MusikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXXIV: Kul­tur­pes­si­mis­mus mit Musik

I’ve been out walking,
I don’t do too much tal­king the­se days, the­se days.

Mag schon sein, dass der Win­ter lang­sam vor­über­zieht und bald die Kro­kus­se blü­hen. Viel Grund zur Freu­de bleibt die­ser Tage aber nicht.
Ein Blick in die Zei­tung oder auch nur in die Nach­rich­ten­spal­ten der ein­schlä­gi­gen Inter­net­por­ta­le lie­fert auch aus­rei­chend Grün­de dafür, über Freu­de gar nicht erst nachzudenken.

„Kri­se über­wun­den“ hin und her, rauf und run­ter, rein und raus: 2050, also 38 Jah­re nach dem grau­sa­men Welt­un­ter­gang, wird Deutsch­land vor­aus­sicht­lich in der Welt­wirt­schaft kei­ne Rol­le mehr spie­len. Also natür­lich schon eine, Til Schwei­ger spielt ja qua­si auch immer eine Rol­le, aber eben kei­ne, für die er nicht schlicht unter­qua­li­fi­ziert wäre. Deutsch­land, der Til Schwei­ger der Welt­öko­no­mie. (Ihr dürft mich zitieren.)

Bis 2050 stirbt, so sage ich weis, außer Deutsch­lands Export­markt auch noch manch ande­res, unse­re gute alte Ana­log­kul­tur vor­aus. Nicht nur wer­den die hap­ti­schen Freu­den eines Buches oder von umsich­ti­gen Krea­ti­ven gestal­te­ter Plat­ten­hül­len bis dahin nur noch weni­gen Ein­ge­weih­ten ver­traut erschei­nen und so im Wort­sinn zum Kult avan­cie­ren, auch die Ver­ein­sa­mung der Gesell­schaft wird wei­ter vor­an­schrei­ten. Der Sie­ges­zug des Taschen­com­pu­ters, ein Jahr­zehnt nach Palm, macht es bereits vor:

Egal, ob iPho­ne oder Android oder Lap­top oder was­wei­ßich: Unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­te bie­ten unend­lich vie­le Mög­lich­kei­ten und ganz abge­se­hen davon, dass wir ent­setz­lich bescheu­ert aus­se­hen, wenn wir die gan­ze Zeit auf unse­re Hän­de star­ren (noch dazu, wenn wir uns in Gesell­schaft befin­den und dabei nie­mand redet, aber alle auf ihren Tas­ten rum­drü­cken): Für Außen­ste­hen­de ist nicht zu erken­nen, was wir gera­de tun.

Sitzt man, womög­lich bei einem dezen­ten Pfeif­chen, auf dem Sofa um einen Plat­ten­spie­ler, mei­net­hal­ben auch einen CD-Spie­ler, her­um ver­sam­melt und lauscht Musik aus einer belie­bi­gen Epo­che, so ist das viel gesel­li­ger und sti­mu­lie­ren­der als der mit­un­ter befremd­li­che Kon­sum eines musi­ka­li­schen Meis­ter­werks durch min­der­qua­li­ta­ti­ve Kopf- oder Ohr­hö­rer, wie sie die­ser Tage, maß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben vom Sie­ges­zug des mau­en „iPod“, wohl üblich sind. Nie­mand, der über einen aus­rei­chen­den Freun­des­kreis ver­fügt, wür­de mir da wider­spre­chen; es sei denn, er hält nichts von Musik.

Ande­re hal­ten viel von Musik, dafür um so weni­ger vom digi­ta­len Ver­ges­sen, und so ver­brei­tet sich das nicht mit EU-Recht kom­pa­ti­ble Goog­le Ana­ly­tics wie Unkraut, nur, dass auch Aus­gra­ben, Ver­gif­ten und Ver­bren­nen kei­ne lang­fris­ti­ge Alter­na­ti­ve dar­stel­len. Schön ist es da, wenn Kla­gen dro­hen; man­che Mit­bür­ger unter­hal­ten sich ja augen­schein­lich bei­na­he nur noch mit ihren Anwäl­ten, haben aber ent­spre­chend viel Respekt vor die­sem ver­ruch­ten Berufs­stand. Blöd ist es hin­ge­gen, wenn der eine Kla­ge Anstre­ben­de gera­de erst selbst die Sei­ten gewech­selt hat.

The­se days I seem to think about
how all the chan­ges came about my way,
and I won­der if I’d see ano­ther highway.

– Nico: The­se Days

PolitikSonstigesKaufbefehle
Kei­ne Sor­ge, gnä‘ Frau, wir sind aus dem Internet!

(Auf­grund aktu­el­ler poli­ti­scher For­de­run­gen folgt ein Nach­trag zu dem etwas älte­ren Arti­kel über „das Inter­net“.)

Und noch was, ihr Men­schen­fän­ger, die ihr bei jeder sich nur irgend­wie bie­ten­den Gele­gen­heit als Ersatz für die immer­hin inzwi­schen als falsch ver­wor­fe­ne Kate­go­ri­sie­rung als „das Inter­net“ von „der Inter­net-Com­mu­ni­ty“ schwa­felt und die­se Gele­gen­heit, so sie sich denn nicht frei­wil­lig bie­tet, not­falls mit­tels obsku­rer Win­kel­zü­ge säcke­wei­se herankarrt:

Das Inter­net ist nicht der ver­ruch­te Klub im Hin­ter­hof, vor des­sen Tür sich erbre­chen­de ehe­ma­li­ge Rock­stars sich den gol­de­nen Schuss set­zen. Das Inter­net ist eben­falls kein eli­tä­rer Zir­kel, des­sen Mit­glie­der sich ver­schwö­re­risch anse­hen und nur mit Num­mern anspre­chen, um ihre Eli­tä­ri­tät nicht zu gefähr­den. Das Inter­net ist kei­ne geschlos­se­ne oder anmel­de­pflich­ti­ge Gesell­schaft. Im Inter­net gibt es vie­le „Com­mu­ni­tys“ für noch mehr Men­schen mit noch mehr unter­schied­li­chen Inter­es­sen, die sich teil­wei­se in der drit­ten oder schon vier­ten Gene­ra­ti­on gegen­sei­tig bekämp­fen; „Age of Empires“ gegen „Empire Earth“, *ix gegen Win­dows, vi gegen Emacs, Goog­le gegen Micro­soft, Mozil­la gegen Micro­soft, alle gegen Micro­soft. Bau­ern auf die Königin.

Kurz gesagt:
Es gibt kei­ne „Inter­net-Com­mu­ni­ty“.

Es gibt kein „wir“. An den Toren des Inter­nets steht kein Tür­ste­her, der euch schroff abweist. Ey, ihr kommt hier nisch nisch rein. Ihr wollt ins Inter­net? Nur zu! Das Haus­recht hat die Mehr­heit, Füße abput­zen muss nicht sein. Was es aber gibt, ist ein „ihr“.

Ihr sitzt in euren Elfen­bein­tür­men, kennt die Welt um euch her­um nur aus dem SPIEGEL und viel­leicht den Nach­rich­ten. Ihr schimpft euch „gewähl­te Volks­ver­tre­ter“, ver­wech­selt „Ver­tre­ter“ aber mit denen, die einem an der Haus­tür elend lau­te Staub­sauger andre­hen wol­len. Sym­bol­po­li­tik habt ihr zum Stil­mit­tel erklärt, aber mit denen, auf deren Schul­tern sie ruht, redet ihr lie­ber nicht. Euer Elfen­bein­turm ist her­me­tisch ver­rie­gelt, lei­der nur von außen. Passt auf, dass euch nicht eines Tages die Glo­cke eures Tem­pels auf den Schä­del fällt. Das Inter­net ver­gisst nicht so schnell wie ihr.

(An die­ser Stel­le emp­feh­le ich einen Blick in Vik­tor May­er-Schön­ber­gers jüngst in Deutsch­land erschie­ne­nes und gera­de im Hin­blick auf aktu­el­le Dis­kus­sio­nen wich­ti­ges Buch „Dele­te“, das mir vor­liegt und in dem er unter ande­rem erläu­tert, war­um der Vor­schlag Ilse Aigners, einen „digi­ta­len Radier­gum­mi“ ein­zu­füh­ren, trotz Kri­tik aus den Rei­hen „der Inter­net-Com­mu­ni­ty“ eine grund­sätz­lich sehr gute Idee ist. Ein infor­ma­ti­ves Zwie­ge­spräch von 2008 ist auf Golem.de zu finden.)

