Sonstiges
8. März: Internationaler Frauentag 2012

So ein Weltkrieg bringt ja in der Regel mit steigen­der Dauer auch immer mehr Leid mit sich; Armut, Zer­störung und soziale Mis­sentwick­lun­gen sind an der Tage­sor­d­nung. In direk­ter Folge des Ersten Weltkrieges etwa wurde der Ver­sailler Ver­trag geschlossen, dessen Klauseln unter anderem die Hyper­in­fla­tion im Deutschen Reich begün­stigten und infolgedessen den Auf­stieg der NSDAP förderten. Außer­dem wurde der Inter­na­tionale Frauen­tag neu formiert.

Der Inter­na­tionale Frauen­tag ist ein Ver­such, die Frau als Indi­vidu­um weit­er zu schwächen und sie auf­grund des Umstands, dass sie meis­tens Brüste und/oder eine Vor­liebe für scheußliche Far­ben hat, in eine Gruppe einzuteilen, die allein deshalb feiern­swert sein möge. Ursprünglich set­zte man sich für das Frauen­wahlrecht ein, da sich das aber irgend­wann qua­si von selb­st erübrigte, gab man dem Tag einen bedeu­tungsvolleren Namen, näm­lich Tag der Vere­in­ten Natio­nen für die Rechte der Frau und den Welt­frieden, was miteinan­der ja vieles zu tun hat, denn wenn Frauen mehr Rechte hät­ten, gäbe es auf der ganzen Welt keine Kämpfe mehr, wenn nicht ger­ade Som­mer­schlussverkauf ist — das wird’s sein. Dass die Frieden­strup­pen der Vere­in­ten Natio­nen zu den Recht­en der Frau ihren Teil beitra­gen, ist da vielle­icht nur eine iro­nis­che Fußnote:

Einen zusät­zlichen Auf­schwung des Pros­ti­tu­tion­s­geschäfts verur­sachte zudem die Sta­tion­ierung von KFOR-Sol­dat­en, UN-Mitar­beit­ern und diversen west­lichen Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen im Koso­vo. Kaum waren diese eingetrof­fen, schossen Bor­delle wie Pilze aus dem Boden!

Frieden­skriege bleiben eben genau das, und den Frieden und den ideellen Wert der Frau an sich (“und jet­zt im Chor, wir sind alle indi­vidu­ell!”) zu sich­ern geht eben nicht gle­ichzeit­ig; die unweiger­lich resul­tierende Entschei­dung bedarf kein­er weit­eren Über­legung. Ander­er­seits: Direkt unan­genehm ist es vie­len Frauen ja augen­schein­lich nicht, auf ihre Möpse reduziert zu wer­den, verewigen sie sel­bige doch mitunter aus freien Stück­en in Bild­form in so genan­nten “sozialen Net­zw­erken” in der Hoff­nung, zahlre­ich­es Inter­esse zu weck­en. (Um sach­di­en­liche Hin­weise, ob es außer­halb ein­schlägiger Por­tale eine ähn­lich hohe Prozentzahl von zeige­freudi­gen Män­nern gibt, wird gebeten.)

“Ich ver­ste­he das Kon­strukt dieses Tages nicht.”
– Twit­ter-Nutzer “nutel­la­gang­bang”

Wenn der Inter­na­tionale Frauen­tag gle­ichzeit­ig der Tag für den Welt­frieden ist, ist dann der Inter­na­tionale Män­nertag eigentlich der Tag der Weltkriege? Die Vere­in­ten Natio­nen unter­stützen diesen Tag lei­der noch nicht als einen offiziellen und weltweit­en, wom­it wir wieder bei der Gle­ich­berech­ti­gung wären, somit kon­nte ich das auf die Schnelle nicht nach­schla­gen, aber warum sollte man auch wollen, dass die Rechte der Män­ner und Jun­gen gestärkt wer­den?

Die Welt braucht unbe­d­ingt diesen “Frauen­tag”, denn sie wer­den gesellschaftlich noch nicht genug hofiert, tja­ja; und dass viele Frauen sich in ein­er Umge­bung, die sich um so etwas nicht schert, wohler fühlen als mit dem Stig­ma der gefäl­ligst anzu­be­tenden Göt­tin, ist der Gesellschaft mal her­zlich egal. Fragt man näm­lich Frauen danach, ob sie lieber als Men­sch oder als Frau wahrgenom­men wer­den, so fällt das Ergeb­nis in der Regel ziem­lich ein­deutig aus: Wie soll man die Ressen­ti­ments gegenüber dem anderen Geschlecht abbauen, wenn das andere Geschlecht auf seine Beson­der­heit pocht?

