Spaß mit Spam
Hallo freund

Diese Anrede höre ich üblicher­weise nur in der Fußgänger­zone, wenn der kleine Sohn ein­er offen­bar recht lib­eralen Mut­ter mal wieder Dummheit­en macht. Das klingt dann unge­fähr so: “Hal-looooo?! Fre-heuu­u­und?!” (Man stelle sich zur besseren Visu­al­isierung jedes Wort auf der ersten Silbe betont, aber auf der let­zten gebrüllt vor.) Aber es ist keine lib­erale Mut­ter, die dergestalt ihren Sohn rügend um meine Aufmerk­samkeit buhlt, son­dern eine gewisse “Natasha”. Und sie geht gle­ich ziem­lich ran, die Gute:

Hal­lo,

Ich würde Sie gerne ken­nen ler­nen

Nun mal langsam: Warum, woher, wann; die üblichen tech­nis­chen Dat­en eben?

Mein Name ist Natascha und ich bin 26 Jahre alt, ich lebe in Rus­s­land.

Das kön­nte das mit dem Ken­nen­ler­nen dann vielle­icht doch ein biss­chen erschw­eren. Aber wie sind Sie eigentlich an “mich” ger­at­en?

Ich habe Ihr Bild in der Agen­tur von Bekan­nten und Sie mocht­en mich.

(Ich frage mich ja manch­mal, was es in Rus­s­land so alles für Agen­turen gibt, und will das dann eigentlich doch lieber nicht wis­sen.)

Immer­hin geben Sie zu, dass Sie ober­fläch­lich sind. Ehrlichkeit ist in diesen Din­gen heutzu­tage ein wahrlich sel­tener Schatz gewor­den.
Aber wie muss man sich das nun eigentlich vorstellen? Man besucht also als rus­sis­che Frau, die ihren Namen je nach Gus­to buch­sta­biert, Bekan­nte in denen ihrer Agen­tur, und die Bekan­nten drück­en einem dann mit den Worten “wir mögen dich, hier hast du einen Kerl” — auf Rus­sisch natür­lich — mein Bild in die Hand? Mich fröstelt ein wenig.

Ich möchte bess­er ken­nen zu ler­nen mit Ihnen und zu entsprechen.

Dann entsprechen Sie erst mal, bevor Sie sich auf­drän­gen; ich kenne Sie immer­hin nicht, und Rus­s­land erscheint mir dann doch außer­halb mein­er gewün­scht­en Reich­weite.

Ich habe auch meine Foto.

Äh — ich grat­uliere.

Wenn ich dich mochte, und Sie inter­essiert sind — bitte mailen Sie mir.

Ich füh­le mich beina­he ein wenig geschme­ichelt. Ihre Inter­essensgenossin­nen pfle­gen anlässlich dieses Anliegens bedin­gungslose Forderun­gen zu stellen, Sie lassen mir die Entschei­dung auch ver­bal frei. Dann bin ich mal so frei …

Warten auf Ihre Antwort.

Natasha.

… und nehme an, die Agen­tur Ihrer Bekan­nten wird Ihnen meine Entschei­dung als­bald mit­teilen. Schauen Sie ein­fach mal wieder dort vor­bei!

Mit hin­ter­hältigem Lächeln,
unle­ser­lich.

In den Nachrichten
Tuten und Blasen

Und falls es echt noch jeman­dem nicht so ganz klar war, wieso einem die ganze Krise in den USA ger­ade irgend­wie bekan­nt vorkommt, leis­tet man als über­bezahlter Ses­sel­furz­er doch gern mal Abhil­fe:

Face­book-Anteil­seign­er Peter Thiel glaubt nicht an eine neue Finanzblase bei Inter­ne­tun­ternehmen. Statt jet­zt einzuknick­en, müsse man noch viel stärk­er in Zukun­ft­stech­nolo­gien investieren. Dem SPIEGEL sagte der Mil­liardär, die High­tech-Indus­trie ver­spreche weit­er Wach­s­tum und Fortschritt. (…) Thiel sieht nicht “den Wahnsinn von früher” wiederkehren, son­dern im Gegen­teil eine “kul­turelle Trans­for­ma­tion”. (…) Das Sil­i­con Val­ley sei nun an der Spitze gelandet, als einziger Ort, “der noch Wach­s­tum und Fortschritt ver­spricht”.

