In den NachrichtenPolitik
Liber­té!

Dass Herr Sar­ko­zy trotz sei­ner Rol­le als Ober­fran­zo­se nicht unbe­dingt viel von den Idea­len der Revo­lu­tio­nä­re hält, die es über­haupt erst ermög­licht haben, dass er jemals Prä­si­dent wer­den konn­te, ist hin­läng­lich bekannt, aber zufäl­li­ger­wei­se ist sein Kon­kur­rent, Domi­ni­que Strauss-Kahn, schon mal aus dem Ren­nen, also bleibt ihm genug Spiel­raum, sei­ne Ter­ror­herr­schaft wei­ter aus­zu­brei­ten. Als nächs­ten Schritt hät­te er gern noch etwas mehr Kon­trol­le über das böse Inter­net, nach­dem die „digi­ta­le Todes­stra­fe“ anschei­nend sei­ne Macht­gier noch nicht aus­rei­chend befrie­digt hat.

War­um ich sei­ne legi­ti­me Ent­schei­dung, poli­ti­sche Beschlüs­se in „sei­nem“ Land maß­geb­lich zu len­ken, mit Macht­gier zu erklä­ren ver­su­che? Nun, das ist nicht mei­ne Absicht, aber je mehr ich dar­über lese, wel­che Zukunft Herr Sar­ko­zy dem Inter­net gern ange­dei­hen las­sen wür­de, des­to schwe­rer fällt es mir, ihm posi­ti­ve Absich­ten zu unterstellen.

Jüngst berief er den eG8-Gip­fel ein, auf dem er mit Rüben­na­sen wie Eric Schmidt (Goog­le) und Mark Zucker­berg (Face­book) – bekannt­lich bei­de Ver­tre­ter der The­se, digi­ta­le Bür­ger­rech­te wie etwa das Recht auf Pri­vat­sphä­re sei­en längst nicht mehr zeit­ge­mäß – sowie Jim­bo Wales (Wiki­pe­dia), sei­nes Zei­chens Sit­ten­wäch­ter nach US-ame­ri­ka­ni­scher Tra­di­ti­on, über die Zukunft des Inter­nets dis­ku­tie­ren will.

„Dis­kus­si­on“ sieht hier übri­gens, gemäß SPON, unge­fähr so aus:

„Das Uni­ver­sum, das Sie (die anwe­sen­den Inter­net­ge­stal­ter) reprä­sen­tie­ren, ist kein par­al­le­les, gesetz­lo­ses, ohne mora­li­sche, ohne fun­da­men­ta­le Prin­zi­pi­en, die das Leben in demo­kra­ti­schen Staa­ten ord­nen“, sag­te der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent nun bei sei­ner eG8-Eröff­nungs­re­de. Weil das Inter­net nun „Teil des Lebens einer Mehr­heit der Men­schen“ sei, wäre es „ein Wider­spruch, Regie­run­gen von die­sem immensen Forum fern­zu­hal­ten“. Schließ­lich sei­en „Regie­run­gen in unse­ren Demo­kra­tien die legi­ti­men Reprä­sen­tan­ten des all­ge­mei­nen Willens“.

Nie­mand aber hält Regie­run­gen aus dem Inter­net fern, viel­mehr wird seit Jah­ren ver­sucht, die als „Inter­net­aus­dru­cker“ bekann­ten „Reprä­sen­tan­ten des all­ge­mei­nen Wil­lens“, wer auch immer die­se All­ge­mein­heit sein mag, dazu zu bewe­gen, die­ses grenz­über­grei­fen­de Medi­um als ein Hort der Mög­lich­kei­ten, nicht als schmud­de­li­ge digi­ta­le Knei­pe vol­ler Por­noter­ro­ris­ten wahr­zu­neh­men und zu begrei­fen. Die Regie­run­gen aber hal­ten sich selbst fern, sie ken­nen das Inter­net nur als den rechts­frei­en Raum – schön wäre es ja schon manch­mal! -, in dem wahl­los Kin­der geschän­det und welt­um­span­nen­de Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen gegrün­det werden.

Natür­lich ist das Inter­net kein gesetz­lo­ses Uni­ver­sum ohne Prin­zi­pi­en, was min­des­tens all die­je­ni­gen wis­sen soll­ten, die schon mal auf­grund undurch­dach­ter Publi­zie­rung von Inhal­ten im Inter­net Post von skru­pel­lo­sen geld­gei­len umsich­ti­gen Rechts­ver­dre­hern Rechts­an­wäl­ten im Auf­trag irgend­ei­ner groß­kot­zi­gen Fir­ma eines so genann­ten „Rech­te­inha­bers“ im Brief­kas­ten fan­den; Urhe­ber­rech­te erlischen eben auch dann nicht, wenn man sie außer­halb von Staats­gren­zen miss­ach­tet. (Hier­zu emp­feh­le ich noch­mals den her­vor­ra­gen­den Tele­po­lis-Arti­kel zum „rechts­frei­en Raum Inter­net“ von 2009.)

Ein fun­da­men­ta­les Prin­zip des Inter­nets ist es übri­gens, dass es zumin­dest theo­re­tisch welt­wei­ten Zugriff auf jeg­li­che Infor­ma­tio­nen ermög­li­chen soll, die in ihm zu fin­den sind, ohne, dass die Ver­brei­tung die­ser Infor­ma­tio­nen, sofern nicht aus recht­li­chen Grün­den, von loka­len Regie­run­gen irgend­wie ein­ge­schränkt wer­den kann. Ein Inter­net, das aus vie­len klei­nen, von der Teil­nah­me am Gesamt­netz nahe­zu aus­ge­schlos­se­nen „Net­zen im Netz“ besteht, wie es etwa Chi­na vor­macht und Herrn Sar­ko­zy bei­na­he so feuch­te Träu­me berei­tet wie sonst nur Car­la Bar­ba­to Bruni, hät­te sei­nen Zweck verfehlt.

Aber wer erklärt das nun Herrn Friedrich?

MusikKaufbefehle
Zum 70. Geburts­tag Bob Dylans

Heu­te wird Bob Dylan 70 Jah­re alt, und zwar den gan­zen Tag lang. Tröt, Tusch, hur­ra! Ein­mal abge­se­hen davon, dass er seit dem Ende der „Rol­ling Thun­der Revue“ (u.a. beim SPIEGEL berich­te­te man) nur mehr schnul­zi­ge Lie­bes­lie­der in öder Coun­try­form zu schrei­ben scheint, erach­te ich es als unnö­tig, ihn hier noch ein­mal geson­dert vor­zu­stel­len, obschon die Ein­füh­rung sei­ner seit 1988 lau­fen­den „Never Ending Tour“ sein bis­he­ri­ges Schaf­fen jedes Mal aus­führ­lich zusam­men­fasst, aber wir sind hier ja nicht als Ver­an­stal­ter tätig, son­dern schnö­de Schrei­ber­lin­ge, und bei dem annehm­ba­ren Wet­ter drau­ßen fas­sen wir uns mit Vor­lie­be kurz.

Bob Dylan also, des­sen in rascher Fol­ge auf­ge­nom­me­ne Alben Brin­ging It All Back Home, High­way 61 Revi­si­ted und Blon­de on Blon­de eine bei­na­he schon radi­ka­le Abkehr von den zwar oft gehör­ten, aber letzt­lich musi­ka­lisch doch eher anspruchs­lo­sen Volks­wei­sen der Vor­jah­re bedeu­te­ten und heu­te im All­ge­mei­nen zu den Alben gezählt wer­den, die man zumin­dest mal gehört haben soll­te, bevor man der­einst ins Gras beißt, kann auf eine abwechs­lungs­rei­che Kar­rie­re zurück­bli­cken, sofern ihm denn danach ist.

Die­se Kar­rie­re ist immer­hin vor­bild­lich, hat er sich doch zumin­dest jahr­zehn­te­lang nicht nur auf sei­nem Erfolg aus­ge­ruht, son­dern immer dann eine völ­lig neue Rich­tung ein­ge­schla­gen, wenn sei­ne Popu­la­ri­tät ihn zum Idol der Mas­sen zu machen droh­te. Wir ler­nen: Um Druck von außen zu ver­hin­dern, muss man ver­su­chen, den Leu­ten so wenig zu gefal­len wie es mög­lich ist. Ein Höhe­punkt die­ser Ent­wick­lung ist das Album „Self Por­trait“ von 1970, das aus Neu­auf­nah­men eige­ner Stü­cke und eini­gen Cover­ver­sio­nen, etwa „The Boxer“, ursprüng­lich von Simon & Gar­fun­kel (genau­er: von Paul Simon), besteht und von der Kri­tik sei­ner­zeit ver­wun­dert auf­ge­nom­men wur­de; Greil Mar­cus etwa, Autor und Musik­jour­na­list, frag­te, was die­ser Scheiß denn sol­le. Tat­säch­lich scheint sich Bob Dylan hier größ­te Mühe zu geben, mög­lichst schief zu klin­gen, aber wer die­ses Album ernst nimmt und des­halb einen Ver­riss schreibt, der hat bestimmt auch CDs von Muse und Radio­head im Schrank und hält Lady Gaga für den Inbe­griff der Innovation.

Ich ken­ne nun kei­ne kon­kre­te Aus­sa­ge sei­tens Bob Dylans zur Bedeu­tung von „Self Por­trait“, aber wür­de es, frag­te man mich, schon auf­grund des Titels als Par­odie anse­hen. Und in der Tat dürf­te es schwer sein, Bob Dylan bes­ser zu par­odie­ren als Bob Dylan selbst, unter ande­rem The Vel­vet Under­ground („Pro­mi­nent Men“) sind dar­an geschei­tert; wenn man nicht gera­de „Weird Al“ Yan­ko­vic heißt, denn der kann das.

