Netzfundstücke
Arbeit­ge­ber Bun­des­wehr?

Durch Zufall fiel mir heu­te eine Infor­ma­ti­ons­bro­schü­re der staat­li­chen Mör­der­ban­de „Bun­des­wehr“ in die Hän­de, und seit­dem kom­me ich aus dem Lachen nicht mehr her­aus.

Gar­niert mit vie­len ein­la­den­den Bil­dern – fröh­lich lächeln­de Quo­ten­frau­en in Büros, grim­mig blicken­de Her­ren in Kampf­mon­tur in einer nicht näher bezeich­ne­ten Wüsten­ge­gend – ver­sucht die zwei­tei­li­ge Bro­schü­re, jun­ge Staats­bür­ger zum Mili­tär­dienst zu über­re­den. Einen gro­ßen Teil neh­men wie­der­hol­te Hin­wei­se auf die finan­zi­el­len Vor­tei­le des Kriegs­spie­lens ein, was mei­nes Erach­tens nicht dazu geeig­net ist, die (sozia­len und ideel­len) Nach­tei­le zu kom­pen­sie­ren, aber wer das Geld gera­de gut gebrau­chen kann, ver­kauft sei­ne See­le sicher nur all­zu gern.

(Auf­grund tech­ni­scher Pro­ble­me, näm­lich feh­len­der Bat­te­rien, bit­te ich die aus­nahms­wei­se unter­durch­schnitt­li­che Bild­qua­li­tät zu ent­schul­di­gen.)

Sie sind 18 Jah­re (alt, A.d.V.) (oder wer­den es bald) und wol­len (…) staats­bür­ger­li­che Ver­ant­wor­tung in Form eines frei­wil­li­gen Enga­ge­ments über­neh­men…

Mer­ke: Wer nicht zur Waf­fe grei­fen möch­te, der ist wahr­schein­lich ein ver­ant­wor­tungs­lo­ser Staats­bür­ger. Ein wah­rer Deut­scher ver­tei­digt sein Land mit allen Mit­teln. Am Hin­du­kusch.

Sie wol­len hier­für eine attrak­ti­ve Ver­gü­tung erhal­ten und gleich­zei­tig Ihre fach­li­chen und sozia­len Kom­pe­ten­zen durch arbeits­markt­ori­en­tier­te Bil­dungs­an­ge­bo­te wei­ter ver­bes­sern…

„Hal­lo, ich wür­de mich gern bei Ihnen bewer­ben.“
„Haben Sie Kom­pe­ten­zen?“
„Ja, ich kann eine Waf­fe bedie­nen, Pan­zer fah­ren, Kriegs­ver­let­zun­gen behan­deln, Zivi­li­sten bom­bar­die­ren las­sen sowie mit Kame­ra­den um die Wet­te sau­fen. Und ich habe Erfah­run­gen als Bro­schü­ren­mo­dell gesam­melt.“
„Dan­ke, wir mel­den uns.“

Sie wol­len mit Ihrem Enga­ge­ment einen zukunfts­ori­en­tier­ten und moder­nen Arbeit­ge­ber ken­nen­ler­nen, ohne sich län­ger­fri­stig bin­den zu müs­sen…

Der Arbeit­ge­ber ist der­art zukunfts­ori­en­tiert und modern, dass die mei­sten Leu­te froh sind, dass sei­ne Son­der­stel­lung weit­ge­hend ver­lo­ren ist. Das mit der „län­ger­fri­sti­gen Bin­dung“ – also der ziem­lich kur­zen Arbeits­zeit, wenn man das Pech hat, beim Frie­dens­ein­satz hel­fen zu dür­fen – ist übri­gens nicht unbe­dingt von Vor­teil. (Sie­he auch in der rech­ten Spal­te: „Aus­lands­ein­sät­ze gehö­ren aktu­ell zu den wich­tig­sten Auf­ga­ben der Bun­des­wehr.“ Offen­bar habe ich das mit der „Wehr“ bis­lang miss­ver­stan­den.)

…dann ist die Bun­des­wehr und der neue Frei­wil­li­ge Wehr­dienst für Sie genau das Rich­ti­ge!

Kom­pe­ten­zen sind nicht wich­tig, nicht mal das Beherr­schen der deut­schen Spra­che – „ist“, „sind“, völ­lig einer­lei.

Der zwei­te Teil der Bro­schü­re geht tie­fer ins Detail:

Wen suchen wir

Jun­ge Frau­en und Män­ner, die:

  • bereit sind, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und für Deutsch­land und sei­ne Bür­ger ein­zu­ste­hen,

Da freu­en sich die Bür­ger aber, dass es Leu­te gibt, die in unse­rem Namen den US-Ame­ri­ka­nern bei der Ölsu­che hel­fen und dabei rei­hen­wei­se hops­ge­hen.

  • bereit sind, sich aktiv in einem lei­stungs­fä­hi­gen Team zu enga­gie­ren,

Sol­che Leu­te wer­den übri­gens auch in der Infor­ma­tik drin­gend benö­tigt, aber die kann sich kei­ne Mas­sen­wer­bung aus Steu­er­gel­dern lei­sten.

  • bereit sind, an Aus­lands­ein­sät­zen teil­zu­neh­men,

Da könn­te man natür­lich auch ein­fach Fuß­bal­ler wer­den. Wobei: Als deut­scher Fuß­bal­ler hat man da nicht lan­ge Spaß am Auf­ent­halt im Aus­land, wie wir heu­te wie­der sehen konn­ten.

