Sonstiges
Medi­en­kri­tik XXXVII: Wert­schät­zung und Wald­pilz­sup­pe

Ich muss­te eben aus­gie­big mei­nem Amu­se­ment frei­en Lauf las­sen, als mir die Fern­seh­wer­bung für die Wald­pilz­sup­pe („Wald­pilz-Creme Sup­pe“) der deut­schen Fir­ma MAGGI GmbH, pri­mär bekannt für das brau­ne Zeug, das im Volks­mund eben­falls unter dem Namen „Mag­gi“ bekannt ist („gib mir mal das Mag­gi“), ins Blick­feld geriet.

Sie geht unge­fähr so:

Die Frau (bra­ve Haus­frau) steht in der war­men Küche und schaut lächelnd zu, wie ihr ver­mut­lich Ange­trau­ter in gel­ber, schmut­zi­ger Regen­klei­dung drau­ßen unter dem Mist­wet­ter lei­det, indem er zum Bei­spiel in eine Pfüt­ze tritt oder unacht­sam fron­tal auf har­te Gegen­stän­de trifft. Wäh­rend­des­sen rührt sie eine win­zi­ge Por­ti­on grau­brau­ner Brü­he an, von der sich allen­falls erah­nen lässt, dass es sich um Mag­gi-Wald­pilz­sup­pe („Wald­pilz-Creme Sup­pe“) han­de­le, und, welch Wun­der, der Mann betritt das Haus just in dem Moment der Fer­tig­stel­lung.

Wie er sich also sei­ner gel­ben Klei­dung ent­le­digt und die Frau sicht­lich ent­kräf­tet ansieht, gießt sie ihm lüstern die Sup­pe in einen lächer­lich ungro­ßen Tel­ler, um ihm mal so rich­tig zu zei­gen, wie sehr sie sein Tun und ihn selbst schätzt, näm­lich: gar nicht.

Der Mann also speist, wirft einen wei­te­ren Blick auf die Köchin, ver­zieht das Gesicht, schaut nach drau­ßen auf das, wir erin­nern uns, Mist­wet­ter, schaut wie­der zurück und fragt sub­til: „Lust, spa­zie­ren zu gehen?“

Inwie­fern auch immer das eine vor­teil­haf­te Wer­bung für Tüten­fraß sein soll:
Bit­te zukünf­tig mehr davon!

In den NachrichtenFotografiePersönlichesPolitikNetzfundstücke
Blü­hen­de Land­schaf­ten

... soooo klein! (gefunden auf SPON)Ich bin wie­der da-ha von mei­nem ereig­nis­ar­men Erho­lungs­wo­chen­en­de, das ich unter das ana­chro­ni­sti­sche Mot­to „Tux erobert die Zone“ stell­te. Lei­der gab es dies­mal mit­nef­fen mit­nich­ten Bahn­rei­sen­de zu ver­höh­nen, was ich durch­aus für nicht unge­wöhn­lich befin­de, denn wer, abge­se­hen von lang­wei­li­gen Schnarch­na­sen und mir, fährt schon allein der Unter­hal­tung wegen in die deut­schen Ost-Ter­ri­to­ri­en?; und auch sonst erfüll­te der kur­ze Auf­ent­halt mei­ne Erwar­tun­gen voll und ganz. Ich habe mir ein­mal die Frei­heit erlaubt, die blü­hen­den Land­schaf­ten zu ver­bild­li­chen:

Neben­bei arbei­te ich, wäh­rend ich dies schrei­be, erst ein­mal die unge­le­se­nen Neu­ig­kei­ten ab.

Dar­un­ter ist auch ein bra­vou­rö­ser Ein­trag von Peter, der nicht nur auf [cref 3147 mich] ver­weist, son­dern auch noch eine ande­re pri­ma Inter­net­sei­te gefun­den hat:

Scham­los kopiert hat FAZ.net die Idee, anhand einer Text­pro­be zu ver­su­chen, her­aus­zu­fin­den, wel­cher eini­ger­ma­ßen bekann­te Schrei­ber ähn­lich dekla­mier­te. Ich nahm, weil ich die For­mu­lie­rung „etwas treibt jeman­dem die Zor­nes­rö­te in die Fres­se“ für so über­aus gelun­gen befand, mei­nen vori­gen Bei­trag über [cref 3033 CD-Ver­packun­gen] als Bei­spiel her­an und erhielt ein uner­war­te­tes Ergeb­nis:

Imma­nu­el Kant

Es hät­te, immer­hin, auch Hit­ler sein kön­nen. (Ich habe das Ergeb­nis nun nicht mit ande­ren Tex­ten mei­ner Urhe­ber­schaft ver­gli­chen.)

Eine mei­ner Lieb­lings­sta­ti­sti­ken aus Thi­lo Sar­ra­zins „Deutsch­land schafft sich ab“ ist übri­gens der­zeit die­se:
Unter den extrem­be­gab­ten (IQ von 145 oder höher) Schü­lern beträgt der Anteil der männ­li­chen Her­an­wach­sen­den 8:1 im Ver­gleich zu dem der weib­li­chen Eben­sol­chen. Nimm dies, Frau­en­be­we­gung!

(Apro­pos Frau­en­be­we­gung: Die knuf­fi­ge Mini­ste­rin Kri­sti­na Schrö­der äußer­te sich, wie den gest­ri­gen Nach­rich­ten­sen­dun­gen und unter ande­rem auch SPIEGEL Online zu ent­neh­men war, unlängst zum The­ma Deut­schen­feind­lich­keit. Sie beklag­te, dass auf Schul­hö­fen und in U‑Bahnen deut­sche Kin­der auf­grund frag­wür­di­ger Res­sen­ti­ments als „deut­sche Kar­tof­fel“ und „deut­sche Schlam­pe“ bezeich­net wür­den, was untrag­bar sei, da somit die Kin­der unter ihrer Her­kunft lei­den müss­ten. Das ist in der Tat uner­hört. Auch ich plä­die­re dafür, Schlam­pen grund­sätz­lich ohne Nen­nung ihrer Her­kunft gene­rell als Schlam­pen zu bezeich­nen. So wird der Umgang mit­ein­an­der doch gleich viel freund­li­cher gestal­tet!)