Natür­lich muss die Stim­me nicht jedem gefal­len, und sie ist für Leu­te, die noch nie Bob Dylan gehört haben, wohl auch das Unge­wöhn­lichs­te an sei­ner Musik, die, fehl­te der Gesang, zwar aus­drucks­los wäre, aber wohl nie­man­dem deut­lich miss­fie­le, aber sie ist doch ein prä­gen­des Ele­ment gera­de der genann­ten drei Alben. Wäh­rend immer­hin „All Along the Watch­tower“ sich in Jimi Hen­drix’ Cover­ver­si­on bis heu­te grö­ße­rer Beliebt­heit erfreut als die ver­gleichs­wei­se spar­ta­ni­sche Urver­si­on Bob Dylans und kon­se­quen­ter­wei­se die Inspi­ra­ti­on für spä­te­re Live­ver­sio­nen dar­stell­te, sind etwa der „Sub­ter­re­ne­an Home­sick Blues“ – für die VIVA-Kli­en­tel: das ist das Lied mit dem bekann­ten Video – oder „One Of Us Must Know (Soo­ner Or Later)“ nur schwer­lich von Drit­ten inter­pre­tiert vor­stell­bar, ohne ihren Cha­rak­ter zu verlieren.

Den Cha­rak­ter sei­ner, Bob Dylans, Musik macht aber nicht nur sei­ne Stim­me aus, gera­de auch die Tex­te ver­die­nen Auf­merk­sam­keit und Aner­ken­nung, nicht umsonst hat ihn die Pres­se stell­ver­tre­tend zum poe­ta lau­rea­tus, zum lor­beer­be­kränz­ten Dich­ter, ernannt, und das sicher nicht nur aus Ver­se­hen, son­dern für die kryp­ti­sche Bild­spra­che von Lie­dern wie „Stuck Insi­de of Mobi­le with the Mem­phis Blues again“ (übri­gens eben­falls von „Blon­de on Blonde“):

Grand­pa died last week and now he’s buried in the rocks
But ever­y­bo­dy still talks about how bad­ly they were shocked
But me, I expec­ted it to hap­pen, I knew he’d lost control
When he built a fire on Main Street and shot it full of holes

20 Jah­re nach Lou­don Wain­w­right III nun und somit, wie üblich, als einer der Letz­ten erhe­be ich mei­ne Tas­se Kaf­fee und sage, schrei­be und wünsche:
Alles Gute, Bob Dylan!

Auf wei­te­re 70 Jah­re. Mindestens.

Spaß mit Spam
Spam könn­te bald täg­lich in mei­ner Mail­box landen!

Was mein Spam­mail­post­fach ja seit eini­gen Tagen befüllt, sind Mails mit dem Betreff „Daten für Überweisung“.

Das ist immer­hin ein span­nen­de­rer Betreff als das eben­falls gera­de recht belieb­te „Sehr wich­tig !“ (nur echt mit Ple­nk) und ließ mich gespannt nach­se­hen, ob der Rest der Spam so lus­tig ist wie es ihr Betreff ver­spricht. Nun, mei­ne Hoff­nun­gen wur­den erfüllt:

Guten Tag (Nach­na­me) (Vor­na­me),

Dass ich nie beim Mili­tär war und die Anre­de mit vor­an­ge­stell­tem Nach­na­men mich somit eher befrem­det, konn­te der Ver­fas­ser der Mail ver­mut­lich nicht wis­sen, immer­hin habe ich das in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit noch nicht erläu­tern müs­sen. Gnä­dig sehe ich dar­über hinweg.

E‑Mails mit einem sol­chen Betreff könn­ten bald täg­lich in Ihrer Mail­box landen.

Mit dem Betreff „Guten Tag (Nach­na­me) (Vor­na­me),“? Das soll­te mich dann doch ein wenig erstau­nen. Oder war der Betreff „Daten für Über­wei­sung“ gemeint? Nun, das tun sie doch bereits!

Aber ich weiß nicht, ob ich mich dar­über freu­en soll, dass jemand von mir irgend­was mit einer Über­wei­sung will. Wer mir „Daten für Über­wei­sung“ zukom­men lässt, der möch­te meist, dass ich die­se Daten nut­ze, um ihn mit finan­zi­el­len Mit­teln aus­zu­stat­ten. Anders­her­um geht das nicht, denn wer mir Geld zukom­men las­sen möch­te, muss sei­ne Über­wei­sun­gen schon selbst ausfüllen.

Ich beschlie­ße: Nein, ich freue mich nicht.

Ich möch­te Ihnen heu­te zei­gen, wie Sie täg­lich rund 150,00 Euro ver­die­nen können.

Ganz ein­fach: Man wird kor­rup­ter Mana­ger. Wer täg­lich „rund 150,00 Euro“ ver­dient, hat aber ansons­ten ver­mut­lich bes­se­res zu tun als die Quel­le des Gel­des per unauf­ge­for­der­ter E‑Mail preis­zu­ge­ben; und wahr­schein­lich auch kein Bedürf­nis mehr danach.

Inso­fern über­zeugt mich der Absen­der gera­de nicht unbe­dingt davon, dass sein Finanz­tipp mir ein Leben in „Wohl­stand“ zu sichern in der Lage ist, aber ich bin ja immer inter­es­siert an poten­zi­ell däm­li­chen Ideen und lese also ver­gnügt weiter:

- Völ­lig kostenlos
– Kein Risiko

Geld ver­die­nen, ohne Geld aus­zu­ge­ben oder etwas zu ris­kie­ren? Unfass­bar! Das ist ja fast wie Arbeiten!
Nein, eigent­lich ist es wie Arbeiten.

- Kein Geld erforderlich

Und man braucht nicht mal Geld dafür!

Machen Sie jetzt mit, und ver­die­nen Sie in nur 20 Minu­ten Ihre ers­ten 150,00 Euro.

Das ist dann aber ein ziem­lich kur­zer Tag, oder?

Bit­te kli­cken Sie hier:
(…)

Ja, ich kli­cke gern jeder­zeit auf kryp­ti­sche URLs, von denen ich nicht weiß, was sich dahin­ter ver­birgt. Ich bekom­me viel zu sel­ten Viren, mein Sys­tem lang­weilt sich schon.

Mit freund­li­chen Grüssen, 

Ihr Fabi­an Faber

Ist „Fabi­an“ dann jetzt eigent­lich der Nachname?
Wür­de mich halt schon interessieren.

Aber ich neh­me an, die Stel­le ist jetzt ohne­hin schon ver­ge­ben. Wirk­lich schade!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLV: Vir­tu­el­le Bomben

Tag 1 nach dem end­gül­ti­gen Welt­un­ter­gang, das Ende ist nahe:

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich erwar­tet vir­tu­el­le Bomben

Kennt ihr den? Kommt eine schwan­ge­re Frau zum Bäcker und sagt: Ich bekom­me ein Weiß­brot. Sagt der Bäcker: Sachen gibt’s…

Aber natür­lich war etwas ganz ande­res gemeint, nämlich:

Es sei „nur eine Fra­ge der Zeit, bis kri­mi­nel­le Ban­den oder Ter­ro­ris­ten vir­tu­el­le Bom­ben zur Ver­fü­gung haben werden.“

Ich habe ein wenig geschmun­zelt, wur­de die­ser Arti­kel doch mit einem Bild von Herrn Fried­rich illus­triert, der erwar­tungs­voll auf die Uhr schaut:

Was genau so eine vir­tu­el­le Bom­be sein soll, geht aus dem Arti­kel lei­der nicht her­vor. Aber es ist ziem­lich beängs­ti­gend: Schon bald wer­den uns in vir­tu­el­len Städ­ten, ver­mut­lich sogar in Sim­Ci­ty, Ter­ro­ris­ten mit vir­tu­el­len Bom­ben bedro­hen. Wie soll man da noch ruhig schla­fen können?

Da hilft nur eins: Wir brau­chen vir­tu­el­le Pan­zer zur Frie­dens­si­che­rung, auf dass die Tage des vir­tu­el­len Ter­rors bald gezählt sein mögen!

(via Fefe)

MusikIn den NachrichtenPiratenpartei
Musik zur Apokalypse

Heu­te ist ja mal wie­der Welt­un­ter­gang, und es ist ziem­lich selt­sam, dass drau­ßen trotz­dem die Vögel sin­gen. Pas­send zum Welt­un­ter­gang – und zu den anste­hen­den Wah­len – jeden­falls hat man mal eben die Infra­struk­tur der Pira­ten­par­tei lahm gelegt; blöd nur, dass das gegen das Grund­ge­setz verstößt:

Das Vor­ge­hen der Poli­zei­be­hör­den könn­te aller­dings des­halb pikant sein, weil die Pira­ten­par­tei den Schutz von Art. 21 GG genießt und durch die poli­zei­li­che Maß­nah­me ihr Recht an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes mitz­wir­ken, beein­träch­tigt wird, zumal wir uns in einem Wahl(kampf)jahr befinden.

Die Inter­net­diens­te der Pira­ten­par­tei Bre­men sind von den Aus­fäl­len nicht betrof­fen, den­noch liegt hier eine klar geset­zes­wid­ri­ge Schä­di­gung vor. „Klar­ma­chen zum Entern!“ reicht nicht mehr, jetzt heißt es: Feu­ern aus allen Roh­ren. Joho, und ’ne Bud­del voll Club-Mate. – Obwohl das schmeckt wie Oma unterm Arm, wie es ein Pirat mal beschrieb, und ich frag­te ihn dann doch lie­ber nicht, woher er die­sen Ver­gleich nahm.

Aber ich war ja noch beim Welt­un­ter­gang, an des­sen Ende wir, glaubt man fun­da­men­ta­lis­ti­schen Sek­ten, alle­samt in den Him­mel gelan­gen wer­den, sozu­sa­gen ins Reich der Göt­ter. Pas­send dazu sang nicht nur Farin Urlaub vor eini­gen Jah­ren von der „Apo­ka­lyp­se wann anders“, etwas mys­ti­scher erzähl­te die Krautrock­band Asgard schon 1972 vom Leben in Asgard:

Schö­nes Wochenende!

SonstigesNetzfundstücke
Bücher? Wie rückständig!

Ama­zon ver­kau­fe inzwi­schen, jeden­falls in den USA, mehr „E‑Books“ als rich­ti­ge Bücher, schreibt Perun und lässt die Gele­gen­heit nicht unge­nutzt, uns Bücher­freun­de als rück­stän­dig hin­zu­stel­len, aber immer­hin nicht nur die deutschen:

Wobei die­se Men­ta­li­tät nicht spe­zi­ell auf Deutsch­land beschränkt ist. Ich wür­de eher sagen, das dies typisch für Kon­ti­nen­tal-Euro­pa ist: „ken­nen wir nicht, brau­chen wir nicht“.

