LyrikMusikPersönliches
Imper­ti­nenz. Ver­elen­dung. Lecke­re Him­bee­ren. Depression.

Wet­ter heu­te: Supi.
Stim­mung heu­te: Muss.

Der Mor­gen graut, ich bin schon wach.
Ich lieg im Bett und den­ke nach.
Mein Herz ist voll, doch jemand fehlt.
Ich hätt’ dir gern noch so viel erzählt.

Trau­rig sein hat kei­nen Sinn.
Die Son­ne scheint auch weiterhin.
Das ist ja grad die Schweinerei,
die Son­ne scheint, als wäre nichts dabei…

Farin Urlaub – Sonne


(Eich­hörn­chen sind bis­wei­len durch­aus amü­san­te Tie­re; vor­hin lag eines auf der Stra­ße her­um und stell­te sich tot. Recht unan­ge­nehm für die Auto­mo­bil­fah­rer, die auf der­sel­ben Stra­ße, dadurch bedingt, nicht vor­wärts­ka­men. Nach einer Wei­le ist das Tier dann auf­ge­sprun­gen und den nächst­be­sten Baum hin­auf­ge­rannt. Schon ein nied­li­cher Anblick.)

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik extern: „Das Inter­net” gibt es nicht

Auf SPIE­GEL ONLINE gibt es einen neu­en Bei­trag zur Dis­kus­si­on um die „Genera­ti­on C64”, die ger­de die Medi­en beherrscht:

„Das Inter­net ver­kommt zum Debat­tier­club” (Bernd Graff, „Süd­deut­sche Zei­tung”), „Das Netz ist auch ein Medi­um, das in stei­gen­dem Maße Nicht- oder Fast­nicht­mehr­le­sen ermög­licht” (Frank Schirr­ma­cher, „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung”), „Inter­net-Blogs zer­set­zen das infor­mier­te und unab­hän­gi­ge Urteil” (Josef Schnel­le, „Ber­li­ner Zei­tung”). Bei Jens Jes­sen in der „Zeit” wird das Inter­net sogar zur han­deln­den Per­son: „Das Inter­net, bevor es groß­mäu­lig von E‑Democracy redet, muss erst ein­mal eine angst­freie Gesell­schaft in sei­nen Räu­men erlauben.”

(…)

Kein Zwei­fel: Das Inter­net exi­stiert, und es wird auch nicht wie­der ver­schwin­den. „Das Inter­net” aber, wie es Jes­sen, Soboc­zyn­ski, und all die ande­ren Autoren immer wie­der kri­ti­sie­ren und attackie­ren, exi­stiert nicht. „Das Inter­net” als ein mehr oder min­der homo­ge­nes Gebil­de näm­lich, in dem bestimm­te Regeln gel­ten (oder eben nicht), in dem bestimm­te Ver­hal­tens­wei­sen angeb­lich stän­dig zu beob­ach­ten sind, in dem sich angeb­lich eine bestimm­te Spe­zi­es Mensch tum­melt, der (fast) nichts hei­lig ist. Eine Spe­zi­es, die aber irgend­wie trotz­dem eine „Netz­be­we­gung” mit „her­me­ti­schem Voka­bu­lar” gebil­det haben soll, die ande­re aus­schlie­ßen will, wie Susan­ne Gasch­ke vor eini­gen Wochen in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung” bemängelte.

Sehr rich­tig erkannt; das Inter­net besteht nicht nur aus Schlamm­gru­ben wie 4chan einer­seits und ver­schwo­re­nen Gemein­schaf­ten ande­rer­seits. Es ist ein mul­ti­kul­tu­rel­ler, vir­tu­el­ler Kos­mos, und es wird Zeit, dass die Leu­te das verstehen.


(Ver­such eines Apho­ris­mus: Mit einer schö­nen Erin­ne­rung ins Bett zu gehen und lächelnd auf­zu­wa­chen ist wie Son­nen­auf­gang für die Seele.)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
An der Schwel­le eines Bür­ger­krie­ges: Die digi­ta­le Genera­ti­on trifft auf Inkompetenz.

Es ist recht beun­ru­hi­gend, was die­ser Tage so vor sich geht. In einem medi­al rund­um­be­schall­ten Deutsch­land ist es für Poli­ti­ker offen­bar nicht mehr not­wen­dig, mit unlieb­sa­men Äuße­run­gen bis nach der näch­sten Wahl zu warten:

„Natür­lich wer­den wir mit­tel- und län­ger­fri­stig auch über ande­re kri­mi­nel­le Vor­gän­ge reden”, äußer­te sich Wie­fel­spütz in Bezug auf Web­sei­ten mit ver­fas­sungs­feind­li­chen oder isla­mi­sti­schen Inhal­ten und füg­te hin­zu „Es kann doch nicht sein, dass es im Inter­net eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt”.

