LyrikSonstigesWie die Anderen
Wie die Anderen (extra): Amazon roman-tisch?

(Vorbe­merkung: Dies ist ein Son­derteil mein­er losen Rei­he “Wie die Anderen”, dies­mal inspiri­ert von Gün­ter Grass; “Son­derteil” deshalb, weil Herr Grass nicht blog­gt.)

Warum schweige ich, ver­schweige zu lange,
was offen­sichtlich ist und in Plan­spie­len
geübt wurde, an deren Ende als Kun­den
wir allen­falls rat­los sind.

Es ist die behauptete Intel­li­genz,
die kün­stliche, von Men­schen gemacht,
die uns aller­lei Weisheit beschert
oder es ver­sucht.

Das all­ge­meine Ver­schweigen dieses Tatbe­standes,
dem sich mein Schweigen unter­ge­ord­net hat,
empfinde ich als belas­tende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aus­sicht stellt,
sobald er mißachtet wird;
das Verdikt “Klugscheißerei” ist geläu­fig.

Doch staune ich nicht schlecht
über des Ama­zons wun­der­same Algo­rith­men,
die da einen Roman nicht ein­mal erken­nen wür­den,
wenn er die Ver­ant­wortlichen daselb­st
in den Hin­tern träte.

(Nachbe­merkung: Sollte ich eine der Marot­ten der in dieser Rei­he par­o­dierten Autoren verse­hentlich nicht einge­baut haben, so seid ihr natür­lich her­zlich ein­ge­laden, es bess­er zu machen – gern mit Track­back und/oder Kom­men­tar hier unten drunter.)

Musikkritik
Esperanza Spalding — Radio Music Society

Esper­an­za wer?

Nun, Esper­an­za Spald­ing ist eine von Barack Oba­ma sehr geschätzte Musik­erin und trotz­dem gar nicht mal übel. Sie hat­te 2009 die Ehre, anlässlich Her­rn Oba­mas Nobel­preisemp­fang aufzutreten, und wurde 2010 anstelle von Justin Bieber mit dem Neulings-“Grammy” aus­geze­ich­net, was ver­wirrend scheint, denn mit Pop­scheiße hat sie es nicht so.

Auf ihrem vierten Album “Radio Music Soci­ety” ist Jazz zu hören, was nicht erstaunt, denn immer­hin ist Frau Spald­ing “Jazz-Bassistin” (news.ch). Dass aber mit Gästen wie Jack DeJohnette illus­tre Namen auf der Liste der Mit­musikan­ten erscheinen, bedeutet lei­der weniger als der Titel des Albums, denn trotz der Lounge-Atmo­sphäre ist vor allem das Radiop­ub­likum als Klien­tel gesucht; wie’s eben auch auf news.ch ste­ht:

Natür­lich ori­en­tierte sie sich bei ihren Songs an den klas­sis­chen Radiomusik­the­men. In den Liedern geht es um Liebe in sämtlichen Ton­la­gen.

Natür­lich, selb­stver­ständlich, es gibt noch nicht genug Schnulzen im Radio, dass da nicht noch Platz wäre für ein paar andere Schnulzen. Zum Glück kann sich Frau Spald­ing minuten­lange Wieder­hol­un­gen von “I love you, I love you, baby” ger­ade noch so verkneifen und wird stattdessen gele­gentlich so lyrisch, dass es einen alten, grum­meli­gen Sack wie mich dann doch schon ein wenig rührt. Cin­na­mon tree, grace falling free…

Aber — und jet­zt kommt das erwartete Aber — das ist nicht alles, was zählt. Zugegeben, das Darge­botene ist sehr solide, der Rhyth­mus ein­ladend und der Gesang ein­wand­frei, aber das kann man von vie­len Musikalben behaupten. Pos­i­tiv her­vor stechen die Lieder “Cin­na­mon Tree”, ein bedächtiges Stück über Fre­und­schaft und Vergänglichkeit, und “Endan­gered Species”, eine betex­tete Neuin­ter­pre­ta­tion eines Stück­es von Wayne Short­er, die lei­der nur etwa sech­sein­halb Minuten lang ist. “Lei­der” aus einem sim­plen Grund: Das Stück hat Groove. Der Bass durch­springt, getra­gen von Schlagzeug und so manchem anderen Instru­ment, grazil Melodiebö­gen, während seine Meis­terin Stim­m­ex­per­i­mente wagt, die schon wieder die Gedanken des Hör­ers zur “himm­lis­chen Musik” Zeuhl (Mag­ma! Mag­ma!) abschweifen lassen; war aber “Don­daï” auf Mag­mas “Attahk” noch ein Aus­fall nach unten, so ist “Endan­gered Species” hier ein solch­er nach oben.

