Sonstiges
Schreck­lich, mor­gen ist schon wie­der Halloween.

Heu­te wie­der nur ein Kur­zer wegen all­ge­mei­ner Müdig­keit des Schreibers:

Wie seit Wochen aus den Süß­wa­ren­ab­tei­lun­gen von Lebens­mit­tel­ge­schäf­ten ersicht­lich ist, ist mor­gen schon wie­der „Hal­lo­ween”, das Fest des Bösen, des­sen nega­ti­ve Kon­no­ta­ti­on noch dadurch ver­stärkt wird, dass es aus dem Hei­den­tum stammt.

Schlimm, wie? Nun, über Sil­ve­ster und Hei­lig­abend brei­ten wir also lie­ber den Man­tel des Schweigens.

;)

(Was genau es mit dem Glau­ben zu tun haben soll, sei­nen Nach­wuchs wild­frem­de Leu­te mit­tels „Süßes, sonst gibt’s Sau­res” erpres­sen zu las­sen, mag mir auch noch nicht so recht ein­leuch­ten; aber ich wie­der­ho­le mich auch nur ungern.)

KaufbefehleMusik
40 Jah­re „In the Court of the Crim­son King”

Fast hät­te ich es ver­ges­sen zu erwähnen:

Am 10. Okto­ber 1969 erschien In The Court Of The Crim­son King – An Obser­va­ti­on By King Crim­son und nahm die Musik­welt der näch­sten acht Jah­re voraus.

40 Jah­re fünf Lie­der, 40 Jah­re Tex­te wie die­ser von Lie­dern wie die­sem:

When every man is torn apart
With night­ma­res and with dreams
Will no one lay the lau­rel wreath
When silence drowns the screams

Con­fu­si­on will be my epitaph
As I crawl a cracked and bro­ken path
If we make it we can all sit back and laugh
But I fear tomor­row I’ll be crying

Zeit­los schön.

Persönliches
ÖPNV-Gesprä­che (und sie so: Arschloch)

Wenn mei­ne übli­cher­wei­se eher so maue Stim­mung zu kip­pen droht, schaue ich bis­wei­len dem Volk aufs Maul und fand bis­lang noch immer einen Grund zum Lächeln.

Und ich lächel­te heu­te nach lan­ger Zeit wie­der ein­mal aus­gie­big über die Jugend und ihren gran­dio­sen Dis­kus­si­ons­stil, und das gleich mehrfach:

Eini­ge Rei­hen hin­ter mir nah­men zwei offen­sicht­li­che Freun­din­nen, bei­de augen­schein­lich 15 oder 16 Jah­re alt, Platz, und eine von ihnen begann geräusch­voll zu schnat­tern. Dem Geschnat­ter konn­te ich, da es immer wie­der von gefühlt minu­ten­lan­gem „und ich so ey und er dann so ey nä und ich dann so was und er so na”-Scat unter­bro­chen wur­de, recht mühe­los fol­gen­de Situa­ti­on entnehmen:

Die der­ge­stalt schnat­tern­de jun­ge Per­son, der ich an die­ser Stel­le ein ein­drucks­vol­les Durch­hal­te­ver­mö­gen atte­stie­ren möch­te – ich habe nicht auf die Uhr gese­hen, aber ihr Mono­log dau­er­te ohne Unter­bre­chung von Ein­stieg bis Aus­stieg, wes­halb mir ihre offen­sicht­li­che Freun­din ob ihrer Geduld und ihrer Lei­dens­fä­hig­keit einen gewis­sen Respekt abnö­tigt, aber genug davon -, hat­te am oder zum Wochen­en­de aus irgend­wel­chen, hier nicht zur Dis­kus­si­on ste­hen­den Grün­den ihren Lebens­ab­schnitts­part­ner ent­part­nert und warf ihm nun in Abwe­sen­heit diver­ses vor.

So besaß er die Kühn­heit Frech­heit, nach der Tren­nung nicht mög­lichst lan­ge und qual­voll zu lei­den, son­dern war qua­si umge­hend wie­der von Inter­es­sen­tin­nen umge­ben. Er wei­ger­te sich außer­dem, auf die über diver­se Nach­rich­ten­pro­gram­me über­mit­tel­ten Beschimp­fun­gen sei­ner ehe­ma­li­gen Freun­din zu reagie­ren, so dass sie, wie sie mehr­fach beton­te, „stink­sauer” war, „das Arsch­loch” aus sämt­li­chen „Listen” ent­fern­te und, was sie eben­falls gegen Ende der Bus­fahrt mit stei­gen­der Häu­fig­keit erwähn­te, ihm bei einem even­tu­el­len künf­ti­gen Zusam­men­tref­fen „alle Zäh­ne raus[zu]hauen” beab­sich­tig­te, „Alter”.

Dass sie selbst indes bereits wie­der von „süßen Jungs” umschwärmt wur­de, was ihr nicht viel aus­mach­te, erwähn­te sie nur in einem Neben­satz; es war ihr wich­ti­ger, anzu­mer­ken, dass ihr Ver­flos­se­ner es wag­te, sich, nach­dem sie ihn ver­las­sen hat­te, nach Nach­fol­ge­rin­nen umzusehen.

Uralte bio­lo­gi­sche Riten machen sich bemerk­bar: Man will selbst nicht mehr mit dem Ball spie­len, aber man will um jeden Preis ver­hin­dern, dass ihn der­weil ein ande­rer benutzt, oder, wie es ein regel­mä­ßi­ger Leser mei­ner Tex­te bei Kon­fron­ta­ti­on mit obi­ger Geschich­te for­mu­lier­te, schön auf das But­ter­brot spucken, damit nie­mand anders es bekommt.