Und, ihr Elite‑, A- und A‑A-Blog­ger, die ihr euren Zas­ter zusam­men­schnorrt, indem ihr eure Sym­pa­thien an den Meist­bie­ten­den ver­hö­kert und alle Nas­lang irgend­wel­che Stel­lung­nah­men im Namen „der Inter­net-Com­mu­ni­ty“ zusam­men­schmiert, die weder auf die Men­schen­fän­ger, die sie besänf­ti­gen sol­len, noch auf „die Inter­net-Com­mu­ni­ty“, die sich als Kol­lek­tiv, nicht jedoch als eine sol­che begreift, einen nen­nens­wer­ten Ein­druck machen, von bedau­erns­wer­ten Neu­zu­gän­gen, die jeden, der vor ihnen da war, als Guru miss­brau­chen, ein­mal abge­se­hen: Möge das Fall­git­ter vor eurer fremd­fi­nan­zier­ten Opi­um­höh­le künf­tig klemmen!

So sei es.

NetzfundstückeFotografie
BMW, Alter.

Titel­blatt der „BRAVO Hip­Hop Spe­cial“ 01/2010 heu­te im Zeitschriftenregal:

Eli­as Schwerdt­fe­ger, eben­falls heu­te, im Inter­net und in einem völ­lig ande­ren Zusammenhang:

Wenn eure „Ziel­grup­pe“ (…) wirk­lich aus Men­schen besteht, (…) die kein hin­rei­chen­des Selbst­wert­ge­fühl haben, sodass sie ein der­ar­ti­ges Zer­ren an ihrer Auf­merk­sam­keit schaf­dumm über sich erge­hen las­sen… ja denn, und nur denn habt ihr genau die rich­ti­ge Form der „Anspra­che“ gewählt. Inter­es­san­ter­wei­se deckt sich das auch recht gut mit dem Ein­druck, den etli­che Fah­rer eurer Ersatz­pimm Pro­duk­te — Ach­tung, sub­jek­ti­ve Aus­sa­ge! — bei mir erwecken.

Wer’s halt braucht.

Internes
Flattr? Ohne mich.

Eini­ge vor­züg­li­che und weni­ger vor­züg­li­che Web­logs und Platt­for­men wie Wiki­Leaks set­zen ja nun seit eini­ger Zeit auf das Bezahl­sys­tem „Flattr“, das, in schöns­tem Wer­be­sprech, eine Art „sozia­les Bezahl­sys­tem“ sein soll. Der Grund­ge­dan­ke lau­tet: Man zahlt einen bestimm­ten Betrag ein und klickt dann über­all, wo einem etwas gefällt, auf den „Flattr“-Knopf. Betä­tigt man zwei die­ser Knöp­fe, wird jeweils die Hälf­te des Gel­des an die Betrei­ber der bei­den „geflat­tr­ten“ Ange­bo­te über­wie­sen, bei hun­dert Betä­ti­gun­gen wer­den die Beträ­ge dann mit­un­ter eben recht klein. (Even­tu­el­le Flattr-Nut­zer unter mei­nen Lesern wer­den gebe­ten, mich gege­be­nen­falls zu korrigieren.)

Natür­lich ist damit auch immer ein Hin­ter­ge­dan­ke ver­bun­den, denn anders als etwa das bewähr­te Pay­Pal, das, räus­per, auch ich hier ver­wen­de (über Spen­den freue ich mich wirk­lich außer­or­dent­lich, bit­te mal in die Sei­ten­leis­te sehen), hat Flattr man­ches mit dem viral ver­brei­te­ten Spio­na­ge­werk­zeug „Gefällt mir“ von Face­book gemein­sam, etwa das Prin­zip „Wie du mir, so ich dir“.

Im Gegen­satz zu einer nor­ma­len Spen­de näm­lich ist bei Flattr die Ver­lo­ckung schnel­ler gege­ben, einen Klick auch zu erwi­dern. „Ich hab dich geflat­trt, kannst du mich mal zurück­flat­trn?“, sol­che Dia­lo­ge kann­te ich zuvor nur aus den „sozia­len“ Por­ta­len des von VZnet: „… hat dich gegru­schelt, möch­test du ihn/sie/es zurück­gru­scheln?“. Wer die Schwie­rig­keit hier­an noch nicht erkannt hat, den sto­ße ich gern mit der Nase dar­auf: „Zurück­flat­trn“ geht ohne Flattr-Knopf nun mal nicht, und um einen sol­chen ein­bau­en zu kön­nen, braucht man eine Inter­net­prä­senz, die dies ermög­licht. Die bis­he­ri­gen Flattr-Nut­zer, natür­lich auch der unver­meid­li­che Robert Basic, loben indes eben pri­mär den „sozia­len Aspekt“ und erdreis­ten sich natür­lich nicht, zu erwäh­nen, dass die­ser „sozia­le Aspekt“ nur wirkt, wenn man einer von ihnen ist. Nicht­blog­ger und Nicht­be­sit­zer einer zumin­dest dafür geeig­ne­ten Platt­form haben selbst schon aus tech­ni­schem Grund kei­ne Mög­lich­keit, von Flattr zu pro­fi­tie­ren, sind hin­ge­gen als wil­li­ges Spen­der­volk gern gese­hen. Die sind ja auch selbst schuld, steht ihnen ja frei, mit dem Blog­gen anzu­fan­gen. (Die­ses Pro­blem ist bei Nut­zung von Pay­Pal nicht vor­han­den, dort sind Spen­den auch an regis­trier­te E‑Mail-Adres­sen mög­lich.) Aber Haupt­sa­che, man ist sozi­al und ein Teil des Net­zes. Wer wür­de es einem ver­ar­gen? Das ist die Zukunft, der Trend. Bet­teln 2.0, Mann!

Man kann Flattr auch aus ver­schie­de­nen ande­ren Grün­den nicht mögen; die bis­lang blö­des­te Begrün­dung, die mir unter­ge­kom­men ist, war zum Bei­spiel, dass Flattr als blo­ßer Dienst­leis­ter auch Zah­lun­gen an natio­na­lis­ti­sche Web­por­ta­le nicht ver­wei­gert. „Alles, was Nazis mal ange­fasst haben, ist kon­ta­mi­niert und wird ihnen über­las­sen.“ Das ist natür­lich nur inter­es­sant für eine klei­ne Min­der­heit der Inter­net­nut­zer, denen sonst kei­ne guten Grün­de ein­fal­len, Flattr abzu­leh­nen. Viel bedeut­sa­mer ist es, dass die eigent­li­che Funk­ti­on Flat­trs, näm­lich das Zah­len von Klein­bei­trä­gen, von Flattr nur unzu­rei­chend erfüllt wer­den kann.

Wenn man näm­lich sein Flattr-Kon­to befül­len möch­te, nicht im Besitz einer Kre­dit­kar­te ist und für das lang­wie­ri­ge manu­el­le Über­wei­sen nicht genü­gend Zeit oder Ner­ven vor­han­den ist oder sind, bleibt hier­für nur Pay­Pal übrig; und da im Inter­net ja alles schnell-schnell (wiki­wi­ki) gehen muss, ist ein Pay­Pal-Kon­to für das Gros der Flattr-Nut­zer ver­mut­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, so wenig man auch von Pay­Pal hal­ten soll­te. Damit wäre einer der mit­un­ter vor­ge­scho­be­nen Grün­de, Flattr „statt“ Pay­Pal zu nut­zen, hinfällig.

„Klein­be­trä­ge“ bezie­hungs­wei­se, für die Freun­de des über­flüs­si­gen Super­la­tivs, „Kleinst­be­trä­ge“ sind nor­ma­ler­wei­se im Sprach­ge­brauch zwi­schen 0,01 und 10 Euro anzu­sie­deln. In Ver­bin­dung mit erwähn­ter Pay­Pal-Nut­zung bleibt nur von dem ursprüng­lich ein­ge­zahl­ten Bei­trag nicht mehr viel übrig, denn sowohl Pay­Pal als auch Flattr neh­men Gebüh­ren vom Emp­fän­ger. Schön, mag jetzt der Leser sagen, denn so kos­tet es mich nichts; stimmt, man muss zwar weni­ger selbst zah­len, dafür kommt aber auch weni­ger beim Adres­sa­ten an. Möch­te man etwa einem sei­ner bevor­zug­ten Blog­ger eine Spen­de von 2 Euro zukom­men las­sen und zahlt also 2 Euro via Pay­Pal auf sein Flattr-Kon­to mit dem Vor­satz, den Betrag anschlie­ßend via Flattr zu ver­sen­den, ein, so tut man dem bevor­zug­ten Blog­ger einen weni­ger gro­ßen und den bei­den Anbie­tern einen um so grö­ße­ren Gefal­len als beabsichtigt:

Von den 2 Euro gehen 39 Cent an Pay­Pal, Flattr sieht davon also nur 1,61 Euro.
Von die­sen 1,61 Euro gehen wie­der­um 10 Pro­zent, also 0,16 Euro, an Flattr selbst, wenn man auf das Gnöbbsche drückt.

