Was für ein Aufwand: Der Papst kommt nach Deutschland und wird umworben wie sonst nur Fidel Castro und Barack Obama, wenn sie sich dann mal hier im Reich der politischen Mitte einfinden, das radikale Fundispinner nur allzu gern hofiert, so einige Vordenker aus der Union erinnern mich ohnehin sehr an die Tea-Party-Bewegung, nur eben mit Weißbier statt mit Tee.
Und er wird trotz all der Kinderschändereien seiner Kirche, seiner moralischen Wertvorstellungen zum Thema Homosexualität (“eine Gefahr für die Menschheit”), der insgesamt dann doch erfreulich hohen Zahl an Kirchenaustritten und, gerade in Deutschland nicht zu vergessen, der militärischen Judenausrottung im Namen des Kreuzes bis noch vor wenigen Jahrhunderten (und konsequent der geistigen Partnerschaft mit Herrn Hitler höchstselbst) nicht nur eingeladen und unterwürfig gefeiert, als wäre er der wiedergeborene Jesus “Christus” und hätte soeben die Deutschen in einem Rutsch wieder zu jubelnden und vor allem gläubig praktizierenden Katholiken gemacht, sondern bekommt selbstverständlich auch die höchste Sicherheitsstufe, Fenster zu und Winkverbot, damit nicht versehentlich Krümel vom Frühstücksbrötchen auf des Heiligen Vaters geweihtes Haupt hinabrieseln mögen; wegen Attentätern kann’s nicht sein, denn Gott ist mit ihm und wird schon aufpassen, und wer würde unserem Papst schon Böses wollen?
Immerhin: Demonstrationen werden nicht polizeilich gesichert, sondern von der Politik ausdrücklich gebilligt, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist; nur wird’s den päpstlichen Primaten eben nicht scheren, was so ein paar gottlose Gestalten von ihm und seiner Kirche halten, denn so recht gläubig-katholisch sind selbige vermutlich überwiegend eh nicht.
Die Braunschweiger Zeitung jedenfalls fragt ihre Leser, weniger suggestiv als üblich, knallhart nach ihrer ehrlichen Meinung: Papstbesuch supergut, gut oder so mittel?

“Natürlich vertritt er ein konservativ-anachronistisches Weltbild, natürlich ist er Oberhaupt einer mafiös organisierten, Jahrtausende alten Struktur von Menschen, die viel Falsches tun und ihre Anhänger ideologisch in eine Zeit zurückwerfen, als Kant und Voltaire noch nicht mal geboren waren; aber er ist doch unser Papst!” — Was aber können wir nun eigentlich für eine Lehre daraus ziehen? Vielleicht zumindest diese: Hätte George W. Bush Deutsch statt Englisch gesprochen, sein letzter Besuch in Deutschland wäre von jubelnden Massen begleitet worden. Das hat ja schon mehrfach funktioniert.
“Wer Deutsch spricht, kann kein schlechter Mensch sein.” (c/o “Die Simpsons”)

Handelt es sich noch um den Übergangspapst, oder gibt es bereits einen neuen? Ich bin da informationstechnisch nicht auf der Höhe.
Es ist immer noch der alte gruselige Bayer.