Fens­ter zu!

Apro­pos digi­ta­les Pre­ka­ri­at: Was mir im IRC die­ser Tage häu­fig begeg­net, sind Wetter-Bots.

IRC-„Bots“ (kurz für „robots“) sind, kurz erklärt, Com­pu­ter­pro­gram­me, die im IRC bestimm­te Aktio­nen durch­füh­ren; sie ant­wor­ten etwa auto­ma­tisch auf bestimm­te Begrif­fe oder ver­wal­ten Benut­zer­lis­ten. Die meis­ten mir bekann­ten Wet­ter-Bots funk­tio­nie­ren der­ge­stalt, dass sie von einer Inter­net­sei­te das aktu­el­le (!) Wet­ter für die gewünsch­te Post­leit­zahl abru­fen und ausgeben.

Das sieht dann, um farb­li­che Her­vor­he­bun­gen gekürzt, unge­fähr so aus:

(@Bluewater) !wet­ter 24109
(@MFC) Wet­ter­da­ten für 24109 wer­den gele­sen, bit­te habe ein (sic!) Moment Geduld.
(@MFC) -=( Wet­ter für Kiel, Deutsch­land (24109) )=-=( Wet­ter­la­ge: Bewoelkt ? Sicht: 10,0 km ? Gemes­se­ne Temp.: ‑2°C ? Gefühl­te Temp.: ‑8°C ? Tau­punkt: ‑7°C ? Luft­feuch­tig­keit: 63 % ? Luft­druck: 1024,0 hPa ? UV-Index: 0 (Mini­mal) ? Wind: aus dem Osten mit 19 km/h )=-

Da sit­zen also die Leu­te mit ihrem erfüll­ten real life im IRC, berich­ten von ihren Erfol­gen in irgend­wel­chen vir­tu­el­len Wel­ten und infor­mie­ren sich über das Leben vor ihrem Fens­ter, indem sie mit Com­pu­tern reden. Mein Dank gilt der welt­wei­ten Ver­net­zung, erspart sie sol­chen Men­schen doch den lan­gen, auf­wän­di­gen Weg zum Fens­ter oder gar zur Haustür.

(Gesetzt den Fall, es hat auch nur irgend­ei­nen Ein­fluss auf ihr Leben, wie drau­ßen im real life das Wet­ter ist; wie die Radio­mel­dun­gen über „Flit­zer-Blit­zer“ ja auch nur die­je­ni­gen Auto­fah­rer inter­es­sie­ren, die von sich behaup­ten, die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung im Schlaf auf­sa­gen zu können.)

Ich wun­de­re mich dann spä­ter ein bisschen.

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 4)

… Als er wie­der in sein kal­tes, lee­res Zim­mer zurück­kehr­te, sah er sich um. An der Wand hin­gen Bil­der von ihr. Ihm war, als sei­en Jah­re ver­gan­gen, seit er allein heim­ge­kehrt war. Die Bil­der an der Wand waren das Ein­zi­ge, was er von ihr mit­ge­nom­men hat­te; er hät­te, des­sen war er sich sicher, sie nicht zurück­las­sen dür­fen. Das Wis­sen dar­um, dass er nun hier, Hun­der­te von Kilo­me­tern von ihr ent­fernt, saß und in Erin­ne­run­gen schwelg­te, statt dort zu sein, wo er sich end­lich ange­kom­men wähn­te, ließ ihn schwer­mü­tig wer­den. Jedes Mal hat­te er sich vor­ge­stellt, wie es wäre, wür­de er sie ein­fach nicht mehr los­las­sen. „Lächer­lich“, dach­te er dann jedes Mal und wuss­te, dass er es gar nicht lächer­lich fand. War es nicht immer sein Traum gewe­sen, end­lich anzu­kom­men, die Rei­se, auf der er sich fort­wäh­rend befand, end­lich been­den zu können?

Nun aber, da er allein war und in den Gedan­ken an sie zu ertrin­ken, zu ersti­cken glaub­te, fühl­te er wie­der den ste­chen­den Schmerz der Nar­be in sei­nem Her­zen, die ihm jeder Abschied bis­lang zuge­fügt hat­te. Es war sinn­los, es abzu­strei­ten: Er war nur noch eine Sil­hou­et­te. Alles, was er zu sein glaub­te, hat­te er bei ihr gelassen.

Sie beherrsch­te sei­ne Träu­me und sei­ne Gedan­ken. Immer wie­der hat­te sie ihn gefragt, war­um er sie nicht ein­fach ver­ges­sen konn­te, und er hat­te belang­lo­se, nichts sagen­de Ant­wor­ten gege­ben. Er konn­te es sich ja selbst nicht erklä­ren. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesun­gen hat­te: „Wenn sie vor­bei­geht, dann scheint es wie ein Feu­er­werk. Vor einem Him­mel ist es sie, die ich bemerk‘.“ Er lieb­te sie, weil sie ihn lieb­te; und weil er sich end­lich gebor­gen fühlte.

Er hat­te einen Gedan­ken an „spä­ter“ immer ver­drängt; zu groß war sei­ne Angst davor, dass er sich in Wunsch­träu­me ver­lie­ren wür­de, die über sei­nem Kopf zusam­men­stür­zen wür­den. Zwar hat­te er schon ein­mal dar­an gedacht, wie es wäre, nicht mehr allein zu leben, aber vor wei­ter rei­chen­de Ent­schei­dun­gen hat­te ihn noch kei­ne der Frau­en in sei­nem Leben gestellt. Dann kam sie.

Seit damals war alles anders. Er hat­te sei­nen Weg zurück zu ihr und in ihr Herz gefun­den; sei­ne Kam­mer war unbe­rührt, sein Name stand noch an der Tür, als wäre nie etwas gewe­sen. Den­noch hat­te sich etwas ver­än­dert. Sein Leben hat­te er bis­her am Augen­blick aus­ge­rich­tet, aber er spür­te, dass er nun auf etwas gesto­ßen war, was ein­ma­lig war. War es Schick­sal, Glück oder Vorsehung?