Dass Jazz vielfältiger Natur sein kann und ein Ken­ner ob obi­gen Ver­gle­ichs ver­mut­lich besten­falls mit dem Kopf zu schüt­teln ver­mag, ist mir dabei wohl bewusst. Tat­säch­lich fehlt mir hier eigentlich nur etwas mehr Span­nung. Die bei­den genan­nten Lieder, so unter­schiedlich sie auch sein mögen, stellen die bei­den Pole des Albums dar, aber die anderen enthal­te­nen Stücke plätsch­ern eben etwas lust­los dahin. Mag sein, dass es für einen Gram­my reicht — einen solchen hat aber Lady Gaga auch schon bekom­men.

“Radio Music Soci­ety” hätte ein richtig gutes Jaz­zal­bum wer­den kön­nen, aber Frau Spald­ing riskiert zu wenig. So reicht es trotz “Endan­gered Species” eben nur zur “Ehren­ret­tung der Radiomusik” (focus.de) und lei­der nicht für die Besten­liste 2012.

Wer es gern etwas gemütlich­er mag und es nicht so mit Avant­garde hat, der möge den­noch ein­mal rein­hören und mir her­nach für den guten Tipp danken.

Musikkritik
Das scheußliche Cover: Magma — Attahk

(Vorbe­merkung: Auf Schallgrenzen.de gibt es die lose Rei­he “Das schöne Cov­er”, in der neu inter­pretierte Lieder älteren Ursprungs vorgestellt wer­den. Meine Rep­lik “Das scheußliche Cov­er” hinge­gen ist beina­he rein visuell und befasst sich mit eher wenig sehenswerten Schallplat­ten- und CD-Auf­druck­en eigentlich ziem­lich guter Musik­grup­pen. Dies nur als Erläuterung, damit es nicht zu Ver­wirrun­gen kommt.)

Der franzö­sis­chen Musik­gruppe Mag­ma, von mir an ander­er Stelle bere­its aus­führlich gewürdigt, stand um das Jahr 1977 herum nach ziem­lich großar­ti­gen, Weg weisenden Alben wie Mekanïk Destruk­tïw Kom­mandöh und Wur­dah Ïtah der Sinn nach weniger schrul­lig-sphärisch­er Eso­terik und mehr Pop.

So sieht das Titel­bild des in der Folge erschiene­nen Albums “Attahk” auch aus.

Von der eige­nar­ti­gen, rät­sel­haften Bild­sprache der Vorgänger­al­ben ist nichts mehr geblieben, stattdessen posieren zwei Avatare, die nord­ko­re­anis­chen Dik­ta­toren einiger­maßen ähn­lich sehen und mit “Gor­go” und “Our­gon” auch ziem­lich däm­liche Namen tra­gen, vor den alber­nen Schriftzü­gen “Mag­ma” und “Attahk”.

So reißerisch-anbiedernd das Titel­bild damals gewe­sen sein mag, so ein­fall­s­los ist der gebotene Zeuhl, denn was bis dahin majestätisch wirk­te, ist auf “Attahk” zu ein­er bloßen Par­o­die auf sich selb­st verkom­men. Der pein­liche Höhep­unkt — wenn man das so nen­nen darf, ohne von seinen Lesern der Irreführung bezichtigt zu wer­den — ist das Liebeslied (Liebeslied!; nicht unbe­d­ingt vorstell­bar im Rah­men der von Mag­ma erdacht­en mythis­chen Welt von Kobaïa) “Don­daï”:

Mag­ma “Dondai (To the eter­nal love)”

Dass dieser Weg Mag­ma in eine Sack­gasse führen würde, war wohl bald auch den Musik­ern selb­st bewusst. Das fol­gende Stu­dioal­bum “Mer­ci” erschien 1984 und war als Soloal­bum von Schlagzeuger Chris­t­ian Van­der und eini­gen Mit­musik­ern etiket­tiert, erst 2001 fol­gte dann das näch­ste reg­uläre Mag­ma-Stu­dioal­bum “K.A.” und mit ihm eine Rückbesin­nung auf ein­stige Stärken.