Klar würde so ein Face­book-Anteil­seign­er nie sagen, dass es eine ziem­liche Schnap­sidee wäre, sein sonst­wie ergaunertes Geld in das Web 2.0, was immer das jet­zt genau auch sein soll, zu pumpen. Nein, diese Dot­com-Blase wird niemals platzen, denn anders als noch vor einem Jahrzehnt spekuliert man nicht darauf, dass die Unternehmen, in die man Geld investiert, sat­te Gewinne abw­er­fen, son­dern nur darauf, dass der Markt, in dem sie sich etablieren wollen, sta­bil bleibt; was ja dann auch irgend­wie das­selbe Ergeb­nis hat.

Ger­ade aus ein­er “Krise” her­aus­gerutscht und wieder ein paar Kröten auf dem Kon­to zeigt man sich in Investi­tion­skreisen also wieder wage­mutig. Man hat es allerd­ings auch leicht heutzu­tage, als Investor stinkre­ich zu wer­den, denn man muss kein Glück mehr haben oder gar ökonomis­che Weit­sicht, son­dern die jew­eili­gen Unternehmen ver­sprechen Wach­s­tum und Fortschritt, was selb­stver­ständlich nur bedeuten kann, dass es bergauf geht und man sich mit dem Investieren bess­er ein biss­chen beeilen sollte, und nicht etwa, dass so ein Unternehmen natür­lich schön blöd wäre, möglichen Aktionären zu sagen: So, Leute, wir sind dann in Bälde mal pleite.

Die tat­säch­lichen Unternehmenswerte liegen eben im run­derneuerten Web zwei­dreivier­tel eben­so in der Cloud wie die Aus­sicht­en auf Gewinn aus diesen Unternehmenswerten. Die Logik scheint bestechend: So etwas ist ja erst vor kurzem gewaltig in die Hose gegan­gen, der kollek­tive Gemeinsinn macht den gle­ichen Fehler nicht zweimal in so kurz­er Zeit und wird schon rechtzeit­ig die Kurve kratzen bekom­men.

Und Peter Thiel hat das ver­standen:

“Es gibt keine Blase, nicht bei Face­book, nicht bei LinkedIn und bei keinem der anderen bekan­nten Unternehmen”, so Thiel im SPIEGEL.

Denn das hätte sich ja wohl schon herumge­sprochen, wenn es eine Blase gäbe, die kurz vorm Platzen ist, das hat ja damals auch schon gut funk­tion­iert. Wo der tat­säch­liche Fir­men­wert von zum Beispiel Face­book liegt, dessen einziges stetes Kap­i­tal seine Kun­den — vielmehr: ihre Dat­en — sind, wagt ein Face­book-Anteil­seign­er natür­lich nicht zu hin­ter­fra­gen. Wird schon alles seine Richtigkeit haben, son­st würde man den Wert wohl kaum so hoch schätzen.

Krise? Was für eine Krise?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LIV: Die Rückkehr der Juniorpartner / Deutscher Egoismus

Erin­nert sich noch jemand an die SPD, diese vor 1998, als Ger­hard Schröder die Nach­folge Hel­mut Kohls antrat, poli­tisch ziel­gerichtete, ein­flussre­iche und eigentlich auch inhaltlich noch einiger­maßen erträgliche Partei, die in der fol­gen­den Koali­tion mit der “Union” (christlich wie die Kreuz­züge, demokratisch und sozial wie die Deutsche Demokratis­che Repub­lik) sich als “Junior­part­ner” an den stim­mge­waltigeren “Senior­part­ner” anbiederte und die leicht­gläu­bi­gen Wäh­ler infolge dessen anwiderte?

Sie ist wieder da:

Der SPD-Vor­sitzende Sig­mar Gabriel hat Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel (CDU) die Zusam­me­nar­beit bei ein­er Steuer­reform ange­boten.

Wenn SPD und CDU “zusam­men” die Steuern reformieren wollen, kann das nur ein Erfolg wer­den.
Das sieht dann ver­mut­lich unge­fähr so aus (Artikel von 2005):

Wenn es nach Spitzen­poli­tik­ern von Union und SPD geht, würde die Mehrw­ert­s­teuer ange­blich auf 20 Prozent erhöht.

Oder auch so (Artikel vom Dezem­ber 2010):

SPD und CDU stim­men für Steuer­erhöhun­gen in Salzu­flen

Diese SPD ist schon putzig.