  • mobil, fle­xi­bel, kör­per­lich sowie gei­stig fit sind,

Mobi­li­tät und kör­per­li­che fit­ness: Geschenkt. Was in die­ser Auf­zäh­lung aber fehlt, ist das Wort „mora­lisch“ an geeig­ne­ter Stel­le. Und das mit der gei­sti­gen fit­ness ist auch noch so eine Sache. Wer nichts kann, wird halt Sol­dat; für das Geld…!

„Sol­da­ten sind nur dum­me Tie­re, die als Schach­bau­ern in der Außen­po­li­tik benutzt wer­den.“
– Hen­ry Kis­sin­ger

  • bereit sind, sich kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­zu­bil­den.

Ich gebe zu, den Theo­rie­teil des Mili­tär­dien­stes wür­de ich selbst gern mal mit­er­le­ben. Lernt man da, wel­che Kör­per­tei­le die lebens­wich­ti­gen sind?

Wir bie­ten Ihnen

  • eine ver­ant­wor­tungs­vol­le und abwechs­lungs­rei­che Tätig­keit,

Gebrüll­te Befeh­le befol­gen: „Ver­ant­wor­tung“. Wird ver­merkt! Aber Abwechs­lung gibt’s tat­säch­lich: Man weiß nie, in wel­chem Land man ster­ben wird.

  • (…) unent­gelt­li­che trup­pen­ärzt­li­che Ver­sor­gung
  • und gute Bezah­lung.

Dass die Gefahr für Leib und Leben nur dis­kret impli­ziert wird, klingt mit­un­ter nied­lich unbe­hol­fen, wird aber auch mit viel Geld nicht rela­ti­viert.

Wer trotz all­dem Inter­es­se am Dienst an der Waf­fel Waf­fe hat, der soll­te sich beei­len: In Bäl­de gibt es vor­aus­sicht­lich nur noch mecha­ni­sche Sol­da­ten.

Nerdkrams
NewS­croll­bars: Bes­se­re Scroll­lei­sten für Fire­fox

Eine der etwas unan­ge­neh­me­ren Eigen­schaf­ten des Stan­dard-Skins von Fire­fox ist es, dass die Scroll­lei­sten sich optisch nicht all­zu gut vom Hin­ter­grund abhe­ben, sofern man etwa Web­sei­ten mit gräu­li­cher Hin­ter­grund­far­be besucht.

Um die­ses Pro­blem zu lösen, könn­te man als Fire­fox­nut­zer natür­lich ein­fach einen quietsch­bun­ten ande­ren Skin, etwa Noia 4, instal­lie­ren. Da das aber die unter Umstän­den recht und ange­nehm dezen­ten Sym­bol­lei­sten eben­falls auf quietsch­bunt trim­men wür­de, was nicht unbe­dingt hilf­reich ist, wäre es womög­lich prak­ti­scher, könn­te man nur die Scroll­lei­sten ein­fär­ben.

Nun ver­setzt Fire­fox sei­ne Benut­zer bekannt­lich dazu in die Lage, die Bedien­ober­flä­che des Brow­sers per CSS und Java­Script nach Belie­ben anzu­pas­sen. Da aber nicht jeder, der sei­ne Scroll­lei­sten auf den ersten Blick erken­nen möch­te, dafür pro­gram­mie­ren ler­nen will (und wahr­schein­lich an die­ser Stel­le auch nur wenig Lust dar­auf hat, dass ich ihm erklä­re, wie­so CSS und Java­Script kei­ne Pro­gram­mier­spra­chen sind), gibt es, wie für fast alles, eine ein­fa­che­re Lösung.

Sie heißt NewS­croll­bars, ist eine Erwei­te­rung und stammt vom glei­chen Autor wie der Noia-Skin. Mit ihr ist es mög­lich, per Klicks Scroll­lei­sten von Fire­fox zu ver­klei­nern und kon­trast­reich ein­zu­fär­ben oder sie ganz aus­zu­blen­den (für uns Tasta­tur­freun­de nicht unin­ter­es­sant):

Der Ein­stel­lungs­dia­log ist über­sicht­lich gehal­ten, es wird auch eine „Stan­dards­croll­bar“ im Noia-Stil mit­ge­lie­fert; detail­lier­te Anpas­sun­gen sind aber eben­falls mög­lich. So kann man etwa nur den Hin­ter­grund der Scroll­lei­sten trans­pa­rent dar­stel­len las­sen oder ihn in einer belie­bi­gen (Hexadezimal-)Farbe ein­fär­ben, außer­dem kön­nen die Scroll­lei­sten pixel­ge­nau ver­grö­ßert oder ver­klei­nert wer­den. Das Ergeb­nis sieht dann zum Bei­spiel so aus:

Bei die­ser Erwei­te­rung soll­te man beach­ten, dass sie wirk­lich alle Scroll­lei­sten im Brow­ser ver­än­dert, nicht nur die ganz rechts und ganz unten. Die Far­ben und Sti­le soll­te man also mit Bedacht wäh­len, sonst tut’s weh.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CII: Hirn­tot und herz­los.

