Netzfundstücke
Kurz ver­linkt LVI: Flir­ten für Mäd­chen von „Mäd­chen“ (Maga­zin)

Wer sich übri­gens wun­dert, wie­so jun­ge Mäd­chen oft ein so ver­klär­tes Bild von inter­hu­ma­nen Akti­vi­tä­ten (ewi­ge Lie­be mit süßen boys und was man halt so nennt) haben, dem sei es gera­ten, ab und zu mal einen Blick in eines die­ser herr­lich blö­den Mäd­chen­ma­ga­zi­ne zu werfen.

Klop­fer hat es getan:

Wenn ich mal eine Toch­ter habe, ver­bie­te ich ihr Face­book; anschei­nend ist es für die heu­ti­ge Jugend ohne Face­book unmög­lich, sich zum Geschlechts­ver­kehr zu verabreden.

Ach, des­we­gen wol­len da alle sein … :mrgreen:

Unbe­dingt lesens­wert, da (bedau­er­li­cher­wei­se) amüsant!

Piratenpartei
Basis­de­mo­kra­tie und ihre Tücken

Und sie haben es doch getan.

Die Wolfs­bur­ger Pira­ten haben, basis­de­mo­kra­tisch mit der Mehr­heit des Vor­stan­des (also mit unge­fähr drei Stim­men), beschlos­sen, wie die ande­ren Par­tei­en auch Erst­wäh­ler­da­ten zu kau­fen, um mit deren Hil­fe Erst­wäh­ler dar­auf auf­merk­sam zu machen, dass Adress­ein­kauf mög­lich ist und wir als Pira­ten­par­tei das nicht gut fin­den. Das ent­spre­chen­de Flug­blatt stammt ursprüng­lich aus dem Wahl­kampf in Baden-Würt­tem­berg und lässt mich doch an der geis­ti­gen Leis­tungs­fä­hig­keit man­cher Pira­ten zweifeln.

Wir sind uns, da lässt die gegen­wär­tig lau­fen­de Dis­kus­si­on kei­nen Zwei­fel zu, weit­ge­hend einig, dass Adress­han­del kein Kava­liers­de­likt ist, haben vor zwei Jah­ren auch für den (übri­gens schreck­lich ein­falls­los beti­tel­ten) „Opt-Out-Day“ gewor­ben, also für die gemein­schaft­li­che Unter­bin­dung der Adress­da­ten­wei­ter­ga­be sei­tens der Behör­den. Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass die­ses „Opt-Out“ auf Kom­mu­nal­ebe­ne nichts ver­lo­ren hat, denn die Kom­mu­nen haben auf die­sen Teil der Lan­des­po­li­tik kei­nen Einfluss:

Geht’s noch, Wolfs­bur­ger Piraten?

Eine Par­tei, die mei­ne Daten kauft, um mich dann schrift­lich dar­auf hin­wei­sen zu kön­nen, dass sie mei­ne Daten kau­fen kann und das eigent­lich voll blö­de fin­det, mag inhalt­lich Recht haben, liegt aber ideo­lo­gisch genau so dane­ben wie Leu­te, die „Micro$uck“ und „Win­doof“ schrei­ben, aber nicht im Traum dar­auf kämen, etwas ande­res als Win­dows zu nut­zen. Wobei die Wolfs­bur­ger Pira­ten ohne­hin ein merk­wür­di­ger Ver­ein sind, hat der Vor­stand doch neben­bei auch noch beschlos­sen, aus­ge­rech­net auf Face­book bezahl­te Wer­bung zu schal­ten. (Face­book ist, wir erin­nern uns, nicht nur das medi­al geprie­se­ne neue Mit­mach-Inter­net, son­dern wegen sei­nes aggres­si­ven Markt­ver­hal­tens auch das rotes­te aller Tücher für uns Kern­pi­ra­ten. [Kern­pi­ra­ten sind, wir erin­nern uns, das Gegen­teil von Voll­pi­ra­ten: Wir leh­nen das „Voll­pro­gramm“ ab und kon­zen­trie­ren unse­re Ener­gien lie­ber auf unse­re Kern­the­men Trans­pa­renz, Basis­de­mo­kra­tie und Datenschutz.])

Fol­ge­rich­tig fal­len auf der Mai­ling­lis­te Begrif­fe wie „Ver­rä­ter­par­tei“, die übli­chen Gegen-Pira­ten-Hetz­blogs schwa­dro­nie­ren sich ähn­li­chen Unsinn zusam­men, aber halt: Die Pira­ten­par­tei ist eine Basis­de­mo­kra­tie. Wie sonst nir­gends gilt bei der Pira­ten­par­tei nicht das Prin­zip „pars pro toto“. Die Wolfs­bur­ger Pira­ten sind nicht die nie­der­säch­si­schen Pira­ten, die nie­der­säch­si­schen Pira­ten sind nicht die Piratenpartei.

Kei­nes­falls also dis­kre­di­tiert die­ses Vor­ge­hen die Pira­ten­par­tei als „unwähl­bar“ oder gar als „Ver­rä­ter­par­tei“ (die­sen Sta­tus möch­te ich per­sön­lich der SPD auch nicht neh­men, ist er doch der ein­zi­ge, der ihr noch bleibt); es ist viel­mehr ein wei­te­rer Beleg dafür, dass man beim Wäh­len nicht auf tol­le Pla­ka­te und dum­mes Gesül­ze in den Medi­en ach­ten soll­te, son­dern dar­auf, wofür die­se Par­tei­en eigent­lich eintreten.

Die Wolfs­bur­ger haben sich ent­schie­den, pira­ti­sche Zie­le (Auf­klä­rung über staat­li­chen Daten­schutz) mit unüb­li­chen Mit­teln (Aus­nut­zen des­sen, was man eigent­lich bekämp­fen möch­te) zu ver­fol­gen. Dass das nun, da es zu spät ist, vor das Lan­des­schieds­ge­richt getra­gen wur­de, kann die­sen Ver­trau­ens­bruch selbst­ver­ständ­lich nicht relativieren.

