In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LII: Herr Zucker­berg und sein Datenschutz

Qua­si ohne Worte:

Apro­pos Goog­le jeden­falls: Mark Zucker­berg, Face­book-Ober­kas­per und qua­si der Ant­ago­nist Juli­an Ass­an­ges, ist einer der mitt­ler­wei­le über 10 Mil­lio­nen Nut­zer von Goog­le+. Mark Zucker­berg war der hier:

(…) beant­wor­tet Zucker­berg eine wich­ti­ge Fra­ge nicht: War­um zwingt sein Unter­neh­men Men­schen dazu, bestimm­te Infor­ma­tio­nen offen­zu­le­gen, wenn sie wei­ter­hin den Dienst nut­zen wol­len? Schließ­lich könn­te man die Nut­zer wei­ter­hin bewusst ent­schei­den las­sen, was sie im Detail mit aller Welt, was mit aus­ge­wähl­ten Freun­den und was mit nie­man­dem tei­len wollen.

Die­ser Mark Zucker­berg jeden­falls fin­det Daten­schutz so duf­te, dass er erst mal sein Google+-Profil abge­sperrt hat. In den ein­schlä­gi­gen Blogs macht man sich dar­über lus­tig; es kön­ne ja nicht sein, dass der Grün­der von Face­book eine Mög­lich­keit ein­for­dert, die er selbst sei­nen Kun­den ver­wei­gert. Das macht er aber nicht.

Goog­le+ ver­pflich­tet sei­ne Nut­zer eben­so wie Face­book zur Nen­nung ihres Real­na­mens, was für den Ver­mark­tungs­wert der eige­nen Nut­zer­da­ten­bank gewis­se Vor­tei­le haben dürf­te. Auch Mark Zucker­berg kann in Goog­le+ also nicht mit fal­schen Daten auf­tre­ten, ohne einen Aus­schluss zu ris­kie­ren. Apro­pos „Ver­mark­tungs­wert“: Dass Face­books Wer­be­part­ner Ein­blick in Pro­fi­le erhal­ten, wur­de mehr­fach kri­ti­siert. Der Irr­glau­be ent­stand, dass Goog­le, um sich für poten­zi­el­le Google+-Nutzer noch attrak­ti­ver zu machen, von ähn­li­chen Plä­nen Abstand neh­men wür­de. War aber nix:

Künf­tig sol­len Wer­ber bei Goog­le den Zugang zu bestimm­ten Ver­brau­cher­grup­pen kau­fen kön­nen – fein säu­ber­lich nach Inter­es­sen sortiert.

Natür­lich ist das an sich erst mal nicht ver­kehrt, immer­hin steht es jedem Benut­zer frei, zu ent­schei­den, wie detail­liert und wahr­heits­ge­mäß sein Pro­fil aus­ge­füllt sein soll. Unter­neh­men wie Face­book und Goog­le aller­dings leben davon, dass die­sen Grund­satz mög­lichst vie­le ihrer Benut­zer mög­lichst umfas­send igno­rie­ren. Mark Zucker­berg weiß das; Max Mus­ter­mann weiß es aber nicht.

Übri­gens: Zu den „10 Din­gen, die ein Mann nie sagen soll­te und auch nicht pos­ten darf“, gehört angeb­lich außer Skur­ri­li­tä­ten wie „Prös­ter­chen“ oder „Tschüs­s­ikow­ski“ auch das in frei­er Wild­bahn meist in brül­len­der Laut­stär­ke geäu­ßer­te Lach­s­ur­ro­gat „lol“. Ich wür­de es im Inter­es­se mei­ner Hör­fä­hig­keit sehr begrü­ßen, wür­de die­se Infor­ma­ti­on sich auch unter ÖPNV fah­ren­den Her­an­wach­sen­den all­mäh­lich verbreiten.

KaufbefehleMusikkritik
Welt­pin­guin­tag

Obwohl der all­jähr­li­che Welt­pin­guin­tag – tra­di­tio­nell am 22. Febru­ar – von mir die­ses Jahr tra­di­tio­nell ver­schla­fen wur­de und der nächs­te – laut Wal­ter Moers am 11. Novem­ber – noch in qua­si wei­ter Fer­ne liegt, hal­te ich es für ange­mes­sen, das Debüt­al­bum der Jazz-Metal-For­ma­ti­on Welt­pin­guin­tag, deren Key­boar­der Jörg Sand­ner mitt­ler­wei­le „solo“ (in einer sehr frei­en Aus­le­gung des Begriffs „Solo­al­bum“ ) musi­ziert und neben­bei den Ver­trieb von Ton­trä­gern der inzwi­schen lei­der auf­ge­lös­ten Band mit dem sym­pa­thi­schen Namen über­nimmt, hier zu würdigen.