Mehr als 1/4 des Betrags, den man zu spen­den bereit wäre, geht also im Bei­spiel, das nicht unge­wöhn­lich sein dürf­te, schon beim Zah­lungs­pro­zess unter­wegs ver­lo­ren. Da stimmt es auch nur wenig zuver­sicht­lich, dass Goo­gles Plä­ne, eine mobi­le Micro­pay­ment-Alter­na­ti­ve zu eta­blie­ren, gera­de mal wie­der durch die Blogs geis­tern, denn die bei Goog­le übli­chen Gebüh­ren sind unab­hän­gig von der Fra­ge, ob es eine gute Idee ist, dass Goog­le dem erstell­ten Nut­zer­pro­fil nun auch noch das Ein­kaufs­ver­hal­ten zuord­nen kann, auch nicht von schlech­ten Eltern.

Hin­zu gesellt sich schließ­lich der ethi­sche Aspekt. Hier kann ich nun nur für mich spre­chen: Ich schrei­be um des Schrei­bens Wil­len. Ich schrei­be, weil ich gern schrei­be, und schon ein Dank oder gar ein Link geben mir Anlass, damit auch so bald nicht auf­zu­hö­ren. Die man­cher­orts nicht eben rar gesä­ten Hin­wei­se dar­auf, dass man, statt sich zu bedan­ken, auch wort­los ein paar Krö­ten da las­sen kann, stel­len das Ziel in Fra­ge. Wür­de ich etwa aus dem Zah­lungs­ver­hal­ten mei­ner Leser Schlüs­se dar­auf zie­hen, wel­che mei­ner Tex­te sich der größ­ten Beliebt­heit erfreu­en, so wür­de ich wohl auch, viel­leicht unbe­merkt, mei­ne zukünf­ti­ge The­men­aus­wahl dar­an aus­rich­ten. Das wäre dann aber nicht mehr Schrei­ben um des Schrei­bens Wil­len, son­dern blo­ße Pro­fit­gier; wür­de ich also für das Schrei­ben bezahlt, wür­de das Schrei­ben für mich so auch einen sei­ner wesent­li­chen Rei­ze ver­lie­ren. Ihr kennt das viel­leicht aus der Schu­le: Auf­sät­ze zu einem vor­ge­ge­be­nen The­ma waren nie son­der­lich reiz­voll zu recher­chie­ren. Da lobe ich mir doch Pay­Pal, denn wer über es an mich eine Zah­lung abwi­ckelt, lässt mich zwar wis­sen, dass ich nicht immer nur hane­bü­che­nen Quatsch ver­fas­se, jedoch erfah­re ich nichts über die Wer­tung ein­zel­ner Tex­te. Der „sozia­le Aspekt“ besteht hier dar­in, die Arbeit eines ande­ren Inter­net­nut­zers ohne Hin­ter­ge­dan­ken und ohne zusätz­li­che 10 Pro­zent Gebüh­ren ein­fach mal zu würdigen.

Wenn schon die Selbst­ver­ständ­lich­keit, ein­fach mal „dan­ke“ zu sagen oder zu schrei­ben, im Inter­net zur Sel­ten­heit gewor­den ist, so soll­ten wir sie doch wenigs­tens nicht der selbst ernann­ten Blog­ger­eli­te über­las­sen.

All die­se Beden­ken las­sen letzt­lich nur einen Schluss zu:
Flattr? Ohne mich.

NetzfundstückeNerdkrams
Heu­te twit­ter ich, mor­gen brau ich, …

Am 1. April 1998, eigent­lich als April­scherz gedacht, wur­de das Hyper Text Cof­fee Pot Con­trol Pro­to­col, kurz HTCPCP, spe­zi­fi­ziert als RFC 2324, in der Ver­si­on 1.0 ver­öf­fent­licht. Die Ziel­set­zung war es, ein ein­heit­li­ches Pro­to­koll zu ent­wi­ckeln, mit dem es mög­lich sein soll­te, Kaf­fee­ma­schi­nen anzu­steu­ern. Trotz zahl­rei­cher Imple­men­tie­run­gen für ver­schie­de­ne Betriebs­sys­te­me fehl­te es bis­lang mei­nes Wis­sens trotz eini­ger Ankün­di­gun­gen und anders lau­ten­der Ver­mu­tun­gen an einer Kaf­fee­ma­schi­ne, die von die­sen auch ange­steu­ert wer­den könnte.

So weit die Vorgeschichte.

Heu­te nun erreich­te mich ein Hin­weis auf die­se Entwicklung:
Jemand ent­wi­ckel­te eine hard­ware­ba­sier­te Lösung, um per Twit­ter sei­ne Kaf­fee­ma­schi­ne fern­zu­steu­ern. Benö­tigt wer­den „ledig­lich“ ein belie­bi­ger Com­pu­ter, eine Kaf­fee­ma­schi­ne, ein Power Switch Tail und eine Ardui­no-Pla­ti­ne nebst Kontrollprogramm.

Ein­mal davon abge­se­hen, dass die­se Lösung eben­so wie eben auch das HTCPCP phy­si­ka­li­sche Pro­zes­se wie das Ein­fül­len von Was­ser und Kaf­fee­pul­ver noch nicht auto­ma­ti­sie­ren kann, dies also im Vor­aus unver­än­dert hän­disch erle­digt wer­den muss und somit kaum Zeit spart, ist das sicher eine net­te Bas­te­lei gera­de für uns Infor­ma­ti­ker, die wir bekannt­lich ohne Kaf­fee nur unzu­rei­chend funk­ti­ons­tüch­tig sind.

Nichts­des­to­trotz ist das eine ver­pass­te Gele­gen­heit, denn so prak­tisch Twit­ter auch sein mag, es bie­tet doch nicht den Kom­fort einer direk­ten Ansteue­rung über HTCPCP, zumal eben die vor­ge­schla­ge­ne Lösung nichts ande­res ist als eine fern­ge­steu­er­te Strom­ver­sor­gung und somit eigent­lich nicht der Rede wert. Wo seid ihr, ihr Gad­get­pro­du­zen­ten, wenn man euch mal wirk­lich braucht?

Und jetzt mache ich mir erst mal so rich­tig ana­log einen Kaffee.

(Wer­be­sprech des Tages: „Jetzt über­all erhält­lich oder unter 01…“, über­all ist eben nicht gleich überall.)

ProjekteSonstiges
Anbie­der­män­ner

Was mir selbst zwar noch nicht begeg­net, aber dank zahl­rei­cher Fern­seh­über­tra­gun­gen ent­spre­chen­den Inhalts längst zur Genü­ge bekannt ist, ist eine üble Marot­te, die sich aus­län­di­sche Künst­ler im Lau­fe der letz­ten Jahr­zehn­te über­wie­gend zuge­legt haben und der sie aus­gie­big frö­nen, wenn sie Deutsch­land betou­ren. Die­se Marot­te ist die Anbie­de­rung. Was bei den Beat­les noch kon­se­quent war, ver­brach­ten sie doch einen Groß­teil ihrer frü­hen Kar­rie­re­jah­re in Ham­burg, ist bei „Künst­lern“ jün­ge­rer Jah­re nur mehr als pene­trant zu werten.

Ein nicht mehr all­zu aktu­el­les Bei­spiel, um zu ver­an­schau­li­chen, was gemeint ist: Da steht also ein Welt­star wie, sagen wir mal, Rob­bie Wil­liams auf einer Büh­ne vor „rund 10.000 Fans“, alter­na­tiv „vor 10.000 Ber­li­nern“, eins wird schon stim­men, die alle­samt oder jeden­falls groß­teils Geld bezahlt haben, um Herrn Wil­liams‘ drö­gem Pop zu lau­schen, und dann han­delt der Kon­zert­be­richt nicht etwa von sei­nem Gesangs­stil oder den vor­ge­tra­ge­nen Stü­cken, womög­lich gar gepaart mit Kri­tik an der ent­hal­te­nen Lyrik, son­dern viel­mehr liegt man dem Künst­ler zu Füßen, weil er nicht nur doof auf der Büh­ne rum­hüpft, son­dern auch noch ein paar aus­wen­dig gelern­te Phra­sen abspult. Sogar eini­ge Begrü­ßun­gen auf Deutsch hat­te Wil­liams für sein Publi­kum parat. „Dan­ke schön“ und „Ich lie­be Euch“ ver­setz­te(n) das Publi­kum in wah­re Freu­den­tau­mel, wenn das Publi­kum von der dar­ge­bo­te­nen „Musik“ schon nicht begeis­tert ist, hilft es offen­bar, statt­des­sen ein­fach mal irgend­was daher­zu­sül­zen, und er gestand, tat ihm wohl echt Leid, nach den, unfass­bar, gan­zen sie­ben dar­ge­bo­te­nen Songs: „Dan­ke, Deutsch­land, für alles, was ihr für mich getan habt.“

Was das ist, was Deutsch­land für ihn wie auch für all die ande­ren Künst­ler, die die­se Kunst der Anbie­de­rung zu beherr­schen mei­nen, getan haben soll, bleibt im Unge­wis­sen. Man stel­le sich das aber ein­mal vor: Da steht ein mil­li­ar­den­schwe­rer Welt­star auf einer Büh­ne, ver­dient mal eben ein paar hun­dert Krö­ten pro Takt und hält es dann noch für nötig, deut­sche Phra­sen zu dre­schen, ver­mut­lich, damit das Publi­kum denkt: Oh, er kann Deutsch, das macht ihn direkt viel weni­ger zu einem schmal­zi­gen Pop­star, son­dern zu einem von uns!

