PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt IL: Wurzelplagiat

Erin­nert sich noch jemand an die zahl­rei­chen Hin­wei­se dar­auf, dass Fami­lie von und zu und hin­term Gut­ten­berg wegen der ober­frän­ki­schen Ver­wur­ze­lung nie­mals Deutsch­land ver­las­sen wür­de, unter ande­rem auch geäu­ßert von Ste­pha­nie usw. höchstpersönlich?

Hof­fent­lich, denn:

Der „Spie­gel“ mel­de­te am Frei­tag vor­ab unter Beru­fung auf Ver­trau­te des CSU-Poli­ti­kers, der 39-Jäh­ri­ge wer­de mit sei­ner Frau Ste­pha­nie und sei­nen bei­den Töch­tern für min­des­tens zwei Jah­re in die USA oder nach Groß­bri­tan­ni­en ziehen.

Sind sei­ne Wur­zeln etwa auch nur pla­gi­iert? :mrgreen:

Aber viel­leicht ist all das auch nur ein Ver­such der Ablen­kung von sei­nen Mis­se­ta­ten, auf dass er als ver­meint­lich geläu­ter­ter Zeit­ge­nos­se wie­der freund­lich in Emp­fang genom­men wird vom Pöbel:

Für die Zeit danach habe er eine Rück­kehr in die Poli­tik nicht ausgeschlossen.

Also seid wachsam!

Spaß mit Spam
OFFIZIELLE GEWINNBENACHRITIGUNG

Bei sol­chen Betreff­zei­len wür­de ich sogar Kopf­weh bekom­men, wären sie nicht in brül­len­den Groß­buch­sta­ben verfasst.
Und wor­über möch­te „Frau Ani­ta Smith“ („FRAU ANITA SMITH“) vom „Sitz des Pra­si­den­ten der Euro­Mil­li­ons Lot­tery Pro­mo­ti­on“ in „Madrid“ mich da „benach­ri­ti­gen“? (Aus Grün­den der Les­bar­keit wer­de ich all­zu brül­len­de Zei­len im Fol­gen­den auslassen.)

Wir sind erfreut ihnen mit­tei­len zu kon­nen, das die gewinnliste

Die Euro­Mil­li­ons LOTTERY PROMOTION am 02 . Juni 2011 erschie­nen ist, vor­bei Co-orga­ni­siert World Tou­rism Organization/Spanish Minis­te­rio de Tourismo.

Ange­sichts des das-dass-Schreib­pro­blems kann man zumin­dest davon aus­ge­hen, dass „Frau Ani­ta Smith“ Deut­sche ist. Eine ech­te mul­ti­kul­tu­rel­le Lot­te­rie also. Nun stellt sich mir natür­lich die Fra­ge, ob in der Bezeich­nung „Die Euro­Mil­li­ons Lot­tery Pro­mo­ti­on“ aus­ge­rech­net das Wort „die“, „stirb“, doch für den deut­schen Arti­kel ste­hen soll­te. Eini­ger­ma­ßen sinn­frei wäre bei­des. Aber von sol­chen Kin­ker­litz­chen las­se ich mich nicht auf­hal­ten, immer­hin hat das spa­ni­sche Welt­tou­ris­mus­mi­nis­te­ri­um die­se Lot­te­rie vor­bei­ko­or­ga­ni­siert, da fühlt man sich als Leser lie­ber geehrt und liest also weiter:

Dir offi­zi­el­le lis­te der gewin­ner erschien am 08.juni 2011 Ihr e‑mail wur­de auf dem los mit dir num­mer: (721–524-27756) und mit der seri­en­num­mer: {52136/2011} regis­tried. Die glucks­num­mer: (01) (03) haben in der zwei­tens kate­go­rie gewonnen.

Es gibt eine offi­zi­el­le Gewin­ner­lis­te, auf der E‑Mail-Adres­sen ste­hen? Kein Wun­der steigt die Zahl der Spam­mails wie­der. Aber ich freue mich, davon abge­se­hen, selbst­ver­ständ­lich immens, dass mei­ne Glucks­num­mer (tat­säch­lich gluck­se ich gera­de ein wenig) in der Zwei­tenska­te­go­rie gewon­nen hat, auch wenn ich ver­mut­lich dann doch lie­ber in der drit­ten Kate­go­rie gewon­nen hät­te, die hält meist die bes­se­ren Prei­se bereit. Aber man kann nicht alles haben.

Statt­des­sen habe ich dies:

Sie sind damit gewin­ner von: 935, 470.00

Ich habe also bei einer spa­ni­schen Ver­lo­sung 935 kyril­li­sche Djets gewon­nen. Even­tu­ell kann ich die dann bei eBay teu­er verscherbeln.
Aber halt, nein: Nicht ich habe sie gewon­nen, son­dern Anony­mus „vier­hun­dert­sieb­zig Punkt null­null“. Oder ist das auch nur eine Gewinnnummer?

Die sum­me ergibt sich einer gewinn­aus­schutt­ung von. 25,257,690,00 (…). Die sum­me wur­de durch 27 gewin­nern aus der gli­ei­chen kate­go­rie geteilt.

Das mit den Tau­sen­der­trenn­zei­chen scheint in Madrid in Ver­ges­sen­heit gera­ten zu sein. Aber unter­stel­len wir ein­mal, es han­de­le sich um etwas mehr als 25 Mil­lio­nen kyril­li­scher Djets: Wie­so bekom­me ich dann nur 935? Frechheit!

Dir gewinn ist bei einer sicher­heits­fir­ma hin­ter­legt und in ihren namen ver­si­chert. um kei­ne kom­pli­ka­tio­nen bei der abwick­lung der zah­lung zu ver­ur­sa­chen bit­ten wir sie die­se offi­zi­el­le mit­tei­lung, dis­kret zu behan­del­nes ist ein teil unse­res sicher­heits­pro­to­kolls und garan­tiet ihnen einen rei­bung­lo­sen Ablauf.

Ups.

Alle gewin­ner wer­den per com­pu­ter aus 45.000.00 namen und e‑mails aus ganz Euro­pa, Asien,Australien und Ame­ri­ka als teil unse­rer Inter­na­tio­na­len pro­mo­ti­on pro­gramms aus­ge­wahlt, Wel­ches wir ein­mal im jahr veranstalten.

Fünf­und­vier­zig­tau­send Kom­ma (sie­he oben) null Namen und E‑Mails. Ob das wohl auf gan­ze Zah­len gerun­det wurde?

(…)
BITTE AUSFUILLEN DEIN DATAS AUS UNTEN.

Und wie bekom­me ich das dann wie­der vom Bild­schirm entfernt?

(…)PLZ_______________
3. ADRESSE__________________________________________________
(…)
6. STAT:______________________________________________

Wir ler­nen: Post­leit­zahl und Stadt/Staat/Stat sind nicht Teil der Adresse.

