PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXV: Mit Feld­jä­gern gegen Kau­gum­mi­spucker

Schwe­re Zei­ten für Schwarz­fah­rer, Raser und Leu­te, die bei Rot über Ampeln gehen: Dem­nächst wer­det ihr nicht nur von Rent­nern auf­ge­schrie­ben, son­dern auch von der Bun­des­wehr gejagt.

Die Bun­des­wehr darf auch bei Ein­sät­zen im Inland in Aus­nah­me­fäl­len mili­tä­ri­sche Mit­tel zur Abwehr von Gefah­ren ein­set­zen. Das hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­den.

Die­se „Aus­nah­me­fäl­le“ sind genau so klar defi­niert wie die Vor­aus­set­zun­gen zum Ein­satz des Staats­tro­ja­ners, räus­per:

In ihrem Beschluss unter­stri­chen die Ver­fas­sungs­hü­ter, dass bei einem Ein­satz „mili­tä­ri­scher Kampf­mit­tel“ strik­te Vor­aus­set­zun­gen zu beach­ten sei­en. Ein Ein­satz zur Abwehr von Ter­ror­an­grif­fen sei nur zuläs­sig bei „Aus­nah­me­si­tua­tio­nen kata­stro­phi­schen Aus­ma­ßes“.

Sol­che Aus­nah­me­si­tua­tio­nen sind zum Glück dank des Staats­tro­ja­ners inzwi­schen kon­kret fest­ge­legt; so könn­te man die Bun­des­wehr künf­tig ein­set­zen, um Dro­gen­dea­ler beim Geschlechts­akt zu belau­schen. End­lich tut mal jemand was!

(via @bundesamtfvs)

Nerdkrams
Schö­ne­res Bil­der­gucken mit nomacs

Ach ja, das lei­di­ge The­ma Bild­be­trach­tung.

Wie bei Text­edi­to­ren hat man die Qual der Wahl, wenn man etwas sucht, um Bild­da­tei­en kom­for­ta­bler als mit den dem Betriebssystem/der Dis­tri­bu­ti­on stan­dard­mä­ßig bei­lie­gen­den Pro­gram­men zu betrach­ten. Wäh­rend die „Foto­an­zei­ge“ von Win­dows klar zu wenig Funk­tio­nen für den mehr als nur gele­gent­li­chen Ein­satz hat, hat Gwen­view (KDE) fast schon zu vie­le.

Win­dows­nut­zer haben sich in der letz­ten Deka­de über­wie­gend auf ent­we­der das (groß­ar­ti­ge, weil ange­nehm wenig über­la­de­ne) Free­ware-Pro­gramm Irfan­View oder sei­nen fran­zö­si­schen Kon­kur­ren­ten XnView als gemein­sa­men Nen­ner geei­nigt, weil sie ihren Zweck gut erfül­len und oben­drein bestän­dig gepflegt wer­den. Ich mei­ner­seits set­ze momen­tan auf eine Kom­bi­na­ti­on aus Irfan­View und SageT­h­umbs, das mir den Ein­satz eines sepa­ra­ten Bild­be­trach­ters oft erspart.

Kom­pli­ziert wird es, wenn man meh­re­re Syste­me (etwa Win­dows und Mac OS X) ein­setzt und (wie ich) die Vor­lie­be pflegt, über­all (wo mög­lich) weit­ge­hend die glei­che Soft­ware ein­zu­set­zen. Von XnView gibt es seit einer Wei­le eine expe­ri­men­tel­le Mul­ti-Platt­form-Ver­si­on, die unter Win­dows, Mac OS X und diver­sen Linux-Dis­tri­bu­tio­nen lauf­fä­hig ist. Drei Din­ge hal­ten mich selbst bis­lang davon ab, test­wei­se von Irfan­View auf die­ses Pro­gramm umzu­stei­gen:

  1. Die Sta­bi­li­tät der Soft­ware war in einem ersten Test mei­ner­seits – wohl auch auf­grund des Ent­wick­lungs­stan­des – eher beschei­den.
  2. XnView sowie XnView­MP sind nicht unbe­dingt für eine unauf­dring­li­che Bedien­ober­flä­che bekannt (ich bin geneigt, von „über­la­den“ zu spre­chen, wohl wis­send, dass man XnView mit eini­gem Gef­rickel auch bei­na­he benut­zer­freund­lich kon­fi­gu­rie­ren kann).
  3. Es han­delt sich, anders als bei den mei­sten ande­ren mir bekann­ten Bild­be­trach­tern für Linux, um eine pro­prie­tä­re Anwen­dung, so dass es nicht ein­mal einen ideel­len Vor­teil gäbe.