Auch ziem­lich putzig ist übri­gens Romano Pro­di, ehe­mals Regierungschef Ital­iens, der dann mal den Cap­tain Obvi­ous macht:

Ex-Regierungschef Pro­di hält die Deutschen für ego­is­tisch. (…) Er ver­wies darauf, dass die Deutsche Bank fast ihre gesamten ital­ienis­chen Staat­san­lei­hen im Wert von acht Mil­liar­den Euro verkauft habe. Dies sei “ein ein­drucksvolles Sig­nal des Nicht-Ver­trauens”.

Sign­or Pro­di, chiedo scusa, aber so recht Ver­trauen in ein Land, dessen Finanzen auf­grund eige­nen Ver­sagens nicht die besten sind und dessen lauteste Kra­keel­er, wie Sie ein­er sind, dann ver­suchen, anderen Län­dern die Schuld hier­an zuzuschieben, zu haben ist dann doch nicht unbe­d­ingt ein­fach. So schwierig ist das nicht zu ver­ste­hen: Wenn ich Anteil­seign­er an einem großen Unternehmen bin und dessen Bankrott unmit­tel­bar bevorste­ht, werde ich nicht mit dem Verkauf warten, bis meine Anteile nichts mehr wert sind, son­dern sie vorher abstoßen.

So funk­tion­iert das in der Wirtschaft. Aber wem sage ich das?

Nerdkrams
Welt-Nerd-Tag

Nach dem Welt­pin­guin­tag dachte ich, es gäbe keine ähn­lich lobenswerten Feiertage. Dann las ich dies:

Am 29. Juli 2011 wird der Welt-Nerd-Tag gefeiert.

Passender­weise find­et am 29. Juli 2011 — also heute — auch der diesjährige “SysAd­min­Day”, der Tag der Sys­temad­min­is­tra­toren, statt. Während let­ztere aber im All­ge­meinen geachtete Zeitgenossen sind, hat die Öffentlichkeit von Nerds ein etwas anderes Bild:

Rein äußer­lich sind sie durch ihre dick­en Horn­brillen und Hochwasser­ho­sen erkennbar sowie daran, dass sie über Per­ry Rho­dan, Comics, die neuesten Lan-Par­ties (sic!) oder die ange­sagtesten Videospiele philoso­phieren. Willkom­men in der Welt der Nerds.

Dabei sieht die Welt der Nerds eigentlich ganz anders aus. Sie sind nur sel­ten klis­chee­haft gek­lei­det, viele von ihnen inter­essieren sich nicht ein­mal für Sci­ence-Fic­tion, son­dern find­en sie, im Gegen­teil, stin­klang­weilig. Als Nerd beze­ich­net man sich auch nur sel­ten selb­st, zu neg­a­tiv ist dieses Wort in der öffentlichen Wahrnehmung beset­zt, son­dern man wird von anderen Men­schen als Nerd iden­ti­fiziert. Dazu gehört nicht ein­mal eine dicke Horn­brille, es genügt bere­its, sich für The­men zu inter­essieren, die in den Augen eher kon­ser­v­a­tiv­er Medi­en und Mit­men­schen als wun­der­lich gel­ten. Die Zahl der­er, die dieses Inter­esse teilen, ist hier­bei uner­he­blich; so gibt es Com­put­er­spiel­nerds, obwohl wohl jed­er Dreikäse­hoch heutzu­tage dieses Inter­esse teilt; es gibt Sci­ence-Fic­tion-Nerds — bekan­nt sind die “Trekkies”, die sog­ar Gegen­stand eigen­er Filme (“Fan­boys”) wur­den — ver­schieden­ster Aus­rich­tung, obwohl nicht erst seit der let­zten Star-Wars-Trilo­gie das Wis­sen über Hin­ter­gründe und Zusam­men­hänge dieser Wel­ten zumin­d­est teil­weise zum All­ge­meingut wurde (wer hat noch nie was von “Laser­schw­ert­ern” gehört?); und es gibt vere­inzelt auch Nerds, die fernab elek­tro­n­is­ch­er Medi­en ihrem Nerd­tun nachge­hen, etwa Büch­ern­erds. So sieht die Gesellschaft das.