Welchem Zweck genau dient also der Welt­frauen­tag, wenn nicht allein als Anlass für zwar geschmack­lose, aber ger­ade deshalb gelun­gene chau­vin­is­tis­che Tweets und ander­weit­ige Scherzchen? Mor­gen ist er vorüber, und den­noch ist die Gefahr, dass die Rechte der Frauen mor­gen wieder abgeschafft wer­den, unge­fähr so groß und bedrohlich wie die Aus­sicht auf nahen Welt­frieden zum Tag des Welt­friedens. Aber pfür den Pfrieden tut man eben aller­lei, was ratio­nal unerk­lär­lich ist: Lichter­ket­ten bilden, Sol­dat­en entsenden und den Inter­na­tionalen Frauen­tag bege­hen. (“Bege­hen” — sagt man das nicht eigentlich bei Ver­brechen?)

Man sollte all das manch­mal ein­fach etwas weniger ernst nehmen.

(Dank auch an L.!)

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXXVI: Die Sucht nach Sozialem

Es ist schon merk­würdig: Fragt man anson­sten eigentlich weit­ge­hend inte­gre Mit­men­schen, warum sie trotz all der Daten­schutzbe­denken bei Face­book angemeldet sind, so lautet die Antwort meist entwed­er, weil dort auch die eige­nen, weit ent­fer­nt wohnen­den Fre­unde angemeldet seien, oder, weil alle dort seien und man sich doch der Gesellschaft nicht ver­weigern könne. Aus diesen Grün­den wird auch ein Wech­sel zu Google+, Dias­po­ra oder anderen Net­zen stets abgelehnt.

Nun begab es sich, dass Face­book mancherorts für einige Stun­den aus­fiel, und nun ging alles ganz schnell:

Viele nah­men das Black­out mit Humor oder wech­sel­ten zur Konkur­renz Google+.

Denn lieber verzichtet man auf seine Fre­unde als auf die täglichen Katzen­bilder und Früh­stücksmem­oiren, wenn man ein Men­sch 2.0 und vol­lver­net­zt ist.

Man will ja nichts ver­passen im Leben.

Sonstiges
“Mein BASE plus”: Mehr Posteingang für’s gleiche Geld.

Ganz toll ist ja auch der Mobil­dien­stean­bi­eter BASE, Teil der E‑Plus-Gruppe, der zwar unge­fähr weiß, wie Wer­bung und sog­ar Kun­den­bindung trotz mit­telmäßiger Net­z­in­fra­struk­tur funk­tion­iert, aber darüber hin­aus doch gele­gentlich so niedlich unbe­holfen wie son­st nur die Bedi­en­steten des rosa Riesen wirkt, etwa, wenn ein Tar­ifwech­sel anste­ht.

So etwa im Fall eines Wech­sels von dem aus der Wer­bung bekan­nten, nicht mehr ange­bote­nen Tarif “Mein BASE” zu dem Nach­fol­ge­tarif “Mein BASE plus”, der SMS- und BASE-Fla­trate kom­biniert und eine Beson­der­heit mit sich bringt: Die “All­net Flat” (grässliche Ter­mi­nolo­gie, oder?) für 5 Euro pro Monat bein­hal­tet 100 statt, wie noch bei “Mein BASE”, 50 Freiminuten.

Ein Wech­sel gestal­tet sich also so: Die wech­sel­willige Kund­schaft betätigt in ihrem Kun­den­pro­fil den Ver­weis, um zu “Mein BASE plus” zu wech­seln, und ändert auf Wun­sch bei der Gele­gen­heit gle­ich die Auswahl der “All­net Flat 50” in die der “All­net Flat 100”. Rechtlich gese­hen ist das ein Tar­ifwech­sel, bei dem die einzel­nen Kom­po­nen­ten nur namentlich miteinan­der zusam­men hän­gen.

So weit die The­o­rie, denn des Umsteige­freudi­gen Nachricht­enein­gang kann sich nach erfol­gter Umstel­lung über regen Zus­pruch freuen:

Und eigentlich ist man dann doch ganz froh darüber, dass man nur eine Ver­trag­sop­tion statt der­er drei geän­dert hat.

PolitikIn den Nachrichten
Bomben, wem Bomben gebühren

Im Jahr 2010 sorgte “Aaron” König, damals Mit­glied des Bun­desvor­stands der Piraten­partei, für einen mit­telschw­eren Eklat, als er die Bom­bardierung des Irans befür­wortete — in der Folge nahm er seinen Hut und schloss sich der obskuren Kle­in­st­partei “Die Frei­heit” an (und sich wenig später wieder aus), was die deutschsprachige Blog­ge­ria sehr begrüßte.