Ich neh­me in mei­nem nai­ven Glau­ben an den Sieg des Ver­stan­des an, dass es auch eine ande­re ratio­na­le Erklä­rung für die­ses Ver­hal­ten gibt, und es ist sehr wahr­schein­lich, dass sie mich nichts angeht, daher möch­te ich hier nun auch kei­ne wir­ren The­sen aufstellen.

Ledig­lich zwei rhe­to­ri­sche Fra­gen möch­te ich mir hier erlauben:
Wie, beim Bar­te des Pro­phe­ten, soll das einer ver­ste­hen? Und ist „beim Bar­te des Pro­phe­ten” hier über­haupt der rich­ti­ge Terminus?

Wel­cher Pro­phet ist denn gemeint? Womög­lich ein bibli­scher? Woher ist der Zustand sei­ner Gesichts­be­haa­rung bekannt? Foto­gra­fie war damals, so weit die For­schung bis­lang her­aus­fand, noch nicht verbreitet.

Ihr merkt sicher, wenn ich druck­voll ver­su­che, vom Text abzu­wei­chen, daher keh­re ich nun flugs zu ihm zurück. Anfangs erwähn­te ich, ich hät­te mehr­fach gelä­chelt, aber ich unter­schlug im Fol­ge­text alle dem ersten fol­gen­den Läch­ler. Nun, um ehr­lich zu sein, waren es ins­ge­samt nur zwei, und der zwei­te erscheint mir in Rela­ti­on zum ersten eigent­lich fast schon albern und kin­disch, aber jetzt habe ich ja schon ange­fan­gen, also brin­ge ich es auch zu Ende:

Zwei ande­re Mäd­chen, von mir geschätzt auf ein Alter zwi­schen 12 und 14 Jah­ren, fuh­ren in dem glei­chen Ver­kehrs­mit­tel wie ich. Es sprach die älter aus­se­hen­de zu der jün­ger aus­se­hen­den über eine Klas­sen­ka­me­ra­din oder gemein­sa­me Freun­din wie folgt:

„Die war heu­te voll auf­ge­dreht, die hat zum ersten Mal einen geblasen.”

Natür­lich auch dies nicht geflü­stert. Ich, der hin­ten saß, konn­te es in aus­rei­chen­der Laut­stär­ke von ihr, die ver­gleichs­wei­se weit vorn saß, ver­neh­men. Ich ließ mir aber nichts anmer­ken und grin­ste still in mich hinein.

Um die pein­li­che Stil­le, die hier eigent­lich ange­bracht wäre, geschickt zu umge­hen, schlie­ße ich die­sen Ein­trag ent­ge­gen mei­ner Gewohn­heit nicht mit einem Ver­weis auf irgend­so­was komi­sches oder mit einer hier ein­ge­bun­de­nen Foto­gra­fie oder son­sti­gen Gra­fik, son­dern ein­fach so. Und zwar jetzt.

In den NachrichtenWirtschaft
taz.de: „Schäub­le über­wacht nun Banken”

Ich weiß noch nicht, was ich an die­ser Schlag­zei­le für humo­rö­ser halte:

Die oben noch­mals zitier­te Über­schrift, wie Fefe vorschlägt?

Nein, viel­leicht doch eher den Arti­kel selbst:

… Ein Job, des­sen Inha­ber mit allen poli­ti­schen Was­sern gewa­schen sein muss, das Ohr der Kanz­le­rin braucht und zugleich über Glaub­wür­dig­keit in der Öffent­lich­keit verfügt.

Der Mann, auf den die­se Stel­len­be­schrei­bung aus Sicht von Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel passt, heißt Wolf­gang Schäub­le.

Passt, ja. Wie Faust aufs Auge, Arsch auf Eimer oder Ele­fant in Porzellanladen.

Ürks!

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LyrikPersönliches
Sie. (Frag­ment)

… Noch in sei­nem Ses­sel, er hat­te längst die Zeit aus den Augen ver­lo­ren, über­kam ihn ein selt­sa­mes Gefühl. Er blick­te an sich her­ab. Was war nur mit ihm passiert?
Er ließ die Zeit, seit sie fort war, Revue pas­sie­ren. Das war nun schon lan­ge her, und den­noch berühr­te es ihn noch immer sehr, wann immer er an sie dach­te; und er dach­te oft an sie.

Als sie noch bei ihm war, so sag­ten sei­ne Freun­de und sei­ne Fami­lie, schien er vol­ler Lebens­freu­de, mit sich und dem Leben im Rei­nen. Sei­ne Augen leuch­te­ten und sei­ne Wan­gen glüh­ten, wenn er von ihr sprach. Sie hat­te sein Leben berei­chert, war längst zu einem Teil von ihm gewor­den; nein, sie war sein Leben. Men­schen ver­än­dern sich, dach­te er, und das nicht immer nur zum Guten. Er hat­te es, wie so oft, gründ­lich ver­mas­selt, hat­te dadurch, dass er nur kei­ne Feh­ler machen woll­te, den größ­ten Feh­ler sei­nes bis­he­ri­gen und, so mein­te er, ver­mut­lich auch zukünf­ti­gen Lebens gemacht.

Hat­ten sie nicht die schön­ste Zeit ihres oder jeden­falls min­de­stens sei­nes Lebens gemein­sam ver­bracht? Und dach­te sie eigent­lich genau so? Er wuss­te es nicht, es war ihm in die­ser Minu­te auch völ­lig egal. „Ganz schön selbst­süch­tig”, dach­te er und ver­ach­te­te sich, wie so oft in den letz­ten Mona­ten, für sei­ne eige­nen unaus­ge­spro­che­nen Gedanken.