Und ich wür­di­ge mun­ter drauflos:

Bereits 1996, acht Jah­re vor der Grün­dung der ungleich bekann­te­ren Musik­grup­pe „Pan­zer­bal­lett“, kom­bi­nier­te die Ber­li­ner Band „Welt­pin­guin­tag“ Jazz und Metal mit einer gehö­ri­gen Por­ti­on Humor. Das ers­te Stück vom zwei­ten und letz­ten Album „Pin­gui­ne in der Bronx“ heißt zum Bei­spiel „Die Rück­kehr der Stief­schwes­ter des Arbeits­kol­le­gen von King Kong“. Noch Fragen?

Fast ist es da scha­de, dass die fünf Welt­pin­guin­ta­gen­den kei­ne Tex­te zu ihren Lie­dern erson­nen. Aber auch ohne sie ist es ziem­lich erfri­schend, was auf dem Debüt­al­bum aus den Laut­spre­chern erklingt.

21 Stü­cke zeigt mir der CD-Spie­ler an, ver­teilt auf unge­fähr 52 Minu­ten, das sind nicht mal drei Minu­ten im Durch­schnitt, obwohl zwei der Stü­cke die Vier-Minu­ten-Mar­ke über­schrei­ten. Man fasst sich kurz. Das ist gut. Kurz und prä­gnant statt aus­ufernd episch wer­den die Kom­po­si­tio­nen auf den Punkt gebracht. Saxo­phon trifft auf Metal­gi­tar­re, und kaum glaubt man das Prin­zip ver­stan­den zu haben, ist der jewei­li­ge Abschnitt auch schon wie­der so schnell vor­bei, wie er ange­fan­gen hat. Ver­glei­che? Pan­zer­bal­lett, hin und wie­der auch die fin­ni­sche RIO-Band Höy­ry-Kone, die aller­dings auch mal wie­der kei­ner kennt. Welt­pin­guin­tag sind (nun, waren) alles ande­re als langweilig.

Scha­de nur, dass Ama­zon die­se pri­ma Band nur im MP3-For­mat ver­schleu­dern will. Wer hin­ge­gen die CD kauft, bekommt ein hand­schrift­li­ches Dan­ke obendrauf:

Rein­hö­ren kann man unter ande­rem auf Last.fm. Man dre­he hier­für die Laut­stär­ke etwas höher und genie­ße die man­nig­fal­ti­gen Höreindrücke.

Ich wün­sche hier­bei viel Vergnügen.

In den NachrichtenPolitik
Medi­en­kri­tik LIV: Der SPIEGEL und die fünf Prozent

Ich habe es hier schon mehr­mals ange­deu­tet: Um für den SPIEGEL zu schrei­ben, muss man nicht unbe­dingt wis­sen, wovon man eigent­lich spricht.

Dass man sich im Inter­net nicht son­der­lich gut aus­kennt, ist den dor­ti­gen Jour­na­lis­ten, zuge­ge­ben, nicht all­zu nach­tei­lig aus­zu­le­gen, immer­hin ist der SPIEGEL vor­geb­lich ein vor­ran­gig poli­ti­sches Nach­rich­ten­ma­ga­zin, wenn er nicht gera­de, wie etwa in der dies­wö­chi­gen Print­aus­ga­be, das Pri­vat­le­ben von Poli­ti­kern zum Titel­the­ma kürt (und das dann aber auch immer­hin als „unap­pe­tit­lich“ erkennt, so etwa aus­ge­rech­net SPIEGEL Online am Mon­tag die­ser Woche). Dann näm­lich besticht er durch fun­dier­tes Hin­ter­grund­wis­sen und tref­fen­de Ana­ly­sen zur aktu­el­len poli­ti­schen Lage.

Zum Bei­spiel hat das Umfra­ge­insti­tut For­sa jüngst mal wie­der her­um­ge­fragt, was die Leu­te denn gera­de so wäh­len wür­den, wenn sie wäh­len wür­den. Das Ergeb­nis ist nur wenig über­ra­schend: Die alt­be­kann­te Koali­ti­on aus SPD und Grü­nen – sofern sich die­se ergä­be – wür­de die abso­lu­te Mehr­heit errei­chen, CDU/CSU 31 Pro­zent, die F.D.P. mit vier Pro­zent lie­ße man gar nicht erst mit­spie­len, womit der CDU/CSU der, laut SPIEGEL, offen­bar ein­zig mög­li­che Koali­ti­ons­part­ner fehlt, denn eine längst nicht mehr undenk­ba­re Koali­ti­on aus CDU/CSU und den Grü­nen wür­de die lächer­li­chen 47 Pro­zent von „Rot/Grün“ locker über­trump­fen. (Man sieht sehr schön, wie sug­ges­tiv man im Poli­tik­res­sort des SPIEGEL an man­che Fra­gen herangeht.)

Wir fas­sen also zusammen:

Die Uni­on sinkt im Ver­gleich zur Vor­wo­che um zwei Punk­te auf 31 Pro­zent, die FDP gibt einen Punkt ab und liegt mit vier Pro­zent wie­der unter der Fünf­pro­zent­hür­de für den Ein­zug in den Bun­des­tag. Die SPD gewinnt einen Punkt hin­zu und kommt auf 24 Pro­zent. Sie liegt den Anga­ben zufol­ge erst­mals seit Anfang April wie­der vor den Grü­nen, die bei 23 Pro­zent ver­har­ren. Die Lin­ke klet­tert um einen Punkt auf zehn Prozent.