Perun geht hier aber von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus. E‑Books (frü­her nann­ten wir so was schlicht PDF-Datei­en) sind nicht der Nach­fol­ger des Buches, sie sind eine Alter­na­ti­ve, wie eben die CD auch eine Alter­na­ti­ve zur Schall­plat­te ist und MP3 eine Alter­na­ti­ve zu … nein, MP3 ist eigent­lich gar kei­ne Alter­na­ti­ve. „Wie, du hörst noch Schall­plat­ten?!“ rufen die hip­pen jun­gen Trend­te­ens mit den alber­nen Knöp­fen im Ohr, wo dann doch jeder ein­zel­ne Takt in immer noch ziem­lich gru­se­li­ger Laut­stär­ke nach drau­ßen dröhnt. Wird bald auch der Ruf „Wie, du liest noch Bücher?“ ertönen?

Wägt man Pro und Kon­tra von Büchern und ihren digi­ta­len Sur­ro­ga­ten gegen­ein­an­der ab, so geschieht dies immer sub­jek­tiv. Was mir an Büchern gefällt, kann dem nächs­ten Rezen­sen­ten schon zuwi­der sein. Daher kann und wer­de ich hier nur für mich sprechen.

Der oft gehör­te Ein­wand, Bücher gehör­ten zu unse­rer Kul­tur, ist Hum­bug, Lesen und Schrei­ben gehö­ren zu unse­rer Kul­tur wie auch die bekann­ten Wer­ke Schil­lers, Les­sings und wie sie alle hie­ßen. Die Bibel wur­de auch nicht zuerst als Buch gedruckt, den­noch ist sie noch immer ein zen­tra­ler Bestand­teil des­sen, was man­che Per­so­nen als abend­län­di­sche Kul­tur bezeich­nen; anders gesagt: Die Dar­rei­chungs­form eines lite­ra­ri­schen Wer­kes ist qua­si unbe­deu­tend gemes­sen an sei­nem eigent­li­chen Inhalt.

„Iro­nie pur“ (mein­ten Sie: „pure Iro­nie“?) nennt es Perun, dass aus­ge­rech­net vie­le EDV-Fach­buch­ver­la­ge ihre Publi­ka­tio­nen nicht in E‑Book-Form anbie­ten, und ich schät­ze, er betont das Wort ver­se­hent­lich auf „EDV“, dabei geht es doch vor allem um Bücher. War­um hat Perun eigent­lich noch kei­nen Arti­kel geschrie­ben, in dem er sich dar­über mokiert, dass Com­pu­tern immer so viel Papier­kram beiliegt?

Ein „Kind­le“ – die­ses merk­wür­di­ge elek­tro­ni­sche Ersatz­buch von Ama­zon – ist, ver­ein­facht aus­ge­drückt, ein por­ta­bler PDF-Betrach­ter. (Die tech­ni­schen Unter­schie­de zwi­schen PDF- und E‑Book-Datei­en sind der­art mar­gi­nal, dass ich ihnen kei­nen geson­der­ten Absatz wid­men möch­te.) Der Vor­teil die­ses Gerä­tes ist es, dass man auch beim nächt­li­chen Zug­fah­ren noch genug Beleuch­tung bekommt, um sich ohne Ermü­dung dem jeweils gera­de gela­de­nen Buch zu wid­men. Dem gegen­über ste­hen ein, gemes­sen an einer Buch­sei­te, klei­ner Bild­schirm mit teil­wei­se win­zi­ger Schrift und der auf lan­ge Sicht doch immense Bedarf an elek­tri­schem Strom.

Es ist schön, dass gera­de jun­ge Leu­te sich mit dem Erfolg des „Kindle“-Gerätes bemü­ßigt füh­len, wie­der mehr Bücher zu lesen, und sei es halt nur die seich­te „Twilight“-Reihe. Aber der alte Leit­satz, dass Bücher Kin­der von der „Glot­ze“ weg­lo­cken sol­len, fin­det hier kei­ne Anwen­dung, denn ob das Kind nun chat­tet oder E‑Books liest, es sitzt vorm Bild­schirm. (Ande­rer­seits gin­gen die Initia­to­ren des Leit­sat­zes von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus, denn nicht jedes Buch ist eine bes­se­re Wahl als jede Fern­seh­sen­dung oder jede Internetseite.)

Aber wie oben erwähnt soll­te man die elek­tro­ni­schen Spiel­zeu­ge nicht als Ersatz, son­dern als Alter­na­ti­ve betrach­ten, denn bei­des hat einen sinn­vol­len Ein­satz­zweck. Sind E‑Books etwa für Rei­sen oder für Lesen bei nicht all­zu erhel­len­dem Tages­licht gut geeig­net, so habe ich doch auch gern ein Buch im Schrank, das ich anse­hen und anfas­sen kann; denn wirk­lich blät­tern kann man in die­sen E‑Books nicht. Die Hap­tik eines Buches ist ähn­lich der eines Ton­trä­gers: Es steht das glei­che dar­in wie in den digi­ta­len Pen­dants, aber letzt­end­lich erwirbt man ein tat­säch­li­ches Pro­dukt, nicht nur eine digi­ta­le Repro­duk­ti­on davon oder gar nur eine „Nut­zungs­li­zenz“ (Apple-Nut­zer ken­nen das).

Perun mut­maßt weiterhin:

Aber auch dies­mal haben es die Ver­la­ge – ähn­lich wie die Musik­in­dus­trie vor Jah­ren – in der Hand, ent­we­der man passt sich an oder man geht unter.

Mit­zie­hen oder in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwin­den; das hat man einst auch von der Mini­Disc gesagt, die eine Zeit­lang das neue „kom­men­de Ding“ in der trag­ba­ren Musik­welt war und die Kas­set­te end­gül­tig ablö­sen soll­te. Das aber über­nah­men erst bespiel­ba­re CDs, dann die MP3-Spie­ler, und die Mini­Disc – ging unter.

Irgend­was jeden­falls sagt mir, dass ich auch in zehn Jah­ren nicht vor lee­ren Rega­len ste­hen wer­de, wenn ich in mei­ner Lieb­lings­buch­hand­lung die Neu­erschei­nun­gen sich­ten möch­te. Man muss, um es mal über­trie­ben aus­zu­drü­cken, nicht jeden Mode­quatsch mit­ma­chen, nur um nicht als uncool zu gelten.

Und so ein Buch kann uns auch kei­ner unge­fragt weg­lö­schen.

MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Gefahr von oben! (Auch: Facebookmusik.)

(Vor­be­mer­kung. Ein Teil die­ses Arti­kels han­delt von der Band Muse. Muse ist eine der weni­gen Musik­grup­pen, die es schaf­fen, mich schon bei der blo­ßen Erwäh­nung ihres Namens erschau­dern zu las­sen. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis ver­wei­se ich noch­mals auf die Schall­gren­zen-Rezen­sio­nen zum bis­her und hof­fent­lich end­gül­tig letz­ten Muse-Album.)

Man traut sich schon gar nicht mehr, in die Zei­tung zu schau­en, bringt doch ein Blick in das loka­le Mit­tei­lungs­blatt täg­lich mei­nen Glau­ben dar­an, dass die durch­schnitt­li­che Intel­li­genz hier­zu­lan­de deut­lich über dem US-ame­ri­ka­ni­schen Durch­schnitt liegt, ins Wanken.

Heu­te etwa las ich, dass deut­sche Atom­kraft­wer­ke nur unzu­rei­chend dage­gen geschützt sei­en, dass Flug­zeu­ge run­ter- und auf sie drauf­fal­len, wie ein Stress­test erge­ben habe; das bestä­ti­gen auch ande­re Quel­len. Jetzt wür­de es mich natür­lich schon ein biss­chen inter­es­sie­ren, wie so ein Stress­test abläuft: Las­sen sie da Flug­zeu­ge drauf­fal­len und gucken, wie schwer die sein dür­fen, bis mess­ba­re Schä­den am Atom­kraft­werk ent­ste­hen? Nein, das ist natür­lich Unfug:

(…) aller­dings war es vor allem eine Prü­fung auf dem Papier mit einer Neu­be­rech­nung bestimm­ter Szenarien.

Ver­ste­he: Sie haben also Papier­flug­zeu­ge auf Papie­r­atom­kraft­wer­ke gewor­fen und geguckt, was passiert.

Gegen God­zil­la-Angrif­fe ist so ein Atom­kraft­werk übri­gens genau so wenig geschützt wie dage­gen, dass gro­ße Din­ge auf es drauf­fal­len, aber die­se Infor­ma­ti­on schafft es nie in die Nach­rich­ten; ver­mut­lich, um nie­man­den zu beun­ru­hi­gen. Es war aber, wie wir inzwi­schen wis­sen, gera­de­zu unver­ant­wort­lich von den Kon­struk­teu­ren der deut­schen Atom­kraft­wer­ke, dass sie nicht ihr Haupt­au­gen­merk auf den Schutz dage­gen leg­ten, dass Flug­zeu­ge auf ihre Kon­struk­tio­nen drauf­fal­len, denn die­ses Damo­kles­schwert schwebt ja stän­dig über unse­ren Köp­fen. Der inter­na­tio­na­le Ter­ro­ris­mus schläft nicht, und die Wahr­schein­lich­keit, dass in abseh­ba­rer Zeit irgend­ein Ter­ro­rist die Idee, trotz all der Schi­ka­nen an Flug­hä­fen ein Flug­zeug auf Gebäu­de in Deutsch­land drauf­fal­len zu las­sen, erfolg­reich umsetzt, ist so groß, dass es ein Wun­der ist, dass wir über­haupt noch alle leben!

Zum Glück haben wir nun den elek­tro­ni­schen Per­so­nal­aus­weis, damit wird alles besser.