Götz Als­mann, einer der letz­ten akzep­ta­blen (unter ande­rem) Fern­seh­mo­de­ra­to­ren Deutsch­lands, sag­te ein­mal sinn­ge­mäß: Emp­fin­dun­gen, die man, auf irgend­ein Publi­kum fixiert, in einer frem­den Spra­che aus­drückt, etwa beim Schrei­ben fremd­spra­chi­ger Lie­der, blei­ben Wort­hül­sen ohne Inhalt. Ich zum Bei­spiel besu­che ein Kon­zert oder eine Lesung nor­ma­ler­wei­se, damit die jewei­li­gen Prot­ago­nis­ten mich mit ihrer musi­ka­li­schen und/oder poe­ti­schen Ader beglü­cken. Stam­men die Prot­ago­nis­ten aus dem Aus­land, so erwar­te ich nicht, dass sie ihr Werk zuvor auf Deutsch über­set­zen, aber dann möch­te ich doch bit­te auch nicht, dass sie sich neben­bei mit einer Spra­che quä­len, die sie nicht beherr­schen. Um mich auf Musi­ker zu beschrän­ken und es ein wenig abzu­kür­zen: Auf einem Kon­zert erwar­te ich, dass der von mei­nem ergau­ner­ten Geld teu­er bezahl­te Künst­ler mich mit sei­ner gern auch fremd­spra­chi­gen Musik unter­hält, nicht jedoch, dass er mich auf Deutsch voll­sülzt. Möch­te ich von Leu­ten, die es nicht beherr­schen, auf Deutsch voll­ge­sülzt wer­den, so besu­che ich eine Berufs­schu­le oder eine Sit­zung im Reichs­tag, aber kein Kon­zert eines welt­be­kann­ten Künstlers.

„Welt­be­kannt“ ist ohne­hin ein wich­ti­ges Stich­wort. Wer­tes Ber­li­ner Publi­kum bezie­hungs­wei­se Publi­kum in Ber­lin, das ihr von Rob­bies „Dan­ke­schön!“ offen­bar total von den Socken wart, wie auch lie­be ande­re Publi­kü­me, die ihr anbe­tend eurem jewei­li­gen Idol zu Füßen liegt, wenn es deut­sche Phra­sen drischt: Glaubt ihr tat­säch­lich, „ohne Scheiß“, dass der Künst­ler sich, womög­lich oben­drein herz­lich, bei euch bedankt, dass ihr so toll mit­klatscht, gar anfangt zu joh­len, wenn ihr nach den ers­ten paar Sekun­den das jewei­li­ge Lied erkannt habt und das für erwäh­nens­wert hal­tet? Nein, der Künst­ler bekommt sein Geld auch, wenn ihr stumm auf eurem Aller­wer­tes­ten sit­zen bleibt und die Fres­se hal­tet. Dass ihr sei­ne Lie­der erkennt, müsst ihr ihm auch nicht mit­tei­len, denn davon geht er aus. Und wenn ihr nicht her­um­hüpft wie doof, son­dern euch ein­fach mal so ver­hal­tet, dass man nicht etwas lau­ter reden bezie­hungs­wei­se sin­gen muss, um euer Gejoh­le zu über­tö­nen, so wird das auch einen Rob­bie Wil­liams nicht in den Alko­ho­lis­mus oder ähn­li­che depres­si­ons­be­dingt Such­ten trei­ben, son­dern er wird mit den Schul­tern zucken, sei­ne Mil­lio­nen ein­strei­chen und so tun, als wäre nichts pas­siert. Ich neh­me Wet­ten an, erwar­te jedoch Gegenbelege.

Ein Publi­kum, das stun­den­lang gedul­dig zum Bei­spiel eng­lisch­spra­chi­gen Lie­dern lauscht, ist auch mit „thank you“ nur schwer­lich zu über­for­dern. Wenn ihr euch bedan­ken wollt, ihr Rob­bies und Madon­nas da drau­ßen, wenn ihr es auch wirk­lich so meint, dann bedankt euch in der Spra­che eures Her­zens. Das ist, sofern ihr aus den USA, Frank­reich, Spa­ni­en oder Bay­ern kommt, nicht Deutsch. Ich als zah­len­der Gast pfei­fe dar­auf, dass ein Künst­ler, des­sen künst­le­ri­schen out­put ich sehr schät­ze, ver­sucht, sich bei mir belieb­ter zu machen, indem er so tut, als könn­te er mei­ne Mut­ter­spra­che ver­ste­hen. Ich wer­de kein Musik­al­bum und kein Buch nur des­halb weni­ger kau­fen, weil der Schöp­fer kein Deutsch spricht, jedoch wer­de ich an einen dar­ge­brach­ten Vor­trag die­ser Wer­ke weni­ger posi­ti­ve Erin­ne­run­gen hegen, wenn der Vor­tra­gen­de glaubt, jemand, der Geld bezahlt, um ihn zu sehen, müs­se mit Zwi­schen­spie­len, die nicht Teil sei­nes gewohn­ten Reper­toires sind, bei Lau­ne gehal­ten werden.

Die von mir bis­her besuch­ten Kon­zer­te bzw. Lesun­gen bestrit­ten aus­nahms­los deutsch­stäm­mi­ge Krea­ti­ve, so dass all das Geschil­der­te jeden­falls in der Ich-Form als rein hypo­the­tisch anzu­se­hen ist und hof­fent­lich blei­ben wird. Den­noch wäre es schön, die ent­hal­te­ne Wahr­heit sprä­che sich in der Welt der rei­chen Bou­le­vard­lieb­lin­ge schnell her­um, auf dass der Mensch­heit höchst pein­li­che, via Pres­se ver­brei­te­te und womög­lich von ahnungs­lo­sen Anzei­gen­kun­den mit­fi­nan­zier­te Hul­di­gun­gen wie die genann­te erspart blei­ben mögen.

(Fire­fox-Nut­zer auf­ge­merkt: Ich habe mei­ne Erwei­te­rung Open­Down­load, inzwi­schen Open­Down­loa­d², im Ver­lauf der vori­gen Stun­den auf Ver­si­on 3.0.0 aktua­li­siert, die unter ande­rem Unter­stüt­zung für Fire­fox 4 und ande­re Betriebs­sys­te­me als Win­dows mit­bringt. Ich hof­fe, ihr seid damit einverstanden.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz ver­linkt XXXIII: Klar­stel­lung zu Liquid Feed­back (inkl. Schwänzen)

Im August schrieb ich wort­reich über „Liquid Feed­back“, ein Organ der „Liquid Demo­cra­cy“, der bedin­gungs­lo­sen Basis­de­mo­kra­tie, also, die in der Pira­ten­par­tei kon­se­quent ver­folgt wird.

Ges­tern nun ver­kün­de­te das bis­her für den Betrieb die­ser Platt­form zustän­di­ge Team, es sehe sich, maß­geb­lich auch gezeich­net von den von mir ange­spro­che­nen inner­par­tei­li­chen Que­re­len und Anfein­dun­gen gegen­über dem Sys­tem „Liquid Feed­back“ an sich, nun­mehr außer­stan­de, das Pro­jekt wei­ter­hin zu pfle­gen. Fefe ver­kürz­te den „offe­nen Brief“ so, dass es für man­che den Anschein haben könn­te, das mit dem „Liquid Feed­back“ sei nun erledigt:

Das Liquid-Feed­back-Team der Pira­ten wirft ent­mu­tigt hin.

Tat­säch­lich haben die Ent­wick­ler aber nur ihre akti­ve Unter­stüt­zung für den Ein­satz des nicht pira­ten­par­tei­ei­ge­nen Sys­tems in der Pira­ten­par­tei ein­ge­stellt, es wird auch wei­ter­hin nicht ein­fach fal­len gelassen:

Auf­grund unse­rer Erfah­run­gen, die wir im Jahr 2010 in der Pira­ten­par­tei gemacht haben, möch­ten wir das Pro­jekt Liquid­Feed­back bis auf wei­te­res nur noch außer­halb der Pira­ten­par­tei aktiv vor­an­trei­ben. Die Nut­zung von Liquid­Feed­back steht der Pira­ten­par­tei und ande­ren Par­tei­en wei­ter­hin als Ange­bot offen. Ange­nom­men und ord­nungs­ge­mäß umge­setzt wer­den muss die­ses Ange­bot jedoch zukünf­tig von euch, denn wir haben kei­ne Kraft mehr.