Ist man also schon ein Welt-Nerd-Tag-Nerd, weil man diesen Artikel hier liest und somit alles Wis­senswerte über ihn her­aus­ge­fun­den hat? Wom­öglich schon. Da aber nun ander­er­seits jed­er Men­sch ein Nerd ist, schlage ich vor, für uns Com­put­er­bastler, die im täglichen Leben mit ihrem Nerd­tum so manchen Betrieb am Laufen hal­ten, ein anderes Wort zu etablieren.

Wie wäre es mit “Sysad­mins”?
Gern geschehen.

Einen Gruß und meine volle Hochachtung an all die Lei­densgenossen da draußen! :)

Fotografie
Drei Bilder, drei Geschichten

(Die Bil­dun­ter­schriften sind aus­gedacht, die Motive lei­der nicht.)

Was mochte der Autor damit aus­drück­en wollen?
Möglich ist, dass ein find­i­ger Geschäfts­mann, um die homo­sex­uelle Szene in sein­er Heimat­stadt wirtschaftlich zu fördern, jüngst ein Etab­lisse­ment eröffnete, es plaka­tiv mul­ti­kul­turell “Gay-Town” nan­nte und nun nur noch ein gutes Mot­to benötigte. Vielle­icht sind dies also die ersten Gehver­suche eines zukün­ftig berühmten Wer­be­tex­ters?
Möglicher­weise wollte der Schreiber aber auch nur in einem Anflug pubertär­er Heit­erkeit die Nach­barstadt verunglimpfen. Es ist jedoch lei­der nicht ersichtlich, um welche es sich han­deln möge, weshalb der Vor­wurf, sie sei schwul und würde oben­drein orale Aktiv­itäten vollführen, unwider­sprochen bleiben muss. Ganz schön gewitzt, der unbekan­nte Ver­fass­er.


Die Bau GmbH in Bal­len­st­edt war verzweifelt: Das Tra­di­tion­sun­ternehmen, dessen Kun­den seit jeher das geschäftliche Mot­to “Bewusst bess­er bauen” zu schätzen wussten, hat­te sich eine teure Ver­mark­tungskam­pagne geleis­tet und sog­ar in fer­nen Innen­städten plakatiert, und den­noch blieben Neukun­den aus. An der Kam­pagne selb­st, dessen war man sich sich­er, kon­nte das jeden­falls nicht liegen.


Das Wort “svadu” bedeutet auf San­skrit unge­fähr “wohlschmeck­end”. Was aber ist ein Dack­ster­spi­en?
Ich empfehle, in näch­ster Zeit das Süßwaren­re­gal des örtlichen Super­mark­ts im Auge zu behal­ten. Lobenswert ist es jeden­falls, dass die Jugend noch immer zu sprach­lich­er Kreativ­ität imstande ist.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LIII: Mit Lin‑, äh, VDS wär’ das nicht passiert.

Nach dem Anschlag in Nor­we­gen hat die Partei mit dem “C” (wie Cukun­ft?) sich nicht etwa darüber gefreut, dass es ein­er der Ihren (ein kon­ser­v­a­tiv­er Christ eben) war, der seine Mis­an­thropie offen auslebte, son­dern mal wieder mit­tels ihres innen­poli­tis­chen Sprech­ers mit der Vor­rats­daten­spe­icherung gewinkt:

“Wir brauchen die Vor­rats­daten­spe­icherung”, sagte der CSU-Poli­tik­er der “Pas­sauer Neuen Presse”. “Im Vor­feld muss die Überwachung von Inter­netverkehr und Tele­fonge­sprächen möglich sein. Nur wenn die Ermit­tler die Kom­mu­nika­tion bei der Pla­nung von Anschlä­gen ver­fol­gen kön­nen, kön­nen sie solche Tat­en vere­it­eln und Men­schen schützen.”

Denn selb­stver­ständlich redet ein Amok­läufer vor der Tat erst via Chat mit seinen Mit­men­schen: “Ey, ich lauf dann gle­ich mal Amok, ne? BRB!” Und wenn man das dann auf Vor­rat spe­ichert, weiß man wenig­stens hin­ter­her, was er vorher alles gemacht hat.

Blöd nur:

Das nor­wegis­che Par­la­ment führte die Vor­rats­daten­spe­icherung am 29. März 2011 ein, hat­te die Nor­way Post berichtet.

Ja, dieses Instru­ment hat sich wirk­lich bewährt. Warum machen wir das eigentlich in Deutsch­land nicht auch?