Andere gehen da etwas dezen­ter vor, immer­hin haben sie nicht ohne Grund den Frieden­sno­bel­preis erhal­ten, und pos­tulieren ähn­lich­es:

Oba­ma verkün­dete nicht nur, wie son­st üblich, dass selb­stver­ständlich “alle Optio­nen” auf dem Tisch bleiben wür­den, also auch die mil­itärische. Dies­mal ver­sprach er zugle­ich, dass seine Poli­tik nicht auf “Eindäm­mung” des Iran aus­gerichtet sei, also nicht nur auf die Ein­hegung ein­er möglichen Atom­macht Iran. (…) Eben­so deut­lich aber teilte Amerikas Präsi­dent seinen Zuhör­ern mit, dass die Zeit für einen Präven­tivschlag noch nicht gekom­men sei.

Denn wenn hier ein­er Atom­bomben wer­fen darf, dann ja wohl die USA, und lieber auf den Iran als auf Israel, weil die US-amerikanis­chen Juden tra­di­tionell zu den Stammwäh­lern der Demokrat­en gehören und man doch nicht seine Wäh­ler ver­schreck­en kann, obwohl man eigentlich gar keinen Wert auf sie legt: You can’t be Pro-Oba­ma and Pro-Israel.

Damit bleibt der Demokrat indes sein­er Lin­ie treu, immer­hin hat­te er bere­its 2009 mit ein­er mil­itärischen Lösung gedro­ht. Die Guten schießen immer zuerst.

Warum nun diejeni­gen, die sein­erzeit “Aaron“s Fehlgriff zum Anlass nah­men, wochen­lang auf den Pirat­en herumzure­it­en, nicht mit ähn­lich­er Vehe­menz den Rück­tritt Barack Oba­mas fordern, erschließt sich mir nicht. Aber in den USA hat man wohl nur die Wahl zwis­chen hard­lin­ern und hard­lin­ern, die sich eigentlich nur darin unter­schei­den, ob sie ihre Kriegslust offen zugeben (Repub­likan­er) oder nicht (die anderen).

Ein scheußlich­er Präsi­dent ist Barack Oba­ma alle­mal.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXXV: Religion macht Frauenfußball wieder interessant

Denn:

Der Fußball-Weltver­band FIFA hat auf die Forderung der Vere­in­ten Natio­nen reagiert und erlaubt islamis­chen Spielerin­nen kün­ftig das Tra­gen von Kopftüch­ern auf dem Platz.

Sollte diese vor­läu­fige Entschei­dung von Dauer sein, sind außer der längst umge­set­zten Migranten­quote in der National­mannschaft noch weit­ere Szenar­ien denkbar, in Kon­se­quenz auch die Erlaub­nis, beim Spiel eine Bur­ka zu tra­gen.

Und das würde ich mir dann wahrschein­lich sog­ar anse­hen.

Spaß mit Spam
work with me

Was mir “Mr kim wong”, der als E‑Mail-Alias “candygl20” (“Can­dy­girl”, vielle­icht die Tochter des Can­dy­man) bei AOL — das sagt schon (fast) alles — ver­wen­det, mit diesem Betr­e­ff sagen will, erschließt sich mir eben­so wenig wie die Aus­sage des kom­plet­ten Mail­textes:

The only prob­lem which I have is trust you It will not cost you any amount open the link for more details http://www.speedyshare.com/file/RKaBj/Mr-Kim-Wong.txt

(Den Ver­weis habe ich hier aus fol­gen­den Grün­den nicht gekürzt.)

“Mr kim wong” beze­ich­net es als sein einziges Prob­lem, dass er mir ver­traut, und ich finde allerd­ings auch, dass das ein Prob­lem ist, denn anson­sten hätte er mir die Leben­szeit, die ich, zusät­zlich behin­dert mit­tels fehlen­der Zeichenset­zung, mit dem Ver­such ein­er Inter­pre­ta­tion sein­er E‑Mail ver­brachte, zur freien Ver­wen­dung über­lassen.

Jeden­falls: Es wird mich nichts kosten, dass er mir ver­traut. Zu gütig. Aber was will mir “Mr kim wong” damit sagen? Vielle­icht wird das klar­er, wenn man die von ihm erwäh­nte Text­datei aufruft.

Blöd von “Mr kim wong” war es nun aber, dass er zur Ver­bre­itung dieser Text­datei — wom­öglich aus Spam­fil­ter­grün­den — auf die Dien­ste von Speedy Share zurück­greifen wollte. Die sind solcher­lei aber anscheinend schon gewohnt und haben die Datei anscheinend automa­tisiert ent­fer­nt, denn an ihrer Stelle ist derzeit nur noch dieser Hin­weis­text zu lesen:

Dass “Mr kim wong” seinen Adres­sat­en ver­traut, sorgt eben lei­der nicht dafür, dass ihm auch Datei­hoster ihr Ver­trauen schenken. Clever, huh?