Apro­pos „durch­schnitt­li­che Intel­li­genz“: Gemes­sen an ihrer Selbst­dar­stel­lung (ihren Sta­tus­nach­rich­ten) zei­gen die meis­ten Face­book­nut­zer ein eher gerin­ges Maß an kul­tu­rel­ler Bil­dung. (Von der Eigen­art, ein „sozia­les Netz­werk“ als tat­säch­li­ches Lebens­um­feld zu begrei­fen, fan­ge ich aus­nahms­wei­se hier nicht zu erzäh­len an.) Etwas scheint sich aller­dings dies­be­züg­lich getan zu haben im Hau­se Face­book, denn dort pflegt man, glaubt man Micha­el Hir­le, der über irgends­o­ein Album der wider­li­chen Kopf­schmerz­pop­per Muse schrieb, hier­bei hand­le es sich anders, als ich mitt­ler­wei­le auf der prog­rock-dt-Mai­ling­lis­te vor­schlug, nicht um thea­tra­li­schen Tun­ten­rock, son­dern um „Prog“ für die „Gene­ra­ti­on Face­book“. Ver­mut­lich soll das hei­ßen, dass es sich um Musik han­delt, die die Idea­le der frü­hen Pro­gres­si­ve-Rock-Sze­ne in ein mehr oder weni­ger moder­nes Klang­ge­wand zu klei­den beab­sich­tigt (und damit mei­nes Erach­tens völ­lig schei­tert), aber es wirft doch vor allem eine Fra­ge auf:

Beein­flusst Face­book musi­ka­li­sche Hörgewohnheiten?

Natür­lich kann man sei­ne eige­nen momen­ta­nen „Lieb­lings­lie­der“ dort schnell ver­brei­ten, aber das kann man auf Last.fm und per Instant Mes­sen­ger schon lan­ge. Im Freun­des­kreis ist es seit Jahr­zehn­ten üblich, sich gegen­sei­tig die jeweils aktu­el­le Lieb­lings­mu­sik vor­zu­spie­len, bei Bedarf auch zu kopie­ren. Dass jemand wie Lady Gaga, wie jüngst die Pres­se kol­por­tier­te, 33 Mil­lio­nen „Fans“ – Zahl stei­gend – hat, zeigt dafür um so deut­li­cher, dass Face­book kei­nes­falls ein Motor für Musik­ge­schmack ist, wohl aber ein unge­fäh­res Abbild der Jugendkul­tur dar­stellt. So betrach­tet ergibt der Term „Gene­ra­ti­on Face­book“ auch wenigs­tens mini­mal Sinn, denn die­se „Gene­ra­ti­on“ (zu mei­ner Zeit hat­te das Wort noch etwas mit Jahr­gän­gen zu tun) ist zugleich die „Gene­ra­ti­on You­Tube“, sozu­sa­gen die „Gene­ra­ti­on eins nach Last.fm“. Musik wid­men die­se Men­schen nicht mehr ihre vol­le Auf­merk­sam­keit, sie dudelt neben­bei, gern in Ohren betäu­ben­der Laut­stär­ke, aus quä­ki­gen Ohr­ste­ckern, sie dient nicht mehr der Ent­span­nung, son­dern der blo­ßen Berie­se­lung; das jeden­falls ist mei­ne Beob­ach­tung, gewon­nen aus etli­chen Jah­ren der ÖPNV-Nutzung.

Dass eine Musik­grup­pe wie Muse, die auf stump­fes 4/4‑Gekloppe ver­zich­tet und kei­ne Sän­ge­rin, son­dern einen (schreck­li­chen) Sän­ger ihr eigen nennt, inmit­ten des Klang­ge­mi­sches aus Jus­tin Bie­ber, Lady Gaga und irgend­wel­chen belie­big aus­tausch­ba­ren „Super­stars“ wie ein Fremd­kör­per, „irgend­wie anders“ eben, erscheint, ist ver­ständ­lich. Was einst die Schla­ger ver­dräng­te, schickt sich heu­te an, den Pop (also wie­der­um die Schla­ger) zu ver­drän­gen. Als „neu“ und „auf­re­gend“ wird Musik ver­stan­den, deren Inter­pre­ten sich durch vier­zig Jah­re Musik­ge­schich­te quä­len, weil in der ein­tö­ni­gen Lie­bes­lie­der­welt die­ser Tage Melo­dien, die nicht vom digi­ta­len Ton­band kom­men, man­chem unbe­darf­ten Zeit­ge­nos­sen wie die Musik­re­vo­lu­ti­on der spä­ten 60-er erscheint, und das lei­der nicht ein­mal gänz­lich zu Unrecht.

Wor­auf woll­te ich eigent­lich hin­aus? Ach ja:
So lan­ge die „Gene­ra­ti­on Face­book“ eines Tages sich ihrer Jugend ent­sagt, steht es um die Zukunft der Rock­mu­sik nicht so schlecht, wie es die mit­un­ter im Inter­net zu fin­den­den „Face­book-Hit­pa­ra­den“ impli­zie­ren könn­ten; denn zwar ist in der Rock­mu­sik schon seit Jah­ren jedes Extrem erreicht und jede Aus­sa­ge gemacht wor­den, aber viel­leicht soll­ten das nicht gera­de die­je­ni­gen bemän­geln, die musi­ka­lisch in den 80-ern hän­gen geblie­ben sind.

Anders, womög­lich etwas pole­misch, aus­drü­cken kann man das natür­lich auch so:
Jede Gene­ra­ti­on bekommt die Musik, die sie verdient.

Muse. Grau­en­haft.

In den NachrichtenWirtschaft
Kre­dit verspielt

Und da ich gera­de dabei war, mich auf­zu­re­gen, mache ich damit gleich wei­ter, sonst krie­ge ich am Ende noch gute Lau­ne, und das führt dann immer zu eigen­ar­ti­gen Arti­keln, die nie­mand ver­steht. Gute Lau­ne lässt sich am ein­fachs­ten ver­hin­dern, indem man die Nach­rich­ten des Tages liest.

Und dann liest man zum Bei­spiel so etwas:

Por­tu­gal erhält Milliardenkredit

Einen Kre­dit kennt man: Man geht zu sei­ner Bank, setzt einen Dackel­blick auf und sei­ne Unter­schrift unter einen Kne­bel­ver­trag, den man frü­her oder spä­ter bereut, und hat fort­an nicht nur Schul­den in Höhe des Kre­di­tes, son­dern sieht sich oben­drein mit Zins­for­de­run­gen in mit­un­ter unan­ge­neh­mer Höhe kon­fron­tiert, bis man die­se Schul­den zurück­ge­zahlt hat.

Por­tu­gal aber ist nicht ein­fach zur Bank gegan­gen, denn die por­tu­gie­si­schen Ban­ken sind alle­samt der Plei­te nahe. Ein biss­chen wie die deut­schen. Por­tu­gal hat sich kei­nen Kre­dit geben las­sen, son­dern ist in die Bank des Nach­barn rein­spa­ziert und hat „Geld her!“ gebrüllt, und die Bank schwang zwar den Zei­ge­fin­ger, gab Por­tu­gal das Geld aber trotz­dem, denn Por­tu­gal sieht so nied­lich aus, wenn es weint. Das mit dem Dackel­blick kann Por­tu­gal wohl schon ganz gut.

Wenn ich mir von der Bank einen Kre­dit geben lie­ße und den dann nicht zurück­zah­len könn­te, wür­de die Bank zu mir sagen, dass es so nicht gin­ge, was mir wohl ein­fie­le und dass ich dann wohl mal ein paar Jah­re im Kitt­chen über mei­nen Umgang mit Geld nach­den­ken soll­te. Lei­der haben wir kein Kitt­chen, das groß genug wäre, damit Por­tu­gal da rein­passt, also kann man Por­tu­gal nicht ins Kitt­chen ste­cken. Statt­des­sen sagt man Por­tu­gal bei der Kre­dit­ver­ga­be, es sei gar kein Kre­dit, son­dern ein „Hilfs­pa­ket“, das ist wenigs­tens schön schwam­mig for­mu­liert. Ich betrach­te einen Bank­kre­dit übri­gens auch als ein Hilfs­pa­ket für mich, aber ich bin ja kein Land.

Hilfs­pa­ke­te unter­schei­den sich von Kre­di­ten offi­zi­ell inso­fern, als man sie nicht zurück­zah­len, son­dern nur artig nicken muss, wenn der Paket­dienst zur Unter­schrift bittet:

Por­tu­gal ver­pflich­tet sich gegen­über EU und IWF, das Haus­halts­de­fi­zit von 9,1 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes im ver­gan­ge­nen Jahr bis 2013 unter drei Pro­zent zu drü­cken – mehr ist nach den EU-Spiel­re­geln nicht erlaubt.

Und wenn sie das nicht schaf­fen, dann haben sie halt ziem­lich gro­ße Schul­den bei den Geld­ge­bern, die sich dann ein paar Jahr­zehn­te lang anhäu­fen dür­fen. Die Geld­ge­ber sind übri­gens nicht die Ban­ken oder irgend­wel­che Staa­ten, son­dern es sind die Steu­er­zah­ler in die­sen Staa­ten. Und die Begrün­dung dafür, dass die Steu­er­zah­ler in die­sen Staa­ten, deren Haus­halts­de­fi­zit auch nicht von schlech­ten Eltern ist, ihr Minus­geld zuguns­ten frem­der Staats­kas­sen noch ein wenig zu erhö­hen haben, ist so sim­pel wie bescheuert:

„Wir kön­nen das nicht ohne Deutsch­land und sei­ne Bereit­schaft, die Sta­bi­li­tät des Euro zu sichern, machen“, sag­te Rehn (EU-Wäh­rungs­kom­mis­sar) der Zei­tung „Die Welt“. „Indem wir Por­tu­gal unter strik­ten, aber rea­lis­ti­schen Bedin­gun­gen hel­fen, schüt­zen wir auch die wirt­schaft­li­che Erho­lung in Deutsch­land und die Erspar­nis­se der deut­schen Bürger.“

Eine maro­de Wäh­rung sta­bi­li­siert man halt am bes­ten, indem man so lan­ge gro­ße Beträ­ge hin und her schau­felt, bis alle, die die­se Wäh­rung nut­zen müs­sen, unge­fähr gleich viel Schul­den haben, das nennt man dann eine „Wäh­rungs­uni­on“. Wie­der was gelernt.