GEWINN SUMME___________

Zum Selbst­aus­fül­len – wie praktisch!

Die oben genannten
Anfor­de­run­gen sind erforderlich.

Dass man eine Adres­se hat oder dass man auf sei­nem Bild­schirm herumschmiert? 

Gluck­wun­sche noch einmal.

„Wir beglück­wün­schen Sie zu Ihrer Ner­ven­stär­ke, die Sie benö­tig­ten, um unse­ren Aus­füh­run­gen bis hier­her zu fol­gen, ohne vor Lachen vom Stuhl zu kip­pen und sich dabei sehr weh zu tun.“

Herz­lichs

Mit freund­li­chen Gr??en

Mit was bitte?

Alle Waren­zei­chen und ein­ge­tra­ge­nen Waren­zei­chen sind Eigen­tum der jewei­li­gen Inhaber.
Copy­right © 2010–2011. Alle Rech­te vorbehalten.

Die will ich auch gar nicht haben; kann sich eh kei­ner merken.
Aber die kyril­li­schen Djets brau­che ich auch nicht unbedingt.

Wer möch­te den Gewinn für mich in Emp­fang nehmen?

(Nach­trag vom 10. Juni: Ich muss­te das Uni­code­sym­bol durch etwas erset­zen, mit dem Word­Press‘ Schrift­par­ser auch zurecht­kommt. Ent­schul­digt, dass es jetzt etwas eigen­ar­tig aussieht.)

In den NachrichtenNerdkrams
Apple, Wol­ken und Innovationen

Ui, Apple hat die Cloud ent­deckt und die Spei­chel­le­cker aus dem Medi­en­ge­wer­be erklä­ren das dann mal wie­der zum Gna­den­schuss für Micro­soft. Dass die Cloud jetzt unge­fähr so neu und auf­re­gend und muss­man­ha­ben ist wie einst das „Web 2.0“, Tama­got­chis und Game­boys, sagt über sie eigent­lich nur wenig aus, denn App­les finan­zi­el­ler Erfolg hat­te immer schon mehr mit Ver­mark­tung als mit Tech­nik zu tun. (War­um man die Cloud nicht als Zukunft der Daten­kom­mu­ni­ka­ti­on betrach­ten soll­te, habe ich unter ande­rem hier schon ein­mal erläu­tert, ansons­ten bringt es auch xkcd heu­te auf den Punkt.)

Erst kürz­lich dis­ku­tier­te ich off­line dar­über, inwie­fern Apple sich von den Mit­be­wer­bern abhebt. Man führ­te an, sie wür­den eben alles anders machen.
So?

Cloud­diens­te sind nicht neu, Drop­box gibt es auch nicht erst seit ges­tern. Als „Inno­va­ti­on“ wird geprie­sen, dass die­se Diens­te eng mit dem Betriebs­sys­tem ver­zahnt wer­den. Dass Micro­soft mit Win­dows Live Mesh und dem zuge­hö­ri­gen Sky­Drive schon, sozu­sa­gen, seit vie­len Mon­den eine „per­sön­li­che Cloud“ anbie­tet, die man, anders als bei Apple, bei Bedarf instal­lie­ren kann, aber nicht muss, fin­det nur wenig Beach­tung; kein Wun­der, denn so ein Win­dows­ge­rät ist nicht hip und hat kein ange­fres­se­nes Fall­obst hin­ten drauf. Aber als App­le­jün­ger lässt man sich bekann­ter­ma­ßen nur all­zu gern vor­schrei­ben, was man so zu tun und zu nut­zen hat, denn der Reiz von App­le­pro­duk­ten besteht dar­in, dass man auch als Laie ein­fach nur sab­bernd davor sit­zen muss und der Rest pas­siert qua­si von allein. Reizend.

Und was haben wir denn da noch so an Innovationen?

zahl­rei­che in iOS 5 inte­grier­te Fea­tures, die man in abge­wan­del­ter Form bereits von Apps her kennt, wie z.B. das Chat-Tool iMes­sa­ge, Bild­be­ar­bei­tungs­op­tio­nen oder eine Funk­ti­on, um Arti­kel zum spä­te­ren Lesen vorzumerken

Wenn Micro­soft das machen wür­de, wäre es Ideen­klau, wenn Apple das macht, klat­schen alle. :mrgreen:

Ob zu die­sen abge­wan­del­ten fea­tures wohl auch Goog­le Lati­tu­de zählt?

iPho­ne und iPads (mit GPS) wer­den (…) in der Lage sein, eine Benach­rich­ti­gung anzu­zei­gen, wenn man sich an einem bestimm­ten, zuvor defi­nier­ten Ort befin­det. Sehr cool!

Aber so was von cool! Lei­der sogar auf iPho­nes längst ein alter Hut.

Wei­ter:

iMes­sa­ge heißt der neue, in iOS 5 inte­grier­te Chat­ser­vice, mit dem sich text­ba­sier­te Ein­zel- und Grup­pen­kon­ver­sa­tio­nen mit ande­ren iPho­ne- und iPad-Eigen­tü­mern füh­ren lassen.

Sehr schön; damit hat Apple dann mal eben einen wei­te­ren pro­prie­tä­ren, auf iOS beschränk­ten instant mes­sen­ger ent­wi­ckelt, der tech­nisch unge­fähr das­sel­be tut wie das für mehr Platt­for­men ver­füg­ba­re Whats­App, wobei es noch abzu­war­ten bleibt, ob Whats­App (wie auch Goog­le Lati­tu­de) unter iOS 5 noch lan­ge lauf­fä­hig sein wird. Apple ent­schei­det so was ja immer eher spontan.

Und weil jedes neue Apple­sys­tem auch irgend­ein hüb­sches Kli­ckibun­ti-fea­ture haben muss, das die Leu­te zum Stau­nen bringt, hat Apple auch noch eine ober­fläch­li­che Inno­va­ti­on parat, die uns Android-Nut­zer selbst­ver­ständ­lich sofort unser Spiel­zeug weg­wer­fen und ein iPho­ne kau­fen lässt:

iOS 5 erhält ein eige­nes Menü, in dem alle ein­tref­fen­den Push-Nach­rich­ten gelis­tet wer­den. Zugriff auf die­se Über­sicht erhält man, indem man mit dem Fin­ger am obe­ren Rand des iPho­ne-/iPad-Dis­plays nach unten „swipt“.

Tja: „Wenn du kein iPho­ne hast, dann hast du kein iPho­ne“, und dein gesell­schaft­li­cher Abstieg ist unvermeidlich.
Für das kom­men­de iPho­ne 5 ist noch kein Ver­kaufs­mot­to bekannt. Ob sie das wohl unterüber­bie­ten können?

