PolitikIn den Nachrichten
Strahlende Sieger

Schleswig-Hol­stein hat gewählt, aber die vor­ab veröf­fentlicht­en Ergeb­nisse lagen doch daneben.

Eine kurze Zusam­men­fas­sung der Geschehnisse auf Grund­lage der ZDF-Hochrech­nung von 19 Uhr:

  • Einen “unglaublichen Erfolg” (F.D.P.-Kandidat Kubic­ki) ver­bucht die F.D.P. mit 8,1 Prozent, was einem Zugewinn von minus 6,8 Prozent entspricht.
  • “Gewon­nen” (Sig­mar Gabriel, SPD) haben SPD und Grüne (gemein­sam 43,5 Prozent), “vorne liegt” aber (Jost de Jager, CDU) die CDU (30,8 Prozent). Tat­säch­liche Sieger sind also alle, denn zusam­men haben sie 100 Prozent der Stim­men bekom­men, was die klare Mehrheit ist.
  • Erstaunlicher­weise hat SPD-Kan­di­dat Albig erk­lärt, regieren zu wollen: “Im ARD-Inter­view machte Albig dann wenig später deut­lich, regieren zu wollen.”
  • Der Süd­schleswigsche Wäh­lerver­band (SSW) wurde zum Wun­sch­part­ner von SPD und Grü­nen erk­lärt, ob er allerd­ings damit ein­ver­standen ist, wird nicht erwäh­nt.
  • Die Piraten­partei liegt gle­ichzeit­ig vor (ZDF) und hin­ter (ARD) der F.D.P. und dürfte es somit als erste Partei in schulis­che Physik­büch­er, The­ma “Schrödingers Katze”, schaf­fen.
  • Die Nichtwäh­ler — etwa 44,4 Prozent — soll­ten darüber nach­denken, eine Partei zu grün­den.

Heute ist Welt­lach­tag, und ich per­sön­lich danke den schleswig-hol­steinis­chen Wäh­lern für ihren großzügi­gen Beitrag. Lachen ist gesün­der als Poli­tik.

Sonstiges
Gratis wäre zu billig: yourfone.de, das teuerste Kostenlos der Welt

Ger­ade rauschte dieser beza­ubernde Wer­be­film an mir vorüber:

Yourfone.de TV Spot

Der Sprech­er behauptet darin, Beto­nun­gen inklu­sive, dies:

Your­fone bringt dich kosten­los ins Fes­t­netz, kosten­los in alle Han­dynet­ze und unbe­gren­zt ins Inter­net. Alles drin. Für die gün­stig­sten 19,90 der Welt.

Das heißt, die 19,90 Euro wer­den nur für den Inter­net­zu­gang erhoben; klar, ist ja auch unbe­gren­zt und nicht kosten­los.

Ach wat, “unbe­gren­zt”, guck­en wir doch mal auf die bewor­bene Inter­net­seite (yourfone.de, immer­hin nicht yourphone.de, denn dann würde mich das .de sehr wun­dern):

DIE WELTENTSPANNTESTE
ALLNET FLAT (sic!)

  • Flat ins Fes­t­netz
  • Flat in alle Han­dynet­ze
  • Flat ins Inter­net

Klingt neck­isch, aber an dem “Inter­net” hängt noch eine winzige Hochzwei dran und ver­weist auf eine Fußnote, die immer­hin auch beim Über­fahren mit der Maus erscheint:

“Unbe­gren­zt ins Inter­net”, bis zur näch­sten Gren­ze halt — Bürg­er der “ehe­ma­li­gen” DDR ken­nen dieses Ver­ständ­nis von “unbe­gren­zter” Frei­heit eventuell noch von früher. Der ange­botene Inter­net­zu­gang also ist wed­er kosten­los noch unbe­gren­zt. (Möge ein gelang­weil­ter Jurist als­bald ein wenig Zubrot oder auch einen Zumercedes mit der Beschäf­ti­gung mit der Frage ver­di­enen, ob aus kom­merziellem Inter­esse her­aus massen­haft in die Wohnz­im­mer getrötete Unwahrheit­en nicht eine allzu ein­fache Zielscheibe bieten.)