Nach­dem sie es been­det hat­te, war er nicht in Depres­si­on ver­fal­len – die hät­te er ver­mut­lich längst über­wun­den -, son­dern in Apa­thie. Sei­ne Zukunfts­plä­ne lagen in Scher­ben, das Leuch­ten war ver­schwun­den. Es blieb eine Lee­re, die er, wenn er die Augen schloss, wie ein gro­ßes schwar­zes Loch vor sich sah.

Im Radio lief „Was zählt” der Toten Hosen. Er sang lei­se mit:

„Für mich ist gestern wert­los und mor­gen ganz egal, so lan­ge du mir ver­sprichst, dass du mich hal­ten kannst…”

Über all die Mona­te, bald Jah­re hat­te er jeg­li­ches Inter­es­se dar­an, sei­ne Ver­gan­gen­heit end­lich ruhen zu las­sen, abge­legt. Nie­mand anders, des­sen war er sich sicher, hat­te ihm je die­ses Gefühl gege­ben, und er konn­te sich nicht vor­stel­len, dass eine ande­re es ihm jemals geben könnte.

Er war damals – frü­her – sicher nie ein Kost­ver­äch­ter gewe­sen, aber er wuss­te: Wenn er jemals wie­der glück­lich wer­den woll­te, brauch­te er sie dafür. Natür­lich gab es ande­re Frau­en in sei­nem Freun­des- und Bekann­ten­kreis, und natür­lich hät­te er, und sei es aus Trotz, ver­su­chen kön­nen, sei­ne Geschich­te in ihren Armen zu ver­ges­sen. Allein: Er wuss­te eben­so wie sie, dass dies unmög­lich funk­tio­nie­ren konn­te. Er wür­de ihnen – und sich – das Herz bre­chen. In sei­nen Träu­men sah er sie. In sei­nen Träu­men war er glück­lich, sei­ne Augen leuch­te­ten und sei­ne Wan­gen glüh­ten. Nein, so konn­te das nicht funktionieren.

Viel­leicht hat­te er nur noch eine Chan­ce, viel­leicht kei­ne mehr; auf jeden Fall muss­te er es ver­su­chen. Er muss­te sei­nen Mut zusam­men­neh­men, er muss­te sie zurück­ge­win­nen. Was soll­te ihm pas­sie­ren? Er hat­te nichts zu ver­lie­ren, er konn­te nur gewin­nen. Den Haupt­ge­winn. Sie.

Zufrie­den lächelnd im Gedan­ken an das Glück griff er zag­haft nach der Bier­fla­sche, die halb geleert neben ihm stand.
Eine ver­trau­te Stim­me in sei­ner Erin­ne­rung flü­ster­te lei­se: „Ich lie­be dich.” …

(Stim­mung heu­te: Schwül­stig.)

NetzfundstückePolitik
Jubi­lä­um: 30 Jah­re paranoid

Vor unge­fähr 30 Jah­ren urteil­te die dama­li­ge Regie­rung über das sich ankün­di­gen­de RTL-Fern­se­hen in Deutsch­land folgendermaßen:

„Ich kann mir nichts Gefähr­li­che­res für die Fami­lie vor­stel­len.” Zu vie­le Kri­mis, Quiz und Shows mach­ten die Men­schen „muf­fig und sprachlos”.

Der Unter­gang nicht nur mensch­li­chen Mit­ein­an­ders, son­dern auch öffent­lich-recht­li­cher Fern­seh­sen­der und wer­be­fi­nan­zier­ter Nach­rich­ten­ma­ga­zi­ne wur­de vor­her­ge­sagt, und man hat­te schon einen Plan in pet­to, um der unlieb­sa­men neu­en Medi­en­welt Ein­halt zu gebieten:

Justiz­mi­ni­ster Vogel hat eine mög­li­che Ver­fas­sungs­än­de­rung schon vor­be­dacht. Sei­ner Ansicht nach ist die nach Arti­kel 5 des Grund­ge­set­zes garan­tier­te Infor­ma­ti­ons­frei­heit „ein­ge­schränkt” durch den Arti­kel 6, der die Fami­lie schützt. Vogel: „Wir kön­nen doch nicht zulas­sen, daß durch Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung die Pri­vat­heit der Fami­lie zer­stört wird.”

(Voll­stän­di­ger Text: SPIE­GEL 40/1979, 1. Okto­ber 1979.)

Wer­be­fi­nan­zier­tes Pri­vat­fern­se­hen war Ende der 70-er Jah­re also so unge­fähr das, was heu­te das Inter­net ist; min­de­stens der Unter­gang der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on und die Ursa­che für die gei­sti­ge Abstump­fung und den mora­li­schen Wer­te­ver­fall gan­zer Genera­tio­nen, dem und der man mit allen Mit­teln einen Rie­gel vor­zu­schie­ben hat­te. (Die nahe lie­gen­de Fra­ge, ob das Bei­spiel RTL für eine zyni­sche Betrach­tung die­ses The­mas all­zu geeig­net ist, möch­te ich an die­ser Stel­le nicht berücksichtigen.)