Einen ganz tol­len Beschluss hat sich der Bun­des­tag da zusam­men­ge­ei­mert:

Künf­tig wer­den alle Kran­ken­ver­si­cher­ten ab 16 Jah­ren schrift­lich auf­ge­for­dert, eine Erklä­rung zur Organ­spen­de nach dem Tod abzu­ge­ben.

Bemer­kens­wert ist allen­falls die­ses Detail:

In Deutsch­land gilt damit wei­ter­hin das Prin­zip, dass Bür­ger zu Leb­zei­ten – oder aber nach Hirn­tod die Ange­hö­ri­gen – der Ent­nah­me von Orga­nen und Gewe­be aus­drück­lich zustim­men müs­sen, um eine Ent­nah­me zu ermög­li­chen.

Somit haben die für den Beschluss Ver­ant­wort­li­chen auch wei­ter­hin nichts zu befürch­ten, denn für ein tra­di­tio­nell hirn­lo­ses Mit­glied einer der der­zei­ti­gen Regie­rungs­par­tei­en ist auch ein Herz bei der Aus­übung der „Arbeit“ eher hin­der­lich.

(Dan­ke an L.!)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CI: Käpt’n Offen­sicht­lich und der Ketch­up, der fließt

Eine ech­te Gei­stes­grö­ße hat die CSU da an Bord:

Schon früh hat­te Bay­erns frü­he­rer Innen­mi­ni­ster Beck­stein ein frem­den­feind­li­ches Tat­mo­tiv hin­ter den Mor­den der Zwickau­er Ter­ror­zel­le ver­mu­tet.

Potz­blitz! Wie kam er nur auf so etwas?


Auch toll ist natür­lich die­se Über­schrift:

High­tech-Beschich­tung: End­lich fließt Ketch­up aus der Fla­sche

Das ist natür­lich viel bes­ser als bis­her, als der Ketch­up noch in Wür­fel­form aus der Fla­sche fiel oder gar roll­te.

In den NachrichtenWirtschaft
(Ein Spen­den­auf­ruf für Mark Z.)

Sehr geehr­te Leser­schar,

heu­te wen­de ich mich mit einem ern­sten Anlie­gen an euch.

Wie wir wis­sen, ist Deutsch­land eines der reich­sten Län­der hier in der Gegend. Wie am Bei­spiel Grie­chen­lands zu sehen ist, tra­gen wir somit eine gro­ße Ver­ant­wor­tung auf unse­ren Schul­tern, dro­hen­de Welt­wirt­schafts­kri­sen abzu­wen­den zu hel­fen und finan­zi­ell Schwa­che mit aller Kraft zu unter­stüt­zen, bevor die Armuts­spi­ra­le sich unauf­halt­sam abwärts schraubt.

Und so möch­te ich die Gele­gen­heit nut­zen, auf ein beson­ders erschrecken­des Schick­sal hin­zu­wei­sen, das Schick­sal des einst hoff­nungs­vol­len Öko­no­men Mark Z., der auf­grund unglück­li­cher Umstän­de an der Bör­se ein Ver­mö­gen ver­lo­ren hat und um sei­ne Exi­stenz ban­gen muss.

Das men­schen­na­he Maga­zin „hei­se online“ berich­tet mit­lei­dig:

Größ­ter Anteils­eig­ner und damit einer der größ­ten Leid­tra­gen­den des Kurs­ver­falls ist Grün­der Mark Zucker­berg. Ein Dol­lar mehr oder weni­ger beim Akti­en­preis macht eine hal­be Mil­li­ar­de an sei­nem Ver­mö­gen aus. (…) Der Ver­fall der Face­book-Aktie kann für Zucker­berg umso bit­te­rer gewe­sen sein, als die US-Bör­sen ins­ge­samt deut­lich nach oben gin­gen.

Was für ande­re eine Fra­ge von weni­gen Euro ist, bedeu­tet für Mark Zucker­berg den Ver­lust von Mil­li­ar­den. Unschwer zu erken­nen ist, wohin das füh­ren muss, wenn wir nicht gemein­sam ent­ge­gen­wir­ken. Habt ein Herz für die Armen und Bedürf­ti­gen, und mel­det euch bei Face­book an, anstatt mit eurem Geld unnö­ti­gen Krem­pel wie das deut­sche Sozi­al­sy­stem oder gar Grie­chen­land zu unter­stüt­zen; deak­ti­viert dort jeden Wer­be­fil­ter und kauft vie­le items für die dort ange­bo­te­nen Spie­le. Nur ihr könnt Schlim­me­res ver­hin­dern!

Stellt euch nur ein­mal die leuch­ten­den Augen von Mark Zucker­berg vor, mit denen er euch dan­ken möch­te! Ist das nicht die­se klei­ne Inve­sti­ti­on in unser aller Zukunft wert?

In den NachrichtenWirtschaft
Medi­en­kri­tik LXVIII: Der Sar­ra­zin, der Straub­haar, der Euro und ein Flug­zeug ohne Lan­de­bahn.

Am mor­gi­gen Diens­tag erscheint Thi­lo Sar­ra­zins neu­es Buch „Euro­pa braucht den Euro nicht!“, in dem er angeb­lich postu­liert, dass der Euro gequirl­ter Käse sei und wir ohne ihn bes­ser wirt­schaf­ten könn­ten. Ich habe das Buch noch nicht gele­sen, aber Tho­mas Straub­haar tat es – schwarz kopiert? – und lässt auf STERN.de ver­kün­den:

Sar­ra­zins Buch ist Zeit­ver­schwen­dung

War­um? Tscha, eh‘ zu spät, schreibt Tho­mas Straub­haar:

Thi­lo Sar­ra­zin hat Recht: Aus öko­no­mi­schen Grün­den hät­te es den Euro in der Tat nicht gebraucht. Aber dar­um geht es nicht (mehr)!

