NetzfundstückeMir wird geschlecht
Kopf­weh­tex­te: Julia Schramm und das Schwur­bel­pro­blem

(Vor­ab: Dies ist die Weni­ger­kurz­fas­sung eines Bei­trags, den ich bereits anders­wo ver­öf­fent­licht hat­te. Wer ihn schon kennt, der möge anders­wo wei­ter­le­sen.)

Im August 2011 habe ich zum ersten Mal etwas aus­führ­li­cher von der so genann­ten „Spacke­ria“, einer Ansamm­lung von Men­schen mit der immer­hin recht eigen­wil­li­gen Ansicht, Daten­schutz sei nicht mehr zeit­ge­mäß oder so, gehört, als Spacke­ria-Mit­glied (oder heißt das „Spacke­rin“?) und Pirat Julia Schramm sich in ihrer Par­tei auf­grund der Ansicht besag­ter Ansamm­lung von Men­schen eini­ger­ma­ßen unbe­liebt mach­te. Das The­ma ebb­te aller­dings wenig spä­ter eben­so ab wie das The­ma „Staats­tro­ja­ner“; man­ches lässt sich eben ganz gut aus­sit­zen. Abge­se­hen von Micha­el See­mann, bes­ser bekannt als mspr0, des­sen eines Blog ich manch­mal lese, aber sel­ten ver­ste­he, ver­schwan­den Julia Schramm und die Spacke­ria wie­der aus mei­nem Wahr­neh­mungs­feld.

Ich weiß nun immer noch nicht so genau, wer Julia Schramm eigent­lich ist, von obi­gen Eigen­schaf­ten ein­mal abge­se­hen, weil mich Klatsch und Tratsch nicht son­der­lich inter­es­sie­ren; aber immer, wenn sie etwas schreibt, ver­ste­he ich zumin­dest, wie­so die Spacke­ri­sten beim ein­fa­chen Volk so unbe­liebt sind: Sie ver­lie­ren sich in end­lo­sem Geschwur­bel ohne Hand und Fuß.

Die Spacke­ria hat ein Schwur­bel­pro­blem.

Der Micha­el See­mann hat manch­mal inter­es­san­te Ideen (die ich zum gro­ßen Teil aller­dings nicht so toll fin­de und nicht ver­wirk­licht sehen will – aber man darf ja durch­aus auch ande­re Anschau­un­gen inter­es­sant fin­den), nur hat er das Pro­blem, dass er die­se Ideen unter sei­ten­wei­se Geschwur­bel ver­steckt. Da schlägt dann fast immer TL;DR zu.

Heu­te nun hat sich Julia Schramm wie­der zu Wort gemel­det; nicht aller­dings als Ver­tre­ter der post-pri­va­cy, son­dern als Mit­glied der Pira­ten­par­tei. Für den „Frei­tag“ refe­rier­te sie über das ver­meint­li­che „Geschlechterpro­blem“ der Pira­ten­par­tei.

Gegen die Ein­lei­tung habe ich, von der Inter­punk­ti­on abge­se­hen, nicht ein­mal etwas ein­zu­wen­den:

Bei den Pira­ten kämp­fen die männ­li­chen gegen die weib­li­chen Nerds. Der gegen­sei­ti­ge Vor­wurf: Frau­en- bzw. Män­ner­feind­lich­keit. Dass es um Teil­ha­be geht, ver­ges­sen alle

So weit, so rich­tig, und so wenig wer­den die Grü­nen das jemals ver­ste­hen. Und dann aber:

Vor allem Frau­en, aber natür­lich in erster Linie Män­ner, sträu­ben sich inner­halb der Par­tei mit erstaun­li­cher Hef­tig­keit gegen den Begriff Femi­nis­mus.

„Vor allem Frau­en, aber natür­lich in erster Linie Män­ner“, also ins­be­son­de­re Mit­glie­der bei­der Geschlech­ter, nicht aber Herm­aphro­di­ten (?!), sträu­ben sich als Pira­ten gegen den Begriff Femi­nis­mus? Nein, gegen den Begriff hat nie­mand etwas, nur gegen Geschlech­ter- statt Kom­pe­tenz­quo­ten, aber das kann man ja mal ver­wech­seln, wenn man sich schon „Spacke­ria“ nennt. Wobei, nur weni­ge Sät­ze spä­ter, es heißt:

Für eini­ge ist Femi­nis­mus syn­onym mit Quo­te.

Unter ande­rem anschei­nend für einen Teil der Autorin, der ande­re Teil der Autorin hat es ver­stan­den, behaup­tet er; oder behaup­tet es der ande­re? (Ihr merkt, lie­be Leser: Tex­te von Julia Schramm zu ver­ste­hen ist nicht leicht.)

Wäh­rend nun der Pira­ten-Nerd zum so ver­hass­ten Inter­net­aus­drucker beim The­ma Femi­nis­mus wird, mutie­ren die durch­schnitt­li­chen Femi­ni­stIn­nen zum Nerd und beschimp­fen den Pira­ten-Nerd für den ekla­tant unin­for­mier­ten Umgang mit femi­ni­sti­schen Begrif­fen und dem dazu­ge­hö­ri­gen Den­ken.

Die­sen Satz muss­te ich drei­mal lesen. Wer schafft weni­ger? – Der Nerd also wird zum Anti­nerd und der/die/das Feminist/in/num zum Nerd, wenn es um Femi­nis­mus geht; bedeu­tet das im Umkehr­schluss, dass die Nicht­pi­ra­ten­nerds von allem außer Femi­nis­mus kei­nen Schim­mer haben? Bedeu­tet das über­haupt irgend­et­was?

Ich habe es immer noch nicht geschafft, besag­ten Text zu Ende zu lesen, ohne voll­ends den Faden zu ver­lie­ren. Hat es jemand geschafft und kann mir kurz die Ver­mu­tung bestä­ti­gen, dass der Text kei­ner­lei wei­te­re Infor­ma­tio­nen ent­hält?

Wei­ter unten – das fiel mir beim Über­flie­gen auf – schrieb Julia Schramm dies:

Denn nur über Exklu­siv­wis­sen und gemein­sa­mes Han­deln wird die so lang ersehn­te Inklu­si­on voll­zo­gen, die so viel gutes Gefühl, ja Aner­ken­nung ver­mit­telt.

Viel­leicht schreibt man als Mit­glied der Spacke­ria sei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen ja des­halb immer so, dass kei­ner, der nicht aus dem glei­chen Wis­sens­fun­dus schöpft, noch ver­steht, wor­um es eigent­lich geht: Dies gewähr­lei­stet eine Exklu­si­vi­tät der eige­nen Inter­es­sens­ge­mein­schaft, denn die Ein­stiegs­hür­de, näm­lich das nöti­ge Abstrak­ti­ons­ver­mö­gen, um den Sinn zu erken­nen, erscheint für Außen­ste­hen­de unüber­wind­bar.

Mein Kopf tut weh, ich mach‘ die Augen zu… (Nena)

Senfecke:

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