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Über das Märchen vom großen bösen Wulff

Ach, ich verstehe die Menschen nicht mehr.

Der amtierende Bundespräsident hat sich also – als Privatmann – 500.000 Euro geliehen. Das ist sein gutes Recht. Dass nicht jeder 500.000 Euro geliehen bekommt, ist schade, aber es kann ja auch nicht jeder zurückzahlen, nehme ich an. Ich jedenfalls könnte es nicht. Und trotzdem tönt der Tenor jetzt durch das Internet:

Wir alle möchten jetzt auch mal Menschen in einem Land sein, in dem wir Darlehen von reichen Freunden zum Vorzugszins bekommen, und zwar so, dass uns das Geld in Form eines anonym ausgestellten Bundesbankschecks zugesteckt wird, damit es auch kein Aufsehen erregt, wenn wir so viel Geld zum Vorzugszins geliehen bekommen, so dass wir leichter sagen können, dass wir gar kein Geld zum Vorzugszins bekommen haben.

Ich verstehe das nicht. Das Problem derer, die aufgrund des geliehenen Geldes jetzt den Rücktritt des Bundespräsidenten oder des Amtes fordern, ist es, dass man ihnen nicht auch so viel Geld leiht, oder wie? Aber was kann der Bundespräsident denn dafür?

Ob er das Geld als Politiker oder als Privatmann bekommen hat, ist sicherlich eine entscheidende Frage, ersteres wäre womöglich Korruption und somit für den höchsten Mann im Staat kein gutes Ergebnis. Hat denn jemand den Scheck einmal darauf überprüft? Christian Wulff ist nebenbei auch noch Privatmann: Seine Finanzen, seine Sexualität und seine Essgewohnheiten sollten nicht Gegenstand der öffentlichen Debatte sein.

Zumal die Öffentlichkeit selbst nur allzu leicht zu korrumpieren ist: Die Verantwortlichen für den Einsatz des Staatstrojaners sind immer noch im Amt, obwohl sie das Grundgesetz gebrochen haben. Das stört offenbar niemanden mehr, sie sind ja keine Präsidenten. Aber was will das Volk? Das weiß es nicht.

Man kann es Christian Wulff zugute halten, dass er Deutschland einiges erspart hat: Wäre er, statt die Wahl zu gewinnen, als Verlierer aus ihr hervorgegangen, hätte Deutschland nun den Stasi-Schützling Joachim Gauck an seiner Stelle am Hals; und ob das besser gewesen wäre, bleibt zu bezweifeln, denn in dessen Vita gibt es sicher Ärgeres als gelegentliche rätselhafte Zahlungsvorgänge zu ergründen. Wer aber sollte Wulff nun beerben, würde er zurücktreten?

Georg Schramm wäre eine nahe liegende Lösung; aber am Ende würde es doch wieder der Guttenberg. So gesehen können wir stolz auf das sein, was uns geblieben ist.

Wir müssen nur endlich den Anstand haben, uns dazu zu bekennen.

Senfecke:

  1. Ich versteh‘ es einfach nicht… Politiker, irgendwelche Stars wie z.B. Thomas Gottschalk aber auch Vollidioten wie etwa Justin Bieber hatten und haben auch ein Privatleben. In diesem Privatleben dürfen sie machen, was sie wollen solange es nicht gesetzwidrig ist. Heißt es nicht in Art. 5 GG Abs. 2:

    Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

    Ist mit der persönlichen Ehre nicht so etwas gemeint?

    Aber abgesehen davon behaupte ich den Grund für das Loswerden von Wulff zu kennen: Die Presse hackt auf Wulff rum, damit sie etwas zum Schreiben haben. Die überklugen Menschen, die natürlich Bild und so lesen, lesen das und finden ihn gleich unsympathisch. So etwas gab es auch mal bei Griechenland – nachzulesen hier.

    @tux
    Mach weiter so! :smile:

    Viele Grüße
    Elsensee

  2. Klar, warum sollte man auch noch über den Staatstrojaner berichten? Der ist ja irrelevant

    Christian Wulff hat nichts Unrechtes getan. Zum Glück ist selbst die BILD nur mehr mäßig als Leitmedium geeignet, den Guttenberg haben sie auch nicht im Amt halten können, insofern hoffe ich, dass sich das noch herumspricht.

  3. es ist doch inzwischen wurst ob der irgendwas falsch gemacht hat, es geht doch nur darum wie er mit der situation umgeht…und das in meinen augen einfach nicht gut.

    staatstrojaner? was das? kennt eigentlich noch jemand die finanzkriese?

  4. Wie würdest du damit umgehen, wenn du nichts falsch gemacht hast? Würdest du dich dafür rechtfertigen müssen wollen?

    Nein – ist das eine Freundin von dir?

  5. Pingback: Firstlady Skandal Bettina Wulff Vorleben - Vergangenheit als Prostituierte?

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