Eine inter­es­san­te Alter­na­ti­ve kommt, wie so vie­les, aus Öster­reich und heißt nomacs (genau­er: „nomacs – Image Lounge“), steht unter der GPLv3 und ver­folgt den Ansatz, klein und schnell zu sein, ohne dabei an Funk­tio­na­li­tät zu ver­lie­ren; im Gegen­teil bie­tet es neben den übli­chen rudi­men­tä­ren Bear­bei­tungs­funk­tio­nen (dre­hen und beschnei­den) sogar Funk­tio­nen, die ich sonst noch nir­gends gese­hen habe, etwa die Mög­lich­keit, meh­re­re Instan­zen (lokal oder per LAN) mit­ein­an­der zu syn­chro­ni­sie­ren, so dass eine Akti­on auto­ma­tisch in allen ver­knüpf­ten Fen­stern („View­ern“) par­al­lel durch­ge­führt wer­den kann, was ziem­lich beein­druckend aus­sieht:

Für unser­ei­nen amü­san­tes Detail: Außer Deutsch, Rus­sisch und noch eini­gen Spra­chen gibt es auch eine vor­arl­ber­ge­ri­sche Ober­flä­che.

Der Name „nomacs“ stammt, so viel konn­te ich bis­lang in Erfah­rung brin­gen, von Über­le­gun­gen betref­fend den Mac­beth Color Checker, von dem ich aller­dings auch noch nie etwas gehört hat­te. Ein­präg­sam ist „nomacs“ jedoch alle­mal.

Alle wich­ti­gen Datei­for­ma­te ein­schließ­lich JPEG und PNG wer­den lesend und schrei­bend unter­stützt. Anders als Irfan­View wird zur­zeit auf ein kom­ple­xes Plugin­sy­stem und die Unter­stüt­zung von exo­ti­schen Datei­for­ma­ten ver­zich­tet, was der Per­for­manz ver­mut­lich zugu­te kommt.

nomacs ist momen­tan vor­kom­pi­liert für Win­dows, Mac OS X, OS/2 und eini­ge Linux­dis­tri­bu­tio­nen ver­füg­bar, unter ande­ren Syste­men (etwa Free­BSD) muss man es sich momen­tan noch selbst kom­pi­lie­ren. Wenn man eine der genann­ten Platt­for­men ein­setzt, soll­te man es zumin­dest ein­mal aus­pro­bie­ren; trotz der frü­hen Ver­si­ons­num­mer (zur­zeit 0.4.0) ist die Anwen­dung schon recht ansehn­lich gewor­den.


Nach­trag vom 16. August: Eine Free­BSD-Ver­si­on – aus tech­ni­schen Grün­den vor­erst ohne RAW-Unter­stüt­zung – habe ich soeben erstellt, sie muss jedoch vom Free­BSD-Team noch gesich­tet wer­den.

Netzfundstücke
Der wesent­li­che Unter­schied zwi­schen Goog­le+ und Face­book

Tech­blog­ger caschy berich­te­te gestern dar­über, dass Goog­le+ nun­mehr „spre­chen­de“ URLs für Benut­zer­pro­fi­le ein­zu­füh­ren beginnt. Dort erfuhr ich, dass ent­ge­gen mei­ner Annah­me, außer Sascha Lobo sei nie­mand mehr auf Goog­le+, offen­bar auch Brit­ney Spears dort ihr Unwe­sen treibt.

Und trotz all der Kri­ti­ker, die postu­lie­ren, sozia­le Netz­wer­ke scha­de­ten der Dis­kus­si­ons­kul­tur im Inter­net, hat sich auf Goog­le+ inzwi­schen ein intel­lek­tu­el­les Mit­ein­an­der eta­bliert, das sicher­lich sei­nes­glei­chen sucht.