Sonstiges
Mei­ne Oma pfleg­te zu sagen: „Mal was ande­res“

… sobald sie etwas nicht moch­te. Sie war aber weder in der han­no­ver­schen Men­sa noch ließ sie sich von mir beko­chen.

Ich weiß, dass Stu­den­ten ger­ne in der Haupt-Men­sa der Uni Han­no­ver essen. Nicht umsonst ist die­se schon mit den besten natio­na­len Restau­rants ver­gli­chen wor­den, konn­te mit­hal­ten und wur­de in einem wei­te­ren Ver­gleich die Nr. 1 nie­der­säch­si­scher Men­sen. Ob sie dem damal­gen Ruf heu­te noch gerecht wird, ent­zieht sich jedoch mei­ner Kennt­nis.

Des­halb mein Vor­schlag: Maro­nen (nein, ich mei­ne nicht die auch sehr lecke­ren Pil­ze; es han­delt sich viel­mehr um Ess­ka­sta­ni­en). Der eine oder ande­re kennt sie viel­leicht vom Weih­nachts­markt: Die obe­ren in der über­ge­be­nen Tüte sind mei­stens zu heiß, die unte­ren schon wie­der kalt, sobald man sich bis dahin durch­ge­fut­tert hat.

Zunächst ist Sel­ber­sam­meln ange­sagt. Wer jetzt glaubt, ich gebe hier mei­ne Fund­stät­ten preis, der hat sich schwer geschnit­ten. Nur so viel sei ver­ra­ten: Die Ess­ka­sta­nie weist wesent­lich mehr und wei­che­re Sta­cheln auf der grü­nen Scha­le auf als her­kömm­li­che und unge­nieß­ba­re Ross­ka­sta­ni­en.

Zur Zube­rei­tung: Zunächst wer­den die Maro­nen unge­schält (damit mei­ne ich die brau­ne Scha­le ;) ) ganz gekocht oder in einem Was­ser­bad in der Mikro­wel­le erhitzt. Danach wer­den sie vor­sich­tig geschält (das ist der lästi­ge Teil, den ich ger­ne ande­ren über­las­sen wür­de, dort aber lei­der auf Gra­nit bei­sse) und, sofern sie noch warm sind, sofort ver­zehrt. Soll­ten sie bereits erkal­tet sein, kocht man sie noch ein­mal auf und gla­siert sie anschlie­ßend mit But­ter und Zucker.

Zuletzt noch ein Hin­weis: Ja! Das Geschirr stammt von einem unmög­li­chen Möbel­haus aus Schwe­den.

Also: Ent­decke die Mög­lich­kei­ten!


(Dies war ein Gast­bei­trag von Didi. Schaut mal bei ihm rein und kom­men­tiert flei­ßig!)

Nerdkrams
Bar­Tab für Fire­fox: Lass mal anschrei­ben!

Ein Kom­mi­li­to­ne wies mich auf die Fire­fox-Erwei­te­rung Bar­Tab hin, die ich für aus­rei­chend essen­zi­ell hal­te, um sie hier kurz vor­zu­stel­len.

Ihr kennt das Pro­blem viel­leicht:
Fire­fox ist ohne Fra­ge ein gran­dio­ser Brow­ser, aber je mehr Tabs man in ihm öff­net, desto behä­bi­ger wird er; das macht sich beson­ders bemerk­bar, wenn man bereits beim Start von Fire­fox eini­ge Tabs lädt, etwa als Teil der vor­he­ri­gen Sit­zung. Ein RAM-Ver­brauch über 1 GB ist nicht unge­wöhn­lich, was heut­zu­ta­ge zwar in der Regel nur noch mäßig schmerzt, aber doch auf­fällt.

Für Fire­fox 2 gab es da eini­ge Tricks („trim on mini­mi­ze“, IPv6 deak­ti­vie­ren und ähn­li­che), aber nicht alle sind in aktu­el­len Ver­sio­nen noch benutz­bar, zudem war ihr Effekt oft kaum mess­bar.

Ein tritt die Erwei­te­rung Bar­Tab, und ich bin begei­stert:

Wie in einer Bar erlaubt sie es, RAM „anschrei­ben“ zu las­sen, daher stammt auch ihr Name.
Die Idee dahin­ter ist sim­pel, aber effi­zi­ent: Statt alle offe­nen Tabs per­ma­nent im Spei­cher zu hal­ten, erlaubt die Erwei­te­rung es, Tabs bei Bedarf oder auto­ma­tisch zu „ent­la­den“ und per Klick wie­der zu „laden“. „Ent­la­de­ne“ Tabs im Hin­ter­grund wer­den im Brow­ser blass dar­ge­stellt, dabei arbei­tet Bar­Tab auch mit einem gege­be­nen­falls bereits instal­lier­ten Tab Mix Plus zusam­men:

Auf der Abbil­dung sind nur die bei­den rech­ten Tabs gela­den, die ande­ren Tabs bele­gen zur­zeit kei­nen RAM. (Die rote und kur­si­ve Her­vor­he­bung „unge­le­se­ner“ Tabs stammt hier von Tab Mix Plus.)
Das klingt eigent­lich wenig auf­re­gend, macht sich aber deut­lich bemerk­bar:

Dies, wohl­ge­merkt, mit 16 offe­nen (aber teil­wei­se nicht gela­de­nen) Tabs, die unter ande­rem ein You­Tube-Video ein­bin­den. SRWa­re Iron, ein (wie etwa auch Goog­le Chro­me) auf Chro­mi­um basier­ter Brow­ser, belegt mit drei offe­nen Tabs, zwei davon mit einem flash­ba­sier­ten Brow­ser­spiel, bereits das Dop­pel­te an Arbeits­spei­cher. Nimm dies, Chro­me!

