KaufbefehleMusikkritik
The Ex: Jazzexperimente aus den Niederlanden

Ein aus­nahm­sweise nur kurz­er musikalis­ch­er Ein­wand für meine Musik hören­den Leser:

Der Zufall ließ mich in dieser Woche auf die nieder­ländis­che For­ma­tion The Ex stoßen. Das Quar­tett wurde 1979 gegrün­det, ist auf namhaften Jaz­zfes­ti­vals wie dem Roskilde Fes­ti­val und, wieso auch immer, auf dem ital­ienis­chen Anti Fas­cist Fes­ti­val 1981 in Bologna aufge­treten und hat bis dato 25 Musikalben veröf­fentlicht.

Von den ursprünglich drei Grün­dungsmit­gliedern ist nur noch Gitar­rist Ter­rie Hes­sels an Bord. Trotz fortschre­i­t­en­den Alters aber spie­len sie noch immer einen druck­vollen Jaz­zrock mit Free-Jaz­z‑, Punk- und anderen Ver­satzstück­en. Eine absolute musikalis­che Einord­nung ist schwierig, die Musik­presse behil­ft sich meist mit eigens erdacht­en Gen­res von “Afro-Punk” bis hin zu “impro­visiertem Jazz”.

Dass Jazz und Punk zusam­men­passen, mag erstaunlich scheinen, aber The Ex beherrschen die Kom­bi­na­tion. Ihr Spiel mit den Gen­res ist bere­its so leg­endär gewor­den, dass der britis­che “Guardian” im Jan­u­ar 2010 schrieb, es sei höchst unwahrschein­lich, dass es irgen­deinen Musik­stil der let­zten 50 Jahre gäbe, den The Ex noch nicht aus­pro­biert und in ihre Musik einge­bun­den — oder direkt wieder ver­wor­fen — haben.

Auf der Inter­net­seite der Band sind einige Stücke in der Orig­i­nal- oder ein­er über­ar­beit­eten Ver­sion im MP3-For­mat frei herun­terzu­laden, auch zwei bis­lang unveröf­fentlichte Lieder aus dem Jahr 2009 sind dabei. “Dou­ble Order”, eines der let­zt­ge­nan­nten bei­den Stücke, hat mich beson­ders beein­druckt; sozusagen unüber­hör­bar sind hier die Ähn­lichkeit­en mit den frühen Can eben­so wie die Wurzeln der Band im Jazz.

Ja, The Ex machen her­aus­ra­gende, viel­seit­ige, pri­ma Musik, und man sollte jedes ihrer 25 Alben kaufen und rüh­men. Diese Musik­er sind zu gut, um nicht beachtet zu wer­den.