PolitikIn den Nachrichten
Der irre Attentäter von Oslo

Oh, es gab mal wieder einen ter­ror­is­tis­chen Anschlag auf die Regierung, und zwar aus­nahm­sweise mal in Nor­we­gen. Was die Her­ren Bos­bach und Schüne­mann davon hal­ten, ist mir nicht bekan­nt, aber ich gehe davon aus, sie treten just in diesem Moment vor aus­re­ichend viele Reporter­mikro­fone und fordern Ver­bote.

Aber was sollte man ver­bi­eten? Dazu muss man wis­sen, was der mut­maßliche Täter über­haupt für eine Per­son ist. Der Mann besitzt die Frech­heit, wed­er einen lan­gen Bart zu tra­gen noch Moslem zu sein, also müssen wir woan­ders nach Anhalt­spunk­ten suchen:

Anders Behring Breivik beschrieb sich selb­st als “kon­ser­v­a­tiv” und “christlich”. Er sei Leit­er eines Gemüse­hofes, was erk­lären würde, dass er durch seine Tätigkeit in einem Agrar­be­trieb leicht an größere Men­gen Düngemit­tel hätte her­ankom­men kön­nen, aus denen sich Sprengstoff her­stellen lässt.

Klar­er Fall: Agrar­wirtschaft muss kün­ftig stärk­er videoüberwacht wer­den, grund­sät­zlich müssen alle Agrarar­beit­er kün­ftig regelmäßig ihre Befähi­gung zum ver­ant­wor­tungsvollen Gebrauch von Düngemit­teln nach­weisen.

Oder find­en wir noch was besseres?

Er sei Jungge­selle und inter­essiere sich für die Jagd sowie für Com­put­er-Kriegsspiele wie “World of War­craft” und “Mod­ern War­fare 2”.

Ah — na also. World of War­craft, das bekan­nte Kriegsspiel. War ja abzuse­hen, dass das Basilisken­meucheln irgend­wann eskalieren würde! Gle­ich auf den Index set­zen, sofern Frau von der Leyen das nicht schon längst beantragt hat; und über­haupt: Jungge­selle, also Einzel­gänger; klares Zeichen dafür, dass er von einem tiefen Hass auf die Gesellschaft erfüllt ist.

Und was sagt der nor­wegis­che Min­is­ter­präsi­dent dazu?

“Das ist ein Alb­traum”, sagte er. Die Anschläge wür­den Nor­we­gen verän­dern. Die Antwort des Lan­des müsse “noch mehr Demokratie und Offen­heit” sein, so Stoltenberg.

Mit so ein­er Ein­stel­lung wird das nie was mit der Auf­nahme in die EU. ;)

NetzfundstückeNerdkrams
GNU und Linux: Fünf Missverständnisse

(Vorbe­merkung: Aus aktuellem Anlass noch mal was zu Betrieb­ssys­te­men; das reicht dann aber auch für diese Woche.)

Für meinen Beitrag über Mac OS X “Lion” hat­te ich zwar einige Recherchen angestellt, um nur keinen inhaltlichen Fehler zu machen. Was ich aber nicht bedacht hat­te, war, dass ich auch einige Leser habe, die Lin­ux min­destens so sehr verehren wie ein Mac-Nutzer Steve Jobs verehrt, und so nahm sich etwa Didi im dor­ti­gen Kom­men­tar­bere­ich die Frei­heit, all jene, die nicht auss­chließlich auf kosten­lose Soft­ware set­zen, als “mit dem Klam­mer­beu­tel gepud­ert” zu beze­ich­nen; anders gesagt hält er uns, die wir nicht auss­chließlich Lin­ux oder Reac­tOS oder wenig­stens BSD ein­set­zen, für ziem­lich doof.

Also habe ich beschlossen, mich noch mal einem lang­weili­gen Com­put­erthe­ma zu wid­men. Dem Beitrag über “Mac OS X gegen Win­dows” kön­nte ich nun einen Beitrag “Mac OS X gegen Lin­ux” oder so etwas fol­gen lassen, aber das wäre doch arg lan­gat­mig.

