PolitikIn den Nachrichten
Furcht­bar: Zei­tun­gen von 1933 gefunden!

Gar schröck­lich ist’s, was sich da in Chan­ty-Man­s­ijsk ereignete:

Anläss­lich der dies­jäh­ri­gen Biath­lon-Welt­meis­ter­schaft näm­lich wur­den zur Deko­ra­ti­on Sträu­ße mit alten Zei­tun­gen in ver­schie­de­nen Spra­chen zusam­men­ge­stellt, und das ist eigent­lich eine recht schnu­cke­li­ge Idee. Nicht so schnu­cke­lig ist es nun, dass inmit­ten der Zei­tun­gen unbe­kann­ter Natur auch deut­sche aus der Zeit wäh­rend und nach dem Regie­rungs­wech­sel 1933 sich befan­den, und so ist das ein uner­hör­ter Fehl­griff, ver­steht sich:

„Das hat­te kei­ne poli­ti­schen Grün­de“, sagt Iri­na Taschen­ko, die Gene­ral­di­rek­to­rin des Kon­zert- und Thea­ter­cen­ters Ugra-Clas­sic, in dem die WM statt­fin­det. Sie bat in einem Schrei­ben an den Biath­lon-Welt­ver­band Ibu mehr­mals um Entschuldigung.

Wie beru­hi­gend, dass es sich ledig­lich um ein Miss­ge­schick han­del­te. Alter­na­tiv hät­te es auch poli­ti­sche Grün­de haben kön­nen, indem man zum Bei­spiel dar­auf hin­weist, wie harm­los Dik­ta­tu­ren mit­un­ter begin­nen kön­nen, dass das Volk nicht immer das Rich­ti­ge tut oder ähn­li­che Din­ge, aber statt­des­sen kom­men Zeter und Mor­dio – nicht die bei­den Gespens­ter glei­chen Namens aus den YPS-Comics – zu ihrem Recht.

Geschich­te wie­der­holt sich nicht „nie wie­der“, indem man jede Erin­ne­rung an sie auslöscht.

PersönlichesSonstigesNetzfundstücke
Aller­welts­fil­me

Aus Recher­che­grün­den warf ich wäh­rend der ver­gan­ge­nen Tage wie­der ein­mal einen Blick auf die Titel­sei­te einer Fern­seh-Pro­gramm­zeit­schrift. Unter dem dezent nach­be­ar­bei­te­ten Kon­ter­fei einer leid­lich bekann­ten Schau­spie­le­rin wur­den dort zwei Fil­me angekündigt.

Die Älte­ren unter mei­nen Lesern erin­nern sich viel­leicht noch dar­an, dass im Abspann von Fil­men frü­her in der Regel die höchs­te Prio­ri­tät auf dem Film selbst lag. Dort hieß es dann etwa: „Sie sahen: Kehr zurück, klei­ne She­ba“, dar­un­ter dann gege­be­nen­falls die Ver­tei­lung der Rol­len. Damals hät­te man es ver­mut­lich bes­ten­falls als stil­los emp­fun­den, wüss­te man, wie längst üblich, erst nach zehn Minu­ten, wie der Film eigent­lich heißt, oder läse es im Abspann erst nach zwei Papierkilometern.

Die­se Rela­ti­on scheint aller­dings in den letz­ten Jah­ren per­ver­tiert wor­den zu sein; die ein­gangs erwähn­te Pro­gramm­zeit­schrift näm­lich kün­dig­te auf besag­ter Titel­sei­te nicht etwa zwei beson­ders emp­feh­lens­wer­te Fil­me an, son­dern die Schau­spie­le­rin Jen­ni­fer Anis­ton „mit“ zwei Fil­men, was wie­der­um bedeu­tet: Der eigent­li­che Film tritt in den Hin­ter­grund, die Men­schen sol­len ihn nicht etwa wegen der gewitz­ten Dia­lo­ge vol­ler Pop­kul­tur­zi­ta­te oder wegen der lehr­rei­chen Moral sehen, son­dern, weil Jen­ni­fer Anis­ton in ihnen zu sehen ist.