(heise.de)*

Dass man alles, was man nicht ver­steht, erst mal ver­bie­ten las­sen will, ist bedrückend. Die Inkom­pe­tenz der p.d. Volks­ver­tre­ter wird von einem Volk getra­gen, das sich mit Brot und Spie­len besänf­ti­gen lässt; Haupt­sa­che, kei­ne Nazis, oder wie ist das zu verstehen?

Die Genera­ti­on C64 ist längst kei­ne Nischen­kul­tur mehr, son­dern hat mit ihren Ideen unse­re Medi­en­land­schaft stark ver­än­dert. Das Inter­net ist längst kein Tum­mel­platz für ein paar Aka­de­mi­ker mehr, son­dern bestimmt vie­le Aspek­te des täg­li­chen Lebens. Dass nun aus­ge­rech­net die­je­ni­gen, die bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit ihre Unkennt­nis bezüg­lich der Digi­tal­tech­nik der letz­ten paar Jah­re zur Schau stel­len, sich anma­ßen, über der­art sen­si­ble The­men Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, ohne auf Ein­wän­de jener Per­so­nen, die seit Jah­ren ihr Brot mit die­sem Fach­ge­biet ver­die­nen, ein­zu­ge­hen, sie gar als kon­tra­pro­duk­tiv ein­zu­stu­fen, ist bizarr.

Mit all den geplan­ten Ter­ror- und son­sti­gen Abwehr­ge­set­zen („[d]ie Sicher­heits­be­hör­den sol­len das Recht ein­ge­räumt bekom­men, jeden Brief, jedes Fax, jede E‑Mail, jeg­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ver­deckt zu über­wa­chen”, via fixmbr) fühlt man sich fast wie in den para­no­iden USA; wenn nicht gar wie in der Orwell­schen Dys­to­pie, vor deren Umset­zung nun seit Jah­ren ver­ge­bens gewarnt wird. Um so schlim­mer ist die Poli­tik­ver­dros­sen­heit der Deutschen.

Alles kom­men­tar­los über sich erge­hen zu las­sen ist sicher­lich auch eine Frei­heit, die die demo­kra­ti­schen Grund­sät­ze die­ses Staa­tes gewäh­ren. Aber es ist die fal­sche. Für die anste­hen­de Euro­pa­wahl bie­tet sich immer­hin eine ver­tret­ba­re Lösung an, deren Ein­zug ins Euro­pa­par­la­ment gesi­chert sein dürf­te. Aber dann? Und was, wenn nicht?

Um ein letz­tes Mal fixmbr zu zitieren:

Wir kämp­fen für die Frei­heit, die Unab­hän­gig­keit, die Sou­ve­rä­ni­tät und das Selbst­be­stim­mungs­recht jedes ein­zel­nen Bür­gers. Es geht nicht um die eine oder ande­re Mei­nung, nicht um Befind­lich­kei­ten oder um Ver­gan­ge­nes. Es geht schlicht und ergrei­fend um die Frage:

Was für eine Gesell­schaft wol­len wir unse­ren Kin­dern hinterlassen?

Es ist schlicht­weg zum Kotzen.

(War erst mal mein letz­ter poli­ti­scher Bei­trag. Versprochen.)


* Nach­trag: Inzwi­schen hat er die­ser Dar­stel­lung wider­spro­chen.

PersönlichesPolitik
Geht wäh­len!

Lie­be Leser,

in den letz­ten Tagen wur­de mir immer wie­der zuge­tra­gen, dass vie­le von euch zwar höchst unzu­frie­den mit den der­zei­ti­gen Macht­ha­bern sind, sich aber den­noch der Mög­lich­keit des Wäh­lens ver­wei­gern wol­len – selbst bei der Europawahl.

Nun fra­ge ich mich: War­um?
Jede nicht abge­ge­be­ne Stim­me ist eine Stim­me für die Fal­schen. Wer etwas an dem Macht­ver­hält­nis der Par­tei­en ändern will, soll­te sich nicht dar­auf ver­las­sen, dass ande­re dies tun.
Gera­de in die­sem Jahr, in dem mit der in Schwe­den bereits erfolg­rei­chen Pira­ten­par­tei auch eine Par­tei antritt, die den Schutz unse­rer Grund­rech­te als ober­stes Ziel betreibt, wäre es mehr als gewis­sen­los, der Uni­on oder der SPD noch­mals zu einem deut­li­chen Wahl­er­folg zu verhelfen.