Hat eigent­lich dar­über schon jemand eine aus­führ­li­che Abschluss­ar­beit ver­fasst? Sonst mer­ke ich mir das The­ma schon mal für später…

In den Nachrichten
Schär­fer als die Realität

Ich rol­le mich inner­lich lachend auf dem Par­kett her­um, wenn ich fol­gen­de Mel­dung lese:

Weil ein Ober­stabs­feld­we­bel bei der Prä­sen­ta­ti­on eines pro­fes­sio­nel­len Schieß­si­mu­la­tors ins Schwär­men geriet und das System laut einer Zei­tung „bes­ser als jede Play­sta­ti­on” fand, hagelt es nun Kri­tik von Eltern­ver­bän­den und Landespolitikern.

(…)

Nach Anga­ben der Zei­tung trai­nie­ren Sol­da­ten in dem com­pu­ter­ani­mier­ten Kino mit Elek­tro­waf­fen für den Ein­satz in Afgha­ni­stan. Die Eltern kri­ti­sie­ren laut dem Bericht, dass sie ver­such­ten, ihre Kin­der von Bal­ler­spie­len fern­zu­hal­ten, und dann pas­sie­re in der Kaser­ne so etwas.

Ich fas­se das mal zusammen:

  • Eine Schul­klas­se besucht eine Kaserne.
  • In die­ser Kaser­ne befin­den sich Soldaten.
  • Die­se Sol­da­ten wer­den dazu aus­ge­bil­det, im Zwei­fels­fall gezielt Men­schen zu ermor­den, gern auch meh­re­re auf einmal.
  • Die Eltern hal­ten es für unver­ant­wort­lich, wenn ihre Kin­der in die­ser doch eigent­lich so harm­lo­sen und lehr­rei­chen Umge­bung mit Schieß­si­mu­la­to­ren kon­fron­tiert werden.

Kicher aber auch:

„Ich hal­te es für päd­ago­gisch nicht ver­tret­bar, wenn Her­an­wach­sen­den ein sol­cher Schieß­si­mu­la­tor vor­ge­führt wird”, sag­te (…) Ekke­hard Klug.

Da wol­len die Päd­ago­gen nur das Beste für ihre Schütz­lin­ge, und dann wer­den sie in einer Kaser­ne unver­hofft mit Gewalt und Schie­ße­rei­en kon­fron­tiert. Frech­heit, das.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Daten­leck im Hirn

Facebook? Facepalm.Da schau her: Gold­man Sachs macht wie­der rekord­ver­däch­ti­ge Umsät­ze. Es reicht ja, wenn die Wirt­schafts­kri­se den Steu­er­zah­ler beutelt.

Gran­di­os unter­ge­gan­gen ist übri­gens auch das Akti­ons­bünd­nis Win­nen­den, das sich der Ein­fach­heit hal­ber auch nicht zu der Fra­ge durch­rin­gen kann, wie­so Amok­läu­fe fast immer aus­ge­rech­net in Schu­len statt­fin­den, son­dern lie­ber für viel Geld dazu auf­ru­fen, Spie­le-CDs zu entsorgen.

Medi­en­prä­sen­ter aller­dings ist der­zeit das mit der Sicher­heit die­ser omi­nö­sen „Web‑2.0″-Anwen­dun­gen. Damit mei­ne ich nicht mal unbe­dingt den unge­fähr sie­ben­und­drölf­zig­sten Ver­such unin­for­mier­ter Medi­en, das blo­ße Aus­le­sen von Schü­lerVZ-Daten für einen fie­sen Hack zu hal­ten, son­dern die Tat­sa­che, dass unab­hän­gig vom ver­wen­de­ten Por­tal mit der Nut­zung auch die Sicher­heits­pro­ble­me stei­gen.

War­um eigent­lich sind immer noch Men­schen, die schon län­ger als eine Woche im Inter­net aktiv sind, der Mei­nung, sie sei­en aus­ge­rech­net auf Inter­net­sei­ten, auf denen sie teil­wei­se ihr gan­zes Leben zur Schau stel­len, vor unan­ge­neh­men Über­ra­schun­gen sicher?

Für die Ant­wort auf drin­gen­de Fra­gen wie „Wel­che Simp­son-Figur bist du?” bit­ten sie den Anwen­der zunächst um Zugang zu sei­nem [Benut­zer-]Kon­to. Gestat­tet er das, haben sie Zugriff auf alle Res­sour­cen des Anwenders.

Ich bin immer wie­der beein­druckt von Leu­ten, die für sol­cher­lei tri­via­le Zwecke jeg­li­chen Ver­stand über Bord wer­fen. Über den prak­ti­schen Nut­zen von zumeist kom­mer­zi­ell ori­en­tier­ten (auch Wer­bung bringt Ein­nah­men, lie­be Leser) und für die zwi­schen­mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on alle­samt immens wich­ti­gen Sei­ten wie Face­book oder Wer-kennt-Wen möch­te ich mich auch an die­ser Stel­le gar nicht aus­las­sen, den kann sich ver­mut­lich jeder, der aus­rei­chend Chuz­pe Auf­nah­me­fä­hig­keit vor­zu­wei­sen hat, hier ab und zu vor­bei­zu­schau­en, selbst gut aus­ma­len (so mit Bunt­stif­ten und allem, was man sonst so braucht), aber mal ganz unter uns, lie­be Genera­ti­on Internet:

War­um tut ihr das?

Sicher bleibt es jedem selbst über­las­sen, wie viel er von sich preis­ge­ben möch­te. Nie­mand kann euch dar­an hin­dern, die Nackttanz­bil­der von der letz­ten Sauf­par­ty auf irgend­ei­ne Sei­te zu klei­stern. Damit tut ihr besten­falls euch selbst kei­nen Gefal­len, aber scha­det sonst nie­man­dem damit. Aber gewöhnt euch bes­ser ab, Ein­ga­be­fel­der immer als Auf­for­de­rung zum Ein­ge­ben pri­va­ter Daten miss­zu­ver­ste­hen. Der Com­pu­ter denkt nicht für euch.