Bereits in mei­ner Film­kri­tik zu „Ing­lou­rious Bas­ter­ds“ bemerk­te ich die­ses Phä­no­men; dass Film­freun­de die­ser Tage eben vor allem das Kino auf­su­chen, um bestimm­te Gesich­ter zu sehen, und auf den eigent­li­chen Film dann nicht mehr viel Wert legen. Wie sonst ist es zu erklä­ren, dass etwa Til Schwei­ger mit sei­ner Rol­le als Macho, der im Ver­lauf des Films zu einem sanf­ten Schmu­se­mann geläu­tert wird, in die­sem Jahr („Koko­wääh“) schon wie­der Mil­lio­nen Kino­be­su­cher, eini­ge von ihnen gar mehr­mals, unter­hält? Die zwei­fels­oh­ne urko­mi­schen Sze­nen, die einem irgend­wo­her bekannt vor­kom­men, allein dürf­ten es nicht sein, denn Kein­ohr­ha­sen zum Bei­spiel ist nur mäßig wit­zig und war den­noch ein Publi­kums­ma­gnet. (Mir, dies sei als Spit­ze ange­merkt, ist kein Mann bekannt, der anläss­lich des genann­ten Films auf eige­nen Wunsch und ohne weib­li­che Beglei­tung im Kino saß. Eine etwa­ige Kau­sa­li­tät möge sich der geneig­te Leser selbst erspinnen.)

Zwar stimmt es, dass sich aus der Beset­zung eines Films die unge­fäh­re Hand­lung und das Gen­re oft erah­nen las­sen, von löb­li­chen Aus­nah­men wie eben „Ing­lou­rious Bas­ter­ds“ und „Angst und Schre­cken in Las Vegas“ abge­se­hen, aber sie soll­te nicht der Anlass sein, einen Film zu sehen. Jen­ni­fer Anis­ton etwa ist mir nur als Dar­stel­le­rin durch­schnitt­li­cher Sit­coms in Erin­ne­rung, war­um soll­te ich das auf Film­län­ge sehen wol­len? Gesetzt den Fall, die Frau hat sich inzwi­schen zu einer seriö­sen Schau­spie­le­rin ent­wi­ckelt und mei­ne Fra­ge geht von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus: War­um tritt dann der eigent­li­che Film so sehr in den Hintergrund?

Nicht jeder die­ser Schau­spie­ler, deren blo­ße Erwäh­nung für zalan­does­ke Jubel­schreie sorgt, fällt mit dem immer­glei­chen plot auf, was die Her­vor­he­bung ihrer Per­son gegen­über der Hand­lung noch frag­wür­di­ger macht. Woo­dy Allen etwa, des­sen frü­he Fil­me („Die letz­te Nacht des Boris Gru­schen­ko“, „Im Bann des Jade-Skor­pi­ons“, „Der Stadt­neu­ro­ti­ker“ usw.) ich bei­na­he alle­samt als höchst betrach­tens­wert ein­stu­fe, weiß mich mit sei­nen neu­es­ten Fil­men nur noch sel­ten zu über­zeu­gen. Es schei­tert aber ansons­ten nicht an ihm, Woo­dy Allen, oder der Beset­zung (zuver­läs­sig als Fehl­be­set­zun­gen zu bezeich­nen­de Schau­spie­ler spie­len in sei­nen Fil­men ohne­hin nie mit), son­dern an der Hand­lung des Films. Ver­all­ge­mei­nert bedeu­tet das: Gefällt mir ein Film, gefällt mir nicht auch jeder ande­re Film mit ähn­li­cher Beset­zung allein der Beset­zung wegen.

Inso­fern ist es absurd, dass Fil­me­ma­cher die­ser Tage mehr mit Schau­spie­lern als mit ihren eige­nen Fil­men zu prah­len schei­nen, aber nur kon­se­quent. Seit­dem irgend­ei­ne Flitz­pie­pe blö­der­wei­se erfolg­reich aus­pro­biert hat, ob drei­di­men­sio­na­le Effek­te über feh­len­de Hand­lung hin­weg­täu­schen kön­nen, gleicht der Gang ins Kino mit­un­ter einem Toi­let­ten­gang mit Ver­stop­fung: Lang­fris­ti­ge Freu­de kommt par­tout nicht auf, und man ver­spürt ein unan­ge­neh­mes Zie­hen. Regel­mä­ßi­ge Kino­gän­ger sind offen­bar einem selbst auf­er­leg­ten Maso­chis­mus zum Opfer gefal­len. Tem­po­ra mutan­tur, et mut­amur in illis.