Nun kön­nte man argu­men­tieren, dass so ein Titel­bild eigentlich nicht viel über die Musik aus­sagt, von ver­meintlich weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen. Das Titel­bild von “Attahk” aber ist eben­so wie die auf dem Album enthal­tene “Musik” allen­falls eine Zer­störung erwor­ben­er Meriten. Zum Glück hat man daraus gel­ernt — lei­der aber nicht auf die Neuau­flage von “Attahk” anlässlich der Sam­mel­box “Stu­dio Zünd” verzichtet.

Aber CDs hängt man sich ja auch nicht an die Wand.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt XCIII: Netzvereinsmeierei

Nach der “Dig­i­tal­en Gesellschaft” und dem SPD-nahen Vere­in “D64” hat es jet­zt auch die CDU geschafft, einen eige­nen Inter­netvere­in zu grün­den. Er heißt “CNetz”, aber was schert sich so ein CDU’ler schon um etablierte Marken­na­men?

SPIEGEL Online so:

Die Net­zpoli­tik­er der Union organ­isieren sich. Unter dem Namen CNetz haben sich Abge­ord­nete und Sym­pa­thisan­ten zu einem Vere­in zusam­mengeschlossen, um “bürg­er­liche und ver­ant­wor­tungsvolle” Net­zpoli­tik zu machen. Es ist auch eine Reak­tion auf den Erfolg der Piraten­partei.

Es ist merk­würdig, dass die NPD noch nicht die gle­iche Idee hat­te. Immer­hin ist ein Ziel der Piraten­partei erfüllt: Net­zpoli­tik für die Bürg­er ist in der Poli­tik angekom­men und kein Nis­chen­the­ma mehr. Was aber unter­schei­det das “CNetz” nun von den anderen Net­zvere­inen?

Nun:

Das christliche Men­schen­bild, eine der Grund­la­gen der im Grundge­setz niedergelegten Werte, stellt den zur Frei­heit berufen Men­schen in den Mit­telpunkt. Wir wollen einen Beitrag dazu leis­ten, die Men­schen dazu zu befähi­gen, dieser Frei­heit mit Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den – ger­ade in der dig­i­tal­en Gesellschaft.

Das christliche Men­schen­bild hat unter anderem einen Papst her­vorge­bracht, der jedem römisch-katholis­chen Chris­ten sein Sex­u­alleben vorzuschreiben pflegt; Frei­heit, die ich meine.

“Ver­ant­wor­tungsvolle” Net­zpoli­tik bedeutet ander­er­seits dann eben auch keine völ­lige Frei­heit ohne großes Aber. Was “CNetz” genau fordert? Das geht daraus nicht her­vor. Mir schwant jedoch Bös­es.


Nach­trag von 22:33 Uhr:

Twit­ter­er “Guenter Hack” schrieb:

Eine wirk­lich kon­ser­v­a­tive Net­zpoli­tik müsste dafür sor­gen, dass alles so bleibt, wie es in der guten alten Zeit gewe­sen ist. Also: Net­zneu­tral­ität sich­er­stellen, Spitzel und Abmah­n­er raus, Net­zsper­ren verun­möglichen, Spam­mer ein­tüten. Schon bin ich kon­ser­v­a­tiv.

So oder so: Die CDU kann sich hier nur ver­heben. Entwed­er gibt sie ihr Pro­fil auf und wird pro­gres­siv und zer­stört so das Inter­net, oder sie bleibt ihrer Lin­ie treu, bleibt kon­ser­v­a­tiv und zer­stört trotz­dem das Inter­net. Ich darf mich wieder­holen: Mir schwant Bös­es.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt XCII: Die F.D.P. wird gebraucht, die Grünen sind grün.

Ach, heute ist ja wieder der Tag der Scherzbolde, an dem jedes alberne Por­tal ver­sucht, krampfhaft lustig zu sein. Auf dem Blog “Pin­guinzube­hör” etwa wird wieder mal die alte “Ubun­tu wird kostenpflichtig”-Schiene befahren, und dass der dort genan­nte “Trick”, das Hin­ter­grund­bild fest einzukom­pilieren, dafür gar nicht nötig wäre, weil die GPL, unter der Lin­uxdis­tri­b­u­tio­nen gezwun­gener­maßen ste­hen, das Erheben von Lizen­zge­bühren aus­drück­lich erlaubt, ver­ste­ht sich von selb­st. Wenn Aprilscherze nur nicht immer so offen­sichtlich wären…!

Trotz­dem schreibe ich mal etwas, und weil es heute allzu offen­sichtlich wäre, gezielt ach-so-lustige Unwahrheit­en zu ver­bre­it­en (reimt sich!), ver­linke ich dafür nur mal kurz ein wenig Poli­tik.