Bar­Tab funk­tio­niert unter allen Fire­fox-Ver­sio­nen ab 3.5.0 inklu­si­ve der aktu­el­len Beta­ver­si­on von Fire­fox 4.0.
Ein, wie ich mei­ne, Muss für Viel­sur­fer.

MusikPolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXVIII: Music Tele­vi­si­on.

Zwei Mel­dun­gen belu­stig­ten mich bin­nen der ver­gan­ge­nen sie­ben Stun­den.

Die erste hat was mit UFOen zu tun und steht auf ShortNews.de, was ich daher unkom­men­tiert ver­lin­ke; ein jeder Leser mag selbst ent­schei­den, was er von ShortNews.de hält, bevor er den Ver­weis betä­tigt.

Viel bes­ser, weil von der Finan­cial Times Deutsch­land berich­tet, gefiel mir die­se Mel­dung:

Der Musik­ka­nal MTV schal­tet auf Bezahl­fern­se­hen um. Vom kom­men­den Janu­ar an wird das Pro­gramm aus­schließ­lich als Abo­sen­der auf digi­ta­len Kabel‑, Satel­li­ten- und Breit­band­platt­for­men zu emp­fan­gen sein, sag­te Dan Ligt­vo­et, Deutsch­land- und Nord­eu­ro­pa­chef von MTV Net­works, der FTD. Die Ver­brei­tung im frei emp­fang­ba­ren Fern­se­hen wird ein­ge­stellt. Im Gegen­zug wird der Schwe­ster­sen­der Viva zum zen­tra­len Musik- und Enter­tain­ment­ka­nal im Free-TV umge­baut – und soll dort künf­tig erfolg­rei­che For­ma­te aller Sen­der des Netz­werks aus­strah­len.

Sehen wir mal von dem Faux­pas ab, MTV als „Musik­ka­nal“ bezeich­net zu haben, ist das eine Auf­se­hen erre­gen­de Mel­dung; ver­schwin­det mit MTV doch auch die Klin­gel­ton­in­du­strie aus dem deut­schen „Free-TV“ bzw. hal­biert ihr Enga­ge­ment dort.

Und ein Glück kommt sel­ten allein:

Zusätz­lich star­tet MTV den rei­nen Musik­sen­der MTV brand new, eben­falls als Bezahl­an­ge­bot.

Ein (vor­erst) Musik­sen­der von MTV Net­works – end­lich!
Herz­li­chen Dank für die­se Weg wei­sen­de Inno­va­ti­on!

(Übri­gens regen sich eini­ge Leu­te gera­de ganz schreck­lich dar­über auf, dass der Inten­dant des Mit­tel­deut­schen Rund­funks es nach eini­gen wenig net­ten, aber weit­ge­hend unbe­ach­te­ten Scher­zen über bspw. Johan­nes Hee­sters‘ Alter gewagt hat, per Twit­ter Augen zwin­kernd einen mus­li­mi­schen Bun­des­prä­si­den­ten vor­her­zu­se­hen. Ich fin­de das auch wider­lich. Allein die Vor­stel­lung schon!)

In den NachrichtenPersönlichesPolitik
Ein Ter­min­ka­len­der wäre hilf­reich.

(Zur Abwechs­lung mal wie­der ein Bericht aus dem Stu­di­um.)

Ich habe das Stu­den­ten­le­ben augen­schein­lich ver­in­ner­licht.

Von mei­nem zu Seme­ster­be­ginn fast vol­len Vor­le­sungs­plan sind nur noch eini­ge kläg­li­che Stun­den, sel­ten mehr als eine Vor­le­sung pro Tag, übrig geblie­ben. „Mache ich spä­ter“; schön, wenn man das sagen kann. „So gut wie in der Schu­le wirst du es nie wie­der haben.“

Das, was mir aber auf­grund des Lais­sez-fai­re-Stu­di­ums lei­der völ­lig fehlt, ist ein akzep­ta­bles Zeit­ge­fühl.

Ein Bei­spiel aus der letz­ten Woche:
Es soll­te ein Seme­ster­pro­jekt begin­nen. Ich hat­te auch schon eine total tol­le Idee, die das Leben vie­ler Men­schen min­de­stens revo­lu­tio­niert hät­te, brauch­te aber einen Pro­jekt­part­ner. Die­ser schließ­lich mein­te, die Abga­be des Pro­jekt­vor­schlags hät­te noch Zeit, und als ich mich also ins Wochen­en­de ver­drück­te, schrieb er mich an und mein­te, er habe sich geirrt; ob ich denn auch mit einem alber­nen Reser­ve­pro­jekt (Umge­stal­tung einer Inter­net­prä­senz) zufrie­den sei?

„Der Drang, zu mor­den, steigt wie­der.“
(Homer Simpson, c/o „Die Simpsons“)

Stu­dent sein ist klas­se. Hat mal jemand einen Ter­min­ka­len­der für mich?

(Ach, apro­pos Ter­min­ka­len­der: Heu­te ist „Tag der deut­schen Ein­heit“; und nichts demon­striert die deut­sche Ein­heit so schön wie ein Staat, der auf sei­ne Bür­ger schießt, denn genau das, dach­te ich, wur­de hier­zu­lan­de 1989 abge­schafft. Dass nun gera­de die Par­tei, die die­se Tra­di­ti­on wie­der ein­führt, sich in Ber­lin heu­te als Befrei­er die­ses Lan­des fei­ern lässt, ist besten­falls gro­tesk.)

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Die Wege des Mar­xis­mus

Ach, apro­pos Stutt­gart 21:

Auch der Chef der Land­tags­frak­ti­on, Peter Hauk (CDU), weiß, wo der Feind steht: „Ich weh­re mich dage­gen, mich unter das Dik­tat von Alt­kom­mu­ni­sten und Alt­lin­ken zu stel­len, die in den letz­ten Wochen die Rädels­füh­rer des Pro­te­stes waren“, sagt er.

Hm?

I fol­low the Mosk­va / down to Gor­ky Park / listening to the wind of chan­ges.