Ich wünsch­te, die­ser Satz stün­de rot, fett und lustig blin­kend ganz oben und (zur Sicher­heit) ganz unten auf jedem Bild­schirm die­ser Welt, sobald er eine die­ser Sei­ten anzei­gen muss.

Unver­mu­tet auf­tau­chen­de Ein­ga­be­fel­der soll­ten sel­ten dazu genutzt wer­den, irgend­wel­che Pass­wör­ter ein­zu­tip­pen, schon gar nicht die eige­nen. Aber ich habe die unan­ge­neh­me Vor­ah­nung, dass die „Betrof­fe­nen” nichts aus ihren Feh­lern ler­nen wer­den. Sie wer­den auch wei­ter­hin ihre Frei­zeit damit ver­brin­gen, drin­gen­den Fra­gen nach­zu­ge­hen, deren Beant­wor­tung frü­her ein­mal die Auf­ga­be von Zeit­schrif­ten wie der Micky Maus war, sie wer­den sich auch wei­ter­hin von lang­wei­li­gen Spie­ßern nicht vor­schrei­ben las­sen, wie sie ihr gei­les und bun­tes Inter­net gefäl­ligst zu bedie­nen haben, sie wer­den auch wei­ter­hin hier klicken, wenn hier steht „hier klicken”, und sie wer­den auch wei­ter­hin ihre Pro­fi­le auf irgend­wel­chen deklas­sier­ten „Freun­de dich mit Leu­ten an, denen du drau­ßen an der fri­schen Luft am lieb­sten einen Tritt in den Hin­tern geben würdest”-Portalen mit Dut­zend­sprü­chen, schlech­ter Musik, unlu­sti­gen Gra­fi­ken und den Fotos von der letz­ten Sauf­fei­er beschmie­ren. Immer­hin steht groß dran: „Nur für Freun­de sichtbar”.

Nicht wahr?

KaufbefehleMusikkritik
Ramm­stein – Lie­be ist für alle da

Flei­ßi­ge Leser die­ser flau­schi­gen Inter­net­prä­senz haben sicher in eini­gen mei­ner Bei­trä­ge schon eine Affi­ni­tät zu melo­di­scher Frickel­mu­sik erken­nen kön­nen. Ich hof­fe, all jene, die sol­cher­lei erkannt haben, ver­fü­gen über star­ke Ner­ven oder sit­zen gera­de auf einem vor ver­se­hent­li­chem Her­un­ter­fal­len geschütz­ten Möbel­stück, denn ich muss nach eini­gen Stun­den inten­si­ven Hörens ein womög­lich über­ra­schen­des Geständ­nis machen:

Das neue Album von Ramm­stein ist klasse.

Man kann von den Bra­chi­al­rockern hal­ten, was man will, man kann sie auch auf­grund ihrer ost­deut­schen Her­kunft in einem Atem­zug mit Tokio Hotel nen­nen, wie es der frü­her eigent­lich mal ganz okaye Musik­ex­press in der aktu­el­len Aus­ga­be tut und sich damit jeg­li­che Sym­pa­thien bei mir ver­spielt hat, aber man kommt nur schwer­lich an ihnen vorbei.

Nach den bei­den schwa­chen Alben „Rei­se, Rei­se” und „Rosen­rot”, erschie­nen in den Jah­ren 2004 und 2005, hör­te man nicht mehr viel von dem Sex­tett. Zwi­schen­drin erschien mit „Völ­ker­ball” ein Live­al­bum, das aber nicht beson­ders viel Auf­se­hen erreg­te. Ich habe es anfangs nicht ein­mal bemerkt.

Erst im Som­mer 2009 war die Band wie­der in den Schlag­zei­len, aller­dings mit einer Schlag­zei­le, die nicht unbe­dingt für all­ge­mei­ne Freu­de gesorgt hat: Nach­dem Aus­schnit­te aus dem Album „Lie­be ist für alle da”, um das es hier geht, ihren Weg ins Inter­net „gefun­den” hat­ten, gab es Abmah­nun­gen in nicht gerin­ger Zahl sowie eine min­de­stens eben­so gro­ße Zahl an davon beein­fluss­ten Schmäh­kri­ti­ken in deutsch­spra­chi­gen Web­logs zu lesen. Ich habe mich da mal vor­nehm zurück­ge­hal­ten; Aus­schnit­te aus urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Wer­ken und Hin­wei­se hier­zu unge­fragt auf irgend­wel­chen Nach­rich­ten­sei­ten zu ver­öf­fent­li­chen ist nichts, was man als Künst­ler igno­rie­ren müss­te, Bür­ger­rech­te hin oder her. Wer immer für die­se Abmahn­wel­le ver­ant­wort­lich war: Es war sein gutes Recht. Kor­rek­tur: Es war zumin­dest aber nicht nett. (Dan­ke an Peter für den Hin­weis. Manch­mal schrei­be ich mich ver­se­hent­lich in Rage und ver­ges­se dabei eini­ge nicht ganz unwich­ti­ge Details.)