Wie es der Zufall jedoch so will, stieß ich vor ein paar Tagen auf ein wirk­lich ziem­lich schlecht­es Lin­ux-Tuto­ri­um für Win­dows-Umsteiger (ich twit­terte es bere­its) und möchte das nun zum Anlass nehmen, einige grundle­gende Missver­ständ­nisse zum The­ma GNU und Lin­ux aufzuk­lären. ‘GNU und Lin­ux: Fünf Missver­ständ­nisse’ weit­er­lesen »

Nerdkrams
Das fortschrittlichste Betriebssystem der Welt

(Vorbe­merkung: Im Fol­gen­den zerpflücke ich Apples neuestes Betrieb­ssys­tem. Etwaige Mac-OS-X-Apolo­geten bitte ich von Bekehrungsver­suchen Abstand zu nehmen.)

Während Microsoft zu Lin­ux’ Zwanzig­stem sich leisen Sticheleien hin­gibt, haut man bei Apple mit großem Getöse und Tam­tam auf den Putz und stellt außer dem neuen “Mac mini” — ohne optis­ches Laufw­erk, wer braucht schon DVDs? … — auch das passende, nur als Down­load erhältliche neue Mac OS X vor (Leute mit langsamen Inter­netverbindun­gen sind Steve Jobs anscheinend zuwider), seines Zeichens das “fortschrit­tlich­ste Com­put­er-Betrieb­ssys­tem der Welt” und somit Win­dows und Lin­ux selb­stver­ständlich haushoch über­legen. ‘Das fortschrit­tlich­ste Betrieb­ssys­tem der Welt’ weit­er­lesen »

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 5)

… Es war schon selt­sam, dachte er; es waren erst wenige Tage ver­gan­gen, seit er sie zulet­zt gese­hen hat­te, und doch kam es ihm vor, als lägen Jahre dazwis­chen.

Je mehr Zeit aber ver­strich, um so deut­lich­er sah er sie vor sich, sah das Café, in dem sie sich ken­nen gel­ernt hat­ten, blick­te tief in ihre Augen; und wachte doch immer wieder auf und sah sich ins Leere star­ren.

Sie hat­te eine eige­nar­tige Fasz­i­na­tion an sich. Ihr Lächeln hat­te ihn von Anfang an verza­ubert. Und sie war so nah und doch für ihn kaum greif­bar. Wie so oft wollte er alles bess­er machen, sie nicht ver­schreck­en aus bloßem Miss­geschick. Nur keinen Stress, nie wieder, das hat­ten sie sich ver­sprochen. Den Moment genießen, ohne an den näch­sten denken zu müssen. Und doch begann er zu zweifeln. Hat­te er den richti­gen Weg eingeschla­gen?

Vielle­icht sollte er endlich han­deln. Es schien so ein­fach, ein Griff zum Tele­fon­hör­er, eine Num­mer wählen und endlich wieder ihre Stimme hören.

Aber war es nicht ger­ade diese Ungeduld, die ihn schon Jahre zuvor um sein Glück gebracht hat­te? Er würde sie jet­zt ger­ade, in diesem Augen­blick, so vieles fra­gen oder ihr schweigend beim Lächeln zuse­hen, das war ihm jet­zt ger­ade, in diesem Augen­blick, vol­lkom­men gle­ichgültig, wenn sie nur bei ihm wäre. Er wusste, die Antwort würde er ohne­hin nicht hören wollen; doch worauf sollte er noch hof­fen? Nur ein Wort von ihr, und es würde vor­bei sein. All die ungewis­sen Stun­den, Tage wür­den der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Und vielle­icht würde das auch bedeuten, dass ihm bewusst wurde, dass sie ihn längst abgewiesen hat­te.

War es das wert?

Ihm wurde plöt­zlich klar, wie wenig er eigentlich über sie wusste. Wo sie jet­zt wohl war? (War sie allein?) Er kam sich so klein vor wie seit Jahren nicht mehr.

Aus dem Inter­ne­tra­dio knödelte Mike Pat­ton:
“That’s why I’m easy; I’m easy like Sun­day morn­ing …”

Nie zuvor war ihm ein Son­ntag so schw­er gefall­en. …

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Immer sind’s nur die anderen.

Richard Stall­man hat dem SPIEGEL einen lesenswerten Text ins Inter­net getan, der unter ein­er freien Lizenz ste­ht.

Einige Auszüge:

Das Netz übern­immt die Daten­ver­ar­beitung, der Nutzer gibt die Kon­trolle darüber ab. Dieses neue Web ist voller Ver­lock­un­gen — doch wir müssen ihnen wider­ste­hen.

