Persönliches
Hier — blamiert — sich HSV!

“Liebe” Anhänger des Ham­burg­er Sportvere­ins, die ihr heute, da “euer” Vere­in aus­nahm­sweise offen­bar mal gewon­nen hat,

  • meinen Weg mehrfach kreuztet;
  • “Auswärtssieg! Auswärtssieg!” skandiertet, obwohl euch nie­mand danach gefragt hat;
  • zwis­chen Bier­vor­rat und Toi­let­ten hin- und her­pen­del­tet, was mit fortschre­i­t­en­der Zeit wörtlich zu betra­cht­en ist;
  • meinen spöt­tis­chen Blick als Sym­pa­thie miss­deutetet und mit dum­mem Grin­sen beant­wortetet;
  • die Umste­hen­den, mich eingeschlossen, in eine Bier­fahne hüll­tet, von der es selb­st mir als Fre­und tschechis­ch­er Braukun­st recht flau im Magen wurde;
  • all­ge­mein einen wed­er sprach- noch ste­hbe­gabten Ein­druck machtet und
  • auf Auf­forderun­gen der das Haus­recht inne haben­den Per­so­n­en, eure Plätze “wenig­stens einiger­maßen sauber” zu hin­ter­lassen, nur mehr “Schnau­ze!” zu lallen ver­mochtet:

Wäre ich Anhänger ein­er stets an der Gren­ze zum Kreis­li­ganiveau agieren­den Truppe von Ball­tretern, dessen gele­gentliche Siege, wie ihr immer­hin selb­st erkan­nt habt, erwäh­nenswert sind, ich würde ver­mut­lich auch mein See­len­heil im Alko­hol suchen.

Und, mal ehrlich, ohne Fußball geht’s doch auch.

PolitikIn den Nachrichten
Staffellauf in Afghanistan

Eben im “heute-jour­nal”, nur echt in Klein­buch­staben, ver­suchte ein Sol­dat sich an Meta­phern und scheit­erte kläglich.

Der bewaffnete Kon­flikt sei “wie ein Staffel­lauf”, man müsse gle­ich schnell nebeneinan­der laufen, um den Stab übergeben zu kön­nen.

So weit, so ein­fach; lei­der auch so verkehrt.
Ein Staffel­lauf, so lernte ich es als junger Schüler, funk­tion­iert näm­lich nicht, indem alle Teil­nehmer gle­ich schnell nebeneinan­der laufen, denn das war eher ein beliebtes Spiel auf Schul­höfen und hieß Ket­ten­lauf.

In einem Staffel­lauf indes geht es eben darum, der Schnell­ste zu sein; weil man eben nicht nebeneinan­der läuft, son­dern in der Absicht, die Geg­n­er­mannschaften zu übertrumpfen, aufeinan­der zu. Eigentlich ist es schade, dass die Deutschen den Stab partout nicht abgeben.

Eventuell sollte ihnen jemand die Regeln erk­lären.

Nach­trag von 23 Uhr: In den Kom­mentaren erk­lärte mir “Ey Lou”, dass Staffel­lauf tat­säch­lich einen kurzen Moment des par­al­le­len Laufens bein­hal­tet. Ich zögere mit dieser Deu­tung, da ich kurze Momente irgend­wie anders in Erin­nerung habe.

PolitikIn den Nachrichten
Frauenquote, Neuauflage

Da schwelt doch, ger­ade ver­loschen geglaubt, schon wieder das The­ma “Frauen­quote” durch die Poli­tik, aus­gelöst von — wie so oft — Kristi­na Schröder. Hat­te sie aber im Novem­ber noch bemerkenswerte Geis­tes­blitze, die mich beina­he meinen Glauben daran, dass man ein naturgegeben schlechter Men­sch sein muss, um in der CDU zu sein, ver­lieren ließen, macht sie das jet­zt alles wieder wett:

Bun­des­frauen­min­is­terin Kristi­na Schröder (CDU) will mehr weib­liche Führungskräfte in Wirtschaft und Ver­wal­tung, not­falls per Gesetz. Der “Wies­baden­er Kuri­er” berichtete vor­ab, Schröders Min­is­teri­um werde prüfen, ob und inwieweit die Geset­ze geän­dert und effek­tiv­er gestal­tet wer­den müssen. Der Anteil von Frauen in Führungspo­si­tio­nen der Wirtschaft und des öffentlichen Dien­stes solle maßge­blich erhöht wer­den.

Auch Stim­men Drit­ter wer­den gehört, und für inter­es­sant halte ich außer der von Frau Inga Koster, die eine Frauen­quote zu Recht Män­nerdiskri­m­inierung nen­nt, aber, ohne etwas zu bemerken, von “der Kandidatin/dem Kan­di­dat­en” schwafelt, vor allem diese hier:

Rita Liet­zke, 53, ver­ant­wortet bei der als Per­sonal­man­agerin (sic!) bei der Deutschen Telekom den Vor­stands­bere­ich Inno­va­tion und Tech­nolo­gie. Sie sagt: “Frauen­quoten sind ein notwendi­ges Übel.”

Das ist ja mal ganz inter­es­sant zu lesen, was so eine Per­sonal­man­agerin bei der Deutschen Telekom an einem lan­gen Tag so vor sich hin­plap­pert, aber wieso soll eine Frauen­quote denn “notwendig” sein?

Wie groß ist der Prozentsatz der männlichen Führungskräfte in Altenpflege­heimen, wie groß der männlich­er Kindergärt­ner oder Grund­schullehrkräfte? Die Sta­tis­tiken schwanken, die absoluten Zahlen aber sind ein­deutig. Drei Män­ner, so erfuhr ich aus Fachkreisen, wären in einem Kinder­garten beliebiger Größe schon ein erstaunlich großer Anteil.

Wer einen Men­schen nach seinem Geschlecht statt nach sein­er Qual­i­fika­tion bew­ertet, diskri­m­iniert ihn. “Her­zlichen Glück­wun­sch, Sie haben Eier­stöcke, Sie sind eingestellt!”

Man kann auch per Gesetz nur schlecht dafür sor­gen, dass sich mehr Frauen für eine qual­i­fizierte Tätigkeit in der EDV- oder ein­er ähn­lich gut bezahlten Branche inter­essieren. Die Inter­essen eines Men­schen sind ihm in jahrtausend­langer Evo­lu­tion qua­si genetisch antrainiert wor­den. “Wir kön­nen den Unternehmen nicht ver­bi­eten, Elek­trotech­niker bess­er zu bezahlen als Ger­man­is­ten.”

Alles wieder offen? Ich bin ges­pan­nt, wozu sich die beschei­dene kün­ftige Bun­desmut­ter dann näch­stes Mal beken­nt.