In einer Basis­de­mo­kra­tie wie der Pira­ten­par­tei zählt jede Stim­me. Das führt manch­mal dazu, dass die ver­meint­li­che Par­tei­li­nie deut­lich über­schrit­ten wird; man soll­te jedoch nicht ver­ges­sen, dass zu die­sen Stim­men immer auch Gegen­stim­men ertö­nen, etwa die von Miles Möl­ler, mir freund­li­cher­wei­se das aus­zugs­wei­se Zitie­ren geneh­migt habend:

Wenn mich ein Braun­schwei­ger (nur als Bei­spiel) fragt, dann über­zeu­ge ich ger­ne, dass er die Pira­ten wählt.

Wenn mich jetzt ein Wolfs­bur­ger fragt, wird mei­ne Ant­wort die glei­che sein, wie für jede ande­re Ver­rä­ter­par­tei auch!

Wenn­gleich ich hier inhalt­lich d’ac­cord gehe, miss­fällt mir die For­mu­lie­rung doch ein wenig; also etwas mil­der aus­ge­drückt auch so:

Mir sind die Pira­ten­wer­te wich­ti­ger als ein paar Wäh­ler­stim­men! Ich will für das gewählt wer­den, wofür wir ste­hen! Wenn der Wäh­ler das so nicht für „ok, die wäh­le ich“ hal­ten, ist das scha­de, aber damit kann ich leben!

Wir sind Pira­ten, weil wir für etwas ste­hen, was wir nie auf­ge­ben soll­ten. „Wir haben Wer­te und kämp­fen für sie“, was zwar unpo­pu­lär sein mag, aber uns wenigs­tens auf­recht für unse­re Zie­le ein­ste­hen lässt: Wer näm­lich sei­ne poli­ti­schen For­de­run­gen je nach Frak­ti­ons­zwang neu defi­niert, der hat zwar gro­ße Chan­cen auf einen gro­ßen Wahl­er­folg, so lan­ge die Wäh­ler nicht bemer­ken, dass er jedem etwas ande­res erzählt, aber er hat kein Pro­fil mehr.

Womög­lich spre­che ich jetzt nur für mich, und man möge es mir ver­zei­hen, wenn das ver­se­hent­lich wie ein Kom­pro­miss­vor­schlag klingt, aber ich ste­he lie­ber hin­ter einer Par­tei, die über vier Pro­zent nicht hin­aus­kommt, als hin­ter einer Par­tei, die Wahl­kampf als Abfi­schen von Wäh­ler­stim­men um bei­na­he jeden Preis missversteht.

Basis­de­mo­kra­tie bedeu­tet auch, ein­fach mal dage­gen sein zu kön­nen. Ich bin dage­gen, dass Wolfs­bur­ger die­sen frag­wür­di­gen Adress­han­del mit ihrer Stim­me beloh­nen. Ich bin dage­gen, dass die Wolfs­bur­ger Pira­ten auch nur eine ein­zi­ge Stim­me für den Scha­den bekom­men, den sie unse­rer vor­geb­lich gemein­sa­men Sache in der Öffent­lich­keit ange­tan haben. Nichts­des­to­trotz bin ich dage­gen, außer­halb Wolfs­burgs an der Wahl­ur­ne Sip­pen­haft zu bean­tra­gen. „Mit­ge­fan­gen, mit­ge­han­gen“ gilt in der Pira­ten­par­tei eben nicht.


Das mit dem Adress­han­del übri­gens ist den Wind, den die Blogo­sphä­re dar­um macht, nicht ein­mal wert:

Aus­künf­te über Vor- und Fami­li­en­na­men, aka­de­mi­sche Gra­de sowie gegen­wär­ti­ge Anschrif­ten dür­fen laut dem Vor­stoß für ein Bun­des­mel­de­ge­setz nur noch für Wer­bung und Adress­han­del her­aus­ge­ge­ben wer­den, wenn die betrof­fe­ne Per­son einer ent­spre­chen­den Über­mitt­lung zuge­stimmt hat. Die Spei­cher­frist für Mel­de­da­ten nach Weg­zug oder Tod soll auf fünf Jah­re beschränkt werden.

Iro­nie, süße Ironie.

Persönliches
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung eines Mor­gens im Sep­tem­ber nach durch­reg­ne­ter Nacht (Ver­such 5)

Noch schlaf­trun­ken, vor der ers­ten Tas­se Kaf­fee, von zu viel Regen in der ver­gan­ge­nen Nacht zuver­läs­sig dar­an gehin­dert, sich in aus­rei­chen­der Men­ge sanf­tem Schlum­mer hin­zu­ge­ben, beginnt man den Tag mit der lau­en Sep­tem­ber­luft. Es riecht nach Regen, nach Frei­heit, ein biss­chen nach ihr, und man fühlt sich drei Jah­re jün­ger, wenn nicht gar vier; unwill­kür­lich ent­lässt man einen tie­fen Seuf­zer aus Regio­nen des Kör­pers, die man längst ver­ges­sen (oder ver­drängt?) hat­te, in die sanf­te Bri­se, die gera­de, just in die­sem Moment, die Sor­gen auf­nimmt und zer­streut, und man möch­te den Wind gern fra­gen, ob er mit der­sel­ben Leich­tig­keit auch Trä­nen weg­zu­we­hen ver­mag, aber man ist mit den Jah­ren gereift und so ein scheiß­ra­tio­na­ler Mensch gewor­den, der nicht mehr mit dem Wind spricht.

Und als hät­te der Wind das bemerkt, lässt er die Bäu­me ein Lied sin­gen; ein Lied, des­sen Refrain mich ihren Namen nicht ver­ges­sen lässt.

Es ist klar, der Regen wäscht auf jeden Fall
weg, was war, und es erscheint mir überall -
schenkt er auch neu­es Leben, ’ne neue Chan­ce für jeden,
wenn Son­nen­licht durch Wol­ken bricht wie nach ’nem Sommerregen.