Frag­te mich ein Film­pro­du­zent, auf wel­chen Film ich mich am meis­ten freu­en wür­de, so worte­te ich ant: Ich hät­te gern einen nicht zu seich­ten, fein poin­tier­ten, gern leicht bis schwer sur­rea­lis­ti­schen Film, über des­sen Anspie­lun­gen auf Pop­kul­tur und Zeit­ge­sche­hen es spä­ter vie­le Bücher geben wird, mit denen alte, dick bebrill­te Pro­fes­so­ren sich dumm und däm­lich ver­die­nen, und der im Gen­re der Komö­die – die Tra­gi­ko­mö­die ein­ge­schlos­sen – zu ver­or­ten ist. Die Haupt­rol­len soll­ten bit­te nicht mit John­ny Depp, Til Schwei­ger und Brad Pitt zu beset­zen sein, will­kom­men wäre ein Enga­ge­ment in nicht tra­gen­den Neben­rol­len aber alle­mal. Die Film­pla­ka­te soll­ten kei­ner­lei Namen tra­gen, höchs­tens den des Pro­du­zen­ten und viel­leicht den mei­nen nebst URL mei­ner Web­prä­senz, denn ich mag es, Auf­merk­sam­keit zu bekommen.

Aber mich fragt nun ein­mal kein Film­pro­du­zent, denn was ich von ihnen, den Pro­du­zen­ten, erwar­te, spielt kei­ne Rol­le, so lan­ge ich brav den Brei fut­te­re, den sie mir auf den Tel­ler kotzen.
Habe ich erwähnt, dass ich in den letz­ten vier oder fünf Jah­ren, sofern mich mei­ne Erin­ne­rung nicht trügt, nur zwei­mal im Kino war?


Nach­trag zum The­ma „Tschüs­si, Herr zu Guttenberg“:

Wie sehr mir der Tod „mei­ner“ Sol­da­ten nahe geht, ent­neh­men sie bit­te der Tat­sa­che, dass ich die­ses Ver­re­cken in mei­ner gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on noch dazu instru­men­ta­li­sie­re, um Jour­na­lis­ten und ande­re Canail­len dafür ein schlech­tes Gewis­sen ein­zu­re­den, dass sie die Men­schen in der BRD dar­über auf­ge­klärt haben, was ich für ein Betrü­ger und Hoch­stap­ler bin.

Mehr beim Nacht­wäch­ter.

SonstigesFotografie
Zar­ter Geschmack

Manch­mal, Wer­ber, seid ihr so unfass­bar krea­tiv, dass sich unser­eins nur noch vor Stau­nen auf dem Lin­ole­um wälzt und kichert. So etwa wuss­te mich auch die Wer­be­ab­tei­lung von Bur­ger King zu über­zeu­gen, die nicht etwa für zar­te Spei­sen oder guten Geschmack warb, sondern …

… für sol­che, die zart und knusp­rig schmecken.

„Wie schmeckt denn das?“
„Zart!“
„Nein, ich mein­te: Wonach?“
„Knusp­rig!“
„Ach, na dann…“

Wie­so das Titel­bild der Zeit­schrift Blon­de („es ist ein Mode­mäd­chen“, also eine Life­style-Trul­la, ein Opfer des Kapi­ta­lis­mus‘, neh­me ich an?) übri­gens eine Brü­net­te zeigt, weiß wohl allein die Redak­ti­on allein.

PolitikSonstiges
Einen hab’ ich noch: Poly­lo­goi (B)

Aus der Bio­gra­fie einer Kom­mu­nis­tin: „Schon, als sie ihrer Mut­ter, die frag­te, wie sie sich mit ihren neu­en Klas­sen­ka­me­ra­den ver­ste­he, ent­geg­ne­te, an der Uni­ver­si­tät gebe es kei­ne Klas­sen, bemerk­te sie den revo­lu­tio­nä­ren Fun­ken, der in ihr glomm.“

Mit die­sem schlech­ten Witz möch­te ich die Rei­he der Wort­spie­le ohne Ton fort­set­zen, die ich in mühe­vol­ler Klein­ar­beit selbst erar­bei­te und die hof­fent­lich auch mei­ne geschätz­te Leser­schar zum Schmun­zeln zu brin­gen oder aber jeden­falls nicht zu ver­trei­ben ver­mag. Nicht ohne Stolz also prä­sen­tie­re ich Fol­ge B der losen Serie „Poly­lo­goi“:

Und – habt ihr es?