Vielle­icht eignet sich yourfone.de aber für Besitzer eines gewöhn­lichen Mobil­tele­fons, für das sie keinen Inter­net­zu­gang benöti­gen: Tele­fonieren ist ja laut Eigen­wer­bung kosten­frei enthal­ten, und eventuell kann man das Inter­net beim Ver­tragsab­schluss ja weglassen. (“Ein­mal Pommes und Cola ohne Cola bitte.”) Ander­er­seits ver­wen­det yourfone.de laut eige­nen Angaben das E‑Plus-Netz, und ein etwaiger Inter­essent wäre also wahrschein­lich mit BASE oder ALDI Talk bess­er bedi­ent — die funken im gle­ichen Netz und kosten etwas, lügen jedoch wenig­stens nicht so offen­sichtlich.

Manche Wind­beu­tel erken­nt man am Wind, den sie machen.

PolitikNetzfundstücke
Wahl nicht erforderlich.

Falls jemand von meinen Lesern in Schleswig-Hol­stein wohnt und sich noch unschlüs­sig ist, ob er über­mor­gen wählen gehen sollte: Ach nö. Auszählen will das ja auch kein­er.

Auf der Inter­net­seite zur Land­tagswahl ist zurzeit (Stand: 4. Mai 2012, 1:00 Uhr) ein Ver­weis zu find­en:

“Soeben eingetrof­fen” und wenig spek­takulär sind diese Ergeb­nisse “vom Wahlabend” — also von über­mor­gen — bere­its seit spätestens gestern:

Es ist wirk­lich über­aus reizend von der Lan­deswahllei­t­erin und/oder dem Sta­tis­tis­chen Amt, dass sie und/oder es “ihren” und/oder “seinen” Bürg­ern ein wenig Arbeit erspart und ihnen so ein wenig mehr Freizeit ver­schafft. Kön­nte man das für die anderen Bun­deslän­der nicht auch…?

Nein? Schade.

(teil­weise via Nachtwächter)


Nach­trag: Offen­bar hat man begonnen, die Testergeb­nisse zu ent­fer­nen, oder sie von Anfang an lediglich auf einzel­nen Seit­en einge­fügt. Ich empfehle allerd­ings, die Ergeb­nisse über­mor­gen mit denen auf dem Bild­schirm­fo­to zu ver­gle­ichen und sich gegebe­nen­falls zu wun­dern.

PolitikNetzfundstücke
1 Partei gefällt das.

Der nor­drhein-west­fälis­che Lan­desver­band der Grü­nen geht jet­zt in den Wahlkampf. Irgen­dein­er der für die Wahlwer­bung Ver­ant­wortlichen hat wohl davon gehört, dass die Piraten­partei unter anderem deshalb so viel Zus­tim­mung erhält, weil sie sich für mehr Bürg­er­beteili­gung ein­set­zt, und weil die Grü­nen ganz gut darin sind, etablierte Konzepte (Angriff­skrieg, Stuttgart 21) zu adap­tieren, sobald man sie lässt, machen die Grü­nen jet­zt auch was mit diesem Demokratiezeug, von dem jet­zt alle reden, natür­lich mit einem fet­zi­gen Spruch, um über­haupt beachtet zu wer­den:

“Ein­mis­chen” wird hier also versinnbildlicht mit dem nach oben gereck­ten Face­book-Dau­men namens “Gefällt mir”, das vorge­blich angestrebte Mit­spracherecht des Bürg­ers herun­terge­brochen auf die großzügige Genehmi­gung, auf einem “sozialen Net­zw­erk” irgen­deinen Blödsinn (Angriff­skrieg, Stuttgart 21, die Grü­nen) per Klick gut zu find­en, denn ein “Gefällt mir nicht” ist nicht vorge­se­hen und Face­book so egal wie wahrschein­lich den Grü­nen. Gern dafür, dage­gen zu sein, niemals aber dage­gen, dafür zu sein.

