In den Nachrichten
Poli­zei, Polizei!

Das mei­nen die aber jetzt nicht ernst, oder?

Der Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter … erneu­ert anläss­lich sei­nes gera­de statt­fin­den­den Bun­des­de­le­gier­ten­ta­ges in Suhl sei­ne For­de­rung nach dem Not­ruf-But­ton für Brow­ser. Damit möch­ten die Kri­mi­nal­po­li­zi­sten wirk­sam Web-Ange­bo­te auf­spü­ren, die zum Bei­spiel Kin­der­por­no­gra­fie oder radi­ka­les Gedan­ken­gut ver­brei­ten. Auch schnel­le Infor­ma­tio­nen an eine Clea­ring-Stel­le etwa über Cha­tin­hal­te mit Ankün­di­gun­gen von Sui­zid, Amok­lauf oder ver­ba­ler bezie­hungs­wei­se sexu­el­ler Belä­sti­gung inner­halb von Chat­rooms haben die Kri­mi­nal­be­am­ten im Visier.

Wirk­sam auf­spü­ren? Um dann was zu tun – ein Stopp­schild davor­set­zen? Löschen geht bekannt­lich „nicht so einfach”.

Und wer soll sich um die Aus­wer­tung der Infor­ma­tio­nen küm­mern, also Spaß­mel­dun­gen her­aus­fil­tern und dann den Kon­text even­tu­ell „ver­däch­ti­ger” Chat­dia­lo­ge ana­ly­sie­ren, um even­tu­el­le Iro­nie zu erkennen?

Schwa­che Gemü­ter könn­ten sich des Wei­te­ren zum Bei­spiel auch von eini­gen Inhal­ten die­ser von Ihnen, lie­ber Leser, der­zeit kon­su­mier­ten Inter­net­sei­te ver­bal belä­stigt füh­len oder mei­ne Herbst- und Win­ter­de­pres­sio­nen gar als ange­kün­dig­ten Sui­zid wer­ten. Und wo soll das dann noch enden?

Anders aus­ge­drückt:
Was für welt­frem­de Gestal­ten arbei­ten eigent­lich beim BDK?

FotografieIn den NachrichtenNetzfundstücke
Hei­ter bis wolkig.

Das Herz schlug schon im Herbstrhythmus.

Man hat­te sich schon an den Gedan­ken gewöhnt, nun vor­erst wie­der ein­ge­packt wie das Miche­lin-Männ­chen durch die Herbst­land­schaft spa­zie­ren und düste­re Musik hören zu müs­sen, um der merk­wür­di­gen Melan­cho­lie, die der Anblick fal­len­der Blät­ter in der See­le des Beob­ach­ters zwei­fels­oh­ne her­vor­zu­ru­fen in der Lage ist, ange­mes­sen Tri­but zu zol­len, und dann so was:

Heiter bis wolkig

Frech­heit eigentlich.

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In den NachrichtenMusik
Nach­rich­ten aus aller Welt: Die­ter Boh­len ist ein Künstler.

Albern­heit des Tages, frisch aus dem ARD-Text kopiert:

Die­ter Boh­len ist nach einem höchst­rich­ter­li­chen Urteil ein Künstler.

WDR.de hat hier­zu eine pas­sen­de Zwi­schen­über­schrift gefunden:

Auch auf nied­ri­gem Niveau künstlerisch

So ist das mit der Kunst. Oof!


(Auch recht künst­le­risch, aber zwei­fels­oh­ne bes­ser als Die­ter Boh­len: The Hid­den Came­ras – In The Na.
Ist das Pop? Falls ja: Scha­de drum. Falls nicht: Juhu!
Anhö­ren und inklu­si­ve des amü­san­ten Vide­os gut fin­den wird wärm­stens empfohlen.)