PersönlichesMusikPolitikIn den Nachrichten
Dopamin

Kurze Durch­sage für Musik­fre­unde (außer­halb Ägyptens, ver­ste­ht sich):

Unter Fre­un­den erwähne ich mitunter, dass ich an ein gutes Musikalbum in der Regel pos­i­ti­vere Erin­nerun­gen hege als an kör­per­liche Freuden. Meine oft fol­gende Erk­lärung, warum ich Musik­faschist bin, brachte mir vielfach fra­gende Blicke ein.
Bevor ich mir nun also eine weit­ere Erk­lärung abringe, um meine Erk­lärung zu erk­lären, über­lasse ich das Feld lieber den Profis:

Sci­en­tists have found that the plea­sur­able expe­ri­ence of lis­ten­ing to music releas­es dopamine, a neu­ro­trans­mit­ter in the brain impor­tant for more tan­gi­ble plea­sures asso­ci­at­ed with rewards such as food, drugs and sex.

Auf gut Deutsch in Kürze zusam­menge­fasst bedeutet das, dass der Genuss eines guten Musikalbums — die Beto­nung ist hier auf “gut” zu set­zen, denn ein schlecht­es Musikalbum verur­sacht schlimm­sten­falls Würg­ereize — nicht nur ähn­liche (aber in der Regel länger anhal­tende) Glücks­ge­füh­le aus­löst wie Geschlechtsverkehr und/oder Ecsta­sy, son­dern die gle­ichen. Die Kon­se­quenz ist klar: Statt sich Chemikalien aus dubiosen Quellen reinzupfeifen und anschließend mit einem Part­ner intim zu wer­den, der nach dem Aufwachen irgend­wie ganz anders aussieht, als man ihn in Erin­nerung hat­te, kann man seine Ner­ven auch scho­nen, indem man sich stattdessen daran erin­nert, dass auch der Geist sich nach stetiger Befriedi­gung sehnt. Man muss ja nicht gle­ich zu einem Album greifen, das “Dopamin” oder “Ecsta­sy” heißt. Einige Anre­gun­gen find­en treue Leser hin und wieder auch hier.

(Hierzu ein Aufruf in eigen­er Sache: Um zu ver­hin­dern, dass mir wieder essen­ziell grandiose Musikalben ent­ge­hen, nehme ich via Kom­men­tar­funk­tion schon jet­zt Vorschläge für die Jahres­rückschauen 06/2011 und 12/2011 ent­ge­gen. Irgend­was, was drin­gend mal rezen­siert gehört? Immer her­an mit den Ideen!)

Apro­pos Ägypten: Das Volk will nicht spuren? Drehen wir ihm doch mal das Inter­net ab, das wird die Rev­o­lu­tion verhindern!!1!! Da hil­ft auch kein Not­fal­l­knopf mehr.

MusikNetzfundstücke
Kurz verlinkt XXXV: Dada da.

Was haben wir nicht alle schon gelacht über den Mumpitz, den die Webzwein­uller dieser Tage dank von min­destens dem Teufel ersonnen­er Kurzblogs wie Twit­ter oder des *vz-Busch­funks (wir funken durch den Busch, uh uh!) unges­traft in die Welt trompe­ten dür­fen. Früher (zu mein­er Zeit) hätte anlässlich manch­er wirrer Wortschwalle selb­st der sprich­wörtliche Frisör fluchtar­tig den Raum ver­lassen, weil es eben teil­weise vor Belan­glosigkeit oder jeden­falls Pein­lichkeit kaum noch zu über­bi­eten ist. Beson­ders unhan­dlich ist das Mikroblogsys­tem von Face­book, auch “Sta­tus­meldun­gen” genan­nt, weil es keine restrik­tive 140-Zeichen-Beschränkung besitzt. Für eige­nar­tige Kurzro­mane ist also viel Platz vorhan­den.

Und bekan­ntlich kann nichts auf der Welt blöd genug sein, dass nicht irgend­je­mand ein Lied darüber schriebe.

Max­i­m­il­ian Meng­wass­er tut genau das und hat mit “Was ihr über mich und eure Kun­st wis­sen soll­tet” einen frei herun­ter­lad­baren EP veröf­fentlicht, auf dem er laut Beschrei­bung “auss­chließlich Sta­tus-Mel­dun­gen sein­er Face­book-Fre­unde als Text ver­wen­det”.

Das Ergeb­nis ist noch abson­der­lich­er als das ursprüngliche Vorhaben, und ich wün­schte, Herr Meng­wass­er würde das auch mal als Album raus­brin­gen, als Bonusti­tel vielle­icht Tweets von Her­rn haekelschwein ver­to­nen, und damit reich und berühmt wer­den, damit Helge Schnei­der nicht der einzige dadais­tis­che Kün­stler bleibt, der auch mal bun­desweite Medi­en­aufmerk­samkeit bekommt. (Diskus­sio­nen über die Gren­zen von Dada und Nihilis­mus bitte ich ander­swo zu führen, einen Link dor­thin fände ich allerd­ings recht zuvork­om­mend.)

Wie singt Max­i­m­il­ian Meng­wass­er doch gle­ich?
“Man muss mich nicht ver­ste­hen — lieb­haben reicht!”

(via Indiskre­tion Ehren­sache)

NetzfundstückeMusik
YouTube und der Zauberwürfel

Eher zufäl­lig ent­deck­te ich soeben, dass das Video­por­tal YouTube nun­mehr eine neu gestal­tete Start­seite mit sich herumträgt, die an promi­nen­ter Stelle Empfehlun­gen ausspricht.

Und diese Empfehlun­gen amüsieren mich, denn sie haben mit meinen tat­säch­lichen Präferen­zen etwa eben­so viel zu tun wie meine Ama­zon-Empfehlun­gen, nach­dem ich für meine Schwest­er blöde Pfer­de­büch­er bestellt habe. Elvis-Pres­ley-Videos mit doofen Schlagern gehen als Empfehlun­gen ger­ade noch durch, wenn man zuvor nicht ganz so doofe Schlager von EAV hörte, aber den Genuss von Nihiling als Begrün­dung für die Empfehlung “guck­en Sie doch mal Lam­ba­da” zu ver­wen­den ist doch recht eige­nar­tig. (Ob die Jungs und der Nichtjunge von Nihiling mit ein­er Klage wegen Ruf­schädi­gung wohl Erfolg hät­ten?)

Empfehlun­gen kön­nen eine wirk­lich gute Sache sein, wenn sie von jeman­dem aus­ge­sprochen wer­den, der den Geschmack des Adres­sat­en nicht nur aus seinem bish­eri­gen “öffentlichen” Kon­sumver­hal­ten zu fol­gern weiß, son­dern tat­säch­lich ken­nt; manch­mal, etwa beim CD-Kauf, hat ja selb­st Amazon.de lichte Momente.

Aber worauf sich die YouTube-Empfehlun­gen stützen, würde mich dann doch schon mal inter­essieren, ist doch YouTube in der Regel vor allem ein Por­tal, auf das man gelangt, wenn einem ent­fer­nte Bekan­nte und ver­meintliche Fre­unde irgendwelche Links auf es zukom­men lassen. “Guck dir das mal an, ist witzig. Mann fällt um.” Mit den tat­säch­lichen Vor­lieben der Besuch­er hat das indes oft nur wenig zu tun, und den Betreibern von YouTube dürfte das nicht unbekan­nt sein.

