“Wahre Finnen” (auch: “Basisfinnen”) heißt übersetzt die finnische, ziemlich erfolgreiche Partei, die seit Tagen die Konsensfreunde in Europa nicht mehr ruhig schlafen lässt, etwa Eva-Maria vom Polarblog:
Was tun in dieser Stunde, in der die Nachbarn plötzlich gar nicht mehr so harmlos aussehen, sondern wie sinistere Charaktere? Die es richtig gut fänden, wenn Finnland so täte, als sei es allein auf der Welt? Schotten schließen und raus aus dem Euro und den indiskutablen Portugiesen und Griechen den Stinkefinger zeigen? Weil wir ach so ordentlich sind und richtig rechnen können? Ist das die Lösung?
Mit weniger Ironie, dafür einer beinahe schon übertriebenen Betonung auf den Umstand, dass die “wahren Finnen” rechtspopulistische Positionen vertreten, vermutlich, um die Gemüter derer, die bei dem Wort “rechts” schon in Raserei verfallen, einzustimmen, tönt der SPIEGEL:
Finnlands Wahlsieger drohen Europa
Die “Drohung” sieht so aus, dass man in Finnland offenbar nicht mehr allzu viel Lust auf die Geldschiebepolitik der EU hat, die das Eurosystem überhaupt erst ermöglicht:
Sollten die “Wahren Finnen” tatsächlich in der künftigen Regierung sitzen und sich dort mit ihren Forderungen durchsetzen, könnte Helsinki die EU-Rettungshilfen blockieren.
“Rettungshilfen” ist eigentlich ein schöner Euphemismus. Tatsächlich ist doch die EU, was wir nicht erst seit den diversen Staatspleiten der vergangenen Jahre wissen, ein gescheitertes Modell. Die Währungsunion schien praktisch, war aber letztlich unnütz, gar kontraproduktiv, denn die Misswirtschaft der bankrotten Staaten änderte sich auch nach größeren Finanzspritzen der noch nicht ganz so bankrotten Staaten nicht. (Wie auch immer man dieses “bankrott” eigentlich definiert, fast 2 Billionen Euro Staatsschulden genügen anscheinend jedenfalls nicht.) Von den eigenartigen Ideen, die Deutschland der EU sonst noch so zu verdanken hat, möchte ich in der Rubrik “Kurz verlinkt” gar nicht erst anfangen, sonst wird es eine doch recht lange Verlinkung.
Was an den Positionen der “Basisfinnen” nun “rechtspopulistisch” sein soll, weiß man beim SPIEGEL leider ebenso wenig zu beantworten wie Jens Berger, der zwar Europafeinde und Europaskeptiker detailliert zu unterscheiden weiß, aber Europaskepsis auch mit bloßem Populismus aus irgendwelchen “Richtungen” verwechselt.
Wir sollten, so meine ich, nicht mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Finnen zeigen, die mehr Mut zu eigenständigem Denken zeigen als unsere Wahlberechtigten, sondern uns an ihnen ein Beispiel nehmen. Dass nationalstaatliches Denken in Deutschland schnell Kritiker auf den Plan ruft, ist wohl auch den Jahren bis 1945 geschuldet, sollte aber nicht davon ablenken, dass ein Staat, der zugunsten halbgarer Integration in ein kulturelles Potpourri die nationale Identität — primär sind wir nun mal Deutsche und damit auch Europäer, nicht aber andersherum — vernachlässigt, sich selbst quasi beliebig austauschbar und handlungsunfähig macht.
Ist das die Lösung?