Grie­chen­land hat übri­gens ein biss­chen Glück gehabt, dass sie schon frü­her plei­te waren, denn wäh­rend es selbst­ver­ständ­lich schlicht eine Frech­heit wäre, aus einem Hilfs­pa­ket Pro­fit zu schla­gen, sieht das mit Geld­ge­schen­ken anders aus (Her­vor­he­bung, wie meist, von mir):

Grie­chen­land hat­te schon vor Grün­dung des EU- Ret­tungs­fonds EFSF von einem Extra-Paket von 110 Mil­li­ar­den Euro pro­fi­tiert.

Eins aller­dings ist ein­leuch­tend: Erspar­nis­se, die die deut­schen Bür­ger nicht mehr haben, weil sie sie nach Por­tu­gal expor­tiert haben, kön­nen sie nicht mehr für Unsinn aus­ge­ben. Das schützt ihre Erspar­nis­se vor ihnen selbst. Eigent­lich wäre es doch eine traum­haf­te Welt, wenn kei­ner mehr Geld hät­te, um sich davon Waf­fen oder iPho­nes zu kau­fen. Soll­te die­se Uto­pie eines Tages Wirk­lich­keit wer­den? Wohl auch getrie­ben von die­sem Traum „hat­te [der Bun­des­tag] das Hilfs­pa­ket für Por­tu­gal bereits mit brei­ter Mehr­heit unter­stützt“, aber wirk­lich ganz breit.

Ich glau­be, ich gehe die­ser Tage auch mal wie­der zu einer Bank, bei der ich bis­lang kein Kun­de war, und fra­ge, natür­lich mit Dackel­blick, nach einem Hilfs­pa­ket. So als armer Stu­dent bin ich doch wohl kaum weni­ger hilfs­be­dürf­tig als ein Land vol­ler arbei­ten­der Men­schen mit noch funk­tio­nie­ren­der Exportinfrastruktur.

Und ich bin mal gespannt, wie viel ich bekomme.

(Dan­ke an L.!)

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt XLIV: Kran­ke Gesundheitsminister

Etwas über­aus Lesens­wer­tes habe ich da, lei­der mit eini­gen Tagen Ver­spä­tung, via Ste­fan Sas­se aus­ge­rech­net im ansons­ten nur leid­lich zitie­rens­wer­ten Online-SPIE­GEL gefunden:

… So ergibt es sich, dass an der Spit­ze einer Gleich­stel­lungs­stel­le regel­mä­ßig eine Frau steht, nur ein Behin­der­ter ande­re Behin­der­te ver­tre­ten kann und das Schwu­len­re­fe­rat selbst­ver­ständ­lich von einem beken­nen­den Homo­se­xu­el­len gelei­tet wer­den muss. Für die Ange­hö­ri­gen von Min­der­hei­ten ist die­ses Aus­wahl­prin­zip durch­aus von Vor­teil, schränkt es doch die Zahl der Mit­be­wer­ber deut­lich ein. Nur limi­tiert es eben wei­te­re Auf­stiegs­chan­cen, die­se Poin­te scheint den Befür­wor­tern der Iden­ti­täts­po­li­tik zu entgehen.

Auch posi­ti­ve Dis­kri­mi­nie­rung bleibt Dis­kri­mi­nie­rung. Nie­mand käme auf die Idee, von einem Gesund­heits­po­li­ti­ker den Nach­weis einer schwe­ren Erkran­kung zu erwar­ten oder von dem Vor­sit­zen­den eines Rechts- und Innen­aus­schus­ses die Abstam­mung aus einer Polizistenfamilie.

Aber das mit der Gleich­stel­lung ist eben nicht so leicht.

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LI: Kreuzigung

Da schau her, offen­bar fand kürz­lich ein inter­na­tio­na­ler Wett­be­werb statt, der am Ran­de irgend­was mit Sin­gen zu tun hat­te. Der bis­her am wenigs­ten uner­träg­lich schlei­mig-weh­lei­di­ge Kom­men­tar zu die­sem Ereig­nis stammt von Micha­el, Autor im Fern­seh­le­xi­kon, der poin­tiert zusammenfasste:

[W]enn man die Musik mal außen vor lässt, war auch die­ser Euro­vi­si­on Song Con­test eine sehr unter­halt­sa­me Veranstaltung.

Ste­fan Kuz­ma­ny von SPIEGEL Online zeigt der­weil, wie Jour­na­lis­mus nicht funk­tio­niert:

Gebt Lena Mey­er-Land­rut end­lich, was sie ver­dient: Das Bundesverdienstkreuz.

Die Begrün­dung hier­für ist so „ein­leuch­tend“ wie „durch­dacht“: Ihre erneu­te Teil­nah­me am inter­na­tio­na­len Gesangs­wett­streit – erneut übri­gens mit einem Lied, das über Deutsch­land unge­fähr so viel aus­sagt wie Fahr­rad­fah­ren – zei­ge, dass sie bereit sei, jede nur erdenk­li­che Stra­pa­ze auf sich zu neh­men, um Deutsch­lands Beliebt­heit zu stei­gern. (Haben Ramm­stein und Die Toten Hosen, jeweils im Aus­land über­aus beliebt, das Bun­des­ver­dienst­kreuz eigent­lich schon bekommen?)

In der Ori­gi­nal­fas­sung liest sich das unge­fähr so:

[N]icht ihr ein­ma­li­ger ESC-Sieg in Oslo macht Lena Mey­er-Land­rut aus­zeich­nungs­wür­dig, son­dern das Jahr danach, das sie zwei­fel­los „unter Zurück­stel­lung der eige­nen Inter­es­sen“ und „über einen län­ge­ren Zeit­raum“, dazu alle­mal „mit erheb­li­chem Ein­satz“ die­sem Land gewid­met hat – zumal es wesent­lich beque­mer für sie gewe­sen wäre, sich auf dem ers­ten Erfolg aus­zu­ru­hen und als Sie­ge­rin von der ESC-Büh­ne abzu­tre­ten. Für die­se Leis­tung, für die­sen zehn­ten Platz ist ihr das Land höchs­ten Respekt schuldig.

Mit eng­lisch­spra­chi­gen Lied­chen, die ihr ein zufäl­lig gera­de über aus­rei­chend Frei­zeit ver­fü­gen­der Pop­pro­du­zent anschei­nend mal eben in der Mit­tags­pau­se hin­schmie­ren kann, gegen ande­re „Musi­ker“ in einem Wett­be­werb anzu­tre­ten, des­sen folk­lo­ris­ti­sche Kom­po­nen­te schon seit Jahr­zehn­ten nur noch theo­re­tisch besteht, ist also ein „erheb­li­cher Ein­satz“ für das Land und nicht etwa für die eige­ne Geld­bör­se. Ich glau­be ja, jeder im Export täti­ge Spe­di­teur tut mehr für die­ses Land als die­se mit­tel­mä­ßig talen­tier­te „Ange­him­mel­te“ (Ste­fan Kuz­ma­ny über Lena Mey­er-Land­rut); wo blei­ben da eigent­lich die Bundesverdienstkreuze?

Nur, um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: Ich erken­ne die tat­säch­li­che Leis­tung, die so ein Musikerle­ben unter stän­di­ger Beob­ach­tung der Öffent­lich­keit mit sich bringt, gern als anstren­gend an. Aber:

Das Bun­des­ver­dienst­kreuz wird ver­lie­hen für beson­de­re Leis­tun­gen auf poli­ti­schem, wirt­schaft­li­chem, kul­tu­rel­lem, geis­ti­gem oder ehren­amt­li­chem Gebiet.

Zählt es als „beson­de­re Leis­tung auf kul­tu­rel­lem Gebiet“, in einem Musi­ker­wett­be­werb (eigent­lich: Pro­du­zen­ten­wett­be­werb) ohne nach­hal­ti­ge Aus­wir­kun­gen, unab­hän­gig von dem dar­ge­bo­te­nen Text, die meis­ten „Punk­te“ zu bekom­men? Ein klei­ner Exkurs in die Musik­ge­schich­te sei mir gestat­tet: 1982 sieg­te eine gewis­se „Nico­le“ mit dem pazi­fis­ti­schen Lied „Ein biß­chen Frie­den“, das indi­rekt die Auf­rüs­tung der West­mäch­te und der Sowjet­uni­on im Kal­ten Krieg kri­ti­sier­te, und hat damit der Welt gezeigt, dass Deutsch­land ein fried­lie­ben­des Land gewor­den ist. Für ein Bun­des­ver­dienst­kreuz hat das nicht genügt.

Dass nun so genann­te „Jour­na­lis­ten“ das Ver­säum­nis aus­ge­rech­net im Fall Lena Mey­er-Land­rut, deren Aus­schlag geben­der „Ver­dienst“ es nun sein soll, mit einem Lied über das Ver­füh­ren den zehn­ten Platz erreicht zu haben, nach­ho­len wol­len, ist an Lächer­lich­keit kaum mehr zu über­bie­ten. (Außer viel­leicht von Ste­ve Jobs.)

(Sehr gut gefällt mir eigent­lich auch das Inter­view mit „Lady Gaga“, das ich ges­tern las. Frei­mü­tig gab sie zu Pro­to­koll, dass selbst ihre Mut­ter sie „Gaga“ nen­ne. Ich schät­ze, sie hat etwas missverstanden.)

PiratenparteiIn den Nachrichten
Einig Pira­ten wol­len wir sein

Es kam für Beob­ach­ter nur wenig über­ra­schend, dass Jens Sei­pen­busch, öffent­li­cher Reprä­sen­tant der Pira­ten­par­tei, sein Amt nie­der­leg­te. Die Nach­fol­ge trat Sebas­ti­an Nerz an:

Er pran­ger­te an, dass die Par­tei auch zu oft geschwie­gen habe, wenn es um wich­ti­ge The­men wie Zensus2011 und neue Zen­sur­for­de­run­gen aus dem Euro­pa­par­la­ment ging. Vie­len Chan­cen sei­en hier ver­passt worden.

Da ist was dran.

