Ich gebe zu, ich habe von Ökonomie nur allzu wenig Ahnung. Als Geschäftsführer eines kundennahen Unternehmens würde ich wohl kläglich versagen, auch deshalb, weil Kunden mir im Arbeitsleben als der Hauptgrund für nicht eingehaltene Fristen und allgemein eher als Störquelle erscheinen.
Was mir weniger unwahrscheinlich Freude bereiten würde, wäre eine Tätigkeit als derjenige Unternehmenskasper, der für das öffentliche Auftreten zuständig ist. Mit Nonsensberufsbezeichnungen wie “public relationship manager” oder sonstigem Firlefanz will ich mich dafür gar nicht unbedingt “schmücken” können, aber die Aufgabe selbst ist inzwischen anscheinend lächerlich einfach geworden, gemessen an dem dafür in Aussicht gestellten Gehalt.
Die Firma Schlecker nämlich durfte in den letzten Wochen viel Kritik für ihr neues Unternehmensmotto “For you. Vor Ort.” einstecken, die zusätzlich anschwoll, als Schlecker erklärte, man habe sich dem eher niedrigen Bildungsniveau des typischen Schleckerkunden angepasst. Anders ausgedrückt: Wer ständig Englisch quäkt, ist blöd.
Diese Paraphrasierung missfällt Schlecker aber ebenfalls, denn so habe man das gar nicht gemeint:
Nun kommentieren einige Internet-Nutzer den veröffentlichten Brief und setzen ein niedriges und mittleres Bildungsniveau mit “dumm” oder “unterbelichtet” gleich. Das ist in der Sache ebenso falsch und zynisch, (sic!) wie aus unserer Sicht unverschämt und arrogant. Es entlarvt letztlich diejenigen, die sich derart äußern.
Liebe Leser, liebe Firma Schlecker, man helfe mir doch bitte ein wenig auf die Sprünge:
“Unsere Kunden haben in der Regel ein bestenfalls durchschnittliches Bildungsniveau” bedeutet nicht, dass man seine eigenen Kunden auf unverschämte und arrogante Weise für, nun, eher ungebildet hält? Aber was denn dann? Für “dümmlich” nämlich hält man sie nicht:
Unsere Mitarbeiter, die zum überwiegenden Teil schon seit 15 und mehr Jahren im Unternehmen arbeiten, wie auch unsere Kunden sind es ganz sicher nicht.
Sie sind eben Prekarier, wat willste machen; aber dümmlich sind sie ganz sicher nicht!
Eigentlich sei die Aufregung aber auch völlig überzogen, heißt es im Hause Schlecker weiter, denn, meine Güte, so ein Unternehmensmotto sei ohnehin bedeutungslos:
Wir haben uns bewusst auch deshalb für das Motto entschieden weil es polarisiert, weil sich Menschen darüber austauschen und weil es in Erinnerung bleibt. Genau das ist die Kernaufgabe eines Unternehmensmottos.
Ach so — ich war bislang der Meinung, ein Unternehmensmotto solle das Selbstbild des Unternehmens und seine Werte reflektieren und nicht für billige Schlagzeilen herhalten.
Aber ich habe, wie erwähnt, natürlich auch keine Ahnung von Wirtschaft.
(Bonuspointe für Leser aus den schleckernahen Bildungsschichten: Das Schlecker-Blog ist zurzeit unter fäkaler Subdomäne zu erreichen.)

TL;DR
Hä?
TL;DR!
Ach so.
ja
Und sonst so?
ja ganz, schön schwul alles.
Du findest schwul also schön.