Face­book als Sinnbild gelebter Demokratie. Der Börsen­gang wird sich­er lustig.

Sonstiges
Derweil unten im Digi-Tal (des Niveaus)

Seit heute muss jed­er, der hierzu­lande aus irgen­deinem Grund (eventuell die man­gel­nde Befähi­gung, einen Com­put­er zu bedi­enen) satel­liten­fernse­hen möchte, einen Dig­i­talempfänger besitzen.

Wahr ist, dass dadurch die sub­jek­tive Bild- und Ton­qual­ität oft steigt, da es im Dig­i­talverkehr nur Eins und Null und kein Rauschen gibt. (Alte Infor­matik­er­weisheit: Eine beson­ders große Null ist beina­he iden­tisch mit ein­er beson­ders kleinen Eins.)

Falsch ist, dass man von dig­i­talem Fernse­hen eine bessere Qual­ität bekommt.

Immer­hin ist nun jed­er fernse­hende Deutsche endlich in der Lage, Dieter Bohlens blöde Fresse und Hauptschu­la­b­brech­er ohne jedes Gesangstal­ent in high def­i­n­i­tion, also in hoher Auflö­sung, im heimis­chen Wohnz­im­mer grin­sen zu sehen und quäken zu hören, und man wün­scht sich die Tage zurück, in denen “HD” noch für “High Den­si­ty” (“hohe Dichte”) stand, denn nichts wün­scht man sich nun mehr als ein Fernseh­pro­gramm, dessen Mitwirk­ende noch ganz dicht sind.

In den NachrichtenMontagsmusik
The Magnetic Fields — Andrew in Drag

Europäis­che Staat­en tun endlich mal was gegen diese ver­dammten Aus­län­der:

Spanien set­zt wegen des Tre­f­fens der Europäis­chen Zen­tral­bank (EZB) in Barcelona das Schen­gen-Abkom­men zur Reise­frei­heit in Europa vorüberge­hend aus. Die Maß­nahme gilt von Sam­stag bis zum kom­menden Fre­itag. (…) Bere­its in der ver­gan­genen Woche hat­ten Frankre­ich und Deutsch­land erk­lärt, zumin­d­est zeitweise das Schen­gen-Abkom­men außer Kraft und Gren­zkon­trollen ein­führen zu wollen.

Demon­stran­ten kom­men also nur mit Reisep­a­ss nach Spanien: Kein Reisep­a­ss, kein Auspfeifen, so ein­fach ist das. Wer reise­befugt ist, der kann kein schlechter Men­sch sein!

Und weil wir jet­zt, statt wie geplant schw­er bewaffnet — daher die Gren­zkon­trollen — zum Demon­stri­eren nach Spanien fahren zu kön­nen, zur Untätigkeit verurteilt sind, haben wir viel Zeit, das Album “Love at the Bot­tom of the Sea” von The Mag­net­ic Fields zu hören:

The Mag­net­ic Fields — Andrew in Drag (offi­cial music video)
Mag­net­ic Fields — Your Girlfriend’s Face — live, Vogue The­atre, Van­cou­ver March 2012

Schräg? Ja, ein wenig. Aber sym­pa­thisch schräg.
Und das passt ja dann auch ganz gut zu der Sache mit den Gren­zkon­trollen.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt XCVIII: Die falschen Gründe.

Über die kom­mende Gröl­ball-EM, die in Polen und der Ukraine stat­tfind­en soll, wird viel disku­tiert, ger­ade auch deshalb, weil die Ukraine es mit Men­schen­recht­en nicht so genau nimmt. Sog­ar der Bun­de­spräsi­dent, selb­st aus einem Land stam­mend, in dem man Men­schen­rechte zwiespältig auf­nahm, bleibt der Ukraine fern.