Jeden­falls Tho­mas Straub­haar geht es nicht dar­um, er hat sich mit sei­nem Schick­sal in der Euro­zo­ne abge­fun­den. Damit er sich nicht so allein fühlt, ver­sucht er sei­ne Spiel­ka­me­ra­den nun mit Quen­geln und Auf­stamp­fen um sich zu scha­ren; jeden­falls vir­tu­ell, denn „Fakt ist“ ist in der deut­schen Spra­che das Äqui­va­lent zum Auf­stamp­fen und ein siche­res Zei­chen für Unsi­cher­heit des­sen, der es ver­wen­det:

Fakt ist (sic!), dass Euro­pa den Euro seit 1999 als Gemein­schafts­wäh­rung hat, seit 2002 für jeden Bür­ger auch sicht­bar als Euro-Mün­zen und Euro-Schei­ne. Des­halb stellt sich die Fra­ge nicht mehr, ob Euro­pa den Euro braucht. (…)

Es macht eben einen rie­si­gen Unter­schied, ob man im flie­gen­den Flug­zeug sitzt und aus­stei­gen will, oder man gar nicht erst ein­steigt. In bei­den Fäl­len will man drau­ßen sein, aber fak­tisch hat nur wer drau­ßen geblie­ben ist, eine Wahl­frei­heit. Wer mit­fliegt, ist mit­ge­gan­gen und damit mit­ge­fan­gen.

(Im Ori­gi­nal ver­kork­ste Zei­chen­set­zung unver­än­dert über­nom­men, Her­vor­he­bung aber von mir.)

Fakt ist eben auch, dass Deutsch­land ein hal­bes Jahr­hun­dert lang die Deut­sche Mark ver­wen­de­te, seit 1949 für jeden Bür­ger auch sicht­bar in sei­nem Porte­mon­naie. Wir haben ande­rer­seits gelernt: Die Umstel­lung eines Wäh­rungs­sy­stems bedarf im Zwei­fels­fall nur eini­ger Ent­schei­der, die nicht mehr alle Lat­ten an der Mur­mel haben, ein Wäh­rungs­sy­stem ist aber kein Natur­ge­setz wie die Schwer­kraft oder dass dum­me Men­schen gern deut­schen Rap hören.

Und so ver­hed­dert sich Tho­mas Straub­haar so tief im Kom­ma­dschun­gel, dass er ein paar ange­kleb­te Flü­gel für ein Flug­zeug mit unend­lich gro­ßem Tank hält und zu fei­ge ist, mal in sei­nem Ruck­sack nach einem Fall­schirm zu suchen. In der ersten Klas­se („Tho­mas Straub­haar ist Lei­ter des Ham­bur­gi­schen Welt­Wirt­schafts­In­sti­tuts (HWWI)“, prost!) sitzt man eben auch in sei­ner Fan­ta­sie ziem­lich bequem.

Der Euro exi­stiert. Er ist All­tag.

Das hat die Ver­nich­ter der Deut­schen Mark auch nicht gestört. Die DDR war übri­gens auch mal All­tag.

Natür­lich wünsch­ten sich vie­le Eltern gele­gent­lich eine Zeit ohne Kin­der, die ner­ven, zurück. Aber genau so wenig, wie Kin­der unge­sche­hen gemacht wer­den kön­nen, gab und gibt es einen Plan B, der den Euro besei­tigt.

Der Euro als quen­geln­des Kind, das die eige­ne soli­de Finanz­wirt­schaft mit stän­di­gen Anfor­de­run­gen („MAMA, KAUF MIR EIN EIS“ bzw. eben „Deut­sche, schenkt den Grie­chen mal was“) rui­niert, ist natür­lich ein schö­nes Bild. Gibt es dazu schon eine Kari­ka­tur? Übri­gens gibt es sehr wohl, zumin­dest auf dem Papier, einen Plan B: Wäh­rend Deutsch­land zwar einen Ver­trag unter­schrie­ben hat, der es dazu ver­pflich­tet, Mit­glied der Wäh­rungs­uni­on zu blei­ben, wür­de die­ser Ver­trag auto­ma­tisch ungül­tig, sobald Deutsch­land aus der EU aus­tritt.

Eine etwas for­sche­re Lösung hat Deutsch­land selbst in der Ver­gan­gen­heit schon prak­ti­ziert: Weil „wir“ uns wei­gern, die vor­ge­ge­be­ne Richt­li­nie zur Ein­füh­rung der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein­zu­hal­ten, neh­men „wir“ gern eine Ver­trags­stra­fe in Kauf. Eine zwei­te käme uns viel­leicht immer noch bil­li­ger als wei­te­res Dahin­ve­ge­tie­ren auf Euro­ba­sis. Aber sicher weiß Tho­mas Straub­haar mehr dar­über.