– Die Fan­tas­ti­schen Vier: Sommerregen

KaufbefehleMusikkritik
Dis­cor­po­ra­te Records: Quer­schnitt 2011

Wer übri­gens, wie so vie­le ande­re Men­schen, am Sonn­tag noch nichts bes­se­res vor­hat, dem sei der dies­jäh­ri­ge sam­pler der Plat­ten­fir­ma Dis­cor­po­ra­te Records ans Herz gelegt, bei der unter ande­rem exzel­len­te Musi­ker wie etwa The Sea­son Stan­dard unter Ver­trag ste­hen. Wie vie­le ande­re Indie­la­bels – wie auch immer man die­ses „Indie“ zu defi­nie­ren beliebt – gibt es sozu­sa­gen zum kos­ten­lo­sen Anfi­xen (denn tat­säch­lich ist die­se Art von Musik eher Dro­ge als Kon­sum­pro­dukt) gele­gent­li­che Aus­zü­ge aus ihrem Kata­log zum kos­ten­lo­sen Runterholen.

Auf dem „Sam­pler 2011“, den übri­gens ein wirk­lich hüb­sches Titel­bild ziert, sind The Sea­son Stan­dard zwar nicht zu hören, wohl aber der eben­falls groß­ar­ti­ge Able­ger SchnAAk und Aus­zü­ge aus dem Debüt­al­bum der Öster­rei­cher broken.heart.collector, das, neben­bei, gute Chan­cen hat, die dies­jäh­ri­ge Jah­res­rück­schau zu zieren.

Der gan­ze Spaß kos­tet nichts, jedes Lied ist auf bandcamp.com (scheint das neue MySpace zu wer­den) für lau anzu­hö­ren, her­un­ter­la­den kann man das Gesamt­ar­chiv eben­falls ohne nöti­gen Obu­lus als MP3, FLAC, AAC oder wonach einem gera­de der Sinn steht. Wer sei­ne E‑Mail-Adres­se lie­ber nicht irgend­wel­chen obsku­ren Musik­an­bie­tern zur Ver­fü­gung stellt, der fin­det die MP3-Ver­si­on auch bei eMu­le.

Wärms­tens empfohlen!

LyrikPolitik
Lee­re Gesichter

Wie aus­drucks­los, wie lebensmüd‘,
wie todes­nah, wie leer
sind, wie man dort oben sieht,
eure Gesichter!

Denn über­schwäng­lich, siegestrun-
ken hab’n eure Genossen
zur Ansehensverbesserung
das Auf­hän­gen beschlossen.

Dabei haben sie aller­dings die schwar­zen Mar­kie­run­gen eben­so „über­se­hen“ wie die Schrift­zü­ge, die dar­auf hin­deu­te­ten, dass dort, wo ihr, „Lin­ke“, statt eure natur­ge­mäß eher aus den unte­ren Gesell­schafts­schich­ten stam­men­de Kli­en­tel mit so was wie Poli­tik zu über­for­dern, lie­ber die immer­glei­chen Visa­gen („Oskar kommt“ eins­elf) plat­ziert habt, eigent­lich ande­re Par­tei­en, nament­lich Grü­ne und Pira­ten hät­ten pla­ka­tie­ren sol­len; in ande­ren Wor­ten: Ihr, „Lin­ke“, habt ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te – teil­wei­se wur­den auch Pla­ka­te der Pira­ten­par­tei über­klebt – ver­sucht, eurem Per­so­nen­kult Gehör zu ver­schaf­fen, und befin­det euch dabei in bes­ter Gesell­schaft mit der F.D.P. und der SPD, die, statt auf den nun wirk­lich nicht gera­de knapp bemes­se­nen Pla­kat­flä­chen auch nur ansatz­wei­se etwas dar­über zu erläu­tern, wofür sie sich eigent­lich poli­tisch ein­set­zen, ein paar bekann­te Gesich­ter und blö­de Ein­zei­ler hin­ge­pappt haben. Eigent­lich, ihr Par­tei­en, die ihr gar nicht erst ver­sucht, den Ein­druck zu erwe­cken, ihr hät­tet auch so etwas wie Inhalt, könn­tet ihr statt der übli­chen hoh­len Phra­sen genau so gut „Ein gan­zer Kerl dank Chap­pi“ hin­schrei­ben. Das wür­de auf die­sen Pla­kat­wän­den viel­leicht sogar ein wenig Platz spa­ren: Ein Pla­kat pro Par­tei genügt dann vollends.

„Ver­trau kei­nem Pla­kat – infor­mier dich!“

Netzfundstücke
min.us, Revi­si­on Sep­tem­ber 2011

(Vor­be­mer­kung: Fol­gen­der lang­wei­li­ger Com­pu­ter­bei­trag ist eine Ergän­zung zu einem ande­ren lang­wei­li­gen Com­pu­ter­bei­trag und soll­te als Emp­feh­lung, nicht aber als Wer­bung ver­stan­den werden.)

Im Dezem­ber vori­gen Jah­res pries ich den noch jun­gen Bild­hos­ting­dienst min.us und ver­schrift­lich­te einen Wunsch:

(…) kann ich nur hof­fen, dass die bei­den Betrei­ber die­ses hüb­sche Expe­ri­ment nicht irgend­wann als ein sol­ches beenden.