Apro­pos Mar­xis­mus, eine gute Neu­ig­keit hat­te die poli­ti­sche Land­schaft in Deutsch­land heu­te dann doch zu bie­ten:
Der Thü­rin­ger Land­tag ließ die Immu­ni­tät des Lin­ken-Poli­ti­kers Bodo Rame­low, eines der Initia­to­ren der anti­de­mo­kra­ti­schen Akti­on „Dres­den nazifrei!“ – wir erin­nern uns – auf­he­ben. Rame­low fand das weni­ger schnaf­te:

Sein poli­ti­sches Enga­ge­ment wer­de dadurch „in ein straf­recht­li­ches Licht gesetzt“.

Poli­ti­sches Enga­ge­ment, das sich nicht an die Geset­ze der Poli­tik hält, die es zu schüt­zen behaup­tet, muss man nicht in irgend­ein Licht set­zen, es ist auch im Dunk­len schon schau­rig genug.

(Das ist dann auch erst mal wie­der genug Poli­tik hier; man bekommt nur unnö­tig Sod­bren­nen vom Ärgern.)

PolitikIn den Nachrichten
Stutt­gart 21 in Kurz­form

Was von Stutt­gart 21 (eine Erklä­rung gibt es, falls benö­tigt, in der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia) zu hal­ten ist, illu­striert die­ses Bild (via Fefe).
Vor­sicht, ziem­lich auf­fäl­li­ge Wun­de.

Und sowie­so, sie­he SPIEGEL Online:

Map­pus (Mini­ster­prä­si­dent, CDU) selbst hat­te am Don­ners­tag ande­re Plä­ne: Er amü­sier­te sich auf dem Bau­ern­tag in Stutt­gart und trank ent­spannt mit den Land­wir­ten Bier.

Schlä­ger­trup­pen und Gas­an­grif­fe gegen das eige­ne Volk; nich‘ übel.
In letz­ter Kon­se­quenz bedeu­tet das, dass die USA Herrn Map­pus eines Tages aus einem Erd­loch in Stutt­gart aus­gra­ben und dafür sor­gen, dass so etwas nicht mehr vor­kommt.

Aber irgend­et­was sagt mir, dass auch die­se Per­ver­si­on nicht dazu füh­ren wird, dass die CDU bei den näch­sten Wah­len ein­stel­li­ge Ergeb­nis­se davon­tra­gen wird. Höch­stens Herr Map­pus wird aus­ge­tauscht.

„Same shit, dif­fe­rent ass­ho­le“, so lau­tet ein geflü­gel­tes Wort unter Anglog­lot­ten.
Die CDU scheint sich welt­wei­te Bekannt­schaft gesi­chert zu haben.

(Das soll dann auch rei­chen.)

PersönlichesSonstigesNetzfundstückeSpaß mit Spam
Lecker Rosen­bra­ten

Der Zufall woll­te es, dass ich heu­te lau­schend an einer Dis­kus­si­on zwei­er gereif­ter Damen teil­nahm. Sie unter­hiel­ten sich zum Zeit­punkt mei­ner Ein­kehr über eso­te­ri­sche Rezep­te, was bei­na­he schon spa­ßig genug ist. (Ich hof­fe, ich wer­de nie so.)

Den aktu­el­len Zube­rei­tungs­tipp stell­te hier­bei so genann­tes Rosen­eli­xier dar. Eine der gereif­ten Damen so sprach, man sol­le ein Glas mit Rosen­blü­ten eine Wei­le ste­hen las­sen, die resul­tie­ren­de Flüs­sig­keit schmecke dann „ganz leicht nach Rosen“. Die ande­re gereif­te Dame war begei­stert und ich ver­such­te, mir den skep­ti­schen Blick nicht anmer­ken zu las­sen.

Sät­ze wie „Komm, wir trin­ken Kak­tus­was­ser“ oder „Mmh, lecke­re Pal­me!“ wird man, des­sen bin ich mir sicher, nie von mir hören. (Wäh­rend ich dies schrei­be, erhal­te ich die Reak­ti­on, Rosen­was­ser sei etwas ganz ande­res und ich habe wohl noch nie Kuchen gebacken und sei über­haupt voll blö­de. Ich dan­ke viel­mals für die­se Erkennt­nis und möch­te zu ver­ste­hen geben, dass ich auch an Rosen­ku­chen kei­ner­lei Inter­es­se zei­ge.)

Nun, es gibt wun­der­li­che Lebens­mit­tel. Ich erin­ne­re mich, es ist schon ein paar Jah­re her, ein­mal ein Tee­ge­schäft in einer von Duft­ker­zen umne­bel­ten Kel­ler­eta­ge eines Eso­te­rik­la­dens auf­ge­sucht zu haben. Der Ver­käu­fer hielt mir diver­se Tees unter die Nase, ich sog begie­rig den Odeur auf und wur­de beim vier­ten oder fünf­ten Tee bei­na­he ohn­mäch­tig. „Die­ser hier riecht ein wenig nach Fisch“, plap­per­te der Ver­käu­fer mun­ter drauf­los, wäh­rend ich wan­kend ver­such­te, höf­lich zu nicken. Fisch­tee – mjam.

Ähn­li­che Sub­stan­zen, wie ich ver­mu­te, sind auch in der Spam­mer­sze­ne nicht unbe­kannt. Soeben erreich­te mich an eine anson­sten bei­na­he unge­nutz­te Mail­adres­se bei einem gro­ßen deut­schen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter eine E‑Mail mit dem Betreff „Park­ver­ge­hen 3327102“; ein Betreff, den ich sonst nur von Uni­ver­si­täts­mails ken­ne, wo offen­bar täg­lich irgend­wer sei­ne von Mama ergau­ner­te Kar­re zu Schrott fährt.

Tat­säch­lich aber hat­te die Mail mit Par­ken nur wenig zu tun, eher mit Ste­hen im Hal­te­ver­bot:

Neh­men Sie sich doch kurz Zeit fuer uns!