Auf YouTube gibt es bekan­ntlich nahezu alles zu sehen. Zugeschnit­tene Empfehlun­gen aus einem engen Kat­a­log, die auf nur durch Zufall gesam­melten — qua­si “aus­gewür­fel­ten” — Sta­tis­tiken basieren und so beim Ver­such, Nähe zum Kon­sumenten herzustellen, vol­lends ver­sagen, dienen da nicht der Ori­en­tierung. (Ähn­lich sin­nvoll erscheint mir auch die Twit­ter-Funk­tion “Wem fol­gen?”, die ich vorhin bei einem anderen Twit­ter­nutzer sah; wer etwa dem Big Ben “fol­gt”, legt auf andere Quatschbots wom­öglich nur wenig Wert.)

Aber Haupt­sache, alles ist schön inter­ak­tiv. Fünf Drach­men ins Phrasen­schwein.

Sonstiges
Durch Mark und Hirn

Micky ist klüger als wie Goofy.Noch ein Kurz­er für die Fre­unde kluger Anmerkun­gen:

Die RTL-Ausstrahlung der Serie “Dr. House” wird eben­so wie manche anderen Serien auf jen­em Sender mit Quizfra­gen unter­brochen, die irgend­was mit medi­zinis­chen oder juris­tis­chen, abhängig von der aktuell gezeigten Sendung, The­men zu tun haben. Die möglichen Antworten sind meist über­aus blöde, eine ist die einzig zutr­e­f­fende, die andere eine dem Hirn eines Wirrkopfes entstam­mend erscheinende Antwort.

Das heutige Quiz ist insofern eine Beson­der­heit, als bei­de vorgegebe­nen Antworten schlicht falsch sind. Nach ein­er Beze­ich­nung für den “men­schlichen Gedächt­nis­spe­ich­er” wurde gefragt. Ist es a) das Gebein oder b) das Gehirn?

Hihi­hi, voll blöde, das ist ja kinder­le­icht!, wer­den sich da die üblichen Teil­nehmer denken, zweit­ere Lösung vorschla­gen und unter Umstän­den 500 Euro kassieren. (Das bish­er abson­der­lich­ste mir bekan­nte Wort für “kinder­le­icht” entstammt übri­gens aus­gerech­net dem Mund eines Kindes; es lautet “pip­ig”, wohl von “pip­ile­icht”, und man sollte es sich nicht merken.)
Lei­der haben sie Unrecht.

Zwar ist das men­schliche Gedächt­nis im men­schlichen Gehirn ver­ankert, mit­nicht­en entspricht das Gehirn aber dem “Gedächt­nis­spe­ich­er”. “Beifahrersitz” ist ja auch kein anderes Wort für ein vier­rä­driges motorisiertes Fahrzeug.

Na; RTL eben.

NetzfundstückeNerdkrams
“RSS ist tot” ist tot.

Ach, wie es wieder rumort im Bienen­stock der Webzwein­uller. RSS sei tot und Face­book sei das kom­mende Ding. Die Ursachen für den RSS-Tod? Die Webzwein­uller nutzen es, immer auf der Suche nach dem neuesten Trend, selb­st nicht mehr, Google Chrome hat keine RSS-Lese­funk­tion, vielle­icht ist auch ein­fach nur das Wet­ter schuld, dass jedes Jahr die gle­ichen Prophezeiun­gen nicht zutr­e­f­fen.

Der Vor­wand, dieses The­ma wieder hochzukochen, heißt dieses Mal Read­abil­i­ty (“Les­barkeit” im Wortsinne), eine neue Funk­tion des iPhone-/iPad-RSS-Lesers “Reed­er”, mir aus ver­ständlichen Grün­den bis dato völ­lig unbekan­nt, mit deren Hil­fe er “den Tabubruch wagt”, gekürzte Feeds, wie sie etwa heise.de und SPIEGEL Online präsen­tieren, in voller Länge einzublenden und so eine von den jew­eili­gen Betreibern, unter anderem auch Blog­gern mit wer­be­fi­nanzierten Inter­ne­tauftrit­ten, etwa Robert Basics ehe­ma­liges Vorzeige­blog Basic Think­ing, meist absichtlich einge­führte Beschränkung zu umge­hen.

Tat­säch­lich ist RSS keines­falls tot, auch wenn manche Unternehmen wohl unab­sichtlich ver­suchen, es zu Tode zu melken. Für mich zum Beispiel sind RSS- und Atom-Feeds die ein­fach­ste Möglichkeit, schnell eine Über­sicht über die aktuelle Nachricht­en­lage zu erhal­ten. Natür­lich kön­nte ich alter­na­tiv auch täglich selb­st die ver­schiede­nen Nachricht­en­seit­en besuchen und meinen Favoriten etwa auf Twit­ter “fol­gen”, aber dafür sind Twit­ter nicht gemacht und der Tag zu kurz.

Das von mir derzeit ver­wen­dete RSSOwl (bis­lang ander­swo noch nicht ent­deck­te und für die effiziente Feed­nutzung uner­lässliche Funk­tion: Feeds in Unterord­ner sortieren) etwa “überwacht” bei mir derzeit 140 Weblogs, Nachricht­en­por­tale und ver­schiedene andere Inter­net­seit­en. Müsste ich sie alle via Twit­ter, Face­book oder Fire­fox-Leseze­ichen “ver­fol­gen”, bezwei­fle ich, dass das mein­er Bere­itschaft, immer wieder neues zu ent­deck­en, auf Dauer zuträglich wäre. Im Gegen­teil wür­den so manche der Ver­ant­wortlichen in Bälde einen Benutzerver­lust in Höhe von jeden­falls 1 verze­ich­nen.

Den großen Skan­dal, den man in die erwäh­nte “Entkürzungs­funk­tion” von “Reed­er” hinein­in­ter­pretiert, kann ich jeden­falls nicht erken­nen, denn Dien­ste wie etwa Wiz­ardRSS bieten ver­gle­ich­bares nicht erst seit diesem Jahr an. Wer etwa das mitunter über­aus amüsante, meist eher poli­tisch lib­erale Weblog Der Spiegelfechter abon­nieren möchte, kön­nte sich mit der gekürzten Orig­i­nalver­sion zufrieden geben oder greift etwa via Wiz­ardRSS auf den ungekürzten Feed zurück.