Der im ers­ten Teil gezeig­te Vogel – die Lösung für den zwei­ten Teil wer­de ich im drit­ten Teil ver­ra­ten – ist inzwi­schen, das sei aus mei­nem ima­gi­nä­ren Näh­käst­chen geplau­dert, ein toter sol­cher. Ich hof­fe, das liegt nicht an mir, denn ansons­ten sehe ich schwarz für den dies­mal Gemeinten.

Übri­gens ist in die­sem Text ein nicht gekenn­zeich­ne­tes Zitat versteckt.
Wer es fin­det, dem geste­he ich zu, mir eine Mit­glied­schaft in der CSU auf Leb­zeit zu verweigern.

NetzfundstückeNerdkrams
Opti­miert für Stromversorgung

Wie lan­ge ist es her, dass die diver­sen blin­ken­den Gra­fi­ken der Bau­art „Opti­miert für Inter­net Explo­rer“ und ähn­li­cher Fir­le­fanz weit­ge­hend aus dem Inter­net ver­schwun­den sind, als die meis­ten Leu­te wohl end­lich ver­stan­den hat­ten, dass der Inter­net Explo­rer, damals noch in der Ver­si­on 4 weit ver­brei­tet, nicht unbe­dingt etwas ist, wor­auf man sei­ne Web­sei­te „opti­mie­ren“ muss und soll­te? Der Ver­lust der Par­odien war da leicht zu ver­schmer­zen, eine davon fand sich auch auf mei­ner ers­ten Inter­net­sei­te; denn wie kann man eine Web­sei­te am bes­ten betrach­ten? Rich­tig: Mit offe­nen Augen.

Dar­an muss­te ich sofort den­ken, als ich mir die Spe­zi­fi­ka­tio­nen von HPs neu­er Eli­te­Book-Rei­he ansah. Nicht nur wer­den dort Funk­tio­nen wie Mul­ti­tas­king (unfass­bar, mit einem Eli­te­Book kann man tat­säch­lich alle Anwen­dun­gen benut­zen, die das jewei­li­ge Betriebs­sys­tem unter­stützt?) und ein­fa­ches Auf­la­den (man muss nur ein Netz­teil hin­ein­ste­cken, das ist min­des­tens ein­ma­lig!) ange­prie­sen, son­dern es fin­det sich dort auch das fea­ture „Opti­mi­zed for Genui­ne Win­dows® 7 Pro­fes­sio­nal“, und die­ses „Genui­ne“ wird in der kur­zen Erklä­rung noch­mals wie­der­holt; „opti­miert für legal erwor­be­nes bzw. lizen­zier­tes Win­dows 7 Pro­fes­sio­nal“ also.

Der Sub­text lau­tet, auf Deutsch über­setzt, wie folgt:

Mit einem lizen­zier­ten Win­dows® 7 Pro­fes­sio­nal erhal­ten Sie star­ke Pro­zes­sor­fä­hig­kei­ten, Draht­los­funk­tio­nen und einen 15,6‑Zoll-HD-Bildschirm.

Was also darf ich dar­aus folgern?

Ers­tens: Win­dows 7 Ulti­ma­te ist auf einem Eli­te­Book eben­so­we­nig lauf­fä­hig wie Linux oder gar das für nächs­tes Jahr geplan­te (also eher nicht vor 2014 erschei­nen­de) nächs­te Win­dows. (Ver­mut­lich sind die Vari­an­ten mit Free­DOS des­halb preis­wer­ter zu haben.)
Zwei­tens: Eine aus nicht ganz kosche­ren Quel­len bezo­ge­ne Win­dows­ko­pie wird vom Eli­te­Book als eine sol­che erkannt und ver­sagt gleich­falls die rei­bungs­lo­se Zusammenarbeit.
Drit­tens: Ver­sucht man es den­noch, so wird der Pro­zes­sor schwach, das WLAN deak­ti­viert und der Bild­schirm klei­ner. (Oder grö­ßer, das steht da lei­der nicht, eben­so übri­gens auch nicht, wie man sich das vor­zu­stel­len hat. Rollt er sich ein?)

Viel­leicht hat HP aber auch nur ver­sucht, dem Kon­kur­ren­ten Dell die Meis­ter­schaft im Bull­shit-Bin­go strei­tig zu machen.

PolitikIn den Nachrichten
Hit­ler hat wenigs­tens nicht plagiiert.