PolitikIn den Nachrichten
Die All­ge­gen­wart vir­tu­el­ler Lebensräume

Die­ser Tage liest man mit­un­ter, in Frank­reich sei die Erwäh­nung von Face­book und Twit­ter in Rund­funk­me­di­en nun unter­sagt, und obwohl das nur die hal­be Wahr­heit ist, denn es ist ledig­lich nicht mehr gestat­tet, gezielt auf sen­der­ei­ge­ne „Pro­fi­le“ dort zu ver­wei­sen, lässt mich das doch erneut über den Demo­kra­tie­be­griff des Herrn Sar­ko­zy nachdenken.

Vor allem aber wirft es die Fra­ge auf, war­um aus­ge­rech­net Face­book und Twit­ter die öffent­li­che Dis­kus­si­on der­art beherr­schen, dass über­haupt sol­che Schrit­te nötig sind.

Twit­ter ist dabei eigent­lich noch ziem­lich harm­los, wenn­gleich sich die Aus­rich­tung von „Was machst du gera­de?“ zu „Was gibt’s neu­es?“ ver­scho­ben hat und es also nicht mehr dar­um geht, der Welt­öf­fent­lich­keit mit­zu­tei­len, dass man gera­de drin­gend kacken muss, son­dern dar­um, der Welt­öf­fent­lich­keit mit­zu­tei­len, dass es drau­ßen gera­de gewit­tert, was natür­lich ein gera­de­zu unfass­ba­rer Mehr­wert ist, aber immer­hin noch in der Gren­ze von 140 Zei­chen blei­ben muss, es sei denn, man schreibt sei­ne Gedan­ken auf eine exter­ne Inter­net­sei­te und setzt nur noch den Ver­weis dar­auf in Twit­ter, aber dann kann man es eigent­lich auch ganz las­sen. Ich mei­ner­seits nut­ze Twit­ter außer zum Ver­lin­ken von Tex­ten, die ich umfas­sen­der zu betrach­ten gera­de zu faul bin, und für gele­gent­li­che Schwätz­chen pri­mär für über­aus fla­che Wort­spie­le, die für einen eige­nen Arti­kel hier auch optisch ein­fach viel zu kurz wären; sozu­sa­gen als „Mikro­blog“.

Das Schö­ne bei Twit­ter ist, dass einem dort in der Regel kein ver­meint­li­cher „Freund“ auf den Zei­ger geht, man möge sich doch bit­te mit Leu­ten, die man nicht mal aus­ste­hen kann, befreun­den, von gele­gent­li­chen „Emp­feh­lun­gen“ („Fol­lo­wing Fri­day“) ein­mal abge­se­hen. Es ist schlicht zweck­los, über ein sol­ches Por­tal vir­tu­el­le Freun­des­krei­se aufzubauen.

Ganz anders Face­book. Face­book ist trotz all der daten­schutz­recht­li­chen und sons­ti­gen Unver­schämt­hei­ten, die es sei­nem Benut­zer­kreis zumu­tet (hier­zu zählt seit neu­es­tem auch kon­text­be­zo­ge­ne Wer­bung, wie sie bei Goog­le Mail anschei­nend auch noch nie einen Benut­zer ernst­lich in Auf­re­gung ver­setzt hat), eine Art Fax des 21. Jahr­hun­derts. War es vor unge­fähr einem Jahr­zehnt noch mit oft erheb­li­chem Mehr­auf­wand ver­bun­den, ohne Fax­ge­rät geschäft­li­che Kor­re­spon­denz zu füh­ren, gilt man nun als gesell­schaft­li­cher Außen­sei­ter, wenn man das Gesuch, wei­te­re Infor­ma­tio­nen via Face­book aus­zu­tau­schen, abschlä­gig beschei­det. Dabei ist es voll­kom­men uner­heb­lich, ob man über­haupt dort ange­mel­det ist oder sein Benut­zer­kon­to viel­leicht aus bestimm­ten Grün­den nicht zur Inter­ak­ti­on mit Hinz und Kunz, obwohl die­se bei­den Prot­ago­nis­ten sich ja eines gro­ßen Bekann­ten­krei­ses sicher sein kön­nen, nut­zen möch­te. Die­ses Phä­no­men immer­hin war bei Myspace, einst selbst „sozia­les Netz­werk“, heu­te noch immer unein­ge­schränkt emp­feh­lens­wer­te Musik­platt­form, trotz gele­gent­li­cher Ten­den­zen nie zu beob­ach­ten. Dabei ist Face­book eigent­lich gar nicht all­zu weit von Twit­ter ent­fernt. Die Sta­tus­mel­dun­gen kön­nen 140 Zei­chen über­schrei­ten, hoch­ge­la­de­ne süße Kat­zen­ba­by­fo­tos las­sen sich kate­go­ri­sie­ren, das war es eigent­lich schon. Und um so ein eigent­lich weit­ge­hend sinn­lo­ses „Gedöns“ (Ger­hard Schrö­der, c/o SPD) wird so ein Tra­ra gemacht?

Es gibt unzäh­li­ge Mög­lich­kei­ten, mit Per­so­nen über das Inter­net in Kon­takt zu tre­ten. E‑Mail gibt es schon län­ger als vie­le Face­book­nut­zer über­haupt leben, und dank der Ver­brei­tung von instant mes­sa­ging (ICQ, MSN, Y!IM, AIM, Jab­ber und was es nicht alles gibt) sind auch Echt­zeit­un­ter­hal­tun­gen, selbst in Grup­pen, längst kein Pro­blem mehr. Wofür also all die­ser Qua­si­zwang, einen wei­te­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal stän­dig zu beob­ach­ten, falls womög­lich jemand Inter­es­se dar­an haben soll­te, Kon­takt mit mir auf­zu­neh­men? Es ähnelt sehr der „Bit­te um Rück­ruf“: Den eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wunsch wan­delt man in eine Hand­lungs­pflicht für den­je­ni­gen um, mit dem man zu kom­mu­ni­zie­ren wünscht, und schämt sich meist nicht ein­mal dafür.

Mit Face­book ver­hält es sich wie mit den *VZ-Net­zen: Die Freun­de sind da, also muss man auch da sein und sich natür­lich umge­hendst mit ihnen „ver­net­zen“, als wür­de der Freun­des­kreis sonst ohne einen statt­fin­den. Ich drü­cke es mal pro­vo­ka­tiv aus: Wer dar­auf ange­wie­sen ist, mit sei­nem „Freun­des­kreis“ über irgend­wel­chen „sozia­len“ Inter­net­kram in Kon­takt zu tre­ten, der soll­te sei­ne gesell­schaft­li­che Stel­lung kri­tisch beäu­gen und ver­su­chen, sie ent­spre­chend zu bes­sern. Wer jeden­falls mich im real life, im „wirk­li­chen Leben“, dar­um bit­tet, ihn zum Zwe­cke etwa­igen Mei­nungs­aus­tau­sches auf irgends­o­ei­ner „Platt­form“ zu mei­nen Freun­den zu erklä­ren, ist jemand, des­sen Eig­nung zum Freund es mei­ner­seits zu hin­ter­fra­gen gilt.