Was “Mr kim wong” nun eigentlich von mir wollte, werde ich jet­zt wohl nicht mehr erfahren.
Ich kann so nicht arbeit­en.

KaufbefehleMusikkritik
Die Ärzte — keine ZeiDverschwÄndung. (Auch: Kritik der Kritik.)

Neben­bei traf heute der/die/das EP “Zei­D­ver­schwÄn­dung“ der Die Ärzte — der Artikel ist Teil des Band­na­mens — ein, die auch im (brut­to) 30. Jahr ihres Beste­hens keine große Lust haben, der Ankündi­gung, es werde nie wieder Die Ärzte geben (getätigt etwa im Bei­heft der Kom­pi­la­tion “Das Beste von kurz nach früher bis jet­ze”, 1994), Tat­en fol­gen zu lassen, was mich keines­falls ent­täuscht.

Denn Die Ärzte waren zwar nie musikalisch hochk­las­sig oder wenig­stens dis­so­nant-abstrakt, den­noch sind ihre Texte seit Mitte der 1990er Jahre ständi­ge Begleit­er meines Lebens, und deshalb lege ich hier andere Maßstäbe an; und ich kann mir das erlauben. Dass viele ger­ade jün­gere Anhänger des Trios musikalisch uner­fahren sind (und etwa von The Who noch nie etwas gehört haben), mag ihnen allerd­ings gele­gentlich zugute kom­men.

Jet­zt also “Zei­D­ver­schwÄn­dung”. Enthal­ten sind vier Lieder, wie üblich von jedem der drei Mit­glieder über­wiegend sep­a­rat bei‑, nicht aber vor­ge­tra­gen, und bere­its das erste Lied namens, na, so was!, “Zei­D­ver­schwÄn­dung” ist gar keine. Die Schumm­ler. Worum es geht?

Hast du nichts Besseres zu tun, als die Die Ärzte zu hör’n?

Im Stil neueren Indie-Poprocks, wie üblich angere­ichert mit aller­lei musikalis­chen Zitat­en, und mit der wohl merk­würdig­sten Gesangsmelodie, der Bela B. je gefol­gt ist, beschw­eren sich die Die Ärzte darüber, dass einige ihrer Anhänger im Laufe der seit der Auflö­sung von Soilent Grün (das war im Früh­jahr 1982) ver­gan­genen Jahre einen Per­so­n­enkult um sie errichtet haben und ihr Leben dem Die-Ärzte-Fan­tum wid­men. Um das zuge­hörige und auf dem/der/dem EP enthal­tene Video zu ver­ste­hen, bedarf es allerd­ings einiger Erfahrung: Es zeigt die drei Pro­tag­o­nis­ten inmit­ten ihrer eige­nen Geschichte. Gwen­do­line und die “Bestie in Men­schengestalt” tauchen, nur in Bild­form, eben­so auf wie markante Zeilen früher­er Ärztelieder, darunter “Geh’n wie ein Ägypter” und “Rod loves you”.

Apro­pos Videos: Jedes der vier Lieder wird zumin­d­est im Inter­net von einem Video begleit­et, das die Die Ärzte als “Stop-Motion”-Animationsfiguren zeigt. Weit­ere Videos sind, in ein­er recht rät­sel­haften Ankündi­gung, in Aus­sicht gestellt wor­den. Moment, vier Lieder? Ja: Neben “Zei­D­ver­schwÄn­dung” sind auf dem/der/dem EP auch “Mutig”, “Quadrophe­nia” und “Will dich zurück” zu find­en, die unter­schiedlich­er kaum sein kön­nten.

Mit “Mutig” knüpft Farin Urlaub the­ma­tisch an seine älteren Lieder “Hart” und “Gefährlich” an, dazu gibt es (wenig dezen­ten) Gitar­ren-Indie­rock (sagt man das noch so?) zu hören. “Quadrophe­nia” — der Name sagt es schon — ist eine musikalisch tre­f­fende Hom­mage an die Rock­musik der 1970er Jahre und ver­mag zu gefall­en. “Will dich zurück” schließlich hat zwar einen ziem­lich blö­den Refrain, ist aber anson­sten ein sehr eingängiges Stück Elek­tropop.