Trotz der Beden­ken ist min.us seit­dem nicht in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit abge­rutscht, son­dern wird ste­tig wei­ter ver­bes­sert. Mitt­ler­wei­le gibt es zahl­rei­che Hilfs­pro­gram­me wie etwa mobi­le apps, Brow­ser­er­wei­te­run­gen und Pro­gram­me, die ein schnel­les Hoch­la­den sozu­sa­gen per Tas­ten­druck ermög­li­chen. Auch der Dienst selbst gewinnt stän­dig hin­zu: Der­zeit gibt es 10 Giga­byte dau­er­haf­ten Spei­cher­platz und 2 Giga­byte maxi­ma­le Datei­grö­ße für jedes Benut­zer­kon­to. Bei der Anmel­dung wird unver­än­dert nur nach einem Benut­zer­na­men und einem Pass­wort gefragt, mehr Daten wol­len die Betrei­ber gar nicht haben, was min.us wohl­tu­end von Daten sam­meln­den Kon­kur­ren­ten wie etwa dem unsäg­li­chen Pica­sa (bald „Goog­le Pho­to“) abhebt. Die­se 10 Giga­byte kön­nen auch erwei­tert wer­den; pro gewon­ne­nem Benut­zer gibt es ein Giga­byte oben­drauf. Dass min.us nun aller­dings etwas auf­dring­li­cher auf die Mög­lich­keit einer Anmel­dung hin­weist, ist nicht etwa ein Ver­such, zah­len­de Kund­schaft zu gewin­nen, denn auch wei­ter­hin wird min.us aus­schließ­lich mit Spon­so­ren­geld finan­ziert, und die kos­ten­lo­se Nut­zung ist auch wei­ter­hin unein­ge­schränkt mög­lich. Man ver­zich­tet dann ledig­lich, wie auch bis­her, auf die Mög­lich­keit einer Benut­zer­ga­le­rie und dar­auf, dass hoch­ge­la­de­ne Datei­en auch nach mehr als 30 Tagen noch ver­füg­bar sind. (Da Diens­te wie min.us aber ohne­hin eher für den schnel­len Datei­aus­tausch als den Betrieb einer pro­fes­sio­nel­len Bil­der­ga­le­rie kon­zi­piert sind, soll­te die­ser Aspekt nicht von Bedeu­tung sein.)

Auch die Gestal­tung der Web­sei­te wird gele­gent­li­chen Ände­run­gen unter­zo­gen, momen­tan herrscht dezen­tes Grau:

Unver­än­dert geblie­ben ist der­weil die Bedie­nung: Datei­en (kei­nes­falls nur Bild­da­tei­en) kön­nen an belie­bi­ger Stel­le in das Brow­ser­fens­ter gezo­gen wer­den, min.us erle­digt den Rest. Man bleibt sei­nem Namen treu: Minus statt Plus, ein­fach statt mit Klick­or­gi­en verbunden.

(Die­ses Kon­zept soll­te man im Hau­se Micro­soft übri­gens auch mal in Erwä­gung ziehen.)

Spaß mit Spam
Fan­ta­stic results guaranteed

Von einem Spam­ver­sen­der, der sich lus­ti­ger­wei­se „femi­nismma­ckey“ nennt und somit also die Rech­te von Frau­en ver­mut­lich eigent­lich ziem­lich duf­te zu fin­den vor­gibt, erhielt ich neben­bei die­sen Ein­zei­ler nebst hier nicht genann­tem URL:

Boost your sexu­al ego and appe­ti­te with our new orga­nic remedies

Schön, dann habe ich mein sexu­el­les Ich und mei­nen Appe­tit also mit euren, Spam­mer, neu­en orga­ni­schen Haus­mit­teln ange­trie­ben, aber was dann? Dann bin ich rat­tig und plat­ze bei­na­he vor ero­ge­nem Selbst­wert­ge­fühl, aber mehr oder gar bes­se­ren Geschlechts­ver­kehr als bis­her habe ich dann immer noch nicht.

Kein Wun­der, dass ihr Spam nötig habt; wenn es schon nicht für ein gutes Geschäfts­mo­dell reicht.

PersönlichesPolitik
Sprach­na­zis

Ich spie­le in mei­ner knap­pen Frei­zeit hin und wie­der das Online­rol­len­spiel League of Legends, kurz „LoL“. Wäh­rend das Spiel­prin­zip eher schlicht ist (zwei geg­ne­ri­sche „Städ­te“ á 3 oder 5 Spie­lern, mensch­lich oder Com­pu­ter­geg­ner, ver­su­chen die jeweils gegen­über lie­gen­de Stadt mit­tels Met­zelns und/oder Magie ein­zu­neh­men), sind doch die dort anzu­tref­fen­den Exem­pla­re Mensch so viel­fäl­tig wie die Aus­re­den eines vor­geb­li­chen Win­dows­ver­äch­ters, wenn er dann doch mal Wine nut­zen muss.

Zu dem Wesen die­ser Spiel­gat­tung gehört es, dass die Kli­en­tel über­wie­gend aus Spröss­lin­gen unte­rer bis mitt­le­rer Bil­dungs­schich­ten besteht, was sich ins­be­son­de­re auch in der ein­ge­bau­ten Dis­kus­si­ons­mög­lich­keit („Chat“) zeigt, in dem Nie­der­ver­ba­li­tä­ten in der Regel vor­herr­schen, so man sie denn ver­steht. Fran­zo­sen und Spa­ni­er sind auf dem west­eu­ro­päi­schen LoL-Ser­ver näm­lich in grö­ße­rer Zahl ver­tre­ten als Deut­sche, und wäh­rend mein Spa­nisch viel­leicht nicht rei­se­taug­lich, aber doch zumin­dest in Grund­zü­gen vor­han­den ist, beschrän­ken sich mei­ne Fran­zö­sisch­kennt­nis­se auf „mer­ci“, „bon­jour“ und Refrains popu­lä­ren fran­zö­sisch­spra­chi­gen Lied­gu­tes. Erfreu­lich ist es da, dass man Ein­hei­mi­sche oft am ange­zeig­ten Namen erkennt, immer­hin bevor­zugt man im Alter von 12, 13 Jah­ren oft Cha­rak­ter­na­men wie „bigboss1999“ und „Klaus der Tol­le“. (Ähn­lich­kei­ten mit vor­han­de­nen Spie­ler­na­men sind bekannt.)