Ist ja schon gut, ich schrei­be ja schon etwas dazu:

Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg hat heu­te Mit­tag sein „Amt“ nie­der­ge­legt. Jetzt kann man sich natür­lich bequem zurück­leh­nen und sich freu­en, man kann sei­ne Abtritts­re­de (etwa auf sueddeutsche.de zu lesen) aber auch ana­ly­sie­ren und heu­te Nacht nicht mehr ruhig schla­fen können.

Sel­bi­ge Rede näm­lich war letz­ten Endes nichts ande­res als ein auf­ge­bla­se­nes Geze­ter, wie gemein doch alle zu ihm, dem Herrn Minis­ter, sei­en, weil sie ihn nicht mehr nur nach sei­ner „Arbeit“ bewer­te­ten, son­dern auch nach sei­nen pri­va­ten Ver­feh­lun­gen. Ande­re an sei­ner Stel­le wären froh, wäre dem so, aber der Herr Minis­ter bekommt ja nicht genug:

Ich tra­ge bis zur Stun­de Ver­ant­wor­tung in einem for­dern­den Amt.

Das ist aber auch ein schreck­lich zeit­auf­wen­di­ges Amt, die­ses Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um. Deutsch­land wird von Fein­den ja gera­de­zu umzin­gelt; jeden­falls dort, wo sich sei­ne Sol­da­ten unter der Füh­rung des Herrn Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters auf­hal­ten. Ihren Wunsch, Ihr, Herr zu Gut­ten­berg, Tun aus­schließ­lich auf poli­ti­scher Ebe­ne zu bewer­ten, hät­ten Sie aller­dings schon viel eher äußern sol­len, zum Bei­spiel, als nach Ihrem Amts­an­tritt klar wur­de, dass sich am Ster­ben für Deutsch­lands Frei­heit am Hin­du­kusch nichts ändern würde.

Wohl nie­mand wird leicht, geschwei­ge denn leicht­fer­tig, das Amt auf­ge­ben wol­len, an dem das gan­ze Herz­blut hängt. Ein Amt, das Ver­ant­wor­tung für vie­le Men­schen und deren Leben beinhaltet.

„Herz­blut“, Alters­pen­si­on, ist doch alles der glei­che Krem­pel. Aber dan­ke noch­mals, dass Sie, Herr zu Gut­ten­berg, das mit der Ver­ant­wor­tung noch mal erwähn­ten, denn so kann ich Sie nun fra­gen: Wo war denn Ihre Ver­ant­wor­tung, als jüngst wei­te­re Sol­da­ten, die ihr unter­stellt waren, ihre sterb­li­che Hül­le ver­lie­ßen (vul­go: fielen)?

Ich war immer bereit, zu kämp­fen, aber ich habe die Gren­zen mei­ner Kräf­te erreicht.

Das war aber auch ein har­ter Kampf, allein mit der BILD gegen die eige­ne Moral zu kämp­fen; und jetzt hat die blö­de Moral auch noch gewonnen!
Das kann sich ein Poli­ti­ker wahr­lich nicht erlauben.

Inso­fern: Gute Entscheidung!

PolitikFotografie
Kurz ver­linkt XXXVIII: Mobi­le Paranoia

(Soll­te ich mit dem fol­gen­den Bei­trag ver­se­hent­lich Ver­fol­gungs­wahn schü­ren, so tut mir das natür­lich ganz dol­le Leid.)

Ich eröff­ne die­sen Bei­trag mit einem wei­te­ren Schnapp­schuss, der ent­stand, weil mir irgend­et­was dar­an merk­wür­dig erschien:

Wäh­rend ich noch dar­über sin­nie­re, wor­an genau mein Unter­be­wusst­sein Anstoß nahm, als es mich zum Foto­gra­fie­ren ver­lei­te­te, bit­te ich den geneig­ten Leser, einen Blick auf zeit.de zu wer­fen, wo in ori­gi­nel­ler Schreib­wei­se und Gram­ma­tik zu lesen ist:

Der Grü­nen­po­li­ti­ker Mal­te Spitz hat sich (…) ent­schlos­sen, sei­ne Vor­rats­da­ten aus dem Zeit­raum August 2009 bis Febru­ar 2010 zu ver­öf­fent­li­chen. Um sie zu über­haupt bekom­men, muss­te er gegen die Tele­kom kla­gen.