Was immer in sei­nem Leben noch gesche­hen wür­de, war ihm längst egal; sein ein­zi­ger Gedan­ke galt nur mehr ihr. Er wuss­te selbst nur zu gut, dass er Träu­men all­zu oft hin­ter­her gelau­fen war, aber irgend­et­was ihm immer ein Bein gestellt hat­te. Mit die­sem Traum aber, den er nicht mehr nur träum­te, son­dern längst leb­te, soll­te es nicht so enden. In einem Som­mer, der nur mehr blas­se Erin­ne­rung war, hat­te er sich selbst geschwo­ren, er wür­de ihn ihr erfül­len. Jetzt war es an der Zeit.

Er ver­miss­te es, bei ihr zu sein, ihre Nähe zu spüren.
Er ver­miss­te es, in ihre Augen – „die­se Augen!“, dach­te er – zu sehen.
Er ver­miss­te sie.

Er war nicht mehr der Herr sei­ner Gedan­ken. Es war sein Herz, das sie lenkte.
Und sein Herz wuss­te, was er wollte.

Er blieb noch lan­ge vor ihrem Bild ste­hen. Trä­nen ran­nen sei­ne Wan­gen hin­ab. Aus dem Fern­se­her im Wohn­zim­mer erscholl Bonos Stim­me. „It’s a beau­tiful day…“. Nie zuvor hat­te er so wenig Freu­de an die­sem Lied. …

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXXVII: Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg? Kanns­te abschreiben.

… und dann war da noch außer der bis­lang blö­des­ten Begrün­dung, Wahl­wer­bung nicht zu dru­cken, die völ­lig über­ra­schen­de Mel­dung, dass Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg sei­ne Dok­tor­ar­beit pla­gi­iert hat, die er „nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen“ ange­fer­tigt hat­te; was über sein Gewis­sen schon alles Nöti­ge aussagt.

Heu­te wur­de ich auf eine hier­auf bezo­ge­ne Nach­richt aus Bay­reuth hingewiesen:

Die Uni Bay­reuth hat Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) auf­ge­for­dert, bin­nen zwei Wochen zu den Pla­gi­ats­vor­wür­fen bei sei­ner Dok­tor­ar­beit Stel­lung zu neh­men. (…) Die mög­li­chen Kon­se­quen­zen rei­chen von der Auf­for­de­rung, die Dok­tor­ar­beit nach­zu­bes­sern, bis hin zur Aberken­nung des Doktortitels.

Schuld­be­wusst ließ der desi­gnier­te künf­ti­ge Mon­arch Wahl­kampf­ter­mi­ne absa­gen, inso­fern hat es immer­hin ein Gutes. Ich befürch­te jedoch, dass nach­hal­ti­ge Kon­se­quen­zen für sein Anse­hen auch wei­ter­hin aus­blei­ben wer­den, denn das wür­de letzt­lich wohl die Abwahl der CDU/CSU bedin­gen. Übri­gens ist jeden­falls der Vor­wurf, es gäbe kei­ne Quel­len­an­ga­ben, halt­los, denn die gibt es unter dem unnö­tig kom­pli­zier­ten Namen „Fuß­no­ten“ selbst im Inter­net zu kau­fen. Ange­sichts des Erschei­nungs­jah­res liegt aller­dings der Ver­dacht nahe, der Kri­ti­sier­te ist womög­lich völ­lig unschul­dig daran.

SonstigesNetzfundstückeNerdkrams
Das neue Pre­ka­ri­at der inter­na­tio­na­len Elite

Man­ches beginnt harm­los. Ich schau­te zum Bei­spiel mal wie­der auf Wako­opa vor­bei, einer Art „sozia­lem Netz­werk“, das dem Zweck dient, dass sei­ne Nut­zer einen Über­blick dar­über bekom­men, wer wann wie oft und wie lan­ge wel­che Pro­gram­me auf sei­nem Com­pu­ter ver­wen­det. Jedes Pro­gramm kann kom­men­tiert und bewer­tet wer­den, so dient Wako­opa auch als Mög­lich­keit, Infor­ma­tio­nen über mög­li­che Alter­na­ti­ven zu erhal­ten, etwa über Vim.

Eigent­lich woll­te ich dort nur noch feh­len­de Daten zu einem von mir bereits vor eini­gen Tagen geprie­se­nen Pro­gramm ein­fü­gen, dann jedoch las ich im hier­für zu ver­wen­den­den Ein­ga­be­for­mu­lar dies:

Most of our users are inter­na­tio­nal, so plea­se use Eng­lish text only in descriptions.

(Abwei­chen­de Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Unbe­darf­te Zeit­ge­nos­sen, etwa ich, den­ken bei der Beto­nung auf Inter­na­tio­na­li­tät viel­leicht dar­an, mehr­spra­chi­ge Tex­te zu ver­fas­sen und so Besu­chern aus ver­schie­de­nen Natio­nen mit unter­schied­li­chen Natio­nal­spra­chen – inter­na­tio­na­len Besu­chern eben – kei­nen ver­min­der­ten Funk­ti­ons­um­fang bie­ten zu müs­sen, aber ich bin auch nur ein unbe­deu­ten­der Ins­in­ter­net­rein­schrei­ber und nicht der Schlüs­sel­meis­ter des neu­es­ten Web‑2.0‑Quatsches und habe somit kei­ne Ahnung. Inter­na­tio­na­li­tät bedeu­tet näm­lich offen­sicht­lich nicht mehr, dass das so aus­ge­zeich­ne­te Pro­dukt unab­hän­gig von der Her­kunft sei­nes Benut­zers unein­ge­schränkt nutz­bar wäre, son­dern, dass Besu­cher aus Natio­nen, in denen mei­ne Mut­ter­spra­che nicht die Ver­kehrs­spra­che ist, die Mög­lich­keit haben, bei der Benut­zung des inter­na­tio­na­len Pro­dukts ihre Kennt­nis­se mei­ner Mut­ter­spra­che, der ein­zig wah­ren, zu ver­tie­fen. (Man stel­le sich ein­mal, nur zur per­sön­li­chen Belus­ti­gung, vor, die Grün­der der Wiki­pe­dia hät­ten ihrer­zeit beschlos­sen, Inter­na­tio­na­li­tät sei nur pri­ma, wenn sie auf Eng­lisch stattfände.)