Natür­lich ist es ver­ständlich, dass man mit einem meist teuer gemieteten Inter­ne­tauftritt auch ein wenig Geld wieder zurück­er­ar­beit­en möchte, etwa mit dem Ein­bauen von Wer­be­ban­nern. Das durch das Kürzen “gewonnene” Geld schafft aber nicht automa­tisch mehr Wer­beein­nah­men, denn nicht nur laden derzeit ver­bre­it­ete Wer­be­for­mate zum Ein­satz von Wer­be­block­ern ein, auch die Leser­schar, die sich üblicher­weise eben für die Nutzung des jew­eili­gen Feeds entschei­det, um die Seite selb­st nur dann zu besuchen, wenn es auch sin­nvoll erscheint, ist ver­ständlicher­weise unge­hal­ten. Gekürzte Feeds sind Pest und Cholera des Inter­nets. Insofern ist es bemerkenswert, dass auch in meinem Feedleser nur über­aus wenige Weblogs auf Wer­bung im Feed set­zen und ihren Fokus lieber auf eine Face­book- oder ähn­liche Präsenz leg­en, wo sie schon rein tech­nisch darauf verzicht­en müssen, frei über die Ein­blendung von Wer­bung entschei­den zu kön­nen. Schöne, neue Welt 2.0.

Übri­gens, apro­pos Apple.

KaufbefehleMusikkritik
Sahara Surfers — Spacetrip On A Paper Plane

Im ver­gan­genen Dezem­ber merk­te ich an, dass bei der Zusam­men­stel­lung der Jahre­sendrückschau unter anderem das Album “Spacetrip On A Paper Plane” der Sahara Surfers aus Zeit­grün­den keine Beach­tung fand, was Schlagzeuger Michael “Stei­ni” Ste­ingress dazu ver­an­lasste, mir seine Aufwartung zu machen; ein Glück, denn so plagte mich immenses Bedauern, das mich let­ztlich beschließen ließ, bei der näch­sten sich bietenden Gele­gen­heit das Ver­säumte aus­führlich nachzu­holen.

Und es hin­ter­ließ mich beein­druckt.

Was da aus meinem Klan­gaus­gabegerät schep­perte und jet­zt ger­ade wieder schep­pert, ist grandios­er Ston­er Rock vom ersten Takt an. Die vier Öster­re­ich­er aus “Bitte Bundesland/Region auswählen” lassen nichts anbren­nen. Hier und da ist Postrock­iges (Ampli­fi­er, Dear John Let­ter) nicht fern, aber vor allem regiert hier der Groove. Die Wikipedia “weiß”:

Als stil­prä­gend gel­ten der Blues­rock als Basis, tiefges­timmte Gitar­ren, die teil­weise durch Bassver­stärk­er gespielt wer­den, schep­pernde Drums, entrück­te bis rock­ige Vocals, stark aus­geprägter Groove und ein all­ge­mein sehr bass­lastiger Sound.

Für die Sahara Surfers wie auch für stil­ver­wandte Musik­er wie etwa Colour Haze, dass “Ston­er Rock” nichts mit Steinen zu tun hat, anders gesagt: “Spacetrip” ist gut aus­ge­drückt. Nicht umson­st trat man auch schon in einem Etab­lisse­ment namens “Mush­room Cel­lar”, “Pilzkeller”, zwinker!, auf.

Die Texte, vor­ge­tra­gen übri­gens von ein­er Frau, was in diesem Genre nicht unbe­d­ingt der Regelfall ist, fol­gen oft repet­i­tiv­en Struk­turen (“Sis­ter In Shade”) und sind anson­sten für uns Lied­textfre­unde nach­haltig erin­nern­swert (“Your whole world will die” heißt es etwa mehrfach in “Pro­peller”), Klis­chee an, was eine willkommene Abwech­slung zu den im Ston­er Rock eher ver­bre­it­eten The­men (Friede, Brüder und Schwest­ern!) ist. Klis­chee aus. Ist euch übri­gens schon aufge­fall­en, dass der nahe liegende Ver­schreiber “Schwetser” wie “Schwätzer” klingt?

Mit etwa 32 Minuten Laufzeit ist der akustis­che Trip lei­der ein wenig kurz ger­at­en, aber daran soll es let­ztlich auch nicht scheit­ern; man drücke die Wieder­holen-Taste und höre sich das Hirn schwammig.

“Spacetrip On A Paper Plane” gibt es für fünf Euro via Mail zu bestellen, die passenden Kon­tak­t­dat­en find­en sich neb­st derzeit vier der sechs Stücke auf Myunterstrich.com. Wer, wie ich, nicht immer genug Geld herum­liegen hat, der kann sich auch, wie ich, mit dem mehrkosten­freien Down­load behelfen. Ich bin allerd­ings überzeugt, das Geld ist gut angelegt.

Gern mehr davon!

In den NachrichtenFotografie
Heute mal: Diskriminierung hinnehmen!

Unfass­bar, man über­lässt das Inter­net mal zwei Tage lang weit­ge­hend seinem Schick­sal und die Ereignisse über­schla­gen sich förm­lich.

Über die bemerkenswerten Machen­schaften ein­er laut übere­in­stim­men­dem Medi­ene­cho eher nicht für Qual­ität bekan­nten deutschen Web­de­sign­kl­itsche, die dem “rechts­freien Raum Inter­net” den Kampf ange­sagt hat, ste­ht in den Kom­mentaren dort schon alles Wis­senswerte. Anson­sten spielte sich heute ein Dia­log zweier base­ballbe­mützter Pas­san­ten ab, dem ich ent­nahm, dass eine gewisse “sexy Cora”, “ey”, ange­blich “bekan­nt” aus Big Broth­er (der Fernsehsendung, nehme ich an), gestor­ben sei, als sie während der Narkose für eine Brust­op­er­a­tion “eingeschlafen oder ins Koma gefall­en oder so” war. Für Hin­weise darauf, wer diese “sexy Cora” ist und was ihren Tod zu einem Poli­tikum macht, über­lege ich mir vielle­icht noch eine Beloh­nung.

Apro­pos Inva­lid­ität: Was ich mir auch noch über­legen will, ist eine akzept­able Antwort auf die Frage, wieso ein Plakat “gegen Diskri­m­inierung” mit ein­er deut­lichen Überzahl an Frauen aufwartet und so gezielt männliche Betra­chter diskri­m­iniert. Das muss man nicht hin­nehmen, man kann eben nur auch nicht viel dage­gen tun. Das Leben ist hart!

Sonstiges
Medienkritik XLVI: Fleischige Pracht

Ziem­lich unkosch­er, “STERN”, scheint mir dann auch eure dieswöchige Titelgeschichte zu sein. Euer Titel­bild näm­lich, das unter dem Sujet “Fleis­ch­los glück­lich” immer­hin nicht aus­drück­lich orig­inelle Begrün­dun­gen ver­heißt, warum Veg­e­taris­mus “hip” — wie eben auch Mager­sucht und Komasaufen “hip” sind — sei, zeigt eine sichtlich aus­ge­mergelte (apro­pos mager) blonde Frau, die entwed­er zu viel raucht oder nicht mehr ihre natür­liche Haar­farbe trägt, aber so heit­er drein­blickt wie einst Jack Nichol­son in sein­er Rolle als Bat­mans Antag­o­nist “Jok­er”. Alb­träume von diesem eher bedrohlichen Anblick kann ich nicht auss­chließen.