NetzfundstückeNerdkrams
ToS;DR

Juri­stisch nicht unin­ter­es­sant sind ja auch die AGB (vul­go auch AGBs bzw., beson­ders ekel­haft, AGB’s, also All­ge­mei­ne Geschäftsbedingungen’s) der mei­sten Inter­net­dien­ste, die man täg­lich so nutzt. Wer etwa Goog­le Dri­ve (ehe­mals „Goog­le Docs“ (ehe­mals „Goog­le Text & Tabel­len“)) zum Erstel­len geschäft­li­cher Doku­men­te nutzt, der weiß viel­leicht gar nicht, dass er zeit­wei­se das Nut­zungs­recht an die­sen Doku­men­ten an Goog­le über­tra­gen hat­te.

(Wes­halb man das mit der cloud in Deutsch­land im geschäft­li­chen Umfeld ja auch gar nicht machen darf, weil die Kon­trol­le über die eige­nen Daten nichts ist, was man out­sour­cen soll­te, sonst hat sich das mit den Geschäfts­ge­heim­nis­sen dann auch bald erle­digt; aber wir schwei­fen ab.)

Wie wir kul­tu­rell inter­es­sier­ten Men­schen spä­te­stens seit der South-Park-Fol­ge „HUMAN­CEN­Ti­PAD“ wis­sen, könn­te das Nicht­le­sen von Nut­zungs- und/oder Geschäfts­be­din­gun­gen unter Umstän­den zu Pro­ble­men füh­ren, die gra­vie­ren­den Ein­fluss auf unser Leben haben kön­nen. Dum­mer­wei­se sind sel­bi­ge Bedin­gun­gen meist so umfang­reich (oder schlicht stink­lang­wei­lig), dass der übli­che Klick auf „Ich habe die Bedin­gun­gen gele­sen und bin mit ihnen ein­ver­stan­den“ eine der häu­fig­sten Lügen im Inter­net gewor­den ist: „Wir erfas­sen viel­leicht Ihre Tele­fon­num­mer“ (ich berich­te­te).

Im Netz­jar­gon hat sich für lan­ge, unspan­nen­de Tex­te das Akro­nym „TL;DR“ (Too Long; Did­n’t Read – „zu lang, nicht gele­sen“) eta­bliert. Auf die­se Abkür­zung ist wahr­schein­lich der Name des Dien­stes ToS;DR (Terms of Ser­vice; Did­n’t Read – „AGB; nicht gele­sen“) zurück­zu­füh­ren, des­sen Betrei­ber momen­tan noch mit Unter­stüt­zung von den Benut­zern die AGB vie­ler gro­ßer Web­dien­ste in Stich­punk­ten zusam­men­fas­sen und die­se Dien­ste in fünf „Klas­sen“ – je nach Frei­heit der AGB – ein­tei­len.

Mar­tin Wei­gert berich­tet:

Die im Auf­bau befind­li­che Web­site listet momen­tan 32 bekann­te Dien­ste, von Face­book über Goog­le und fours­qua­re bis zu Twit­ter und Drop­box, und ver­sucht sich an einer kom­pak­ten Zusam­men­fas­sung der wich­tig­sten Bedin­gun­gen sowie an einer Kate­go­ri­sie­rung der ein­zel­nen Anfor­de­run­gen aus­ge­hend von den vier Attri­bu­ten “gut”, “mit­tel­mä­ßig”, “alar­mie­rend” und “infor­ma­tiv”. Das Ziel der Macher ist es, für jeden auf­ge­führ­ten Ser­vice ein Gesamt­prä­di­kat zu ver­ge­ben, das einen Ein­druck über die Aggres­si­vi­tät und Benut­zer­freund­lich­keit der jewei­li­gen Geschäfts­be­din­gun­gen ver­mit­telt.

Natür­lich sind AGB immer nur unge­fäh­re Richt­li­ni­en, und nicht alles, was ein Unter­neh­men sich in ihnen erlaubt, wird es auch tun. Vor­sicht ist den­noch gebo­ten: Der belieb­te Bild­ho­sting­dienst Twit­pic etwa bean­sprucht ähn­lich Face­book vol­le Rech­te an jedem hoch­ge­la­de­nen Bild und löscht auch „gelösch­te“ Bil­der nicht.