Eng­lisch, die Spra­che des Inter­nets? Mit­nich­ten und ohne Nef­fen, wur­de doch erst im Novem­ber 2010 die vier­zehn­mil­li­ons­te .de-Domain regis­triert, die zahl­rei­chen deutsch­spra­chi­gen Inter­net­sei­ten, die etwa auf .org und .net enden, blei­ben unge­zählt. Man muss nicht ein­mal Eng­lisch kön­nen, um das Inter­net bedie­nen zu kön­nen, schließ­lich gibt es auch in deut­scher Spra­che aus­rei­chend vie­le ver­schie­de­ne Zugangs­mög­lich­kei­ten. Dass man das Pro­gramm mit dem lus­ti­gen roten Viech auch „Brow­ser“ nennt, muss man als Anwen­der nicht wis­sen, nicht ein­mal als einer, der selbst Inhal­te ver­öf­fent­li­chen möchte.

Nun könn­te man natür­lich so weit gehen wie Micha­el See­mann und hin­ter all dem in einem trotz­dem lesens­wer­ten Bei­trag eine Ver­schwö­rung gegen Deutsch­land, aus­ge­heckt von einer „neu­en, glo­ba­len Eli­te“, deren ein­zi­ge Kom­pe­tenz es ist, einen Inter­net­zu­gang zu besit­zen, wit­tern. Wer im Zeit­al­ter der Glo­ba­li­sie­rung noch immer kei­ne Lust hat, sich lang­wei­li­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Seri­en, sofern es eine qua­li­ta­tiv akzep­ta­ble deut­sche Über­set­zung gibt, im Ori­gi­nal anzu­se­hen, und Nach­rich­ten­quel­len, die Deutsch spre­chen, gegen­über denen, für die er jedes Mal zum Wör­ter­buch grei­fen muss, bevor­zugt, ist, so sei­ne Argu­men­ta­ti­on, kein Teil der erwähn­ten Eli­te bezie­hungs­wei­se ihrer „intel­lek­tu­el­len Mit­tel­schicht“. Was sol­che Men­schen in sei­nen Augen statt­des­sen sind, ver­schweigt der Ver­fas­ser lei­der, merkt aber an, dass ihn Deutsch­land nur mehr lang­wei­le und er eines Tages aus­wan­dern wür­de. Dass er in ande­ren Län­dern auf ange­neh­me­re Umstän­de als in Deutsch­land sto­ßen wür­de, ist zu bezwei­feln; da ihm jeden­falls die deut­sche Regie­rung miss­fällt, dürf­te er nicht ein­mal in den fürch­ter­li­chen USA, die er sprach­lich und „kul­tu­rell“ doch so sehr schätzt (wer braucht schon natio­na­le Kul­tur, wenn er das Inter­net hat?), sei­nen See­len­frie­den finden.

Wer so rast­los immer auf der Suche nach einer neu­en Iden­ti­fi­ka­ti­on und wil­lens ist, sein jewei­li­ges kul­tu­rel­les Umfeld gegen ein neu­es aus­zu­tau­schen, der ist nicht zu benei­den. Ich fin­de Halt in einer Kul­tur, mit der ich auf­ge­wach­sen bin und die mir bis­lang noch kei­nen poten­zi­el­len Freun­des­kreis auf­grund sprach­li­cher Dif­fe­ren­zen ver­schlos­sen hielt. Ich stel­le wage­mu­tig eine The­se auf: Die Behaup­tung, Glo­ba­li­sie­rung bedin­ge sprach­li­che Gleich­schal­tung der Indi­vi­du­en statt, im Gegen­teil, Offen­heit für ihre Viel­falt, ist hane­bü­che­ner Mum­pitz, erfun­den von devo­ten Mit­glie­dern eli­tä­rer Zir­kel, deren geis­ti­ge Reser­ven nur noch zum Erler­nen eines gebro­che­nen Eng­lischs genü­gen und die ansons­ten nur ungern mit ande­ren Men­schen in Kon­takt treten.

Die katho­li­sche Kir­che hat sich auch lan­ge nicht dar­um geschert, dass ihre Gläu­bi­gen beim Got­tes­dienst ungern gleich­zei­tig beten und einem Simul­tan­über­set­zer für Latein lau­schen wol­len. Der Aus­gang der Geschich­te ist bekannt. Schö­ne Eli­te, das.

Netzfundstücke
„xD“, lol ^^

Mit­un­ter amü­sie­re ich mich auf so Sei­ten, deren Inhalt dar­auf aus­ge­rich­tet ist, für Zeit­ge­nos­sen und die Nach­welt Zita­te aus IRC und instant mes­sen­gern (Jab­ber, ICQ und was man heu­te eben so benutzt) zu sam­meln. Auch, wenn die Leser jener Sei­ten nicht sel­ten Zita­te von ande­ren Inter­net­sei­ten als eige­nes Fund­stück aus­ge­ben, so ist doch mit­un­ter ein amü­san­tes Bon­mot dabei.

In der letz­ten Zeit aller­dings bemer­ke ich jeden­falls in den deutsch­spra­chi­gen Ver­tre­tern die­ser Gat­tung Inter­net­sei­te eine Ent­wick­lung, die mir miss­fällt, näm­lich die Häu­fung über­flüs­si­ger Emo­ti­con-Sur­ro­ga­te wie „^^“ und „xD“. Ich möch­te nun aus­nahms­wei­se ein­mal nicht als gran­te­li­ger Greis erschei­nen, aber doch jeden­falls für mei­ne mit die­sem The­ma nicht ver­trau­te Leser­schaft in der gebo­te­nen Aus­führ­lich­keit dar­le­gen, was ich meine.

