Saturn macht’s richtig: WLAN-Kabel sind selbstverständlich in der Netzwerkabteilung zu finden.
(Abt.: Alte Witze, für die anderen Insinternetschreibern ihr Server zu schade ist.)
Heyo auch, YouTube,
dass die GEMA euch zwingt, hin und wieder Videos schlechter und weniger schlechter Musiker (zum Beispiel Bob Dylan) in guter alter deutschenfeindlicher Tradition länderspezifisch auszublenden, wie ihr ja auch für Besucher aus anderen Teilen der Welt gern mal irgendwas sperrt, ist altbekannt. Der Grund für zumindest ersteres ist ja, dass ihr der GEMA kein Geld zahlen wollt; raffgieriger Haufen, der das nun mal ist, sagt der Volksmund.
Ebenfalls altbekannt ist es ja, dass es Deutschland finanziell eher mau geht, und die Schuld tragen Griechenland und der Euro und die Banken und vermutlich Hitler höchstselbst, wenn man nur lange genug herumfragt. Neu ist aber, dass sich das Geschäftsmodell der GEMA – Erpressung von deutschen Bürgern, um von US-amerikanischen Großkonzernen dann doch noch irgendwie Geld zu bekommen – als lohnende Alternative auch in der Regierung herumgesprochen hat.
Jetzt mal ganz unter uns, YouTube, uns könnt ihr’s doch sagen: Will die Regierung etwa auch Geld von euch, zum Beispiel zum Schuldenabbau? Und welches düstere Geheimnis barg das entfernte Video – womöglich ein Musikvideo der CDU?
Dann bedanke ich mich natürlich herzlich.
(Der Vollständigkeit wegen: Mit ausländischem Proxy oder ausländischem VPN ist das Video natürlich problemlos abrufbar, ebenso in der 2DF-„Mediathek“; und ich kann Entwarnung geben: Zu sehen ist keine singende CDU.)
Sascha Lobo, von dem man nicht viel halten muss, hat eine trotzdem eigentlich ganz interessante Kolumne auf SPIEGEL Online mit ziemlich viel Text zum Thema „Facebook ist an allem schuld“ befüllt, um dieser These ausführlich zu widersprechen. Ich nehme seine Pointe schon mal vorweg:
Facebook ist nicht Treiber, sondern Profiteur einer allgemeinen Datenbegeisterung. Und die ist die logische Folge der digitalen Vernetzung.
Und das ist das eigentlich Erschreckende; dass die „allgemeine Datenbegeisterung“ als naturgegeben akzeptiert wird, während Medienschaffende unfassbar viel Geld dafür bekommen, die Symptome ausführlich nicht gut zu finden. Andererseits: Ich beneide sie ein bisschen darum.
Noch ein kurzer Hinweis in, mehr oder weniger, eigener Sache:
ix hat ein WordPress-Plugin geschrieben, das Kommentatoren das immer wiederkehrende Schreiben von „Hätte von mir sein können“, „Volle Zustimmung!“ oder „LOL“ erleichtern sollte, indem es selbige Bemerkungen als Schaltflächen an das Kommentarfeld anheftet.
Inspiriert von Nerdcore und einem meiner Kommentatoren missbrauche ich es nunmehr für Albernheiten und politische Zitate. Ergänzungswünsche bitte einfach unten hineinsenfen!
Da schau her, schon wieder ist „Tag der deutschen Einheit“. Viele meiner Leser wissen schon gar nicht mehr, dass es so etwas wie eine Teilung mal gab, einige andere Leser meinen, es habe sich um eine „Wiedervereinigung“ gehandelt, und so mancher US-Amerikaner, so will es das Klischee, vermutet, die Mauer sei immer noch da.
Passend zu diesem Tag graben Musikblogs jeder Couleur normalerweise so Mauerlieder aus; wissenschon, „Another Brick In The Wall“, „I’ve Been Looking For Freedom“ oder, meinethalben, „Wonderwall“.
Und weil wir den ganzen Mist alle schon lange nicht mehr hören können, hören wir stattdessen etwas anderes:
Ist ja auch mal ganz schön.
Sie derweil, Chris Martin von „Coldplay“, sprachen in ein unbedacht platziertes Reportermikrofon hinein, Ihnen würde „regelrecht schlecht“, wenn Sie im Radio Ihre Lieder hörten:
Wenn ein Song im Radio läuft, habe ich das Gefühl, entweder gleich in Ohnmacht fallen oder jemandem eine reinhauen zu müssen.