Neben­bei auch nach­träg­lich mei­nen Glück­wunsch an die Beatles:

Beatles sell 2.25 million albums

Und sie sind kei­nen Tag geal­tert! :)

(Den­noch möch­te ich allen Lesern davon abra­ten, ein Album aus dem aktu­el­len Stereo-„Remaster”-Katalog der Beat­les zu erwer­ben. Hier wur­de, wie heu­te lei­der üblich, aber­mals zwar dezent, aber durch­aus fest­stell­bar der Loud­ness War bedient, also die Laut­stär­ke wur­de auf Kosten eini­ger kaum wahr­nehm­ba­rer Har­mo­nien künst­lich erhöht, so dass die Musik zwar vol­ler klingt, aber es an Dyna­mik feh­len lässt. Für den Kon­sum mit­tels übli­cher Klein­an­la­gen ist dies sicher­lich nicht all­zu rele­vant, aber mit stei­gen­der Aus­ga­be­qua­li­tät von Musik­an­la­gen steigt natür­lich auch die Wahr­neh­mung die­ser Dis­kre­panz. Wenn euch ein sau­be­res Klang­bild wich­tig ist: Fin­ger weg!
Das muss­te mal gesagt werden.)

FotografieIn den NachrichtenNetzfundstückePolitik
„Wir kön­nen ja mal zusam­men Tee trinken.”

Ich könn­te mich jetzt an die­ser Stel­le natür­lich schon wie­der über den Auf­re­ger des vori­gen Polit­ta­ges echauffieren:

Gui­do Wester­wel­le setzt vor­aus, dass Repor­ter ihn auf einer deutsch­spra­chi­gen Pres­se­kon­fe­renz auf Deutsch befra­gen, und die Skandallüster­nen jubeln, grö­len als Kom­men­tar zum Video gar – vor­her­seh­bar – „Nazi!”.

Dar­un­ter könn­te ich sei­ten­lan­ge Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten füh­ren, war­um ich es für eine Frech­heit hal­te, dass deut­sche Poli­ti­ker sich auf Eng­lisch befra­gen las­sen sol­len, aber kei­ner wüste Beschimp­fun­gen pfleg­te, wür­de sich zum Bei­spiel ein eng­li­scher Mini­ster ver­bit­ten, auf Deutsch befragt zu wer­den. Aber dann wür­de ich mich wie­der nur auf­re­gen und mei­ne Leser lang­wei­len, und davon bekommt man graue Haare.

Statt­des­sen ver­las­se ich das in letz­ter Zeit hier über­hand neh­men­de Feld der Poli­tik, auch wenn sie die ver­locken­de Mög­lich­keit zur Ver­tei­di­gung des Deut­schen bie­tet, und schrei­be statt­des­sen über dies hier:

Die aktu­el­le Bahn­card-Wer­bung ist mal wie­der herr­lich. Drei Frau­en wer­den von ihren Män­nern mit einer Bahn­card beschenkt, „um mal wie­der was mit­ein­an­der unter­neh­men zu kön­nen”, und fal­len auch noch auf die­se Fin­te her­ein. Hihi!

Und oben­drein noch ein amü­san­ter Schnapp­schuss aus Braun­schweig, dies­mal aus einem Park­haus, zur Ver­deut­li­chung bemalt von mir:

Rauchverbot im gesamten Gebäude - auch hier!

Na bit­te, es geht doch. Kein Stress, alles ganz lustig und entspannend.
Das war mal wie­der nötig. Reicht aber auch wie­der für heute.

:)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenparteiPolitik
Und die­se Bie­ne, die ich meine …

... nennt sich Maja!Schön, dass alles beim Alten bleibt: Die Delin­quen­ten reden immer noch kon­se­quent den glei­chen Käse, nie­mand hat so recht ver­lo­ren, man ver­gleicht sich bezüg­lich der neben­bei auch noch statt­ge­fun­de­nen Land­tags­wah­len gar mit der DVU, die „nur noch” ein Pro­zent erreicht, was, wie auch alles ande­re, ein „gro­ßer Sieg” ist, für wen auch immer.

Clau­dia Roth, deren Par­tei nun nicht gera­de erfolg­reich war, freu­te sich mit ihrem schril­len Tim­bre dar­über, dass sie „deut­lich zuge­legt” hat; ande­re fan­gen an zu rau­chen, um genau das zu ver­hin­dern. Die SPD hat der­weil her­aus­ge­fun­den, dass sie die „Kri­se” unbe­dingt abwen­den muss und „auch wei­ter­hin” hart dafür arbei­ten wird. Nach einem Jahr hat sie immer­hin bemerkt, dass die­se „Kri­se” ent­ge­gen eige­ner Pro­gno­sen doch exi­stiert. Gratuliere!

