Meinen täglichen Hihi-Moment bescherte mir heute ein Einkauf in einer Filiale einer namhaften deutschen Warenhauskette, die ich im folgenden Text mit F. (für Filiale) abkürzen werde.
Die typische Easy-Listening-Beschallung (kaufen Kunden, statistisch gesehen, wirklich mehr, wenn man sie nervt?) wurde mitten im Lied unterbrochen, und es erschallten eine aufdringliche Melodie, die offenbar einen Werbeeinschub ankündigte, und anschließend ein kurzes Hörspiel. Das Hörspiel ging etwa so: Man stelle sich einmal zwei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren vor, die sich treffen und unterhalten, vielleicht über Pferde und Männer und Mode und so einen Firlefanz, über typischen Frauenkram eben. Inmitten der schönen Diskussionen über typischen Frauenkram platzt nun also eine der beiden Frauen mit der, ihrem hektischen Tonfall zufolge, ihr schon lange quasi unter den Nägeln beziehungsweise besser auf der Zunge brennenden Frage heraus:
„Kennst du schon F. Feine Welt?“
Ihre Gesprächspartnerin erwidert voll des Enthusiasmus‘, und man kann sich den Schlag an die Stirn bildlich vorstellen, so sehr klingt ihre Antwort danach, dass sie sich gerade an etwas Überlebenswichtiges erinnert hat:
„Na klar, das sind doch die Genussmarken für Entdecker!“
Hier endet das Hörspiel, und irgendjemand leiert einen Text über irgendwelche Preise und Speisen herunter. Das ist schade, denn ich hätte gern noch ein wenig über die beiden Frauen erfahren. Ich kann mir nämlich beim besten Willen keinen Menschenschlag vorstellen, der sich so auszudrücken pflegt. Es würde mich sogar ziemlich erschrecken, käme ein alter Bekannter auf mich zu und würde mich zur Begrüßung erst einmal fragen, ob ich schon von irgendeinem Markenprodukt gehört hätte, denn mein Bekanntenkreis setzt sich meines Wissens ausschließlich aus eigentlich recht angenehmen Zeitgenossen zusammen. (Ähnlich ist auch die derzeitige Fernsehwerbung für ein bekanntes Molkereiprodukt befremdlich: „Hey, trinkst du gerade meine letzte Meiermilch Kirsch-Banane mit extra viel Zucker und so weiter und so fort?“; wer auf dieser ganzen Erde voller wunderlicher Gestalten redet denn so?)
Schon nicht mehr bedeutsam ist es da, dass ungeklärt bleibt, inwiefern „Feine Welt“ die Eigenschaft erfüllt, mehrere Marken quasi auf einmal zu sein; auch konnte ich nicht in Erfahrung bringen, was genau es mit den erwähnten Entdeckern auf sich hat. Ich würde mich nicht als einen Entdecker bezeichnen, ich komme also nicht als ein solcher in Betracht. Vielleicht handelt es sich um Säuglingsnahrung? Es heißt, kleine Kinder seien auch „kleine Entdecker“. Dass man mit dieser Nische indes nur wenig Erfolg zu haben scheint, lässt sich daran erkennen, dass derartige Werbekampagnen nötig sind, um auf sie hinzuweisen. Ich bin kein Werbefachmann, aber ich nehme an, die fragliche Produktlinie könnte ein wenig Variation durchaus vertragen.
Ich wünsche den beteiligten Werbetextern jedenfalls, dass ihre Vorgesetzten sie eines Tages mal wieder unter richtige Menschen gehen lassen. Angenehm stelle ich mir ein Leben mit der Vorstellung, die Menschen „da draußen“ drücken sich so aus wie ihre erdachten Protagonisten, nämlich nicht vor.
