Sie begründen das damit, dass Sie an den Liedern nichts mehr ändern können. Mit den Ergebnissen, mit denen Sie, Chris Martin, Millionen scheffeln, müssen Sie also ebenso leben wie wir alle, was wir alle, da können Sie sich sicher sein, sehr bedauern.
Ich möchte nun keinesfalls behaupten, dass wir, die einfachen Musikfreunde, die Pein eines Musikers beim Hören Ihrer Lieder nachvollziehen können, aber dass mir regelrecht schlecht wird, wenn ich selbiges dann doch einmal versehentlich nicht unterlasse, dies zumindest kann ich Ihnen versichern.
Und da haben wir sogar noch etwas gemeinsam: Auch ich würde gern etwas an Ihren Liedern ändern können, nämlich Ihren, Chris Martin, Gesang rausschneiden. Vielleicht ist das ja sogar der Aspekt, der auch Ihnen Unwohlsein bereitet, so wäre sogar uns beiden geholfen.
Nur so ein Vorschlag! Und gute Besserung.
Während ich also eben gerade die Statistiken für September 2011 in einen akzeptablen Text einfließen zu lassen versuchte, rotierte in der Musikanlage das Album „broken.heart.collector“ des österreichischen Quintetts selben Namens, eigentlich ein um Sängerin und Bassklarinettistin erweiterter Abkömmling des Trios Bulbul, von dem ich ebenfalls nie zuvor gehört hatte; das Quintett jedenfalls schaffte es auf den Babyblauen Seiten zum Tipp des Monats, und das ist eigentlich meist ein gutes Zeichen. Die Musiker stehen übrigens bei Discorporate Records unter Vertrag, regelmäßige Leser meines Geschwafels kennen also einige ihrer Stücke bereits vom Discorporate-Records-„Sampler“ 2011.
Was mir da gerade gewaltfrei ins Ohr drang, war jedenfalls wirklich beeindruckend. (Erwähnte ich schon, dass Genres und gute Musik miteinander nur selten harmonieren?) Bereits der eröffnende „Love Reclamation Song“, etwas mehr als elfeinhalb Minuten lang, überrascht: Kammermusikartig setzen langsam und sanft und aber auch ein bisschen bedrohlich die Instrumente ein, Sängerin Maja Osojnik intoniert mit Bedacht und melodisch in solcher Form, dass man an die Strophen im Meisterstück „The End“ der legendären Doors denkt, stimmlich dann auch an die deutsche Chanteuse Nico, die selbiges Lied irgendwann mal gecovert hatte. Schön düster und nur vordergründig schlicht, denn die Instrumente sind zwar zurückhaltend, aber doch abwechslungsreich bedient. Wer sich aber jetzt versehentlich auf fast eine Stunde beschaulicher Hintergrundbeschallung einstellt, der sollte seine Nervenpillen bereit halten, denn bei etwa 9:00 Minuten erfolgt eine Zäsur und die fünf – plus, in einigen Stücken, Didi Kern als Gast am Klavier – rocken mit viel Bass und verzerrtem Gesang los. Kennt noch jemand „Open Your Eyes“ von den Guano Apes? Ganz so lärmend wird es nicht, aber so ähnlich klingt es doch, bedenkt man, dass broken.heart.collector von denen, die auf Genreschubladen Wert legen, oft als „RIO/Avant“, experimentelle Avantgarde-Musik also, geführt werden.
Dabei geht es ihnen nicht nur um die Lust am Krach. Das zweite Stück, „Another Heart Bites The Dust“, eröffnet mit brummenden Tieftönen, ist aber trotz des Titels keine Queen-Coverversion, sondern feinster Alternative. Den Anfang habe ich schon mal irgendwo gehört; nur wo? Andreas Hofmann unterstellt auf den Babyblauen Seiten klangliche Nähe zu Placebo, das infernalische Gejaule von Brian Molko bleibt aber zum Glück fern, vielmehr kommt mir spontan ein Vergleich mit Belle & Sebastian in den Sinn.