Der hat aber ganz ande­re Sor­gen:

(…) Des­halb pro­vo­ziert eine deut­sche Dis­kus­si­on dar­über, „ob Euro­pa den Euro braucht“ bei den Nach­barn die schlimm­sten Äng­ste eines natio­nal ori­en­tier­ten wirt­schaft­lich domi­nan­ten Groß-Deutsch­lands. Genau die Kon­se­quenz, die man mit der Wie­der­ver­ei­ni­gung nicht woll­te und mit dem Euro zu ver­hin­dern ver­such­te.

Wie muss ich mir die Ver­trags­ver­hand­lun­gen vor­stel­len? „Ihr kriegt die DDR und den Euro, damit ihr kei­ne Nazis mehr seid“? Die­se zwei Sät­ze sind so unglaub­lich bescheu­ert, dass mir nur noch Stich­wor­te ein­fal­len:

  • Deutsch­land wird nicht zu „Groß-Deutsch­land“, wenn wir uns den Euro weg­neh­men. Unse­re Gren­zen sind fest­ge­legt.
  • Eine Wäh­rungs­uni­on wür­de einen faschi­sti­schen Dik­ta­tor nor­ma­ler­wei­se nicht davon abhal­ten, die­se Gren­zen im Zwei­fels­fall erwei­tern zu wol­len. Die Wäh­rungs­uni­on hät­te sogar tak­ti­sche Vor­tei­le, denn sie wür­de die Vor­be­rei­tung auf etwa­ige krie­ge­ri­sche Hand­lun­gen wirt­schaft­lich erleich­tern.
  • Deutsch­land ist bereits wirt­schaft­lich domi­nant, was der Grund dafür ist, dass es reich­lich Geld in irgend­wel­che euro­päi­schen Kas­sen ein­zah­len „darf“.

Übrig bleibt die „natio­na­le Ori­en­tie­rung“. Natür­lich ist eine eige­ne Wäh­rung auch ein Sym­bol von Aut­ar­kie, den­noch ist Deutsch­land noch immer ein Export­land. Eine Abschot­tung inner­halb Euro­pas wäre also ohne Wei­te­res gar nicht mög­lich. (Übri­gens hat die Schweiz auch eine eige­ne Wäh­rung, und wer hat schon Angst vor der Schweiz?)

Wie­so aus­ge­rech­net ein natio­na­li­sti­scher Staat wie Frank­reich Angst vor natio­na­ler Ori­en­tie­rung hat, erscheint mir übri­gens auch unbe­greif­lich. Wo liegt der tat­säch­lich greif­ba­re Nach­teil eines Staa­tes, der ein wenig Selbst­be­stim­mung und Iden­ti­tät zurück­er­lan­gen will? Eine Ant­wort dar­auf bleibt Tho­mas Straub­haar natür­lich schul­dig, er weiß es wohl nicht bes­ser.

Für ihn jeden­falls ist das The­ma vom Tisch:

Hin­ge­gen ist es ein nutz­lo­ser Ver­schleiß poli­ti­scher Kräf­te, sich über Alter­na­ti­ven die Köp­fe heiß zu reden, die gar nicht mehr zur Debat­te ste­hen.

Da hat Tho­mas Straub­haar es ein­fa­cher: Bei ihm kann anschei­nend nicht mehr viel ver­schlei­ßen. Und so kann er zwei „Sei­ten“ auf STERN.de befül­len, indem er sich den Kopf über ein Buch heiß redet, das er eine Zeit­ver­schwen­dung nennt, weil die ent­hal­te­nen The­sen für ihn ganz per­sön­lich „gar nicht mehr zur Debat­te ste­hen“, und bezahlt wird er für die­sen Meta­witz wahr­schein­lich auch noch.

Fakt ist: Tho­mas Straub­haars Aus­füh­run­gen sind Zeit­ver­schwen­dung.

MusikkritikMontagsmusik
Can – Spoon

Vor etwa 40 Jah­ren erschien mit Ege Bamy­a­si das vor­erst letz­te wirk­lich gute Album der Köl­ner Expe­ri­men­tal-Kraut­rock-Band Can.

Ent­hal­ten ist neben dem merk­wür­di­gen, damals immer­hin fern­seh­taug­li­chen Stück „Vit­amin C“ auch „Spoon“, das in einer Radio­ver­si­on (ihrer­zeit Platz 6 in der deut­schen Hit­pa­ra­de) den Film „Das Mes­ser“ musi­ka­lisch unter­mal­te, spä­ter in einer Liv­e­fas­sung ein Teil der jüng­sten Jubi­lä­ums­auf­la­ge des Vor­gän­ger­al­bums Tago Mago wur­de und alles ver­eint, was den Kraut­rock der 1970er Jah­re aus­mach­te: Repe­ti­ti­ve Rhyth­men, psy­che­de­li­sche Melo­dien, merk­wür­di­gen Gesang und fan­ta­sti­sche Musi­ker.

Auch live.

Can – Spoon – full live 15 minu­tes

Guten Mor­gen!

KaufbefehleMusikkritik
Delu­si­on Squared: Inter­es­san­tes aus Frank­reich

Durch Zufall stieß ich vor eini­gen Tagen auf das fran­zö­si­sche Trio Delu­si­on Squared, zu Deutsch etwa „Täu­schung zum Qua­drat“. In die­sem Jahr haben die drei Musi­ker mit eini­gen musi­ka­li­schen Gästen ein eher durch­wach­se­nes Album namens „II“ ver­öf­fent­licht, das namen­lo­se – oder selbst­be­ti­tel­te – Debüt von 2010 ist aber spit­ze.