Wir erin­nern uns: Anfang der 80-er Jah­re wur­den in einem uni­ver­si­tä­ren Bul­le­tin Board die Zei­chen­fol­ge :-) und ihr Kom­ple­ment :-( zwar ver­mut­lich nicht erst­mals, aber mit erst­mals nach­hal­ti­gen Fol­gen als Lösung für das bereits von Vla­di­mir Nabo­kov erwähn­te Pro­blem, dass es bis dahin kei­ne ein­heit­li­che typo­gra­fi­sche Dar­stel­lung eines Lächelns, etwa zur Kenn­zeich­nung eines Scher­zes, gab, vor­ge­schla­gen, und die sich ver­netzt unter­hal­ten­de Mensch­heit war dank­bar für die­se drin­gend benö­tig­ten Zei­chen­se­quen­zen, die den ver­gleichs­wei­se umständ­li­chen Inflek­tiv oder gar Pro­sa­er­klä­run­gen über­flüs­sig mach­ten. So ging das über mehr als eine Deka­de wei­ter, und es ent­stan­den Abwand­lun­gen wie ;-) und  :-D.

Mit dem Auf­kom­men japa­ni­schen Bild­hu­mors aber tra­ten ver­mehrt neue Emo­ti­cons auf. Wer ein­mal Poké­mon oder ähn­li­che Seri­en (oder wenigs­tens die South-Park-Fol­ge, die Poké­mon auf die Schip­pe nahm) gese­hen hat, dem bleibt der typi­sche Zei­chen­stil ver­mut­lich noch lan­ge in Erin­ne­rung. Japa­ni­sches Lächeln näm­lich sieht im Man­ga­stil unge­fähr so aus:

Dar­aus ent­wi­ckel­te sich das Emo­ti­con ^^, das mit Unter­stri­chen nahe­zu belie­big in die Län­ge gezo­gen wer­den kann, um ein brei­tes Grin­sen dar­zu­stel­len: ^_______^.

Unge­fähr zu die­ser Zeit auch gewann das Inter­net für die Mas­se an Com­pu­ter­nut­zern jün­ge­ren Alters an Bedeu­tung, und wer sich die­se Bedeu­tung nicht vor­stel­len kann, dem spen­die­re ich gern ein­mal eine Tages­kar­te für den Bus­ver­kehr einer eigent­lich belie­bi­gen deut­schen Groß­stadt, damit er ein­mal die Zeit mes­sen möge, wie lan­ge es dau­ert, bis ihm der ers­te Jüng­ling „Lol“ oder „Rofl“ im Über­schwang bei­na­he ins Ohr brüllt. Da die­se Gene­ra­ti­on sozu­sa­gen die ers­te war, die einen gro­ßen Teil ihrer Frei­zeit oft damit ver­brach­te, sich im noch jun­gen „Web“ statt off­line zu unter­hal­ten, wur­de die Nut­zung von Emo­ti­cons für sie eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die­se ver­lo­ren so ihre eigent­li­che Bedeu­tung und wur­den als­bald nur mehr schmü­cken­des Bei­werk. Wer in einem die­ser Online-Chats statt der übli­chen Dis­kus­sio­nen über die reich­hal­tigs­te Quel­le für Kin­der­por­no­gra­fie oder die neu­es­ten Angriffs­pla­nun­gen auf den Frie­den in deut­schen Groß­städ­ten ein­mal einen Dia­log zwei­er Men­schen ver­folgt, die einen Satz statt mit einem Punkt mit ^^ been­den, der kann ver­su­chen, jedes ^^ in Gedan­ken durch *lächel* zu erset­zen, damit er ver­steht, wor­auf ich anspiele.

Der Cha­rak­ter Eric Cart­man aus der bereits erwähn­ten Serie South Park präg­te, als die Sät­ti­gung an ^^ und Art­ver­wand­tem aus­rei­chend groß war, hier­zu­lan­de eine wei­te­re Aus­drucks­form des Lächelns, näm­lich xD, das zuvor ein Nischen­da­sein in Ani­me­fil­men fris­ten muss­te. Man wen­de sei­nen Kopf so lan­ge um jeweils unge­fähr 90 Grad, bis man es erkennt:

Auch die­ses xD aller­dings hat inzwi­schen einen gewis­sen Sät­ti­gungs­grad erreicht, was wohl auch des­halb nicht lan­ge dau­er­te, weil es die tra­di­ti­ons­be­wuss­te Nach­wuchs­ge­ne­ra­ti­on als neu und vor allem indi­vi­du­ell pries; in dem Brow­ser­spiel Gala­xy Net­work gab es bereits zwei­mal eine Alli­anz aus Spie­lern, die sich eben­falls „xD“ nann­te, was die Her­ab­stu­fung zu einer lee­ren Phra­se bei­spiel­haft ver­deut­licht. Kürz­lich nun fand die­ses Zitat sei­nen Weg ins WWW:

[Ste­ve] omg heu­te zu geil aufn weg nach mcs xDD
[D´] ?
[Ste­ve] mein bru­der hat ja son tom tom navi , und da is dann iwie sone app oda so drauf das das navi die sms vor­liest wenn mein bru­der wel­che wäh­rend der fahr bekommt
[D´] jaa okay … und weiter ?
[Ste­ve] ja auf jeden fall saßen wir dann zu zweit hin­ten Kai und ich und dann tippt kai iwas in sein han­dy ein und auf ein­mal hört man nur noch vor­ne das navi sagen “ sie haben eine sms von blaa blaa “ fahr bit­te rechts ran ich muss kacken “ xDDD
[Ste­ve] und das mit die­ser gei­len com­pu­ter stim­me xDD ich konnt nich mehr vor lachen xDD
[D´] fail xDDDDD

Über die Unart, dass die Leu­te heut­zu­ta­ge ihre „zu gei­len“ Geschich­ten nicht ein­fach erzäh­len, son­dern erst dar­auf war­ten, dass einer Inter­es­se heu­chelt, mokie­re ich mich even­tu­ell spä­ter, eben­so über das unsäg­li­che Gebrab­bel wie „Ja, auf jeden Fall haben/sind/waren wir dann…“ statt ein­fach nur „Wir haben/sind/waren…“, wenn man doch ande­rer­seits die Ansicht zu ver­tre­ten scheint, bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on im Inter­net gin­ge es vor allem dar­um, ver­meint­lich über­flüs­si­ge Zei­chen zu spa­ren. Das Zitat zeigt aller­dings die Erbärm­lich­keit der von mir kri­ti­sier­ten aus­schließ­lich ober­fläch­li­chen Hyper­emo­tio­na­li­sie­rung in gan­zer Pracht.