Die Band unternimmt auf dem Album sozusagen einen Streifzug durch die Genres. Von den aufgelösten Avantgarde-Metal-Kabarettisten Sleepytime Gorilla Museum („Eisenwalzer“) über The Kills („Get The Dog“) und Donovan („Boatwischmusik“) bis hin zum Canterbury und zeuhlschwangeren Jazzrock („Cestni črv“) reicht die stilistische Bandbreite. Das abschließende „Wolves“ (ein Wolf ziert als den Kurzfilmen im DDR-„Sandmännchen“ nicht unähnliche Zeichnung auch das Titelbild des Albums) rundet das Album schließlich ab: Der eingängige, unaufgeregte Pop steigert sich ebenso wie der Gesang allmählich zu einer geradezu irren Klimax in Form eines improvisierten Lärms mit Gekreisch, sozusagen als eine nicht instrumentale Version der letzten Sekunden von „A Day In The Life“ der überbewerteten Beatles und auch als eine Art Fazit, Zusammenfassung des bis dahin Gehörten. All das – alle 10 Stücke – wird dargeboten in einem eigenständigen Klanggewand aus Bassflöte, Klarinette, Gitarre, Bass, Schlagzeug und dergleichen; wer also behauptet, das alles sei längst ein alter Hut, dem unterstelle ich so lange Irrtum, bis er es belegt, denn mir ist es letztlich nicht wichtig, ob prima Musik nun zum ersten oder zum hunderttausendsten Mal in dieser Form vorliegt. Die Hauptsache sollte doch, neben einem Mindestmaß an Anspruch, immer sein, dass sie gefällt. Und das tut sie fürwahr.
„Scheppern / Raunen / Avant-Noise“ schreibt man im Magazin „Intro“ und hat damit vollkommen Recht. broken.heart.collector machen dort weiter, wo Sonic Youth längst aufgehört haben. Und das ist auch gut so.
Da schreibt man mal einen Tag lang nichts und hofft, dass in der Zeit etwas passiert, über das man eben am übernächsten Tag schreiben könnte, aber Pustekuchen. Stattdessen erreicht mich die Frage, wieso ein Nichtblog, das thematisch mit Linux nur sporadisch zu tun hat, auf „tuxproject.de“ liegt. Die Antwort ist simpel: Ich ersann die Adresse, als ich über eine Internetseite nachdachte, auf der ich meine damals aktuellen diversen Projekte vorstellen wollte. Als Nachfolger meiner ersten, mittlerweile aufgrund undurchdachten Handelns meinerseits nicht mehr existenten ersten Internetseite „The Sumpfkuh Project“ erschien mir der Name nur konsequent – von Sumpfkühen zu Pinguinen ist der Schritt nicht weit. Eigentlich dient tuxproject.de immer noch demselben Zweck, Dreh- und Angelpunkt ist aber das Nichtblog geworden. Konnte damals noch keiner ahnen, bleibt jetzt aber auch dabei. Tja.
Und so wenig Leute lesen ja hier nun auch nicht mit. Statistikfreunden präsentiere ich im Folgenden eine Rückschau auf den September. Der ist noch nicht vorbei, aber viel passieren wird da wohl nicht mehr. Die Zahlen lieferte mir das großartige Piwik, datenschutzfreundlich und übersichtlich aufbereitet.
Die meisten Besucher schauten hier am 13. September 2011 vorbei, insgesamt 283 von ihnen. Vermutlich hat da wieder irgendjemand einen Link in irgendeinem Forum hinterlassen, wahrscheinlich war ich es selbst. Im ganzen Monat hat es bisher für ungefähr 3.000 eindeutige Besucher genügt, wovon etwa die Hälfte mit Firefox unterwegs ist. Der neue Firefox 7 ist noch nicht oft vertreten, in den letzten Tagen stieg die Zahl seiner Benutzer aber bereits. Chrome ist bei meinen Lesern genau so beliebt wie der Internet Explorer, nämlich zum Glück pro Version nur im einstelligen Prozentbereich, was für ein gesundes Urteilsvermögen eurerseits, liebe Leser, spricht.
Mein Beitrag über die Betrugsmaschen von Streaminganbietern – veröffentlicht immerhin bereits im Juni – führt immer noch die Liste der meistgelesenen Beiträge an. Das ist gut, denn je mehr Leute ihn lesen, desto weniger fallen auf Cine24.tv, KinoX.to und den Rest der Betrügerbande herein.
Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Etwa 70 Prozent meiner Besucher benutzen Windows, nur neun Prozent Linux oder Android. An meinen gelegentlichen Computerbeiträgen kann das nicht liegen, denn diese sind in der Regel nicht gezielt auf ein bestimmtes Betriebssystem zugeschnitten. Von einigen linuxbezogenen Internetportalen weiß ich, dass die Statistik dort ungefähr gegenteilig aussieht. Ich folgere: Linuxnutzer interessieren sich eher für Themen, die Windowsnutzer ausgrenzen, andersherum gilt das aber nicht.
