Montagsmusik
Groo­ve und Applaus: Her­bie Han­cock – Cha­me­le­on

Anläss­lich bekann­ter Lie­der bekann­ter Pop- und Rock­künst­ler klat­schen Kon­zert­be­su­cher drei- bis vier­mal.

Die ersten klat­schen, weil sie den Namen des Lie­des ken­nen; die zwei­ten klat­schen, weil sie die ersten Tak­te des Lie­des erken­nen; die drit­ten klat­schen, wenn das Lied zu Ende ist, um die Lei­stung des Künst­lers zu wür­di­gen; die vier­ten, eine noch recht neue Grup­pe, klat­schen wäh­rend des Lie­des, um ihr ver­meint­li­ches Takt­ge­fühl zu demon­strie­ren.

Von all die­sen sind mir ein­zig die drit­ten will­kom­me­ne Gesprächs­part­ner. Den ande­ren wür­de ich gern eine klat­schen.

Es setzt schon eine Men­ge künst­le­ri­sche Qua­li­tät vor­aus, um stets takt­fer­nes Publi­kum am Mit­klat­schen zu hin­dern; oder eine Men­ge an Respekt, den man sich erar­bei­tet hat, und das ist nicht leicht. Pop­ge­wohn­tes Publi­kum respek­tiert sei­ne Künst­ler ohne­hin nur sel­ten, die­se arbei­ten aller­dings auch nur sehr ungern dar­an, respek­tiert zu wer­den. Ein Album, viel­leicht ein Nach­fol­ge­al­bum, eine Abschieds­tour­nee vor wenig Zuschau­ern und Auf­trit­te in irgend­wel­chen Rück­schau­en auf RTL, das genügt zwar für den Lebens­un­ter­halt, nicht aber für Respekt.

Wech­selt man aller­dings das Gen­re, wird das Klat­schen womög­lich zum tra­gen­den statt zum stö­ren­den Ele­ment und fällt anson­sten nicht wei­ter ins Gewicht; vor allem dann, wenn die Musi­ker laut genug agie­ren. Man dre­he also den Laut­stär­ke­reg­ler sei­ner Klangaus­ga­be etwas höher, bege­be sich in eine ent­spann­te Sitz­po­si­ti­on und neh­me den Rhyth­mus in sich auf:

Her­bie Han­cock & Tal Wil­ken­feld – Cha­me­le­on – Mon­treux Jazz Festi­val 2010

Wie ange­nehm doch so ein Mon­tag sein kann, wenn man ihn mit groo­ve beginnt!