Auf der ToS;DR Working Group, einer Mai­ling­li­ste, kann über Dien­ste dis­ku­tiert wer­den, die noch nicht voll­stän­dig ana­ly­siert und klas­si­fi­ziert wor­den sind. ToS;DR ist also ein schnell wach­sen­des Pro­jekt, das Auf­merk­sam­keit ver­dient. Mei­ne hat es hier­mit bekom­men.

Netzfundstücke
Mary J. Bli­ge – Fami­ly Affair

Und ich: Radio.

Plötz­lich: Mary J. Bli­ge und Rhyth­mus dabei.

We’­re gon­na cele­bra­te all night
Let’s have fun tonight, no fights

(Dar­ge­bo­ten und beju­belt wur­den die­se Zei­len übri­gens auch 2011 anläss­lich der Ver­an­stal­tung „Tri­bu­te to the Tro­ops“, „Ein Tri­but für die Sol­da­ten“ also. Kei­ne Poin­te.)

Guten Mor­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXIV: Todes­en­gel für Afgha­ni­stan

Was übri­gens auch ziem­lich tra­gi­ko­misch ist, ist ja die Geschich­te der Klas­se 2b der Gemein­schafts­grund­schu­le in Gum­mers­bach-Bern­berg, deren Sach­kun­de­leh­re­rin Mecht­hild Sül­zer, tief­trau­rig ob des Umstan­des, dass die deut­schen Mör­der­ban­den in Afgha­ni­stan nicht mal über Weih­nach­ten eine Mord­pau­se ein­le­gen dür­fen, eine tol­le Idee hat­te:

Gemein­sam mit ihren Schü­lern, der soge­nann­ten „Dra­chen­klas­se“ bastel­te sie Schutz­en­gel und schick­te die­se ins Camp Mar­mal nach Mazar e‚ Sha­rif.

Damit die armen Sol­da­ten sich nicht fürch­ten, wenn um sie her­um alles explo­diert, bekom­men sie Kin­der­ba­ste­lei­en zu Weih­nach­ten. Juch­hei!

Im neu­en Schul­jahr inte­grier­te Frau Sül­zer aktu­el­le Infor­ma­tio­nen zum deut­schen Ein­satz in Afgha­ni­stan in den täg­li­chen Schul­all­tag der Erst­kläss­ler und neu­en „Dra­chen­kin­der“. Jeden Mor­gen wird seit­her bei Unter­richts­be­ginn die aktu­el­le Uhr­zeit im Ein­satz­land und das dor­ti­ge Wet­ter ver­kün­det.

Aktul­le Infor­ma­tio­nen, Uhr­zeit, Wet­ter. Das Ober­kom­man­do der Wehr­macht gibt bekannt… – so weit, so doof.

Aller­dings scheint es zum Hand­werks­zeug einer Grund­schul­leh­re­rin zu gehö­ren, immer noch eine Schip­pe Doof­heit drauf­wer­fen zu kön­nen:

Außer­dem schlie­ßen die Kin­der die im Ein­satz befind­li­chen deut­schen Sol­da­ten täg­lich ins mor­gend­li­che Gebet ein.

Es ist 2012 nach west­li­cher Zeit­rech­nung, und an einer öffent­li­chen Grund­schu­le, deren Insas­sen Schü­ler nor­ma­ler­wei­se alters- und bil­dungs­be­dingt noch nicht vor Indok­tri­na­ti­on gefeit sind, gibt es jeden Tag ein mor­gend­li­ches Gebet – ich unter­stel­le: zum christ­li­chen Gott – für deut­sche Sol­da­ten.

Damit die Klei­nen schon mal ler­nen, wie hart das Leben sein kann, neh­me ich an.

(via @Fritten)

Persönliches
Mas­ken­ball

Und dann sitzt man wie­der in sei­nem selbst errich­te­ten Gefäng­nis aus Möbeln und Medi­en und blickt nach drau­ßen, wo die Nach­mit­tags­son­ne durch die Bäu­me scheint.