Obwohl das hier natür­lich einen guten Aprilscherz abgäbe. Renate Künast — zum Lei­d­we­sen der Grü­nen weniger nervig als Clau­dia Roth — hat näm­lich gesagt:

Wir Grü­nen haben ein inhaltlich­es Pro­fil, da scheue ich die Debat­te nicht.

Dieses inhaltliche Pro­fil konkretisiert sie ein­drucksvoll:

Welt am Son­ntag: Erin­nern Sie die Pirat­en an die Anfänge der Grü­nen?

Künast: Es gibt Par­al­le­len, aber in eini­gen Punk­ten unter­schei­den wir uns deut­lich. Die Pirat­en sind nun die Neuen. Wir sind die Grü­nen.

Aber nicht nur die Grü­nen sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Parteien­sys­tems, auch die F.D.P. ist rel­e­vant:

FDP-Lan­deschef Daniel Bahr sagte, die FDP müsse bei der Land­tagswahl am 13. Mai dafür sor­gen, dass die Lib­eralen in Deutsch­land eine starke Stimme bleiben. „Die FDP wird gebraucht.“

Eine “starke Stimme” also; Haupt­sache, laut kra­kee­len, wenn man schon mit leisen Worten nie­man­den mehr beein­druckt. Beein­druck­end ist es aber, dass man in Nor­drhein-West­falen tat­säch­lich noch 395 stimm­berechtigte F.D.P.-Mitglieder auftreiben kon­nte:

Lind­ner, der keinen Gegenkan­di­dat­en hat­te, erhielt fast 100 Prozent der Stim­men – näm­lich 394 von 395 gülti­gen Stim­men.

“Fast 100 Prozent” ohne einen Gegenkan­di­dat­en ist natür­lich auch eher ein “leck mich” als ein “ich ste­he voll hin­ter dir” seit­ens der Basis; aber sei’s drum.

Musik
Musikmasochisten

Auf ein­er mit voran­schre­i­t­en­der Uhrzeit zuse­hends anstren­gen­deren Reise drängte sich mir heute wieder die Frage auf, was eigentlich einen Jung­men­schen dazu ver­an­lasst, “Musik” — und sei es nur blödes Com­put­erge­stampfe — über den inter­nen Laut­sprech­er eines Mobil­tele­fons oder eines ähn­lich ungeeigneten Gerätes abzus­pie­len statt einen Kopf- oder wenig­stens Ohrhör­er zu ver­wen­den. Ich mein­er­seits betra­chte es als Folter und nicht als gute Unter­hal­tung, wenn man mir per MP3-Codec kaput­tkom­prim­ierte Dance-Klänge über einen quäki­gen Audioaus­gang vor­spielt, und käme niemals auf die Idee, dies aus eigen­em Antrieb her­aus selb­st zu tun; ganz davon abge­se­hen, dass Dance meine präferierte Musikrich­tung nun wahrlich nicht ist.

Das bis dahin let­zte Musikalbum, das ich hörte, war wenige Stun­den zuvor das Album “Plumb” von den ziem­lich guten Indie-Pop-Musik­ern Field Music, und von jenen ist der Schritt ein nicht geringer.

Was also gibt den Anlass für die weit­flächige Ver­bre­itung furcht­bar verz­er­rter Tanz­musik in öffentlichen Verkehrsmit­teln? Mit­teilungs­drang kann es nicht sin, denn man teilt ja seinen Mitreisenden so abge­se­hen von dem Umstand, dass die eigene musikalis­che Sozial­isierung erst noch stat­tfind­en muss, nicht viel mit. Auch der Hedo­nis­mus schei­det aus, denn spaßig ist diese Ohren­folter wohl nur für diejeni­gen, die, selb­st mit Kopfhör­ern und Schaden­freude aus­ges­tat­tet, das Mienen­spiel der Gequäl­ten beobacht­en kön­nen.

Dabei ist aus­nahm­sweise nicht ein­mal die Audiokom­pres­sion der — im Wortsinne — Auss­chlag gebende Aspekt, das Aus­gabegerät ist es. Selb­st eine hochau­flösende Ver­sion von Gen­tle Giants “Fun­ny Ways” gerät, durch diesen Fil­ter gejagt, zu quäkigem Klang­brei; und wenn dann noch der übliche Fick­beat darunter gelegt würde (was den Darun­ter­leger zu einem mein­er ärg­sten Feinde machte, weshalb ich davon abrate), kön­nte nie­mand mehr mit Bes­timmtheit sagen, ob er da ger­ade mit Gen­tle Giant, den Bea­t­les, Madon­na oder Skrillex (im Musik­lexikon unter “S” wie “scheußlich” zu find­en) belästigt wird. Es mag Kon­sum sein, Genuss aber keineswegs; zumin­d­est bin ich möglicher­weise wil­lens, nicht aber fähig dazu, gegen­teilige Behaup­tun­gen als uneingeschränkt zutr­e­f­fend zu begreifen.