Lei­der kostet auch das Löschen die­ses Unfugs Zeit; somit habe ich gar kei­ne ande­re Wahl. Frech­heit eigent­lich.

Sie haben Erek­ti­ons­schwie­rig­kei­ten? Die Hek­tik bela­stet Sie und hat auch noch nega­ti­ve Fol­gen fuer Ihr Lie­bes­le­ben? Sie wol­len Ihrer Frau wie­der bewei­sen, dass sie noch immer ein ein rich­ti­ger Mann in der Ero­tik sind? Vor­bei mit den Sor­gen, und vor­bei mit den ero­ti­schen Schwie­rig­kei­ten.

Juch­he.

Mit unse­ren blau­en Wun­der­pil­len wer­den Sie umge­hend wie­der ein guter Lover und ihre Freun­din wird sie ver­goet­tern!

Ver­göt­tern? Möch­te ich das?
Ist man ein Gott, wird man stän­dig von irgend­wel­chen fau­len Schma­rot­zern um irgend­wel­che Wun­der ange­bet­telt, selbst nachts. Dar­auf habe ich eigent­lich kei­ne Lust; und schon gar nicht, wenn der fau­le Schma­rot­zer eine Frau ist, deren Wün­sche sind schon wun­der­lich genug, ohne dass man ein Gott ist. Ich ver­zich­te auf Pil­len, die mich zum Göt­zen für Mil­lio­nen leicht­gläu­bi­ger Idio­ten wer­den las­sen.

Abso­lut siche­re Bestel­lun­gen im Web auf der Home­page —- (… tiny.cc-gekürzter Ver­weis auf eine Sei­te mir sicher­heits­hal­ber unbe­kann­ten Inhalts …)

Sicher ist sicher; dar­um ver­zich­tet ihr auch bes­ser dar­auf, die Adres­se voll­stän­dig in die Mail zu schrei­ben. Spam­fil­ter mögen das nicht.

– Mit besten Grue­ssen
Chri­stia­ne Horn —–

Frau Horn, Sie soll­ten mal Ihre Zei­len­sprung­ta­ste über­prü­fen las­sen.

(… drei Zei­len inhalts­lee­rer, pseu­do­eng­li­scher Spam­pro­sa …)

Hal­lo!

Äh, wie, was?

Sie haben Erek­ti­ons­pro­ble­me? Die Hek­tik bela­stet Sie und hat auch noch Fol­gen fuer Ihr sexu­el­les Leben? Sie wol­len Ihrer Freun­din wie­der demon­strie­ren, dass sie noch immer ein ein rich­ti­ger Mann beim Sex sind?

Ach, jetzt ver­ste­he ich. Der zwei­te Teil soll­te gar nicht an mich gehen. Oder der erste. Oder bei­de?
(Ein schlau­er Mensch merk­te ein­mal an: Wer von sich behaup­tet, nie uner­wünsch­te Penis­pil­len-Mails zu bekom­men, freut sich über die gün­sti­gen Ange­bo­te.)

Vor­bei mit den Noe­ten, und vor­bei mit den Erek­ti­ons­pro­ble­men.

Und vor­bei, mit der Inter­punk­ti­on.

Mit unse­ren blau­en Din­gern wer­den Sie umge­hend wie­der ein lei­den­schaft­li­cher Lieb­ha­ber und ihre Part­ne­rin wird sie bewun­dern!

Hier­zu zwei Anmer­kun­gen:

  1. „Blaue Din­ger“? Blaue Din­ger?! Schlumpf­ver­sand oder wie?
    Frl. Horn, Sie machen mich lachen. (Reimt sich und ist wahr.)
  2. „… und ihre Part­ne­rin wird sie bewun­dern“; anders als in dem Teil vor dem „und“ ist das Per­so­nal­pro­no­men hier kon­se­quent klein geschrie­ben, also ist’s kei­ne Anre­de. Es wer­den also die ver­sen­de­ten Schlümp­fe von ihrer Part­ne­rin (Schlumpfi­ne?) bewun­dert, wenn ich sie kau­fe? War­um soll­te ich das wol­len? Das Lie­bes­le­ben von Schlümp­fen ist mir suspekt. (Es waren 101 Schlümp­fe inklu­si­ve Schlumpfi­ne, wenn ich mich rich­tig ent­sin­ne. Soll das eine zum Kauf anre­gen­de Vor­stel­lung sein?)

Uah.

Siche­re Bestel­lun­gen im Web auf der Sei­te

(… tiny.cc-gekürzter Ver­weis auf eine Sei­te mir sicher­heits­hal­ber unbe­kann­ten Inhalts …)

Ah, dies­mal klappt’s mit den Zei­len­um­brü­chen.

Wir wuen­schen Ihnen viel Erfolg
Chri­stia­ne Horn

Ich fürch­te, die­ser Bei­trag wird mir tat­säch­lich eini­gen Erfolg besche­ren; nicht sel­ten, dies ver­rät mei­ne Sei­ten­sta­ti­stik, suchen ver­irr­te Inter­net­nut­zer nach Schlumpf­sex. Eigent­lich beun­ru­hi­gend.

Jetzt

Echt?

—-
(… sie­ben Zei­len inhalts­lee­rer, pseu­do­eng­li­scher Spam­pro­sa …)

(Ich habe ein­mal dar­auf ver­zich­tet, mich mit dem Inhalt der Pro­sa zu befas­sen. Dass „Smurfs that do it“ dar­in stand, kann ich also nicht mit Sicher­heit aus­schlie­ßen. Es waren aber, Hank sei Dank, kei­ner­lei Bil­der ange­fügt.)