Dass ich die Spiele wed­er direkt noch indi­rekt ver­fol­gen und daher auch nicht kom­men­tieren werde, erwäh­nte ich bere­its. STERN.DE (nur echt in Brüll­buch­staben) macht es sich aber zu ein­fach:

Soll die Poli­tik wegen der Mísshand­lung von Julia Tim­o­schenko die EM-Spiele in der Ukraine boykot­tieren?

Nein.

“Die Poli­tik” soll die EM-Spiele in der Ukraine boykot­tieren, weil

Nor­maler­weise hal­ten sich deutsche Poli­tik­er von repres­siv­en Staat­en fern und ver­bi­etet sich selb­st auch den Ölka­uf bei ver­meintlichen Bösewicht­en, um ein Zeichen zu set­zen, im Fall der Ukraine dauert der Entschei­dung­sprozess etwas länger, ist halt Fußball.

Doof für den Iran, dass er keine Fußball-EM aus­tra­gen kann (weil falsch­er Kon­ti­nent).

Wirtschaft
Trink, Brüderle, trink: Mit Schulden gegen Schulden?

Gegen­wär­tig wer­den ver­schiedene Haushalte in Deutsch­land mit Wer­be­prospek­ten der F.D.P. beglückt, begleit­et von einem per­sön­lichen Anschreiben von Rain­er Brüder­le, dem Vor­sitzen­den der erstaunlich lan­glebi­gen F.D.P.-Bundestagsfraktion, in dem er her­vorhebt, wie nüt­zlich die F.D.P. in den ver­gan­genen Jahren war. (Par­al­le­len zu Erich Mielkes unge­fährem “Aber ich liebe doch alle Men­schen!” in ähn­lich­er Sit­u­a­tion wie der, in der sich die F.D.P. momen­tan befind­et, sind sich­er nur Zufall.)

Ein Leser war so zuvork­om­mend, mir das Anschreiben zukom­men zu lassen, und ich bin ziem­lich amüsiert, aber mein Humor ist auch eher düster.

Wer hat Lust auf ein Such­spiel und find­et alle Dümm­lichkeit­en im Text? — Anschließend bitte mit dem Lesen fort­fahren. ‘Trink, Brüder­le, trink: Mit Schulden gegen Schulden?’ weit­er­lesen »

Sonstiges
Heinz grillt nie allein.

Einen beden­klichen Fall von akuter Sprachver­wirrung nahm ich heute in einem der Lebens­mit­telgeschäfte mein­er Wahl wahr. Zwis­chen aller­lei nor­malen Grill­saucen näm­lich ent­deck­te ich auch zwei Sorten der Marke Heinz, die das diesjährige Pro­le­tenduo Grill­sai­son und Fußball-EM (zu deren Boykott ich aus aller­lei poli­tis­chen Grün­den rate und mit gutem Beispiel vor­ange­he; Details sind den Nachricht­en zu ent­nehmen) the­ma­tisieren. Eine von ihnen heißt (dämlicher‑, nicht aber falscher­weise) “Elfme­ter für Würstchen”, die andere “You’ll nev­er grill alone”.

Klar: Hier wird Bezug genom­men auf das meist grölend vor­ge­tra­gene ehe­mals Broad­way- und nun Fußbal­l­lied­chen “You’ll Nev­er Walk Alone”, “Du gehst nie allein”. Aber “grillen” heißt doch im Englis­chen irgend­was mit “bar­be­cue”? Stimmt, “grillen” (etwas auf dem Rost erhitzen) heißt “to bar­be­cue”, im US-Amerikanis­chen auch “to broil”.

Indes: Ana­log zum grill, dem Grill­rost, existiert auch “to grill”. Das Wörter­buch — je nach Wörter­buch — über­set­zt es mit “jeman­den exam­inieren”, “jeman­dem auf den Zahn fühlen”, “jeman­den in die Man­gel nehmen” und, als umgangssprach­liche Kurz­form für “to cook some­thing under the grill” und somit eigentlich kaum rel­e­vant, “etwas unter den Grill­rost leg­en”, und Holzkohle mit Sauce schmeckt ver­mut­lich nicht mal den US-Amerikan­ern.