(Her­vor­he­bung, wie meist, von mir.)

Nun gilt es zu über­prü­fen, ob die Leser die­se Zah­len auch ver­stan­den haben. SPD und Grü­ne: 24 + 23 Pro­zent, das ergibt 47 Pro­zent. SPD und Lin­ke: 24 + 10 Pro­zent, das ergibt 34 Pro­zent und ist somit eher unwahr­schein­lich. CDU/CSU (31 Pro­zent) und F.D.P. (nimmt nicht teil) ergibt…?

Uni­on und FDP kom­men zusam­men nur noch auf 35 Prozent

Scha­de – durch­ge­fal­len.

Es wird täg­lich schwie­ri­ger, den SPIEGEL noch zu ver­tei­di­gen. :|

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LI: Zwei Flie­gen mit einer Klappe

Mal ganz blöd gefragt, Alex­an­der Hage­lü­ken, c/o „Süd­deut­sche Zeitung“:

Die ita­lie­ni­sche Regie­rung muss sofort strikt spa­ren und die Euro-Zone dem Land viel Geld zur Ver­fü­gung stel­len. Ansons­ten ist die Gemein­schafts­wäh­rung in Gefahr.

Den Unter­schied zwi­schen „ansons­ten“ und „des­halb“ hat man in Ihrer Jour­na­lis­ten­schu­le aber schon mal durch­ge­nom­men, oder?

Übri­gens: „Wer Ber­lus­co­ni hilft, ret­tet den Euro“. Gut gesagt.
Wer kennt es nicht, das geflü­gel­te Wort von den zwei Flie­gen und der einen Klappe?

Spaß mit Spam
Akti­vie­ren Sie Ihr Veri­fied by Visa – Mas­ter­Se­cu­re Code.

Etwas über­rascht war ich ja schon, dass mich laut Thun­der­bird aus­ge­rech­net die Spar­kas­se anmail­te, hat­te ich doch zeit­le­bens kei­nen pri­va­ten Kon­takt mit ihr. Aber eine Bank hat einem meist etwas Wich­ti­ges zu sagen, und so ist es auch hier der Fall:

Ihre Kre­dit­kar­te wird aus­ge­setzt, weil wir gemerkt haben, haben Sie nicht
Akti­vie­ren Sie Veri­fied by Visa – Mas­ter­Se­cu­re Code.

Akti­vie­ren Sie Veri­fied by Visa – Mas­ter­Se­cu­re Code, um Sie gegen unbe­fug­tes Eink?ufe, wenn shop­pin Online schnell und einfach.

Das ist jetzt aber gemein: Die Spar­kas­se will mei­ne Kre­dit­kar­te irgend­wo aus­set­zen, weil ich nicht akti­viert habe Veri­fied by Visa – Mas­ter­Se­cu­re Code, und das sogar dop­pelt, um mich gegen unbe­fug­ten Ein­kauf, sofern Online­ein­kauf schnell und ein­fach ist.

Das ist nett von der Spar­kas­se, dass sie die Mas­ter­Card von Kun­den ande­rer Ban­ken von Visa veri­fi­zie­ren las­sen will. Man kann ja heut­zu­ta­ge nicht sicher genug gehen. Ich soll­te also schnell han­deln! Nur wie?

Zu Ihrem Schutz haben wir Ihre Kre­dit Waren­korb aus­ge­setzt. So akti­vie­ren Sie Ihre Kar­te her­un­ter­la­den Befes­ti­gung und das For­mu­lar ausf?llen und fol­gen Sie den Anwei­sun­gen zur Aktua­li­sie­rung Ihre Kreditkarte.

Ich muss also ledig­lich die Befes­ti­gung her­un­ter­la­den und das For­mu­lar aus­fül­len und danach den Anwei­sun­gen fol­gen. Wird gemacht! Zwar fin­de ich kei­nen Ver­weis dar­auf, wo ich die­se Befes­ti­gung fin­den kann, aber als Schlau­fuchs, der ich bin, neh­me ich an, im Anhang – eine .html-Datei wur­de mit­ge­sen­det – fin­de ich die ent­spre­chen­de Information.

Tat­säch­lich scheint es sich dabei um das gesuch­te For­mu­lar zu han­deln, das mit gewohnt pro­fes­sio­nel­ler Auf­ma­chung besticht:

Aber halt – was ist das? Man zeigt mir an, Ele­men­te sei­en wegen abge­schal­te­ter Java­Script-Funk­ti­on blo­ckiert wor­den. Ver­zei­hung, mein Fehler!