Anony­mus „Rau­pe“ schrieb zu der Infla­ti­on des Lächelns unbe­wusst selbst­iro­nisch das, was sie, die Infla­ti­on, wohl am tref­fends­ten beschreibt:

irgend ein depp hats erfun­den, alle ande­ren dep­pen machens nach xD

Je mehr digi­ta­le Aus­drucks­for­men für Lächeln es gibt, des­to weni­ger zählt ein Lächeln noch, so lau­tet mein Resümee.
Man könn­te depres­siv wer­den in die­sem Internet.

(Jeder Kom­men­ta­tor unter die­sem Bei­trag, dem, unab­hän­gig vom Inhalt, ein „xD“ her­aus­rutscht, sinkt, sofern dies mög­lich ist, in mei­ner Ach­tung in immensem Maße.)

Sonstiges
Fei­ne klei­ne Welt

Mei­nen täg­li­chen Hihi-Moment bescher­te mir heu­te ein Ein­kauf in einer Filia­le einer nam­haf­ten deut­schen Waren­haus­ket­te, die ich im fol­gen­den Text mit F. (für Filia­le) abkür­zen werde.

Die typi­sche Easy-Lis­tening-Beschal­lung (kau­fen Kun­den, sta­tis­tisch gese­hen, wirk­lich mehr, wenn man sie nervt?) wur­de mit­ten im Lied unter­bro­chen, und es erschall­ten eine auf­dring­li­che Melo­die, die offen­bar einen Wer­be­ein­schub ankün­dig­te, und anschlie­ßend ein kur­zes Hör­spiel. Das Hör­spiel ging etwa so: Man stel­le sich ein­mal zwei Frau­en zwi­schen 30 und 40 Jah­ren vor, die sich tref­fen und unter­hal­ten, viel­leicht über Pfer­de und Män­ner und Mode und so einen Fir­le­fanz, über typi­schen Frau­en­kram eben. Inmit­ten der schö­nen Dis­kus­sio­nen über typi­schen Frau­en­kram platzt nun also eine der bei­den Frau­en mit der, ihrem hek­ti­schen Ton­fall zufol­ge, ihr schon lan­ge qua­si unter den Nägeln bezie­hungs­wei­se bes­ser auf der Zun­ge bren­nen­den Fra­ge heraus:

„Kennst du schon F. Fei­ne Welt?“

Ihre Gesprächs­part­ne­rin erwi­dert voll des Enthu­si­as­mus‘, und man kann sich den Schlag an die Stirn bild­lich vor­stel­len, so sehr klingt ihre Ant­wort danach, dass sie sich gera­de an etwas Über­le­bens­wich­ti­ges erin­nert hat:

„Na klar, das sind doch die Genuss­mar­ken für Entdecker!“

Hier endet das Hör­spiel, und irgend­je­mand lei­ert einen Text über irgend­wel­che Prei­se und Spei­sen her­un­ter. Das ist scha­de, denn ich hät­te gern noch ein wenig über die bei­den Frau­en erfah­ren. Ich kann mir näm­lich beim bes­ten Wil­len kei­nen Men­schen­schlag vor­stel­len, der sich so aus­zu­drü­cken pflegt. Es wür­de mich sogar ziem­lich erschre­cken, käme ein alter Bekann­ter auf mich zu und wür­de mich zur Begrü­ßung erst ein­mal fra­gen, ob ich schon von irgend­ei­nem Mar­ken­pro­dukt gehört hät­te, denn mein Bekann­ten­kreis setzt sich mei­nes Wis­sens aus­schließ­lich aus eigent­lich recht ange­neh­men Zeit­ge­nos­sen zusam­men. (Ähn­lich ist auch die der­zei­ti­ge Fern­seh­wer­bung für ein bekann­tes Mol­ke­rei­pro­dukt befremd­lich: „Hey, trinkst du gera­de mei­ne letz­te Mei­er­milch Kirsch-Bana­ne mit extra viel Zucker und so wei­ter und so fort?“; wer auf die­ser gan­zen Erde vol­ler wun­der­li­cher Gestal­ten redet denn so?)

Schon nicht mehr bedeut­sam ist es da, dass unge­klärt bleibt, inwie­fern „Fei­ne Welt“ die Eigen­schaft erfüllt, meh­re­re Mar­ken qua­si auf ein­mal zu sein; auch konn­te ich nicht in Erfah­rung brin­gen, was genau es mit den erwähn­ten Ent­de­ckern auf sich hat. Ich wür­de mich nicht als einen Ent­de­cker bezeich­nen, ich kom­me also nicht als ein sol­cher in Betracht. Viel­leicht han­delt es sich um Säug­lings­nah­rung? Es heißt, klei­ne Kin­der sei­en auch „klei­ne Ent­de­cker“. Dass man mit die­ser Nische indes nur wenig Erfolg zu haben scheint, lässt sich dar­an erken­nen, dass der­ar­ti­ge Wer­be­kam­pa­gnen nötig sind, um auf sie hin­zu­wei­sen. Ich bin kein Wer­be­fach­mann, aber ich neh­me an, die frag­li­che Pro­dukt­li­nie könn­te ein wenig Varia­ti­on durch­aus vertragen.

Ich wün­sche den betei­lig­ten Wer­be­tex­tern jeden­falls, dass ihre Vor­ge­setz­ten sie eines Tages mal wie­der unter rich­ti­ge Men­schen gehen las­sen. Ange­nehm stel­le ich mir ein Leben mit der Vor­stel­lung, die Men­schen „da drau­ßen“ drü­cken sich so aus wie ihre erdach­ten Prot­ago­nis­ten, näm­lich nicht vor.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXXVI: Jus­tin Bie­ber ist ein Pony!