In einer etwas schwä­che­ren Run­de nun, die ich vor eini­gen Stun­den absol­vier­te, waren sich mei­ne Mit­spie­ler spiel­in­tern einig, dass wir die­se Run­de zu gewin­nen nicht mehr imstan­de sein wür­den. Kei­nes­falls aber lau­te­te ihre Ein­schät­zung hier­zu „wir wer­den die­ses Spiel nicht mehr gewin­nen“ oder wenigs­tens „wir ver­lie­ren“, son­dern „wir loosen“.

Mei­nem zag­haf­ten Ein­wand, man möge doch bit­te, wenn man schon eng­lisch reden muss, nicht to lose („ver­lie­ren“) mit loo­se („locker“) ver­wech­seln oder sich eben doch bes­ser auf eine Spra­che beschrän­ken, die man auch beherrscht, wur­de zum Einen ent­ge­gen­ge­bracht, dass „loo­sen“ (sic!) kür­zer sei als ver­lie­ren („looooo­sen“ aber ver­mut­lich nicht, was ich aus Grün­den tem­po­rär man­geln­der nerv­li­cher Belast­bar­keit indes nicht ein­brach­te), was kei­nes­falls von der Hand zu wei­sen war, zum Ande­ren über­rasch­te mich einer mei­ner Mit­spie­ler mit der Fra­ge, ob ich denn Nazi sei „oder was“. Mit die­ser Fra­ge hat­te ich nicht gerechnet.

Bin ich ein Nazi, weil ich mei­ne Mut­ter­spra­che beherr­sche und Sprach­matsch aus deut­schen Satz­stum­meln und (oben­drein fal­schen) eng­li­schen Ver­satz­stü­cken nur wenig abge­win­nen kann? In der Tra­di­ti­on von Adolf Hit­ler jeden­falls, das beru­higt mich nach kur­zer Recher­che, ste­he ich nicht, denn er bil­lig­te Angli­zis­men aus­drück­lich. Inso­fern aber ist es in mehr­fa­cher Hin­sicht bedenk­lich, dass man, um nicht als „Nazi“ zu gel­ten, Sprach­pan­sche­rei­en gut­mü­tig zur Kennt­nis neh­men muss, denn eigent­lich zollt man so wie­der­um dem Natio­nal­so­zia­lis­mus Tribut.

Mei­ne dem Natio­nal­so­zia­lis­mus ähn­lichs­te Eigen­schaft ist mein Musik­fa­schis­mus, dar­über hin­aus aber kann ich mir nicht ohne Stolz ein weit­ge­hend inte­gres Welt­bild attes­tie­ren. Die­ses Welt­bild lässt mich nun dar­über nach­den­ken, inwie­fern Spra­che und Natio­nal­so­zia­lis­mus eigent­lich zusam­men­hän­gen. Das For­cie­ren der eige­nen Lan­des­spra­che nebst Dezi­mie­rung der alter­na­tiv gespro­che­nen Spra­chen im Land ist zum Bei­spiel in Frank­reich Usus, aber von Natio­nal­so­zia­lis­mus kann dort wahr­lich nicht die Rede sein, denn es regiert das Kapital.

Aus der Sprach­wahl des mich der­art Schel­ten­den fol­ge­re ich, dass man in sei­nen Augen also nur dann nicht als Nazi („mein­ten Sie: Natio­na­list?“) gilt, wenn man sich als Welt­bür­ger zu erken­nen gibt und also die Spra­che der popu­lis­ti­schen US-ame­ri­ka­ni­schen Kriegs­trei­ber zu der sei­nen macht, unab­hän­gig von dem nicht zu unter­schät­zen­den Umstand, dass Deutsch in Deutsch­land, Öster­reich, der Schweiz, Liech­ten­stein, Luxem­burg, Süd­ti­rol und Bel­gi­en Amts­spra­che und in Nami­bia und den Nie­der­lan­den und Tei­len Frank­reichs, Polens und der Slo­wa­kei zumin­dest eine der meist­ge­spro­che­nen Umgangs­spra­chen ist und es somit gut und rich­tig ist, von der Welt­spra­che Deutsch zu spre­chen. Aber sind es nicht eigent­lich eben die US-Ame­ri­ka­ner, die dem Natio­nal­so­zia­lis­mus nahe stehen?

Wäh­rend die Deut­schen alles tun, um die Zeit des Drit­ten Reichs damo­kles­schwert­ar­tig wie ein Mene­te­kel über den Köp­fen jeder her­an­wach­sen­den Gene­ra­ti­on pen­deln zu las­sen, (was eigent­lich eine ziem­lich blö­de Meta­pher ist und) wor­in sich irri­tie­ren­der­wei­se die noch leben­den Funk­tio­nä­re des bis­lang letz­ten deut­schen Ver­bre­cher­re­gimes bis heu­te her­vor­tun, sieht man es in den Län­dern, die gegen die Deut­schen einst schwe­res Geschütz auf­fuh­ren, nicht ganz so eng. Der Han­del mit Andenken an die Zeit der NSDAP-Herr­schaft, etwa Haken­kreuz­flag­gen und NSDAP-Anste­ckern, erfreut sich gera­de in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, unter ande­rem bei Ama­zon-Part­nern, eben­so gro­ßer Beliebt­heit wie Ras­sis­mus und die Bil­dung ent­spre­chen­der Ver­ei­ni­gun­gen, sei es nun der Ku-Klux-Klan, sei es die NSDAP/AO.

Und wäh­rend hier­zu­lan­de zum Bei­spiel Komö­di­en über Adolf Hit­ler trotz all der im Film impli­zit geschwun­ge­nen Zei­ge­fin­ger vom Föje­tong mit gro­ßem Grau­sen auf­ge­nom­men wird, weil es ja nicht sein kön­ne, dass man Adolf Hit­ler fil­misch zu einer gro­tes­ken Kari­ka­tur sei­ner selbst macht (viel­leicht wäre den jewei­li­gen Schrei­ber­lin­gen eine ehr­fürch­ti­ge Hul­di­gung lie­ber gewe­sen), ist das Kunst­werk Hit­ler in Über­see schon seit Jahr­zehn­ten Gegen­stand von Ehr­erbie­tung einer­seits und ande­rer­seits eben gro­tes­ker Kari­ka­tur, wie man etwa auf dem Künst­ler­por­tal deviantArt.com sehen kann.