Die Daten (…) ent­stam­men einem Excel­do­ku­ment mit 35.831 Zei­len. Mehr als 35.000 Mal also hat sein Mobil­te­le­fon in die­sem hal­ben Jahr Infor­ma­tio­nen Preis gege­ben. Jede ein­zel­ne davon ist im Zwei­fel unbe­deu­tend und harm­los, in der Sum­me aber erge­ben sie das, was Ermitt­ler ein Pro­fil nen­nen – ein kla­res Bild über Gewohn­hei­ten und Vor­lie­ben, ja über das gesam­te Leben.

Sicher gehen vie­le die­ser Daten im Rau­schen unter, und es ist davon aus­zu­ge­hen, dass sie nur im Ein­zel­fall über­haupt irgend­je­man­den inter­es­sie­ren, zumal letzt­end­lich der Bür­ger selbst die Ent­schei­dungs­ho­heit dar­über trägt, wie viel er sei­nem Netz­be­trei­ber von sich preis­ge­ben möch­te (selbst ein iPho­ne zum Bei­spiel kann auch mal ein­fach ein paar Tage lang blö­de in der Ecke her­um­lie­gen, wäh­rend man anders­wie ter­ro­ris­ti­sche Anschlä­ge plant), aber für uns infor­ma­ti­ons­hung­ri­ge Infor­ma­ti­ker und neti­zens – schau­ri­ges Wort – ist allein die Daten­samm­lung schon inter­es­sant zu lesen. Bri­sant ist, dass hier auch der „digi­ta­le Radier­gum­mi“, sofern man sich irgend­wann ein­mal auf eine prak­ti­sche Umset­zung einigt, nicht viel Abhil­fe schaf­fen kann, denn die tat­säch­li­chen Bewe­gungs­da­ten (GPS) sind letzt­lich ana­lo­ge Daten. Nie­mand aller­dings wür­de sei­ne Fuß­spu­ren im Sand nach­träg­lich ent­fer­nen wol­len, denn die Gefahr, dass die­se sein Leben von Drit­ten nach­voll­zieh­bar wer­den las­sen, ist eher gering, sofern die­se Drit­ten es nicht direkt dar­auf abse­hen. Dann aller­dings hat man, sofern man dar­auf bedacht ist, dass die Welt­öf­fent­lich­keit sei­ne Exis­tenz nicht ein­mal zur Kennt­nis nimmt, ein gewal­ti­ges Problem.

Nicht anders ver­hält es sich mit etwa­igen Ver­bin­dungs­da­ten bei Mobil­funk­be­trei­bern. Anders als etwa bei Apple oder Goog­le trägt man die vol­le und allei­ni­ge Ent­schei­dung dar­über, wer was wor­über erfah­ren darf.

Ich gehe übri­gens davon aus, dass ich als Reak­ti­on auf die­sen Bei­trag min­des­tens einen Kom­men­tar des Inhalts, da kön­ne ich mal sehen, wie harm­los Goog­le doch ist, erhal­te. Wer mich über­ra­schen möch­te, schreibt also etwas anderes.

Und jetzt ent­schul­digt mich, ich wer­de mir ein paar schar­fe Bil­der von ero­ti­schen Auto­mo­bi­len ansehen.
Boah, was für ein Fahrgestell!

MusikSonstigesFotografie
Zwei­sam?

We lay on the bed the­re, kis­sing just for practice
Could we plea­se be objective?
Cau­se the other boys are queu­ing up behind us
A hand over my mouth, a hand over the window
Well, if I remain pas­si­ve and you just want to cuddle
Then we should be ok, and we won’t get into trouble
Cau­se we’­re see­ing other people
At least that’s what we say we are doing

How are you feeling?
I don’t think you could be dealing
With the situa­ti­on very well
You take a lover for a dir­ty weekend, that’s ok
But when it’s over
You are loo­king at the working week in the eyes of a gigolo

(Bel­le and Sebas­ti­an: See­ing other people)

Spaß mit Spam
Herz­li­chen Glück­wunsch, Max Mustermann!