Kei­nes­falls ver­liert die Pira­ten­par­tei jetzt also einen der wesent­li­chen Grün­de, ihr einen Wahl­er­folg zu besche­ren, ledig­lich die Tech­ni­ker, die die Platt­form am Leben erhal­ten sol­len, sind fort­an ande­re. Natür­lich sind hier­für die Bewer­bun­gen für jeden Inter­es­sier­ten offen. Eine ent­spre­chen­de Klar­stel­lung stell­te der Bun­des­vor­stand heu­te ins Inter­net.

Kom­men wir nun zu etwas völ­lig anderem:

Der Bran­chen­dienst „Mee­dia“ zeigt seit ges­tern recht anschau­lich, wie­so man den Web‑2.0‑Unsinn, in dem jeder, unab­hän­gig von geis­ti­gem Tief­stand, sei­nen Brei ins Inter­net spei­en darf, bes­ser nicht all­zu ernst neh­men soll­te. Kon­kret beöm­melt sich der Schrei­ber dar­über, dass ein Tier in einer Trick­se­rie sich sei­nes Schwan­zes schämt:

„Stimmt was nicht mit dei­nem Schwanz?“

„Nein, aber es gibt auch nichts was er wirk­lich gut kann, wäh­rend die ande­ren mit ihren lan­gen Schwän­zen im Zir­kus auf­tre­ten könnten.“

Lei­der ver­schweigt „Mee­dia“, wel­chen Begriff für das ver­län­ger­te Rück­grat eines Tie­res man redak­ti­ons­sei­tig bevor­zu­gen wür­de. Die Ein­lei­tung spricht für sich:

Denn bei Sät­zen wie „Mein Schwanz kann sogar Ver­steck spie­len“ oder „Jeder Schwanz hat etwas Her­vor­ra­gen­des“ den­ken vie­le wohl eher an einen Porno.

Bei „Mee­dia“ kann dies sogar sein, die beab­sich­tig­te Kli­en­tel des KiKas, ehe­mals des Kinder(!)kanals, hat aller­dings mit Por­no­gra­fie nor­ma­ler­wei­se noch nicht viel am Hut. Wahr­lich ist all das, wie man bei „Mee­dia“ glaubt, eine pein­li­che Vor­stel­lung; lei­der für die Fal­schen. Aber es ist durch­aus wis­sens­wert, was so im Hirn­kas­t’l eines „Meedia“-Mitarbeiters vor sich geht, denn es hilft immens bei der Bewer­tung des Diens­tes: Ein Inter­net­por­tal, des­sen Redak­teu­re schon beim Betrach­ten einer Kin­der­se­rie an sich hal­ten müs­sen, „nicht laut­hals los­zu­la­chen“, sobald es um Schwän­ze geht, soll­te man künf­tig schlicht meiden.

(via Ste­fan Nig­ge­mei­er, dort noch alberner)

Sonstiges
Schau­rig-schö­nes Grauen

Was mir dann übri­gens auch noch wer erklä­ren müss­te, der sich in Sachen Cine­as­tik im All­ge­mei­nen und Hor­ror­fil­me im Spe­zi­el­len bes­ser aus­kennt als ich, der ich mich von allem, was mich bei­zei­ten am fried­li­chen Schlaf zu hin­dern imstan­de ist, fern­zu­hal­ten pfle­ge, ist ja:

Spricht das jetzt für oder gegen den Hor­ror­film „Nebel des Grau­ens“, dass er grau­en­haft („Furcht erre­gend, Schau­er erre­gend“) ist?

Mein­ja­nur.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XLV: Oink!

Noch’n Kur­zer wegen die­ser vor Panik gera­de­zu krei­schen­den Meldung:

Die Schwei­negrip­pe-Pan­de­mie wur­de im Som­mer für been­det erklärt – doch nun sind zwei Men­schen in Nie­der­sach­sen der Krank­heit zum Opfer gefal­len, dar­un­ter ein Kind.

„Zwei, dar­un­ter ein Kind“, der ande­re Tote inter­es­siert mal wie­der kei­ne Sau; wenn ihr Schrei­ber­hei­nis, die ihr meint, Men­schen in „nied­lich“ und „egal“ kate­go­ri­sie­ren müs­sen, der­einst abkratzt, wird es mich vor­aus­sicht­lich auch nicht jucken. Das ist doch ganz in eurem Inter­es­se, oder? Ja, „SPIEGEL Online“, ihr könnt nichts dafür, dass die Nach­rich­ten­agen­tu­ren euch immer viel zu viel Text zumu­ten, aber selbst eure Kol­le­gen vom Bou­le­vard haben’s aus­führ­li­cher hinbekommen.

Die schrei­ben indes, das Nicht­kind sei eh irrele­vant, weil nämlich:

Auch der 51-jäh­ri­ge Mann, der jetzt starb, hat­te eine Vorerkrankung.

Ach so! Dann will ich mal nichts gesagt haben, außer viel­leicht noch:

Die Haupt­über­schrift „Töd­li­che Erkran­kung“ erin­nert mich ein biss­chen an Gali­leo Mys­tery, und in mei­nem Kopf liest die­se Über­schrift gera­de der glei­che Typ vor, der auf irgends­o­ei­nem Pri­vat­sen­der immer die Vor­schau auf dem­nächst gezeig­te Kata­stro­phen­fil­me vor­trägt, der bedeu­tungs­schwan­ge­re Hall fehlt natür­lich nicht. Das, SPIEGEL Online, inter­es­siert nur eben kei­nen eurer nor­ma­ler­wei­se eher an Jour­na­lis­mus als an Panik inter­es­sier­ten Leser, denn eine „töd­li­che Erkran­kung“ ist auch eine blo­ße Erkäl­tung, wenn sie nicht schnell genug vor­bei ist. „Zwei Tote in Göt­tin­gen“ schreibt statt­des­sen der für die Online­nach­rich­ten des ansons­ten eher grau­en­haf­ten „STERN„s zustän­di­ge Über­schrif­ten­aus­den­ker, und ich lese dann doch lie­ber dort wei­ter, denn ich wür­de mich auch über ein zweck­frei auf­ge­bausch­tes The­ma wie die Schwei­negrip­pe gern infor­mie­ren und nicht in Panik ver­set­zen lassen.

Ein Gutes hat die jüngs­te Ent­wick­lung jedenfalls:
Die Bun­des­län­der wer­den ihre gehams­ter­ten Impf­stof­fe los.

Gesund­heit!

KaufbefehleMusikkritik
Die Reha­bi­li­ta­ti­on einer Insti­tu­ti­on: Yes – Magnification

Ich muss dann hier doch mal eine Lan­ze für das vor nun­mehr 10 Jah­ren ver­öf­fent­lich­te und bis dato, sieht man von den unge­zähl­ten Archiv­ver­öf­fent­li­chun­gen seit­dem ab, lei­der letz­te Album von Yes bre­chen, von dem man im All­ge­mei­nen nicht viel mit­be­kom­men hat, schließ­lich ist Yes ledig­lich mit „Owner Of A Lonely Heart“ vom Album „90125“, 1983, ein ver­se­hent­li­cher Welt­hit gelun­gen, von dem sie sich bis heu­te nicht voll­ends erholt haben.

„90125“ war das ers­te Album, auf dem sich Yes fürs Ers­te kon­se­quent von dem sakra­len, epi­schen Pro­gres­si­ve Rock, den sie in den frü­hen 70-er Jah­ren maß­geb­lich mit­ge­prägt hat­ten und in des­sen Klang­ge­wand sie der Welt unter ande­rem die Glanz­ta­ten „Relay­er“ und „Clo­se To The Edge“, die man ein­mal im Leben zumin­dest mal gehört haben muss, bescher­ten, abwand­ten, um reich und berühmt zu wer­den, was ihnen zur Stra­fe immer­hin ver­sagt blieb und zu mehr­fa­chen Umbe­set­zun­gen führ­te. Erst nach dem scheuß­li­chen „Talk“, 1994 ver­öf­fent­licht, fan­den Yes in der klas­si­schen Beset­zung (Gesang: Jon Ander­son, Gitar­re: Ste­ve Howe, Bass: Chris Squi­re, Schlag­zeug: Alan White, Key­boards: Rick Wak­e­man) wie­der zusam­men und zeig­ten, dass sie es doch noch kön­nen, indem 1996 und 1997 erst ein­mal auf dem zwei­tei­li­gen „Keys To Ascen­si­on“ (2010, ich erwähn­te es, neu auf­ge­legt) neben beein­dru­cken­den Live­mit­schnit­ten auch eini­ge neue Stu­dio­auf­nah­men, etwa das über acht­zehn­mi­nü­ti­ge, trei­ben­de Rock­stück „Mind Dri­ve“, davon zeug­ten, dass all die Rezen­sen­ten, die unk­ten, Yes soll­ten sich doch bit­te ins Alten­heim ein­schlie­ßen las­sen, von Musik so viel Ahnung hat­ten wie die immer­glei­chen Hack­fres­sen, die sich „Jury“ schimp­fen und irgend­was von „Super­stars“ in jede Kame­ra spei­cheln, obwohl sie selbst noch nie eine Musik­schu­le auch nur von außen gese­hen haben.