Als Kon­trast zu uns Musik­faschis­ten bin ich geneigt, die Pro­tag­o­nis­ten solchen Tuns als Musik­masochis­ten zu beze­ich­nen; die eben “Musik” auch und ger­ade dann und dergestalt hören, wenn und dass es das größt­mögliche Miss­fall­en erzeugt. (In US-amerikanis­chen Folterge­fäng­nis­sen wen­det man bekan­ntlich eine ähn­liche Strate­gie an.)

Ich empfehle Her­stellern min­der­w­er­tiger Klan­gaus­gabegeräte, jegliche Musik­wieder­gabe allein über die Klinken­buchse auszuführen, um weit­eres Leid zu reduzieren, und bedanke mich her­zlichst im Voraus.

PolitikNetzfundstücke
Norbert Röttgen: Politik auf Kindisch

Nur mal so gefragt:

  1. Ist es nicht ein wenig gewagt, nach den diversen Geschicht­en über CDU-Poli­tik­er und min­der­jährige Gespielin­nen mit einem solchen Plakat aufzuwarten?
  2. Wo hat der Onkel Nor­bert da eigentlich seine Hände? (Ist das Kind echt, oder ist es eine Bauchred­ner­puppe? Und wie lautete in diesem Fall die Antwort auf die Frage?)
  3. Wenn die CDU Poli­tik “aus den Augen eines Kindes” macht, was bedeutet das eigentlich?

Na ja; CDU eben. Wenig­stens das kön­nen sie: Sich stil­voll selb­st in die Pfanne hauen.

(via Twit­ter, unter anderem @fraeulein_tessa)

Netzfundstücke
Kurz verlinkt XCI: Haarig: Hitlershampoo nur für Männer.

Max Goldt hat ein­mal geschrieben, es gebe keinen schlecht­en türkischen Frisör, was man daran sehe, dass es keine schlecht frisierten türkischen Män­ner gebe.

Nun kön­nte man daraus fol­gern, dass die Beobach­tung, türkische Män­ner hät­ten Ein­heits­frisuren, nicht ganz falsch ist, und dass das an die Diszi­plin in ein­er Armee erin­nert, schweift vielle­icht ein biss­chen zu weit ab.

Tat­säch­lich aber brechen in der Türkei jet­zt haarte Zeit­en für die Anhänger der Dämoni- und Tabuisierung Haar­dolf Adolf Hitlers und schlechter Frisuren an, denn:

“Warum benutzt Du ein Frauen­sham­poo, wenn Du keine Frau bist?”, don­nert Adolf Hitler in einem neuen türkischen Wer(b)espot. “Bist Du ein Mann, benutzt Du Bio­men!” Im Off bran­det tosender Applaus der Volks­massen auf.

(…)

Hitler wird im Spot freilich nicht aus­drück­lich als Juden­mörder gepriesen, son­dern soll als Sym­bol für Viril­ität her­hal­ten, oder was man in der Türkei darunter ver­ste­ht. Als betont männlich gilt auch Erdo­gan, beson­ders wenn er gegen Israel zu Felde zieht.

Der türkische Mann: Vir­il wie Hitler und garantiert kein Frauen­sham­poo in den gegel­ten Haaren.

(Mit Dank an M.!)

Lyrik
… weil er lacht, weil er lebt …

Eines Tages kam der Men­sch an einen Fluss, der seinen Weg kreuzte. “Ei”, sprach der Men­sch, “vielle­icht hil­ft mir der Fluss, meine Sor­gen zu vergessen.” Und so set­zte sich der Men­sch an den Fluss und nahm die gle­ich­för­mi­gen Bewe­gun­gen des Wassers in sich auf.

Als er eine Weile so gesessen hat­te, kam eine Ente des Weges geschwom­men. Sie fragte den Men­schen: “Ach, Men­sch, warum schaust du so betrübt drein?” Der Men­sch erschrak, von der uner­warteten Anrede über­rascht. “Ente, warum kannst du sprechen?” fragte er.