Diesen Fehlgriff tapfer ignori­erend befind­et der denk­ende Sichter auch das eigentliche Anliegen für Hum­bug. Dass ihr, “STERN”, mit “NEON” eine mit vie­len trendy Trend­sto­rys gespick­te “BRAVO” für die vor Fachid­ioten qua­si überquel­lende intellek­tuelle Mit­telschicht u.a. zu ver­ant­worten habt, ist bekan­nt, vielle­icht aber ist es auch der Umstand, dass auf der Titel­seite eine Frau in den augen­schein­lich besten Jahren, wofür auch immer, statt ein­er gle­ich­falls “hip­pen” Mittzwanzigerin zu sehen ist; jeden­falls war ich für eine angemessene Zeitspanne dur­chaus schlicht nicht fähig zu begreifen, dass so eine Titelgeschichte als “STERN” und nicht, wie son­st üblich, als “NEON” (“unnützes Wis­sen”, nur mit einem solch ent­lar­ven­den Vok­ab­u­lar genügt es wohl zum “STERN”-“Redakteur”) darge­boten wird.

Aber ich war ja noch dabei, das The­ma an sich zu kri­tisieren. So, so, Veg­e­taris­mus ist also “hip”, hip, hur­ra, gle­ich­sam der gegen­wär­ti­gen Inter­essenslage der sich für “im Trend” hal­tenden Schmöck­in­nen und Schmöcke entsprechend. Zu mein­er Zeit (rhabar­ber, sülz) emp­fan­den sich die in-peo­ple als noch durch mehr als nur die Ess­ge­wohn­heit­en miteinan­der ver­bun­den. Wie toll und pri­ma und vor allem gesund Veg­e­taris­mus ist, wird durch die Galions­fig­ur eur­er, “STERN”, aktuellen Aus­gabe sehr ein­drucksvoll präsen­tiert, näm­lich offen­bar mal so gar nicht.

Veg­e­tari­er sollte man anson­sten eben­so wenig wie Moslem oder iPhone-Nutzer nur deshalb wer­den, weil es ger­ade irgen­dein­er Mode entspricht und somit zu einem sig­nifikan­ten Anstieg der eige­nen Rep­u­ta­tion im Kreise ähn­lich Tick­ender führen kann. Eine Inter­essens­ge­mein­schaft, die sich in gemein­samen Mahlzeit­en erschöpft, ist wom­öglich zweck­di­en­lich, aber für gemein­same Unternehmungen jen­seits der Mensen und Kan­ti­nen nur eingeschränkt tauglich. “Kommt, meine hip­pen Fre­unde, wir machen die Nacht durch! Ich kenne da ein schönes Salat­bistro …”, na dann: Wohl bekomm’s!

(Wenn halt son­st nichts passiert in Deutsch­land.)

Nerdkrams
Browser: Einfalt und Vielfalt

Erschreck­end eigentlich sind die meter­ho­hen Plakate, die derzeit vielerorts in deutschen Städten herumhän­gen und Wer­bung für Chrome, das ominöse Fire­fox-Imi­tat des Unternehmens Google, machen, und das nicht nur aus his­torischen Grün­den.

Wir erin­nern uns an den längst leg­endären “Browserkrieg” zwis­chen Netscape und Microsoft, der let­ztlich mit der Nieder­lage Netscapes, aber auch der Entste­hung und dem Auf­stieg des aus dem Netscape Nav­i­ga­tor ent­stande­nen Browsers Fire­fox endete. Für lange Zeit war das The­ma damit erledigt, der Inter­net Explor­er ver­lor stetig an tat­säch­lichem Mark­tan­teil, Fire­fox avancierte auf vie­len Plat­tfor­men zum Qua­si­stan­dard.

Seit 2008 facht aber Google einen erneuten “Browserkrieg” an, wobei die Bekan­ntheit der Marke Google der Ver­bre­itung des hau­seige­nen Browsers sicher­lich manchen Vorteil bietet. Eine der­art virale Mar­ket­ingkam­pagne, gegen die auch die ganz­seit­ige Anzeige zur Veröf­fentlichung von Fire­fox 1.0 verblasst, ist jedoch weit über­zo­gen.

Google Chrome ist ein von den üblichen Qual­itätsme­di­en als min­destens Rev­o­lu­tion des Inter­nets gepriesen­er, an tat­säch­lichen Vorteilen jedoch eher armer Brows­er. Was man mitunter an “deut­lichen Vorzü­gen” von Chrome zu hören bekommt, entstammt eher der Kat­e­gorie der urban leg­ends, dem Hören­sagen also, als den tat­säch­lichen Gegeben­heit­en.

Sich­er gibt es Tests, die bele­gen, dass Chrome der schnell­ste Brows­er ist, aber die Ergeb­nisse hän­gen immer auch vom Testver­fahren ab, was wir spätestens wis­sen, seit Microsoft belegte, dass der kom­mende Inter­net Explor­er 9 bere­its in ein­er Vor­ab­ver­sion jeden anderen getesteten Brows­er qua­si im Rück­wärts­gang über­holt. Es gilt: Je aus­führlich­er getestet wird, desto deut­lich­er sieht man, wo geschum­melt wird. Chrome mag zwar unter manchen Umstän­den mit flinken Ladezeit­en aufwarten, erkauft das aber mit dem mit großem Abstand höch­sten RAM-Ver­brauch. Der von der Zom­bies nicht unähn­lichen Menge der­er, die immer nur dem neuesten Trend nach­ja­gen, als “Fat­fox” geschmähte Brows­er Fire­fox siegt in dieser Kat­e­gorie gle­ich­falls mit Abstand, “fett” ist da also nichts. Wenn sich Fire­fox immer langsamer anfühlt, ist es vielle­icht schlicht Zeit, das Pro­fil zu entrüm­peln.

Mit jedem Ver­sion­ssprung wird Fire­fox — Neuin­stal­la­tion ohne Alt­las­ten natür­lich voraus­ge­set­zt — mess- und fühlbar schneller und Ressourcen sparen­der als die jew­eilige Vorgängerver­sion. Ein von mir auf einem gesicherten Sys­tem mal halb­wegs benutzbar kon­fig­uri­ert­er Chromi­um-Brows­er (qua­si Chrome ohne Google) erschien mir, direkt ver­glichen mit ein­er Fire­fox-4-Betaver­sion, jeden­falls über­aus zäh.

Auch son­st kann Googles Pres­tige­pro­jekt zumin­d­est mich nicht überzeu­gen. Die als “entschlackt” gepriesene Bedienober­fläche diente offen­bar als Inspi­ra­tion für die Neugestal­tung von Fire­fox 4, fand aber, wenig erstaunlich, nur wenig Anklang bei den Nutzern. Die Vielzahl an Erweiterun­gen, die die Vorteile der alt­be­währten Ober­fläche zurück­brin­gen, ist längst unüber­schaubar gewor­den. Anscheinend ist das Bedi­enkonzept doch weniger durch­dacht als es überzeugte Chrome-Nutzer nur allzu gern behaupten. Mel­dun­gen über zahlre­iche Sicher­heit­slück­en in Chrome, die qua­si über Nacht geschlossen wer­den, hal­ten sie ja auch nur sel­ten davon ab, Chrome als “sich­er” zu beze­ich­nen; tod­sich­er eben.