Die Pira­ten­par­tei war in den letz­ten Mona­ten so sehr damit beschäf­tigt, sich für ande­re The­men zu öff­nen, dass ihr Kern­the­ma, die infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung in Zei­ten der tota­len Ver­net­zung, in der Ver­sen­kung zu ver­schwin­den droh­te. Jens Sei­pen­busch hat viel­leicht vie­le Ent­schei­dun­gen getrof­fen, die nicht jeder ver­ste­hen konn­te, aber er hat die­se Gefahr vor­aus­ge­ahnt und des­halb gegen eine Erwei­te­rung des Pro­gramm­spek­trums gestimmt; und wur­de über­stimmt. Jetzt haben wir Pira­ten also eine Art Rundum­pro­gramm, Atom­po­li­tik inklu­si­ve, und ver­lo­ren dar­über fast unser Gewis­sen. Die „Ker­nis“, Anhän­ger des Kern­pro­gramms, strit­ten sich mit den „Voll­is“, die das nicht gut­hei­ßen konn­ten, um die Zukunft der Par­tei und ver­spiel­ten sie dabei bei­na­he. Das ging so weit, dass in den ein­schlä­gi­gen Hetz­blogs am Ende nicht mehr von den „frau­en­feind­li­chen Nazi­pi­ra­ten“, son­dern nur noch davon die Rede war, wie­so es die­se Par­tei denn über­haupt noch gebe.

Dabei sind die Pira­ten heu­te wich­ti­ger als es je den Anschein hatte.

Wäh­rend Bun­des- und EU-Poli­ti­ker qua­si täg­lich ein wei­te­res Stück unse­rer Bür­ger­rech­te beschnei­den, tat­kräf­tig unter­stützt von der selbst­er­nann­ten Bür­ger­rechts­par­tei F.D.P. („Wie­so gibt es die über­haupt noch?“), wird allein die Erwäh­nung von Pri­vat­sphä­re nur mehr mit einem ver­ächt­li­chen Schnau­ben bedacht. Pri­vat­sphä­re sei tot, und es füh­re ohne­hin kein Weg dar­an vor­bei, dass jeder alles über mich erfah­re, pre­dig­te man nach­ein­an­der sei­tens Sun (mitt­ler­wei­le Ora­cle), Goog­le und Face­book. Das ist nur wenig erstaun­lich, ver­die­nen die­se Kon­zer­ne doch einen nicht uner­heb­li­chen Teil ihres Ver­mö­gens damit, dass ihre Kun­den mög­lichst viel von sich preis­ge­ben. Kun­den­da­ten sind ein wert­vol­les Gut, der Fir­men­wert steigt oder fällt mit den Daten­sät­zen, die man in etwa­ige Ver­kaufs­ge­sprä­che ein­brin­gen kann. Face­book etwa hat einen enorm hohen Markt­wert, weil aus­rei­chend vie­le Leu­te („Sie ver­trau­en mir, die­se Idio­ten“, M. Zucker­berg) dort qua­si ihr Leben doku­men­tie­ren. Wer­be­trei­ben­de, die, was Face­books „Nut­zungs­be­din­gun­gen“ aus­drück­lich gestat­ten, Ein­blick in Benut­zer­pro­fi­le erhal­ten, um geziel­ter wer­ben zu kön­nen, wis­sen so oft mehr über den Men­schen hin­ter dem Pro­fil als eini­ge sei­ner dor­ti­gen „Freun­de“, was das mit den „Freun­den“ eigent­lich schon aus­rei­chend illus­triert. Zudem ver­bie­tet Face­book expli­zit die Nut­zung von Tarn­na­men („Nick­na­men“); der Grund dürf­te ein ähn­li­cher sein.

Nicht anders ver­fährt man bei Goog­le, macht doch die per­so­na­li­sier­te Wer­bung („Adsen­se“) 97 Pro­zent des Umsat­zes aus. Dafür ist es wich­tig, mög­lichst viel über sei­ne Benut­zer zu wis­sen, und das geht am ein­fachs­ten, indem man Diens­te anbie­tet, die sozu­sa­gen jeden digi­ta­len Schritt der Benut­zer beglei­ten. (Dass ein „sozia­les Netz­werk“ mit aus­rei­chend Ver­brei­tung noch „fehlt“, ist Face­book zu ver­dan­ken; dan­ke, Face­book!) Jeder die­ser Diens­te wird mit kon­text­be­zo­ge­ner Wer­bung finan­ziert, also mit einer auto­ma­ti­schen Ana­ly­se des­sen, was der Benut­zer gera­de tut, selbst dann, wenn es eine ver­trau­li­che E‑Mail ist. Das Ärger­li­che ist, dass das auch die Pri­vat­sphä­re des jewei­li­gen Emp­fän­gers ver­letzt, denn ich zum Bei­spiel lege nur wenig Wert dar­auf, dass ein Kon­zern Geld mit mei­nen gege­be­nen­falls inti­men Gedan­ken ver­dient. Vor die­sem Hin­ter­grund läuft es mir auch kalt den Rücken her­un­ter, lese ich von Face­books neu­er E‑Mail-Funk­ti­on, denn die Absich­ten dürf­ten klar sein. (Es wirkt da wie eien Far­ce, dass aus­ge­rech­net Face­book Goog­le Daten­sam­me­lei vor­wirft.)

Ein pri­va­ter Post­dienst­leis­ter, der Geld damit ver­dien­te, die zu sen­den­den Brie­fe zur blo­ßen Geld­ge­win­nung aus­zu­wer­ten, hät­te hier­zu­lan­de kein leich­tes Spiel, auch die Aus­re­de, Pri­vat­sphä­re sei ohne­hin alt­mo­disch, könn­te ihn nicht ret­ten. Das, was aber Face­book und Goog­le tun, ist nicht ille­gal, son­dern wird als alter­na­tiv­los ange­se­hen in die­sem Staat, der auch sonst alles alter­na­tiv­los nennt, was den Bür­gern nicht passt; sei es die gesetz­li­che Ver­pflich­tung dazu, im Rah­men des Zen­sus 2011 das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht wahr­zu­neh­men, sei es die geziel­te Ermor­dung von Men­schen, sei es die stän­di­ge Gefahr, dass irgend­ein Poli­ti­ker nach Kin­der­por­no­gra­fie, Jugend­schutz und Glücks­spie­len (Glücks­spie­len!) einen neu­en Grund fin­det, das Inter­net als ein­zi­ges wirk­lich inter­na­tio­na­les Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz zur Chef­sa­che zu erklären.

Und des­halb brau­chen wir die Piratenpartei.

Zu hof­fen ist es, dass Sebas­ti­an sei­ner Kri­tik nun auch Taten fol­gen lässt. Netz­po­li­tik soll­te man nicht denen über­las­sen, die am lau­tes­ten schrei­en. Wir sind Pira­ten, uns eint nicht der Glau­be an ein Par­tei­pro­gramm, uns eint das gemein­sa­me Ziel; und immer­hin das kann er bes­ser ver­mit­teln als zuvor Jens Sei­pen­busch. Die Daten­fres­ser schla­fen nicht.

Ich sage: Dan­ke, Jens; und all­zeit eine Hand­breit Was­ser unter dem Kiel!
Und nun zurück an die Arbeit. Es gibt viel zu tun.

PersönlichesMusik
Ein­sa­me Inselmusik

Hin und wie­der spre­chen mich gute und weni­ger gute Bekann­te auf mei­ne musi­ka­li­schen Inter­es­sen an, oft, ganz im Stil des „In“- und „Out“-Listenunfugs, mit der Bit­te, ich möge doch bit­te ein­mal mei­ne „Lie­der für die ein­sa­me Insel“ in jeweils begrenz­ter Zahl auf­zäh­len. Zuletzt geschah dies ges­tern Abend, als mich ein ansons­ten nicht all­zu oft nega­tiv auf­fal­len­der Mit­mensch um eine Auf­lis­tung mei­ner, Zitat, „five lone­so­me island songs“, Zitat Ende, mei­ner fünf ein­sa­men Lie­der über Inseln also, bat. Nach­dem ich ver­stan­den hat­te, was eigent­lich gemeint war, ver­such­te ich die­se Fra­ge best­mög­lich zu beant­wor­ten, aber ich schei­ter­te letztlich.

Die Ursa­che für das Schei­tern war nicht etwa, dass ich nicht in der Lage wäre, aus­wen­dig fünf Lie­der zu nen­nen, die ich gern auf einer ein­sa­men Insel, die aus uner­find­li­chem Grund offen­bar über eine Strom­lei­tung ver­fügt, bei mir hät­te, son­dern es ist das Miss­ver­ständ­nis, dem jene Mit­men­schen, die ver­su­chen, mei­nen Musik­fa­schis­mus in begrenz­te Lis­ten­kor­setts zu zwän­gen, anheimfallen.

Wäre ich näm­lich in der unan­ge­neh­men Lage, auf eine ein­sa­me Insel fünf, zehn oder ein­und­drei­ßig kon­kre­te Lie­der mit­neh­men zu müs­sen, ich wür­de mich nicht für mei­ne jewei­li­gen Lieb­lings­lie­der ent­schei­den, denn die ken­ne ich in der Regel qua­si aus­wen­dig. Viel­mehr kämen sol­che Lie­der in Fra­ge, die beson­ders lang sind (zum Bei­spiel echo­lyns „Mei“), denn wenn ich schon nur eine begrenz­te Aus­wahl an Lie­dern habe, dann sol­len sie mich wenigs­tens für eine über­durch­s­chitt­li­che Zeit unter­hal­ten, oder eben nicht jenen Lie­dern zuzu­rech­nen sind, die ich auf­grund beson­de­rer Affi­ni­tät gern auch mehr­mals hin­ter­ein­an­der höre, obwohl ich jeden Takt mit­sum­men kann.

Etwas sel­te­ner ist eine Lis­te mei­ner tat­säch­li­chen Lieb­lings­lie­der gewünscht. Die­se Fra­ge miss­fällt mir, denn obgleich ich wohl in der Lage bin, mei­ne fünf, zehn oder ein­und­drei­ßig gegen­wär­ti­gen „Lieb­lings­lie­der“, auf Wunsch auch nach Prio­ri­tät geord­net, auf­zu­lis­ten, bedeu­tet das nicht, dass ich eigent­lich so etwas wie „Lieb­lings­lie­der“ habe. Was aber ist ein „Lieb­lings­lied“? Ein „Lieb­lings­lied“ ist mei­nes Emp­fin­dens ein Lied, das man unab­hän­gig von kon­kre­ten see­li­schen oder phy­si­schen Situa­tio­nen, etwa Trau­er, Froh­sinn oder Abschluss­fei­ern, spon­tan hören kann und das auch nach mehr­fa­cher Wie­der­ho­lung sei­nen Stel­len­wert nicht verliert.