Das kann ich selbstverständlich nicht unterstützen. Und deswegen wird es hier auch weiterhin nur am Rande um Linux gehen.
Selbst schuld.
(Nachtrag vom 14. Januar 2012: Habe den ersten Absatz inhaltlich vervollständigt.)
Beeindruckt von dem Erfolg der Produkte eines großen US-amerikanischen Produzenten ungesunden Fraßes, der, dessen war er sich sicher, auch auf den prägnanten Produktbezeichnungen fußte, beschloss Lebensmittelhändler N. N., der seit einiger Zeit schwächelnden Produktsparte der Getränke neuen Aufwind zu geben.
(Na, dann prost Mahlzeit.)
Ich hatte ja bereits angemerkt, dass die aktuell geführte Diskussion über die Klientel und womöglich maskuline Ausrichtung der Piratenpartei längst kalter Kaffee ist. Aus aktuellem Anlass möchte ich darauf nochmals etwas genauer eingehen.
Vor anderthalb Jahren, lange vor den Wahlen in Berlin, beschäftigte sich die Presse bereits ausführlich mit dem Thema Sexismus in der Piratenpartei, ausgelöst von der hier bereits mehrfach erwähnten Mailingliste der „Piratinnen“, die der angeblichen Bevorzugung von Männern in der Piratenpartei mittels der Bevorzugung von Frauen in der Piratenpartei entgegenwirken sollte. Hierfür ging die Vordenkerin der „Piratinnen“, Lena Simon, so weit, dass sie ihren sexistischen Standpunkt öffentlich als Meinung eines beträchtlichen Teils der Piraten verkaufte und diese Mailingliste nur Frauen zugänglich machte; was dann übrigens auch die einzige Mailingliste im Piratenumfeld war und ist, die die Anmeldung nur mit dem richtigen Geschlecht zuließ, womit wir das mit der Geschlechterfeindlichkeit dann auch noch mal deutlich vor Augen geführt bekommen hätten. Dabei hat es Lena auch nicht sonderlich interessiert, ob sich die Frauen in der Piratenpartei wirklich angefeindet vorkommen oder nicht:
Es gibt noch zu wenige Frauen in der Piratenpartei, da sind wir einer Meinung. Aber diese Frauen sind in den Vorständen sogar überrepräsentiert, wo kannst du da Benachteiligung sehen? Ich sehe Männer und Frauen, die ganz selbstverständlich integriert und als Menschen beurteilt werden, nicht als Penisträger oder Nichtpenisträger, ich kann die von dir behauptete (und durch nichts belegte) Diskriminierung nicht sehen.
Lange war es angemessen ruhig geworden um Lena und ihre „Piratinnen“, so ruhig, dass man sich in der Piratenpartei endlich mal wieder auf inhaltliche Arbeit konzentrieren konnte, statt ständig Fragen nach Lena und ihren Beweggründen ausgesetzt zu sein. „Ihr als Nerdpartei mögt doch sicher eh keine Frauen, wa?“. (Das ist, natürlich, eine verkürzte, aber inhaltlich übereinstimmende Darstellung.) Das hat sich mit dem Tohuwabohu um den Frauenanteil auf der Berliner Liste (14 Männer, eine Frau) dann nun endlich auch mal wieder geändert, Piraten haben ja nach so einer Wahl auch nichts interessanteres zu tun als Fragen zu beantworten, die seit einem (Geschlechterfrage) bis zu fünf („Einthemenpartei“) Jahren in ermüdenden Wiederholungen unterschiedlichsten Mitgliedern, Vorständen und Verbänden immer wieder gestellt und immer wieder sehr ähnlich beantwortet wurden. Recherche ist des Journalisten Lebenszweck dann wohl doch nicht.
