In den Nachrichten
Äppel statt Büchers

Eine ganz tol­le Neu­ig­keit dringt da aus der Regi­on Braun­schweig her­über:

Apple hat ange­kün­digt, mit iPads und iBooks die Klas­sen­zim­mer erobern zu wol­len.

iBooks wür­den ide­al in heu­ti­ge Schu­len pas­sen, sechs Jah­re alte Hard­ware ist in deren „Com­pu­ter­räu­men“ ja durch­aus nicht unüb­lich, wahr­schein­lich waren aber Mac­Books gemeint. Kann man ja mal ver­wech­seln, wenn man Apple ist.

Die IGS Volk­ma­ro­de ist die erste Schu­le in Nie­der­sach­sen, in der Schü­ler schon mit den klei­nen Tablet-Com­pu­tern arbei­ten.

„Arbei­ten“; na den­ne. Sind mit den „klei­nen Tablet-Com­pu­tern“ jetzt eigent­lich die iPads oder die Mac­Books gemeint? So ein Mac­Book Air ist ja auch nicht gera­de klein.
Aber die inne­ren Wer­te zäh­len:

Schul­lei­ter Chri­sti­an Düwel nennt die Vor­tei­le der hand­li­chen Com­pu­ter: „Anders als ande­re Rech­ner müs­sen Tablet-Com­pu­ter nicht erst lan­ge hoch­ge­fah­ren wer­den. Man stellt sie an und ist sofort online. Der Auf­wand ist mini­mal und die Bedie­nung sehr ein­fach.“

Ein „gesun­des“ Win­dows 7 benö­tigt zum Star­ten weni­ger als eine Minu­te. „Weni­ger als eine Minu­te“ ist aller­dings, das ver­ste­he ich, deut­lich län­ger als „sofort“, und im Unter­richt kommt es auf jede Sekun­de an, die die poten­zi­el­len App­le­kun­den im Inter­net ver­brin­gen kön­nen. Natür­lich nur zur Recher­che:

(…) „Über das Inter­net holen wir die Welt ins Klas­sen­zim­mer. Die Recher­che­mög­lich­kei­ten sind unbe­grenzt, das ist natür­lich fas­zi­nie­rend“, schwärmt der Schul­lei­ter. Zudem gebe es zahl­rei­che Anwen­dun­gen, die man nut­zen kön­ne. Im Musik­un­ter­richt könn­ten die Schü­ler bei­spiels­wei­se mit einer App sel­ber Lie­der kom­po­nie­ren: „Ob Rap-Song oder Saxo­phon-Solo – jeder nach sei­nem Geschmack und jeder in sei­nem eige­nen Lern­tem­po.“ Die Ergeb­nis­se wer­den dann per Maus­klick unter­ein­an­der aus­ge­tauscht.

„Oooh, was es da alles zu sehen gibt!“
– Dago­bert Duck bei sei­nem ersten Auf­ent­halt im Inter­net

Natür­lich wür­de kein Schü­ler auf die Idee kom­men, ein­mal nach­zu­se­hen, ob im Inter­net auch unter­richts­fer­ne Inhal­te zu fin­den sind. Flash kann das iPad zum Glück ohne­hin nicht, Por­no­strea­ming fällt also aus. Mich beschleicht anhand sei­ner Schil­de­rung aller­dings eine lei­se Ahnung, dass Herr Düwel, ver­gli­chen mit sei­nen Schü­lern, ein Inter­net­no­vi­ze ist und vor allem davon aus­geht, dass das, was die Lehr­kraft im Unter­richt vor­führt, auch von allen ande­ren Anwe­sen­den ohne Umschwei­fe wie­der­holt wird.

Aus ähn­li­chem Grund waren in mei­ner Schul­zeit die Com­pu­ter­räu­me meist besetzt; oft auch dann, wenn dort gar kein Unter­richt statt­fand. Die­se wiss­be­gie­ri­ge Jugend – nicht ein­mal Frei­stun­den vom Ler­nen gönnt sie sich!

Ins­be­son­de­re wer­de dis­ku­tiert, wel­chen päd­ago­gi­schen und didak­ti­schen Vor­teil iPads im Unter­richt hät­ten.

Ein Vor­teil liegt klar auf der Hand: Die Stö­rer, die nur ihre Pflicht­zeit in der Schu­le absit­zen wol­len, hal­ten im Unter­richt end­lich mal die Fres­se und wid­men sich sogar dem Lehr­ma­te­ri­al. (Apro­pos, auch recht lesens­wert: „Am besten ver­zich­ten [um ihre Pri­vat­sphä­re besorg­te Men­schen] dar­auf, ein Mobil­te­le­fon mit sich her­um­zu­tra­gen – ins­be­son­de­re ein Smart­phone. Denn die Gesetz­ge­bung hat noch nicht mit der Tat­sa­che Schritt gehal­ten, dass wir Peil­sen­der kau­fen, mit denen wir auch tele­fo­nie­ren kön­nen.“)

Anders als in den USA, wo Her­stel­ler Apple neu­er­dings mit gro­ßen Schul­buch­ver­la­gen zusam­men­ar­bei­tet, wol­len die deut­schen Ver­la­ge nicht mit­zie­hen. Sie haben eine eige­ne Platt­form ent­wickelt, auf der sie digi­ta­le Schul­bü­cher anbie­ten wol­len. (…) Beim Braun­schwei­ger Schul­buch­ver­lag Wester­mann war am Diens­tag zu die­sem The­ma nie­mand zu errei­chen.