Mit akti­vier­tem Java­Script sieht die Sei­te schon viel hüb­scher aus, ledig­lich eini­ge wei­te­re Sei­ten­ele­men­te wer­den von einer IP her­un­ter­ge­la­den und ange­zeigt, wie es ein kur­zer Blick in den umständ­lich ver­schlei­er­ten Quell­code zeigt:

Schon viel bes­ser! Und wie ich sehe, wird mei­ne Mas­ter­Card aus­drück­lich eben­falls unter­stützt. Erleich­tert also tip­pe ich die gefor­der­ten Daten ein, kli­cke auf „Wei­ter -»“ und gelan­ge auf sparkasse.de. Anschei­nend wur­de mein Anlie­gen also erfolg­reich über­mit­telt. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Mei­ne Kre­dit­kar­te ist geret­tet, noch bevor sie mei­ne Karte:

Hin­weis: Wenn nicht von 11. Juli 2011 abge­schlos­sen ist, wer­den wir gezwun­gen sein, Ihre Kar­te, weil sie f?r betr?gerische Trans­ak­tio­nen ver­wen­det wer­den k?nnen.

Dan­ke, lie­be Spar­kas­se! Viel­leicht soll­te ich doch zu euch wechseln.

Wir bedan­ken uns f?r Ihre Koope­ra­ti­on in die­ser Angelegenheit.

Gern gesche­hen! :)


(Ver­mut­lich ange­brach­ter Hin­weis: Vom Öff­nen von Datei­an­hän­gen zwei­fel­haf­ter Her­kunft ist ohne vor­he­ri­ge (!) gründ­li­che Über­prü­fung ihres Inhalts abzu­ra­ten. Und wer ernst­haft glaubt, sei­ne Bank wür­de per Mail sei­ne Kre­dit­kar­ten­da­ten erfra­gen, muss sich nicht wun­dern, wenn ihn das teu­er zu ste­hen kommt.)

Montagsmusik
Them – Gloria

Zur Auf­lo­cke­rung mal wie­der ein Stück Musik aus einer längst ver­gan­ge­nen Epoche.

Aus heu­ti­ger Sicht bemer­kens­wert sind zwei Dinge:

Klei­dung und Habi­tus der meis­ten betei­lig­ten Musi­ker wir­ken weni­ger künst­lich als bei vie­len der heu­ti­gen Rock­bands, und es gab tat­säch­lich schon Leu­te, die sol­cher­lei raue, unge­schlif­fe­ne Musik zum Mit­klat­schen anreg­te. Bedenkt man, dass in den deut­schen Fern­seh­do­ku­men­ta­tio­nen über frü­he Rock­mu­sik Lie­der wie die­ses meist mit Fil­men von Stra­ßen­schlach­ten zwi­schen Jugend­li­chen illus­triert wur­den, so lässt das eigent­lich ein­zig den Schluss zu, dass bewusst ein fal­sches Bild von uns Musik­freun­den gezeich­net wer­den soll­te; der in obi­gem Video deut­lich zu sehen­de gewalt­be­rei­te Pöbel gefähr­det die Inte­gri­tät des Staa­tes oder so.

Mir soll’s recht sein.

NetzfundstückeNerdkrams
Twit­ter ist das neue Twitter

Da wir gera­de bei Dumm­schwät­zern waren: Wuss­tet ihr schon, dass Twit­ter „tot“ ist? So rich­tig am Ende, kaputt, unbrauch­bar, Schnee von ges­tern? Ich auch nicht.

Wahr ist, dass sich seit der Grün­dung des Diens­tes nicht viel geän­dert hat. Eine neue Ober­flä­che, ein paar fea­tures (Mail­be­nach­rich­ti­gun­gen bei ret­weets), aber kei­ne wirk­li­chen „Inno­va­tio­nen“. Nur: Braucht man die?

Ping ist das neue Face­book. Face­book ist das neue Twit­ter. Goog­le+ ist das neue Twit­ter. Nur Twit­ter ist das ganz nor­ma­le Twit­ter und nicht das tol­le neue Twit­ter. Was man aber in all dem Lob­prei­sun­gen für jeden neu­en Nischen­dienst schnell über­se­hen kann: Es wird gar kein „neu­es Twit­ter“ benö­tigt, das alte funk­tio­niert noch einwandfrei.

Vor allem Goog­le+ sei, so lau­tet der Tenor, eher „wie Twit­ter“ als „wie Face­book“. Dabei hat es alle Eigen­schaf­ten eines voll­wer­ti­gen „sozia­len Netz­werks“: Man erstellt Freun­des­krei­se, teilt bei Bedarf sein gan­zes Leben mit die­sen und dis­ku­tiert im Kom­men­tar­be­reich emsig mit ande­ren Men­schen aus dem­sel­ben Freundeskreis.

Twit­ter hin­ge­gen ist ein micro­blog­ging-Dienst. Das Kon­zept dahin­ter lau­tet: Der Anwen­der hat 140 Zei­chen zur Ver­fü­gung, die er mit der Welt tei­len kann. Freun­des­krei­se? Dis­kus­sio­nen? Das war nie ein zen­tra­ler Aspekt von Twit­ter. (Obwohl man auf Twit­ter längst auch „plus­ein­sen“, hier best­er­nen, kann, der Funk­ti­on der „Favo­ri­ten“ sei Dank.)