Fest ste­ht: Die Ärzte haben sich musikalisch gewan­delt. Beweisen müssen sie schon lange nie­man­dem mehr etwas. “Zei­D­ver­schwÄn­dung” wurde auf den ein­schlägi­gen Inter­net­seit­en von denen, die ein weit­eres “Plan­et Punk” oder “13” erwartet hat­ten, als ein weit­er­er Beleg für den unaufhalt­samen Nieder­gang der ein­st­mals “besten Band der Welt” gew­ertet, dabei belegt es eigentlich nur die man­gel­nde Bere­itschaft der Kri­tik­er, sich Neuem zu öff­nen. Wenn mir der Stil­wan­del (und somit die musikalis­che Weit­er­en­twick­lung) ein­er geschätzten Musik­gruppe miss­fällt, dann laste ich das nicht der Musik­gruppe an, die es gewagt hat, meinen Erwartun­gen nicht mehr zu genü­gen, son­dern höre stattdessen etwas anderes, begleit­et allen­falls von einem oder zwei Sätzen der Begrün­dung für meine Abkehr von der Verehrung ein­er Com­bo, so etwa im Vor­jahr im Fall von Nihiling geschehen.

Viele Rezensen­ten sind offen­bar der Mei­n­ung, Kün­stler, deren Werke sie zu bew­erten beab­sichti­gen, soll­ten sich allein um ihre Gun­st bemühen. Da wer­den im Vor­feld Erwartun­gen aufge­baut, deren Erfül­lung niemals in Aus­sicht stand, deren Nichter­fül­lung aber unweiger­lich zu einem Ver­riss führt. Natür­lich sind Rezen­sio­nen stets sub­jek­tiv geprägt, meine eige­nen nehme ich davon keineswegs aus, aber wenn mir eine musikalis­che Änderung allzu sehr miss­fällt, dann nehme ich das zwar meist betrübt zur Ken­nt­nis und bringe das gegebe­nen­falls auch zum Aus­druck, werde jedoch auch von gehäs­si­gen Kri­tiken später veröf­fentlichter Musikalben abse­hen und nicht noch das zehnte Album eines Musik­ers an seinem ersten messen, wenn mir schon das zweite partout nicht mehr gefiel. (Aus diesem Grund habe ich zum Beispiel auch die Geschicke von iLiKE­TRAiNS nach dem gelun­genen Debüt und dem scheußlichen Zweitling kaum mehr weit­er ver­fol­gt.)

“Men­schen haben keine Ahnung…”
– Die Gold­e­nen Zitro­nen

Im April jeden­falls fol­gt voraus­sichtlich das Album “auch”, Gerücht­en zufolge mal wieder das dies­mal wirk­lich let­zte vor der endgülti­gen Auflö­sung. Diese Stüm­per: Wenn Michael Jack­sons Tod der Welt eines gezeigt hat, dann, dass nicht das let­zte Album vor dem Kar­ri­ereende sich am besten verkauft, son­dern das erste nach ihm.

Aber so ist’s natür­lich auch Recht.

NerdkramsInternes
Hallöchen, Uberspace!

brief,

nach einigem Hin und Her und let­z­tendlich überzeugt von chrisz­im, der wie Der­Bas­tard und einige andere den Wech­sel vol­l­zo­gen hat, läuft tuxproject.de nun auf Uber­space und nicht mehr auf All-Inkl.com. (Gele­gentliche Links, die sich noch merk­würdig ver­hal­ten, wer­den nach und nach kor­rigiert.)

Warum weg?

Ich hat­te mit All-Inkl nie größere Prob­leme, für den bloßen Betrieb von Word­Press gibt es zweifel­sohne keinen besseren shared hoster. Deren Serv­er laufen in der Regel schnell, sta­bil und ohne nen­nenswerte Last, und der Sup­port gibt sich manch­mal wirk­lich Mühe. Was mir aber gefehlt hat, war der Shell-Zugang — gele­gentliche Arbeit­en “unter der Haube” waren oft recht lang­wierig, zumal einige Word­Press-Plu­g­ins an den Verze­ich­nis­recht­en herum­fum­meln woll­ten und ein regelmäßiger Gang zum “KAS”, dem All-Inkl-Kon­trol­lzen­trum, mir nicht erspart blieb. Ich kön­nte natür­lich auch bei All-Inkl Shel­lzu­griff erhal­ten, jedoch wäre dies mit nicht uner­he­blichen Mehrkosten ver­bun­den, die ich nicht auf­brin­gen will, wen­ngle­ich ich das natür­lich kön­nte.

Auch habe ich im Ver­lauf der let­zten Wochen begonnen, meine Mailko­r­re­spon­denz weit­ge­hend auf tuxproject.de zu ver­lagern. Nun sind die IMAP-Serv­er von All-Inkl merk­würdig kon­fig­uri­ert, das Anle­gen von Unterord­nern ist bitteschön per Webober­fläche statt per IMAP zu erledi­gen, und auch son­st fühlte sich einiges an der Kon­fig­u­ra­tion doch über­aus rück­ständig an.

Warum hin?