Die Nacht unter kla­rem Ster­nen­him­mel vol­ler Per­sei­den erscheint unglaub­lich weit ent­fernt. Ster­ne waren noch nie so schnup­pe wie in die­sem Augen­blick. Man hat­te gemein­sam geträumt von (einer bes­se­ren Welt und) der Erfül­lung der naiv­sten Wün­sche, die das Unter­be­wusst­sein gera­de nach oben spül­te. Einem Jeden das Sei­ne, und alles, was vom Traum blieb, ist eine Flut an Erin­ne­run­gen und Ebbe im Her­zen.

„Die Son­ne scheint, als wär‘ es ihr egal.“
– Farin Urlaub

Man ist noch geblen­det vom eige­nen Lebens­traum und (der ver­damm­ten Son­ne und) blickt ver­schla­fen in frem­de Gesich­ter.
Jubel + Tru­bel ≈ Hei­ser­keit.

Das Tor in die Welt der Nar­ren ist noch nicht ver­schlos­sen, ihr Ruf noch nicht ver­hallt. Man hat die Mas­ke, die man jeden Tag trägt, wie­der auf­ge­setzt und dreht sich weh­mü­tig um, die Augen starr nach vorn gerich­tet.

„When I was down …“ – „… I was your clown.“
– Elton John

Frei­heit schmeckt nach mehr. (Min­de­stens halb­gar bis 2012.)
Und dazu ein trocke­ner (Humor oder jeden­falls) Rot­wein vor dem Kamin bezie­hungs­wei­se eben ’ne Cola und ein Eis.

Frei­heit schmeckt kleb­rig.

Persönliches
Gedan­ken im Zug

Aus mei­nem Sin­nie­ren über die eigen­ar­ti­ge Pro­test­kul­tur in die­sen unru­hi­gen Zei­ten wer­de ich unsanft her­aus­ge­ris­sen.

Im Zug neben mir sitzt ein jun­ges Pär­chen, bei­de offen­bar nicht älter als 17, und sie spre­chen unent­wegt mit­ein­an­der. Nun, genau­er gesagt: Sie spricht, er glotzt, nur gele­gent­lich unter­bro­chen von – selbst­ver­ständ­lich wenig dezen­tem – Knut­schen und Schmat­zen, gefolgt von eben­sol­chem bei­der­sei­ti­gem Geki­cher.

Inmit­ten ihres Mono­logs holt sie bil­li­ge Phil­ips-Ohr­hö­rer aus einer Tasche und erwehrt sich der Ver­su­che ihres Beglei­ters, sel­bi­ge zu begut­ach­ten. Die Schmer­zen, die die Par­füm­wol­ke bei Umsit­zen­den her­vor­ruft, machen sich all­mäh­lich neb­lig bemerk­bar, aber man ist ja sozi­al und rennt nicht ein­fach in ein ande­res Abteil, um dort zu kot­zen.

Zu Wort kommt er wäh­rend der gan­zen Fahrt nur ein­mal, damit er ihr die Gescheh­nis­se wäh­rend einer Shi­sha- und Trink­fei­er schil­dern kann, der er im Alter von 14 Jah­ren bei­gewohnt hat­te. Sie schaut inter­es­siert, äußert jedoch nach jedem Halb­satz abwech­selnd ihre Ver­wun­de­rung dar­ob, dass man mit 14 der­lei Din­ge tut, und ihre Über­zeu­gung, dass sie in dem Alter – also nach eige­ner Aus­sa­ge im Vor­jahr – ja nicht so war.

Den bei­den gebe ich kei­ne zwei Wochen mehr. Mir aller­dings – ange­ruchs der Wol­ke, die bereits das Abteil aus­füllt – sage ich auch kei­ne gro­ße Zukunft mehr vor­aus.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt CXIII: Aus den Augen, aus dem Sinn: Hans-Wer­ner und die Schwäch­lin­ge

Wenn es um die Euro­kri­se geht, sind die selbst ernann­ten „Exper­ten“ in so gro­ßer Zahl vor­han­den, dass man sich wun­dert, wie­so es eigent­lich noch Arbeits­lo­se gibt. Nur weni­ge die­ser „Exper­ten“ schaf­fen es zu dau­er­haf­ter Medi­en­prä­senz. Einer von ihnen ist Hans-Wer­ner Sinn, sei­nes Zei­chens so genann­ter „Top-Öko­nom“, gele­gent­lich im Auf­trag von BILD aktiv, was eigent­lich schon alles Nöti­ge über ihn aus­sagt.