Das bis­her schön­ste Wort des Tages ist, nach all dem Jamaika‑, Ampel- und son­sti­gem Koali­ti­ons­quatsch, übri­gens Bie­ne-Maja-Koali­ti­on. Schwarz-Gelb und das alles, mit den lusti­gen grü­nen Gras­hüp­fern in der Oppo­si­ti­on. Es ist ein Spaß.

(Und was die viel geschol­te­ne Pira­ten­par­tei angeht: „Zwei bis drei” Pro­zent, die den Fal­schen ande­ren Par­tei­en jetzt jeden­falls feh­len. Ich bin gespannt, wie vie­le im letz­ten Moment noch schnell „beken­nen­de Pira­ten” jetzt noch hin­ter den Zie­len der Par­tei ste­hen und wie vie­le sich als blo­ße Agi­ta­to­ren her­aus­stel­len. Soll­ten letz­te­re nun die Lust ver­lie­ren, kann es der Pira­ten­par­tei nur zugutekommen.)

Still­stand ist der Tod, geh’ vor­an, bleibt alles anders.

(Her­bert Grönemeyer)

Und jetzt, bit­te, wie­der zur Tages­ord­nung über­ge­hen. Dan­ke vielmals.


Nach­trag von einem Tag später:
Gut gemacht, die Tages­ord­nung ist wie­der­her­ge­stellt. Die Musik­in­du­strie schickt ihre Ver­tre­ter wie­der das Inter­net durch­for­sten, um das Geld wie­der rein­zu­ho­len, das sie durch die Unfä­hig­keit, Trends zu erken­nen, ver­lo­ren hat. Ich krie­ge das kal­te Grau­sen von dem Verein.

KaufbefehleMusikkritik
Kauf­be­fehl zur Wahl: Gos­sip – Hea­vy Cross

Im Radio, so wur­de mir heu­te zuge­tra­gen, läuft die erste Sin­gle „Hea­vy Cross” der Post­punk­band Gos­sip der­zeit unge­fähr täg­lich. Weni­ger auf­dring­lich als Stan­ding in the way of con­trol, durch das ich im Jahr 2006 erst­mals auf das Trio auf­merk­sam wur­de, dafür mit einer Por­ti­on Tanz­rhyth­mus ver­se­hen treibt das Stück kraft­voll vor­an, gekrönt mit der ener­gie­ge­la­de­nen Stim­me von Front­frau Beth Ditto.

Und sie gehen nicht nur ab, sie haben auch was zu sagen:

Wha­te­ver you want, the choice is yours,
So choose.

I checked you, if it’s alrea­dy been done, undo it,
It takes two, it’s up to me and you, to pro­ve it.

So sieht’s doch aus.
Kauft die Sin­gle, sie ist es wert!

KaufbefehleSonstiges
Frisch­luft tanken

Wie­der mal ein unpo­li­ti­scher Kur­zer für zwischendrin:
Es gibt kei­ne Form des Unwohl­seins, die ein paar Minu­ten an der fri­schen Luft und ein zeit­glei­cher Blick in einen gemäch­lich vor sich hin­flie­ßen­den Bach nicht kurie­ren könnten.

Unbe­dingt empfehlenswert.

(Auch emp­feh­lens­wert: Ein neu­es Buch von Max Goldt. Unter ande­rem mit Geschich­ten über schril­le Fried­hö­fe. Genau rich­tig für das stil­le Sit­zen an der fri­schen Luft.)

Tief durch­at­men, bis später.

NetzfundstückePolitik
Steu­ern für alle!

Doch noch mal apro­pos Wahlen:
Die gan­ze Absur­di­tät der ver­brei­te­ten Mode, mög­lichst schwam­mi­ge Ver­spre­chen mög­lichst grif­fig zu for­mu­lie­ren, zeigt Die Lin­ke ein­drucks­voll auf. Damit dürf­te klar sein, was von ihr zu hal­ten ist, wenn sie schon vor der Wahl nicht so recht weiß, was sie eigent­lich ver­spre­chen soll.