Der Wirbel um Google Chrome ist eben doch primär mar­ket­ingbe­d­ingt; die gefühlten 463 Prozent Mark­tan­teil sind eben doch oft nur sieben (das scheint laut mein­er Sta­tis­tik ein dur­chaus prax­is­na­her Durch­schnittswert zu sein). Um so weniger ver­ste­he ich es, dass, nach­dem die Men­schheit 13 Jahre lang Zeit hat­te, aus den Fehlern des ersten “Browserkriegs” zu ler­nen, jet­zt schon wieder so ein Brim­bo­ri­um um die Frage betrieben wird, welch­er Brows­er ger­ade am ehesten im Trend liegt. Haupt­sache neuer und bunter und mit noch kryp­tis­cherem icon; es ist ja nicht so, dass so ein Pro­gramm­sym­bol irgen­det­was über das Pro­gramm aus­sagen sollte. (Das Sym­bol von Google Chrome sieht ein wenig aus wie das Spiel “Simon”, aber was soll das bedeuten?)

Man sollte meinen, aus dem Durcheinan­der, das aus der Zer­stück­elung des Webs auf­grund miteinan­der inkom­pat­i­bler “Stan­dards” der einzel­nen Browser­her­steller fol­gte, hätte man gefol­gert, dass zukün­ftige Gen­er­a­tio­nen von Web­browsern sich auf die Auf­gabe konzen­tri­eren soll­ten, die Stan­dards des World Wide Web Con­sor­tiums best­möglich zu inter­pretieren. Stattdessen ist auch HTML 5 ein Schlacht­feld gewor­den, die bren­nende Frage lautet: WebM oder H.264? Geht es nach Google, soll das eigene For­mat (natür­lich) kün­ftig H.264 als Qua­si­stan­dard ablösen. Dass die WebM-Soft­ware tech­nisch schlicht Schrott ist, ist den meis­ten Gestal­tern von Inter­ne­tauftrit­ten wohl eher egal. Stan­dard ist, wo die Masse ist.

Natür­lich kann ich es ver­ste­hen, wenn ein Unternehmen stolz auf seine Ideen ist, auch wenn sie keine reellen Inno­va­tio­nen darstellen. Was ich aber nicht ver­ste­he, ist, wieso man als Her­steller eines Pro­gramms, das kein Einkom­men gener­iert, darauf erpicht ist, Konkur­renten den Rang abzu­laufen.

Um es ein­mal scharf zu for­mulieren: Die Ver­mark­tung von Chrome wirft das “Web 2.0” und alles, was nach ihm kom­men mag, wieder um mehr als eine Dekade zurück. Ger­ade glaubten wir Insin­ter­ne­trein­schreiber, die Tage der Brows­er, die ihre eige­nen Stan­dards definieren, seien vor­bei, da kam Google ums Eck und demon­stri­erte uns, dass es genau so Ner­ven zehrend agieren kann wie einst Microsoft. Sich­er ist es pri­ma, dass neue Stan­dards entwick­elt und beste­hende verbessert wer­den, es ist nur fatal für ein glob­ales, freies Netz, wenn die, die es definieren, nur den eige­nen Mark­tan­teil im Sinn haben. Wohl denen, die nicht in dieser Branche arbeit­en müssen. Wehe denen, die an Stan­dards glaubten.

An ein zum Stan­dard tau­gen­des HTML 6 ist unter diesen Umstän­den nicht zu denken.

Sonstiges
Der Film mit dem einen Typen da

Als ich also heute gedanken­ver­loren eine Tüte gesalzen­er Nüss­chen knus­perte, überkam mich eine Einge­bung; ich erin­nerte mich an meine wüste Jugend und den einen Film da.

Eines Nachts näm­lich, als ich wie viele her­anwach­sende Spät­pu­bertierende gelang­weilt, nicht jedoch aus­re­ichend müde, die ver­füg­baren Fernsehsender auf lei­dlich Sehenswertes prüfte, unter­brach mein Fin­ger sein Schaltwerk auf dem damals schon über­durch­schnit­tlich pri­maen deutsch-franzö­sis­chen Sender arte. Er, der Sender, zeigte den einen Film da, der der Sparte der franzö­sis­chen Erotik­dra­men — Orig­i­nal mit Unter­ti­tel — entstammte. Die Hand­lung lief etwa so ab:

Von einem dick­en, behaarten Mann unge­fähr mit­tleren Alters mit Voll­bart wird ein gegen­teiliger Knabe gefan­gen genom­men und muss ihm for­t­an, nackt angeket­tet und auf allen Vieren, als das dienen, was man sich ab einem gewis­sen Alter (oder als Redak­teur von Mee­dia) so vorstellt, wenn man diesen Anfang ein­er Beschrei­bung im Kopf weit­er­spin­nt. Im weit­eren Ver­lauf kommt er durch einen Trick frei, während sein unge­beten­er Gast­ge­ber sich zufrieden aus­ruht, und trifft auf seine blonde Fre­undin. Die freut sich nur wenig darüber, dass ihr vorge­blich Geliebter nun wieder für ein­vernehm­lichen Geschlechtsverkehr bere­it ste­ht, haut ihm eine runter und fragt voll des Grimms und der Eifer­sucht: “Er hat dich gut gefickt, wie?!”.

Damit dürfte sich das Klis­chee, dass die Hand­lung von Erotik­fil­men mit dem wahren Leben nichts zu tun hat, hof­fentlich wider­legt fühlen und for­t­an ein Dasein als von Ver­rück­ten gemurmelte Wirr­nis fris­ten. Für Hin­weise, wie der Film heißt, lobe ich übri­gens eine Ver­linkung in einem mein­er näch­sten Beiträge aus.

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In den Nachrichten
10 Jahre Grabenkampf

10 Jahre alt ist die Wikipedia nun unge­fähr, nur wenig jünger die deutschsprachige Aus­gabe. Seit eben­falls etwa 10 Jahren entzweien sich die Men­schen an der Frage: Wikipedia gut oder nicht so gut?

Diese Frage ist ja nicht ein­mal in der Gruppe der­er, die ersteren Stand­punkt vertreten, abschließend gek­lärt. Aus­sagen wie “ich nutz eh nur noch die englis­che Wikipedia” sind üblich, nicht nur an Lehranstal­ten, deren Bedi­en­stete den Schlachtruf “Wikipedia ist Schrott” stets wie auf Abruf ertö­nen lassen. Qual­ität oder Quan­tität?