PersönlichesMusikSonstigesFotografie
Umschwung (lusti­ges Wort eigent­lich)

Ich wuss­te, dass heu­te etwas pas­sie­ren wür­de, als ich heu­te früh auf­stand und es noch immer reg­ne­te. Beim Ver­such, mei­nen Ruck­sack mit den benö­tig­ten Uten­si­li­en zu befül­len, gab der Reiß­ver­schluss nach, was dazu führ­te, dass ich heu­te, wäre da nicht mein mobi­ler Klein­com­pu­ter, im Stu­di­um auf jeg­li­che Notiz­hil­fe – immer­hin war mein Lap­top-Ruck­sack zugleich mein übli­ches Uten­si­li­en­be­hält­nis – hät­te ver­zich­ten müs­sen. (Dan­ke, lie­ber Android!)

Beschwingt ver­ließ ich also, mini­mal mit Acces­soires (Android, Schirm, por­ta­bles Audio­fix­be­steck) aus­ge­stat­tet, das Haus, ließ mich gemäch­lich durch die Land­schaft chauf­fie­ren, und mit­ten in den schön­sten Schau­er platz­te

Schnee.

So weit nichts unge­wöhn­li­ches, ist doch die Weih­nachts­zeit schon wie­der gefühlt fast vor­bei, aber erwäh­nens­wert; da es, immer­hin, der erste Schnee des nahen­den Win­ters ist, an dem ich teil­hat­te. (Die­se Kli­ma­er­wär­mung, bib­ber, bringt uns alle, schlot­ter, noch um.)

Ein Ein­schub: Ich hat­te Herrn hae­kel­schwein unlängst die Qua­li­tät von Schir­men für zwei fuff­zich bild­lich zu erläu­tern ver­sucht. Nun ergab sich die Iro­nie, dass der Schirm, der heu­te mein wel­kes Haupt vor Unge­mach bewah­ren soll­te, eben­falls ein Schirm für etwa zwei fuff­zich war; und sich beim ersten Wind­stoß, zack!, ver­ab­schie­de­te.

Apro­pos zwei fuff­zich: Ich stieß heu­te in einer Filia­le einer gro­ßen deut­schen Elek­tronik­fach­han­dels­ket­te auf ein Regal mit Ton­trä­gern und nahm erfreut zur Kennt­nis, dass das Kon­zept, neu­en Musikal­ben aus­sa­ge­kräf­ti­ge Titel zu geben, wie­der in Mode kommt.

Der geneig­te Musik­freund erin­nert sich: Die Beat­les ver­öf­fent­lich­ten 1967 das Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, eines der Pio­nier­wer­ke in der Geschich­te der Kon­zept­al­ben, wenn auch am Ende auf eine „Rah­men­hand­lung“ geschrumpft. 1969 folg­te „In The Court Of The Crims­on King“ von King Crims­on, wie vor­ge­nann­tes Album prin­zi­pi­ell ein Kon­zept­al­bum, auf dem die Band sich selbst als Beob­ach­ter einer Sze­ne dar­stellt. 1973 folg­te Yes‘ monu­men­ta­les „Tales From Topo­gra­phic Oce­ans“, das zwar stel­len­wei­se arg lang­wei­lig ist, aber sich in die Rei­he der Kon­zept­al­ben, deren Titel ihren (text­li­chen) Inhalt vor­weg­neh­men, naht­los ein­fü­gen lässt. (Bei­na­he unauf­fäl­lig reiht sich hier neben „Le Fri­sur“ von den Ärz­ten auch Peter­Lichts „Lie­der vom Ende des Kapi­ta­lis­mus“ ein.)

So gese­hen ist es nur kon­se­quent, dass Sil­ber­mond, die in oben erwähn­tem CD-Regal Platz fan­den, ihrem aktu­el­len „Werk“ gleich­falls einen Titel gege­ben haben, der bereits andeu­tet, was von den ent­hal­te­nen Klän­gen zu hal­ten ist:

„Nichts pas­siert“.

Eben.

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt XXVII: „Lala­la!“ und Andro­ides.

Was mei­nen gest­ri­gen Nach­rich­ten­kon­sum jeden­falls erhell­te, war die­se hüb­sche Mur­mel­tier-Reinkar­na­ti­on, unter ande­rem auch in den übli­chen Nach­rich­ten­sen­dun­gen zu sehen:

Der ira­ni­sche Prä­si­dent Ahma­denid­schad hielt eine Rede, in der er die USA scharf kri­ti­sier­te und die Hin­ter­grün­de der Anschlä­ge auf das World Trade Cen­ter im Sep­tem­ber 2001 hin­ter­frag­te. Das hin­ter­ließ anschei­nend Ein­druck, denn die Ver­tre­ter zahl­rei­cher Staa­ten, unter ande­rem, na, so was!, der USA, ver­lie­ßen den Saal umge­hend. Raus­ren­nen und „lala­la“ brül­len.

Die deut­schen Medi­en wer­te­ten dies als legi­ti­me demo­kra­ti­sche Mei­nungs­äu­ße­rung, dass man sich eben wei­gert, sich auch mal ande­re Mei­nun­gen anzu­hö­ren (hier­zu cf. auch die Demon­stra­tio­nen gegen Lesun­gen des Herrn Sar­ra­zin), ich mei­ner­seits wer­te es als kin­di­schen Hirn­riss.

Ach, vor einer Wei­le erwähn­te ich ja, dass ich mir einen Android-basier­ten Klein­com­pu­ter zuge­legt habe; offen­bar habe ich das in einer Zeit getan, in der die Fra­ge „Eifon oder Android?“ die Gemü­ter mehr denn je bewegt. Die Inha­ber der von mir gele­se­nen Blogs jeden­falls schei­nen groß­teils, unge­ach­tet der bekann­ten Kun­den­gän­ge­lung sei­tens Apple und der per­ver­sen Preis­ge­stal­tung, Eifon-Nut­zer zu sein. Da möch­te ich als ner­vi­ger Android-Fan – nach mei­nem bis­he­ri­gen Ein­druck ist es tat­säch­lich ein pri­ma Betriebs­sy­stem, auch wenn ich mich nicht als „Fan“ (als Umluft­ven­ti­la­tor?) des genann­ten Systems bezeich­nen wür­de – fol­gen­den, kürz­lich ent­deck­ten Bild­witz mit mei­ner Leser­schaft tei­len:

(Die Lang­fas­sung gibt es nach dem Klick; soll­te sie zu klein dar­ge­stellt wer­den, emp­feh­le ich einen Rechts­klick und die Aus­wahl „In neu­em Tab/Fenster öff­nen“.)