Und dann war da noch die Tele­fó­ni­ca O2 Ger­ma­ny GmbH & Co. OHG, die ver­mut­lich nichts davon weiß, dass unter ihrer Fir­mie­rung ein Herr „Herz­li­chen Glück­wunsch!“ – tat­säch­lich ist dies der ange­zeig­te Absen­der­na­me – mir, dem „lie­ben Max Mus­ter­mann“, ver­sucht, o²-Pre­paid-Käse („gra­tis Frei­kar­ten, und zwar kos­ten­los“, das ist fast so toll wie „preis­wer­tes Frei­bier“) anzudrehen:

Die Adres­se habe ich mal sicht­bar belas­sen, denn es kann ja sein, dass einer von euch, lie­be Leser, sich ein­mal den Spaß gön­nen möchte.
Ich mei­ner­seits sehe davon ab und sage: Net­ter Versuch!

Sonstiges
Blei­ben Sie so!

Für all die­je­ni­gen, die nur wenig Lust auf Expe­ri­men­te mit ihrer Fri­sur haben, aber den­noch hin und wie­der ein­mal Sham­poo benut­zen, gibt es natür­lich auch etwas in jeder gut sor­tier­ten Dro­ge­rie, wor­auf mich Didi hinwies:

(Und als er an einem Schild vor­über­ging, das in einer Klein­stadt eine „inter­na­tio­na­le“ Dino­sau­ri­er-Aus­stel­lung anpries, frag­te sich der Vor­über­ge­hen­de, aus wel­chen Natio­nen sie denn kämen, die Dino­sau­ri­er vom Urkon­ti­nent Pangaea.)

Netzfundstücke
Kata­stro­phen­alarm

Esse­ner aufgepasst:
Im Ver­lauf der mor­gi­gen Nacht kann es laut Fore­cast­fox zu einer Natur­ka­ta­stro­phe qua­si bibli­schen Aus­ma­ßes kommen.

Todes­mu­ti­ge wer­den gebe­ten, das Spek­ta­kel als War­nung für spä­te­re Gene­ra­tio­nen in Bild und Ton festzuhalten.

(Dan­ke an T.!)

KaufbefehleMusikkritik
Jea­ves­tone – 1+1=ok

Bereits im Novem­ber 2010 erschien mit „1+1=ok“ das drit­te Stu­dio­al­bum der mir bis dato unbe­kann­ten fin­ni­schen Pro­gres­si­ve-Rock-Band Jea­ves­tone und gefällt mir außer­or­dent­lich gut.

Das Album beginnt („Laser Flu­xus Bom­bus Inter­rup­tus“, auf so etwas muss man auch erst ein­mal kom­men!) instru­men­tal und ließ mich bereits in die­ser Pha­se inter­es­siert auf­hor­chen; als schließ­lich Sän­ger Jim Gold­worth, von dem ich nicht anneh­me, dass er wirk­lich so heißt, ein­drucks­voll die jewei­li­gen Tex­te dar­bot, wäh­rend sei­ne Mit­strei­ter im Hin­ter­grund an ihren Instru­men­ten bril­lier­ten und in guter, alter Yes-Manier als Chor fun­gier­ten, wuss­te ich, dass ich die­ses Album, wenn es schon aus selbst­ver­ständ­li­chen Grün­den nicht für die Halb­jah­res­lis­te 2011 in Fra­ge kommt, zumin­dest nach­träg­lich mit einer Wür­di­gung auf die­ser Sei­te aus­zeich­nen sollte.

Und eigent­lich ist „1+1=ok“ ja sogar meh­re­re Alben, denn was da an Ein­flüs­sen auf den Hörer ein­pras­selt, ist berau­schend. Je nach musi­ka­li­scher Vor­kennt­nis und Prä­fe­renz hört man hier Peter Ham­mill, Yez­da Urfa oder die Boom­town Rats am Mikro­fon, wäh­rend Cheer-Acci­dent, Mr. Bungle und ein biss­chen Frank Zap­pa (oder, je nach Lau­ne, Frogg Café) Melo­dien spie­len, die die Musi­ker selbst „Prog’n’Roll“ nen­nen und damit eine eigent­lich ganz gute Beschrei­bung hin­be­kom­men. Anders­wo wit­tert man Nähe zu Sting, bricht sich aber einen am Gen­der­wahn ab („Finn/inn/en“) und ist somit aus zwei Grün­den nicht gut zu lesen. Nicht umsonst hat es das Quin­tett auch schon auf das deut­sche Freak­show-Fes­ti­val geschafft, auf dem sich sonst jene Musi­ker zu tum­meln pfle­gen, die der typi­sche CDU-Wäh­ler ver­mut­lich nur aus ethi­schen Grün­den nicht ent­ar­tet zu nen­nen pflegt. (Die mir bei die­sem The­ma spon­tan in den Sinn kom­men­den Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um wer­den sich übri­gens nach Absol­vie­rung der drei letz­ten Kon­zer­te auf­lö­sen. Schade!)