Die­ser Hans-Wer­ner Sinn nun hat­te eine tol­le Idee:

Ein Land, das den Euro ver­lässt, bekommt sei­ne eige­ne Wäh­rung zurück, erhält den Sta­tus eines „ange­schlos­se­nen Mit­glieds“ („asso­cia­ted mem­ber“) und darf in der Euro­päi­schen Uni­on blei­ben.

Das klingt nach einem Ange­bot, das man (Grie­chen­land, A.d.V.) nicht aus­schla­gen kann. Man bleibt in der EU mit all ihrem büro­kra­ti­schen Fir­le­fanz, muss aber nicht mehr für ande­re Län­der haf­ten. Aber wie soll Grie­chen­land dann die eige­ne Wirt­schaft wie­der in Schwung bekom­men? Auch dar­auf hat Hans-Wer­ner Sinn gemein­sam mit Fried­rich Sell von der „Bun­des­wehr Uni­ver­si­tät“ – nur echt mit Dep­pen Leer­zei­chen, ist eben nur Armee und nichts, wofür man schrei­ben kön­nen muss – in Mün­chen eine pri­ma Ant­wort:

Gleich­zei­tig blei­ben die reform­be­dürf­ti­gen Staa­ten in der Euro­päi­schen Uni­on. Sie behal­ten damit ihre Ansprü­che auf die Brüs­se­ler För­der­töp­fe.

Sie bekom­men also wei­ter­hin Geld, aller­dings ohne die Auf­la­gen, die eine Mit­glied­schaft in der Wäh­rungs­uni­on mit sich bräch­te.
Das klingt nach einem Plan, wie ihn sich nur ein Hans-Wer­ner Sinn aus­den­ken kann: Es wird wei­ter­hin jemand zah­len, dies­mal aber nicht der Steu­er­zah­ler, son­dern das abstrak­te pars pro toto Brüs­sel. Wer das wohl ist?

Unter die­sem Gesichts­punkt wür­de ich aller­dings auch gern den Euro ver­las­sen. Wo muss ich das bekannt­ge­ben?

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­emp­feh­lung: Buil­dings – Melt Cry Sleep

Mir flat­ter­te (in zumin­dest die­sem Zusam­men­hang eigent­lich ein eigen­ar­ti­ges Wort, nicht?) bereits am ver­gan­ge­nen Frei­tag das zumin­dest in den USA bereits 2011 erschie­ne­ne Album „Melt Cry Sleep“ des US-ame­ri­ka­ni­schen Tri­os Buil­dings („Gebäu­de“) pro­mo­ti­ons­hal­ber ins Haus, und ich freue mich dar­über. Der unver­meid­li­che Peter nennt das dann ein­fach mal „eines der besten Rock­al­ben des Jah­res“ und meint damit dann wahr­schein­lich 2011, zumal 2012 noch vie­les erschei­nen wird. Zu viel Zeug, zu wenig Zeit.

Und aber jeden­falls: Buil­dings. Ich erlau­be mir an die­ser Stel­le eine Kür­zest­re­zen­si­on. Musik mit cojo­nes, und das nicht wenig. Ein ziem­li­ches Rock­brett, in low fide­li­ty dem Noi­se­r­ock frö­nend – oder ist’s doch der Punk? Math-Rock? Hard­core? Post-irgend­was? Das Anhef­ten von Gen­re-Attri­bu­ten erwie­se der Grup­pe einen Bären­dienst.

An ver­schie­de­nen Stil­merk­ma­len fehlt es den „Buil­dings“ tat­säch­lich nicht. Ihrer tags auf Bandcamp.com: Rock, Thrash, Grunge und Punk. Dabei neh­men sie aus jeder der ange­spro­che­nen Schub­la­den das her­aus, was her­vor­ra­gend zuein­an­der passt: „Melt Cry Sleep“ klingt wie eine düste­re Mischung aus The Cure, The Clash, Sonic Youth und dem Debüt­al­bum von …And You Will Know Us by the Trail of Dead. Um noch­mals die Selbst­be­schrei­bung her­an­zu­zie­hen: „Musik, die eure Mut­ter has­sen wür­de“.