Die Ente erwiderte: “Sind wir nicht alle­samt Lebe­we­sen? Wäre es nicht absurd, sprächen wir keine gemein­same Sprache, wir Enten und ihr Men­schen? Wir Enten kön­nen schon immer mit euch Men­schen reden. Außer­dem bist du betrunk­en.”

“Ach so”, sagte der Men­sch. “Betrübt bin ich, weil ich mit dem Leben unzufrieden bin und dich nun hier sehe, wie du sor­g­los -”

“Halt!”, unter­brach ihn die Ente. “Wieso sollte ich sor­g­los sein, nur weil ich nicht jedem mein Leid klage?”

“Entschuldige, Ente; wie du hier also ent­langschwimmst, als könne dich nichts erschüt­tern, während mich die Sor­gen pla­gen.”

“Sor­gen sind kein Grund, sich der Trüb­sal hinzugeben. Wichtig ist, dass man sein Leben lebt. Jed­er ist seines Glück­es Schmied, und wenn das Leben dir Mel­o­nen gibt, mach Marme­lade daraus. Lass die Sonne rein!”

Nach kurzem Zögern erhellte sich das Gesicht des Men­schen. “So habe ich das noch gar nicht gese­hen!” rief er. “Ich danke dir viel­mals, Ente! Kommst du noch mit auf einen Kaf­fee?”

“Nein, ich muss noch fahren”, sprach die Ente, “aber ich danke dir für die Ein­ladung!”

“Schade!” bedauerte der Men­sch die Ente. “Den­noch danke ich dir für alles, mein Fre­und!”

Und fro­hen Mutes schritt er davon. Die Ente aber sah ihm noch lange nach und seufzte.

(Nimm das, Antoine de Saint-Exupéry!)

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt XC: Freiheitsdiebe!

Hihi:

Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er hat die Piraten­partei ange­grif­f­en. Die Pirat­en seien nur “Trit­tbret­tfahrer des Engage­ments für die Frei­heit und gegen einen über­bor­den­den Sicher­heitsstaat” der FDP.

Ach so.

Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er ist, dies zur Erin­nerung, die Frau, die gegen die Vor­rats­daten­spe­icherung nichts hat, so lange sie “maßvoll” angewen­det wird. Das bürg­er­na­he Engage­ment ihrer frei­heit­slieben­den F.D.P. ist auch son­st ziem­lich beein­druck­end:

Die FDP hat ihren Anfang des Jahres noch pub­likgemacht­en Wider­stand gegen die Ein­führung des elek­tro­n­is­chen Per­son­alausweis­es aufgegeben.

Wegen des Kap­i­tals halt:

Staat und Unternehmen hät­ten schon “erhe­bliche Sum­men” dafür aufgewen­det. Hät­ten die Lib­eralen die Reißleine gezo­gen, wäre ein “gigan­tis­ches Mil­lio­nen­grab” ent­standen.

Und so ein Sicher­heitsstaat ist nicht im Inter­esse der F.D.P., weshalb Frau Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er es lieber unsich­er mag:

Bei ACTA han­dele es sich um kein Ein­fall­stor für Net­zsper­ren, erk­lärte Bun­desjus­tizmin­is­terin Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er (FDP). Damit weist sie die Kri­tik von Geg­n­ern des Han­delsabkom­men, das nach deren Auf­fas­sung die Ein­schränkung von Frei­heit­srecht­en zufolge hat, zurück.

Nur, falls sich noch wer fragt, wieso es mit der F.D.P. so rapi­de bergab gehen kon­nte.

Nerdkrams
Gedanken zur grassierenden Linuxmanie

Seit bekan­nt ist, dass Win­dows 8 voraus­sichtlich — das ist ein wichtiges Detail — das Fen­sterkonzept zugun­sten ein­er gekachel­ten Umge­bung nur noch stiefmüt­ter­lich behan­deln wird und eigentlich also kein “Win­dows” mehr ist, tönen wieder die Fan­faren der Lin­uxfrak­tion.

Zuvörder­st natür­lich kra­kee­len die Nutzer von Ubun­tu, die den Umstand, dass Ubun­tu es selb­st war, dessen “Unity”-Oberfläche erfol­g­los gle­ichzeit­ig Desk­top- und Table­tumge­bung zu sein ver­suchte und so reich­lich Benutzer zu anderen Dis­tri­b­u­tio­nen trieb, gern vergessen, dass die verbliebe­nen Win­dows­nutzer doch jet­zt bitte endlich auf die helle Seite wech­seln soll­ten, bevor es zu spät sei.