Jede Stim­me für eine ande­re als die „eta­blier­ten Volks­par­tei­en” ändert etwas. Jede ande­re Stim­me, auch jede nicht abge­ge­be­ne Stim­me ändert nichts. Wer mit der der­zei­ti­gen Lage nicht zufrie­den ist, soll­te sich hin­ter­her nicht bekla­gen, wenn er sei­nen Bei­trag zur Ände­rung die­ser Lage nicht lei­sten wollte.

Es ist eine höchst ärger­li­che Ein­stel­lung vie­ler Men­schen in die­sem Land vor­zu­fin­den; fast scheint es mir, dass die­je­ni­gen, die am lau­te­sten die bestehen­den Macht­struk­tu­ren bekla­gen, iden­tisch mit jenen sind, die am eif­rig­sten ihre Stim­me ver­wei­gern, nur um sich ange­sichts des Wahl­aus­gangs zu echauf­fie­ren und sich in ihrer Ver­wei­ge­rung bestä­tigt zu füh­len; „hät­te ja eh nichts gebracht”.

Hät­te es näm­lich schon. Denkt mal drü­ber nach.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Medi­en­kri­tik extern: Der Fall Kur­ras – eine Fuß­no­te der Geschichte

Bericht­erstat­tung zum The­ma „Ben­no Ohnes­org und die Fol­gen sei­ner Tötung” geht auch ohne Hysterie:

Tut mir leid, aber der Fall Kur­ras inter­es­siert mich nicht. Ob die Geschich­te der Beh-Err-Deh anders ver­lau­fen wäre, wenn der Ohnes­org-Erschie­ßer bei­zei­ten als Sta­si-Hiwi ent­tarnt wor­den wäre? Womög­lich schon vor dem Schuss, 1965 näm­lich, als ihm der Ver­fas­sungs­schutz schon mal auf der Spur gewe­sen sein soll? Wäre, hät­te, könn­te. Wer sich immer noch an der­lei Hypo­the­sen abar­bei­tet, darf mei­nes herz­haf­ten Gäh­nens sicher sein.

Wich­ti­ger, fin­de ich, ist dies: schon lan­ge, bevor Kur­ras abge­drückt hat­te, muss­te man nicht bei einem Geheim­dienst gewe­sen sein, um zu wis­sen, dass so genann­te fort­schritt­li­che Krei­se des Westens im gro­ßen Stil von der ille­ga­len KPD (die 1968 zur DKP umge­topft wur­de) und ihren diver­sen Tarn- und Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen unter­wan­dert waren und dass dadurch poli­ti­sche Stim­mun­gen des Westens in einem ganz erstaun­li­chem Aus­maß beein­flusst wur­den. Was sie, die fort­schritt­li­chen Krei­se, bis heu­te nicht wahr­ha­ben wollen…

Wei­ter­le­sen, zustim­men und abhaken.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2009 – Favo­ri­ten und Analyse

Die­ser Arti­kel ist Teil 3 von 25 der Serie Jah­res­rück­blick

Lie­be Leser,

das Jahr 2009 ist nun­mehr nicht mehr ganz neu, und so hat­ten wil­li­ge Musi­ker bereits viel Zeit, neue vor­treff­li­che und weni­ger vor­treff­li­che Klän­ge zu pro­du­zie­ren. Wie bereits vor unge­fähr einem Jahr und ein hal­bes Jahr spä­ter möch­te ich auch heu­te beson­ders beein­drucken­de Musik­al­ben, die in die­sem Jahr ver­öf­fent­licht wur­den, bewer­ben und anschlie­ßend ein wenig auf die Musik­ge­schich­te der ver­gan­ge­nen 40 Jah­re eingehen.

Für jedes die­ser Alben kann ich eine kla­re Blind­kauf­emp­feh­lung an all jene aus­spre­chen, die sich von der kur­zen Rezen­si­on ange­spro­chen füh­len. Die Hör­pro­ben, die ich zu jedem Album mög­lichst adäquat zu lie­fern ver­su­che, sind nur für die­je­ni­gen geeig­net, die sich zu sol­chen Ent­schei­dun­gen nicht durch­rin­gen kön­nen; ihre vol­le Wir­kung ent­fal­ten aber fast alle Alben in die­sem Bei­trag nur im Kon­text des gesam­ten Tonträgers.