Nico Lum­ma – das war der SPD­ler, der Medi­en­kom­pe­tenz für über­be­wer­tet hält – schreibt:

Und am Schlimms­ten ist: Twit­ter ist immer noch vol­le Pul­le Broad­cast, man rotzt alles immer an alle raus. Aber nie­mand weiss, wer was wirk­lich liest, egal wie­vie­le Fol­lower man hat.

Grund­sätz­lich ver­stan­den, wie Twit­ter so funk­tio­niert, hat er also schon mal. Er nennt das aber nicht „funk­tio­nie­ren“, son­dern „schlimm sein“, also müss­te man ihm viel­leicht mal erklä­ren, dass er es doch ver­stan­den hat. Klar „rotzt“ man immer alles an alle hin­aus, sofern man sei­ne Tweets nicht schützt (dann funk­tio­niert Twit­ter wie der „Freun­des­kreis“ bei Face­book), aber wor­in liegt das Problem?

Es bedeu­tet ja nicht, dass man alles von jedem lesen muss. Nor­ma­ler­wei­se liest man auch in der Web­ober­flä­che nur Ein­trä­ge von Leu­ten, denen man „folgt“. Wer nervt, fliegt raus. Anders­her­um ist gera­de das inter­es­san­ter­wei­se einer der oft genann­ten Vor­zü­ge von Goog­le+: Man kann alles von jedem lesen, ohne sich erst „befreun­den“ zu müs­sen. Ja, wie denn nun?

Twit­ter sei „SMS mit ande­ren Mit­teln“, schreibt Herr Lum­ma wei­ter­hin, und SMS scheint er also auch noch nie ver­wen­det zu haben, denn per SMS errei­che ich gezielt ein­zel­ne Emp­fän­ger, bei Twit­ter ist das ungleich schwie­ri­ger. Aber apro­pos Mobiltelefonie:

(…) egal, wie sich Smart­phones wei­ter ent­wi­ckeln, egal wie sich das Web wei­ter­ent­wi­ckelt, Twit­ter bleibt stehen.

Bestän­dig­keit als Beleg dafür her­an­zu­zie­hen, dass ein Dienst bereits dem Ende ent­ge­gen­sieht, ist schon ziem­lich gewagt. Apro­pos, Kurz­nach­rich­ten per Mobil­te­le­fon haben sich seit ihrem Bestehen auch nicht geän­dert, maxi­mal 160 Zei­chen pas­sen in eine hin­ein, und dann kann man sie nicht mal bunt ein­fär­ben; ein ein­deu­ti­ges Zei­chen dafür, dass die­ses „SMS“-Dings bald von Goog­le gekauft und abge­schafft wird, oder, Herr Lumma?

Übri­gens: Twit­ter ist so rück­stän­dig, dass es sich auch ein Nico Lum­ma nicht neh­men lässt, es groß­flä­chig in sein Blog ein­zu­bin­den. Ich bin mir noch nicht sicher, wor­auf das schlie­ßen lässt.

Piratenpartei
Kurz ange­merkt zum #pptnds11

Der ers­te „Tag“ des PPTNDS11 (ein Hoch auf das Inter­net und sei­ne Zeit spa­ren­de Mani­fes­ta­ti­on eines kon­se­quen­ten Aküf­is) ist vor­über, und sel­ten war eine offi­zi­el­le Ver­an­stal­tung der Pira­ten­par­tei umstrit­te­ner, so scheint es in Twit­ter. Dabei waren die meis­ten derer, die den Par­tei­tag eher belus­tigt zur Kennt­nis nah­men, nicht ein­mal per­sön­lich anwe­send. ‘Kurz ange­merkt zum #pptnds11’ weiterlesen »

Persönliches
Wenn.

„Ich schau mich um und seh nur Rui­nen;
viel­leicht liegt es dar­an, dass mir irgend­et­was fehlt.“
- Fehl­far­ben: Paul ist tot

Und dann ist irgend­wann auch mal so was wie Som­mer und man sitzt im Gar­ten und (war­tet auf den Welt­un­ter­gang und) lässt sei­ne Gedan­ken krei­sen oder eher ecken, „rund lau­fen“ hat man dann doch eher anders in Erin­ne­rung, und man hält sich an sei­nem Ver­spre­chen fest statt an der Räson, um nicht voll­ends durch­zu­dre­hen. (Hat man nun ver­spro­chen oder viel­mehr sich ver­spro­chen?)

Weil da eben auch immer so ein Moment war und bleibt, tief ver­wur­zelt in den Erin­ne­run­gen, und die Erin­ne­run­gen waren und blei­ben eben auch, und man hin­dert sie nicht dar­an, ein Moment, der jetzt so flüch­tig scheint wie nie und der trotz sei­ner Flüch­tig­keit so greif­bar erscheint; und man streckt die Hand aus und greift ins Lee­re, dahin, wo man sich selbst schon längst wähnt, obwohl man sich eigent­lich (ganz woan­ders hin träumt und) mit jedem Atem­zug ein biss­chen schmerz­haf­ter spürt.