Natür­lich gibt es auch Men­schen, die von Berufs wegen auf eine vir­tu­el­le Zweit­exis­tenz qua­si ange­wie­sen sind und wegen irgend­wel­cher Ver­pflich­tun­gen dort auch bes­ser erreich­bar, womög­lich kom­mu­ni­ka­ti­ver sind als nach Fei­er­abend in ansons­ten gewohn­ter Umge­bung. Dazu zäh­len aber nur weni­ge Ver­tre­ter der genann­ten Grup­pe, und es ist anzu­neh­men, dass sie die Tren­nung zwi­schen Online und Off­line wohl zu voll­zie­hen wis­sen. Wer aber sei­ne Freun­de anhand ihres Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­tens auf irgend­wel­chen Inter­net­sei­ten bewer­tet und gege­be­nen­falls aus­siebt, wird das spä­tes­tens dann bereu­en, wenn er einen ech­ten Freund bit­ter nötig hat. Ein Chat lin­dert nicht jedes Her­ze­leid, nicht jeder Chat­freund wür­de im Not­fall auch nachts mit Rat und Tat zur Sei­te stehen.

(Und wer eine Bezie­hung erst dann als geschei­tert akzep­tiert, wenn der ehe­ma­li­ge Part­ner auf Face­book „nicht mehr in einer Bezie­hung“ ist, soll­te bei­zei­ten dar­über nach­den­ken, was ihm im Leben eigent­lich wich­tig ist.)

Es ist zu befürch­ten, dass sich erst dann, wenn Face­book das glei­che Schick­sal erlei­det wie Myspace, näm­lich die Kon­kur­renz sei­tens eines neu­en, noch tren­di­ge­ren „sozia­len Net­zes“ mit noch bun­te­ren Bil­dern drin, all die­je­ni­gen, die die Alter­na­ti­ven „Werd mein vir­tu­el­ler Freund oder geh kacken“ für selbst­ver­ständ­lich hal­ten, ver­ge­gen­wär­ti­gen, dass sie womög­lich doch etwas falsch gemacht haben; und weni­ge Tage spä­ter wird es dann hei­ßen: „Face­book? Das nutzt eh kei­ner mehr. Komm zu Neu­e­sTol­les­Por­tal, da sind jetzt alle, nur du noch nicht!“

Ich beob­ach­te das Trei­ben der­weil amü­siert und nicht ohne Stolz, denn für mei­ne sozia­len Kon­tak­te bin ich seit über einem Jahr­zehnt auf die glei­che Wei­se erreich­bar. Über die Jah­re kamen zwar neue Wege hin­zu, aber ich habe die alten Brü­cken nicht abge­ris­sen. Ein Wesen der Freund­schaft, sagt der Wei­se, sei die Bestän­dig­keit. Wohl wahr.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLVIII: Kalt erwischt!

Es wird Sommer:

Am Sonn­tag muss­ten in Thü­rin­gen Pas­sa­gie­re von zwei ICEs ihren Zug ver­las­sen, weil bei hoch­som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren Kli­ma­an­la­gen aus­ge­fal­len waren. (…) Der Per­so­nen­ver­kehrs­vor­stand der Bahn, Ulrich Hom­burg, hat­te im Mai ange­kün­digt, dass mit meh­re­ren Maß­nah­men die Wahr­schein­lich­keit eines Defekts „sehr deut­lich redu­ziert“ wer­den soll. Die Bahn wol­le bis 38 Grad Außen­tem­pe­ra­tur einen sta­bi­len Betrieb der Kli­ma­an­la­gen gewährleisten.

Dass ange­sichts bekann­ter Pro­ble­me bei som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren schon im Juni das Übli­che pas­siert, lässt mich an der Reduk­ti­on dann doch zweifeln.

Aber man kennt das ja: Die Bahn ist auf jah­res­zeit­ty­pi­sche Tem­pe­ra­tu­ren eben nicht vor­be­rei­tet. Apple-Kun­den trifft das dann sogar dop­pelt: Sie kön­nen nicht mehr wei­ter­fah­ren und sich dann noch nicht mal ein Taxi rufen, weil ihr iPho­ne den Dienst eben­falls quit­tiert … :mrgreen:

Nerdkrams
FaceNiff: Fires­heep für unterwegs

Im Herbst 2010 gab es zahl­rei­che Berich­te, unter ande­rem auf ZEIT ONLINE und natür­lich auf den übli­chen Nerd­por­ta­len, über die Fire­fox-Erwei­te­rung „Fires­heep“, die im loka­len WLAN sämt­li­che im Klar­text über­tra­ge­nen Log­in­coo­kies (unter ande­rem für Twit­ter, das Visa­gen­buch und *vz) abfan­gen und auf­lis­ten kann, so dass man sozu­sa­gen per Klick die vir­tu­el­le Iden­ti­tät der jewei­li­gen Per­son über­neh­men kann.

Natür­lich brauch­te man dafür immer noch ein gewis­ses tech­ni­sches Ver­ständ­nis, unter ande­rem war die Benut­zung auf Win­dows mit dem WinPcap-Trei­ber sowie auf Mac OS X beschränkt, aber die Erwei­te­rung zeig­te, dass der sorg­lo­se Umgang mit „sozia­len Net­zen“ schnell nach hin­ten los­ge­hen kann. Dabei haben die meis­ten „angreif­ba­ren“ „sozia­len Net­ze“ längst eine Opti­on, immer eine ver­schlüs­sel­te Ver­bin­dung („Ver­wen­de HTTPS“ o.s.ä.) zu benut­zen, in die­sem Fall ist zumin­dest das Abfan­gen von Coo­kies nicht mehr pro­blem­los mög­lich, nur wird die­se in der Regel eben­so­we­nig benutzt wie die Fire­fox-Erwei­te­rung HTTPS Ever­y­whe­re, die das sozu­sa­gen „von außen“ über­nimmt und auch die Wiki­pe­dia und ähn­li­che Por­ta­le unterstützt.

Viel­leicht liegt es an der tech­ni­schen Unbe­darft­heit die­ser Per­so­nen, viel­leicht auch ein­fach dar­an, dass die ach-so-nütz­li­chen Benut­zer­skrip­te wie etwa „Bet­ter Face­book“, „Bet­ter Ama­zon“ usw. sich mit einer ver­schlüs­sel­ten Ver­bin­dung oft nicht ver­tra­gen und Kli­ckibun­ti nun mal wich­ti­ger ist als Sicherheit?