Steuern für alle!

Scha­de eigentlich.


(Apro­pos „dum­me Pla­ka­t­ideen”: Wie lam­mert man eigent­lich? Und ist das gut oder schlecht? Und war­um? Und überhaupt.)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Pira­ten­schiff im Kreuzfeuer

Ich sehe mich bei all dem dum­men Zeug, das man in den Medi­en der­zeit schon wie­der über die Pira­ten lesen muss, außer Stan­de, von einem wei­te­ren Ein­trag der Kate­go­rie „Poli­tik” hier abzu­se­hen, und ich möch­te ihn nut­zen, um zwei aktu­ell dis­ku­tier­ten Bestand­tei­len die­ses dum­men Zeugs ener­gisch zu wider­spre­chen, weil’s ja sonst mal wie­der kei­ner macht:

1. Die Pira­ten sind kei­ne „Män­ner­par­tei”!

Blog­ge­rin dani­lo­la, „im Her­zen Pira­tin”, ver­wei­gert der Pira­ten­par­tei der­zeit unter ande­rem ihre Stim­me, weil es sich um eine „Män­ner­par­tei” hand­le, die sich pri­mär mit Män­ner­the­men beschäf­ti­ge und „nur” männ­li­che Kan­di­da­ten aufstelle.

Zunächst zu zwei­te­rem Punkt: Hier irrt dani­lo­la, in eini­gen Wahl­krei­sen ste­hen die weib­li­chen Pira­ten sogar auf Platz 1. Dass nur weni­ge Frau­en über­haupt Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei sind und also über­haupt für Listen­plät­ze in Fra­ge kom­men, hat, so ist zu ver­mu­ten, weni­ger damit zu tun, dass die Pira­ten­par­tei eine „Män­ner­par­tei” wäre, als damit, dass den zen­tra­len The­men Inter­net und Daten­schutz gemein­hin das Eti­kett des „eli­tä­ren Nerd­wis­sens” anhaf­tet, womit sich, sta­ti­stisch gese­hen, eher Män­ner als Frau­en identifizieren.

Hat sich bis­lang eigent­lich schon jemand dar­über beschwert, dass das Amt des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­ni­sters seit 24 Jah­ren nur mit Frau­en besetzt wird? Mir wäre dies nicht bekannt. Fami­li­en­po­li­tik ist Frau­en­sa­che, und das ist voll­kom­men in Ordnung.

Ich füh­le mich dadurch übri­gens nicht im Gering­sten dis­kri­mi­niert und käme auch nie auf die Idee, die Regie­rung des­halb des Sexis­mus’ zu bezich­ti­gen. Von dem Pro­zent­satz der männ­li­chen Kin­der­gärt­ner (unge­fähr drei Pro­zent, las ich kürz­lich irgend­wo) mal ganz zu schweigen.

2. Die Pira­ten sind kei­ne Sym­pa­thi­san­ten irgend­wel­cher radi­ka­len Strömungen!

Der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der Pira­ten­par­tei, Andre­as Popp, hat der rechts­kon­ser­va­ti­ven Zeit­schrift „Jun­ge Frei­heit” einen Arti­kel beschert, wie vor ihm unter ande­rem übri­gens auch Ephraim Kis­hon, dem ja nun wahr­lich wohl kaum jemand anti­se­mi­ti­sche Ten­den­zen vor­wer­fen wür­de. Dass er sich und sei­ner Par­tei mit die­sem Inter­view auch kosten­lo­se Wer­bung in aus­ge­rech­net und iro­ni­scher­wei­se einem „feind­li­chen” Blatt ver­schafft hat, wird kon­se­quent nicht beach­tet, und was er in die­sem Inter­view sag­te, ist auch nicht von Inter­es­se; nein, die Vor­ei­li­gen und die Schrei­häl­se, die es ver­mut­lich noch nicht ein­mal gele­sen haben, dre­hen sich ihre eige­ne Wirk­lich­keit zurecht, radi­ka­li­sie­ren das Mas­sen­den­ken mit „unwähl­bar”-Gekreisch und hal­ten auch sonst nicht viel davon, sich erst mal ein Bild von der Situa­ti­on zu machen. Cui bono?