„Du atmest ein, du atmest aus.“
- Die Fan­tas­ti­schen Vier: Tag am Meer

Wochen­en­de, Doppelpunkt.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik LIII: Der SPIEGEL und das böse Internet

Die Titel­ge­schich­te des dies­wö­chi­gen SPIE­GELs („Die digi­ta­le Unter­welt: Das ver­bor­ge­ne Netz der Inter­net-Ver­bre­cher“) klang nach tol­ler Real­sa­ti­re, also griff ich zu; und lach­te schon beim Lesen der Leser­brie­fe („Die Ära Mer­kel muss schleu­nigst been­det wer­den“, for­dert ein Herr Man­fred Mer­kel dort).

Natür­lich soll­te man vom SPIEGEL kei­ne pro­fes­sio­nel­len EDV-Kennt­nis­se (oder gar pro­fes­sio­nel­len Jour­na­lis­mus jed­wel­cher Art) erwar­ten, das tu ich auch nicht, aber wer der­art rei­ße­risch damit wirbt, dass das Inter­net vol­ler Gefah­ren ste­cke, der soll­te sich nicht wun­dern, wenn man sei­ne Aus­füh­run­gen kri­tisch beäugt.

Und ich beäu­ge dann mal.

Zen­tra­les The­ma des Arti­kels sind „Fake­shops“, also Ver­käu­fer, die Geld anneh­men und dann ohne Lie­fe­rung auf Nim­mer­wie­der­se­hen ver­schwin­den. Hier­zu gibt es eini­ge durch­aus wis­sens­wer­te Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, aller­dings schei­tert es dann doch an Klei­nig­kei­ten (eine IP-Adres­se wird etwa als „Rech­ner­ken­nung“ bezeichnet).

Zwar ver­mei­det man beim SPIEGEL trotz wie­der­hol­ter Ein­bin­dung des Jol­ly Rogers den Begriff des „Raub­ko­pie­rens“ (statt­des­sen nennt man es dort „ille­ga­les Kopie­ren“), aber so recht ver­stan­den hat man das alles immer noch nicht, denn selbst­ver­ständ­lich wird außer der „Rah­men­hand­lung“, also den „Fake­shops“, auch noch ande­res the­ma­ti­siert, etwa das Erspä­hen von Bank­da­ten und ähn­li­che Kri­mi­na­li­tä­ten, und da steht oft ein rie­si­ger Bock­mist drin, wie man ihn vom SPIEGEL beim The­ma EDV auch nicht anders erwar­tet hätte.

So kommt die Spra­che auch auf die Akti­vi­tä­ten von „Lulz­Sec“, mitt­ler­wei­le wie­der auf­ge­lös­ter Teil von „Anony­mous“: Es han­de­le sich um „lose, poli­tisch moti­vier­te Grup­pie­run­gen, die kein Geld wol­len, son­dern bloß Auf­merk­sam­keit“, und mir scheint, beim SPIEGEL hat man da was nicht ver­stan­den, denn wäh­rend es zutrifft, dass „Anony­mous“ eine lose, poli­tisch moti­vier­te Grup­pie­rung ist und weder „Anony­mous“ noch „Lulz­Sec“ pri­mär auf Geld aus sind und waren, wenn­gleich letz­te­re expli­zit um Bit­co­in-Spen­den baten, ist der Rest hane­bü­che­ner Quatsch. Vor allem der Umstand, dass „Anony­mous“ ernst­haf­te Zie­le ver­folgt, soll­te einem so genann­ten „Nach­rich­ten­ma­ga­zin“ schon ein wenig Hin­ter­grund­re­cher­che abrin­gen, aber wer braucht schon Detailwissen?

Sony sei­en „Daten gestoh­len“ und der Citigroup „Daten­sät­ze geklaut“ wor­den, heißt es wei­ter, aber anschei­nend waren die Täter ja von Mit­leid geplagt, immer­hin hat­ten die Betrof­fe­nen ihre Daten schnell zurück, nur eine Kopie ver­blieb öffent­lich les­bar im Inter­net. (Da haben wir wie­der das Dilem­ma mit dem „Raub­ko­pie­ren“, also dem „Steh­len von Daten“.)

Ja, gut, sagen nun mei­ne Leser, aber so all­ge­mein jour­na­lis­ti­schen Ver­stand abseits der Infor­ma­tik hat man beim SPIEGEL dann doch noch? Nun, das dach­te ich auch.

Aber neh­men wir ein­mal den erwähn­ten Arti­kel: Eine Frau wird erwähnt, die „Jagd“ auf „Fake­shops“ macht. Ihre Iden­ti­tät möch­te sie schüt­zen, dar­um foto­gra­fiert man sie nebst Sohn (!) beim SPIEGEL nur von hin­ten und druckt oben­drein einen Droh­brief in vol­ler Län­ge ab, der die Wohn­si­tua­ti­on der Frau aus­führ­lichst beschreibt. Mir kom­men da spon­tan die „Face­book-Par­tys“ der letz­ten Wochen in den Sinn, zu denen die Medi­en aus­drück­lich nicht auf­rie­fen, indem sie Ter­min und Ort pla­ka­tiv verbreiteten.