Nach­dem also jeden­falls die Pro­phe­ten des Unter­gangs des Abend­lan­des all­mäh­lich ver­stummt waren, rück­te man end­lich mit der Spra­che raus und mach­te wie­der das, was man in den weich­ge­spül­ten Vor­gän­ger­al­ben vor Ein­gän­gig­keit ganz über­se­hen hat­te; Man brach Tabus.
Die Sexua­li­sie­rung in der Musik ist nun kein unbe­dingt neu­es The­ma mehr, ein Musik­vi­deo als Por­no­film zu dre­hen nur kon­se­quent. Den­noch wur­de die­ser Schritt natür­lich all­ge­mein als Tabu­bruch bezeich­net, ohne dass irgend­je­mand mal dazu geschrie­ben hät­te, wel­ches noch bestehen­de gesell­schaft­li­che Tabu denn mit­tels die­ses Vide­os nun gebro­chen sei. Die Dar­stel­lung sexu­el­ler Akti­vi­tä­ten im Inter­net ist jeden­falls sicher nicht gemeint, und im Fern­se­hen läuft, so weit mir bekannt ist, aus­schließ­lich eine zen­sier­te Fassung.

Das ehe­ma­li­ge Nach­rich­ten­ma­ga­zin Der Spie­gel hat das mit der Iro­nie noch immer nicht so ganz ver­stan­den und zitiert Paul Lan­ders infor­ma­tiv, aber auch suggestiv:

Gitar­rist Paul Lan­ders behaup­tet, die Pro­vo­ka­ti­on sei kei­ne bewuss­te Stra­te­gie. „Wir sit­zen doch nicht am Schreib­tisch und fra­gen uns: Wo könn­ten wir noch pro­vo­zie­ren?”, sagt er, wäh­rend sei­ne Nie­ten und Ket­ten klap­pern, „so komisch es klingt: Die Pro­vo­ka­ti­on fin­det uns”.

Die Her­vor­he­bun­gen sind, wie meist, von mir.

Sicher kann man Ramm­stein der­ge­stalt als fort­wäh­rend irgend­wel­che „Tabus” bre­chen­de Böse­wich­te dar­stel­len, und sie sind auch nicht ganz unschul­dig dar­an. Dies jedoch möch­te ich von nun an wie­der den eta­blier­ten Klatsch­me­di­en über­las­sen und lie­ber wie­der zum The­ma zurückkommen:

Das neue Album von Ramm­stein ist klasse.

Bereits das erste Stück, „Ramm­lied”, zeigt, dass „Lie­be ist für alle da” wie­der den Stil der ersten Alben „Her­ze­leid” und „Sehn­sucht” auf­greift. Melo­di­sche, bal­la­des­ke Selt­sam­kei­ten, wie sie auf den bei­den Vor­gän­ger­al­ben vor­herrsch­ten, sind hier nur noch ein­ge­schränkt zu fin­den. Statt­des­sen beginnt das Album mit – ich schreib’s noch mal – dem „Ramm­lied”, das an das Lied „Ramm­stein” vom Album „Her­ze­leid” anknüpft, mich text­lich bei jedem Hören an „Super Drei von den Ärz­ten erin­nert und zu dem man ordent­lich auf die sprich­wört­li­che Kacke hau­en kann. Auf die­sem Niveau geht es erfreu­li­cher­wei­se auch wei­ter, Aus­fäl­le gibt es nicht. Mit „Früh­ling in Paris” ist auch mal wie­der eine Bal­la­de im Stil des furcht­bar ein­gän­gi­gen „Ohne dich” dabei, die aber den guten Ein­druck auch nicht mehr rui­nie­ren kann.

„Lie­be ist für alle da” ist ein durch­aus mit Bedacht gewähl­ter Titel für das Album; mit Aus­nah­me des Ramm­lieds han­deln tat­säch­lich alle Titel von Lie­be in see­li­scher oder rein kör­per­li­cher Form – natür­lich, in Ramm­stein-Manier, mit sado­ma­so­chi­sti­schen Zügen inklu­si­ve einer Schil­de­rung des Inzest­falls von Amstet­ten, all dies unter­malt von Musik der här­te­ren Gang­art, wie sie zuletzt auf „Her­ze­leid” und „Sehn­sucht” so aus­ufernd zu hören war. Dazu schreit und singt Till Lin­de­mann, der sei­ne Stim­me um gleich meh­re­re Nuan­cen erwei­tert zu haben scheint, mit einer Kraft, dass es eine wah­re Freu­de ist. Schön, dass sie wie­der zu ihrer alten Form gefun­den haben. Jetzt bit­te so bleiben!

Schrieb ich schon, dass das Album klas­se ist?

Nach­trag vom 6. Novem­ber: Angeb­lich ist das Album nun indi­ziert. Ein wei­te­rer Kauf­an­reiz für das jün­ge­re Publi­kum, wie ich annehme.

In den NachrichtenPiratenpartei
Hei­ße Luft, und Sie?

Aha:

Die Unter­händ­ler von Uni­on und FDP sind sich laut einem Bericht der Deut­schen Pres­se­agen­tur in allen wich­ti­gen Sicher­heits­the­men einig.

Das klingt wie eine Drohung.

Bei der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung sol­le die Nut­zung der Daten auf schwe­re Gefah­ren­si­tua­tio­nen beschränkt wer­den, zitiert die dpa Bun­des­in­nen­mi­ni­ster Wolf­gang Schäub­le (CDU).

Wer stän­dig und über­all schwe­re Gefah­ren für das Land wit­tert, hat es ein­fach, sol­cher­lei „Ein­schrän­kun­gen” zu beschlie­ßen. Inter­es­sant auch: Ursprüng­lich soll­te die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung gegen Ter­ro­ris­mus ver­wen­det wer­den, inzwi­schen also all­ge­mein für „schwe­re Gefahrensituationen”.