Als Beson­der­heit kom­men dies­mal auch die­je­ni­gen Alben ins Gespräch, die das Feuil­le­ton zwar für kau­fens­wert hält, mich per­sön­lich jedoch eher ent­täuscht haben. Dies soll als Anre­gung zur Kri­tik ver­stan­den wer­den; ich kann hier, wie so oft, nur nach mei­nem per­sön­li­chen Geschmack urtei­len, bin mir aber wohl bewusst, dass Geschmäcker gera­de in Bezug auf Musik und ‑stil­rich­tun­gen stark dif­fe­rie­ren. Soll­te also jemand sich von einem hier beschrie­be­nen Album ein völ­lig ande­res Bild gemacht haben, nur her damit! Der Mei­nungs­viel­falt kommt es alle­mal zugute.

Nun jedoch wün­sche ich allen Inter­es­sier­ten erst ein­mal viel Spaß auf der ersten Rei­se durch das Musik­uni­ver­sum 2009:

‘Musik 06/2009 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ weiterlesen »

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Schul­den­ver­bot ins Grund­ge­setz? Wie das?

Kur­zer Spaß für zwischendurch:

Im Grund­ge­setz soll eine Bestim­mung auf­ge­nom­men wer­den, die neue Schul­den des Bun­des [ab 2011] zukünf­tig ver­bie­tet, sag­te der haus­halts­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU/C­SU-Bun­des­tags­frak­ti­on am Diens­tag zum Auf­takt der vier­tä­gi­gen Haus­halts­be­ra­tun­gen des Bundestages.

(via CDUCSU.de [natür­lich])

Neue Schul­den sol­len „ver­bo­ten” wer­den – so weit respek­ta­bel. Hoch genug sind sie wahr­lich schon jetzt.

Dass vom Schul­denabbau kei­ne Rede ist, sei hier ein­mal bei­sei­te gescho­ben; allein: Wie soll das Ziel erreicht wer­den? Durch weni­ger Aus­ga­ben wohl kaum – sonst wäre dies längst pas­siert. Wahr­schein­li­cher sind Steuererhöhungen.
Zum Woh­le der Wirt­schaft. Wir ken­nen das ja.

Wol­len wir hof­fen, dass es nicht so weit kommt. Die Chan­ce, die CDU/CSU abzu­wäh­len, ist ja nicht mehr all­zu fern; wenn­gleich zu bezwei­feln ist, dass die Wahl­um­fra­gen reprä­sen­ta­tiv sind (dem­nach hät­ten die Lin­ke und die Pira­ten­par­tei schon längst meh­re­re abso­lu­te Mehr­hei­ten! – was sicher auch eine amü­san­te Koali­ti­on ergäbe).

Auf jeden Fall gilt ver­mut­lich auch 2010 noch:
Den mei­sten Murks fabri­zie­ren meist die, die gera­de „die da oben” sind.

LyrikSonstiges
Im Geden­ken an Edgar Allan Poe (1809 – 1849)

Mit­ter­nacht umgab mich schau­rig, als ich ein­sam, trüb und traurig,
Sin­nend saß und las von man­cher längstverklung’nen Mähr’ und Lehr’ –
Als ich schon mit mat­ten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken,
Hör­te plötz­lich ich ein Ticken an die Zim­mert­hü­re her;
„Ein Besuch wohl noch,“ so dacht’ ich, „den der Zufall füh­ret her –
Ein Besuch und sonst Nichts mehr.“

Wohl hab’ ich’s im Sinn behal­ten, im Dezem­ber war’s, im kalten,
Und gespen­sti­ge Gestal­ten warf des Feu­ers Schein umher.
Sehn­lich wünscht’ ich mir den Mor­gen, kei­ne Lind’rung war zu borgen
Aus den Büchern für die Sor­gen – für die Sor­gen tief und schwer
Um die Sel’ge, die Leno­ren nennt der Engel hei­lig Heer –
Hier, ach, nennt sie Nie­mand mehr!