Hihi.

PersönlichesSonstiges
Buuuuuuuuuuumm!

Mit­un­ter nut­ze ich das­sel­be Ver­kehrs­mit­tel wie eini­ge Grund­schü­ler, deren Unter­richt gera­de ende­te. Auch heu­te saßen direkt vor mir drei die­ser Gestal­ten. Zwei von ihnen tru­gen den umgangs­sprach­li­chen Ruf eines „ABC-Schüt­zen“ nicht zu Unrecht.

Wäh­rend der drit­te damit beschäf­tigt war, selt­sa­me Figu­ren zu zeich­nen, lie­ßen sich die ande­ren bei­den Kin­der zu immer neu­en Spie­len inspi­rie­ren. Obgleich die Lo-Fi Resi­stance mein Ohr umman­tel­te, ließ es sich auf­grund lau­ten Kra­keels und auch sonst nicht unauf­fäl­li­gen Ver­hal­tens nicht ver­mei­den, dass ich eini­ge davon mit­be­kam. Der in der Ecke sit­zen­de Jun­ge mit dem auf­fal­len­den Milch­ge­biss such­te wie­der­holt kör­per­li­che Nähe, indem er sich an den zeich­nen­den Neben­sit­ze kuschel­te oder sei­nem Gegen­über um den Hals fiel. Das gip­fel­te dar­in, dass sich die bei­den Gegen­über gegen­sei­tig ans Gemächt (die, Zitat, „Eier“, Zitat Ende) fass­ten. Die bis dahin noch mit­fah­ren­de Betreue­rin schau­te ver­wun­dert, gab sich aber mit der Ant­wort, der jeweils ande­re habe ange­fan­gen, zufrie­den.

Etwas weni­ger wun­der­lich immer­hin war das mini­ma­li­sti­sche Räu­ber-und-Gen­darm-Spiel. Die bereits erwähn­ten Gegen­über zeig­ten mit dem Fin­ger auf­ein­an­der und mach­ten „Buuuuuuuuuuumm!“, was wohl ein Explo­si­ons­ge­räusch dar­stel­len soll­te. Seit wann man Hand­feu­er­waf­fen mit explo­die­ren­den Din­gen bestückt und seit wann ein Knall, übli­cher­wei­se ein punk­tu­el­les Geräusch, mit einer Vokal­ver­län­ge­rung dar­ge­stellt wird, sofern man ihn nicht gera­de mit dem anglo­pho­nen Wort für einen Ansturm („boom“) ver­wech­selt, trau­te ich mich aus Scham davor, die Ant­wort nicht zu ver­ste­hen, nicht zu fra­gen.

Dass der kriegs­lü­ster­ne Nach­wuchs irgend­wann das Fahr­zeug ver­ließ, gab mir zu mei­ner Erbau­ung zudem Gele­gen­heit, Zeu­ge einer ande­ren Sub­kul­tur zu wer­den. Es folg­ten ihm näm­lich zahl­rei­che Real­schü­ler groß­teils weib­li­chen Geschlechts. Von die­sen nah­men vier vor mir Platz, wie üblich saßen die­je­ni­gen mit dem weni­ger uner­freu­li­chen Gesicht mit dem Rücken mir zuge­wandt.

Über die Gesprächs­the­men der vier kann ich, der Lo-Fi Resi­stance sei Dank, mich nur unzu­rei­chend äußern; es ging, so weit ich das mit­be­kom­men habe, um Jungs, Fei­ern und wel­che der Mit­schü­le­rin­nen man am wenig­sten mag. Erquickend war auch weni­ger die Dis­kus­si­on dar­über, wes­sen iPod nun hüb­scher sei (knall­ro­sa und bon­bon­blau stan­den zur Qual Wahl), son­dern der Dis­kus­si­ons­stil.

Wann kam es eigent­lich in Mode, beim Spre­chen selbst in Bus oder Zug mit den Hän­den in der Luft her­um­zu­fuch­teln? Das scheint auch ein rein weib­li­ches Phä­no­men zu sein; bei anders­ge­schlecht­li­chen Jung­men­schen habe ich das noch nicht gese­hen. Indes erin­ne­re ich mich noch an das Erleb­nis, wäh­rend des­sen ich erst­mals auf die genann­te Ange­wohn­heit auf­merk­sam gemacht wur­de: Vor eini­gen Jah­ren saß ich im Zug nicht unweit einer Fami­lie, deren Toch­ter gera­de aus den USA zurück­ge­kehrt war und beim Berich­ten eben­falls wild umher­fuch­tel­te, was die Mut­ter zu der Bemer­kung ver­an­lass­te, die­se Marot­te sei wohl ein Relikt ihres Aus­lands­auf­ent­hal­tes. Aus den USA bringt man also (gemäß Max Goldt), wie es scheint, nicht nur ein furcht­bar schlech­tes Eng­lisch, son­dern auch noch ein furcht­bar ner­vö­ses Ver­hal­ten mit. Ich bin der Fami­lie für die­se War­nung noch heu­te sehr dank­bar.

Gefuch­tel und Gestot­ter („ey, ey, äh, ne?“) schlie­ßen sich aller­dings – immer­hin – offen­bar gegen­sei­tig aus. Wer fuch­telt, kann sich anschei­nend bes­ser arti­ku­lie­ren. Viel­leicht soll­te ich das auch ein­mal aus­pro­bie­ren, zum Bei­spiel, wenn mich ein geld­gie­ri­ger Anwalt wegen mei­ner Hal­tung zu Impres­sen vor Gericht in die Pfan­ne hau­en will.