Zu hören ist eine Melan­ge aus Neo-Prog und New Art­rock ohne Quietsch­key­boards und all­zu viel Elek­tro­nik­quatsch, dafür mit reich­lich Aku­stik­gi­tar­re, gespielt von Sän­ge­rin Lor­raine Young und Ste­ven Fran­cis, der neben­bei auch Kay­boards und Schlag­zeug bedient, erste­res wie­der­um gemein­sam mit Emma­nu­el de Saint Meen. Zumin­dest erste­ren Namen soll­te man sich mer­ken, denn sin­gen – und spre­chen, etwa gegen Ende des Stückes „Remem­brance – In my time of dying“ – kann Frau Young ziem­lich pri­ma.

Sti­li­stisch ist man fle­xi­bel. Wäh­rend eini­ge Stücke mit ihrem Auf­bau (aku­sti­sche Gitar­re, Stei­ge­rung, Kli­max) an „Trains“ der geschätz­ten Por­cupi­ne Tree erin­nern, geht es in „Delu­si­on – The Betra­y­al“ in Rich­tung Indu­stri­al Rock, zwar von Ramm­stein und Lai­bach noch weit ent­fernt, aber doch schon recht düster. Das abschlie­ßen­de „Lega­cy – A crea­ti­on myth“ ist trotz sei­ner fast acht Minu­ten Spiel­zeit eine radio­taug­li­che Bal­la­de, die für Frau Youngs Stim­me aller­dings etwas zu hoch gesetzt ist (das ein­zi­ge Mal wäh­rend der knap­pen Stun­de nervt der Gesang hier ein wenig), was aber sicher nicht der Grund dafür ist, dass die Radio­sen­der auf die­ses Stück wie auch auf den Rest des Albums offen­bar kei­nen gro­ßen Wert legen – Justin Bie­ber kann ja eben­falls nicht über­ra­gend gut sin­gen.

Über­haupt wäre es ein Feh­ler, ein­zel­ne Stücke dem Kon­text zu ent­rei­ßen. „Delu­si­on Squared“ – das Album – hat ein geschlos­se­nes Kon­zept:

Wir befin­den uns in einer fin­ste­ren Zukunft, in der das natür­li­che Öko­sy­stem der Erde nach ver­hee­ren­den Krie­gen weit­ge­hend zer­stört wur­de. Als Fol­ge muss­te man die sog. Arko­lo­gien bau­en, um das Fort­be­stehen der Mensch­heit zu sichern. (Arko­lo­gie ist ein von der Aussen­welt weit­ge­hend abge­schot­te­tes Öko­sy­stem, das durch archi­tek­to­ni­sche Maß­nah­men wie eine rie­si­ge Stadt gestal­tet wird). In den Arko­lo­gien leben durch Gen­tech­no­lo­gie per­fek­tio­nier­te, durch vir­tu­el­le Unter­hal­tung und medi­al erzeug­tes Kon­sum­ver­hal­ten glück­lich gemach­te und ruhig gestell­te Men­schen. Eine jun­ge Frau fin­det ein sol­ches Leben weni­ger prickelnd und beginnt dage­gen zu rebel­lie­ren. Ihr Wunsch auf natür­li­che Wei­se Mut­ter zu wer­den passt nicht zu den fest­ge­leg­ten Abläu­fen in der Arko­lo­gie, also greift sie auf Hil­fe eines gene­ti­schen Hackers zurück und wird dar­auf­hin fest­ge­nom­men, unfrucht­bar gemacht und aus­ge­setzt.

Die jun­ge Dame wird von den drau­ssen unter stän­di­ger Lebens­be­dro­hung exi­stie­ren­den Indi­vi­du­en in einem Zustand gefun­den, in dem sie offen­bar glaubt gleich ster­ben zu müs­sen. Die Frau wird lie­be­voll auf­ge­nom­men und schliesst sich dem Über­le­bens­kampf der Gemein­schaft in der feind­li­chen Umwelt an. Irgend­wann begin­nen sich die Arko­lo­gie-Bewoh­ner mit rie­si­gen Raum­schif­fen abzu­set­zen. Die drau­ssen Leben­den sehen das als Ansporn ihr Schick­sal wei­ter­hin zu mei­stern.

Mit der Zeit eig­net sich die namen­lo­se Frau beträcht­li­ches Wis­sen durch das Stu­di­um der Arte­fak­te an und wird durch ihr Ein­falls­reich­tum und sozia­le Intel­li­genz zu einer belieb­ten Auto­ri­tät. Sie hilft den Über­le­ben­den ihre Gene in der feind­li­chen Umwelt zu stär­ken und als sie 97-jäh­rig stirbt wird sie von vie­len wie eine Gott­heit ver­ehrt. …und sie nann­ten sie Mother-of-all-peo­p­le…

Natür­lich ist die­se Geschich­te (noch) nicht unbe­dingt lebens­nah, aber doch ziem­lich gute Fik­ti­on und mal was ande­res als das ewi­ge „Baby, Baby, I love youuu“ aus dem Radio. Wer auf die Tex­te ach­tet, der kann sich an so man­cher Zei­le erfreu­en, die er fort­an in die Rei­he sei­ner Lebens­mot­tos auf­neh­men soll­te. „If you don’t know how to fix it, plea­se stop brea­king it.“

Kauf – ob vir­tu­ell oder auf tat­säch­li­chem Ton­trä­ger – und vor­he­ri­ges Hin­ein­hö­ren ermög­licht bandcamp.com, und wer noch auf der Suche nach guter main­stream­t­aug­li­cher, aber doch anspruchs­vol­ler Musik ist, der soll­te davon reich­lich Gebrauch machen.

