfen weder das bisher Erreichte noch die Sicherheit unserer Truppen aufs Spiel setzen”, betonte der Bundesaußenminister. Sehr wichtig seien Fortschritte bei der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte und beim politischen Prozess.
Die Sicherheit von Truppen ist am ehesten gewährleistet, wenn man sie noch ein paar Monate länger in ihren Panzern durch ein vermintes Land gurken lässt, statt sie nach Hause zu schicken. Guckt doch mal in die Zeitung, wie viele Leute pro Tag in Deutschland sterben! Das wäre unverantwortlich!
Das “bisher Erreichte” — ein weitgehend zerstörtes Land ohne eigene Innen- und Außenpolitik und mit totem oder traumatisiertem Zivilvolk — kann der Bundeswehr aber niemand nehmen. Keine Sorge. Vielleicht gibt es ja dafür noch ein paar Orden — in “Grand Theft Auto” gibt es ja auch Bonuspunkte, wenn man einen Kinderwagen zusammen mit der Mutter über den Haufen fährt. Das ganze Leben ist ein Spiel…
Ach, jetzt sind schon wieder so viele Sätze ohne “Terrorismus” gefallen, das kann nicht so bleiben:
(…) “Wir tun alles dafür, damit Afghanistan nicht erneut in Chaos und Bürgerkrieg versinkt und Rückzugsort für internationale Terroristen wird”, unterstrich Westerwelle. Das liege auch in unserem eigenen Sicherheitsinteresse.
Die internationalen Terroristen kommen dann halt lieber hierher, sagen die Innenpolitiker. Vielleicht sollten die Ministerien sich besser absprechen. (Mein Sicherheitsinteresse hätte mit einer Ansammlung internationaler Terroristen in Afghanistan übrigens ein geringeres Problem als mit der Stationierung deutscher Auftragsmörder “in meinem Namen” ebendort.)
Man habe auf diesem Weg Fortschritte gemacht — bei allen Problemen und bei allen Rückschlägen, mit denen leider auch weiter zu rechnen sei.
“Rückschläge”. Aber immerhin: Fortschritte!
Krieg reicht aber nicht, hat selbst Herr Westerwelle erkannt:
(…) Am Ende werde es in Afghanistan nur eine politische Lösung geben.
So sieht es aus: Die Endlösung kann nur politisch erfolgen. Vielleicht sollte man, so lange man eh’ noch in dem Land ist, gleich Nägel mit Köpfen machen und alles, was mindestens halbafghanisch ist, in Arbeitslager stecken — dann kommen die gar nicht erst auf die Idee, Dummheiten zu machen. Problem gelöst, nicht wahr?
“Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.”
— George Santayana