Bei den Inter­netsper­ren hät­ten sich die Ver­hand­lungs­part­ner dar­auf ver­stän­digt, dass das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) zunächst ver­su­chen sol­le, kin­der­por­no­gra­fi­sche Sei­ten zu löschen statt zu sperren.

Die Her­vor­he­bung ist von mir und die Ände­rung ist kei­ne. Dank der Inter­ven­ti­on der SPD wur­de das Gesetz bereits in die­ser Form beschlos­sen. Ver­ständ­lich aber, dass davon nicht mehr die Rede ist.

Wie weit sol­len die­se Ver­su­che eigent­lich gehen? Kann da auch einer sagen, och, nö, da sper­ren wir lie­ber gleich?
Da die Zen­sur­me­cha­nis­men offen­bar also erhal­ten blei­ben, bleibt das ursprüng­li­che Pro­blem auch bestehen. „Vor­erst vom Koali­ti­ons­tisch”? Welch ein Geschwätz!

Für heim­li­che Online-Durch­su­chun­gen von Com­pu­tern soll künf­tig die Gene­ral­bun­des­an­walt­schaft einen Antrag stel­len müssen.

Kei­ne Ände­rung im Vor­ha­ben, nur eine Ver­la­ge­rung der Zustän­dig­keit. Grandios.

Ins­ge­samt mei­nen Glück­wunsch an die F.D.P.; damit wäre die Par­tei, die sich in den Wochen vor der Wahl als „bes­se­re Pira­ten­par­tei” dar­zu­stel­len ver­such­te, nun­mehr in allen ent­schei­den­den Punk­ten überstimmt.

Wie hieß es noch vor kurzem?

Eine Koali­ti­on darf es nur geben, wenn die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zurück­ge­nom­men wird! 

„Hei­ße Luft wür­de Schwarz-Gelb wählen.”

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Wir­re Gedan­ken­fet­zen, mit denen ich Twit­ter nicht belä­sti­gen wollte.

Ich wur­de nun in einem Blog ver­linkt, das ein eigent­lich recht inter­es­san­tes The­ma behan­delt, und füh­le mich sehr geehrt. Ich soll­te das als Anreiz neh­men, hier mehr und öfter zu schrei­ben, aber – wie so oft – fehlt es ein­fach meist an Berichtenswertem.

Außer­dem hat Peter mein Blog als zu unver­ständ­lich kri­ti­siert. Das nimmt mich doch recht mit.

Also schmie­re ich hier ein­fach mal ein paar nicht zusam­men­hän­gen­de Satz­fet­zen und Gedan­ken hin­ein und hof­fe, dass es kei­nem auf­fällt. Und falls doch: Bit­te nicht petzen.

Also:

Ich soll­te häu­fi­ger Anzü­ge tra­gen, das kommt angeb­lich gut an. In drei­ein­halb Wochen steigt das Kon­zert des Jah­res in der Stadt der Sehn­sucht. Abend­rö­te legt eine merk­wür­di­ge Pati­na über die See­le. Bin ich eigent­lich der ein­zi­ge Blog­ger, der „I wan­na take a ride on your dis­co stick” für einen ungu­ten Text zu einer Wer­be­un­ter­ma­lung hält? Über­mor­gen erscheint, apro­pos, das neue Album der Gol­de­nen Zitro­nen. Sehr gut, so weit die „Reinhören”-Funktion von Amazon.de dies zuließ. 

Pri­ma und dann doch irgend­wie apro­pos: Frank schreibt und sam­melt wie­der, bei­des in neu­er Gestal­tung. Ab und zu mal vor­bei­zu­schau­en wird empfohlen.

(Reicht für heute.)
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In den NachrichtenPersönlichesSonstiges
Medi­en­kri­tik XVI: Dra­ma, Baby! (lächel)

Auf der Suche nach Zer­streu­ung fiel mein Blick vor eini­gen Stun­den auf eines jener Klatsch­blät­ter, die all­wö­chent­lich erschei­nen und die sich in ihrer nied­ri­gen Preis­ge­stal­tung wie auch in ihrer sicher­lich kei­nes­falls krea­ti­ven oder wenig­stens ein­präg­sa­men Namens­ge­bung gegen­sei­tig noch zu unter­bie­ten wis­sen, so dass auf­merk­sa­me Beob­ach­ter sich jede Woche aufs Neue und nicht ein­mal zu Unrecht fra­gen, woher der von Kri­sen, wie es heißt, arg gebeu­tel­te Markt denn aus­rei­chend vie­le Inter­es­sen­ten für so vie­le Nuan­cen des stets glei­chen Pro­dukts anzu­zie­hen ver­mag, und ich muss­te ein wenig schmun­zeln. Dies nicht etwa, weil die sich mir ent­bie­ten­de Front­sei­te jenes Maga­zins ein gewoll­tes oder gewollt schei­nen­des Amu­se­ment beher­berg­te, son­dern der Absur­di­tät der Schlag­zei­le geschul­det, die sich mehr­far­big ins Auge des Betrach­ters fraß und unge­fähr so lautete:

Fami­li­en-Dra­ma bei TV-Koch Johann Lafer:
Selbstmord-Schock

Die­se immer­hin nur mit gefühl­ten zwölf Aus­ru­fe­zei­chen abge­schlos­se­ne Kurz­mel­dung wur­de kon­tra­stiert mit einer neben­ste­hen­den Foto­gra­fie des ver­gnügt lächeln­den Kon­ter­feis eben­je­nes Fern­seh­kochs, als woll­te er sagen: „Seht mal, für welch voy­eu­ri­sti­sche Kli­en­tel ich als Kauf­an­reiz die­nen soll! Ist das nicht albern?”