Drü­ben bei Ey Lou, der mit­un­ter mei­ne Kom­men­ta­re voll­senft, bin ich gera­de auf einen beein­dru­cken­den leak gestoßen:

Die Argu­men­ta­ti­on ist schlüs­sig, wie ich mei­ne, und erklärt die Fas­zi­na­ti­on, die der „Pop-Schnu­ckel“ (BILD), die­ser Inbe­griff der Männ­lich­keit, der in die­sem Jahr „end­lich“ Deutsch­land berei­sen wird, auf Mäd­chen in einem Alter, in dem man Pfer­de noch nicht für blö­de alte Stin­ke­vie­cher hält, aus­zu­üben pflegt. Hach, Justin.

Auch hübsch übri­gens ist es, dass, wäh­rend Sony (ein Unter­neh­men, des­sen Pro­duk­te jeden­falls ich aus ethi­schen Grün­den spä­tes­tens seit der Ver­brei­tung von Schad­soft­ware kon­se­quent zu mei­den trach­te) mal wie­der auf Abmahn­tour ist, um die Ver­brei­tung des „Pri­va­te Keys“ der Play­Sta­ti­on 3 zu ver­hin­dern (wenn man das böse Inter­net schon nicht ein­fach abschal­ten kann!), ein offi­zi­el­ler Sony-Twit­ter­ac­count sel­bi­gen höchst­selbst ver­brei­te­te. Hihi.
(via Fefe)

NetzfundstückeNerdkrams
Npackd: apti­tu­de für Windows

Als eigent­li­che Frech­heit auch bezeich­ne ich es, dass ich die bes­ten Ideen immer erst habe, wenn sie schon jemand vor mir hatte.

Seit eini­ger Zeit nut­ze ich, unter ande­rem auf mei­nem vSer­ver, Debi­an Linux, von Ubun­tu-Jün­gern mit­un­ter als alt­ba­cken ver­schrien. Eine der Stär­ken die­ser wie auch aller von ihr abge­lei­te­ten Linux-Dis­tri­bu­tio­nen ist das Paket­ver­wal­tungs­sys­tem apt mit den gra­fi­schen Ober­flä­chen apti­tu­de bezie­hungs­wei­se syn­ap­tic, das die Instal­la­ti­on und Pfle­ge instal­lier­ter Anwen­dun­gen wie auch des Sys­tem­kerns denk­bar ein­fach macht. Möch­te man etwa das Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm The GIMP instal­lie­ren, so geschieht dies mit der Ein­ga­be apt-get install gimp qua­si automatisch.

Unter Win­dows kommt man nicht an den Sys­tem­kern her­an, aber im Lau­fe der Mona­te und Jah­re sam­melt sich meist zumin­dest eine ansehn­li­che Anzahl an regel­mä­ßig ver­wen­de­ten Pro­gram­men an. All die­se Pro­gram­me hän­disch zu pfle­gen ist denk­bar schwie­rig. Mit SUMo gibt es immer­hin ein beein­dru­cken­des Pro­gramm, das bereits instal­lier­te Anwen­dun­gen per Klick in einem Rutsch auf neue Ver­sio­nen über­prü­fen kann, die dahin­ter ste­hen­de Daten­bank wird von den Nut­zern auto­ma­tisch gepflegt und aktua­li­siert. Das ist äqui­va­lent zu der upgrade-Funk­ti­on von apt-get, jedoch noch kein voll­stän­di­ger Ersatz für eine Paket­ver­wal­tung, die auch die Instal­la­ti­on und Deinstal­la­ti­on ermöglicht.

Vor einer Wei­le stieß ich auf win-get, das, wie der Name schon andeu­tet, die­se Funk­tio­na­li­tät abbil­den soll­te, jedoch ist die Pro­gramm­da­ten­bank (repo­si­to­ry) mitt­ler­wei­le ver­al­tet und das Pro­jekt selbst offen­bar ver­waist. „Wie nütz­lich“, sprach ich im Stil­len zu mir, „wäre es doch, hät­te man auch als Win­dows­nut­zer eine Soft­ware wie apt-get, die nicht dar­auf ange­wie­sen ist, dass der Ent­wick­ler alles allein macht, und etwa auch Repo­si­to­rys von Dritt­an­bie­tern ver­wen­den kann.“

Und wäh­rend ich mich also freu­te, end­lich eine Idee für ein mög­li­ches Abschluss­pro­jekt für mein Stu­di­um zu haben, und flei­ßig Noti­zen mach­te, was die zu ent­wi­ckeln­de Lösung alles kön­nen soll, berich­te­te lifehacker.com über Npackd und warf so mei­ne Pla­nung durch­ein­an­der. Schö­nen Dank auch.

Npackd, in analpha­be­tisch wir­ken­der Schreib­wei­se steht die­ses Wort für „unpa­cked“ (eng­li­sches Wort für „ent­packt“), ist dem Paket­ma­na­ger des Win­dows-Nach­baus Reac­tOS ähn­lich und erfüllt, tech­nisch gese­hen, alle Anfor­de­run­gen an eine apt-get-Imple­men­tie­rung für Win­dows, unter ande­rem eine Mög­lich­keit, belie­bi­ge Repo­si­to­rys im XML-For­mat ein­zu­bin­den, und eine erträg­li­che gra­fi­sche Ober­flä­che. Lei­der ist die Kom­man­do­zei­len­ver­si­on npackdcl, aus Npackd her­aus zu instal­lie­ren, noch nicht all­zu mächtig.

Instal­lier­te Anwen­dun­gen wer­den teil­wei­se bereits erkannt, unter ande­rem Java-Lauf­zeit­bi­blio­the­ken, wei­te­re sol­len folgen.

Obwohl eini­gen Quel­len zufol­ge Micro­soft selbst mitt­ler­wei­le an einem „App Store“ für Win­dows arbei­tet, der wohl cloud­ba­siert sein wird (ist ja, fin­de ich, auch so ein Unding, einem kom­mer­zi­ell ori­en­tier­ten Unter­neh­men mal eben sei­ne Fest­plat­te zu über­las­sen sozu­sa­gen, sie­he auch Goog­le Chro­me OS), hof­fe ich, dass Npackd, anders als win-get, nicht all­zu bald nicht mehr gepflegt wird.

Ich wer­de das Pro­gramm jeden­falls dem­nächst ein wenig aus­führ­li­cher tes­ten und den Ent­wick­ler gege­be­nen­falls mit Ideen ner­ven; wenn er mir schon Arbeit abnimmt, will ich wenigs­tens nicht nur blo­ßer Nutz­nie­ßer sein.