Eine Wei­le zuvor hat­te ein deut­scher Poli­ti­ker sei­nen Rück­zug von der Platt­form abge­ord­ne­ten­watch ange­kün­digt, weil dort auch Ver­tre­ter der NPD zur Spra­che kom­men. Dass so ein Ver­hal­ten gera­de für einen Bun­des­tags­kan­di­da­ten höchst unde­mo­kra­tisch ist, hat unter ande­rem die Pira­ten­par­tei bemän­gelt; ein „undenk­ba­rer” Vor­gang, in den prompt NPD-Nähe hin­ein­in­ter­pre­tiert wurde.

Wäre die Kri­tik von ande­ren Par­tei­en gekom­men, hät­te man ver­mut­lich statt­des­sen applaudiert.

Die Pira­ten­par­tei ist eine Par­tei, die sich nicht auf die Fah­ne geschrie­ben hat, sich von irgend­ei­ner poli­ti­schen „Sei­te” ein­span­nen zu las­sen. Sie ist weder links noch rechts, sie macht Poli­tik für die Gesell­schaft und nicht für irgend­wel­che radi­ka­len Kräf­te. Natür­lich hat jede Par­tei Mit­glie­der, deren Welt­an­schau­ung bis­wei­len kru­de erscheint. Die F.D.P. hat­te unter ande­rem Jür­gen W. Möl­le­mann, den­noch wür­de sie nie­mand mehr in rechts­ex­tre­me Ecken stel­len wol­len. Die Pira­ten­par­tei hat­te Bodo Thie­sen und zehrt noch heu­te von des­sen For­mu­lie­run­gen, obwohl ihre übri­gen Mit­glie­der sich aus­drück­lich von Thie­sens Aus­sa­gen distan­ziert und ihm den Aus­tritt nahe gelegt haben. Das ver­ste­he, wer will.

Radi­ka­les Den­ken gibt es in jeder Par­tei. Inter­es­sant ist offen­bar nicht die­ses radi­ka­le Den­ken an sich, son­dern in wel­cher Par­tei der­je­ni­ge ist, der es äußert. Natür­lich ist es kurz vor der näch­sten Wahl attrak­tiv für die Anhän­ger der eta­blier­ten Par­tei­en, den Split­ter im Auge der unlieb­sa­men Kon­kur­renz zu ent­decken. Nur das mit dem Bal­ken im eige­nen Auge hat sich noch nicht über­all herumgesprochen.

Nein, die Pira­ten­par­tei ist sicher nicht „unwähl­bar”. Sie stellt immens wich­ti­ge For­de­run­gen und steht für eine Poli­tik, die näher an der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät ist als alle miss­lun­ge­nen „Refor­men” der letz­ten zwei Legis­la­tur­pe­ri­oden. Nie­mand erwar­tet, dass sie ihre Zie­le qua­si über Nacht durch­setzt oder gar in abseh­ba­rer Zeit einen Teil der Regie­rung stellt. Aber sie hat es ver­dient, die not­wen­di­gen 5 Pro­zent der Stim­men zu bekom­men; genug, um sich in Bun­des­tags­de­bat­ten ein­zu­brin­gen, Anträ­ge zu stel­len und sich somit an der poli­ti­schen Bil­dung in die­sem Land aktiv zu beteiligen.

Ich schlie­ße mich dem Kom­men­tar von „tani­ne” in Andre­as Popps Web­log an:

Ich wäh­le eine Par­tei auf­grund ihres Inhalts, nicht auf­grund medi­en­po­pu­li­sti­scher Vorwürfe.

Geht wäh­len!
Es lohnt sich.


(Das war jetzt eigent­lich schon wie­der viel zu viel Text. Ent­schul­digt bitte.)

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritik
Drei Bands, drei Gefühle

Nanu: Heu­te, so schreibt SPIE­GEL ONLINE, fand wie­der ein­mal ein ver­such­ter Amok­lauf an einem Gym­na­si­um statt. Der Täter hat über­lebt, es wird also dies­mal wohl etwas aus­führ­li­cher nach den Ursa­chen geforscht; es sei denn, auf sei­nen bei­den sicher­ge­stell­ten Com­pu­tern fin­den sich Com­pu­ter­spie­le, dann hat sich das wohl wie­der ein­mal erle­digt. Sät­ze wie Der Abitu­ri­ent gilt als Außen­sei­ter bie­ten dann kei­nen wei­te­ren Anlass zur wei­te­ren Nach­for­schung. Wetten?