Zwar scheint bei Fires­heep schon seit län­ge­rem kei­ne Wei­ter­ent­wick­lung mehr statt­zu­fin­den, Fire­fox 4 oder höher wird zum Bei­spiel eben­so­we­nig unter­stützt wie Linux oder gar ande­re Brow­ser, aber seit mit­tels die­ser Erwei­te­rung das grund­le­gen­de Sicher­heits­pro­blem, das Coo­kies mit sich brin­gen, (end­lich) Auf­merk­sam­keit auch in der weni­ger tech­nik­af­fi­nen Öffent­lich­keit erfah­ren hat­te, war es nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis eine ähn­lich kom­for­ta­ble Lösung die­se Miss­stän­de beseitigt.

Und die­se Lösung heißt FaceNiff.

FaceNiff ist eine Android-Anwen­dung (auf Neu­deutsch app genannt), die, wie vie­le ande­re apps auch, ledig­lich ein geroo­te­tes (auf App­le­deutsch „geja­ilb­re­ak­tes“) Android-Gerät vor­aus­setzt und fort­an die glei­che Tätig­keit ver­rich­tet wie Fires­heep: Das WLAN, in dem man sich der­zeit her­um­treibt, wird auf die Über­tra­gung von Sit­zungs­ken­nun­gen bekann­ter Diens­te – der­zeit You­Tube, Amazon.com, Twit­ter, Face­book und Nas­za-Kla­sa, was immer das schon wie­der ist – über­wacht. Gefun­de­ne Sit­zun­gen wer­den dann bequem zur Aus­wahl und Nut­zung aufgelistet.

Um aller­dings ein Miss­ver­ständ­nis auf­zu­klä­ren: Das Sicher­heits­pro­blem ist kei­nes­falls bei den Diens­ten selbst zu suchen, son­dern in dem Leicht­sinn, ein WLAN mit unbe­kann­ten – womög­lich unlieb­sa­men – Zeit­ge­nos­sen zu tei­len. Immer­hin ist selbst eine SSL-Unter­stüt­zung geplant, so dass auch in gesi­cher­ten Ver­bin­dun­gen, sofern ich das nun rich­tig ver­stan­den habe, Pass­wör­ter direkt aus­ge­le­sen wer­den kön­nen. Tat­säch­lich ist schon die Ein­wahl in ein WLAN, das man nicht selbst admi­nis­triert, nur mit Vor­sicht zu genie­ßen, besteht doch kei­ne Garan­tie, dass der jewei­li­ge Zugriffs­punkt nicht jede Ver­bin­dung mit­schnei­det und gege­be­nen­falls das­sel­be tut wie eben Fires­heep und FaceNiff. (Die recht­li­chen Aspek­te sol­cher Tech­ni­ken sei­en hier ein­mal nicht wei­ter beach­tet, dass die beab­sich­tig­te Über­nah­me von Benut­zer­kon­ten Drit­ter nicht all­zu gern gese­hen wird, soll­te aber selbst­ver­ständ­lich sein.)

(via Ant­a­ry)

Sonstiges
Kom­men­tier­te Kleinanzeigen

Aus dem „Helm­sted­ter Blitz“ vom 1. Juni 2011:

An Andrea B.! Hallo, mein Schatz. Heute sind wir genau 4 Jahre zusammen und statt ein Geschenk, schreibe ich dir diese Zeilen und will dir damit sagen, dass ich dich über alles Liebe und dich nicht mehr her gebe. Dein Schatz Martin P.

Nun gibt es eigent­lich drei Mög­lich­kei­ten, belie­big kombinierbar:

  1. Die Frau freut sich total über die­sen Text.
  2. Die Frau schämt sich, so in den Mit­tel­punkt des öffent­li­chen Inter­es­ses gerückt wor­den zu sein (nor­ma­ler­wei­se möch­te man das als Frau ja dann doch lie­ber selbst bestim­men), oben­drein in einer der­art grot­ti­gen Recht­schrei­bung, und wird das wei­te­re Zusam­men­blei­ben an die Bedin­gung knüp­fen, nie wie­der in irgend­ei­ner Zei­tung genannt zu werden.
  3. Die Frau hät­te doch lie­ber das Geschenk gehabt.

Ich tip­pe auf letz­te­re Möglichkeit.

Suche eine Partnerin ab 60 J. für eine gemeinsame Zukunft, bin 58 J., 152cm groß, Figur unwichtig, kein Abenteuer.

Haupt­sa­che, reif und kna­ckig. :mrgreen:

Alter­na­tiv dann übri­gens so:

Witwer 72 J., sucht Bekanntschaft zw. 63-71 J.

Ich fra­ge mich ja, ob die­se Her­ren frü­her in der Dis­ko­thek die jewei­li­gen Objek­te ihrer Begier­de auch immer erst nach dem Geburts­da­tum gefragt haben. (Nach dem der Objek­te selbst­ver­ständ­lich; bezie­hungs­wei­se ab einem gewis­sen Alter und/oder Alko­hol­pe­gel dann nach dem eigenen.)

Die­se Schie­ber­ban­den wer­den auch immer dreis­ter. :D

(Dan­ke an D.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Schlim­me Folgen

Oh, stimmt, in Grie­chen­land war ja auch was, das wur­de vor lau­ter Por­tu­gal bei­na­he ver­ges­sen. Aber die BILD kann noch so sehr her­um­tö­nen, direkt „plei­te“ sind die Grie­chen ja anschei­nend nicht:

Er warnt vor schlim­men Fol­gen: Der grie­chi­sche Finanz­mi­nis­ter Papa­con­stan­ti­nou rech­net mit einer Kata­stro­phe für die Wirt­schaft sei­nes Lan­des, soll­te Grie­chen­land kei­ne wei­te­ren Kre­di­te mehr bekom­men. Deutsch­land hat­te dem Staat mit einem Zah­lungs­stopp gedroht. (…) Die Fol­ge wäre ein „sehr hef­ti­ges und schnel­les Schrump­fen“ der grie­chi­schen Wirtschaft, (…).

Jetzt mal lang­sam zum Mit­den­ken für mich in Sachen Wirt­schaft eher unbe­leck­ten Zeitgenossen:
Die grie­chi­sche Wirt­schaft wird „schrump­fen“ wie der Bedarf an Eulen in Athen, wenn die ande­ren Län­der ihre Zah­lun­gen ein­stel­len, zu denen sie sich nur des­halb über­haupt ent­schlos­sen haben, weil die grie­chi­sche Wirt­schaft schrumpfte?