Eines jeden­falls steht fest: Die­ses Album ist mit Sicher­heit kei­ne Täu­schung. Wärm­stens emp­foh­len.

PolitikNetzfundstücke
S in der PD

In der katho­li­schen Kir­che gibt es womög­lich eini­ge Chri­sten, im ADAC haben even­tu­ell auch Kraft­fah­rer eine Mit­glied­schaft inne.

Und in der SPD?

Arbeits­ge­mein­schaft der SOZIALDEMOKRATEN in der SPD

Was es nicht alles gibt!

(via @bov)

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Einer der „größ­ten Stars der Welt“, Aus­ru­fe­zei­chen.

Eh, „SPIEGEL Online“!

Mit eurem unter­ir­di­schen „In-Ear-Kopf­hö­rer­test“ neu­lich, wo von dem eye­cat­cher-Bild oben – einen (etwa den abge­bil­de­ten) Shu­re habt ihr nicht mal gete­stet – bis zum Inhalt („Bäs­se […] müs­sen eher als Tief­mit­ten bezeich­net wer­den“, hä?) so ziem­lich alles Grüt­ze war, hät­tet ihr es ja fast geschafft, euch für alles außer Fuß­ball und Poli­tik nach­hal­tig zu dis­qua­li­fi­zie­ren (letz­te­res selbst, obwohl ihr kei­ne Pro­zent­rech­nung könnt).

Das hier hat mich aber wie­der ver­söhn­lich gestimmt:

Sie kann nicht sin­gen, wirkt ver­braucht und hat die besten Jah­re hin­ter sich: End­lich erfüllt Brit­ney Spears die Anfor­de­run­gen an eine Casting­show-Juro­rin. (…) Pro­du­zent Cowell teil­te dem Blatt mit, er sei „hoch erfreut“. Spears sei immer noch einer der „größ­ten Stars der Welt“.

Wei­ter so!

Montagsmusik
Lau­ra: Post­rock aus Austra­li­en

Aus – anschei­nend – Mel­bourne stammt außer Daevid Allen, Front­mann der Spa­ce­rock­band Gong, auch die Musik­grup­pe Lau­ra, was nach einer däm­li­chen Souli­mi­ta­to­rin (vgl. „Duffy“, „Ade­le“ oder „Lena“) aus­sieht, aber gar nicht so klingt:

Lau­ra „Widow’s Son“ Live (HD, Offi­ci­al) | Mosh­cam

Das jüng­ste Album „Twel­ve Hundred Times“ erschien bereits 2011 und schafft es somit nicht in die Halb­jah­res­li­ste 06/2012, ist den­noch sehr emp­feh­lens­wert. Atmo­sphä­ri­scher Post­rock ohne die gen­re­üb­li­che Belie­big­keit – das weiß wohl zu gefal­len.

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt C: Inter­es­sant­sein kostet.

Wäh­rend drü­ben in Nord­rhein-West­fa­len die dau­er­brei­ten Grü­nen ihren schier unglaub­li­chen Wahl­ge­winn von minus 0,1 Pro­zent fei­ern, bastelt man bei Face­book noch in letz­ter Minu­te an einem bes­se­ren Finan­zie­rungs­kon­zept anläss­lich des eige­nen Bör­sen­gangs, denn wirk­li­chen Wert hat man ja nicht vor­zu­wei­sen.

Der neue­ste Vor­stoß ist bezeich­nend, er zeigt, wie ver­zwei­felt Face­book sein muss:

Face­book testet in Neu­see­land eine Bezahl­funk­ti­on, mit der nor­ma­le Mit­glie­der – nicht etwa Unter­neh­men – ihre Nach­rich­ten künst­lich auf­wer­ten kön­nen. Wird Bares über den Tisch gereicht, erscheint eine neue Mel­dung her­vor­ge­ho­ben in der Rubrik „Top Sto­ries“, sobald sich ein Face­book-Freund auf der Sei­te anmel­det. Damit wür­de sicher­ge­stellt, dass alle Freun­de die Mel­dung auch wirk­lich lesen (müs­sen).

Für ein paar Euro kann man so sicher­stel­len, dass das eige­ne „ich bin gera­de sau­fen mit xxx und yyy“ eine höhe­re Prio­ri­tät bekommt als ähn­li­che Mit­tei­lun­gen ande­rer Benut­zer, denn das ist wirk­lich immens wich­tig für ein polier­tes Selbst­be­wusst­sein.

Denn das ist genau das, was Face­book noch gefehlt hat.

PolitikSonstiges
„Das ist mei­ne FDP“

Die Nord­rhein-West­fa­len haben es gera­de nicht leicht: Über­all müs­sen sie die­ser Tage unfrei­wil­li­ge Komik zur Kennt­nis neh­men, weil schon wie­der Wah­len anste­hen und die Stirn von den daher unver­meid­li­chen zahl­rei­chen Schlä­gen mit der fla­chen Hand schon ganz wund ist.