Und während sie so olle Kamellen aufwärmten, fand die von dem Berliner Wahlergebnis auf unterschiedliche Weise beeindruckte Öffentlichkeit, die bis dahin noch keine Zeit oder keine Lust hatte, sich mit den Piraten zu beschäftigen, dann natürlich auch wieder Lena Simon und ihre „Piratinnen“; „fand“ ist vielleicht das falsche Wort, zurückhaltend und unscheinbar sind die Beteiligten ja bisher noch nicht aufgetreten. Das große mediale Interesse nun veranlasste Lena zu einem großen Schritt, den sie in ihrer Mailingliste verkündete; ich zitiere aus der mir zugespielten E‑Mail auszugsweise:
Irgendwie scheint es uns keine® abzunehmen, dass nur „zufällig“ nur eine Frau auf der Liste ist.
Wir könnten uns ja gemeinsam auf die Suche nach der Ursache und möglichen Lösungen für dieses Problem begeben.
Eine Mailingliste, die gegründet wurde, weil ihre Initiatorin sich aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert fühlt, will Ursachen dafür suchen, dass „nur“ eine Frau auf der Liste ist. Das ist selbstverständlich ein unerwarteter Schritt, und auf das Ergebnis bin ich schon sehr gespannt. Ihr auch?
(…) jetzt hier folgender Vorschlag:
Wir öffnen die Liste für Männer (ein vertrauensvoller Kreis ist das hier ohnehin nicht), die an dem Thema gender ein Interesse haben.
Was bedeutet dieser Vorschlag?
Die „Piratinnen“-Liste wird also aus ihrem Tiefschlaf erweckt, um belanglos zu werden. Sie möchte niemanden mehr repräsentieren, sie möchte eine weitere Liste sein, auf der Interessierte „über die Genderfrage reden“ können; der verbleibende Unterschied zu den anderen AG, die dasselbe bieten, ist vermutlich der autoritäre, realitätsferne Führungsstil von Frau Simon. Pro forma fragt sie immerhin:
Seid ihr damit einverstanden? Dann würde ich jetzt auch Männer auf die Liste zulassen.
Es sollte mich nicht überraschen, wenn die Mehrheit zustimmt, denn die übrigen mir bekannten „Piratinnen“ sind bisher mit einem weniger sexistischen Weltbild aufgefallen, vom „Piratenweib“ einmal abgesehen.
Lena weiß wohl um diese Problematik, denn sie schließt die Mail mit einer „Bitte“:
Antworten, die ich nicht möchte sind ein Wiederaufkochen der deine-aktion-damals-war-total-scheiße-schimpferei. Erstens sind diesbezüglich die Argumente schon ausgetauscht, zweitens sind wir darüber hinweg, drittens ist das total unproduktiv und viertens könnt ihr die liste ja verlassen, wenn euch das so lange nicht los lässt.
„Nur, weil ich das alte Thema wieder hochkoche, heißt das nicht, dass ihr das auch dürft. Kritik ist nicht erwünscht, lebt damit und haltet die Klappe.“
Es hat uns, Lena, seit Mitte 2010 „los gelassen“. Es wäre uns allen ganz recht, wenn es das wieder tun könnte. Wäre das wohl möglich?
Nein?
Schade!
Eine neue Woche beginnt und bringt, wie jede Woche, vielfachen Irrsinn mit sich. In einer immer dekadenteren Gesellschaft, deren Ideal sie selbst ist, möchte man ja schon manchmal und tut es dann doch nicht.
And I had always thought
the desire to kill was a disease you caught,
but it’s dormant in the hearts of everyone,
waiting for a spark, an emotion.
Gut ist, was bleibt. Tiefsinnig und zeitlos.
Kaum ist der Papst abgereist und auch noch vom letzten Provinzblatt meist für eigentlich ganz gut befunden worden, herrscht wieder Dürre in den Medien des Landes. Damit die überbezahlten Schmierfinken aber trotzdem irgendwie ihr Pensum abliefern können, wechseln sie vom so genannten „Journalismus“ kurz zur Werbung und versuchen sich als Psychoanalytiker.
Das konservative Quatschblatt DIE WELT beschäftigt zu diesem Zweck mindestens eine Frau, und diese Frau darf dann heute auch mal Welt.de befüllen und behauptet auf der Basis irgendwelcher kruden Studien von „eBay-Wissenschaftlern“ (ich wusste nicht einmal, dass es solche Personen gibt), dass Glücklichsein eigentlich gar nicht so schwierig ist.
Denn nichts hat bei Frauen so einen Einfluss auf die Zufriedenheit wie der Kauf von neuen Schuhen. Und nichts hat bei Männern einen derartigen Einfluss auf die Zufriedenheit wie zufriedene Frauen.
Glückliche Paare: Männer, die ihren Frauen wöchentlich neue Schuhe kaufen.