Ich und die Wikipedia

Natür­lich ist die Wikipedia auch für mich ein wichtiger Aus­gangspunkt für Recherchen jedes Fachge­bi­etes gewor­den. Allerd­ings ver­suche ich der Gemein­schaft auch etwas zurück­zugeben: Ich schreibe seit 2005 unregelmäßig in der Wikipedia mit, ent­fehlere beste­hende Artikel, füge aber auch gern neue hinzu und ver­suche beste­hende vor dem Löschen zu ret­ten. Eine der vie­len Erfahrun­gen, die mich während dieser Zeit das Ökosys­tem Wikipedia lehrte, ist, dass die Annahme, die deutschsprachige Wikipedia sei zu bürokratisch, zu fehler­haft, zu klein oder zu steif (Fre­unde der Regel 34 wer­den um Dezenz gebeten), “zu deutsch” eben, irrig ist.

Ein Beispiel aus mein­er eige­nen Tätigkeit:

Über den Dateiman­ag­er Pro­to, dessen Bedi­enkonzept ein Alle­in­stel­lungsmerk­mal ist, das für die Erfül­lung der Rel­e­vanzkri­te­rien in der deutschsprachi­gen Wikipedia genügt, schrieb ich einen Artikel, der Entwick­ler hat mir auch die Nutzung des Screen­shots aus­drück­lich genehmigt. Nun aber fand der Entwick­ler meinen Artikel so inter­es­sant, dass er mich bat, ihn auch in die englis­chsprachige Wikipedia zu set­zen. Da begann dann ein Prozess, der anschaulich dar­legt, wieso Sätze wie “die deutsche Wikipedia ist ungut” bei mir eher höh­nis­ches Gelächter als zus­tim­mendes Nick­en aus­löste.

Zuerst ver­schwand näm­lich dort der eben­falls eingestellte Screen­shot, obwohl ich die Freiga­be erwäh­nt hat­te, beina­he kom­men­tar­los; die Lizenz sei “ungek­lärt”. Nun gut, dachte ich, und nahm den Vor­fall Achseln zuck­end zur Ken­nt­nis. Wenig später dann wurde allerd­ings der gesamte Artikel mit der Lieblings­be­grün­dung all der­er, die sich gern über die deutschsprachige Wikipedia bekla­gen, gelöscht: Pro­to sei “irrel­e­vant”. Habe ich schon erwäh­nt, dass der Artikel in der ach so furcht­baren Löschhölle der de.WP (ich kürze das jet­zt mal ab) bis heute unbean­standet geblieben ist?

Rel­e­vanz ist Fir­lefanz

Apro­pos Rel­e­vanzkri­te­rien: Man hört ja so aller­lei. Dabei ist das doch ganz leicht, denn let­ztlich muss man nur eine ein­fache Liste von oben nach unten durchge­hen. Es gilt: ODER, nicht UND. Erfüllt ein Artikel ein Rel­e­vanzkri­teri­um, ist er rel­e­vant, erfüllt er vierzig, ist er auch nicht rel­e­van­ter. Dass die Liste der “RK” so lang und unüber­schaubar wirkt, lässt dem willi­gen Autor so weitaus mehr Frei­heit­en als eine andere Lösung, denn let­ztlich ist jedes Rel­e­vanzkri­teri­um eine Frei­heit.

Men­schen, die sich hämisch über die Qual­ität der Artikel “ihres” Fach­bere­ichs aus­lachen, kann ich nicht ver­ste­hen, so gern ich das auch würde. Fak­tisch sind viele Artikel in der de.WP länger und mit mehr Bele­gen verse­hen als ihre englis­chsprachi­gen Pen­dants. Anson­sten haben viele, so scheint es mir, das Konzept der Wikipedia immer noch nicht ver­standen. Web 2.0, Alter! Mit­mach­web! Die Wikipedia ist ein Geben und Nehmen. Ich war bis­lang der Annahme ver­fall­en, seit die Leute ein Wort dafür ken­nen, find­en sie das Prinzip, nicht mehr nur als bloße Kon­sumenten ihr Dasein im Inter­net fris­ten zu müssen, total aufre­gend und nachah­menswert, aber die Wikipedia als ein­er der Vor­re­it­er des “Mit­mach­webs” scheint inter­es­san­ter­weise den gegen­teili­gen Effekt her­vorzu­rufen. Ist Mit­machen der Nor­mal­fall gewor­den, sehnen sich die Nutzer nach etwas, das sie bloß kon­sum­ieren kön­nen, ohne unver­hält­nis­mäßi­gen Aufwand treiben zu müssen.

Warum aktiv wer­den?

Klar, der Men­sch ist eine bequeme Spezies. Wenn man einen Artikel sucht, find­et man ihn ohne­hin bere­its, not­falls (hierzu siehe mein Gegen­beispiel oben) in der englis­chsprachi­gen Wikipedia. Warum sollte man sich dann noch damit aufhal­ten, beste­hende Infor­ma­tio­nen zu verbessern, wenn man nicht ein­mal Geld und/oder Ruhm dafür erhält?

Das ist eine nicht ganz triv­ial zu beant­wor­tende Frage. Wenn ich jeman­dem meine Autoren­schaft in der de.WP enthülle, ernte ich in der Regel ver­ständ­nis­los­es Kopf­schüt­teln. Ich begreife mich aber als Teil von etwas Großem, als Baustein im Sys­tem. Schreibe ich nicht, schreiben eben andere; aber was wür­den die für einen Unsinn schreiben? Qual­ität statt Quan­tität gilt für mich beim Insin­ter­ne­trein­schreiben eben­so wie in der Wikipedia. Mein bish­er umfan­gre­ich­stes Pro­jekt dort, die grundle­gende Über­ar­beitung des Artikels über The Vel­vet Under­ground, dauerte einige Wochen, resul­tierte aber darin, dass der Artikel schließlich mit der Ausze­ich­nung “Lesenswert” verse­hen wurde. Auch, wenn nir­gends im Artikel mein Name ste­ht, so bleibt den­noch das Wis­sen darum, einen Teil zur qual­i­ta­tiv­en Verbesserung der de.WP beige­tra­gen zu haben. Zwar bringt es mir keinen materiellen Wert, aber ich darf damit prahlen, sofern mir der Sinn danach ste­ht.

Und wie?

Fast jeden Tag lese ich auf irgendwelchen Diskus­sion­s­seit­en zu Artikeln in der de.WP Hin­weise wie etwa:
“Der dritte Absatz ist falsch, das war ganz anders.”

Das ist sich­er schön zu wis­sen, mitunter ste­hen auch Quellen dran (“ste­ht im Buch …”, “hat … im Inter­view gesagt” oder ver­gle­ich­bares), aber, liebe Neunutzer der Wikipedia, die wenig­sten Artikel, die ihr dergestalt kom­men­tiert, sind halb- oder vollges­per­rt. Das bedeutet, dass ihr nicht ein­mal ein Benutzerkon­to in der de.WP besitzen müsst, um einen Artikel zu bear­beit­en und eure Änderun­gen einzufü­gen. Habt ihr einen Fehler gefun­den und kön­nt ihn bele­gen? Ein­er der Leit­sätze der Wikipedia, ohne die sie nicht dauer­haft beste­hen kön­nte, ist: Seid mutig! Das Beste ist es, ihr habt eine Quelle parat, etwa “Inter­view mit Mick Jag­ger am 30.2.2008 auf 3sat”, aber so detail­liert müsst ihr nicht ein­mal vorge­hen. Let­z­tendlich wird euch auch kein­er den Kopf abreißen; schlimm­sten­falls wird eure Änderung zurück­ge­set­zt.