Auf Bill Bruford, hand­werk­lich ver­sier­ter Welt­schlag­zeu­ger und eini­ge Zeit zuvor von Yes zu King Crims­on gewech­selt, muss­te der geneig­te Yes­fan jedoch zuguns­ten des eher mono­to­nen Alan White eben­so ver­zich­ten wie als­bald auch wie­der auf Rick Wak­e­man, der erst 2002 zum wie­der­hol­ten Mal zur Band stieß und seit 2004 aus gesund­heit­li­chen Grün­den eben­so wie Jon Ander­son auf unab­seh­ba­re Zeit pau­siert. Moment, 2001?, fragt nun der auf­merk­sa­me Leser, wer spielt dann auf „Magni­fi­ca­ti­on“ eigent­lich Keyboard?

Tja, Yes sind hier nur zu viert, erst­mals seit 1968 ohne einen band­ei­ge­nen Key­boar­der spiel­ten sie die­ses Album ein. Als Ersatz indes steht Yes hier ein kom­plet­tes Orches­ter zur Sei­te, was für Bom­bast­rock wie den ihren eigent­lich nahe lie­gend ist, und man fragt sich, wie anders Yes eigent­lich geklun­gen hät­ten, hät­ten sie in der Ver­gan­gen­heit häu­fi­ger auf ein Orches­ter oder zumin­dest auf die Strei­cher­ecke zurück­ge­grif­fen. (Tat­säch­lich tour­ten Yes anschlie­ßend unter der Flag­ge der „Yes­sym­pho­nics“ mit einem eben­sol­chen und prä­sen­tier­ten so etwa „The Gates Of Deli­ri­um“ von „Relay­er“ in einem Gewand, das unge­wohnt, aber beein­dru­ckend ist. Spä­ter wur­de das Mate­ri­al für die DVD „Sym­pho­nic Live“ ver­wen­det, die es aus­zugs­wei­se natür­lich auch auf You­Tube geschafft hat.)

Kennt man die­se gan­ze Ent­wick­lung nicht, kann „Magni­fi­ca­ti­on“ also völ­lig vor­be­halts­frei hören, so erwar­tet einen nach dem Ein­le­gen der Sil­ber­schei­be ein auf­grund naht­lo­ser Über­gän­ge ein­heit­lich wir­ken­des Stück, des­sen voll­stän­di­ge Rezen­si­on ande­re über­neh­men mögen, aus dem ich aber den­noch drei nen­nens­wer­te Momen­te her­aus­neh­men möch­te, damit sich der geneig­te Leser sozu­sa­gen ein Bild davon machen kann, wie anders „Magni­fi­ca­ti­on“ doch klingt, wenn man Yes nur aus dem Super­markt­ra­dio kennt.

Zu „Spi­rit Of Sur­vi­val“ etwa, dem zwei­ten Teil des Albums, ertapp­te ich mich Kopf nickend. Ayre­on fiel mir als spon­ta­ner Ver­gleich ein, den ich aber doch schnell wie­der ver­warf, denn Jon Ander­sons Stim­me, vom Alter gänz­lich unbe­rührt, steht im Vor­der­grund und erin­nert den Hörer dar­an, wer hier eigent­lich musi­ziert, obwohl er es bei­na­he nicht glau­ben kann, ist er von Yes doch ganz ande­res gewohnt: „Spi­rit Of Sur­vi­val“ ist zu einem nicht zu ver­nach­läs­si­gen­den Teil auch ein (Prog-)Metalstück. Dream Thea­ter waren nie so nah wie hier.

Das fol­gen­de „Don’t Go“ ist eins der meist unter­schätz­ten Stü­cke auf „Magni­fi­ca­ti­on“. Ste­ve Howe urteil­te 2010, sinn­ge­mäß übersetzt:

Wir soll­ten kei­ne Zeit mit Lie­dern wie „Don’t Go“ ver­schwen­den. Es war ein Feh­ler, wir müs­sen nicht in die Welt der Pop­mu­sik vorstoßen.

Nun, Yes haben seit 1983 kaum ande­res als Pop gespielt, sieht man ein­mal von weni­gen lich­ten Momen­ten zum Bei­spiel auf „Keys To Ascen­si­on“ ab. Natür­lich ist „Don’t Go“ Pop, genau­er: Pop­rock, aber im Gegen­satz zu dem meis­ten Mist, den man Yes­fans seit 1983 als Yes­mu­sik ver­kau­fen woll­te, ist es schlicht gran­di­os. Mehr­stim­mi­ger Gesang in Stro­phen und vor allem Refrain (seit jeher eine Stär­ke von Yes) über die eher unty­pi­schen The­men Lie­be und Freund­schaft, dabei noch ein­gän­gi­ger als „Owner Of A Lonely Heart“ es je war, ein hübsch schlich­ter Takt, soli­de gekloppt von Alan White, für des­sen Schlag­zeug­stil die­se Art von Musik gera­de­zu prä­de­sti­niert scheint, und nach der Hälf­te des Lie­des unter ande­rem eini­ge elek­tro­nisch modi­fi­zier­te Gesangs­zei­len von Jon Ander­son, bei denen mir sofort The Bug­gles ein­fal­len, die ja etwa zwan­zig Jah­re zuvor bei Yes statt sepa­rat musi­zier­ten, oben­drein nur weni­ger als vier­ein­halb Minu­ten lang und somit min­des­tens web­ra­dio­taug­lich, Video­clip inklu­si­ve. 2005 beklag­te sich Jon Ander­son, dass kein Lied auf „Magni­fi­ca­ti­on“ eine wirk­li­che Hit­sin­gle gewor­den ist. Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass nie­mand von einer Band wie Yes eine „Hit­sin­gle“ erwar­tet hät­te: Die Jugend des Jah­res 2001 möge sich jetzt bit­te grä­men, denn sie hat abseits von Brit­ney, Chris­ti­na und den rest­li­chen pein­li­chen Reprä­sen­ta­ti­ven des Pop­ge­schäfts so eine Men­ge ver­passt, und wahr­lich, ich sage euch, wäh­rend ich dies schrei­be, höre ich „Don’t Go“ zum vier­ten oder fünf­ten Mal am Stück und fin­de Indie-Rock, dar­an gemes­sen, plötz­lich ziem­lich langweilig.

Wo war ich ste­hen geblie­ben? Ach ja, ein pri­ma Stück fehlt noch in mei­ner Auf­lis­tung. Es trägt die Titel­num­mer 8 von 10, heißt „Dreamt­i­me“ und ist, wenn man eine sol­che Par­al­le­le über­haupt zie­hen kann, das „Mind Dri­ve“ von „Magni­fi­ca­ti­on“. Ein Aben­teu­er von zehn Minu­ten und fünf­und­vier­zig Sekun­den Län­ge, das mit Strei­chern und Gesang beginnt, bevor Chris Squi­re sei­nen Bass antreibt, von Gitar­re und Orches­ter tat­kräf­tig unter­stützt. Über all dem schwebt Jon Ander­sons Gesang, und obwohl „Dreamt­i­me“ doch ein wenig län­ger ist als „Don’t Go“, bemerkt man gar nicht, dass die Zeit ver­geht, bis nach etwa neun Minu­ten die Strei­cher das Kom­man­do über­neh­men und eine film­mu­sik­ar­ti­ge Sze­ne auf­füh­ren. Das anschlie­ßen­de „In The Pre­sence Of…“ ist zwar eben­falls recht lang, aber der Rhyth­mus, den „Dreamt­i­me“ vor­gab, fehlt leider.

Sicher sind auf „Magni­fi­ca­ti­on“ auch ein paar Stü­cke zu fin­den, auf die man schlicht ver­zich­ten könn­te, etwa das auf­dring­li­che „Can You Ima­gi­ne“, aber Füll­sel gab es auf Yes-Alben schon immer, und unter dem Strich ist „Magni­fi­ca­ti­on“ das bes­te Yes-Album seit „Dra­ma“ (1980) und auch weit­aus bes­ser als vie­les, was die Kon­kur­renz 2001 auf den Markt warf; und schließ­lich und end­lich ging es bei Yes schon immer um ande­res als nur neben­säch­li­che Unterhaltung.

Dreamt­i­me begins
whe­re every song is the per­fect place,
words never spoken
are the stron­gest resounding.

Wie wahr!

SonstigesNetzfundstückePiratenparteiPolitik
2011: Alles auf Anfang.