Grill­sauce ist im Englis­chen bekan­nter­maßen (da vielfach in hiesi­gen Läden zu sehen) “bar­be­cue sauce” oder schlimm­sten­falls “BBQ sauce”, aber eben keine “grill sauce”.

“You’ll nev­er grill alone”, “du wirst nie allein exam­inieren”. Wohl bekomm’s.

NetzfundstückePiratenpartei
Das Niveau des Christian Sickendieck

(Vorbe­merkung: Zur Verdeut­lichung der ver­queren Welt­sicht des vor­beze­ich­neten “Blog­gers” ist es dies­mal lei­der unver­mei­dlich, auf einige sein­er Artikel direkt zu ver­weisen. Ich bitte um Nach­sicht.)

Noch 2009 veröf­fentlichte Het­zblog­ger Chris­t­ian Sick­endieck unter dem lusti­gen Titel “Sen­sa­tion: Neues Logo der Piraten­partei geleakt” eine Reichs­flagge mit Piratensegel als “Satire”. All­ge­mein fand er es zeitweilig ziem­lich spaßig, die lib­er­al-soziale Piraten­partei mit NSDAP-Assozi­a­tio­nen zu bele­gen: Und alle so: “Heil”, ja, da lacht der Demokrat. Am 4. Okto­ber 2009, nur wenige Tage, nach­dem er der Piraten­partei einen über­schrit­te­nen Zen­it attestiert hat­te, fand er es erneut satire­tauglich, dümm­liche Neon­azis als typ­is­che Pirat­en darzustellen.

Als die Diskus­sion um Bodo Thiesen allmäh­lich abzu­flachen begann, war das noch kein Grund für Chris­t­ian Sick­endieck, seine pop­ulis­tis­chen Het­zthe­sen ein wenig zurück­z­u­fahren. Im Mai 2010 nan­nte er die Piraten­partei einen bösar­ti­gen Kinder­garten und blies im Novem­ber des­sel­ben Jahres zum Abge­sang: “Die Piraten­partei liegt am Boden”.

Irgendw­er scheint ihm aber in der Fol­gezeit einen kräfti­gen Schlag auf den Schädel ver­passt zu haben, denn danach kam eine Weile gar nichts mehr — und im Sep­tem­ber 2011, nach dem “sen­sa­tionellen Erfolg” (Chr. Sick­endieck) des Berlin­er Lan­desver­ban­des der Piraten­partei, lob­hudelte er:

Mit dem Berlin­er Lan­desver­band der Pirat­en gab es endlich wieder eine links-lib­erale Alter­na­tive, keine Protest­partei, son­dern eine real­is­tis­che Alter­na­tive für junge, poli­tisch inter­essierte und gebildete Men­schen.

Gestern schrieb der­selbe Chris­t­ian Sick­endieck, der 2009 lustige Nazisatiren über die Piraten­partei für so tre­f­fend hielt, dass er keinen Wider­spruch als Kom­men­tar duldete, unter der Über­schrift “Das Niveau des Vizekan­zlers”:

Wenn er aber im sel­ben Satz zu den Pirat­en vor Soma­lia schwenkt um dann abzuschließen, Pirat­en seien nicht sym­pa­thisch, dann ist dies nicht nur ein demokratis­ches Foul, son­dern eine Unge­heuer­lichkeit. Rösler ver­gle­icht die Piraten­partei Deutsch­land mit Mördern und denkt dabei, er wäre witzig. Das ist das Niveau der FDP im Jahr 2012. (…) Es scheint, als sei Philipp Rösler charak­ter­lich nicht im Ansatz befähigt, den Lib­eralen vorzuste­hen, noch viel weniger unser Land als Regierungsmit­glied zu vertreten.

