Offenbar findet zurzeit wieder eine Fußballmeisterschaft statt, wie die beeindruckende Zahl an deutschen Flaggen an jeder möglichen und unmöglichen Stelle zeigt. Natürlich dienen diese allein dem Zweck, die deutsche Mannschaft zu unterstützen, denn selbstverständlich spielen die deutschen Gurken (5 Gegentore durch die Schweiz. Die Schweiz!) weniger mies, wenn sich die Zuschauer von irgendwelchen Negerkindern in Dritteweltländern zusammengetackerte Flaggen an ihr japanisches, koreanisches oder spanisches Auto kleben.
Mit dem außerhalb Deutschlands durchaus erwünschten “Nationalismus” — meinten Sie: Patriotismus? — habe diese Lust am Bebildern nichts zu tun, sondern mit Solidarität mit der eigenen Mannschaft, heißt es.
Es ist schon merkwürdig: Bislang war ich der Ansicht, im Sport ginge es darum, dass der Bessere am Ende als Sieger hervorgeht, einmal abgesehen vom Radsport, wo letztlich der Teilnehmer mit dem besten Arzt das Rennen macht, und vom Imkreisfahren (“Formel 1”), das ich nicht als Sportart akzeptiere. Warum sollte das ausgerechnet beim Fußball anders sein?
Meine “Heimmannschaft” — die Fußballmannschaft meines gegenwärtigen Aufenthaltsortes — ist derart untalentiert, dass sie von einer nennenswerten Liga weit entfernt ist. Die erfolgreichste Fußballmannschaft aus dem weiteren Umkreis ist Eintracht Braunschweig, momentan Zweitligist und nicht unbedingt spielerisch überzeugend. Sollte ich nun Anhänger dieser Mannschaft werden, weil ich alle paar Wochen einmal in der Nähe ihres Stadions unterwegs bin, obwohl ich ihr keinen größeren Erfolg in absehbarer Zeit voraussage? Ich meine: Nein.
Und so ist das auch mit unserer Mannschaft, der “deutschen Elf”. Ich beurteile Fußballmannschaften nach ihrem spielerischen Können und nicht nach der Nationalität ihrer Spieler. (Über die Herkunft der “deutschen Spieler” reden wir lieber gar nicht erst, sonst bliebe von der deutschen Elf wohl keine zweistellige Zahl mehr übrig.) Der großartige Erfolg dieser Mannschaft während der letzten internationalen Wettbewerbe lässt nur den Schluss zu, dass sich ein Anhängertum der deutschen Mannschaft nicht mit Rationalität erklären lässt.
Jaha, “Deutschland jubelt”. Mit Brot (Grillwurst) und Spielen (Fußball) wird davon abgelenkt, was die Bundesregierung in ihrem stillen Kämmerlein wieder für Gesetzesinitiativen plant. Mit jedem Tor fällt ein weiteres Bürgerrecht? Ach, wer redet schon von Politik? Tooooor! — Tore fallen und Toren jubeln, wahrscheinlich heißt es deswegen “Torjubel”.
Zum Glück dauert dieser kollektive Masochismus, dieses unterwürfige Verlangen danach, sich mit einer Verlierertruppe zu solidarisieren und identifizieren, nicht lange an. Sobald unsere Mannschaft nicht mehr mitspielt, ebbt das Interesse am Fußballsport regelmäßig ab, denn wer will schon zweiundzwanzig schwitzende Männer sehen?
Spätestens also am 17. Juni. Ich freue mich darauf.

So wie es gerade aussieht, musst du dich wohl noch etwas länger als den 17. Juni gedulden ;-)
Ich hab’ Zeit.