Mal ganz ehr­lich, Mar­cel Rosen­bach und Hil­mar Schmundt vom SPIEGEL, das Inter­net ist gar nicht so böse. Schaut, es hilft euch sogar, Feh­ler zu erken­nen und zukünf­tig zu ver­mei­den. – Ande­rer­seits soll­te ich zumin­dest die­se Hoff­nung beim SPIEGEL dann doch lang­sam mal aufgeben.

In den Nachrichten
Braun­schwei­ger Zei­tung, 5. Juli 2011

Da ärgern sich die Zei­tungs­ver­la­ge, dass das Inter­net ihnen das Geschäft ver­miest. Hm, tja.

Eini­ge reprä­sen­ta­ti­ve Über­schrif­ten aus „Rund um die Welt“ und dem Lokalteil:

Heu­te wird der Biki­ni 65 – und macht eine gute Figur

Blö­der­wei­se glau­ben das auch vie­le Frau­en gera­de jün­ge­ren Alters, deren Figur vom Biki­ni nicht unbe­dingt ver­bes­sert wird.

Schü­ler mit Feri­en­ti­cket ausgezeichnet

Davon wer­den sie noch ihren Enkeln erzählen.

Frau­en fei­er­ten gemeinsam

Die chau­vi­nis­ti­sche Anmer­kung, Frau­en gin­gen ja auch gemein­sam aufs Klo, spa­re ich mir hier aus­nahms­wei­se, statt­des­sen schla­ge ich die Hän­de über dem Kopf zusam­men und rufe laut „boah!“ ange­sichts so viel kri­ti­scher Ana­ly­se der gegen­wär­ti­gen Lokal­po­li­tik, um die es wahr­lich nicht zum Bes­ten bestellt ist.

Ein ganz beson­de­res Bon­mot ist übri­gens die Abtei­lung „Mei­ne Mei­nung“, in der Kin­der zu Wort kom­men. Da geht’s aber nicht um Poli­tik, denn dass Kin­der mit der Kin­der­po­li­tik des Land­krei­ses eher unzu­frie­den sind, möch­te man dann wohl doch lie­ber nicht dru­cken, es könn­te dem Bür­ger­meis­ter miss­fal­len. Statt­des­sen fin­det man dort Über­schrif­ten wie diese:

Nata­lia liest ein inter­es­san­tes Buch

Schon toll, so eine Tageszeitung.

PolitikIn den Nachrichten
Die Enquête rauscht im Blätterwald

Erin­nert sich noch jemand an die­ses Enquête-Din­gens? Ihr wer­det es nicht glau­ben, aber die haben tat­säch­lich einen Zwi­schen­be­richt ver­öf­fent­licht ange­kün­digt:

So sprach sich die Mehr­heit gegen Angst­kam­pa­gnen wie „Raub­ko­pie­rer sind Ver­bre­cher“ und gegen 3‑S­trikes-Rege­lun­gen aus, die nach mehr­ma­li­ger Ver­war­nung von angeb­li­chen Urhe­ber­rechts­ver­let­zern ein Sper­ren des Inter­net­zu­gangs vor­se­hen. Zudem spra­chen sich die Abge­ord­ne­ten wie bereits in der ver­gan­ge­nen Woche dafür aus, Crea­ti­ve Com­mons-ähn­li­che Model­le wei­ter­zu­ent­wick­len und zu för­dern. Außer­dem soll eine Wie­der­ver­käuf­lich­keit imma­te­ri­el­ler Wer­ke ein­ge­führt wer­den. Auf Antrag der Oppo­si­ti­on wur­de zudem das als Kampf­be­griff titu­lier­te Wort „Kos­ten­lo­s­kul­tur“ aus den Emp­feh­lun­gen genommen.

So weit, so abseh­bar; man hat­te ja nun auch genug Zeit, sich dar­über zu infor­mie­ren, was das Volk eigent­lich erwar­tet. (Die Iden­ti­tät der Enquête-Mit­glie­der, die dage­gen gestimmt haben, kann ich mir ansons­ten bereits selbst vor­stel­len, eine expli­zi­te Nen­nung ist tat­säch­lich nicht erforderlich.)

Weni­ger abseh­bar war dies:

Zwar wur­de ein Antrag zur Kul­tur­flat­rate nicht von der Mehr­heit gou­tiert – aber ein ande­rer Antrag, der inhalt­lich eine Kul­tur­flat­rate bedeu­ten könn­te, ange­nom­men. (…) Zum ande­ren ent­hält der Pas­sus aber auch die Emp­feh­lung, „einen Anspruch von Urhe­be­rin­nen und Urhe­bern gegen Pro­vi­der auf Zah­lung einer Ver­gü­tung durch die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten“ gesetz­lich zu ver­an­kern. Dass dies fak­tisch der For­de­rung nach Kul­tur­flat­rate gleich­kommt, schien nicht allen Anwe­sen­den glei­cher­ma­ßen bewusst.

