KaufbefehleMusikkritik
Eatliz – Teasing Nature

Wie angedroht schreibe ich jetzt eine kleine Rezension von Eatliz’ Zweitling „Teasing Nature” und bin da wohl der Erste, zumindest finde ich gerade keine Gegenbelege. Schade, zu viele Texte gibt es schon über wirklich schlechte Musik, aber nur wenige über solche wie die von Eatliz.

Eatliz, manchmal auch EatLiz, heißt auf Hebräisch „Schlachthaus”, sieht aber nicht ganz so blutrünstig aus, wie Bilder belegen. Das Debütalbum „Violently Delicate” von 2007, einige Monate lang legal und ohne Mehrkosten online zu beziehen, inzwischen wohl nicht mehr, hat mich ebenso wie der/die/das folgende EP „Delicately Violent” an den Eiern gepackt und an die exquisiten Stolen Babies, deren zweites Album irgendwann 2011 ebenfalls erscheinen soll, erinnert; insbesondere die Stimme von Sängerin Lee Triffon steht der von Dominique Persi nur wenig nach. Israel scheint ideale Bedingungen für die Geburt richtig guter Musiker zu bieten.

Und nun „Teasing Nature”, „die Natur sticheln”, was nach einem zweckfreien Unterfangen aussieht.
Der Pressetext bereitet Sorge:

Their new and exciting album, Teasing Nature, finds the band after a self reflecting and soul searching process and it marks the beginning of a new way for them in a long and uncompromising journey. The album takes the band out of its comfort zone by being experimental mainly because it has no Metal elements (that have been very dominant in the past albums), this has opened the way for the band to use keyboards and electronics.

Tatsächlich beginnt das eröffnende „Your House” zurückhaltend und bleibt es auch über den ersten Refrain hinaus. Erst in der letzten Minute scheppert es wieder, wie der Volksmund sagt, im Karton. Apropos Refrain, der Refrain von „Your House” ist zu meinem Bedauern ein ziemlich ohrwurmiges Stück Musik mit Chorgesang, beides nicht unbedingt Qualitäten, die ich bis dato dieser Band zugeschrieben hätte, aber: Sie können’s!

Und sonst so? Elektronica („Berlin”, „Goldie”), Indie-Pop/Rock („O.K.”, „Lose This Child”), Klavierballaden („Got It”), Funkiges („Nine”), aber eben auch weiterhin die gute alte Krachmusik („Voice Over”). Neben „Your House” stellt aber „Tears”, ein rhythmuslastiges Indierockstück, das sich nach etwas mehr als zweieinhalb Minuten in einer wahren Geräuschorgie entlädt; es pfeift, es tutet, es dröhnt, es brummt, allmählich verhallt Frau Triffons hier recht bluesige Stimme, dann ist Schluss. Prädikat: RIO/Avant. Klingt gut und wird viel zu selten gespielt.

Ja, fort ist der Metal. Er ist einer stilistischen Neuausrichtung gewichen, die andere Bands (I Like Trains, The Raveonettes und ähnliche ehemals prima Musiker) leider vollkommen versiebt haben (Peter sieht das anders).

Womit haben wir es auf „Teasing Nature” also zu tun?

„Radiokompatibel” ist ein böses Wort, aber nachdem Radiosender nun bereits „Last Christmas” verbannen, bin ich guter Dinge, dieses Adjektiv in absehbarer Zeit wieder in positivem Kontext nutzen zu können, ohne die falsche Klientel anzusprechen. Derweil beschränke ich mich darauf, „Teasing Nature” jedenfalls gefällig und unerwartet eingängig zu nennen.

Wenn das die „neuen Eatliz” sind, dürfen die alten gern bleiben, wo der Pfeffer wächst.

Senfecke:

  1. Selbstverständlich wurden Eatlitz (wie du natürlich weisst) von mir bereits erwähnt. Eatlitz bzw. das Label sind bei mir ob ihrer etwas zu penetranten Aufdringlichkeit allerdings nicht wohlgesonnen. Nehmen die Serienbrief-attacken Überhand, reagiere ich mit Liebesentzug.

  2. Ja, aber zu diesem einen Album hier fand ich bislang keine Rezensionen.

    Anova spammt zwar ein wenig, aber in meinem Fall auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin. Ich bewerte die Musik, nicht die Plattenfirma. Die scheint aber ansonsten recht interessant zu sein.

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