Uber­space ist all das, was ich bei All-Inkl ver­misst habe: Zwar ist die Server­last im Mit­tel etwas höher, aber es ist vieles möglich, was All-Inkl nicht so gern sieht. Shel­lzu­griff ist eben­so eine Selb­stver­ständlichkeit wie Cron­jobs, also wiederkehrende Auf­gaben, die bei All-Inkl eben­falls einen Tar­ifwech­sel erfordern wür­den. PHP, Perl und MySQL sind gle­ich­bleibend vorhan­den, neu sind Ruby, Python und die Möglichkeit, fehlende Mod­ule bei Bedarf nachzuin­stal­lieren.

Dabei weist Uber­space die Beson­der­heit auf, dass es nicht ver­sucht, Konkur­ren­zkämpfe zu gewin­nen (obwohl 1 Euro pro Monat — eins­fuf­fzich mit Domain — ein bemerkenswert­er Min­dest­preis ist), son­dern, dass es sich primär an uns Bastler richtet, die lieber mit der Kon­sole als mit bun­ten GUIs den Admin­is­tra­tor spie­len. Das bedeutet aber auch, dass die Inbe­trieb­nahme keine Sache von weni­gen Klicks ist, son­dern zunächst einige Han­dar­beit anste­ht: Trans­ferieren der beste­hen­den Dateien per lftp, Ein­spie­len und Kor­rigieren der Daten­bank (bei dem gesprächi­gen Piwik ein ziem­lich umfan­gre­ich­es Unter­fan­gen), Set­zen der benötigten Rechte für die einge­set­zten Word­Press-Plu­g­ins, die ja immer etwas zu meck­ern haben.

Die Betreiber ste­hen per Mail und Twit­ter allerd­ings jed­erzeit zur Seite und bieten Hil­festel­lung. Diese ist nicht auf bunte Anleitun­gen beschränkt, son­dern auftre­tende Prob­leme wer­den detail­liert erläutert und, wo möglich, ein Lösungsweg aufgezeigt. Das geht auch ziem­lich schnell; eine kurze Mail etwa genügte, und ger­ade ein­mal anderthalb Stun­den später (trotz bere­its weit fort­geschrit­ten­er Uhrzeit) war ein mir fehlen­des Perlmod­ul, das ich aus Grün­den nicht unbe­d­ingt in meinem Pro­fil instal­lieren wollte, server­weit ein­gerichtet. Noch nicht ein­mal eine virtuelle Ent­blößung ist notwendig: Per­sön­liche Dat­en wer­den nicht erhoben. Finde ich gut.

Warum nicht?

Der etwas höhere Aufwand gegenüber Klick-und-fer­tig-Anbi­etern wie die zuvor von mir benutzten bplaced und All-Inkl ist sich­er eine Ein­stiegshürde für alle, die nur mal eben eine Web­seite ein­richt­en möcht­en. Anson­sten bleibt der schale Beigeschmack des kleinen Anbi­eters mit der, konzeptbe­d­ingt, ungewis­sen Zukun­ft. Aber wer weiß schon, was mor­gen ist?

Und wenn ich es irgend­wann mal bereue, ist All-Inkl ja immer noch da. Hof­fentlich.

Besuchen Sie uns nicht auf Facebook.

Wegen sich ver­bre­i­t­en­der Daten­schutzbe­denken in Zeit­en der total­en Dien­stzusam­men­führung (Google: “Wir erfassen vielle­icht Ihre Tele­fon­num­mer.”) wer­den die social-media-Fach­leute dieser Tage endlich vor­sichtiger im Umgang mit den neuen Medi­en und weisen gele­gentlich auch auf die Gefahren hin, die etwa ein Aufen­thalt bei Face­book birgt.

So ist etwa das Wolfen­büt­tel­er Unternehmen Solferi­no selb­stver­ständlich auf Face­book vertreten, möchte aber ander­er­seits keinen sein­er poten­ziellen Kun­den in die Bre­douille brin­gen und hat sich daher für einen etwas unkon­ven­tionellen Weg entsch­ieden:

Zumin­d­est war es — wahrschein­lich — gut gemeint.

Medienkritik in Kürze: Rote Krebse, Seeführungen ohne Seen

Gaaanz toll auch, “welt.de”, hast du diesen Artikel hin­bekom­men, denn auch ein eigentlich ziem­lich faszinieren­des The­ma wie Karst­seen mit Urzeitkreb­sen ist vor der schieren Pein­lichkeit dein­er Redak­teure nicht gefeit; so heißt’s etwa in der Krebs-Bilder­ga­lerie:

Später wer­den die Tiere (…) gekocht, bis sie sozusagen kreb­srot sind.

Wer sich solche Texte aus­denkt, der sollte sich so lange schä­men, bis er sozusagen schames­rot ist. Den Vogel aber schießt du, “welt.de”, mit dem let­zten Teil des “Artikels” ab:

Damit alle Fra­gen gek­lärt wer­den, organ­isiert Heise in sein­er Freizeit Führun­gen rund um den See. Sie erfreuen sich steigen­der Beliebtheit – vor allem, wenn sich der See mal wieder blick­en lässt.