PolitikIn den Nachrichten
Denk­zet­tel vergessen?

Seit Ende Sep­tem­ber hat sich auf der poli­ti­schen Büh­ne in Deutsch­land, so wur­de ver­mu­tet, man­cher­lei Sze­nen­wech­sel zuge­tra­gen. Eini­ge Zita­te, die Anlass hier­zu gaben, sind diese:

Okto­ber 2010: Schwarz-Gelb will Macht für Stutt­gart 21 riskieren
Okto­ber 2010: Tau­sen­de for­dern Map­pus‘ Abwahl
Janu­ar 2011: Atom­par­tei­en abwählen!
Janu­ar 2011: [D]er 30.09.2010 ist unvergessen
Febru­ar 2011: Es liegt an uns, die­ser Poli­tik den Gar­aus zu machen, gewalt­frei, aber effektiv.

Beein­druckt, aber nur wenig über­rascht bin ich nun von den neu­en Infor­ma­tio­nen des 2DF-Polit­ba­ro­me­ters:

Knapp zwei Mona­te vor der Land­tags­wahl in Baden-Würt­tem­berg hat die CDU ihre Umfra­ge­wer­te ver­bes­sert und könn­te mit der FDP eine Mehr­heit erzielen.

Das Stimm­vieh läuft instink­tiv immer zum glei­chen Trog. So fau­lig kann das Fres­sen gar nicht sein, dass es ver­schmäht würde.
Viel­leicht hät­te es sich den geplan­ten Denk­zet­tel auf einen Denk­zet­tel schrei­ben sollen.

NetzfundstückeNerdkrams
I Wan­na Be The Guy

Freun­de des 8‑Bit-Spiels, die noch nicht völ­lig bekloppt sind, lade ich übri­gens herz­lich ein, das zu ändern.
Dafür könn­te man zum Bei­spiel Dro­gen neh­men oder RTL gucken, aber schnel­ler und spa­ßi­ger geht es, indem man sei­nem Fai­ble frönt.

I Wan­na Be The Guy“ („Ich wäre gern der Typ“, „der Typ“ ist in die­sem Fall ein Ehren­ti­tel) ist ein Spiel, das wohl vor eini­ger Zeit, von mir unbe­merkt, in man­chen Krei­sen eine ansehn­li­che Bekannt­heit errun­gen hat, und han­delt von einem Kind („The Kid“), das gern der Typ („The Guy“) wäre und dafür durch die Gegend lau­fen und hüp­fen muss.

Das Spiel sieht unge­fähr so aus und dürf­te erwähn­ten Freun­den des 8‑Bit-Spiels ein wie auch immer gear­te­tes „oh!“ entlocken:

Her­un­ter­zu­la­den ist „I Wan­na Be The Guy“ in einer seit 2007 nicht mehr all­zu aktiv gepfleg­ten Beta­ver­si­on auf der eigens dafür ein­ge­rich­te­ten Down­load­sei­te und unter ande­rem auf gamejolt.com. Viel Ver­gnü­gen zu wün­schen wäre aller­dings über­aus gehäs­sig von mir, und dar­um ver­zich­te ich aus­nahms­wei­se dar­auf und war­te lie­ber gespannt auf Kommentare.

(„Dan­ke“ an V.!)

Nach­trag anläss­lich eines ent­spre­chen­den Kom­men­tars: Außer unter Win­dows ist „I Wan­na Be The Guy“ via Wine auch unter Linux, Mac OS X, BSD und Sola­ris lauf­fä­hig, heißt es sei­tens des Ent­wick­lers.

In den NachrichtenNerdkrams
Es hat sich ausgemocht.

Etwas wirk­lich Fei­nes las ich da bei Didi, der aus­nahms­wei­se mal schnel­ler war als ich:

Nach Gugel Ana­ly­tics (ich berich­te­te) ste­hen nun end­lich auch die von Face­book bereit­ge­stell­ten und selbst bei Leu­ten mit Ahnung nicht sel­ten zu fin­den­den „dyna­mi­schen“ Funk­tio­nen, um mal eben etwas zu mögen („Gefällt mir“), unter juris­ti­schem Beschuss.

Wer den Like-But­ton mit­tels IFrame vom Face­book-Ser­ver ein­baut (oder via Java­script etc.), der lädt die Daten von dort. Wann immer jemand mit sei­nem Brow­ser dar­auf zugreift, wer­den dann des­sen Daten an den Face­book-Ser­ver (auch die IP-Adres­se) übermittelt.

Wer jetzt (wie auch schon bei Gugel Ana­ly­tics) auf eine etwa­ige Daten­schutz­er­klä­rung ver­weist, miss­ver­steht das Pro­blem; denn in der Regel hat Face­book die Daten bereits erhal­ten, bevor man sel­bi­ge über­haupt lesen konn­te oder auf sie hin­ge­wie­sen wur­de. Benut­zer von Adblock Plus, seit einer Wei­le also sogar ansons­ten eher nicht für ihr Daten­schutz­be­wusst­sein bekann­te Chro­me-Nut­zer, konn­ten das Pro­blem bis­lang mit einer spe­zi­el­len Fil­ter­lis­te umge­hen und wer­den das wohl auch noch eine Wei­le tun müs­sen. Ist eines die­ser „sozia­len wid­gets“ näm­lich erst ein­mal weit­ge­hend aus dem Inter­net ver­schwun­den, ist längst ein neu­es ent­stan­den und erfreut sich unan­ge­mes­se­ner Beliebtheit.