Jedes Rau­schen der Gar­di­nen, die mir wie Gespen­ster schienen,
Füll­te nun mein Herz mit Schrecken – Schrecken nie gefühlt vorher;
Wie es beb­te, wie es zag­te, bis ich end­lich wie­der sagte:
„Ein Besuch wohl, der es wag­te, in der Nacht zu kom­men her –
Ein Besuch, der spät es wag­te, in der Nacht zu kom­men her;
Dies allein und sonst Nichts mehr.“

Und ermannt nach die­sen Wor­ten öff­ne­te ich stracks die Pforten:
„Dame oder Herr,“ so sprach ich, „bit­te um Ver­zei­hung sehr!
Doch ich war mit mat­ten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken,
Und so leis scholl Euer Ticken an die Zim­mert­hü­re her,
Daß ich kaum es recht ver­nom­men; doch nun seid will­kom­men sehr!“ –
Dun­kel da und sonst Nichts mehr.

Düster in das Dun­kel schau­end stand ich lan­ge starr und grauend,
Träu­me träu­mend, die hie­nie­den nie ein Mensch geträumt vorher;
Zwei­fel schwarz den Sinn bet­hör­te, Nichts die Stil­le drau­ßen störte,
Nur das eine Wort man hör­te, nur „Leno­re?“ klang es her;
Sel­ber haucht’ ich’s, und „Leno­re!“ trug das Echo trau­ernd her –
Ein­zig dies und sonst Nichts mehr.

Als ich nun mit tie­fem Ban­gen wie­der in’s Gemach gegangen,
Hört’ ich bald ein neu­es Pochen, etwas lau­ter als vorher.
„Sicher,“ sprach ich da mit Beben, „an das Fen­ster pocht’ es eben,
Nun wohl­an, so laß mich stre­ben, daß ich mir das Ding erklär’ –
Still, mein Herz, daß ich mit Ruhe dies Geheim­niß mir erklär’
Wohl der Wind und sonst Nichts mehr.“

Riß das Fen­ster auf jet­zun­der, und her­ein stol­zirt’ – o Wunder!
Ein gewalt’ger, hoch­be­jahr­ter Rabe schwir­rend zu mir her;
Flog mit mächt’gen Flü­gel­strei­chen, ohne Gruß und Dankeszeichen,
Stolz und statt­lich son­der Glei­chen, nach der Thü­re hoch und hehr –
Flog nach einer Pal­las­bü­ste ob der Thü­re hoch und hehr –
Setz­te sich und sonst Nichts mehr.

Und trotz mei­ner Trau­er brach­te er dahin mich, daß ich lachte,
So gesetzt und gra­vi­tä­tisch herrscht’ auf mei­ner Büste er.
„Ob auch alt und nah dem Gra­be,“ sprach ich, „bist kein fei­ger Knabe,
Grim­mer, glattgeschor’ner Rabe, der Du kamst vom Schattenheer –
Sprich, welch’ stol­zen Namen führst Du in der Nacht pluton’schem Heer?“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr.“

Ganz erstaunt war ich, zu hören dies Geschöpf mich so belehren,
Schien auch wenig Sinn zu lie­gen in dem Wort bedeutungsleer;
Denn wohl Kei­ner könn­te sagen, daß ihm je in sei­nen Tagen
Son­der Zier und son­der Zügen so ein Thi­er erschie­nen wär’,
Das auf sei­ner Mar­mor­bü­ste ob der Thür geses­sen wär’
Mit dem Namen „Nim­mer­mehr.“

Die­ses Wort nur sprach der Rabe dumpf und hohl, wie aus dem Grabe,
Als ob sei­ne gan­ze See­le in dem einen Wor­te wär’.
Wei­ter Nichts ward dann gespro­chen, nur mein Herz noch hört’ ich pochen,
Bis das Schwei­gen ich gebro­chen: „And­re Freun­de floh’n seither –
Mor­gen wird auch er mich flie­hen, wie die Hoff­nung floh seither.“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

Immer höher stieg mein Stau­nen bei des Raben dunk­lem Raunen,
Doch ich dach­te: „Ohne Zwei­fel weiß er dies und sonst Nichts mehr;
Hat’s von sei­nem armen Mei­ster, dem des Unglücks finst­re Geister
Droh­ten dreist und droh­ten drei­ster, bis er trüb und trauerschwer –
Bis ihm schwand der Hoff­nung Schim­mer, und er fort­an seufz­te schwer:
‚O nim­mer – nimmermehr!‘“

Trotz der Trau­er wie­der brach­te er dahin mich, daß ich lachte;
Einen Arm­stuhl end­lich roll­te ich zu Thür und Vogel her.
In den sammt’nen Kis­sen lie­gend, in die Hand die Wan­ge schmiegend,
Sann ich, hin und her mich wie­gend, was des Wor­tes Deu­tung wär’ –
Was der grim­me, finst’re Vogel aus dem nächt’gen Schattenheer
Wollt’ mit sei­nem „Nim­mer­mehr.“