Die Wissenschaftler von Ebay (das klingt wie „Der Zauberer von Oz“, findet ihr nicht? A.d.V.) haben herausgefunden, dass der Bayer (zufrieden) 18 Prozent mehr schwarze Schuhe kauft als der Bundesdurchschnitt. Schwarze Schuhe scheinen also schon mal etwas glücklich zu machen.
Vielleicht macht es auch glücklich, einen albernen Dialekt zu sprechen oder auch einfach jeden Tag fränkisch zu frühstücken: Einen Tag, der mit Weißbier beginnt, kann selbst mir als eingeborenem Niedersachsen eigentlich nichts mehr vermiesen. (Je mehr Weißbier, desto zufriedener werde ich. Gibt es dazu schon eine Studie?)
Und warum sind Hamburger so zufrieden? Ganz einfach: Hamburger tragen die höchsten Absätze (mehr als acht Zentimeter). Und von oben betrachtet sieht die Welt einfach schöner aus.
Und sind Hamburger also unglücklicher als Hamburgerinnen, weil sie in diesen gesundheitsschädlichen „Schuhen“ meist nicht laufen können und also auch keine tragen? Die Autorin schweigt dazu. Einen Anhaltspunkt liefert vielleicht das „Modell Blow“, das als eines der Beispiele für weiblich orientiertes Schuhwerk den Artikel „ziert“:
Das Modell „Blow“ stellt eine gebückte Frau dar. Die angewinkelten Beine bilden den Absatz und die Zehen finden in einem rot umrandeten Peeptoe Platz, welcher den Mund darstellt.
Da gehen sie hin, die Jahrzehnte weiblicher Emanzipation. Das Glück, heißt es, hat oft einen bitteren Humor.
Genau wie ich.
Eine doch etwas merkwürdige, unerwartete E‑Mail erhielt ich nächtlich, während ich schlief, von einem Herrn oder einer Frau E‑Mail Verifizierung. Das ist ein einigermaßen eigenartiger Vorname, aber andere Menschen heißen ja auch Jimi Blue, Cosma Shiva oder Dietmar. Diese E‑Mail gebe ich im Folgenden – selbstverständlich mit unbrauchbar gemachtem Link – im Klartext wieder, um den Leser an meinem Amusement teilhaben zu lassen.
Sehr geehrter Nutzer
Du hast Dich gerade bei einem Angebot im Internet registriert welches die Bestätigung Deiner eMail Adresse erfordert.
Bitte nutze folgenden Link um Deine eMail Adresse zu bestätigen:
http://emailverifizierung.de/verify.php?verify=(…)
Vielen Dank für Dein Vertrauen
eMailverifizierung.de – Der sichere Service für Deine Registrierung
Mit freundlichen Grüßen,
eMailverifizierung GmbH
Martin Kahn Str. 77
D‑28359 Bremen
DeutschlandFax: +41 (0)421 6265 100
Email: support@emailverifizierung.de
Web: http://www.emailverifizierung.de/
Interpunktionsschwächen einmal beiseite: Ich soll also, dies verlangt der Schreiber von mir, einem Verweis auf eine Internetseite folgen, um zur Nutzung eines Angebotes unbekannter Identität, für das ich, dessen Namen oder wenigstens Pseudonym der Betreiber des Angebots offenbar nicht einmal kennt, mich schlafend, vielleicht im Schlafe wandelnd, registriert haben soll, zu bestätigen, dass die angegebene E‑Mail-Adresse (es heißt doch wohl immer noch E‑Mail und nicht eMail, zefix!) auch wirklich meine E‑Mail-Adresse ist oder zumindest von irgendjemandem abgerufen wird.
Es ist aber sehr nett, dass ein mittelmäßig ausführlicher Absender unten druntersteht, denn das unterscheidet bekanntlich seriöse von unseriöser E‑Mail: Man weiß, mit wem man es zu tun hat; zumindest wahrscheinlich.