Dass Führun­gen rund um einen See weniger gern gebucht wer­den, wenn kein See da ist, erstaunt wahrschein­lich so manchen, der bei WELT Online “arbeit­et”. Übri­gens fahren Leute auch eher ungern Auto, wenn keine Straße da ist — gibt es darüber eigentlich schon einen Bericht?

Nein? Schade.

PolitikNetzfundstücke
Kurz verlinkt LXXXIV: Warum “links” noch lange nicht links ist

Dass “links” heutzu­tage das emp­foh­lene Attrib­ut ist, wenn man vorhat, irgend­was mit Poli­tik zu machen, ist eine ver­bre­it­ete These. Was aber ist links?

Klar: Links ist, was nicht rechts ist. Was ist rechts? Die Kon­ser­v­a­tiv­en, die Nationalen? Falsch:

Ger­ade die ver­meintlich pro­gres­siv­en Ver­suche, die Sozialpoli­tik zu zer­schla­gen, bedeuten für die Linken, sich dem reinen Fortschritt in den Weg zu stellen. „Links“ zu sein bedeutet hier nur eins: eine kon­ser­v­a­tive Hal­tung einzunehmen.

“Links” und “rechts” sollte man keines­falls ver­suchen als fixe Punk­te zu definieren, über­schnei­den sie sich doch in viel­er­lei Hin­sicht. Auch die ein­st­mals “linke” SPD ist dem Kon­ser­v­a­tivis­mus näher als je zuvor, den Wun­sch­part­ner CDU freut’s wom­öglich; der eben auch wenig wäh­lerisch ist, kop­uliert koaliert er doch bei Bedarf auch mit den Grü­nen, die bekan­nter­maßen “links” sind wie auch die Pirat­en, die ja vielfach als “die neuen Grü­nen” und/oder “die neue F.D.P.” gehan­delt wer­den, und obwohl sich manch­er Pirat gele­gentlich auf frag­würdi­gen Demon­stra­tio­nen blick­en lässt, ist das eine fatale Fehlein­schätzung:

Sie sind let­ztlich Parteien der Mit­telschicht, ein­er anderen als sie CDU und FDP sich aus­malen, aber ein­er Mit­telschicht nichts­destotrotz. Ihre The­men sind keine The­men von Men­schen, die darum kämpfen, Miete und Essen zu bezahlen. Es sind aber, man muss es so hart sagen, Mehrheit­s­the­men. Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich der Mit­telschicht zuge­hörig oder geht davon aus, auf abse­hbare Zeit dazuzuge­hören. (…) Und selb­st grüne und orangene Bürg­er­liche sind bei aller Ander­sar­tigkeit ihrer Forderun­gen vom kon­ser­v­a­tiv-bürg­er­lichen Kernbe­stand eines mit Sicher­heit nicht: rev­o­lu­tionär und über­mäßig links ges­timmt.

Wer “gegen Rechts” ist und sich “links” nen­nt, ist also mit ein wenig Pech eigentlich kon­ser­v­a­tiv-regres­siv (rechts) und sein eigen­er Geg­n­er; blöd ist’s eben, wenn man Kampf­be­griffe unre­flek­tiert übern­immt, ohne sie zu ver­ste­hen.

“Links, zwo, drei, vier!”
– Ramm­stein

Montagsmusik
Cursive — Caveman

Und nach so einem Woch­enende dann doch immer der Blick zurück, das wehmütige Ach!; und über­haupt sollte man aufhören, aufzuhören, und endlich anfan­gen, anz­u­fan­gen. Die Höh­le ver­lassen der Höh­le wegen.

Cur­sive, “Cave­man”

I want to unlearn what I’ve learned
Want to unearn what I’ve earned
Want to burn my bridges down …

Schauerüber­den­rück­en­rock. (Das Wort lass’ ich mir mal paten­tieren oder so.)

Nerdkrams
Sicher texten unter Windows (und Firefox)

Wer häu­figer mal län­gere Texte an seinem Win­dows-Rech­n­er schreibt und neben­bei zum Beispiel in Foren oder im IRC disku­tiert, der ste­ht oft­mals vor dem Prob­lem, dass die Win­dows-Zwis­chen­ablage sehr begren­zt ist. Mehrere Text- oder Bil­dauss­chnitte zur gle­ichen Zeit passen nicht in sie hinein. (Lin­uxnutzer mit dem allzu oft unter­schätzten KDE haben dieses Prob­lem immer­hin nicht.)