Es gibt Lie­der, die mich, meist auf­grund ihres Tex­tes, seit eini­gen Jah­ren auf mei­nem Weg durch das Leben beglei­ten, dazu zählt etwa „Nur in dei­nem Kopf“ von den Fan­tas­ti­schen Vie­ren. Den­noch sind die­se Lie­der nicht unbe­dingt gleich­zei­tig mei­ne Lieb­lings­lie­der, denn obwohl die Tex­te für kon­kre­te Situa­tio­nen noch immer unein­ge­schränkt tref­fend sind, haben sie jede Span­nung längst ver­lo­ren. Unter die­sen Lie­dern ist der­zeit kei­nes, das ich stim­mungs­un­ab­hän­gig als mei­nen Favo­ri­ten bezeich­nen würde.

Wie wohl jeder hören­de Mensch bin ich, wie erwähnt, in der Lage, spon­tan in ziem­lich gro­ßer Zahl Lie­der zu nen­nen, die mir zuerst ein­fal­len, wenn ich Lie­der auf­zäh­len soll, die mir beson­ders gut gefal­len. Sie erfül­len aber die Anfor­de­run­gen an tat­säch­li­che „Lieb­lings­lie­der“ nicht, denn das, was klei­ne Mäd­chen als „Lieb­lings­lie­der“ bezeich­nen („ich hab sooo geheult bei dem Lied!“), ist in mei­nem Alter ein­fach nicht mehr im Reper­toire zu fin­den. Mei­ne „Lieb­lings­lie­der“ wechs­le ich schnell, es ist kei­nes­falls undenk­bar, dass zwei Men­schen, die mich im Abstand von weni­gen Minu­ten nach mei­nem momen­ta­nen „Lieb­lings­lied“ fra­gen, zwei völ­lig unter­schied­li­che Ant­wor­ten erhal­ten, weil sie zu unge­nau fra­gen. Natür­lich gefällt mir „Lay Me Back Down“ von Por­tu­gal. The Man immer noch, es hat eine ein­gän­gi­ge Melo­die, aber genügt Ein­gän­gig­keit als Kri­te­ri­um? Eine Lis­te der „fünf ein­gän­gigs­ten Lie­der, die mir spon­tan ein­fal­len“, kann ich gern erstel­len, hier kommt sie unsortiert:

  • The Beat­les – Yesterday
  • Por­tu­gal. The Man – Lay Me Back Down
  • Eat­liz – Your House
  • The Beat­les – Yel­low Submarine
  • Lisa Stans­field – All Around the World

Wer mei­ne bis­he­ri­gen Bei­trä­ge über pri­ma Musik wenigs­tens teil­wei­se gele­sen hat, der erkennt schnell, dass sich dar­aus kei­ne Schlüs­se dar­auf zie­hen las­sen, was für Musik ich so höre. Musik, die ich höre, fin­det näm­lich grund­sätz­lich im Kon­text eines Musik­al­bums statt. Das Musik­al­bum, mei­ne jün­ge­ren Leser ken­nen das viel­leicht gar nicht mehr, ist ein seit Jahr­zehn­ten für tot erklär­tes For­mat (damit ist nicht „MP3“ gemeint) von Ton­trä­gern und bezeich­net eine Zusam­men­stel­lung manch­mal inhalt­lich zusam­men­hän­gen­der, manch­mal aber auch nur inner­halb einer fes­ten Zeit­span­ne auf­ge­nom­me­ner Lie­der eines oder meh­re­rer Musiker.

Mit Aus­nah­me von Son­der­fäl­len wie etwa dem genann­ten „Mei“ von echo­lyn bin ich durch­aus in der Lage, auf jedem Musik­al­bum, das ich digi­tal oder phy­sisch besit­ze, ein kon­kre­tes „Lieb­lings­lied“ zu benen­nen. Obwohl aller­dings die­se jewei­li­gen „Lieb­lings­lie­der“ weni­ger Ände­run­gen unter­wor­fen sind als mei­ne ima­gi­nä­re Lis­te der „Lieb­lings­lie­der ins­ge­samt“, so ist es doch nicht aus­zu­schlie­ßen, dass sich auch dort sol­che Ände­run­gen erge­ben. Ein kon­kre­tes Bei­spiel: War ich mir frü­her sicher, auf dem Beat­les-Album „Revol­ver“ sei „Tomor­row Never Knows“ das mit Abstand bes­te Stück, so strei­ten sich inzwi­schen „Ele­a­n­or Rig­by“ und „She Said She Said“ dar­um, wer das Lied end­lich ablö­sen darf.

Inso­fern bin ich ziem­lich sau­er auf jeden, der mich dazu bringt, eine zu wel­chem Zweck auch immer geführ­te Lis­te mit mei­nen „Lieb­lings­lie­dern“, „Insel­lie­dern“ oder „Lie­dern, die ich so höre, wenn es mir mal so alles ande­re als gut geht“ zu befül­len, denn kaum hat der Fra­gen­de sei­ne Ant­wort erhal­ten und sich schnell wie­der von mei­ner zwei­fels­oh­ne Furcht erre­gen­den Gestalt ent­fernt, fal­len mir auch schon min­des­tens fünf Lie­der ein, die eigent­lich viel bes­ser auf eine sol­che Lis­te gepasst hät­ten, und das schlech­te Gewis­sen plagt mich nach­hal­tig. (Kaum hat­te ich die Lis­te der „fünf ein­gän­gigs­ten Lie­der, die mir spon­tan ein­fal­len“, die oben zu lesen ist, voll­endet, fie­len mir auch schon zwei wei­te­re und viel ein­gän­gi­ge­re Lie­der ein.)

Wonach man mich aber gern fra­gen darf, sind mei­ne Lieb­lings­mu­sikal­ben, denn die ändern sich nur zöger­lich. Seit ich mich bewusst als Musik­hö­rer begrei­fe, die Scoo­ter-Rum­hops­pop­mu­sik­pha­se also erfolg­reich hin­ter mir gelas­sen habe, habe ich noch kein wei­te­res Lieb­lings­al­bum zu einem ehe­ma­li­gen Lieb­lings­al­bum erklärt. Es kommt aller­dings vor, dass sich neue Alben in die­se Lis­te ein­rei­hen, man fra­ge mich also bit­te nie­mals nach mei­nen fünf, zehn oder ein­und­drei­ßig kon­kre­ten Lieb­lings­al­ben, denn dann müss­te ich wie­der wür­feln und hät­te tage­lang ein schlech­tes Gewis­sen. – Obwohl es für ein­und­drei­ßig kon­kre­te Lieb­lings­al­ben noch rei­chen dürfte.

Die­se Alben wür­de ich gern auch jeder­zeit auf eine ein­sa­me Insel mit­neh­men, denn die Gefahr, dass sie mir in abseh­ba­rer Zeit nicht mehr gefal­len, ist sehr gering. Über­zeugt mich das bis­he­ri­ge „Lieb­lings­lied“ auf dem Album nicht mehr, dann küre ich ein­fach ein ande­res. Alben, auf denen nur ein ein­zi­ges Lied mei­ne – wech­sel­haf­ten – Kri­te­ri­en für ein gutes Lied erfüllt, gehö­ren nicht in mein Inven­tar und sind dort auch, ich wage einen kur­zen Blick, der­zeit nicht zu fin­den. (Das habe ich jetzt aber auch leicht gesagt, „ein­fach küren“; tat­säch­lich fürch­te ich den Tag, an dem mich Bob Dylans „Blon­de on Blon­de“ zu lang­wei­len beginnt, denn mein „Lieb­lings­lied“ auf die­sem durch­weg gran­dio­sen Album konn­te ich bis­lang nicht ermitteln.)

„Gesamt­kunst­werk“ ist ohne­hin ein gutes Stich­wort. „Lieb­lings­lie­der“ schei­nen ein Phä­no­men aus der Gene­ra­ti­on zu sein, die Lie­der nur noch als kaputt­kom­pri­mier­te, in sich abge­schlos­se­ne, aber nichts­sa­gen­de, durch­schnitt­lich zwei­drei­vier­tel Minu­ten lan­ge Down­loads ken­nen. Die wenigs­ten Musi­ker aber neh­men Lie­der in oft wochen‑, manch­mal jah­re­lan­ger Stu­dio­ar­beit auf, ohne eine unge­fäh­re Vor­stel­lung davon zu haben, ob und wie die­se Lie­der mit­ein­an­der zusam­men­hän­gen. Als Ana­lo­gie ist viel­leicht die Rei­he der „Lus­ti­gen Taschen­bü­cher“ geeig­net, deren Buch­rü­cken jeweils einen Teil des aktu­el­len Jah­res­mo­tivs zei­gen. Sicher ist auch so ein ein­zel­ner Buch­rü­cken mehr oder weni­ger schön bemalt und ver­mag zu erfreu­en, aber ohne die elf Buch­rü­cken um ihn her­um bleibt er ein wich­ti­ges, jedoch ver­lo­ren wir­ken­des Puzzlestück.

Kurz gesagt bedeu­tet das: Wer den Wert der Musik nicht in Euro misst, der soll­te auch nicht ver­su­chen, sie nach Zah­len zu sor­tie­ren. „Über Geschmack lässt sich nicht strei­ten“ sagt der Volks­mund, und der Volks­kör­per legt wäh­rend­des­sen flei­ßig wei­ter, und sei es nur zum Zeit­ver­treib, Lis­ten („Hit­pa­ra­den“) an, die zum Teil noch Jahr­zehn­te spä­ter etwa in der Wiki­pe­dia als Beleg für die Wich­tig­keit eines Musi­kers oder eines musi­ka­li­schen Wer­kes die­nen sol­len. Rele­vant ist nur das, was aus­rei­chend vie­le Leu­te in einem bestimm­ten Zeit­raum als ihr „Lieb­lings­lied“ benannt haben. Über die Aus­sa­ge­kraft die­ser Sta­tis­tik habe ich oben schon man­ches geschrie­ben, und ein Blick in die dies­wö­chi­gen kumu­la­ti­ven Lieb­lings­lis­ten („Hit­pa­ra­den“) gäbe mir wahr­schein­lich Recht; obwohl ich über­zeugt davon bin, dass ich nicht ein­mal die Hälf­te der „Musi­ker“, die der­zeit die so genann­ten „Top-20“ befül­len, nament­lich ken­ne, so wer­den sie doch als wich­ti­ge („rele­van­te“) „Künst­ler“ betrach­tet, weil ihre Plat­ten­fir­ma viel Geld in Wer­bung steckt in der Hoff­nung, noch mehr Geld wie­der her­aus­zu­be­kom­men. (Im Nach­hin­ein betrach­tet wirkt es da wie ein Hohn, dass Musik­grup­pen wie Gent­le Giant und The Vel­vet Under­ground, die heu­te als Weg wei­sen­de Insti­tu­tio­nen ver­stan­den wer­den, sich einst gezwun­gen sahen, sich mit oft nur mäßi­gem Erfolg dem main­stream unter­zu­ord­nen, um ihr finan­zi­el­les Über­le­ben zu sichern. Man hielt sie nicht für „rele­vant“ genug.)