Eine DENIC-Abfrage war es mir dann aber schon wert, denn ich wüsste ja schon gern, ob der Betreiber wirklich E‑Mail Verifizierung heißt. Und eiderdaus:
Es zeichnet keine Frau E‑Mail Verifizierung verantwortlich, sondern ein Herr Michael Beck (vermutlich nicht identisch mit Michael „Dee Jot Hausmarke“ Beck), der trotz des Firmensitzes in Bremen in Stuttgart und/oder der Schweiz wohnt. Ich kann mir also zumindest schon mal sicher sein, dass es sich um keinen russischen Spambot handelt, sondern schlimmstenfalls um einen der Schizophrenie anheim gefallenen Geschäftsmann (oder drei Leute, die an völlig unterschiedlichen Orten wohnen, aber zufällig identisch heißen), denn die DENIC ist eigentlich bisher nicht dafür bekannt, beliebige Daten zu akzeptieren, die jeder wie auch immer gearteten Grundlage entbehren.
Dieser Herr Michael Beck jedenfalls bietet einen sicheren Service – klingt ja, wenn ihr mich fragt, schon ein bisschen nach Rotlicht – für Registrierung an, was auch immer da registriert werden soll. Vielleicht hilft mir ja die angegebene Internetseite – http://www.emailverifizierung.de/ – dabei, Licht in dieses unverändert nicht erhellte Dunkel zu bringen.
Nee, Pustekuchen:
Aber der erfahrene Internetbenutzer weiß: www. is deprecated – „www.“ ist überflüssig. Um doppelten Inhalt („duplicate content“) zu vermeiden, der einige Internetsuchmaschinen dazu verleiten könnte, die eigene Website für Spam statt hochqualitativen Journalismus zu halten, wird die in der Regel standardmäßig eingerichtete Umleitung auf die „www“-Subdomäne mitunter technisch unterbunden. Also gucken wir mal nicht dort, wohin die E‑Mail verweist, sondern schneiden das „www.“ ab – und siehe da, es „funktioniert“:
Dies also ist die Internetseite des sicheren Services. Mein Lieblingsteil ist ja der hier:
Ihr sicherer und seriöser eMail Verifizierungs Dienstleister.
© Alle Rechte vorbehalten.
Sicher und seriös:
Fehlerhafte oder keine Parameter
Der Copyright-Hinweis – in Deutschland gibt es übrigens kein „Copyright“ – ist natürlich immens wichtig; so wird verhindert, dass gleichfalls minderbegabte Dritte, die das mit dem Copyright auch nicht wissen, diesen Strokelschrott auch noch kopieren wollen. Was für „Parameter“ diese Seite erwartet, war leider nicht ersichtlich, andere als die Datei verify.php, die ich laut der E‑Mail aufrufen sollte, sind es aber sicherlich, es sei denn, der Betreiber hat als „Indexseite“ (heißt standardmäßig meist index.php oder ähnlich) ebendiese Datei verify.php angegeben und es also genau so vorgesehen, dass man seine Internetseite, über die er immerhin Dienstleistungen anbietet, gar nicht aufrufen kann, ohne erst in einer Mail wie der, die ich erhielt, herumzuklicken. Dann aber fragt sich, wie der Betreiber des mir übrigens immer noch unbekannten Angebotes in der Lage war, von dieser Dienstleistung überhaupt Gebrauch zu machen.
Versteht übrigens irgendeiner von euch, liebe Leser, worin diese Dienstleistung genau bestehen soll? Der Betreiber schickt eine womöglich unerwünschte E‑Mail an eine irgendwo – noch immer ist mir dieses „irgendwo“ unbekannt – eingetragene E‑Mail-Adresse, um zu verhindern, dass irgendjemand anderes eine womöglich unerwünschte E‑Mail an diese Adresse schicken kann?
Das mag nach Spam klingen, aber es ist, so schreibt Michael Beck oder einer seiner Mitarbeiter, kein Spam, zumal Spammer unter deutscher Jurisdiktion (.de-Adresse) es alles andere als einfach haben, dass ihre Mails das Ziel erreichen, bevor die verlinkte Internetadresse im virtuellen Lokus gelandet ist. Und aber jedenfalls:
Es wird damit sichergestellt, dass kein Spam an eine eMail Adresse versendet wird mit der sich registriert wird.
Spamschutz mit Spammethoden also; willst du Frieden, bereite den Krieg. Es steht allerdings zu befürchten, dass auch diese lobenswerte Spamversender in Bälde seine letzte Schlacht schlagen wird, denn trotz all des Aufwandes, den er betrieben hat, um eine anschauliche Internetpräsenz wirkungsvoll zu vermarkten, fehlt ihm ein Impressum – für ein Gewerbe bewerbende Dienstleister (anders als zum Beispiel für uns Insinternetreinschreiber) ein unverzeihlicher Fehler. Sollte dies hier also einer dieser Abmahnanwälte, von denen man immer auf so Internetseiten hört, lesen, so bitte ich darum, Herrn Beck zu verschonen. Er ist ein leuchtendes Vorbild für alle Existenzgründer im Web 2.0.