Ich bin trotz ste­tig fort­schrei­ten­der Alte­rung noch immer nicht ein­fäl­tig genug, Recher­chen dar­über anzu­stel­len, was bei TV-Koch Johann Lafer denn pas­siert sein mag, dass es die Auf­merk­sam­keit poten­zi­el­ler Leser in glei­chem Maße zu erhei­schen ver­sucht wie die auf nur weni­ge Meter ent­fern­ten Titel­sei­ten gro­ßer Nach­rich­ten­ma­ga­zi­ne zu sehen­den innen- und außen­po­li­tisch aktu­el­len und auch für TV-Koch Johann Lafer sicher nicht unbe­deu­ten­den The­men wie zum Bei­spiel die sich täg­lich in von Frie­dens­trup­pen besetz­ten Gebie­ten eben­falls zutra­gen­de, sich aber kei­nes­falls auf wie auch immer gear­te­te Fami­li­en­krei­se beschrän­ken­den Dra­men (unter Zuhil­fe­nah­me einer, zuge­ge­ben, recht umgangs­sprach­li­chen Ver­wen­dung des Wor­tes Dra­ma), daher ver­zich­te­te ich aus­nahms­wei­se auf einen Blick ins Inne­re des ver­ge­bens um mein Inter­es­se buh­len­den Hef­tes. Viel­mehr gefällt es mir, ver­schie­de­ne mög­li­che Sze­na­ri­en zu ersin­nen und über jedes von ihnen ent­rü­stet den Kopf zu schütteln.

So kom­me ich wenig­stens zu etwas Bewegung.

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Jar­dín de la Croix – Pomeroy

Für die Freun­de instru­men­ta­len Jazz­rocks zwi­schen King Crim­son und Rush noch kurz ein musi­ka­li­sches Fund­stück, das, 2008 ent­stan­den, bis vor weni­gen Minu­ten noch in mei­nen Archi­ven schlummerte:

Rau­he, aber melo­di­sche Gitar­ren­riffs über­la­gern und verz­wir­beln sich zu einem kom­ple­xen, aber trotz­dem durch­schau­ba­ren Geflecht. Kur­ze Soli schnei­den wie Mes­ser­sti­che durch das Riff-Netz. Der Bass bril­liert mit melo­di­schen Läu­fen und das Schlag­zeug explo­diert regel­mä­ßig im Unter­grund. Die Spa­ni­er kre­ieren mal metal­lisch ange­hauch­te Riff­or­gi­en, mal melo­di­sche Post­rock-Klang­wäl­le und mal ein­fach fast schon sanft dahin­glei­ten­de epi­sche Ton­land­schaf­ten mit medi­ter­ra­ner Leich­tig­keit. Und ein Händ­chen für unge­wöhn­li­che Arran­ge­ments haben die Jungs auch, da sei exem­pla­risch die Stel­le gegen Ende von „Suo­mi” erwähnt, wenn sich aus dem E‑Gi­tar­ren-Rif­fing lang­sam eine aku­sti­sche Gitar­re her­aus­schält und dann genau­so lang­sam, maje­stä­tisch, sich wie­der ins E‑Gi­tar­ren-Nir­va­na verliert.

Sicher kei­ne Dut­zend­wa­re und oben­drein kosten­los zu bezie­hen, daher eine unein­ge­schränk­te Lausch­emp­feh­lung für alle, denen Atmo­sphä­re in der Musik wich­tig ist und die auch auf Gesang oder all­zu aus­ufern­den Gitar­ren­lärm ver­zich­ten können.

Zu haben gibt es das gute Stück auf Jamendo.com; wer die­ser Sei­te aus belie­bi­gen Grün­den nicht so recht über den Weg traut, der wird natür­lich, wie immer, auch bei eMu­le fündig.

Einen ange­neh­men Start in die Woche wün­sche ich.

In den NachrichtenPolitik
Kriegs­no­bel­preis für den Messias

22. Sep­tem­ber 2009: Nah­ost: Oba­ma drängt auf schnel­le Friedensverhandlungen

Ah?

9. August 2008: Oba­ma is no friend of Israel
29. August 2009: Oba­ma will mehr deut­sche Sol­da­ten nach Afgha­ni­stan ent­sen­den lassen
12. Sep­tem­ber 2009: 3000 wei­te­re US-Sol­da­ten nach Afghanistan
15. Sep­tem­ber 2009: USA ver­ab­schie­den sich von recht­lich ver­bind­li­chen Zie­len bezgl. des Klimaschutzes
16. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma droht Ent­wick­lungs­län­dern mit „grü­nem” Handelskrieg
27. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma lässt Guan­tá­na­mo doch län­ger geöffnet
28. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma und Netan­ja­hu dro­hen Iran
30. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma bezeich­net Krieg in Afgha­ni­stan als NATO-„Mission”
5. Okto­ber 2009: Oba­ma will das Pro­blem mit dem Iran „nicht mehr lan­ge” nur mit Wor­ten zu lösen versuchen
6. Okto­ber 2009: Oba­ma emp­fängt Dalai Lama nicht
7. Okto­ber 2009: Oba­ma bekräf­tigt „Kampf gegen Terrorismus”

Die logi­sche Konsequenz:

9. Okto­ber 2009: Oba­ma erhält Friedensnobelpreis


(Auch recht gute Rand­no­tiz: Ein Spre­cher im ZDF ver­wech­sel­te Phis­hing mit Fisting. Und ich habe es zu spät gese­hen. Mist.)

Nach­trag vom 10. Oktober:
Auch Fami­lie Oba­ma fistet gern. Womög­lich im Internet?