Was das über Chris­t­ian Sick­endieck aus­sagt? Nun, es scheint, als sei Chris­t­ian Sick­endieck charak­ter­lich nicht im Ansatz befähigt, ein poli­tis­ches Blog zu führen, noch viel weniger unser Land als Wäh­ler zu vertreten.

Er hat sich­er nur die Pointe nicht ver­standen.


Bonuswitz: Die Pirat­en sind eine gefährliche Partei. Sie bedro­hen das einge­spielte poli­tis­che Sys­tem. (Frank­furter Rund­schau, nicht Chris­t­ian Sick­endieck.)

In den Nachrichten
Die radikale Verjüngungskur des ZDF

Das ZDF reagiert auf die bestürzen­den Mel­dun­gen vom Rück­gang der Zuschauerzahlen jeglich­er inter­net­fern­er Medi­en nicht etwa mit Flüchen und Schuldzuweisun­gen an die Piraten­partei, wie es zurzeit Usus ist, son­dern mit tief­sin­nigem Humor. Man wolle sich dort näm­lich nun­mehr ver­stärkt mit Jugen­dar­beit befassen, schrieb Susanne Klingn­er von der anson­sten unsäglichen “taz” heute.

Wie diese Jugen­dar­beit im Detail ausse­hen soll? Nun, Inten­dant Thomas Bel­lut hat große, fast schon wah­n­witzige Pläne:

Bis 2014 will der neue ZDF-Inten­dant Thomas Bel­lut das Durch­schnittsalter der Zuschauer von 61 auf 60 Jahre senken.

Ui!

Nach­dem Thomas Gottschalk (61, bald 62) das ZDF-Pro­gramm in abse­hbar­er Zeit “vor­erst” ver­lässt, ist die halbe Strecke schon geschafft. Zwei Fra­gen drän­gen sich mir aber auf:

  1. Wie?
    Spekuliert Thomas Bel­lut darauf, dass Zuschauer über 60 Jahren nach und nach weg­ster­ben? Da kön­nte er Glück haben. Vielle­icht ist das ein Grund dafür, dass das ZDF-Pro­gramm in der Regel ster­benslang­weilig ist. Oder will man kün­ftig einen neuen Werbe­spruch führen — “mit den Zweit­en kaut man bess­er”? (“Sie sind zu alt für das ZDF!” ist übri­gens auch ein­er dieser Sätze, von denen ich nie ver­mutet hätte, dass sie jemals fall­en wür­den. Worüber soll man sich denn jet­zt noch lustig machen?)
  2. Warum?
    Ist man mit 60 Jahren ein besser­er Zuschauer als ein Jahr später? Und: Braucht Deutsch­land einen weit­eren Jugend­sender?

Ich wün­sche Thomas Bel­lut unab­hängig davon, ob ich auf diese Fra­gen jemals eine Antwort erhal­ten werde, viel schnellen Erfolg: In vier Jahren ist er zu alt für seinen Sender, er sollte sich also ein biss­chen beeilen.

(via @chriszim)

Montagsmusik
Graham Coxon — City Hall

Zu den eige­nar­tig­sten Musikalben dieses Jahres, die ich bish­er gehört habe, zählt “A+E”, ein Nois­e­rock-Soloal­bum des Blur-Gitar­ris­ten Gra­ham Cox­on und trotz­dem nicht übel.

“Nois­e­rock” ist beina­he unter­trieben:

Zwar ste­ht der rauhe Open­er “Advice” noch in der Tra­di­tion ordentlich­er Cox­on-Granat­en, doch schon hier fiepst und rumpelt es ordentlich im Hin­ter­grund.

Den­noch bere­it­et es einen kaum auf das darauf­fol­gende “City Hall” vor, ein monot­on wabern­des, mit stur pro­gram­miertem Drum­com­put­er nach vorne peitschen­des Exper­i­ment, gegen das jed­er Neu!-Song als lupen­reine Pop­num­mer durchge­ht.

Eige­nar­tig — aber grandios.