Es zeugt also nicht von ange­mes­se­ner Wach­sam­keit, die Spra­che der US-Ame­ri­ka­ner der deut­schen vor­zu­zie­hen, will man zei­gen, dass man kein „Nazi“ ist; es zeugt viel­mehr von einer gefähr­lich nai­ven Ein­schät­zung der Welt­po­li­tik. Längst näm­lich sind es nicht mehr die paar hun­dert NPD’­ler, um die sich der auf­rech­te Anti­fa­schist sor­gen soll­te, es sind ihre paar tau­send US-ame­ri­ka­ni­schen Gesin­nungs­ge­nos­sen, die sich dort seit Jahr­zehn­ten unwi­der­spro­chen aus­brei­ten kön­nen. Dass eine Demo­kra­tie auch faschis­ti­sche Mei­nun­gen ertra­gen kön­nen muss, um noch eine star­ke Demo­kra­tie zu sein, habe ich bereits anders­wo aus­rei­chend erläu­tert, inso­fern ist das nun kei­nes­falls ein Auf­ruf, links­ra­di­ka­le Gue­ril­la in den USA zu eta­blie­ren. Man soll­te aller­dings doch, sofern man irgend­wann ein­mal zufäl­lig auf die­sen Text stößt, kurz dar­über nach­den­ken, ob eine Spra­che, deren pri­mä­re Spre­cher – ein­mal unter­stellt, der Nach­wuchs bezieht sei­ne Eng­lisch­kennt­nis­se aus den Medi­en statt aus der Schu­le und bemü­ßigt sich also des US-ame­ri­ka­ni­schen, nicht des bri­ti­schen Idi­oms – Hit­ler über­wie­gend all­tags­taug­lich fin­den, sich selbst als Welt­po­li­zei ver­ste­hen (die Zugriffs­rech­te des FBI auf aus der EU stam­men­de Daten jeg­li­cher Art sei­en nur ein­mal als Bei­spiel genannt), seit Jahr­zehn­ten Angriffs­krie­ge füh­ren, dun­kel­häu­ti­gen Aus­län­dern nicht immer all­zu offen­her­zig begeg­nen und groß­teils kein Pro­blem mit der Todes­stra­fe haben, wirk­lich weni­ger nazi­haft wirkt als die Ver­wen­dung der Mut­ter­spra­che im Gespräch mit Mut­ter­sprach­lern, und das Ergeb­nis dann aus­dru­cken und in gro­ßen roten Buch­sta­ben an sei­nen Bild­schirm tackern, auf dass er auf der­ar­ti­ge Ver­mu­tun­gen künf­tig verzichte.

Aber: „End­lich kön­nen wir uns wie­der selbst gei­ßeln!“ (Anony­mus „Monark“ in völ­lig ande­rem Zusam­men­hang.)
Yeah, sozusagen.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Lori­ot.

Zum To‘ von Lori­ot (na kommt, der lag nahe!) habe ich hier bewusst bis jetzt nichts geschrie­ben, denn ich wuss­te, die Medi­en wür­den mir die­se Arbeit in bekannt destruk­tiv-des­in­for­mier­ter Manier abneh­men; haben sie dann auch und wer­den sie nun, da er nicht mehr wider­spre­chen kann, erst recht, schreibt „qui­ri­nus“:

(…) noch wird er von der Mehr­heit gefei­ert. Aller­dings ist abzu­se­hen, daß es schon bald Leu­te geben wird, die ihn ent­lar­ven wer­den; denn bei einem, der drei Jah­re lang Offi­zier an der Ost­front war, wird sich doch etwas fin­den las­sen, was der eige­nen Kar­rie­re för­der­lich sein kann.

Genau die­sen Men­schen­schlag hat Lori­ot zu Leb­zei­ten nur all­zu gern sub­til aufs Korn genom­men; albern konn­te er aber auch hervorragend:

Was bleibt? Mario Barth. Oli­ver Pocher. Cin­dy aus Marzahn.
Der Rest ist Schweigen.

Schö­nen Sonntag.

Politik
RRP: Bei Nicht­ge­fal­len Stim­me abgeben

Heda, „Rent­ne­rin­nen und Rent­ner Par­tei“ (sic!) Wolfenbüttel,

da schlen­dert man gedan­ken­ver­lo­ren durch die Innen­stadt besag­ter Ort­schaft und erblickt dann zwi­schen den Phra­sen dre­schen­den gro­ßen bun­ten Heiß­luft­pla­ka­ten der eta­blier­ten Par­tei­en eure Streit­schrift, beacht­lich schlicht und prä­zi­se pointiert:

Auf den Faux­pas, schon im Namen eine sozia­le Ungleich­heit der Geschlech­ter sowie zwi­schen Rent­nern und Berufs­tä­ti­gen zu beschwö­ren und den­noch im Namen „sozia­ler Gerech­tig­keit“ auf­zu­tre­ten, gehe ich hier aus­nahms­wei­se nicht ein; die ande­re Par­tei der „sozia­len Gerech­tig­keit“, die unsäg­li­che „Lin­ke“, hat da noch mit Geschich­ten ganz ande­ren Kali­bers aufzuwarten.

Aber hal­tet ihr es nicht auch für zumin­dest bri­sant, dem poten­zi­el­len Wäh­ler die Wahl zu las­sen zwi­schen dem, „was ihm gefällt“, und euch? Seid ihr also das, was ihm ganz bestimmt nicht gefällt?

Seht ihr, das glau­be ich auch.
Stets zu Diensten!