Natür­lich gibt es an die­sem anson­sten sehr emp­feh­lens­wer­ten Album auch etwas zu mosern: Mit nur etwas mehr als einer hal­ben Stun­de Lauf­zeit ist es ein wenig kurz gera­ten. Aber um die Län­ge soll’s ja auch nicht immer gehen.

Hören und kau­fen kann man „Melt Cry Sleep“ via Band­camp, im Fal­le ver­ständ­li­cher Daten­spar­sam­keit in digi­ta­ler Form für ein wenig mehr Geld auch per Amazon.de. Man tue dies zahl­reich.

SonstigesFotografie
Ach, übri­gens, „YouShi­Me“!

Eure fort­wäh­ren­de Deutsch-Eng­lisch-Mix­tur mag nied­lich unbe­hol­fen wir­ken und ist gele­gent­lich bei­na­he taug­lich für so Blogs, denn bei „you shi- me“ denkt man als gele­gent­lich puber­tä­re Witz­chen für amü­sant befin­den­der Eng­lisch­spre­cher eigent­lich nicht an Ess­ba­res.

Aber manch­mal ist auch das mit nur Eng­lisch bzw. nur Deutsch nicht so ein­fach, nicht?

Lecker Menschengeschmack

(Und, mal ehr­lich, „Alles auch als take-away“ klingt ja locker-flockig, aber für „bit­te nur nach cash“ war doch sicher auch noch Platz. Oder war your desi­gner zu expen­si­ve?)

Herr­gott­noch­eins.

PersönlichesSonstiges
Gruß­los ver­schwin­den

Zu den eigen­ar­tig­sten Marot­ten der Men­schen gehört die ange­streng­te Höf­lich­keit, das Dre­schen von Phra­sen als Pla­ce­bo für tat­säch­li­ches Inter­es­se an jeg­li­cher Zwi­schen­mensch­lich­keit. So ist es etwa selbst­ver­ständ­lich, sich zur Begrü­ßung gegen­sei­tig die Hand zu geben, ein Relikt aus Urzei­ten, um dem Gegen­über zu zei­gen, dass man zumin­dest in der gege­be­nen Hand kei­ne Keu­le trägt, mit­hil­fe derer man im Fal­le unlieb­sa­mer Gesprächs­ver­läu­fe dem jewei­li­gen Gesprächs­part­ner andern­falls eines auf die Nuss geben könn­te. Eine ähn­lich abson­der­li­che Eigen­art ist es, am Tele­fon wie sonst nur im Mili­tär als Begrü­ßungs­flos­kel statt „Hal­lo“ sei­nen Nach­na­men zu ver­wen­den; mit dem Sie­ges­zug der Mobil­te­le­fo­ne und somit der direk­ten Zuord­nung von der Num­mer zu einer mehr oder weni­ger ein­deu­ti­gen Per­son ist immer­hin sel­bi­ge im Schwin­den begrif­fen.

Und dann wäre dann noch das mit dem Grü­ßen.

Wann immer man in Gegen­wart gemein­sa­mer Bekann­ter tele­fo­niert, wann immer man einen Besuch bei sol­chen ankün­digt, die auf­ge­bür­de­te Bit­te ist stets die glei­che: „Grüß mal schön!“, manch­mal auch ein­fach „Grüß mal!“, wohl um zu sug­ge­rie­ren, dass ein unschö­ner Gruß voll­kom­men genügt, was das Grü­ßen emo­tio­nal wesent­lich ver­ein­fa­chen soll­te. Das Resul­tat ist meist, dass der um sol­ches Gebe­te­ne in sein Gespräch ein unbe­tei­ligt klin­gen­des „ach so, schön‘ Gruß übri­gens von [Name des Auf­trag­ge­bers]“ ein­flie­ßen lässt, wor­auf meist ein eben­sol­ches „Gruß zurück!“ als Erwi­de­rung folgt, was den Gesprächs­fluss ins Stocken bringt, dem Boten eine wei­te­re Pflicht auf­er­legt und nie­man­dem einen tat­säch­li­chen Mehr­wert ver­schafft, nicht ein­mal dem ursprüng­lich Grü­ßen­den.