Guten Mor­gen.

MusikNetzfundstückeNerdkrams
Soziale Wiedergabelisten: musicplayr

Nach­dem die GEMA YouTube mal wieder erfol­gre­ich dazu brin­gen kon­nte, noch mehr Inhalte als bis­lang zu fil­tern (“rechts­freier Raum”?), ste­hen Musik­fre­unde, die sich nicht dazu durchrin­gen kön­nen, sich einen guten Proxy einzuricht­en, schon wieder vor der Frage: Wohin jet­zt?

Wo man Musikalben strea­men kann, ist kein Geheim­nis mehr: Groove­shark, sim­fy, Rdio und — wahrschein­lich noch 2012 — WiMP sind nur vier der Dien­ste, bei denen man mehr Musik hören kann als man über­haupt Zeit dafür find­et. (Dass all dies kein Ersatz für einen wom­öglich hüb­schen Ton­träger ist, bedarf, nehme ich an, kein­er geson­derten Erläuterung.)

Was diesen Dien­sten jedoch meist fehlt, ist eine brauch­bare Wieder­ga­belis­ten­ver­wal­tung, wie YouTube sie hat. Hier kommt der Dienst music­playr (wer braucht schon Vokale?) ins Spiel, den ich vor ein­er Weile auf schallgrenzen.de gefun­den habe und der Lieder von zahlre­ichen Quellen — zurzeit YouTube, Vimeo, Dai­ly­mo­tion, Sound­cloud und diverse Musik­blogs — in beliebig vie­len Wieder­ga­belis­ten organ­isieren kann. Was an Liedern nir­gends im Inter­net gefun­den wer­den kann, kann auch ein­fach — wie bei Groove­shark — hochge­laden wer­den, ist allerd­ings dann zwar in der eige­nen Wieder­ga­beliste für jeden sicht‑, jedoch aus rechtlichen Grün­den nicht ver­füg­bar. Lieder, die man selb­st hochlädt, kann man auch nur selb­st hören.

music­playr ist also bezüglich sein­er Aus­rich­tung irgend­wo zwis­chen lokaler Wieder­ga­beliste und Groove­shark anzusiedeln. Vide­o­funk­tion ist nicht, aber das muss ja auch nicht sein. (Nach­trag: Vide­o­funk­tion ist doch, mein Fehler.) Alles dreht sich um die Lis­ten. Ich zitiere dreist:

Es kön­nen öffentliche Lis­ten gead­det und Songs kom­men­tiert und bew­ertet wer­den. Das Zusam­men­stellen von Lis­ten ist kinder­le­icht, die Rei­hen­folge der Songs kann jed­erzeit geän­dert wer­den. Alle Songs kön­nen direkt über den inte­gri­erten Play­er inklu­sive Video abge­spielt wer­den. Seine Playlis­ten kann man mit eini­gen Genre-Tags (Post-Rock fehlt!!) kennze­ich­nen. Nutzer fol­gen so einan­der und ent­deck­en neue Musik.

Der größte Nachteil: Der Dienst ist immer noch in der “geschlosse­nen” Betaphase, was, wie meist, bedeutet: Ohne Ein­ladung komm­stu nisch rein. Ein­ladun­gen kann jedoch jed­er angemeldete Nutzer nach Belieben verteilen, ich selb­st momen­tan 18.

Bei Inter­esse also ein­fach einen Senf hin­ter­lassen.


Nach­trag vom 22. Okto­ber 2012: musicplayr.com ist nun nicht mehr nur nach Ein­ladung zugänglich. Also here­inspaziert!

Fotografie
Jetzt mit Vollkorn.

Um dem gestiege­nen Gesund­heits­be­wusst­sein der Bürg­er ent­ge­gen­zukom­men, beschloss man im Hause Sin­nack Back­spezial­itäten, die Pro­duk­t­palette der Vol­lko­rn­back­waren um eine Zutat zu bere­ich­ern.

(Mit Dank an L.!)