Und zwar ein schlechtes.
Ach, noch was, „Braunschweiger Zeitung“:
Dich lese ich ja eher zur Unterhaltung als zur Information, denn das kann deine Redaktion nachweislich besser. Aber in letzter Zeit mache ich mir etwas Sorgen. Dein Überschriftenausdenker wurde doch nicht etwa gefeuert?

Man lebt schon gefährlich im Braunschweiger Umland; dort gibt es sogar Löwen!
(Tut mir Leid, ich habe aus Protest den Pointenausdenker gefeuert.)
Was für ein Aufwand: Der Papst kommt nach Deutschland und wird umworben wie sonst nur Fidel Castro und Barack Obama, wenn sie sich dann mal hier im Reich der politischen Mitte einfinden, das radikale Fundispinner nur allzu gern hofiert, so einige Vordenker aus der Union erinnern mich ohnehin sehr an die Tea-Party-Bewegung, nur eben mit Weißbier statt mit Tee.
Und er wird trotz all der Kinderschändereien seiner Kirche, seiner moralischen Wertvorstellungen zum Thema Homosexualität („eine Gefahr für die Menschheit“), der insgesamt dann doch erfreulich hohen Zahl an Kirchenaustritten und, gerade in Deutschland nicht zu vergessen, der militärischen Judenausrottung im Namen des Kreuzes bis noch vor wenigen Jahrhunderten (und konsequent der geistigen Partnerschaft mit Herrn Hitler höchstselbst) nicht nur eingeladen und unterwürfig gefeiert, als wäre er der wiedergeborene Jesus „Christus“ und hätte soeben die Deutschen in einem Rutsch wieder zu jubelnden und vor allem gläubig praktizierenden Katholiken gemacht, sondern bekommt selbstverständlich auch die höchste Sicherheitsstufe, Fenster zu und Winkverbot, damit nicht versehentlich Krümel vom Frühstücksbrötchen auf des Heiligen Vaters geweihtes Haupt hinabrieseln mögen; wegen Attentätern kann’s nicht sein, denn Gott ist mit ihm und wird schon aufpassen, und wer würde unserem Papst schon Böses wollen?
Immerhin: Demonstrationen werden nicht polizeilich gesichert, sondern von der Politik ausdrücklich gebilligt, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist; nur wird’s den päpstlichen Primaten eben nicht scheren, was so ein paar gottlose Gestalten von ihm und seiner Kirche halten, denn so recht gläubig-katholisch sind selbige vermutlich überwiegend eh nicht.
Die Braunschweiger Zeitung jedenfalls fragt ihre Leser, weniger suggestiv als üblich, knallhart nach ihrer ehrlichen Meinung: Papstbesuch supergut, gut oder so mittel?

„Natürlich vertritt er ein konservativ-anachronistisches Weltbild, natürlich ist er Oberhaupt einer mafiös organisierten, Jahrtausende alten Struktur von Menschen, die viel Falsches tun und ihre Anhänger ideologisch in eine Zeit zurückwerfen, als Kant und Voltaire noch nicht mal geboren waren; aber er ist doch unser Papst!“ – Was aber können wir nun eigentlich für eine Lehre daraus ziehen? Vielleicht zumindest diese: Hätte George W. Bush Deutsch statt Englisch gesprochen, sein letzter Besuch in Deutschland wäre von jubelnden Massen begleitet worden. Das hat ja schon mehrfach funktioniert.
„Wer Deutsch spricht, kann kein schlechter Mensch sein.“ (c/o „Die Simpsons“)
Die MasterCard-Aktivierer von der Sparkasse („Sparkasee“) machen sich wieder Sorgen um mich. Lieb von ihnen.
Allein – abgesehen von dem geänderten Absender („Sparkasee“) – der Adressat ist nun ein anderer:
Sehr geehrte Sparkasse Card,
Ich finde ja, E‑Mails sollten auch für Leute, die nicht jeden ihrer Mailserver selbst betreiben, eine Möglichkeit beinhalten, den Empfang mit „Empfänger unbekannt verzogen“ zu quittieren.
Was ist eigentlich aus dem „E‑Post-Brief“ geworden?