Aber: Warum?

Dass Win­dows 8 eventuell tat­säch­lich über­sprun­gen wer­den sollte, ist dabei nicht entschei­dend, das ist lediglich Objekt sub­jek­tiv­er Entschei­dun­gen. Warum aber sollte aus­gerech­net Lin­ux die richtige Antwort auf möglicher­weise ungeliebte Änderun­gen an einem Betrieb­ssys­tem sein, wenn es selb­st ständig mutiert und so die Benutzer von ein­er Dis­tri­b­u­tion zur näch­sten treibt? Warum nicht BSD, warum nicht Mac OS X, warum über­haupt etwas anderes?

Sich­er ist Lin­ux frei. Na und? Die meis­ten Men­schen in meinem Umfeld bekom­men eine neue Win­dowsver­sion allein mit einem neuen Rech­n­er ins Haus, die beiliegen­den OEM-Lizen­zen kosten sie also “nichts”. Welchen Vorteil zieht der typ­is­che End­nutzer aus dem Umstand, dass sein Sys­tem frei ist, wenn ihm Quell­codes, wie meist, einiger­maßen egal sind? Lizen­zge­bühren sparen kann er so nicht, die hat er ja beim Rech­n­erkauf schon entrichtet.

Die Frei­heit scheint auch allein finanzieller Natur zu sein: Aus­gerech­net die Open-Source-Apolo­geten, die von ideeller Frei­heit überzeugt sind oder dies zumin­d­est behaupten, sind der Mei­n­ung, sie müssten diejeni­gen, die sich bewusst für ein anderes Sys­tem entsch­ieden haben, bekehren; lustiger­weise gehören zu der Gruppe der Predi­ger sog­ar Nutzer von Mac OS X und iOS, die trotz der par­tiellen BSD-Basis geschlossenere Sys­teme sind als Win­dows es je sein kön­nte.

Der erste eigene Rech­n­er ist stets der prä­gende. Ist dort zum Beispiel Fedo­ra Lin­ux vorin­stal­liert, so wird man später mit Win­dows ähn­liche Prob­leme bekom­men wie sog­ar mit Ubun­tu Lin­ux oder anderen Dis­tri­b­u­tio­nen. Aber nicht immer ist Bedi­en­barkeit das einzig entschei­dende Kri­teri­um: Spie­len, Bild­bear­beitung und Videoschnitt — kurzum: Dinge, für die man als Heiman­wen­der eben gern mal am Rech­n­er, sei er nun mit Win­dows oder mit Mac OS aus­ges­tat­tet, sitzt — machen unter Lin­ux keinen Spaß. Um Anony­mus “Tiles” zu zitieren:

Klar, wenn du nichts am PC machst außer Musik zu hören und hier und da ein wenig an Con­fig­files rumzufin­gern, ist Lin­ux für dich per­fekt. Ein OS ist aber kein Selb­stzweck. Es ist die Plat­tform, auf der meine Soft­ware laufen soll. Tut es das nicht, dann brauch ich’s auch nicht.

(Tippfehlerko­r­rek­turen mein­er­seits enthal­ten.)

Je länger man also einen eige­nen Com­put­er besitzt, desto flüs­siger kann man dem eige­nen work­flow fol­gen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein unter Win­dows erlern­ter Arbeitsablauf unter jedem anderen Sys­tem ver­mut­lich gän­zlich wegfällt und neu erdacht wer­den muss, was umgekehrt natür­lich auch gilt. (Nicht jed­er Aut­o­fahrer kann auch ein Motor­rad bedi­enen.)

Eine Par­al­lelin­stal­la­tion hil­ft zwar, hierüber zunächst weit­ge­hend gefahr­los Infor­ma­tio­nen zu sam­meln, aber das par­al­lel instal­lierte Erst­sys­tem set­zt hier die Hürde, dass man nicht gezwun­gen ist, mit dem neuen Sys­tem zu arbeit­en. Wenn man sich immer wieder dabei ertappt, “nur mal eben” wieder das Erst­sys­tem zu starten, ist das Zweit­sys­tem auf jeden Fall die falsche Wahl.