Aus die­sem Grund ist es doch erbau­lich, wenn man etwas hat, wor­auf man sich ver­las­sen kann, zum Bei­spiel Chri­sti­an Lind­ner und sei­ne F.D.P.:

Die­ses Bild, auch als Pla­kat vie­ler­orts zu fin­den, ist der­art vol­ler Sym­bo­lik, dass ich es für ange­mes­sen hal­te, es ein wenig aus­führ­li­cher zu betrach­ten.

Erstens: Das all­ge­mei­ne Erschei­nungs­bild.

Even­tu­ell ist Chri­sti­an Lind­ner nicht die Ide­al­be­set­zung für ein groß­for­ma­ti­ges Wahl­pla­kat, er ist doch all­zu aus­tausch­bar. Sein Aller­welts­ge­sicht wird deut­lich, wenn man es ein­fach mal direkt ver­gleicht, zum Bei­spiel mit dem gei­stes­kran­ken, macht­be­ses­se­nen Mas­sen­mör­der „Der Master“ (dar­ge­stellt zuletzt von John Simm) aus „Doc­tor Who“:

Zwei­tens: Die Klei­dung.

Im schwar­zen Anzug und Kra­wat­te stellt Chri­sti­an Lind­ner hier den Pro­to­ty­pen des glatt­po­lier­ten Mana­gers dar, pas­send geklei­det für Hoch­zeit, Beer­di­gung und all­jähr­li­che Gehalts­ab­rech­nung, die, wie immer, viel zu hoch für die Schul­den­la­ge Deutsch­lands ist, was aber ande­rer­seits auf die typi­sche Kli­en­tel sei­ner Par­tei, eben Mana­ger und der­glei­chen Geschmeiß, äußerst attrak­tiv wirkt. Und wel­cher Wäh­ler wür­de einem Mann im Anzug miss­trau­en?

Drit­tens: Die Hal­tung.

Was um alles in der Welt macht Chri­sti­an Lind­ner da mit sei­ner rech­ten Hand? Aus­ge­streckt – dem Wäh­ler ent­ge­gen – ist sie nicht, denn dann wäre der rech­te Arm deut­lich zu kurz. Hält er etwas in der Hand – etwa ein totes Huhn oder ein Sex­spiel­zeug? War­um wur­de es weg­re­tu­schiert?

Die­sen Feh­ler gilt es rück­gän­gig zu machen:

Schon bes­ser.

Vier­tens: Das Mot­to.

„Soli­de Finan­zen statt teu­re Ver­spre­chen“. Schön und gut, aber wes­sen Finan­zen sind gemeint – etwa die in der Par­tei­kas­se? Von soli­den Finan­zen beim Bür­ger hält die F.D.P. bekannt­lich nicht viel: „FDP-Poli­ti­ker Kubicki schlägt Steu­er­erhö­hung vor“. Eigent­lich blei­ben ja dann nur die Finan­zen der bereits erwähn­ten typi­schen F.D.P.-Klientel übrig, der Anzug tra­gen­den Acker­män­ner die­ses Lan­des. Dass die ein soli­des finan­zi­el­les Fun­da­ment ihr eigen nen­nen sol­len, ist natür­lich auch mal eine inter­es­san­te For­de­rung; damit dies­mal wenig­stens die Groß­ak­tio­nä­re nicht, wie noch 1929, ihr blau­es Wun­der erle­ben.

Außer­dem heißt es „statt teu­rer Ver­spre­chen“, Herr­gott­noch­eins.

(Mit Dank an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt IC: „Das biss­chen Tot­schlag bringt uns nicht gleich um.“

Glück gehabt, sagt die Finan­cial Times Deutsch­land:

Das biss­chen Infla­ti­on kön­nen wir uns lei­sten

Denn trotz all der Ret­tungs­schir­me und der Mana­ger­ge­häl­ter für Ses­sel­fur­zer in irgend­wel­chen Auf­sichts­rä­ten haben die Deut­schen immer noch so viel Geld, dass wir uns eigent­lich schä­men soll­ten, bis­lang so tol­le Wer­te vor­zei­gen gekonnt zu haben:

Zwei­tens kann sich die deut­sche Volks­wirt­schaft eine gemä­ßig­te Teue­rung der­zeit lei­sten. (…) [T]otale Sta­bi­li­tät der Prei­se ist nun mal kein Wert an sich.

Sta­bi­le Prei­se scha­den sogar, näm­lich dem Wachs­tum, und wo nichts wächst, kann man nichts ern­ten; und im Dienst des Wachs­tums soll­ten wir uns geehrt füh­len, mehr bezah­len zu dür­fen, damit bald etwas wächst in den Kas­sen, wenn auch nicht in unse­ren.

Solan­ge die Gesamt­ent­wick­lung in der Euro-Zone also noch unter Kon­trol­le ist, solan­ge die Lohn­for­de­run­gen und Prei­se nicht explo­die­ren und solan­ge Unter­neh­men wie Ver­brau­cher nicht in Teue­rung­s­pa­nik ver­fal­len – so lan­ge muss Deutsch­land das Infla­ti­ons­ge­re­de nicht fürch­ten.

So lan­ge sich kei­ner fürch­tet, muss sich kei­ner fürch­ten. Dass der „FTD“-Artikel eine Reak­ti­on auf die Furcht ist, lässt erken­nen, wo hier das Pro­blem liegt.

„Wir haben alles unter Kon­trol­le, Situa­ti­on nor­mal.“
– Han Solo