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Der Gott aus der Maschi­ne

Es gehört zum Wesen neu­er Bahn bre­chen­der Erfin­dun­gen, erst ver­lacht, dann von den Ver­tre­tern eta­blier­ter Tech­ni­ken für grund­bö­se Hexe­rei erklärt zu wer­den und schließ­lich, oft erst Jahr­zehn­te spä­ter, auch die­se Skep­ti­ker zu über­zeu­gen.

In wel­chem die­ser Zustän­de sich gegen­wär­tig das Inter­net befin­det, ist unklar. Die Mei­nun­gen schwan­ken zwar, aber auch die­je­ni­gen, die nicht auf der Sei­te der Geg­ner ste­hen, wis­sen: Das Inter­net ist böse. Es tum­meln sich dort Groß­kon­zer­ne neben Casi­no­be­trü­gern, deren gemein­sa­mes Ziel das schnel­le Geld ist, Rück­sicht gibt’s nicht vor Laden­schluss. Die Mög­lich­keit, dass sich jeder frei äußert, lie­fert Zünd­stoff für Bür­ger­krie­ge. Platt­for­men wie Wiki­leaks gefähr­den das Bestehen der west­li­chen Welt. Nicht zu ver­ges­sen sind all die Kin­der­schän­der, Raub­mord­ko­pie­rer und Ter­ro­ri­sten. Hab ich schon Kin­der­schän­der gesagt? Eins immer­hin wis­sen wir: Osa­ma bin Laden war nicht im Inter­net.

Die­se schon oft gehör­te Auf­zäh­lung ist natür­lich ziem­lich ein­sei­tig und somit frag­wür­dig. Auf der ande­ren Sei­te aber, dort, wo die neti­zens woh­nen, sieht es auch nicht bes­ser aus:

Die Zukunft läge in der Ver­net­zung, sagen sie, und es wäre gleich­sam ein revo­lu­tio­nä­rer Akt, zu twit­tern und zu goo­geln und zu flät­tern und zu face­boo­ken, hin­weg über alle Gren­zen und an der unge­lieb­ten Regie­rung vor­bei. „Wir gegen die“, die da drau­ßen und wir hier drin oder auch anders­her­um. Wir haben alle Infor­ma­tio­nen in unse­ren Hän­den, off­line war gestern, heu­te ist das neue über­mor­gen. Da muss man halt auch schon mal ein paar Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, aber es wird ja nie­mand gezwun­gen, sich Freun­de zu suchen, die Unter­neh­men, deren Geschäfts­grund­la­ge der Ver­kauf von Daten ist, nur all­zu gern Aus­kunft über die eige­ne Per­son geben. Kol­la­te­ral­schä­den im Ver­gleich zu all den neu­en Mög­lich­kei­ten. Wir sind das Inter­net ist wir sind die Digi­ta­le Gesell­schaft sind die ande­ren. Irgend­wer nann­te das mal Infor­ma­ti­ons­krieg. Blö­der­wei­se bin ich Pazi­fist.

Machi­ne, machi­ne mes­siah;
the mind­less search for a hig­her con­trol­ler…“

– Yes: Machi­ne Mes­siah

Eins aber möch­te ich dann doch noch los­wer­den, bevor die Jahr­zehn­te vor­über sind:
Ein Staat, der stän­dig die Kon­fron­ta­ti­on den Dia­log mit der „digi­ta­len Eli­te“ zu suchen vor­gibt, des­sen Regie­rung pod­ca­stet und twit­tert, was das Zeug hält, und der somit das Inter­net beginnt als Mit­tel zur Selbst­ver­mark­tung zu ent­decken, mag sich noch so pro­gres­siv vor­kom­men; so lan­ge aber eine E‑Mail nicht für rechts­kräf­ti­ge Doku­men­te taugt, ist die Schaum­schlä­ge­rei ver­ta­ne Zeit.

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