Dies also ist 2011; erscheint mir, wäh­rend ich noch das Fest­mahl zum Jah­res­wech­sel ver­daue, jetzt schon ziem­lich über­be­wer­tet. Aber es soll alles noch tol­ler, bes­ser, grö­ßer und lau­ter werden.

Am 13. Janu­ar 2011 zum Bei­spiel, dies ver­rät die Vor­schau in den Wer­be­pau­sen auf Pro Sie­ben, hat das geneig­te Fern­seh­pu­bli­kum die Chan­ce, sich an der „gro­ßen Quatsch Varie­ty Show“, der, wie Pro Sie­ben schon zu wis­sen glaubt, pri­mas­ten Schau des Jah­res 2011, zu ergöt­zen. Die­se Beschrei­bung immer­hin beru­higt, denn so kann man guten Gewis­sens auch in die­sem Jahr getrost auf den Kon­sum von Pro Sie­ben ver­zich­ten, wenn der Sen­der also nach dem 13. Janu­ar nur­mehr ver­gleichs­wei­se öde Unter­hal­tung zu sen­den beabsichtigt.

Absich­ten sind ohne­hin ein gutes The­ma so früh im Jahr. Vie­le Men­schen haben ihre guten Vor­sät­ze bereits jetzt gebro­chen. Für eini­ge die­ser Vor­sät­ze ist es aber auch nicht zu spät, etwa, um sich aus der schö­nen neu­en Welt der sozia­len Netz­wer­ke zu lösen. Getreu dem geflü­gel­ten Begriff des „vir­tu­el­len Selbst­mords“, wie ihn etwa die c’t vor inzwi­schen vier Jah­ren ver­wen­de­te, gibt es hier­für eine – geneig­ten Lesern etwa aus „Futura­ma“ bekann­te – „Selbst­mord­ma­schi­ne“, nur eben für das vir­tu­el­le statt des ech­ten Lebens, mit deren Hil­fe man schnell und unkom­pli­ziert trotz ver­ständ­li­chen Wider­stands von Face­book sein Pro­fil auf My-irgend­was, Face­book, Lin­ke­din und Twit­ter töten kann, ohne eine übel rie­chen­de Lei­che zu hin­ter­las­sen. Zu fin­den ist die­ser begrü­ßens­wer­te Dienst pas­sen­der­wei­se auf suicidemachine.org, und die dor­ti­gen FAQ spre­chen Bän­de. Frei über­setzt lau­tet ein Aus­schnitt etwa:

Wenn ich mei­ne Online­freun­de töte, heißt das, dass sie dann auch im wirk­li­chen Leben tot sind?
Nein!

Ich selbst gehe mit gutem Bei­spiel vor­an: Seit heu­te ist erst ein­mal eine mei­ner vir­tu­el­len Iden­ti­tä­ten end­lich Geschichte.

(Apro­pos Webzweinull: Auf mei­nen Bei­trag zu min.us ant­wor­te­te einer der Betrei­ber des Diens­tes und teil­te mit, dass nun­mehr das Hoch­la­den jeg­li­cher Datei­ty­pen mit einer Datei­grö­ße von bis zu 10 Mega­byte pro Datei mög­lich sei. Dan­ke für den Hin­weis, John!)

Ob 2011 für die Pira­ten­par­tei eben­falls ein gutes Jahr wird, bleibt abzu­war­ten. Der ewig­gest­ri­ge Links­fa­scho Chris­ti­an Sicken­dieck glaubt nicht dar­an und beharrt auch wei­ter­hin stur dar­auf, sie sei min­des­tens unwähl­bar, habe kei­ne kla­re Linie und läge längst zer­schla­gen am Boden. Die nächs­ten Land­tags­wah­len wer­den ihn, so steht zu hof­fen, eines Bes­se­ren beleh­ren. CDU, SPD, Grü­ne und Lin­ke haben sich 2010 weder in Stutt­gart noch beim Ver­han­deln über die Novel­lie­rung des JMStVs mit Ruhm bekle­ckert, die F.D.P. muss man nicht ein­mal mehr für die Sta­tis­tik berück­sich­ti­gen. (Apro­pos JMStV: Bus­si Kurt Beck, Initia­tor des seit 2003 gel­ten­den JMStVs, hat ange­kün­digt, jetzt eben auf eine kon­se­quen­te Umset­zung der „alten“ Fas­sung drän­gen zu wol­len. So ist das, wenn man bocki­gen Kin­dern ihr Förm­chen wegnimmt!)

Auf in eine gül­de­ne Zukunft!
Der Letz­te macht das Licht aus.

MusikNetzfundstücke
Musi­ka­li­scher Jah­res­rück­blick 2010 (mal anders)

Die bei­den Zeit­ge­nos­sen, die die bedeu­tends­ten Gescheh­nis­se 2009 schon musi­ka­lisch und amü­sant, vor genau einem Jahr von mir gerühmt, Revue pas­sie­ren lie­ßen, haben auch 2010 auf die Melo­die eines Gas­sen­hau­ers von Micha­el Jack­son eine Rück­schau gedich­tet und viel­stim­mig into­nie­ren lassen.

Erneut durch­aus humorig:

Fro­hes Fest 2010

Wer als ers­ter das rich­ti­ge Lied errät, darf sich einer brauch­ba­ren musi­ka­li­schen Bil­dung rüh­men. Ich selbst habe tat­säch­lich erst im Refrain die Quel­le erkannt und schä­me mich jetzt ein bisschen.

(… unge­fähr so war die­ses 2010 dann ja auch ins­ge­samt. scheiß­egut und unter­schätzt.)

Bis 2011!

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXXII: Vom Sin­gen, Spre­chen und Kotzen

Viel Getö­se ver­an­stal­ten die guten und weni­ger guten Medi­en seit eini­gen Mona­ten, als die GEMA im Auf­trag der VG Musik­edi­ti­on – dies wird sel­ten bemerkt – Kin­der­ta­ges­stät­ten ange­schrie­ben hat­te, sie, die Kin­der­ta­ges­stät­ten, soll­ten doch bit­te eine Pau­scha­le für das Kopie­ren von Noten­blät­tern zah­len. Gehirn­akro­ba­ten wie die Schrei­ber­lin­ge von BILD, aber lei­der auch die seriö­ser Maga­zi­ne, haben es seit­dem ver­säumt, die Kin­der­ta­ges­stät­ten mal zu fra­gen, was denn eigent­lich genau in den Anschrei­ben steht, und beschrän­ken sich dar­auf, von einem „Sing­ver­bot“ zu schwa­dro­nie­ren und davon, dass Kin­der, die noch nicht mal lesen kön­nen, jetzt nicht mehr von Noten­blät­tern able­sen dürf­ten, ohne hor­ren­de Gebüh­ren zu bezah­len; allein: das durf­ten sie nie.

Das ent­spre­chen­de Gesetz ist schon eini­ge Jahr­zehn­te alt: Das Kopie­ren von urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Par­ti­tu­ren erfüllt den Straf­tat­be­stand der uner­laub­ten Ver­wer­tung urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Wer­ke, auch „Pri­vat­ko­pien“ sind aus­nahms­wei­se nicht gestat­tet. Der Ver­ein Musik­pi­ra­ten e.V. stellt zwar unter frei­er Crea­ti­ve-Com­mons-Lizenz ste­hen­de Alter­na­ti­ven zur Ver­fü­gung, nichts­des­to­trotz soll­ten die Poli­ti­ker gera­de auch der F.D.P., die sich jetzt dem Volk am nächs­ten zei­gen möch­ten, weni­ger popu­lis­ti­schen Unfug in Tot­holz­me­di­en rülp­sen, son­dern ihren Ver­trag mit der Musik­ma­fia, der einst das strit­ti­ge Gesetz ent­ste­hen ließ, ein­sei­tig kün­di­gen; selbst dann, wenn dadurch regel­mä­ßi­ge Spen­den ent­fal­len. Mehr weiß Ste­fan Niggemeier.

Apro­pos Gerülps:

Ver­kehrs­mi­nis­ter Peter Ram­sau­er hat eine Mis­si­on: Der CSU-Poli­ti­ker ruft zum Kampf gegen eng­li­sche Begrif­fe auf.

Das (Quel­le) ist pri­ma und ein Grund, Herrn Minis­ter Ram­sau­er wert­zu­schät­zen, und dar­um möch­te ich hier auch kei­nen Ein­wand erhe­ben gegen den Inhalt der Mel­dung, son­dern gegen die Publi­kums­re­ak­ti­on in Form von Kom­men­ta­ren untendrunter:

„Lasst euch von nem Unnö­ti­gen wie Ramschi nix erzäh­len“, bit­tet Anony­mus „LouC­hy­pher“, der sich in kei­ner Spra­che zurecht­zu­fin­den scheint. „Elric“ stört es, dass man ver­su­che, ihm sein gelieb­tes schlech­tes Eng­lisch zu neh­men, denn es sei „Bull­shit“, schließ­lich sol­le „[d]er Typ … ver­nuenf­tig rei­ge­ren und nicht popu­lis­ti­sche Schein­ge­fech­te schue­ren“; er, Ram­sau­er, sei „der reins­te cir­cle-jerk“. Der pas­send benam­te „Deutsch­trot­tel“ pos­tu­liert, er kön­ne „ja nichts dafuer, dass mache Poli­ti­ker zu bloed sind um Eng­lisch zu reden“, erklärt jedoch auch nicht, wer etwas dafür kann, dass er ein Deutsch­trot­tel ist.