Die „schlim­men Fol­gen“ sind abseh­bar: Auf­grund der dann wie­der­um gesun­ke­nen Kauf­kraft des Staa­tes Grie­chen­land wird er die übri­gen Mit­glieds­staa­ten der „Wäh­rungs­uni­on“ – mit Dackel­blick, ver­steht sich – um einen klei­nen Kre­dit („Not­hil­fe“) bit­ten, natür­lich nur, bis sich die Wirt­schaft wie­der erholt hat …:

Inzwi­schen meh­ren sich Spe­ku­la­tio­nen, dass Grie­chen­land trotz­dem ab 2012 wei­te­re Kre­di­te benö­ti­gen könn­te. Eine zwei­te Not­hil­fe über rund 60 Mil­li­ar­den Euro könn­te nötig sein.

Schon toll, so eine Währungsunion.

Musik
Gent­le Giant 1978: Nach­trag zur Inselmusik

Der Name „Gent­le Giant“ fiel hier schon des Öfte­ren, zuletzt in mei­nem Bei­trag über „Insel­mu­sik“. Dabei erwähn­te ich unter ande­rem auch bereits, dass die­se Musi­ker gegen Ende ihrer Kar­rie­re beschlos­sen hat­ten, sich mehr an der damals ver­brei­te­ten Rock­mu­sik als an der für ange­staubt gehal­te­nen „Barock’n’Roll“-Musik, wie es ein ita­lie­ni­scher Fern­seh­sen­der weni­ge Jah­re zuvor nann­te, zu ori­en­tie­ren. Ent­spre­chend waren ihre Live­auf­trit­te zwar ener­ge­ti­scher (womög­lich hek­ti­scher), dar­un­ter aber litt das Zusam­men­spiel in kom­ple­xen Pas­sa­gen, immer­hin waren Gent­le Giant dafür bekannt, mit einem gro­ßen Arse­nal an Musik­in­stru­men­ten die Büh­ne zu betre­ten und die­se (die Instru­men­te, nicht die Büh­ne) oft mehr­fach pro Lied zu wechseln.

Des­sen unge­ach­tet ent­hält das BBC-Kon­zert von 1978 ver­mut­lich eine der bes­ten Live­ver­sio­nen des Stü­ckes „Free Hand“ vom gleich­na­mi­gen Album:

Gent­le Giant BBC 1978 – Free Hand

Schön, einen Mon­tag so begin­nen las­sen zu können.
Ich wün­sche gute Unterhaltung.

PersönlichesFotografie
Mief (außer­dem: Crap­py chips)

Und als ich also im Rah­men ernst­haf­ter Ver­eins­ar­beit den all­jähr­li­chen Floh­markt mit sich ört­lich anschlie­ßen­der Auto­mo­bil­aus­stel­lung auf­such­te und dabei unter ande­rem einem Hund mit lackier­ten Fuß­nä­geln begeg­ne­te, frag­te ich mich zweierlei:

  • Ist „i‑Miev“ nicht ein denk­bar blö­der Name für ein doch vor­geb­lich schad­stoff­ar­mes Auto­mo­bil? (Vgl. hier­zu den – lus­ti­ger Zufall – Mitsu­bi­shi Paje­ro.)

  • Wor­aus genau bestehen eigent­lich Krappenchips? 

(Wenigs­tens teil­wei­se rich­tig hat es ja da der Unbe­kann­te gemacht, der im loka­len Super­markt den anste­hen­den Ver­kauf eines Mikro­fons, „wo man mit sin­gen kann“, annon­cier­te, gemacht. Lei­der war ich in Eile, ich hät­te näm­lich wirk­lich sehr gern von dem Ange­bot Gebrauch gemacht, denn ich kann angeb­lich nicht son­der­lich gut sin­gen. Und danach kau­fe ich mir ein Tam­pon, denn damit kann ich rei­ten und schwim­men und Rad fah­ren, sagt die Werbung.)

(Dan­ke an D.!)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLVII: Die SPD und ande­re Gurken

Gur­ken I:

Welt.de zum Ersten:

EHEC soll gefähr­li­cher sein als die Schweinegrippe.

Heißt das, dies­mal ist es echt gefähr­lich?


Gur­ken II:

Welt.de zum Zweiten:

Erst­mals seit 1906 hat die SPD wie­der weni­ger als 500.000 Mit­glie­der. Par­tei­chef Sig­mar Gabri­el räumt ein, die Par­tei sei „nicht mehr so nah an den Menschen“.

Nicht mehr „so nah“ an den Men­schen. Gut gesagt.


Gur­ken III:

Wer jetzt nach dem Zitat oben ver­se­hent­lich glaub­te, Sig­mar Gabri­el sei nach Jah­ren mal wie­der ein SPD-Vor­sit­zen­der, der ver­stan­den hat, war­um die SPD nie­mand mehr braucht, der hat sich geirrt.

SPIEGEL Online nämlich:

Laut Par­tei­chef Gabri­el liegt der Mit­glie­der­schwund nicht an den Inhal­ten, son­dern am demo­gra­fi­schen Wan­del. (…) Es gebe (…) weit mehr Todes­fäl­le als Neueintritte. 

Und so ein demo­gra­fi­scher Wan­del, der weni­ger Neu­ein­trit­te mit sich bringt, voll­zieht sich bekannt­lich von allein und hat natür­lich nichts mit irgend­wel­chen Inhal­ten zu tun. :mrgreen:

Nerdkrams
Inter­net Explo­rer 9: Kann man machen.

(Vor­be­mer­kung: Ich benut­ze seit Jah­ren bei­na­he aus­schließ­lich Mozil­la Fire­fox und sehe kei­nen trif­ti­gen Grund zum Umstieg.)

Im Dezem­ber 2006 schrieb ich über den Inter­net Explo­rer 7, er sei, zumin­dest gemes­sen an sei­nen direk­ten Vor­gän­gern, „eine sehr brauch­ba­re Erfindung“.

Inzwi­schen hat Micro­soft, wie üblich meh­re­re Jah­re zu spät, dann wohl doch noch mit­be­kom­men, dass sich das Inter­net nur sel­ten danach rich­tet, was ein ein­zi­ger Kon­zern gern hät­te, und mit dem Inter­net Explo­rer 9 eine noch brauch­ba­re­re Erfin­dung vor­ge­legt; anders gesagt: Der Inter­net Explo­rer 9 ist seit dem Ende des „Brow­ser­kriegs“ der ers­te Inter­net Explo­rer, den ich als zumin­dest zum Teil kon­kur­renz­fä­hig anse­hen würde.

(Zur Ori­en­tie­rung etwas Sta­tis­tik: Etwa ein Fünf­tel der Besu­cher hier ist mit dem Inter­net Explo­rer oder einem dar­auf basie­ren­den Brow­ser, etwa Max­thon, unter­wegs.)