Spaß mit Spam
Eine ehr­li­che Frau für einen erns­ten Freund

Frau „Mor­gan Zamo­ra“ gehört zu der Sor­te „Frau­en“, die es offen­bar hef­tig juckt; denn „sie“ ver­zich­tet auf die Erzäh­lung einer meter­lan­gen Lebens­ge­schich­te und kommt direkt auf den Punkt:

hal­lo) mein Name ist Mor­gan Zamo­ra . Ich möch­te Sie ken­nen ler­nen. Ich habe Ihnen mei­ne Bil­der. Schrei­ben Sie mir, wenn ich Ihnen gern

Die Zei­len­sprung­tas­te ist wirk­lich schwer zu fin­den auf so einer Tas­ta­tur, als Dienst­leis­tung für mei­ne Leser struk­tu­rie­re ich den Text den­noch mal etwas übersichtlicher:

hal­lo)

Tag)

mein Name ist Mor­gan Zamora .

Das ist aber interessant .

Ich möch­te Sie ken­nen lernen.

So knapp for­mu­liert lässt mich das frös­teln; wis­sen­schon, „Sie wer­den mich noch ken­nen lernen“.

Ich habe Ihnen mei­ne Bilder.

Ich bin Ihnen Witz.

Schrei­ben Sie mir, wenn ich Ihnen gern

Ja, eilig hat sie es tat­säch­lich, nicht ein­mal für das Satz­en­de fand sie Zeit. Spricht das nun eigent­lich für sie?

„Frau Zamo­ra“, mai­lend via Ali­as „pwal­ters“, scheint sich über­dies so sehr nach einem Mann zu seh­nen, dass besag­te Mail – ja, das war der gan­ze Text – mich gleich zwei­mal erreich­te, ange­hängt jeweils eine Datei namens „sexy photo_1314173648.zip“, und ich frag­te mich, ob es denn von besag­ter Dame auch unse­xye Foto­gra­fien gebe, denn eine poten­zi­el­le Part­ne­rin bekommt man nach erfolg­rei­cher Erobe­rung in der Regel öfter unse­xy als sexy zu sehen und muss doch wis­sen, wor­auf man sich ein­lässt; ent­hal­ten jeden­falls war jeweils eine Datei namens my image.scr, eine Bild­schirm­schon­er­da­tei also, und ich folg­te der Wei­sung und schon­te mei­nen Bild­schirm per beherz­tem Druck auf die Tas­te, die jene Tex­te ver­schwin­den ließ, denn das bewahr­te mei­nen Bild­schirm vor nach­hal­ti­ger Ver­un­rei­ni­gung mit Kaf­fee, denn ich bin zwar ehr­lich, aber nicht ernst.

Das war aller­dings auch nicht gefordert.

Netzfundstücke
Das lang­sa­me Siech­tum der Blogs

Lie­be Leser,

dass ihr euch über­haupt hier ein­ge­fun­den habt, ist bei­na­he schon ana­chro­nis­tisch, denn außer Lori­ot haben wir die­ser Tage noch einen ande­ren üblen Todes­fall zu bekla­gen, näm­lich Blogs und Nicht­blogs wie das mei­ne. Blogs sind tot. Wei­ter­ge­hen, hier gibt es nichts zu sehen.

Denn anstatt hier regel­mä­ßig Gebüh­ren für den Spei­cher­platz abzu­drü­cken, könn­te ich mir das auch ein­fach spa­ren und zu Goog­le+ umzie­hen, denn dort fin­de ich als nicht pro­fit­ori­en­tier­ter Ins­in­ter­net­schrei­ber alles vor, was ich benötige:

Es gibt kei­ne Limi­tie­rung der Post-Län­ge, wie es bei­spiels­wei­se bei Face­book der Fall ist. Zudem las­sen sich pro­blem­los Medi­en wie Bil­der und Video ein­fü­gen und es gibt eine Kom­men­tar­funk­ti­on. Also eigent­lich ist doch alles da, was ein Blog­ger braucht. Und die ers­ten Blog­ger haben sich bereits von ihren Blogs ver­ab­schie­det. Kevin Rose will bei­spiels­wei­se nur noch bei Goog­le+ Inhal­te ein­stel­len und teilen.

Ich weiß zwar nicht, wer die­ser Kevin Rose genau ist, aber wenn er auf t3n.de erwähnt wird, ist er sicher sehr wich­tig. Das gibt mir schon zu den­ken. Über­dies hät­te ich noch wei­te­re Vor­tei­le davon, künf­tig aus­schließ­lich auf Goog­le+ zu publi­zie­ren, denn dort pro­fi­tie­re ich von der Viri­li­tät des Netzes:

Blog­ger, die nur ihre Inhal­te ver­öf­fent­li­chen wol­len, um sie mit ande­ren Leu­ten im Inter­net zu dis­ku­tie­ren, haben eine ande­re Aus­gangs­la­ge. Sie kön­nen dies ohne gro­ße Pro­ble­me auch bei Goog­le+ machen und pro­fi­tie­ren dabei von der Vira­li­tät des Social Networks.

Viren pfleg­te ich bis­her zu bekämp­fen; jetzt erfah­re ich, dass Viren­ar­tig­keit ein posi­ti­ver Aspekt ist, wenn man Men­schen errei­chen möch­te. Ver­dammt, da habe ich eine gro­ße Chan­ce ver­tan. Aber das ergibt Sinn: So eine Grip­pe ver­brei­tet sich ja auch rasend schnell. Der gesell­schaft­li­che Auf­stieg vom Publi­zis­ten zum Virus ist wahr­lich verlockend.

Aber wie kommt man eigent­lich auf die Idee, Blogs sei­en tot?