Aber las­sen wir das. Wäh­rend indes­sen ande­re Ins-Inter­net-Schrei­ber wie­der ein­mal ihre Ener­gie dar­auf ver­schwen­den, zu ver­su­chen, die Pira­ten­par­tei in radi­ka­le Ecken zu stel­len, habe ich lie­ber ein wenig Musik gehört:

Auf Schallgrenzen.de gibt es von unter ande­rem mir einen (lei­der gekürz­ten) Ver­riss des aktu­el­len Albums The Resi­stance von Muse sowie, qua­si zum Aus­gleich, eine loben­de Kri­tik des neue­sten Por­cu­p­i­ne-Tree-Wer­kes, des­sen Kauf ich jedem Musik mögen­den Men­schen hier­mit aus­drück­lich ans Herz legen möchte.

Übri­gens und apro­pos Schall­gren­zen:
Her Name is Cal­la ist eine bri­ti­sche Band, die melan­cho­lisch musi­ziert. Peter führt es etwas wei­ter aus:

Vom sich Ver­lie­ren und Ver­lie­ren. Kein Rausch von Far­ben, schwar­ze Tusche, viel­leicht ein paar pastell­zar­te Pin­sel­stri­che. Und trotz alle­dem zie­he ich Kraft aus jedem Ton, jedem Song. Ent­schleu­ni­gung. Musik wie nicht von die­ser Welt. Zwi­schen der selbst­mör­de­ri­schen Trau­rig­keit eines Chris Hoo­son (Dako­ta Suite) und der jen­sei­ti­gen Melan­cho­lie eines Mark Hol­lis ver­sucht Her Name Is Cal­la mit gro­ßem Orche­ster ihr (Un)glück.

Schö­ne Musik, auf der Web­sei­te kom­plett zum Anhö­ren und somit auch herunterladbar.

Netzfundstücke
Pier­cings als Aus­druck der Zufrie­den­heit mit dem eige­nen Körper

Ach, du mei­ne Güte,
SPIE­GEL ONLINE lässt eine Frau („Frau­en- und Geschlech­ter­for­sche­rin”, also eine Frau, die sich vor­wie­gend mit Frau­en, dem weib­li­chen Geschlecht sowie den Grün­den für sei­ne Unter­drückung beschäf­tigt; das reicht eigent­lich schon) unre­flek­tiert dar­über schwa­dro­nie­ren, dass vie­le Frau­en, die sich kilo- und hun­der­t­eu­ro­wei­se Metall in die Visa­ge zim­mern las­sen, dies nicht etwa aus Pro­test oder aus Unsi­cher­heit bezüg­lich ihres äuße­ren Erschei­nungs­bil­des tun, das sie damit ja nun wirk­lich nicht immer ver­bes­sern, son­dern, natür­lich, wegen des Drucks, den die Gesell­schaft auf sie ausübt:

Pier­cing ist heu­te ein Mas­sen­phä­no­men und es ist eine Mög­lich­keit, sich als Jugend­li­che darzustellen.

Fast alle Mäd­chen lei­den unter dem gesell­schaft­li­chen Druck, Schön­heits­idea­len zu ent­spre­chen. […] Inter­es­san­ter­wei­se lei­den die gepierc­ten Mäd­chen, die ich befragt habe, kaum unter die­sen Ansprü­chen. Sie haben mehr­heit­lich ein ein­deu­tig posi­ti­ves Kör­per­er­le­ben.

(Alle Her­vor­he­bun­gen von mir.)

„Fühl dich schön / nach der zehn­ten Liposuktion.”
Die Ärz­te: Geisterhaus

NetzfundstückePolitik
…und alle so „Yeaahh!“

Und weil es gera­de durch die Blogs gei­stert und weil über das drö­ge TV-DuellDuett der bei­den Langweiler-„Spitzen”-Kandidaten ver­mut­lich alles gesagt wur­de und apro­pos Ham­burg und weil ich schon län­ger kei­ne hand­schrift­li­chen Pla­ka­ter­gän­zun­gen mehr die­ser Inter­net­sei­te für wür­dig erach­te­te, hole ich das jetzt nach, weil lustig:

Und alle so: "Yeeaahh!"