Die übli­che Häme von Blog­gern wie Caschy war eigent­lich abzu­se­hen, letzt­end­lich dürf­te es ohne­hin unmög­lich sein, einen Brow­ser zu nut­zen, gegen den nie­mand etwas ein­zu­wen­den hat, weni­ger egal sind aller­dings Kom­men­ta­re wie die­ser hier von „Sputnik4182“:

Ich wer­de IE sowie­so nicht nut­zen auch wenn die mor­gen Ver­si­on 25 rausbringen.

Ich per­sön­lich fin­de als Web­mas­ter-Ama­teur schon allein ein unding, das Brwo­ser (wel­che auch immer) sich nicht an die Vor­ga­ben der jewei­lie­gen Kon­sor­ti­en hal­ten müssen.

(…)

Das ist doch aales Quatsch, das man als Web­de­si­gner 50 ver­schie­de­ne Cracks in die pro­gram­mie­rung ein­bau­en soll, das die Web­site spä­ter auch wirk­lich unter Win­dows 3.11 im IE 1 rich­tig dar­ge­stellt wird.

Der Anony­mus hat sich den Brow­ser anschei­nend nie ange­se­hen, was er auch selbst frei­mü­tig zugibt, lässt es sich aber nicht neh­men, noch ein wenig sei­ner prin­zi­pi­el­len Abnei­gung gegen den Inter­net Explo­rer im All­ge­mei­nen wort­reich Aus­druck zu verleihen.

Ja, wir web­wor­ker hat­ten wäh­rend der ver­gan­ge­nen Jah­re viel Freu­de dar­an, unse­re Web­sei­ten so zu bas­teln, dass sie auf dem Bild­schirm mög­lichst weni­ger Leu­te schreck­lich falsch ange­zeigt wird. Das liegt natür­lich auch an der Ver­brei­tung des Inter­net Explo­rer 6, der blö­der­wei­se unter ande­rem in Behör­den noch immer nur sel­ten aus­ge­wech­selt wird, aber wel­cher Brow­ser hat es je anders gemacht?

Schon der Net­scape Com­mu­ni­ca­tor (Jün­ge­re kön­nen sich ihn als eine Art Uralt-Sea­M­on­key vor­stel­len) hat­te ein paar Eigen­ent­wick­lun­gen an Bord, etwa frame und das in den 90-er Jah­ren lei­der recht belieb­te blink. Die Zei­ten sind vor­bei, sagt ihr, weil HTML5 ohne­hin alles stan­dar­di­siert? Dann wün­sche ich viel Spaß beim Ver­such, zum Bei­spiel ein­ge­bun­de­ne Vide­os in allen „gro­ßen“ Brow­sern glei­cher­ma­ßen anzu­zei­gen, denn das wird schei­tern; unter ande­rem des­halb, weil Goog­le – übri­gens auch so ein Kon­zern, der im Inter­net lie­ber die eige­nen Stan­dards statt der ner­vi­gen W3C-Vor­ga­ben nut­zen wür­de – neben­bei noch ein eige­nes Video­for­mat (VP8, im Wesent­li­chen eine defek­te Alter­na­ti­ve zum eben­falls frei­en Ogg Theo­ra) zu eta­blie­ren versucht.

Was ansons­ten HTML5, ECMA­Script, CSS3 und ähn­li­che eta­blier­te Stan­dards betrifft, so hat der Inter­net Explo­rer 9 deut­lich auf­ge­holt: Das Ergeb­nis des viel zitier­ten (und tra­di­tio­nell pra­xis­fer­nen) Aci­d3-Tests liegt mit 95 von 100 Punk­ten nur wenig unter dem Fire­fox 4 (97 von 100 Punk­ten) und dürf­te somit die Brow­ser vori­ger Gene­ra­tio­nen deut­lich übertreffen.

Natür­lich befreit all das nicht von der Last, für älte­re, noch ver­brei­te­te Brow­ser, ins­be­son­de­re eben für den Inter­net Explo­rer 6/7, hier und da „Brow­ser­wei­chen“ ein­zu­bau­en, sofern man Wert dar­auf legt, dass auch Benut­zer die­ser Brow­ser nicht vor einer irgend­wie kaputt aus­se­hen­den Sei­te ste­hen und sich wun­dern. Dar­aus aber Vor­wür­fe an die Ent­wick­ler des Inter­net Explo­rer 9 abzu­lei­ten ist fehl­plat­ziert, denn die­ses eine Mal schei­nen sie die Zei­chen der Zeit erkannt zu haben. Sogar die Ver­zah­nung mit Win­dows und ins­be­son­de­re der „Super­bar“, also dem Task­leis­ten­er­satz in Win­dows 7, bekommt end­lich einen prak­ti­schen Nut­zen, indem belie­bi­ge Web­an­wen­dun­gen wie nor­ma­le Pro­gram­me „ange­hef­tet“ wer­den kön­nen. (Ein ähn­li­ches Kon­zept unter­stüt­zen Chro­mi­um und Fire­fox in Form spe­zi­el­ler Tabs.)

Nein, der Inter­net Explo­rer 9 ist wirk­lich nicht übel. Es feh­len zwar auch wei­ter­hin brauch­bar kon­fi­gu­rier­ba­re Wer­be- und Skript­blo­ckier­funk­tio­nen, aber auch Benut­zer von Fire­fox und Chro­mi­um sind dies­be­züg­lich auf geson­der­te Erwei­te­run­gen oder exter­ne Pro­gram­me (lokal oder als Pro­xy) ange­wie­sen; wobei ich per­sön­lich letz­te­re bevor­zu­ge, da ich so nur eine ein­zi­ge Lis­te für das gan­ze Sys­tem pfle­gen muss. Der Ad Mun­cher etwa ver­rich­tet anstands­los sei­nen Dienst auch im Inter­net Explorer.

Ich kann ver­ste­hen, dass Micro­soft im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt vie­le Feh­ler gemacht und so man­che Leu­te – viel­leicht vor­schnell – zu Linux oder zu Mac OS X getrie­ben hat. Was ich aber nicht gut­hei­ßen kann, ist es, dass nun prin­zi­pi­ell auf allem, was die­ses Unter­neh­men ver­öf­fent­licht, her­um­ge­hackt wird.

Für mich als jeman­den, der mit den Unzu­läng­lich­kei­ten von Brow­ser­en­gi­nes qua­si täg­lich zu kämp­fen hat, ist der Inter­net Explo­rer 9 zwar noch immer nicht der Brow­ser der Wahl, aber er zeigt, dass man bei Micro­soft end­lich ver­stan­den hat, war­um dem Brow­ser aus eige­nem Haus immer weni­ger Men­schen Beach­tung schen­ken woll­ten. Ich schät­ze, es wird Zeit, dass ihm die­se Beach­tung wie­der zuteil wird. Die wei­te­re Ent­wick­lung des Inter­net Explo­rers könn­te wie­der inter­es­sant werden.

