Dass die tendenziell linkssympathische “taz” auch online auf reißerische Überschriften nur ungern verzichtet, hat Tradition, und sollte ich irgendwann mal ein Buch darüber schreiben, werde ich es “Die indezente Anbiederei der Totholzmedien an die junge Generation” be- oder mindestens untertiteln, aber erwähnenswert ist der jüngste Artikel über Polizeigewalt in Braunschweig nicht etwa wegen derartiger stilistischer Mängel, sondern wegen der Eigenart der so genannten “Presse”, Namen von Personen zu ändern.
Die Unkenntlichmachung, etwa mittels Abkürzung, ist manchmal, etwa um die jeweiligen Personen vor was-auch-immer zu bewahren, sicherlich angebracht, leider ist es Wirrköpfen noch immer nicht untersagt, sich über das Tagesgeschehen zu informieren, aber welchen Zweck hat es, tatsächliche Namen durch völlig andere zu ersetzen?
Zum Einen erweckt diese beliebige Austauschbarkeit der Protagonisten den Eindruck, dass man es nicht mit einer tatsächlich wahren Begebenheit, sondern mit bloßer Fiktion zu tun hat, zum Anderen sollte man bedenken, dass Namen selten eindeutig sind und eine “Nina Steffen (Name geändert) aus Braunschweig” um Braunschweig herum dann halt auch mal existieren kann.
Wie saublöde es ist, überhaupt Namen zu erfinden, wenn diese für die eigentliche Nachricht nicht mal irgendeinen Mehrwert bieten, sehen wir in besagtem “taz”-Artikel am Beispiel der erwähnten Frau Steffen, die insgesamt dreimal “namentlich” — “Name geändert” — genannt wird:
Polizisten (…) beschlagnahmten die Wohnungsschlüssel in seiner Tasche und durchsuchten damit die Wohnung seiner Gastgeberin Nina Steffen*.
“Sie legten dabei weder einen Durchsuchungsbeschluss vor, der für eine solche Maßnahme notwendig wäre, noch gaben sie einen Grund an”, sagen Besucher der Wohnungsinhaberin Nina Steffen.
(…)
“Wir prüfen zurzeit, welche rechtlichen Schritte unsere Anwälte einleiten”, sagt die betroffene Wohnungsinhaberin Nina Steffen.
Ihr habt es sicher gemerkt: Den — wohl von irgendeinem Praktikanten, der gerade nichts zu tun hatte — erfundenen Namen, übrigens nur einmal korrekt als “geändert” gekennzeichnet (das wäre natürlich die perfekte Tarnung; den echten Namen einfach als “geänderten Namen” anzugeben!), hätte man komplett weglassen können.
Wird man bei der “taz” eigentlich nach Wörtern bezahlt?


Solang Nina Steffen* schön und ordentlich nassnagelt ist doch alles in Ordnung.
*Name nicht geändert
Das kann ich bislang nicht beurteilen. Ausprobieren!
Sie könnten sich doch wenigstens lustige Namen einfallen lassen. Z.B. ließen sich für einen Bericht Namen von Harry-Potter-Charakteren verwenden. Sowas würde ich gerne lesen. Infotainment mit einem Schuss Dada!
(Allerdings lese ich sowieso keine Zeitung. Die meiste Zeit habe ich keinen Schimmer, was los ist. Das macht mich auch ziemlich stolz, denn ich hab viele Jahre gebraucht, um mich vom eifrigen Tagesschau-Gucken über alternative Jungle-World-Zeitungs-Abos und verächtliches SPIEGEL-Lesen in Verbindung mit ellenlangen, völlig sinnlosen politischen Diskussionen in Online-Foren bis zu diesem Punkt weiterzuentwickeln.)
“Die junge, aufstrebende Dorfschönheit Ey Lou Flynn…”
“Der EZB-Chef Langkeks Jackson* sagte heute auf einer Pressekonferenz mit Angela Schwesterwelle* das Ende der Europäischen Union für das 3. Quartal 2012 vorraus.”
Die Griechen sind schuld.
du Massenindividualist!
Schlimm?
ja.
oh
der avatar vom kurzen keks ist im übrigen nen halbes hakenkreuz.
Was ist mit der anderen Hälfte passiert?