Und jetzt alle sin­gen und tanzen!

FotografieNetzfundstückePersönlichesPolitik
Ham­bur­ger Nächte

Frech­heit, eigentlich:
Da hal­te ich mich am Wochen­en­de zu Unter­hal­tungs­zwecken in Ham­burg auf und ver­pas­se aus­ge­rech­net ein in einem ande­ren Stadt­teil statt­fin­den­des Stra­ßen­fest mit zahl­rei­chen „Demon­stran­ten”:

> … die Poli­zei hät­te sich nicht zwi­schen die 600 Nazi-Geg­ner und die
> 90 NPD-Demon­stran­ten stel­len sol­len. Der NPD-Spuk wäre schnell vorbei
> gewesen.

600 gewalt­be­rei­te Lin­ke vs. 90 gewalt­be­rei­te Nazis – das zeigt ganz
klar: Wir haben ein Nazi-Pro­blem. *kopf­schüt­tel*

(heise.de-Forum)

Immer­hin konn­te ich am Bahn­hof eini­ge Ver­tre­ter des Kar­ne­vals der Kul­tu­ren bewun­dern und, damit ein­her gehend, wie­der ein­mal fest­stel­len, dass man in den inter­es­san­ten Momen­ten des Lebens sei­ne Kame­ra nicht griff­be­reit hat.

Manch­mal aller­dings schon:

Kakteen

(Tro­pen­haus im Natur­park Plan­ten un Blo­men, Ein­tritt frei, wor­auf war­tet ihr noch?)


Amü­sant übri­gens ist auch das Ham­bur­ger Abend­blatt. Die Titel­sei­te der Aus­ga­be vom 6.9. zier­te die Überschrift:

Ham­bur­ger Schü­ler inter­view­en Stein­mei­er: „Was fin­den Sie selbst an sich interessant?”

Schön, wenn eine Tages­zei­tung zur poli­ti­schen Bil­dung ihrer Leser beiträgt.


Schön ist, wie ich mei­ne, auch das Fund­stück der Woche, von zahl­rei­chen Web­logs und Twit­ter-Nut­zern ver­brei­tet und nun aus Grün­den der Albern­heit auch hier zu finden:
Kin­der­kreis TV, in den 80-ern pro­du­zier­te Wer­be­sen­dung, die, so weit mir bekannt ist, dum­mer­wei­se auch noch völ­lig ernst gemeint ist. „Spit­ze!”

Netzfundstücke
Han­no­ve­ra­ner auf­ge­passt: Leicht ver­dien­tes Geld.

Eine inter­es­san­te Geschäfts­idee hat die Han­no­ve­ra­ner Luther­kir­che da entwickelt:

Wer am Sonn­tag (13.9.) den Got­tes­dienst (war­um man sich selbst unent­gelt­lich zum Die­ner erklä­ren soll­te, ist auch noch so eine Sache, die ich bei die­sem gan­zen Kir­chen­kram nicht so recht ver­ste­he) besucht, wird mit fünf Euro belohnt, die er dann bit­te sinn­voll anle­gen soll – ver­mut­lich, um das Wer­te­ver­ständ­nis der inter­es­sier­ten Chri­sten zu för­dern, die zu einem Groß­teil dann ver­mut­lich doch eher an ande­ren Inhal­ten inter­es­siert sein dürften.

Ich neh­me an, ich selbst bin am Sonn­tag lei­der abkömm­lich, aber über Bericht­erstat­tung und ggf. Bild­auf­nah­men des Got­tes­dien­stes wäre ich durch­aus dank­bar. Es soll­te mich nicht erstau­nen, wenn es recht voll wird. Womög­lich wird das bei aus­rei­chend Erfolg ja auch Mode?

„Sie wer­den trun­ken von den rei­chen Gütern dei­nes Hau­ses, und du trän­kest sie mit Won­ne als mit einem Strom.” (Psalm 36, 9)