Ich freue mich ein biss­chen darauf.

PolitikIn den NachrichtenFotografie
Kurz ver­linkt XLVI: Deutsch­land im Stresstest

Ach nee:

Ange­sichts der Fuku­shi­ma-Kata­stro­phe ver­langt die Kanz­le­rin welt­wei­te Stress­tests für Atom­mei­ler. (…) Sie drin­ge auf „höchs­te Stan­dards“ bei den AKW-Stress­tests, nicht nur in Deutsch­land und der EU.

Sicher ist sicher! Obwohl:

Ich möch­te aus gege­be­nem Anlass noch­mal dar­an erin­nern, dass der Aus­lö­ser für die Tscher­no­byl-Kata­stro­phe ein Stress­test war.

Aber Frau Mer­kel hat es auch nicht leicht, steht sie doch sozu­sa­gen stän­dig unter Beschuss:

SPD-Frak­ti­ons­chef Frank-Wal­ter Stein­mei­er atta­ckier­te den außen­po­li­ti­schen Kurs Deutsch­lands mas­siv. „Aus einer respek­tier­ten Füh­rungs­na­ti­on in Euro­pa sind wir in zwei Jah­ren an die Peri­phe­rie gera­ten“, sag­te er in der Debat­te zur Regie­rungs­er­klä­rung. Nir­gend­wo sei­en bei der Koali­ti­on Kon­zep­te oder Initia­ti­ven erkenn­bar. „Das ist Außen­po­li­tik in Lethar­gie“, kri­ti­sier­te der Oppo­si­ti­ons­füh­rer. „Die Welt erwar­tet mehr von uns.“

Ich fin­de, dass die SPD wei­test­ge­hend in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwun­den und uns ein Kanz­ler Frank-Wal­ter Stein­mei­er erspart geblie­ben ist, setzt bereits das rich­ti­ge Zei­chen in der Welt.

Und was erwar­tet so ein erfolg­rei­cher Poli­ti­ker von einem sou­ve­rä­nen Deutsch­land? Genau:

Bemer­kens­wert sei auch, dass US-Prä­si­dent Barack Oba­ma immer noch nicht den Weg zu einem Besuch in Ber­lin gefun­den habe, wäh­rend er längst in vie­len ande­ren EU-Haupt­städ­ten gewe­sen sei.

Die Ehre, dass der Prä­si­dent eines ande­ren Staa­ten­bun­des sich dazu her­ab­lässt, dem sou­ve­rä­nen Deutsch­land, das sich dann natür­lich dank­bar zeigt, von sei­nem gro­ßen Bru­der über­haupt beach­tet zu wer­den, gnä­dig sei­ne Auf­war­tung zu machen. :mrgreen:

Außen­po­li­ti­sche Lethar­gie ist manch­mal doch nicht ver­kehrt; und über­haupt soll­ten mehr Staa­ten wie die Schweiz sein, denn die Schweiz hat weder einen Besuch von Herrn Oba­ma noch von Herrn Stein­mei­er zu befürchten.
Es muss wun­der­bar sein, dort zu leben.

Spaß mit Spam
Aus­ge­wählt!

Anschei­nend fin­det gera­de abge­se­hen vom Towel Day die „Woche der sau­blö­den Spam“ statt.
Der Absen­der des fol­gen­den Schrei­bens, das ich gera­de zufäl­lig ent­deck­te und wohl als Ersatz für einen die­ser „News­let­ter“ erhielt, für die ich mich irgend­wann aus Lan­ge­wei­le mal ange­mel­det hat­te, wür­digt die­se Zeit mehr als nur angemessen:

wir gra­tu­lie­ren Ihnen recht herzlich.

Aber nur recht herz­lich, nicht so rich­tig dol­le herz­lich. Wozu eigentlich?
Ach, ich soll­te erst weiterlesen:

Nach spe­zi­el­ler Aus­wahl wur­de Ihre eMail Adres­se … exklu­siv aus­ge­wählt und Sie haben es GESCHAFFT – SIE sind dabei!

Also fand zuerst die spe­zi­el­le Aus­wahl und dann die Aus­wahl mei­ner E‑Mail-Adres­se statt? Das klingt aber unprak­tisch, den Pro­zess kann man doch sicher optimieren.

Ansons­ten: Juhu, ich habe es geschafft! Ich wur­de erfolg­reich ausgewählt!

Sie wur­den für das Aus­ge­waehl­ter-Gewin­ner Gewinn­spiel qualifiziert

Ein… nun… nahe lie­gen­der Name.
Und was bin ich nun, da ich qua­li­fi­ziert wurde?

und sind damit unter den Auserwählten

… nee, oder?

ROFL

für die End­aus­lo­sung von einem brand­neu­en Mac­Book Air.

Das Mac­Book Air lost aus, oder wie? Und „End­aus­lo­sung“ klingt für mich dann doch schon irgend­wie ein biss­chen nach „End­lö­sung“; und wann fand eigent­lich die Anfangs­aus­lo­sung statt? Mich hat nie­mand auch nur gefragt, ob ich so ein Apfel­ding über­haupt haben möchte.

Neh­men Sie jetzt am Gewinn­spiel teil und kli­cken Sie hier: …

Wie – beides?
Und dür­fen da eigent­lich auch die Leu­te drauf­kli­cken, die nicht aus­ge­wählt wur­den, oder bekom­men die dort nur eine obs­zö­ne Ges­te zu sehen?

Den­ken Sie dar­an, Sie sind einer der weni­gen die aus­ge­wählt wur­den, daher sind Ihre Gewinn­chan­cen beson­ders hoch.

Ich den­ke an nichts ande­res. :mrgreen:
War­um wählt ihr über­haupt erst meh­re­re Leu­te aus und nicht gleich den einen Gewin­ner? Das wür­de eine Men­ge Arbeit und Geld spa­ren, das ihr dann in noch mehr Gewin­ne inves­tie­ren könntet!

Anmel­de­mög­lich­keit für aus­ge­wähl­te Gewin­ner nur mög­lich bis 31.05.2011 23:59 Uhr

Und wenn man dann irgend­wann vom Aus­er­wähl­ten zum Gewin­ner auf­ge­stie­gen ist, muss man sich bei euch auch noch anmel­den, sonst …

Nicht ange­mel­de­te Gewin­ne wer­den neu verlost.

… hat man sich die gan­ze Mühe des Aus­ge­wählt­wer­dens völ­lig umsonst gemacht?
Mit dem Kon­zept wer­det ihr wohl eher nicht viel Erfolg haben. Ihr soll­tet es womög­lich überdenken.

Ich hof­fe, die­sem Text könnt ihr die ent­spre­chen­den Anre­gun­gen ent­neh­men. Bei der Umge­stal­tung wün­sche ich:

Viel Erfolg!

Und gute Reise!