Zwar habe ich Lieb­lings­mu­si­ker, wie ich auch Lieb­lings­au­toren habe, und ich habe Lieb­lings­al­ben, wie ich auch Lieb­lings­bü­cher habe, aber wer wür­de mich nach mei­nem Lieb­lings­satz aus einem Buch fra­gen? „Wenn du nur fünf Sät­ze auf eine ein­sa­me Insel mit­neh­men dürf­test, wel­che Sät­ze wären das?“

Ande­rer­seits fällt mir auch gera­de nie­mand ein, der so grau­sam wäre, Men­schen mit nur fünf Lie­dern auf einer ein­sa­men Insel auszusetzen.
Na gut, Ste­ve Jobs vielleicht.

Internes
In eige­ner Sache: Behut­sa­me Umgestaltung

Lie­be Leser, die ihr nicht mit einem mobi­len Brow­ser hier her­um­surft und somit in den Genuss des blau­en The­mes kommt,

wie ihr viel­leicht schon bemerkt habt, bast­le ich gera­de ein wenig an den Gra­fi­ken. Das hat­te ich schon län­ger geplant, war doch das Pen­ro­se-Drei­eck des alten Logos ein wenig blass und ver­pi­xelt, und nun habe ich, ange­regt von Tho­mas‘ eben­sol­chem Tun, die Muße gefun­den, mit­tels Bild­be­ar­bei­tung und eini­gen CSS-Spie­le­rei­en ein neu­es zu bas­teln, das moder­ner, kom­pak­ter und weni­ger stüm­per­haft aus­sieht aus­se­hen soll, und die Sei­te selbst behut­sam an das neue Logo ange­passt. In einer kur­zen Umfra­ge mei­ner­seits hat sich aus drei grund­le­gen­den Logo­kon­zep­ten das nun ein­ge­bau­te als das bevor­zug­te ergeben.

Den Zwi­schen­stand mei­ner Bas­te­lei­en seht ihr ja oben; er ist jedoch noch nicht endgültig.
Kon­struk­ti­ve Kri­tik in Form von (mög­lichst begrün­de­ten) Ände­rungs­vor­schlä­gen ist selbst­ver­ständ­lich erwünscht, am bes­ten direkt hier drun­ter. Ein direk­ter Ver­gleich folgt:

Vor­her:

Nach­her:

Ich wer­de die­ser Tage vor­aus­sicht­lich noch ein paar klei­ne Ände­run­gen vor­neh­men und hof­fe, sie sto­ßen nicht auf all­zu viel Ablehnung.
Bis dahin dan­ke ich erst ein­mal für die Aufmerksamkeit.

Musikkritik
The Decem­be­rists: R.E.M. in anders

Nur mal so als Bei­spiel für eine Band, die zwar mich durch­aus anspre­chen­de Klän­ge her­vor­zu­brin­gen ver­mag, aber die­ses Niveau bis­lang noch kein gan­zes Album lang hal­ten konn­te, wes­halb sie die anste­hen­de Halb­jah­res­lis­te nur als Zuschau­er bewun­dern darf, erwäh­ne ich hier und jetzt aus hei­te­rem Him­mel mal die von Peter durch­weg geschätz­ten The Decem­be­rists mit­samt ihrem dies­jäh­ri­gen Album „The King Is Dead“.

Colin Meloy klingt Micha­el Sti­pe nicht unähn­lich, der Duett­ge­sang erin­nert mich dar­an, dass ich mal wie­der Bel­le & Sebas­ti­an hören könn­te, und auf dem Rest des Albums las­sen sich Bob Dylan und Värt­ti­nä erah­nen. Die Tex­te, obwohl bei Wei­tem weni­ger wort­reich als die des Herrn Dylan, sind der­ma­ßen tief­sin­nig und ange­rei­chert mit Meta­pho­rik, dass wir Text­freun­de voll auf unse­re Kos­ten kommen.

Und wären auch melo­disch über­ra­gen­de Stü­cke wie „Down by the Water“ und „Rox in the Box“ nicht die Aus­nah­me auf die­sem ansons­ten eher beschau­li­chen Album, es hät­te mei­ne Emp­feh­lung sicher. Scha­de eigentlich.

PersönlichesNetzfundstückeIn den NachrichtenFotografieNerdkrams
„Lea­ve me in the clouds.“

Ich gebe zu, ich bin mit­un­ter nicht immer kon­se­quent in dem, was ich schrei­be und ande­rer­seits tue. So leh­ne ich zum Bei­spiel Diens­te von Unter­neh­men, deren Geschäfts­mo­dell auf der Ver­wer­tung von Benut­zer­da­ten basiert, ab, kann mich den­noch den Seg­nun­gen der Digi­ta­li­sie­rung nicht immer ent­zie­hen. Ich bin in der Cloud.

Beim Kauf mei­nes mobi­len Büros hat­te ich nicht gedacht, dass es einen nach­hal­ti­gen Ein­fluss auf mein Leben und vor allem mein Sicher­heits­kon­zept haben wür­de. Natür­lich ver­wen­de­te ich schon eine Zeit­lang Drop­box, um etwa unfer­ti­ge Pro­jek­te und Datei­en für das Stu­di­um zu sichern und bei Bedarf auch unter­wegs zur Hand zu haben, dar­über hin­aus nutz­te ich, da ich auf meh­re­ren Com­pu­tern die weit­ge­hend glei­chen Lese­zei­chen und Pass­wör­ter ver­wen­de, Xmarks (mitt­ler­wei­le Fire­fox Sync) und Last­Pass zur Syn­chro­ni­sa­ti­on. Dass im Fall einer Kom­pro­mit­tie­rung mei­ne Lese­zei­chen und/oder der aktu­el­le Ent­wick­lungs­stand von Tiny­To­do in die Hän­de Drit­ter fal­len könn­ten, hat mich dabei nie erschau­dern las­sen, und mei­ne Pass­wör­ter sind auf den Last­Pass-Ser­vern nicht unsi­che­rer als in mei­nem Kopf. (Sie­he wei­ter unten.)

Mit Android hiel­ten auch Ever­no­te und wun­der­list Ein­zug in mei­ne Orga­ni­sa­ti­on. Nutz­te ich zuvor Key­Note-NF, die Notiz­funk­ti­on von ac’­ti­vAid und mit­un­ter Text­da­tei­en, um Noti­zen und zu erle­di­gen­de Auf­ga­ben nicht zu ver­ges­sen, tra­ge ich all dies nun qua­si stän­dig mit mir her­um. (Anzu­mer­ken sei, dass Key­Note-NF für eini­ge Noti­zen all­zu pri­va­ter Natur noch immer mein Pro­gramm der Wahl ist; die Daten­bank­da­tei siche­re ich selbst­ver­ständ­lich regel­mä­ßig.) Es gibt nur wenig Ärger­li­che­res als eine gute Idee zu haben und sie wie­der ver­ges­sen zu haben, bevor man wie­der am Lap­top sitzt, und das pas­siert mir lei­der nur all­zu häu­fig. Das ist einer der Grün­de, wie­so ich nur sel­ten ohne Notiz­buch aus dem Haus gehe.

Der eigent­li­che Aus­lö­ser für die­sen Bei­trag war übri­gens die Mel­dung, dass bei Last­Pass auf den Ser­vern Unre­gel­mä­ßig­kei­ten fest­ge­stellt wur­den. Sofort unk­ten die Skep­ti­ker, es sei selbst schuld, wer sei­ne Pass­wör­ter einem exter­nen Dienst anver­traue, unge­ach­tet des­sen, dass die gege­be­nen­falls „erhack­ten“ Pass­wör­ter ver­schlüs­selt sind und nur mit einer geziel­ten Wör­ter­buch­at­ta­cke les­bar gemacht wer­den kön­nen; und wer ein Pass­wort ver­wen­det, das im Wör­ter­buch steht, hat, die­se Bemer­kung sei gestat­tet, einen Knall und es eigent­lich auch nicht bes­ser verdient.

Man möge mich kri­ti­sie­ren für den Leicht­sinn, auch nur irgend­et­was auf Ser­vern abzu­le­gen, die mir nicht gehö­ren; man soll­te aber, bevor man mich nun ver­wünscht, ein­mal über das eige­ne Tun nach­den­ken. Men­schen stel­len inti­me Details, oft bebil­dert, von sich selbst bei Face­book (ist ja „nur für Freun­de“ sicht­bar, von wegen!), MySpace oder *VZ online, sie bear­bei­ten bereit­wil­lig sen­si­ble Fir­men­do­ku­men­te auf Goog­le Text & Tabel­len und schi­cken sie dann via Goog­le Mail oder, schlim­mer noch, Sky­pe durch die Gegend, ohne sich auch nur ansatz­wei­se im Kla­ren über die Gefah­ren geschlos­se­ner Sys­te­me kom­mer­zi­el­ler Anbie­ter im Kla­ren zu sein. Wer stän­dig Ängs­te schürt, soll­te zumin­dest selbst ein wenig Vor­sicht wal­ten lassen.


(Nur mal rein inter­es­se­hal­ber gefragt: „Ein­mal zah­len, ewig nut­zen“ ist zwar ein durch­aus lobens­wer­tes Kon­zept, aber ist es noch sinn­voll, wenn der Preis all­jähr­lich fäl­lig wird?)