Man ver­ste­he mich nicht falsch: Keines­falls soll dies hier ein flam­mendes Plä­doy­er für mehr Win­dows und weniger Lin­ux sein. Ich empfehle nur, die Weisheit “fass ein laufend­es Sys­tem nicht an” zu beherzi­gen. Auf Lin­ux umzusteigen, weil das jet­zt alle machen, ist defin­i­tiv der falsche Weg. Lin­ux ist eine Alter­na­tive und kein Ersatz, und Mac OS X, BSD, Haiku und Win­dows sind es auch — und keines davon ist das beste Betrieb­ssys­tem. (Ich käme zum Beispiel niemals auf die Idee, diese Inter­net­seite hier unter Win­dows zu betreiben.)

Der Umstieg auf ein anderes Sys­tem braucht vor allem viel freie Zeit, die Einar­beitung in das neue Ökosys­tem ist in keinem Fall mal eben in der Mit­tagspause erledigt. Zuvor gilt es allerd­ings abzuwä­gen, ob der enorme Mehraufwand den Mehrw­ert wirk­lich recht­fer­tigt. “Win­doof ist uncool” wird langfristig nicht genü­gen. Denn die Lei­d­tra­gen­den sind im Zweifel die, die sich mit dem ganzen Brim­bo­ri­um ausken­nen.

MusikIn den Nachrichten
“Rock and Roll can never die.”

Lustig: Sven Regen­er, der in sein­er Freizeit zusam­men mit der “Musik“gruppe “Ele­ment of Crime” — dass ihm der Name nicht merk­würdig vorkommt, ist anzunehmen — so genan­nte “Musik” am Com­put­er zusam­men­klickt und damit anscheinend immer noch zu viel Geld “ver­di­ent”, hat was zum The­ma Urhe­ber­rechte dum­mgesülzt. Mein Lieblingsz­i­tat:

Das einzig Coole am Rock’n’Roll ist es, dass wir jede Mark (sic!), die wir bekom­men, sel­ber ver­di­enen.

Noch ein paar lächer­liche Zitate gibt es auf netzpolitik.org, und warum Sven Regen­er die Zusam­men­hänge in “sein­er” Indus­trie noch nicht ver­standen hat, erk­lärt Fritz Effen­berg­er. Zu meinem Lieblingsz­i­tat kon­nte ich aber nichts find­en, was mich erschüt­tert, weshalb ich zu all den Beiträ­gen, die erläutern, warum Sven Regen­er ein lang­weiliger Typ ist, der scheußliche Musik macht, noch einen hinzufüge, in dem ich ein­fach mal was frage:

Ist das noch Rock’n’Roll?

Dass das, was Ele­ment of Crime so fab­rizieren, kein­er ist, ist, meine ich, unstrit­tig. Aber stand Rock’n’Roll nicht mal für Lebens­freude und Frei­heits­drang statt für den Stolz auf ein lei­dlich geregeltes Einkom­men?

Herr Regen­er macht also (ver­meintlich) Musik, die er eigentlich gar nicht mag, weil er damit Geld ver­di­enen kann; und sagt dann weit­er:

Die (Mark, A.d.V.) bekom­men wir von Leuten, die sagen “Ja, das ist mir das wert. Ich geb’ 99 Cent aus für dieses Lied”. Das ist die Idee dabei. Das macht den Rock’n’Roll groß.

Richtig, denn der Rock’n’Roll basierte schon immer auf der Geldgi­er sein­er Pro­tag­o­nis­ten und nicht etwa auf höheren, eher geisti­gen Ide­alen. Rock­musik ent­stand als Ein­nah­me­quelle und nicht als Akt der Rebel­lion, und erfun­den wurde sie vom Fliewatüüt. Und deswe­gen macht Sven Regen­er näm­lich “Musik”:

Aber es wird so getan, als wenn wir Kun­st machen wür­den als exzen­trisches Hob­by oder so.

Ja — warum denn dann? Aus Lei­den­schaft wohl nicht, immer­hin find­en Sie Rock­musik ja auch eher doof. Auch son­st geht Ihnen das Ver­ständ­nis von Musiken­twick­lung völ­lig ab:

Für die Leute zwis­chen 15 und 30 gibt es keine endemis­che Musik mehr. Die haben keine eigene Musik mehr.

Ich schon. Und Ele­ment of Crime zählt nicht dazu. Und wis­sen Sie, woran das liegt? Dieser radiokom­pat­i­ble Unfug ist zu beliebig, zu aus­tauschbar. Da bleibt nichts hän­gen, wom­it man sich iden­ti­fizieren kann — und sog­ar der Front­mann ist ein Unsym­pa­th.

Den Rock’n’Roll aber, Herr Regen­er, kriegen nicht ein­mal Sie kaputt.

Aber keine Sorge: Kun­st würde Ihnen nie­mand unter­stellen.