Und dann ist da die Sache mit der Daten­spe­icherung auf den Servern von Unternehmen. Die größten dieser Unternehmen haben keinen Respekt vor der Pri­vat­sphäre der Nutzer. Wenn ein Nutzer Face­book seine Dat­en über­lässt, bezahlen andere Fir­men für die Nutzung dieser Dat­en Geld. Sie bezahlen Face­book — und nicht den Nutzer — dafür, mit seinem Gesicht zu wer­ben.

Face­book-Nutzer sind nicht Kun­den, sie sind Ware

Das alles bedeutet nicht, dass Inter­net­nutzer keine Pri­vat­sphäre genießen kön­nen. Es bedeutet auch nicht, dass Nutzer gar keine Kon­trolle mehr über ihre Daten­ver­ar­beitung haben kön­nen. Es bedeutet nur, dass sie gegen den Strom schwim­men müssen, um das alles zu bekom­men.

So weit, so richtig und wichtig.
Und was fol­gert man also als SPIEGEL-Online-Leser aus diesem neu gewonnenen Wis­sen?

Na ja — den Ver­such war es wert.

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt LII: Herr Zuckerberg und sein Datenschutz

Qua­si ohne Worte:

Apro­pos Google jeden­falls: Mark Zucker­berg, Face­book-Oberkasper und qua­si der Antag­o­nist Julian Assanges, ist ein­er der mit­tler­weile über 10 Mil­lio­nen Nutzer von Google+. Mark Zucker­berg war der hier:

(…) beant­wortet Zucker­berg eine wichtige Frage nicht: Warum zwingt sein Unternehmen Men­schen dazu, bes­timmte Infor­ma­tio­nen offen­zule­gen, wenn sie weit­er­hin den Dienst nutzen wollen? Schließlich kön­nte man die Nutzer weit­er­hin bewusst entschei­den lassen, was sie im Detail mit aller Welt, was mit aus­gewählten Fre­un­den und was mit nie­man­dem teilen wollen.

Dieser Mark Zucker­berg jeden­falls find­et Daten­schutz so dufte, dass er erst mal sein Google+-Profil abges­per­rt hat. In den ein­schlägi­gen Blogs macht man sich darüber lustig; es könne ja nicht sein, dass der Grün­der von Face­book eine Möglichkeit ein­fordert, die er selb­st seinen Kun­den ver­weigert. Das macht er aber nicht.

Google+ verpflichtet seine Nutzer eben­so wie Face­book zur Nen­nung ihres Real­na­mens, was für den Ver­mark­tungswert der eige­nen Nutzer­daten­bank gewisse Vorteile haben dürfte. Auch Mark Zucker­berg kann in Google+ also nicht mit falschen Dat­en auftreten, ohne einen Auss­chluss zu riskieren. Apro­pos “Ver­mark­tungswert”: Dass Face­books Wer­bepart­ner Ein­blick in Pro­file erhal­ten, wurde mehrfach kri­tisiert. Der Irrglaube ent­stand, dass Google, um sich für poten­zielle Google+-Nutzer noch attrak­tiv­er zu machen, von ähn­lichen Plä­nen Abstand nehmen würde. War aber nix:

Kün­ftig sollen Wer­ber bei Google den Zugang zu bes­timmten Ver­braucher­grup­pen kaufen kön­nen — fein säu­ber­lich nach Inter­essen sortiert.

Natür­lich ist das an sich erst mal nicht verkehrt, immer­hin ste­ht es jedem Benutzer frei, zu entschei­den, wie detail­liert und wahrheits­gemäß sein Pro­fil aus­ge­füllt sein soll. Unternehmen wie Face­book und Google allerd­ings leben davon, dass diesen Grund­satz möglichst viele ihrer Benutzer möglichst umfassend ignori­eren. Mark Zucker­berg weiß das; Max Muster­mann weiß es aber nicht.

Übri­gens: Zu den “10 Din­gen, die ein Mann nie sagen sollte und auch nicht posten darf”, gehört ange­blich außer Skur­ril­itäten wie “Prösterchen” oder “Tschüs­sikows­ki” auch das in freier Wild­bahn meist in brül­len­der Laut­stärke geäußerte Lach­sur­ro­gat “lol”. Ich würde es im Inter­esse mein­er Hör­fähigkeit sehr begrüßen, würde diese Infor­ma­tion sich auch unter ÖPNV fahren­den Her­anwach­senden allmäh­lich ver­bre­it­en.