Bevor nun aller­dings geju­belt wird, emp­feh­le ich zwei Gedan­ken­gän­gen zu folgen:

  1. Die Enquête ist ein zahn­lo­ser Tiger und hat unge­fähr so viel Durch­set­zungs­ver­mö­gen wie der Pres­se­rat. Sie spricht „Emp­feh­lun­gen“ aus, das kann ich aller­dings als Bür­ger eben­so, und ob und wie die Regie­rung die­se „Emp­feh­lun­gen“ dann umsetzt, obliegt nicht mehr mei­ner (oder der Enquête ihrer) Entscheidung.
  2. Selbst, wenn die­se „Emp­feh­lung“ umge­setzt wird, hat das mit einer Kul­tur­flat­rate nur wenig zu tun, denn sie besagt eigent­lich nur, dass für den Ver­brau­cher das Inter­net wegen zusätz­li­cher Gebüh­ren teu­rer wer­den soll, nicht aber, dass damit die „Urhe­ber­rechts­an­sprü­che“ jed­wel­cher Rech­te­inha­ber auto­ma­tisch ver­gol­ten wer­den sollen.

Die­se Ankün­di­gung einer Ankün­di­gung eines Zwi­schen­stan­des, der unter ande­rem besagt, dass die nicht vor­han­de­nen Inter­net­sper­ren auch wei­ter­hin nicht vor­han­den sein wer­den, wird nun also als „gutes Zei­chen“ gewer­tet. Ich ver­ste­he, man braucht ja was zu schrei­ben als „Jour­na­list“.
Lesen Sie nächs­te Woche: Wäh­rend einer Sit­zung der Enquête klin­gel­te in Ber­lin eine Stra­ßen­bahn. Ist dies das Ende der Enquête?

MusikKaufbefehleFotografie
So’n Fes­ti­val: Infor­ma­ti­ons­ar­me Rück­schau auf eine nicht näher benann­te Veranstaltung

Wenn ich nicht gera­de auf selt­sa­me fes­ti­vals gehe und dort foto­gra­fie­re, gehe ich manch­mal auch auf selt­sa­me fes­ti­vals und foto­gra­fie­re dort.

Nicht jedes fes­ti­val ver­läuft so wie anläss­lich des letz­ten eben­sol­chen geschil­dert, denn tat­säch­lich haben ande­re fes­ti­vals, sei­en es nun die Hil­des­hei­mer Wal­lun­gen, sei es nun die hier auch wei­ter­hin nicht näher benann­te Ver­an­stal­tung, noch weit­aus obsku­re­re Ziel­grup­pen, und damit ein­her geht das kol­lek­ti­ve fee­ling des voll­ends Geis­tes­kran­ken, yo!

Will sagen: Wenn der über­re­gio­nal beju­bel­te head­li­ner eines der Ver­an­stal­tungs­ta­ge wegen alko­hol­in­du­zier­ten Deli­ri­ums und dar­aus fol­gern­den Des­in­ter­es­ses am eige­nen Schaf­fen mit­ten im Auf­tritt die eige­ne Büh­ne zu ver­las­sen beab­sich­tigt, Men­schen in Was-zum-Teufel?-esquen Kos­tü­men unter qua­si tosen­dem Bei­fall rein instru­men­ta­les Geklop­pe und Getrö­te zum Bes­ten geben und das Niveau ste­tig singt sinkt, dann ist das schon so’n biss­chen mei­ne Welt.

Wenn dann noch in strö­men­dem Regen Hun­der­te, gewan­det in Kos­tü­me zwi­schen leger und so was von retro, bis in die Nacht hin­ein zwei (aller­dings sehr guten) Blas­in­stru­men­ta­lis­ten, einer Har­fis­tin, einer Pau­kis­tin und einem Akus­tik­gi­tar­ris­ten zuju­belt, die in guter, alter Jet­h­ro-Tull-Manier (aller­dings weni­ger sub­til) Flü­che gegen Regie­run­gen aus­sto­ßen, wenn oben­drein das Zelt infol­ge zwei­er Tage Dau­er­re­gens den Dienst quit­tiert, man also feucht und erkäl­tet und mit einem Schä­del von hier bis (min­des­tens) Hono­lu­lu auf­wacht und trotz­dem die bes­te Lau­ne des gan­zen ver­damm­ten Som­mers mit sich her­um­trägt, dann fühlt man sich doch schon ein biss­chen lebendig.

Jeden­falls meistens.

Soll­te einer der hier Lesen­den eben­falls zuge­gen gewe­sen sein, so emp­feh­le ich eine ent­spre­chen­de Äuße­rung zwecks Austausches.

P.S.: Ent­de­ckung des Wochen­en­des ist Omnia. Kon­sum emp­foh­len. (Also Kon­zert­kar­ten und Ton­trä­ger, nicht die schnu­cke­li­ge Har­fis­tin, latürnich.)

P.P.S.: „Apple: Die Arro­ganz der Macht“; war­um muss man für so gran­dio­se Schlag­zei­len einklich das „mana­ger-maga­zin“ lesen?