Und die Fra­ge ist nicht ein­mal unbe­dingt, wie rück­sichts­los ein Sei­ten­be­trei­ber sein muss, um trotz der berech­tig­ten Ein­wän­de sei­ner poten­zi­el­len Abon­nen­ten wei­ter­hin auf der­ar­ti­ge Funk­tio­nen ohne tat­säch­li­chen Mehr­wert für ihn selbst zu set­zen, son­dern, war­um er es über­haupt tut. Gera­de Blog­ger und sons­ti­ge Inter­net­voll­schrei­ber, bei denen die­se Frames am häu­figs­ten zum Ein­satz kom­men, sind doch die, die über weit bes­se­re, weil effi­zi­en­te­re Metho­den ver­fü­gen, einem der Ihren ihre Sym­pa­thie zu zei­gen, als nur eine Zahl inmit­ten vie­ler ande­rer Zah­len zu sein. Was sagt denn „2389 Per­so­nen gefällt das“ aus? Was sind das für Per­so­nen? Wir­re poli­tisch enga­gier­te Agi­ta­to­ren? Wer­be­ge­sell­schaf­ten, die ihrer­seits aus unkla­rem Grund auf eine Erwi­de­rung hof­fen? Freun­de, Ver­wand­te, Fami­lie? Man könn­te das, neh­me ich an, ein­fach nach­se­hen, aber wer tut das schon?

Mir gefällt ein Inter­net­auf­tritt nicht des­halb, weil er von einer groß erschei­nen­den Anzahl an Zeit­ge­nos­sen für mögens­wert gehal­ten wird, denn womög­lich sind die­se Zeit­ge­nos­sen alle­samt Unsym­pa­then. Ich gehe auch davon aus, dass es dem Betrei­ber einer Sei­te, die von der erwähn­ten Funk­ti­on Gebrauch macht, eini­ger­ma­ßen egal ist, ob ich sein Werk nun auf Face­book per Klick wür­di­ge oder nicht.

Wenn mir etwas wirk­lich gefällt, dann schrei­be ich hier oder in Aus­nah­me­fäl­len, wenn mir die nöti­ge Idee für die text­li­che Aus­schmü­ckung fehlt, auf Twit­ter dar­über. „Gefällt mir auf Twit­ter“ ist „Gefällt mir auf Face­book“ auch des­halb vor­zu­zie­hen, weil der Gefal­len­de so im Kon­text sehen kann, wer das eigent­lich ist, der ihn wür­digt. Eine Inter­net­sei­te aber, die jeman­dem bloß einen Klick wert ist, ist wahr­lich nicht zu benei­den, auch, wenn die­ser Jemand vie­le ande­re Jeman­de um sich schart.

Aber Schrei­ben ist eher so 90er, habe ich mal gehört.

KaufbefehleMusikkritik
Toxic Smi­le – I’m your Saviour

Pri­ma: Die deutsch­spra­chi­ge Musik­welt 2011 erreicht mit „I’m your Saviour“, eng­lisch­spra­chi­ge Tex­te hin oder her, ihren ers­ten Höhepunkt.

Fünf Prot­ago­nis­ten musi­zie­ren zwi­schen Retro­prog und Pro­gres­si­ve Metal und klin­gen auf ihrem vier­ten Stu­dio­al­bum, zählt man die bei­den Ver­sio­nen des Debüt­al­bums sepa­rat, atmo­sphä­risch so dicht wie nie zuvor.

Tho­ralf Koss schrieb 2006 über ein eigent­lich ganz ande­res Album der glei­chen Musikgruppe:

TOXIC SMILE sind eine wah­re Ent­de­ckung am deut­schen Him­mel des ProgRocks, (…).

Tat­säch­lich ist es auch fünf Jah­re spä­ter noch über­aus beein­dru­ckend, was man aus Leip­zig zu hören bekommt. Das Musik­ma­ga­zin eclip­sed nennt in der Aus­ga­be 02/2011 unter ande­rem Spock’s Beard eine „art­ver­wand­te“ Band, aber Ver­glei­che ver­bie­ten sich hier fast, denn wie bekannt sein dürf­te, beein­druckt mich vor allem Ein­ma­li­ges, Unverwechselbares.

Das eröff­nen­de „Liquid Wall“ sagt etwas mehr als neun Minu­ten lang eigent­lich schon alles, was man über das Album wis­sen muss: Key­board- und Gitar­ren­bret­ter wech­seln sich mit ruhi­gen, bei­na­he bal­la­des­ken Pas­sa­gen ab, wäh­rend Schlag­zeu­ger Robert Eis­feldt (nicht zu ver­wech­seln mit Jan Eiß­feldt, meist Delay) wüst her­um­wir­belt. Sän­ger „Lar­ry B.“ ergänzt das Klang­bild mit sei­nem extro­ver­tier­ten – man­che mögen’s seicht nen­nen – Gesang zu einer Art „Dream Thea­ter in anders“, und zwar anders-anders, nicht schlechter-anders.

Von den Socken aber, hät­te ich sie nicht in den Schu­hen getra­gen, hät­te mich bei­na­he „The Abyss“, das drit­te Stück, gehau­en. Der Anfangs­teil mit Gitar­re, Bass und Schlag­zeug lädt schon zum Kopf­wa­ckeln ein, das sich auch mit ein­set­zen­dem Gesang und zurück­ge­fah­re­ner Gitar­re nicht zum Auf­hö­ren bewe­gen lässt. Nach etwa drei Minu­ten wird es ruhi­ger, ein Chor (schon wie­der Dream Thea­ter?) setzt ein und wie­der aus und wird von Udo Rup­kal­wis abge­löst, der in der Rol­le eines Nach­rich­ten­spre­chers auf Deutsch von einer Selbst­mord­se­rie an einer Klip­pe (einem abyss eben) berich­tet. Anschlie­ßend wie­der Gesang: „This is my last day on Earth…“. Ganz und gar nicht schlecht. Inhalt­li­che Ver­glei­che gefäl­lig? Ayre­ons „The Human Equa­ti­on“ kommt mir in den Sinn.

Zwar ist „I’m your Saviour“ sicher kein Album, das man stun­den­lang hören könn­te, ohne sich irgend­wann zu lang­wei­len; im Pro­gres­si­ve Metal ist man­cher Zau­ber schnell ver­gäng­lich. Wie jedes gute Musik­al­bum aus die­sem Gen­re aber wirkt „I’m your Saviour“ schnell und nach­drück­lich. Hör­emp­feh­lung hier­mit ausgesprochen.

Inter­es­sen­ten kön­nen sich auf der Inter­net­sei­te der Musi­ker einen ers­ten Ein­druck verschaffen.