(Wäre auch mal von Inter­es­se: Kann es sein, dass man als jun­ge Per­son sein Schuh­werk heut­zu­ta­ge nicht mehr danach aus­wählt, wie vor­teil­haft für die Benut­zung der eige­nen Geh­werk­zeu­ge sie sind, son­dern danach, wie gut sie sich zur Beschrif­tung eig­nen? Zu mei­ner Zeit waren wir noch froh, nicht in lab­be­ri­gen Stofffet­zen durch den Regen waten zu müs­sen, ach!)

Ich war nie so.


Nach­trag von 19:56 Uhr:
Erschüt­tert nahm ich zur Kennt­nis, dass ein beträcht­li­cher Teil mei­ner Leser Ernst Jandl nie gele­sen hat. Ich habe den ver­meint­li­chen Schreib­feh­ler dezent besei­tigt und bin wirk­lich sehr ent­täuscht.

MusikkritikProjekteKaufbefehle
Project:KOMAKINO – The Strugg­le for Uto­pia

Wer mich kennt, der weiß, dass Kaf­fee und Musik zwei essen­zi­el­le Bestand­tei­le mei­nes mor­gend­li­chen Erwa­chens­ri­tus‘ sind. Wäh­rend mir also gestern die neue­sten Wer­ke von The Boi­ler und Harmful die Ohren qua­si weg­blie­sen (mehr dazu tra­di­ti­ons­ge­mäß am Jah­res­en­de), begann mein Tag heu­te mit einem eigent­lich völ­lig ande­ren Album.

Das Album nennt sich „The Strugg­le for Uto­pia“, zu Deutsch also „Der Kampf um Uto­pia“, und wur­de nach mei­nen Infor­ma­tio­nen bereits Ende 2009 von der bri­ti­schen Musik­grup­pe Pro­ject: KOMAKINO ver­öf­fent­licht. (Jetzt woll­te ich noch irgend­wo einen geschickt plat­zier­ten Ver­weis auf die Schall­gren­zen rein­schmug­geln, dann ist mir auf­ge­fal­len, dass ich offen­bar den Hin­weis auf die­se Band sogar ursprüng­lich dort fand. Pri­ma, dann muss ich weni­ger schum­meln.)

„The Strugg­le for Uto­pia“ ist ein viel­schich­ti­ges Album. Man könn­te auf den Zug derer auf­sprin­gen, die es in Schub­la­den zu stecken ver­su­chen, aber das wäre all­zu banal. Nicht näm­lich ver­tritt es eine Stil­rich­tung, son­dern erschafft eine eige­ne Melan­ge aus meh­re­ren Gen­res, die nach etwas klingt, was man zwar schon mal gehört hat, aber noch nicht in die­ser Inten­si­tät.

Es beginnt mit wabern­den Syn­the­si­zer- und Gitar­ren­klän­gen, dazu ein wenig dezen­ter Rhyth­mus. Psy­che­de­li­scher Spa­ce­rock, irgend­wo zwi­schen Gong und den frü­hen Pink Floyd. Gemäch­lich dre­hen die Musi­ker die Span­nung auf; blitzt da eine Pri­se Mog­wai her­vor? Ja, sie tut’s.

Und kaum hat man sich also in das psy­che­de­li­sche Netz fal­len las­sen, das das Quin­tett gespannt hat, ent­reißt es es dem ahnungs­lo­sen Zuhö­rer, nur um gleich wie­der ein neu­es zu flicken. New-Wave-arti­ge Stro­phen (The Cure fal­len mir da ein) mit gele­gent­li­chen erneu­ten Spa­ce­rock-Aus­flü­gen unter­ma­len den Gesang, der auch den Sisters of Mer­cy, als sie noch gut waren (dann eben doch!), gehö­ren könn­te. Auf „In the temp­le of love…“ war­te ich, obwohl das vor­letz­te Stück „Temp­le“ heißt, jedoch ver­ge­bens, statt­des­sen gibt es Resi­gna­ti­on und Welt­schmerz zu hören. Things are hap­pe­ning, they’­re always hap­pe­ning to me.

Musik (auch) für laue Näch­te auf der Veran­da. (Als hät­te ich eine Veran­da.)
Koma­ki­no? Kopf­ki­no!

(So unge­fähr sieht es übri­gens aus, wenn man einem unvor­be­la­ste­ten Leser die­ses Album beschrei­ben will, ver­ehr­te Schrei­ber­lin­ge in den Redak­tio­nen die­ses Lan­des; nicht aber so, wie ihr es laut der von mir bevor­zug­ten Such­ma­schi­ne über­ein­stim­mend tut: „Klingt wie Joy Divi­si­on. Näch­stes Album bit­te.“ Banau­sen.)

Übri­gens, für die Arbeit an Tiny­To­do fehlt mir der­zeit, stu­di­en­be­dingt, die rech­te Inspi­ra­ti­on. Aber ich ver­spre­che, es wird wei­ter­ge­hen.

Fotografie
War­um so bie­der?

Erwach­se­ne, so schrieb ein klu­ger Mensch ein­mal (war es Max Goldt?), neig­ten dazu, sich an die Jugend anzu­bie­dern. Dies sei, so schrieb der klu­ge Mensch wei­ter­hin, kei­ne gute Idee, denn wenn Erwach­se­ne ver­su­chen, sich an die Jugend anzu­bie­dern, sei dies sel­ten genü­gend sub­til, und ein erwach­se­ner Mensch, der ver­sucht, sich an die Jugend anzu­bie­dern, sei ins­ge­samt – ich para­phra­se­re dies ein­mal, da mir der genaue Wort­laut ent­fal­len ist – eine eher pein­li­che Par­odie eines Jugend­li­chen.

Obi­gen Absatz, dies emp­feh­le ich, soll­te man im Stu­di­um der Ver­mark­tung stets mit sich füh­ren, sonst endet man eines Tages wie Sascha Lobo oder in ähn­li­cher Posi­ti­on und zeich­net ver­ant­wort­lich für däm­li­che Schil­der wie die­ses:

Da möch­te man sich doch tat­säch­lich wun­dern und lässt es dann aus gesund­heit­li­chen Grün­den doch lie­ber blei­ben.