Selb­st, wenn der bean­standete Artikel für Bear­beitun­gen unangemelde­ter Benutzer ges­per­rt ist und ihr euch nicht anmelden wollt, ste­ht es euch frei, den entsprechen­den Hin­weis auf der Diskus­sion­s­seite zu hin­ter­lassen, aber auch dann ist es schwierig, den Artikel entsprechend zu verbessern, wenn außer “is falsch, macht ma richtig” nicht viel dort ste­ht. Belege oder zumin­d­est ein Ver­weis darauf, was genau der Über­ar­beitung bedarf, sind gern gese­hen.

Trotz alle­dem sollte man nicht vergessen:

Die Wikipedia ist kein Lexikon!

Eine Enzyk­lopädie ist eine Enzyk­lopädie ist eine Enzyk­lopädie. Sie hegt aber in kein­er Aus­prä­gung, auch nicht in der englis­chsprachi­gen, den Anspruch, das gesamte Wis­sen der Men­schheit zu kon­servieren. Einige natur­wis­senschaftliche und juris­tis­che Fra­gen sind in der Wikipedia beant­wortet wor­den, den­noch ist sie wed­er eine Fach­pub­lika­tion für Natur­wis­senschaftler noch für Juris­ten. Entschei­dend sind hier aber die Einzel­nach- und Inter­netver­weise, die meist auf entsprechende Pub­lika­tio­nen ver­weisen. Die Wikipedia ist als kon­tinuier­lich erweit­ertes und aktu­al­isiertes Nach­schlagew­erk ein nicht zu unter­schätzen­der Aus­gangspunkt für Recherchen, in der deutschsprachi­gen Aus­prä­gung nicht min­der als in allen anderen, denn die Ver­weis­dichte ist, auch auf­grund des Regel­w­erks, in dieser über­durch­schnit­tlich hoch.

Keine Inter­net­seite kann auf alles eine Antwort haben; und genau darum nen­nt man das Inter­net auch ein Infor­ma­tion­snet­zw­erk. Infor­ma­tio­nen ver­weisen auf noch mehr Infor­ma­tio­nen. Im Inter­net find­et man über­all ein biss­chen von fast allem. Ein umfassendes Nach­schlagew­erk, das jed­er Kri­tik an seinem Inhalt die Sub­stanz nähme, machte das Inter­net im Prinzip über­flüs­sig.

Zehn Jahre Wikipedia haben das Inter­net verän­dert. Hof­fentlich wird es nicht weit­ere zehn Jahre dauern, bis auch seine Benutzer endlich dort angekom­men sind.

MusikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XXXIV: Kulturpessimismus mit Musik

I’ve been out walk­ing,
I don’t do too much talk­ing these days, these days.

Mag schon sein, dass der Win­ter langsam vorüberzieht und bald die Krokusse blühen. Viel Grund zur Freude bleibt dieser Tage aber nicht.
Ein Blick in die Zeitung oder auch nur in die Nachricht­enspal­ten der ein­schlägi­gen Inter­net­por­tale liefert auch aus­re­ichend Gründe dafür, über Freude gar nicht erst nachzu­denken.

“Krise über­wun­den” hin und her, rauf und runter, rein und raus: 2050, also 38 Jahre nach dem grausamen Wel­tun­ter­gang, wird Deutsch­land voraus­sichtlich in der Weltwirtschaft keine Rolle mehr spie­len. Also natür­lich schon eine, Til Schweiger spielt ja qua­si auch immer eine Rolle, aber eben keine, für die er nicht schlicht unterqual­i­fiziert wäre. Deutsch­land, der Til Schweiger der Weltökonomie. (Ihr dürft mich zitieren.)

Bis 2050 stirbt, so sage ich weis, außer Deutsch­lands Export­markt auch noch manch anderes, unsere gute alte Analogkul­tur voraus. Nicht nur wer­den die hap­tis­chen Freuden eines Buch­es oder von umsichti­gen Kreativ­en gestal­teter Plat­ten­hüllen bis dahin nur noch weni­gen Eingewei­ht­en ver­traut erscheinen und so im Wortsinn zum Kult avancieren, auch die Vere­in­samung der Gesellschaft wird weit­er voran­schre­it­en. Der Siegeszug des Taschen­com­put­ers, ein Jahrzehnt nach Palm, macht es bere­its vor:

Egal, ob iPhone oder Android oder Lap­top oder wasweißich: Unsere Kom­mu­nika­tion­s­geräte bieten unendlich viele Möglichkeit­en und ganz abge­se­hen davon, dass wir entset­zlich bescheuert ausse­hen, wenn wir die ganze Zeit auf unsere Hände star­ren (noch dazu, wenn wir uns in Gesellschaft befind­en und dabei nie­mand redet, aber alle auf ihren Tas­ten rum­drück­en): Für Außen­ste­hende ist nicht zu erken­nen, was wir ger­ade tun.

Sitzt man, wom­öglich bei einem dezen­ten Pfeifchen, auf dem Sofa um einen Plat­ten­spiel­er, meinethal­ben auch einen CD-Spiel­er, herum ver­sam­melt und lauscht Musik aus ein­er beliebi­gen Epoche, so ist das viel gesel­liger und stim­ulieren­der als der mitunter befremdliche Kon­sum eines musikalis­chen Meis­ter­w­erks durch min­derqual­i­ta­tive Kopf- oder Ohrhör­er, wie sie dieser Tage, maßge­blich vor­angetrieben vom Siegeszug des mauen “iPod”, wohl üblich sind. Nie­mand, der über einen aus­re­ichen­den Fre­un­deskreis ver­fügt, würde mir da wider­sprechen; es sei denn, er hält nichts von Musik.

Andere hal­ten viel von Musik, dafür um so weniger vom dig­i­tal­en Vergessen, und so ver­bre­it­et sich das nicht mit EU-Recht kom­pat­i­ble Google Ana­lyt­ics wie Unkraut, nur, dass auch Aus­graben, Vergiften und Ver­bren­nen keine langfristige Alter­na­tive darstellen. Schön ist es da, wenn Kla­gen dro­hen; manche Mit­bürg­er unter­hal­ten sich ja augen­schein­lich beina­he nur noch mit ihren Anwäl­ten, haben aber entsprechend viel Respekt vor diesem ver­rucht­en Beruf­s­stand. Blöd ist es hinge­gen, wenn der eine Klage Anstrebende ger­ade erst selb­st die Seit­en gewech­selt hat.

These days I seem to think about
how all the changes came about my way,
and I won­der if I’d see anoth­er high­way.

— Nico: These Days