Die­ses saß ich still ermes­send, doch des Vogels nicht vergessend,
Des­sen Feu­er­au­gen jet­zo mir das Herz beklemm­ten sehr;
Und mit schmerz­li­chen Gefüh­len ließ mein Haupt ich lan­ge wühlen
In den veilchenfarb’nen Pfüh­len, über­strahlt vom Lich­te hehr –
Ach, in die­sen sammt­nen Pfüh­len, über­strahlt vom Lich­te hehr –
Ruhet sie jetzt nimmermehr!

Und ich wähn­te, durch die Lüf­te wall­ten süße Weihrauchdüfte,
Aus­ge­streut durch unsicht­ba­re Seraphs­hän­de um mich her.
„Lethe,“ rief ich, „süße Spen­de schickt Dir Gott durch Engelshände,
Daß sich von Leno­ren wen­de Dei­ne Trau­er tief und schwer!
Nimm, o nimm die süße Spen­de und ver­giß der Trau­er schwer!“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

„Gram­pro­phet!“ rief ich voll Zwei­fel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Ob die Höl­le Dich mir sand­te, ob der Sturm Dich weh­te her!
Du, der von des Orkus Stran­de – Du, der von dem Schreckenlande
Sich zu mir, dem Trü­ben, wand­te – kün­de mir mein heiß Begehr:
Find’ ich Bal­sam noch in Gilead! ist noch Trost im Gnadenmeer?“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

„Gram­pro­phet!“ rief ich voll Zwei­fel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Bei dem ew’gen Him­mel dro­ben, bei dem Gott, den ich verehr’ –
Kün­de mir, ob ich Leno­ren, die hie­nie­den ich verloren,
Wie­der find’ an Edens Tho­ren – sie, die throhnt im Engelsheer –
Jene Sel’ge, die Leno­ren nennt der Engel hei­lig Heer!“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

„Sei dies Wort das Tren­nungs­zei­chen! Vogel, Dämon, Du mußt weichen!
Fleuch zurück zum Stur­mes­grau­en, oder zum pluton’schen Heer!
Kei­ne Feder laß zurücke mir als Zei­chen Dei­ner Tücke;
Laß allein mich dem Geschicke – wage nie Dich wie­der her!
Fort und laß mein Herz in Frie­den, das gepei­nigt Du so sehr!“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

Und der Rabe wei­chet nim­mer – sitzt noch immer, sitzt noch immer
Auf der blas­sen Pal­las­bü­ste ob der Thü­re hoch und hehr;
Sitzt mit gei­ster­haf­tem Mun­keln, sei­ne Feu­er­au­gen funkeln
Gar dämo­nisch aus dem dun­keln, düstern Schat­ten um ihn her;
Und mein Geist wird aus dem Schat­ten, den er brei­tet um mich her,
Sich erhe­ben – nimmermehr!

Carl Theo­dor Eben, 1869

In den NachrichtenMusik
Erhei­tern­des am Sonntag

Ohne Wor­te:

Rabia­ter Ein­satz: Gewalt­sam hat ein Mann in Chi­na die Ver­kehrs­blocka­de durch einen Lebens­mü­den been­det – er schub­ste den Mann von einer Brücke. Sei­ne Begrün­dung: Der poten­ti­el­le Selbst­mör­der habe ego­istisch gehandelt.

SPON


Mit weni­gen Worten:

war­um darf kem­per­traut­mann frem­de mar­ken­rech­te umdeu­ten, nut­zen und sam­plen, ein stu­dent in sei­ner abschluss­ar­beit aber nicht?

wirres.net I

Es scheint in letz­ter Zeit recht beliebt zu sein, das WWW nach abmahn­fä­hi­gen Inhal­ten zu durch­for­sten, und sei’s nur aus Pro­fit­grün­den. Dass ein Stu­dent die „Du bist Deutschland”-Kampagne nicht unge­fragt ver­wur­sten, ein gro­ßes pro­fit­ori­en­tier­tes Unter­neh­men jedoch das „John­ny Walker”-Markenzeichen zu Wer­be­zwecken in einen ande­ren Kon­text stel­len darf, ist erstaunlich.

