Ich hatte mir fest vorgenommen, das Thema Steve Jobs an mir vorbeiplätschern zu lassen wie den heutigen Regenschauer. Zu emotional ist diese öffentliche Diskussion geführt worden und wird noch immer zu emotional geführt. Apple war Steve Jobs war Apple, so lautet der Kanon, nur den Refrain, dass Apple dann jetzt wohl auch langsam einen qualvollen Tod stirbt, kommt niemandem über die Lippen.
Über die technische Rückständigkeit von Appleprodukten, die sie bei Apple mit tollen bunten Bildern “auszugleichen” pflegen und damit bei ihrer Klientel unverändert Ansehen gewinnen, wurde ja bereits viel geschrieben. Das iPhone 4S, das frenetisch gefeierte neue Modell, ist technisch dort angesiedelt, wo die androide Konkurrenz schon vor einem Jahr stand. Innovativ? Ach, i wo!
Und es erschreckt mich beinahe ein bisschen, dass inmitten der Welle an Lobpreisungen dann tatsächlich auch mal diese Kritik in den Medien — traditionell ohnehin meist applenah — angekommen ist, zum Beispiel auf faz.net:
(…) strenggenommen hat er weder den Computer, noch den digitalen Musikspieler, das Handy oder den Tabletcomputer erfunden.
Erstaunlich; ich hatte anderes vermutet!
Leider macht faz.net diesen einen guten und richtigen Satz durch eine Menge Unfug wieder wett:
Ohne Jobs und Apple wäre der Computer vielleicht heute noch ein grauer, ungeliebter Kasten unter dem Schreibtisch und kein elegantes Telefon in der Hosentasche.
Vielleicht kännte man bei faz.net ohne Jobs und Apple sogar den Unterschied zwischen einem Tower-PC und einem Smartphone und einem Tamagotchi, in dem ebenfalls “ein Computer” arbeitet; vielleicht hat das alles aber auch gar nichts mit Jobs und Apple zu tun, denn wenn es um “ungeliebt” geht, rangieren zumindest bei mir, ganz persönlich, die überteuerten Lifestyle-Plastikbierdeckel von Apple weit vor jedem “grauen Kasten” unter dem Schreibtisch. Die IBM-PCs hatten — und haben — den Appleäquivalenten nämlich eines voraus, und zwar die Offenheit für jede Form der Erweiterung. Alles aus einer Hand, und der Hersteller dirigiert den Preisverlauf? Na, wem’s gefällt.
Für seine Produkte musste auch die Technik reif sein, die er nicht kontrollieren konnte. Zum Beispiel die Übertragungstechnik im Mobilfunk, die den Erfolg des iPhones erst möglich gemacht hat.
Dass die relevanten Patente “im Mobilfunk” allesamt Samsung und nicht Apple gehören und das mit der Vorreiterrolle damit wohl geklärt ist, ist übrigens auch Bestandteil der aktuellen Klagen zwischen Samsung und Apple. Aber warum sollte man auch recherchieren, wenn man einen inhaltlich fundierten Bericht über Steve Jobs abliefern möchte?
Ach, halt; das möchte man ja gar nicht:
Dass heute Kinder und ihre Großeltern mit einem Computer umgehen können, ist in einem großen Maße Steve Jobs zu verdanken.
Wir lernen: Windows und Linux sind vollkommen irrelevant, und die Firma Xerox, die bereits in den frühen 1970-er Jahren eine grafische Bedienoberfläche samt Mausbedienung entwickelt hatte, hat es nie gegeben. Da brauchte es schon einen Steve Jobs, der quasi im Alleingang und rückwirkend all das ganz allein erfunden und entwickelt und gebaut hat:
Heute berühren wir die Bildschirme der Telefone mit den Fingerspitzen, weil Jobs das iPhone genau so gebaut hat.
Ja, “er allein” (Bertolt Brecht), nicht etwa die chinesischen Sklavenarbeiter, die sich in Apples Fabriken bis zum Selbstmord knechten lassen. Aber wen interessieren schon derartige Kinkerlitzchen?
Steve Jobs mag ein riesiges Talent gehabt haben, Apples Kunden auch noch den ältesten Käse als brandneue Innovation zu verkaufen (ja, selbst Sprachsteuerung habe ich unter Windows schon in den 90-er Jahren in beinahe brauchbarer Qualität gesehen); aber er war kein Heiliger, kein gottgleicher Visionär, ohne den wir alle immer noch auf Bäumen hocken würden. Er war immer ein Vermarkter, nie ein Entwickler. Sicherlich würde ohne sein Talent zur Vermarktung die Computerwelt heute anders aussehen. Apple hätte es wahrscheinlich nie gegeben. Die Revolution des digitalen Zeitalters aber hatte längst stattgefunden, als Apple gegründet wurde: Unix gab es schon ein paar Jahre, grafische Bedienoberflächen waren bereits ein alter Hut, und selbst Tablet-PCs waren bereits erfunden.
Es ist leider zu spät, die meisten Medienschaffenden von ihrem Irrweg abzubringen; denen aber, die noch mit sich hadern, sei gesagt: Die künstliche Überhöhung der Person Steve Jobs errichtete einen Kult um jemanden, der nie die treibende Kraft hinter dem war, was Apples Produkte in frühen Jahren auszeichnete. Um Bedienkonzepte zu lizenzieren, braucht man jedenfalls keinen kreativen Visionär, sondern einen kühlen Geschäftsmann. In den letzten Jahren hat sich dieses Bild von Apple aber herumgedreht: Es ging immer weniger um technische Details und immer mehr um einen Lebensstil. Technik war nie Steve Jobs’ eigentliches Jagdgebiet, er sah sich, wie man Apples diversen Präsentationen entnehmen konnte, quasi mehr als Heilsbringer. Wen interessiert es, ob die verkaufte Technik der Konkurrenz überlegen ist, wenn sie nur ein Gefühl der awesomeness zu vermitteln vermag?
In anderen, etwas schlichteren Worten ausgedrückt: Wäre Apple nicht mehr als “die Firma von Steve Jobs”, könnte man nun ruhigen Gewissens sagen: Der Letzte macht das iLicht aus.
Aber wäre das angemessen?
(“So … Apple has vacant Jobs now?”)


Stimmt genau. Und jetzt ist es aber gut mit dem Thema, ja?
Ich beschränke mich auf einen Beitrag, wie du siehst.
Das hat für die Zukunft nichts zu bedeuten,
»Ich hatte mir fest vorgenommen, das Thema Steve Jobs an mir vorbeiplätschern zu lassen…«
Ich bezweifle, dass er weitere berichtenswerte Schlagzeilen machen wird, bedenkt man, dass mein einziger Artikel, der ihn als Person thematisiert, post mortem erschien.
Elvis lebt doch auch.
Hierneben habe ich Dich aufzufordern, dieses dämliche Plugin mit Wurst und so zu deaktivieren und das vorherige Plugin wieder zu aktivieren.
Ich lebe ebenfalls. Über Elvis schrieb ich allerdings noch nichts.
Welches Plugin fehlt dir? Ich habe keines entfernt.
Habe mich geirrt. Kommt selten vor. Der Unterschied zwischen uns beiden ist, dass ich es zugebe (die Taktik habe ich den Piraten abgeschaut. Gut, nicht wahr?)
Du wirst doch wohl nicht etwa vernünftig werden wollen?
Ich kann es gar nicht häufig genug erwähnen: Auch die Wahrheit kann einem das Genick brechen.
Die worin besteht?
Schwächen zuzugeben. Gute Nacht.
Ohje. Ade!
Ich mag Wurst.