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Kurz ver­linkt XLI: Wah­re Fin­nen

„Wah­re Fin­nen“ (auch: „Basis­fin­nen“) heißt über­setzt die fin­ni­sche, ziem­lich erfolg­rei­che Par­tei, die seit Tagen die Kon­sens­freun­de in Euro­pa nicht mehr ruhig schla­fen lässt, etwa Eva-Maria vom Polar­blog:

Was tun in die­ser Stun­de, in der die Nach­barn plötz­lich gar nicht mehr so harm­los aus­se­hen, son­dern wie sini­ste­re Cha­rak­te­re? Die es rich­tig gut fän­den, wenn Finn­land so täte, als sei es allein auf der Welt? Schot­ten schlie­ßen und raus aus dem Euro und den indis­ku­ta­blen Por­tu­gie­sen und Grie­chen den Stin­ke­fin­ger zei­gen? Weil wir ach so ordent­lich sind und rich­tig rech­nen kön­nen? Ist das die Lösung?

Mit weni­ger Iro­nie, dafür einer bei­na­he schon über­trie­be­nen Beto­nung auf den Umstand, dass die „wah­ren Fin­nen“ rechts­po­pu­li­sti­sche Posi­tio­nen ver­tre­ten, ver­mut­lich, um die Gemü­ter derer, die bei dem Wort „rechts“ schon in Rase­rei ver­fal­len, ein­zu­stim­men, tönt der SPIEGEL:

Finn­lands Wahl­sie­ger dro­hen Euro­pa

Die „Dro­hung“ sieht so aus, dass man in Finn­land offen­bar nicht mehr all­zu viel Lust auf die Geld­schie­be­po­li­tik der EU hat, die das Euro­sy­stem über­haupt erst ermög­licht:

Soll­ten die „Wah­ren Fin­nen“ tat­säch­lich in der künf­ti­gen Regie­rung sit­zen und sich dort mit ihren For­de­run­gen durch­set­zen, könn­te Hel­sin­ki die EU-Ret­tungs­hil­fen blockie­ren.

„Ret­tungs­hil­fen“ ist eigent­lich ein schö­ner Euphe­mis­mus. Tat­säch­lich ist doch die EU, was wir nicht erst seit den diver­sen Staats­plei­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re wis­sen, ein geschei­ter­tes Modell. Die Wäh­rungs­uni­on schien prak­tisch, war aber letzt­lich unnütz, gar kon­tra­pro­duk­tiv, denn die Miss­wirt­schaft der bank­rot­ten Staa­ten änder­te sich auch nach grö­ße­ren Finanz­sprit­zen der noch nicht ganz so bank­rot­ten Staa­ten nicht. (Wie auch immer man die­ses „bank­rott“ eigent­lich defi­niert, fast 2 Bil­lio­nen Euro Staats­schul­den genü­gen anschei­nend jeden­falls nicht.) Von den eigen­ar­ti­gen Ideen, die Deutsch­land der EU sonst noch so zu ver­dan­ken hat, möch­te ich in der Rubrik „Kurz ver­linkt“ gar nicht erst anfan­gen, sonst wird es eine doch recht lan­ge Ver­lin­kung.

Was an den Posi­tio­nen der „Basis­fin­nen“ nun „rechts­po­pu­li­stisch“ sein soll, weiß man beim SPIEGEL lei­der eben­so wenig zu beant­wor­ten wie Jens Ber­ger, der zwar Euro­pa­fein­de und Euro­pa­skep­ti­ker detail­liert zu unter­schei­den weiß, aber Euro­pa­skep­sis auch mit blo­ßem Popu­lis­mus aus irgend­wel­chen „Rich­tun­gen“ ver­wech­selt.

Wir soll­ten, so mei­ne ich, nicht mit dem aus­ge­streck­ten Zei­ge­fin­ger auf die Fin­nen zei­gen, die mehr Mut zu eigen­stän­di­gem Den­ken zei­gen als unse­re Wahl­be­rech­tig­ten, son­dern uns an ihnen ein Bei­spiel neh­men. Dass natio­nal­staat­li­ches Den­ken in Deutsch­land schnell Kri­ti­ker auf den Plan ruft, ist wohl auch den Jah­ren bis 1945 geschul­det, soll­te aber nicht davon ablen­ken, dass ein Staat, der zugun­sten halb­ga­rer Inte­gra­ti­on in ein kul­tu­rel­les Pot­pour­ri die natio­na­le Iden­ti­tät – pri­mär sind wir nun mal Deut­sche und damit auch Euro­pä­er, nicht aber anders­her­um – ver­nach­läs­sigt, sich selbst qua­si belie­big aus­tausch­bar und hand­lungs­un­fä­hig macht.

Ist das die Lösung?