Und wieder einmal beschleicht mich das Gefühl, die “Braunschweiger Zeitung” sei die F.D.P. unter den Tageszeitungen, das neoliberale Kampfblatt, das seine eigene Bedeutungslosigkeit nicht zu akzeptieren bereit ist. Heute fand ich in diesem furchtbaren Druckerzeugnis folgenden gleichfalls furchtbaren “Artikel”:
Als Zahlungsmittel ist der Euro für Wolfenbüttels mittelständische Unternehmen eine große Hilfe.
Ja, als was denn sonst — als Klopapier? Die Begründung für diese Behauptung finde ich aber noch famoser als ihre Formulierung:
“Wechselkurse sind Barrieren”, sagt [MKN-Geschäftsführer Georg] Weber. (…) Man sei nicht den Gefahren von Währungsschwankungen ausgesetzt.
Dass der Umstand, dass man “sogar mit den USA” Geschäfte in Euro abschließen kann, hat natürlich aber auf das Bestehen von Wechselkursen mal so überhaupt keinen Einfluss, wie ein Blick ins nächste Zeitschriftenregal bereits ganz einfach demonstrieren würde:

Dass solche Alltäglichkeiten den Schreiberlingen der “Braunschweiger Zeitung” nicht weiter auffallen, lässt sich nur damit erklären, dass sie einfach keine Zeitschriften lesen; aber das ist ja auch keine Voraussetzung, um dort zu arbeiten. Und so zeugen auch die letzten Sätze davon, dass man im Gespräch mit der Wirtschaft keine Zwischenrufe aus dem blöden Volk wünscht:
Dass der Euro am Ende sei, befürchtet man in keinem der Unternehmen. “Keiner hat ein Interesse daran”, meint [Surfactor-Geschäftsführer Gunther] Martin. (…) Wenn man zur D‑Mark zurückkehre, bekomme man Schweizer Verhältnisse. “Aber das ist schlechter als der Euro.”
Hier hat man mindestens eine Fußnote vergessen. “Keiner” ist hier selbstverständlich nicht identisch mit “niemandem”, sondern bezieht sich nur auf die Mehrheit der Gewerbetreibenden und Neureichen, die vom Euro keine nennenswerten Nachteile haben. Der Bürger sieht das anders — aber lasst den Pöbel mal quatschen. Wenn er kein Brot mehr hat, soll er eben Kuchen essen, so lange er ihn bei uns kauft, nicht wahr?
Und das mit den Schweizer Verhältnissen war vielleicht nur ein Fauxpas und gar nicht so gemeint, in der Schweiz läuft’s nämlich bestens:
Trotz schwieriger Wirtschaftslage bekommen viele Angestellte in der Schweiz für 2012 eine Lohnerhöhung. Die Bandbreite der bisher bekannten Lohnabschlüsse reicht von 0 bis über 2%. (…) Laut Ökonomenprognosen dürfte die Beschäftigung nächstes Jahr sinken und die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme um etwas unter 2% zulegen.
Dass keiner der befragten Unternehmer die Aussieht auf Lohnerhöhung zu schätzen weiß, überrascht mich nun nicht. Lohnerhöhungen sind schlechter als der Euro?
Während der Französischen Revolution hatten die Arbeiter noch eine handfeste Antwort auf so einen Blödsinn. Dummerweise ist die Enthauptung von Emporkömmlingen nach aktueller Rechtsprechung auch aus politischen Gründen nicht gestattet. Andererseits: Die Folgen (Napoleon, Sarkozy) bleiben negativ in Erinnerung.


ja, diese bösen Schweizer mit ihren bösen Löhnen und Ihren bösen Verhältnissen, wo kommen wir denn hin wenn man als Busfahrer dort jeden Arzt hier finanziell aussticht und es einen flächendeckenden Wohlstand gibt…NEIN! HIER NICHT!
Wohlstand NEIN NEIN!
Euro Euro mjam mjam mjam!