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Medienkritik LXI: Eine Währung, alle Preise

Und wieder ein­mal beschle­icht mich das Gefühl, die “Braun­schweiger Zeitung” sei die F.D.P. unter den Tageszeitun­gen, das neolib­erale Kampf­blatt, das seine eigene Bedeu­tungslosigkeit nicht zu akzep­tieren bere­it ist. Heute fand ich in diesem furcht­baren Druck­erzeug­nis fol­gen­den gle­ich­falls furcht­baren “Artikel”:

Als Zahlungsmit­tel ist der Euro für Wolfen­büt­tels mit­tel­ständis­che Unternehmen eine große Hil­fe.

Ja, als was denn son­st — als Klopa­pi­er? Die Begrün­dung für diese Behaup­tung finde ich aber noch famoser als ihre For­mulierung:

“Wech­selkurse sind Bar­ri­eren”, sagt [MKN-Geschäfts­führer Georg] Weber. (…) Man sei nicht den Gefahren von Währungss­chwankun­gen aus­ge­set­zt.

Dass der Umstand, dass man “sog­ar mit den USA” Geschäfte in Euro abschließen kann, hat natür­lich aber auf das Beste­hen von Wech­selkursen mal so über­haupt keinen Ein­fluss, wie ein Blick ins näch­ste Zeitschriften­re­gal bere­its ganz ein­fach demon­stri­eren würde:

Dass solche Alltäglichkeit­en den Schreiber­lin­gen der “Braun­schweiger Zeitung” nicht weit­er auf­fall­en, lässt sich nur damit erk­lären, dass sie ein­fach keine Zeitschriften lesen; aber das ist ja auch keine Voraus­set­zung, um dort zu arbeit­en. Und so zeu­gen auch die let­zten Sätze davon, dass man im Gespräch mit der Wirtschaft keine Zwis­chen­rufe aus dem blö­den Volk wün­scht:

Dass der Euro am Ende sei, befürchtet man in keinem der Unternehmen. “Kein­er hat ein Inter­esse daran”, meint [Sur­fac­tor-Geschäfts­führer Gun­ther] Mar­tin. (…) Wenn man zur D‑Mark zurück­kehre, bekomme man Schweiz­er Ver­hält­nisse. “Aber das ist schlechter als der Euro.”

Hier hat man min­destens eine Fußnote vergessen. “Kein­er” ist hier selb­stver­ständlich nicht iden­tisch mit “nie­man­dem”, son­dern bezieht sich nur auf die Mehrheit der Gewer­be­treiben­den und Neure­ichen, die vom Euro keine nen­nenswerten Nachteile haben. Der Bürg­er sieht das anders — aber lasst den Pöbel mal quatschen. Wenn er kein Brot mehr hat, soll er eben Kuchen essen, so lange er ihn bei uns kauft, nicht wahr?

Und das mit den Schweiz­er Ver­hält­nis­sen war vielle­icht nur ein Faux­pas und gar nicht so gemeint, in der Schweiz läuft’s näm­lich bestens:

Trotz schwieriger Wirtschaft­slage bekom­men viele Angestellte in der Schweiz für 2012 eine Lohn­er­höhung. Die Band­bre­ite der bish­er bekan­nten Lohn­ab­schlüsse reicht von 0 bis über 2%. (…) Laut Ökonomen­prog­nosen dürfte die Beschäf­ti­gung näch­stes Jahr sinken und die gesamtwirtschaftliche Lohn­summe um etwas unter 2% zule­gen.

Dass kein­er der befragten Unternehmer die Aussieht auf Lohn­er­höhung zu schätzen weiß, über­rascht mich nun nicht. Lohn­er­höhun­gen sind schlechter als der Euro?

Während der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion hat­ten die Arbeit­er noch eine hand­feste Antwort auf so einen Blödsinn. Dum­mer­weise ist die Enthaup­tung von Emporkömm­lin­gen nach aktueller Recht­sprechung auch aus poli­tis­chen Grün­den nicht ges­tat­tet. Ander­er­seits: Die Fol­gen (Napoleon, Sarkozy) bleiben neg­a­tiv in Erin­nerung.

Senfecke:

  1. ja, diese bösen Schweiz­er mit ihren bösen Löh­nen und Ihren bösen Ver­hält­nis­sen, wo kom­men wir denn hin wenn man als Bus­fahrer dort jeden Arzt hier finanziell aussticht und es einen flächen­deck­enden Wohl­stand gibt…NEIN! HIER NICHT!

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