Ich erläu­te­re das mal am Bei­spiel mei­ner eige­nen Per­son: Wenn ich jeman­dem einen Gruß zukom­men las­sen möch­te, dann neh­me ich Kon­takt mit ihm auf. Ist mir das nicht mög­lich, dann hat dies in aller Regel zwei mög­li­che Ursa­chen:

1. Ich ken­ne die Kon­takt­da­ten nicht.

In dem Fall wer­de ich sie auch mit einem net­ten Gruß nicht erhal­ten, son­dern, indem ich die Per­son, die mit der gewünsch­ten Kon­takt­per­son zu ver­keh­ren beab­sich­tigt, dar­um bit­te, sie mir zukom­men zu las­sen, sofern sel­bi­ge Kon­takt­per­son kei­ne Ein­wän­de erhebt. Andern­falls trifft zu:

2. Die Kon­takt­per­son erhebt Ein­wän­de.

Falls jemand aus Grün­den ver­sucht, jeden Kon­takt mit mir zu ver­mei­den, so wäre ein Gruß nicht unbe­dingt ange­bracht. Er wür­de die Stim­mung wahr­schein­lich nicht zu heben imstan­de zu sein. Eine Aus­nah­me stellt es dar, wenn ich in der Lau­ne bin, besag­ten Jemand bewusst zu pro­vo­zie­ren, wie es eben so mei­ne Art ist, und ihn genau des­halb wis­sen zu las­sen, dass ich ihn gern grü­ßen wür­de. Dies ist der ein­zi­ge für mich ver­ständ­li­che Anlass, das Grü­ßen über einen Mit­tels­mann durch­zu­füh­ren. Wel­chen Anlass aber haben die ande­ren Men­schen?

Dass man das eben so macht, ist ein Grund, der mir nicht zusagt. Vor nicht all­zu lan­ger Zeit hat man grund­sätz­lich mit jedem Gesprächs­part­ner einen Segens­wunsch für den sei­ner­zeit gegen­wär­ti­gen Dik­ta­tor aus­ge­tauscht, den – also den Wunsch – man eben­falls als Gruß ver­wen­de­te und kon­se­quent bezeich­ne­te. Das mach­te man eben so. Und auch, wenn ich mei­nen gan­zen „Opti­mis­mus“ zusam­men­neh­me und davon aus­ge­he, dass merk­wür­di­ge Riten allein nicht dazu füh­ren wer­den, dass wir in Bäl­de jedem unse­rer Gesprächs­part­ner einen Gruß an unse­ren dann aktu­el­len Kanz­ler mit auf den Weg geben müs­sen, um nicht schwer an den andern­falls zu erlei­den­den Fol­gen tra­gen zu müs­sen, so hal­te ich es doch für ange­mes­sen, gele­gent­lich Din­ge, die man eben so macht, kri­tisch zu hin­ter­fra­gen.

Und gruß­los zu ver­schwin­den.

In den Nachrichten
Olym­pia 2012: Die Letz­ten wer­den die Letz­ten sein

(Vor­be­mer­kung: Aus all­ge­mei­nem Des­in­ter­es­se am Sofasport wer­de ich mich zu sport­li­chen The­men auch wei­ter­hin nur in gebo­te­ner Kür­ze äußern.)

Momen­tan fin­den die Medi­en es ja höchst beacht­lich, dass wäh­rend der Olym­pi­schen Spie­le 2012 eini­ge Mann­schaf­ten absicht­lich schlecht spie­len, um sich so eine bes­se­re Aus­gangs­po­si­ti­on zu ergau­nern.

Ich ver­ste­he die Auf­re­gung nicht. Ein­tracht Braun­schweig spielt seit Jah­ren so schlecht, dass das kein Zufall mehr sein kann, und offen­sicht­lich nie­mand fin­det das ernst­haft ver­werf­lich. (Aller­dings schafft Ein­tracht Braun­schweig es auch seit Jah­ren nicht auf eine gute Ausgangs‑, also Tabel­len­po­si­ti­on. Tja.)

Dass übri­gens die deut­schen Olym­pio­ni­ken bis­lang medail­len­arm blei­ben, spricht für sie. Selbst, wenn sie gedopt wor­den sind: Nicht lei­stungs­stei­gern­de Mit­tel sind nicht zu bean­stan­den.

(Mit Dank an L. für den Hin­weis.)