Aber die­ses eine Mal hat es dann ja doch noch funk­tio­niert mit der Kommunikation:

alex­an­der leh­mann und micha­el traut­mann haben sich tele­fo­nisch und güt­lich geeinigt

wirres.net II


In zwei Sätzen:

Seit heu­te ist das aktu­el­le Green-Day-Album „21st Cen­tu­ry Break­down” im Sound­check. Um zahl­rei­chen Zuspruch wird gebeten.
Nach­trag: Inzwi­schen ist auch Maxï­mo Parks „Quicken the Heart” fer­tig rezensiert.

21st Cen­tu­ry Breakdown
Quicken the Heart

In den Nachrichten
Zum 60. Todes­tag von Klaus Mann

Es wird viel zu wenig beach­tet über all den Mel­dun­gen von maro­den Auto­mo­bil­kon­zer­nen, daher nut­ze ich die­se Platt­form, um eines weit­aus inter­es­san­te­ren Ereig­nis­ses zu gedenken:

Heu­te ist der 60. Todes­tag von Klaus Mann, der sicher­lich weni­ger Bekannt­heit vor­zu­wei­sen hat als sein Vater Tho­mas, aller­dings Genera­tio­nen von Schü­lern mit Wer­ken wie Mephi­sto Kopf­zer­bre­chen berei­ten konnte.

Salut!
Auf dass bes­se­re Zei­ten fol­gen mögen.

Netzfundstücke
Lego­männ­chen, Legofräuchen

Lukas ver­linkt dies:

Ich woll­te heu­te für mei­ne Töch­ter Lego­männ­chen kau­fen, und muss­te die erschrecken­de Fest­stel­lung machen, dass die­se mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit genau das sind: Männ­chen. Es gab über­haupt nur drei weib­li­che Lego­fi­gu­ren: eine jun­ge Dame in einem spie­ßi­gen geblüm­ten Ober­teil, die auf einer Bank sitzt und Musik aus einem Ghet­to­bla­ster hört (Erde an Lego: Bit­te ein­mal „iPod“ goo­geln), eine Toch­ter aus gutem Hau­se, die auf einem Pferd neben einem land­ro­ver­ar­ti­gen Auto mit Pfer­de­an­hän­ger sitzt, und eine Milch­magd mit einer Kuh auf einem Bau­ern­hof. Letz­te­re ist im Lego-Uni­ver­sum — oder dem Teil, der gera­de beim näch­sten Kar­stadt her­um­steht — die ein­zi­ge Frau, die einer Beschäf­ti­gung nach­geht. Alle ande­ren Berufs­tä­ti­gen sind Män­ner: von Sach­be­ar­bei­tern mit Akten­kof­fer über Pilo­ten, Inge­nieu­re, Poli­zi­sten, Feu­er­wehr­män­ner, Bau­ar­bei­ter und Müll­män­ner bis zu Pira­ten und futu­ri­sti­schen „Power Miners“.

Klingt höchst albern, ist aber ver­mut­lich voll­kom­men ernst gemeint: Da will jemand Lego­männ­chen (man beach­te, neben­bei, die Wort­wahl) kau­fen und ist nicht etwa unzu­frie­den mit der Preis­la­ge oder den immer kon­fu­se­ren Bau­an­lei­tun­gen zu den diver­sen Sets, son­dern mit ihrem Geschlecht, gar mit den Geschlech­ter­rol­len, die ihnen zuteil wurde.

So weit hat uns die Eman­zi­pa­ti­on also getrie­ben, selbst im Kin­der­zim­mer hat die vor­geb­li­che Gleich­be­rech­ti­gung des ehe­mals „unter­drück­ten” Geschlechts abso­lu­ten Vor­rang zu haben; wobei ich per­sön­lich ja davon aus­ge­he, dass die Toch­ter des erzürn­ten Schrei­bers auf das Frau­en­bild der Fir­ma LEGO A/S weit­ge­hend pfeift.

Aber bit­te, wenn wir’s dar­auf ankom­men las­sen wol­len: Wo bleibt eigent­lich in der hei­len Welt von Bar­bie das männ­li­che Ele­ment? Zu kau­fen sind unzäh­li­ge Frau­en­fi­gu­ren mit über­wie­gend gro­tesk über­zeich­ne­ter Figur, aber als männ­li­che Figur steht nur der lang­wei­li­ge Char­meur Ken zur Ver­fü­gung, der das männ­li­che Geschlecht nun wahr­lich nicht zu ver­tre­ten weiß, son­dern viel­mehr die Wunsch­vor­stel­lung des­sen dar­stel­len mag, was sich mit Bar­bie spie­len­de Jung­men­schen (in der Regel weib­li­chen Geschlechts) als „süßen Jun­gen” vor­stel­len und auch vor­stel­len sollen.