Aber selb­st Let­ztere sehen sich mitunter mit ein­er anderen Hürde kon­fron­tiert: Man schreibt ger­ade einen län­geren Blog- oder Forenkom­men­tar, drückt eine falsche Taste, und alles ist weg. Was tun? Verzweifeln? Neu schreiben? Mit­nef­fen: Wofür gibt’s Pro­gramme, die das beseit­i­gen?

Prob­lem Num­mer 1: Die begren­zte Zwis­chen­ablage von Win­dows.

mIRC-Benutzer ken­nen das wahrschein­lich: Markieren sie verse­hentlich einen Text, weil sie zu langsam dop­pelk­lick­en, über­schreibt dieser Text alle Inhalte der Zwis­chen­ablage, sofern die entsprechende Funk­tion nicht deak­tiviert ist. Auch son­st ist man manch­mal in der misslichen Sit­u­a­tion, mehrere Textschnipsel oder ähn­lich­es gle­ichzeit­ig zu benöti­gen, etwa, wenn man sich manch­mal auf sein­er Inter­net­seite über SPIEGEL Online lustig machen will.

Pro­gramme, die die Win­dows-Zwis­chen­ablage entsprechend erweit­ern, gibt es mit dem her­vor­ra­gen­den ac’tivAid, Dit­to, Clip­Man und anderen in großer Zahl, wirk­lich überzeugt hat mich aber nur das portable ArsClip.

ArsClip, das nur in englis­ch­er Sprache ver­füg­bar ist, dessen Kon­fig­u­ra­tions­fen­ster man allerd­ings auch nie wirk­lich benötigt, “kapert” — arrr! — die win­dow­seigene Kopier­funk­tion inklu­sive des Tas­tenkürzels Strg+C und spe­ichert so mehr als nur die let­zte kopierte Eingabe zwis­chen. Die gespe­icherten Auss­chnitte — auch Mul­ti­me­di­aschnipsel wer­den unter­stützt — sind über ein ein­stell­bares Tas­tenkürzel, etwa Strg+Alt+V (ana­log zu Strg+V), in Menü­form abruf- und edi­tier­bar:

Hier­bei wird der let­zte ver­wen­dete Auss­chnitt aus dem Menü automa­tisch auch per Strg+V ver­füg­bar gemacht; ver­wen­det man also zum Beispiel den drit­tneuesten Ein­trag im Menü, so kann dieser anschließend auch per Strg+V über­all einge­fügt wer­den, wo man ihn benötigt. Ich würde so weit gehen, ArsClip als unverzicht­bares Werkzeug für jeden, der was mit Inter­net macht, zu beze­ich­nen. Tu’ ich aber nicht.

Prob­lem Num­mer 2: Der fehlende Zwis­chen­spe­ich­er von Fire­fox.

Natür­lich gibt es Leute, die län­gere Texte wie etwa diesen hier in ihrem Texte­d­i­tor schreiben, bevor sie ihn in ihren Brows­er kopieren, und dies etwa mit der Erweiterung “It’s All Text!” oder Text Edi­tor Any­where unter­stützen. Jedes Mal den Texte­d­i­tor zu starten, wenn man mal eben einen Blogkom­men­tar hin­ter­lassen möchte, ist aber vielle­icht manch jeman­dem zu umständlich. Und dann find­et man plöt­zlich zufäl­lig die Tas­tenkom­bi­na­tion, um Fire­fox unge­fragt zu been­den, und darf noch mal von vorn begin­nen. Das ist nicht schön.

Die Fire­fox-Erweiterung Textarea Cache löst dieses Prob­lem ziem­lich ele­gant: Jed­er in ein Textfeld eingegebene Text wird automa­tisch pro­tokol­liert und ist per Klick auf das Sym­bol in der “Addon-Leiste” wieder abruf­bar, kat­e­gorisiert nach dem Titel der Web­seite und mit ein­stell­bar­er Spe­icher­größe:

Mit Lazarus gibt es eine Alter­na­tive für diejeni­gen Inter­net­nutzer, die Chrome und/oder Safari neben oder anstelle von Fire­fox ver­wen­den. Lazarus kann auch weit­ere For­mu­la­reingaben spe­ich­ern, ver­wen­det aber das Kon­textmenü statt eines sep­a­rat­en Fen­sters — wer bere­its Down­The­mAll!, Flash­Got, Last­Pass, Col­orZil­la und die üblichen weit­eren Stan­dard­er­weiterun­gen benutzt, die das Kon­textmenü des Browsers zum Teil unge­fragt erweit­ern, der bevorzugt unter Umstän­den auch deshalb Textarea Cache.

An Alter­na­tiv­en soll’s nicht man­geln. Für jeden­falls mich sind genan­nte Pro­gramme indes inzwis­chen unverzicht­bar.
Ergänzun­gen sind gern gese­hen.