Apro­pos Gesang: Der Gesang domi­niert zwar immer das Klang­bild, den­noch soll­te man es nicht ver­säu­men, in den Momen­ten, in denen er gefäl­li­ge­ren Lini­en folgt, auf die Musik selbst zu ach­ten, denn Jea­ves­tone beherr­schen den Kon­tra­punkt vor­treff­lich. Musik an sich zieht Parallelen:

(…) der Über­gang in die lich­te­ren, mehr Folk ori­en­tier­ten Tei­len mit akus­ti­scher Gitar­re und Flö­te klingt schon stark nach Yes bzw. Gene­sis. (…) Die Band fräst sich mit den fol­gen­den Songs, von denen für eine so Prog­ver­haf­te­te Band unty­pi­scher­wei­se übri­gens kei­nes die 6 Minu­ten Gren­ze knackt, durch die Geschich­te des Progs von Yes über Van der Gra[a]f Gene­ra­tor, ein wenig Pink Floyd und natür­lich darf auch nie­mals ein wenig von den Beat­les feh­len. Oft­mals erin­nern die Stü­cke ihrer Viel­falt aber vor allem in Ihrem Sound an deut­sche Bands der Mitt­sieb­zi­ger wie Eloy, Snow­ball oder ähnliche.

Ein gutes Album zum Hören!
Eini­ge Kost­pro­ben aus dem reich­hal­ti­gen musi­ka­li­schen Büfett kre­den­zen die Fin­nen auf MySpace.com.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPolitik
Zu den Ham­bur­ger Wah­len 2011

Die Umfra­gen zu den heu­ti­gen Ham­bur­ger Wah­len ent­beh­ren tra­di­tio­nell nicht einer gewis­sen Tra­gi­ko­mik. Mei­ne per­sön­li­che Rang­lis­te führt das furcht­ba­re Web.de mit der For­mu­lie­rung „nicht so schlecht“ und den mög­li­chen Alter­na­ti­ven an:

Über­haupt wird ein ziem­li­ches Brim­bo­ri­um um die „gro­ßen Par­tei­en“ ver­an­stal­tet, als hät­te man im Ham­burg nur die Wahl zwi­schen Pest, Cola Cho­le­ra und Her­pes. Die Ham­bur­ger Mor­gen­post (das war die hier) akzep­tier­te immer­hin fünf Par­tei­en als nen­nens­wert, der dazu gehö­ren­de Wahl­rat­ge­ber, der „die Wahl haben“ mit „jeman­den wäh­len müs­sen“ ver­wech­selt, ist auch nicht besser.

Inter­es­sant sind allen­falls die Wahl­um­fra­gen, die zwar, eben­falls tra­di­tio­nell, nicht reprä­sen­ta­tiv sind, aber eine Ten­denz andeuten.

Wie vie­le Fern­seh­sen­der sich in die­sem Jahr dar­an hal­ten, kei­ne Pro­gno­sen vor Schlie­ßung der Wahl­lo­ka­le auf­zu­stel­len, wage ich gar nicht zu erra­ten. Inter­es­sant ist aber die Dis­kre­panz zwi­schen öffent­li­cher Wahr­neh­mung und tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten. Spre­chen die Medi­en von der nied­rigs­ten Wahl­be­tei­li­gung seit Jah­ren, emp­fin­den Ham­bur­ger Wäh­ler und Wahl­hel­fer es als genau umgekehrt.

Um 18 Uhr schlie­ßen die Wahl­lo­ka­le, und dann ist hier erst ein­mal wie­der Ruhe vor der Politik.
Dar­auf gebe ich euch mein Ehren­wort, ich wie­der­ho­le: mein Ehrenwort.

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Medi­en­kri­tik XLVII: Aller gut­ten Dinge…

Apro­pos „apro­pos“; fol­gen­des Foto, von mir dezent bear­bei­tet, fand ich gera­de in mei­nem Postfach:

Gut, dass wir unse­ren Ver­tei­di­gungsminis­ter haben!

(Pas­siert gera­de wirk­lich so wenig auf der Welt, dass das „Aber“ es noch auf die Titel­sei­te der nicht näher benann­ten Bou­le­vard­zei­tung schafft?)