Zuspruch ist in der Mas­se von inzwi­schen über 1.400 Kom­men­ta­ren nur wenig zu fin­den, eini­ge gewitz­te Leser stim­men zwar „im Prin­zip zu“, wei­sen dann aber auf das „Aber“ hin, so etwa Kom­men­ta­tor „Har­ka“, der da schreibt: „Gespannt bin ich auch auf sei­nen Alter­na­tiv­vor­schlag zum „Han­dy“, einen eng­li­schen Begriff, den es im Eng­li­schem gar nicht gibt“, kein Pro­blem: Im Eng­li­schen, wie auch im Deut­schen, nennt sich das Gerät näm­lich schlicht Mobil­te­le­fon, gern gesche­hen. Ande­re, etwa „ccc“, miss­ver­ste­hen Herrn Ram­sau­er, denn „mit aller Gewalt aus dem Lap­top einen Klapp­rech­ner zu machen [sei] ein­fach nur lächer­lich“, ja, nur ver­sucht Herr Ram­sau­er es nicht mit Gewalt; anders etwa hier nicht näher benann­te Insti­tu­tio­nen, die „Job­cen­ter“ und „Ser­vice­points“, gern auch „Ser­vice Points“, betrei­ben, ange­sichts derer ich mei­ner­seits übri­gens auch nicht immer ohne Gedan­ken an Gewalt mei­ner Wege gehe. Es ist unge­min­dert erstaun­lich, wie bereit­wil­lig sich man­che Men­schen ins Abseits stel­len. (Dan­ke an M.)

Eine schließ­lich dann noch eine etwas weni­ger erhei­tern­de Mel­dung ist die­se:

Sie war mager­süch­tig und stell­te ihren gepei­nig­ten Kör­per zur Schau, um ande­re vor der Krank­heit zu war­nen. Wie jetzt bekannt wur­de, ist das fran­zö­si­sche Model Isa­bel­le Caro in einem Kran­ken­haus in Japan gestor­ben – ver­mut­lich an einer Lun­gen­ent­zün­dung. (…) Sie war 1,64 Meter groß und wog gera­de ein­mal 31 Kilo, als sie sich von Star­fo­to­graf Oli­vie­ro Tos­ca­ni [im Jahr 2007] nackt für eine Kam­pa­gne gegen Anore­xie foto­gra­fie­ren ließ.

Kon­trär hier­zu stell­ten die „Frau­en­ärz­te im Netz“ im März 2010 zum The­ma Mager­sucht fest:

Im Ver­gleich zu 2000 hat sich die Zahl der Behand­lun­gen um über acht Pro­zent erhöht.

Mal ganz ehr­lich, ihr jun­gen, dum­men Din­ger, die ihr hier mitlest:
Ist das etwa attrak­tiv? (Vor­sicht: Albtraumgefahr.)

Ihr miss­ver­steht da etwas:

Dass 63 Pro­zent der 13- bis 14-Jäh­ri­gen sagen, sie wür­den ger­ne bes­ser aus­se­hen, sei Besorg­nis erregend, (…).

Es wäre sehr ange­nehm, sähet ihr bes­ser aus, redu­zier­tet ihr etwa eure fünf bis sechs Schich­ten Kajal und sons­ti­ge Schmin­ke auf höchs­tens eine, denn was nützt euch künst­li­che Schön­heit, wenn das, was eure künf­ti­gen Lebens­ab­schnitts­part­ner abends zu sehen bekom­men, mit eurem zur Schau gestell­ten Kon­sum­ge­sicht nicht mehr viel gemein­sam hat? Eine dau­er­haf­te Bezie­hung, die schon mit einer Lüge beginnt, könnt ihr euch, haha, abschminken.

Statt­des­sen fin­det ihr es total pri­ma, euch zu bema­len wie Har­le­kins oder zumin­dest Nut­ten auf der Ree­per­bahn nachts um halb drei und glaubt, man wür­de euch nicht ange­wi­dert anse­hen, weil ihr euch schminkt und klei­det wie jemand, des­sen Bezie­hun­gen nach Stun­den­ta­rif ver­gü­tet wer­den, son­dern weil ihr zu fett wärt. Immer noch ein biss­chen weni­ger, Klei­dung nur noch bei C&A in der Kin­der­ab­tei­lung kau­fen und so lan­ge hun­gern, bis ihr hin­ein­passt. Ide­al­ge­wicht: 40 Kilo­gramm. Haupt­sa­che, nicht so fett sein wie die bes­te Freun­din, die immer­hin fast 60 Kilo­gramm wiegt, das spe­cki­ge Walross!

Bit­te ver­schont uns mit eurem Anblick.

(Unglück­lich gewählt ist übri­gens die­se For­mu­lie­rung: „Ess­stö­run­gen neh­men unter Frau­en und Mäd­chen zu“. Hihi!)

Sonstiges
Medi­en­kri­tik XLIV: Vor­sätz­lich Goethe

Ein pos­sier­li­ches Titel­bild hat der SPIEGEL sich da für sei­ne dies­wö­chi­ge Aus­ga­be geben las­sen, in der man, pas­send zum anste­hen­den Neu­jahrs­tag, unter ande­rem das The­ma „Gute Vor­sät­ze“ in ermü­den­den Wort­schwal­len plattwalzt.

Auf den „Kle­be­zet­teln“ auf dem Titel­blatt des SPIE­GELs steht so man­ches, was als Vor­satz für das kom­men­de Jahr gut­zu­hei­ßen ist, etwa „Wäh­len gehen“ und „Nicht mehr rau­chen“, aber auch etwas, was mich verblüfft:

„Goe­the statt Sar­ra­zin“ for­dert der, von oben gezählt, drit­te Kle­be­zet­tel auf der rech­ten Sei­te, und ange­sichts des Umstan­des, dass Sar­ra­zins pri­ma Buch unver­än­dert die Best­sel­lerlis­te des SPIE­GELs anführt, macht mich das schmunzeln.

War­um aber aus­ge­rech­net Goe­the? Gemes­sen an heu­ti­gen Maß­stä­ben wür­de man Goe­the wohl gemein­hin einen „lin­ken Gut­men­schen“ nen­nen, stets war­nend vor dem poli­tisch Radi­ka­len. Der SPIEGEL, so scheint es, möch­te sich gern wie­der links posi­tio­nie­ren, even­tu­ell auch des­halb, weil sei­ne Leser auf­grund des Aller­welts-Ein­heits­breis, den er mitt­ler­wei­le kre­denzt, lie­ber anders­wo spei­sen, und dazu passt es dann auch, dass Hen­ryk M. Bro­der, einer der letz­ten kri­ti­schen Kolum­nis­ten des SPIE­GELs, nun­mehr für die kon­ser­va­ti­ve Kon­kur­renz schreibt, was den SPIEGEL der Belie­big­keit ein wei­te­res Stück näher rückt.

J.W.v.Goethe jeden­falls, so schlägt man in der SPIE­GEL-Redak­ti­on vor, sol­le man statt Thi­lo Sar­ra­zin lesen, und das führt man nicht wei­ter aus, denn Sar­ra­zin­ver­glei­che sind gera­de im Trend und spre­chen für sich; Hit­ler war ges­tern.

Nun aller­dings hat der gute Herr Goe­the letz­lich auch nichts ande­res geschrie­ben als Sar­ra­zin (oder eben Bro­der), etwa die­ses aus sei­nem Nach­lass stam­men­de Zitat:

Tole­ranz soll­te eigent­lich nur eine vor­über­ge­hen­de Gesin­nung sein: sie muss zur Aner­ken­nung füh­ren. Dul­den heisst beleidigen.

Denn das, was man die­ser Tage gemein­hin als Tole­ranz miss­ver­steht, ist nichts ande­res als eben die Dul­dung frem­der Kul­tu­ren unter Auf­ga­be der eige­nen, und das ist heu­te so wahr wie zu Goe­thes Lebzeiten.

„Goe­the statt Sar­ra­zin“ ist eine reich­lich selt­sa­me Anwand­lung, denn im Gegen­satz zu Sar­ra­zin ist Goe­the zwar all­ge­mein­gül­tig, aber nicht aktu­ell, rele­vant zwar für das Leben, nicht aber für das Tages­ge­sche­hen. Ich schla­ge vor: „Goe­the und Sar­ra­zin statt gar nichts und Sar­ra­zin“. Das klingt natür­lich nicht so griffig.