Wo blei­ben die Punks, die Metal­ler, die Rocker, die Säu­fer, die Kif­fer? Wo bleibt die Eman­zi­pa­ti­on des Man­nes in der hei­len rosa Wunderwelt?

Ein Kom­men­ta­tor unter dem oben zitier­ten Ein­trag fragt übrigens:

War­um gibt es kei­nen weib­li­chen Auto­bot (Trans­for­mers)? War­um hat das WINX-Uni­ver­sum nur weib­li­che Hexen­hel­din­nen? Und, um es noch etwas pla­ka­ti­ver aus­zu­drücken: War­um pro­du­ziert Always Bin­den nur für Damen?

Eben.

In den NachrichtenWirtschaft
Ter­ror­bir­nen

Der Zoll soll in Deutsch­land nach einem Ver­kaufs­ver­bot für Glüh­bir­nen die Ein­fuhr her­kömm­li­cher Lam­pen ver­hin­dern. Gestoppt wer­den soll vor allem der Ver­sand durch außer­halb der Euro­päi­schen Uni­on ansäs­si­ge Online­shops, wie ein Spre­cher des Bun­des­wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­ums der „Wirt­schafts­wo­che” sag­te. Bund und Län­der wol­len ihr Vor­ge­hen dem­nach am Mon­tag beraten.

Abge­fan­ge­ne Glüh­bir­nen sol­len laut „Wirt­schafts­wo­che” ent­we­der ver­nich­tet oder an aus­län­di­sche Inter­es­sen­ten ver­stei­gert werden.

So zu fin­den auf Manager-Magazin.de. Es ist schön zu sehen, dass die Büro­kra­tie in die­sem Land noch funk­tio­niert, aller­dings bin ich mir noch nicht sicher, ob hier viel­leicht fal­sche Prio­ri­tä­ten gesetzt wer­den. Die Gefahr für die­ses Land, die von der Ver­wen­dung von Glüh­bir­nen aus­geht, hal­te ich per­sön­lich doch für recht gering, wenn man sie nicht gera­de unlieb­sa­men Zeit­ge­nos­sen ins Auge rammt.

Ob die­se „Online­shops” wohl auch auf der Liste poten­zi­ell gefähr­li­cher Web­sei­ten und somit eines Tages in den geplan­ten Fil­ter­li­sten landen?
Oder viel­leicht geht den Ver­ant­wort­li­chen ja vor­her ein Licht auf.

Um es wie Micha­el Miersch zu formulieren:
Glück­lich das Land, das sol­che Pro­ble­me hat.

Internes
In eige­ner Sache: Alle Syste­me einsatzbereit.

Hal­lo, lie­be Leserschar,

wenn ihr die­sen Text lest, ist die­se Inter­net­prä­senz auf einen neu­en Ser­ver umge­zo­gen. Damit dürf­te die Erreich­bar­keit, die doch hin und wie­der nicht gege­ben war, deut­lich zuneh­men, mit­hin auch die Zeit zum Laden die­ser Sei­te deut­lich abnehmen.

Ein net­ter Neben­ef­fekt ist, dass der neue Ser­ver nun­mehr end­lich in der Lage ist, mit ande­ren Web­logs zu kom­mu­ni­zie­ren; so wer­den nun diver­se track­backs ver­sen­det. Ich möch­te mich bei den betrof­fe­nen Web­log­gern, die plötz­lich eine recht gro­ße Men­ge an Benach­rich­ti­gun­gen bekom­men, ent­schul­di­gen und bei Dif­fer­ent­Stars für den Hin­weis bedan­ken. Betrach­tet bei­des hier­mit als erledigt.

Für die ande­ren von euch, lie­be Leser, ändert sich nichts. Bei­de euch bekann­ten Adres­sen sind wei­ter­hin erreich- und nutz­bar. Kei­ne Sor­ge – ihr könnt eure Lese­zei­chen belassen.

:)

Hier und da könn­ten noch klei­ne­re Unge­reimt­hei­ten bestehen; die­se wer­den, sofern gemel­det, bald besei­tigt. Außer­dem wer­de ich in den näch­sten Tagen eini­ge klei­ne­re Umbau­ten vor­neh­men, selt­sa­mes Ver­hal­ten der Sei­te ist also kurz­zei­tig zu erwarten.
Dan­ke für die Aufmerksamkeit!