„Wat? Inder­nett? Machen­wa nicht. *klick*“

Düwel ist inzwi­schen rest­los über­zeugt vom iPad. Ihm wäre es am lieb­sten, wenn jeder Schü­ler sein eige­nes Gerät hät­te.

iPads für alle! Schü­ler zu mün­di­gen Men­schen erzie­hen und sie mit Medi­en­kom­pe­tenz aus­stat­ten ist halt Sache der Eltern, nicht der Schu­len. „Sape­re aude“, das gehört in den Geschichts­un­ter­richt, aber doch nicht in eine moder­ne, unab­hän­gi­ge, auf­ge­klär­te Schu­le! iPads sind gut, iPads sind die Zukunft, da können’se jeden Com­pu­ter­fach­mann fra­gen. Android? Ach was, Frickel­kram. Außer­dem sind die Schü­ler ganz ver­rückt nach dem ange­bis­se­nen Apfel – die wer­den schon wis­sen, was gut ist. „Nicht für die Schu­le, son­dern für das Leben ler­nen wir“, und im Leben zählt nun ein­mal oft die Brief­ta­sche.

Aber wer soll das bezah­len?

Aber wer soll das bezah­len? Die 20000 Euro für den ersten Klas­sen­satz hat die Stadt über­nom­men – die Schu­le ver­zich­te­te dafür auf neue Lap­tops für den EDV-Raum.

Hof­fent­lich müs­sen die Nach­wuchs­ta­len­te nicht irgend­wann mal Brie­fe schrei­ben ler­nen, denn ohne eine ange­mes­se­ne Tasta­tur macht das kei­nen Spaß, auch nicht mit mei­nem lei­der noch nicht paten­tier­ten Vier­fin­ger­sy­stem. (Einer der Grün­de, wie­so ich oft etwas län­ger an neu­en Arti­keln fei­le, statt sie gleich zu ver­öf­fent­li­chen: Auf mei­nem smart­phone möch­te ich nichts schrei­ben müs­sen, was kom­ple­xer ist als ein Tweet.)

Die iPad-Freun­de hof­fen nun, dass das Bud­get ent­spre­chend erhöht wird und kei­ner der Ent­schei­der mal auf die Idee kommt, Prei­se zu ver­glei­chen und womög­lich fest­zu­stel­len, dass iPads nicht nur tech­nisch, son­dern auch preis­lich mit gleich- oder höher­wer­ti­gen Android-Tablets nicht mit­hal­ten kön­nen.

Andern­falls müss­ten die Eltern die Kosten tra­gen – meh­re­re hun­dert Euro pro Gerät. „Das kön­nen nicht alle Eltern lei­sten, und wir wol­len auch nie­man­den aus­schlie­ßen“, betont Düwel. Der­zeit wer­de nach einer Lösung gesucht. (…)

Dabei liegt die­se Lösung doch auf der Hand: Eltern, die sich den tech­ni­schen Fir­le­fanz nicht lei­sten kön­nen oder wol­len, wer­den eben dezent, aber bestimmt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr Kind für die­se Schu­le viel­leicht doch nicht so gut geeig­net ist. Man könn­te aber auch ein­fach beim Steu­er­zah­ler die Hand auf­hal­ten. An finan­zi­el­len Mit­teln für die Anschaf­fung unnö­ti­gen Blöd­sinns man­gelt es der öffent­li­chen Hand ja inter­es­san­ter­wei­se nie, zu plei­te für huma­ni­tä­re Hilfs­ein­sät­ze ist Deutsch­land wohl noch lan­ge nicht. Was sind da schon ein paar iPads?

Inwie­fern nun zum Bei­spiel apps, die auf Berüh­rung Geräu­sche von sich gibt, das Erler­nen eines Musik­in­stru­ments erüb­ri­gen sol­len, weiß Herr Düwel lei­der nicht vor­zu­brin­gen, aber wen inter­es­siert das heu­te noch? Wer nach dem War­um fragt, ist von gestern, wur­de von der Digi­ta­li­sie­rung abge­hängt und soll­te schleu­nigst in Ren­te gehen. Alle machen’s jetzt so, also ist es gut.

„Lie­be Güte, Sam­son!“
– Tri­xi, c/o „Chip & Chap“

Senfecke:

  1. Auf mei­nem smart­phone möch­te ich nichts schrei­ben müs­sen, was kom­ple­xer ist als ein Tweet.

    Also ich muss rück­blickend sagen, auf einem Mile­stone ging das echt gut :evil:

    An finan­zi­el­len Mit­teln für die Anschaf­fung unnö­ti­gen Blöd­sinns man­gelt es der öffent­li­chen Hand ja inter­es­san­ter­wei­se nie, zu plei­te für huma­ni­tä­re Hilfs­ein­sät­ze ist Deutsch­land wohl noch lan­ge nicht. Was sind da schon ein paar iPads?

    Wie­so zum Hitler…äh…Luca Leit­ters­torf schicken wir dann nicht gleich iPads nach Grie­chen­land?

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