Nun, Robert Sco­ble – anschei­nend wie­der jemand mit viel Wich­tig­keit, denn auch ihn erwähn­te t3n.de nebst Ver­lin­kung – hat bemerkt, dass in „sozia­len Net­zen“, etwa Face­book und Goog­le+, viel mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on herr­sche als in den Kom­men­tar­be­rei­chen gro­ßer Nach­rich­ten­sei­ten. (Im IRC, ande­rer­seits, fin­det auch mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on statt als in einer Büche­rei, aber viel­leicht kennt Robert Sco­ble das IRC ja nicht und kann daher die­se Par­al­le­le nicht erken­nen. Oder Büche­rei­en.) Er zieht also den Schluss: Inhal­te an den Mann zu brin­gen ist nur dort sinn­voll, wo vie­le Men­schen auf­ein­an­der tref­fen. So weit ist das rich­tíg, in Ber­lin sind Döner­bu­den ver­mut­lich auch gefrag­ter als in Pader­born, aber t3n.de ver­wech­selt hier Inter­ak­ti­on und Mitteilung.

Ein Inter­net­auf­tritt wie die­ser hier oder wie die meis­ten Blogs dient vor­ran­gig dem Zweck, einem inter­es­sier­ten Publi­kum Tex­te oder ande­re Medi­en nahe zu brin­gen. Ein sol­cher Inter­net­auf­tritt ist sozu­sa­gen das per­sön­li­che Sprach­rohr sei­nes Besit­zers oder sei­ner Besit­zer, ungleich etwa einem Inter­net­fo­rum. Um bei der Ana­lo­gie zu blei­ben: Hät­te ich ein Face­book-Pro­fil, so wür­den die Men­schen dort mit even­tu­el­len Kom­men­ta­ren auf mein Mit­tei­lungs­be­dürf­nis reagie­ren, aber ich wür­de es kei­nes­falls unter­hal­ten, um Kom­men­ta­re zu bekom­men. Dies wäre bei Goog­le+ zum Bei­spiel sicher­lich auch nicht ein­fa­cher als hier, denn wäh­rend ich hier mit eige­ner Inter­net­adres­se und weit­ge­hend allein und mit größt­mög­li­cher Gestal­tungs­frei­heit mal bes­se­re, mal schlech­te­re Tex­te hin­ter­la­se und dafür mit­un­ter von ande­ren Ins­in­ter­net­schrei­bern erwähnt wer­de, hät­te ich bei Goog­le+ genau das Pro­blem der Viri­li­tät: In einem Sumpf aus hun­der­ten, gar tau­sen­den „Blog­gern“, die unter schlecht zu mer­ken­den Inter­net­adres­sen mit dem immer glei­chen design ihren Senf ablas­sen, fin­det man sich auch nicht bes­ser zurecht, wenn die alle unter­ein­an­der ver­linkt sind. Goog­le+ ist sozu­sa­gen ein Abbild der deut­schen Blogo­sphä­re ohne ihre zen­tra­len Licht­ge­stal­ten, aber ich neh­me an, das liegt ledig­lich dar­an, dass das Netz noch recht neu ist und Sascha Lobo noch kei­ne Gele­gen­heit hat­te, im Fern­se­hen zu erklä­ren, wie­so er Goog­le+ ver­stan­den hat und alle ande­ren nicht.

Natür­lich ist gele­gent­li­che Rück­mel­dung von Lesern hilf­reich, natür­lich fühlt man sich am Bauch wie auch an ande­ren Glied­ma­ßen mit Freu­den bepin­selt, wenn man posi­ti­ve Kri­tik erhält. Wer aber eine sol­che Inter­net­prä­senz nur an den Kom­men­ta­ren misst, wer sie also nur unter der Bedin­gung für rele­vant hält, dass sich eine Viel­zahl von Besu­chern als Kom­men­ta­to­ren her­vor­tut, des­sen Beweg­grün­de sei­en hier­mit angezweifelt.

Das tote Pferd ist quick­le­ben­dig. Es wiehert.

PolitikIn den Nachrichten
Zur Lage in Libyen

Man stel­le sich vor, irgend­wo auf der Welt schafft es ein Revo­lu­tio­när, 42 Jah­re lang eine Dik­ta­tur auf­recht zu erhalten.

Man stel­le sich vor, die­se Dik­ta­tur wird von der Ach­se des Guten wäh­rend all die­ser Zeit zwar kri­tisch zur Kennt­nis genom­men, aber nicht mit nach­hal­ti­gen Sank­tio­nen bedacht; wohl auch auf­grund signi­fi­kan­ten Man­gels an Ölquellen.

Man stel­le sich vor, nach 42 Jah­ren ent­schließt sich eine Armee von Rebel­len, mili­tä­risch gegen die­se Dik­ta­tur vor­zu­ge­hen, und wird von den West­mäch­ten als Befrei­er des Lan­des gefei­ert, obwohl die­se Armee letzt­lich einen schwe­len­den Bür­ger­krieg ent­facht hat.

Man stel­le sich vor, Mit­glieds­staa­ten der Ach­se des Guten ste­hen die­sen Rebel­len mili­tä­risch bei, indem sie zum Bei­spiel mit­tels Bom­bar­de­ments mal eben die hal­be Fami­lie erwähn­ten Dik­ta­tors von der Land­kar­te putzen.

Man stel­le sich vor, die­se Guten füh­ren als Begrün­dung für die­se mili­tä­ri­schen Ein­grif­fe die Nicht­be­ach­tung von Men­schen­rech­ten sei­tens des – von den Atten­ta­ten nicht ein­mal ver­letz­ten – Dik­ta­tors an.

Man stel­le sich vor, nach erfolg­tem Sieg der Rebel­len ver­kün­den die Staa­ten, die zuvor ihr Bes­tes gege­ben haben, um für mög­lichst viel Ver­wüs­tung in unter besag­ter Dik­ta­tur ste­hen­dem Land zu sor­gen, ein­hel­lig, es lie­ge gänz­lich in ihrem Inter­es­se, dass der bom­bar­dier­te und in einen Bür­ger­krieg gestürz­te Staat nun aus eige­ner Kraft und ohne frem­de Hil­fe wie­der auf die Bei­ne komme.

Man war­tet doch dann eigent­lich nur noch dar­auf, dass Char­lie Sheen in sei­ner Para­de­rol­le als Top­per Har­ley vor die Kame­ras tritt und eine der­be Zote reißt, oder?