NerdkramsPiratenpartei
Fund­stü­cke: Fire­fox und Facebook

(Vor­be­mer­kung: Natür­lich könn­te ich mich an die­ser Stel­le über die jüngs­ten Rei­be­rei­en zwi­schen Vor­stand und Basis des nie­der­säch­si­schen Lan­des­ver­ban­des der Pira­ten­par­tei aus­las­sen, aber das erscheint mir noch etwas ver­früht, ange­sichts der hier bewusst nicht ver­link­ten Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne ehe­mals akti­ver Pira­ten in inzwi­schen Anti-Pira­ten-Blogs wohl auch tak­tisch unklug. Mehr dazu also frü­hes­tens spä­ter hier oder gegen­wär­tig in der ent­spre­chen­den Mai­ling­lis­te [Anmel­dung erforderlich].)

Um Gerüch­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken, über­mä­ßig vie­le Erwei­te­run­gen wür­den den stan­dard­mä­ßig schlan­ken und schnel­len Brow­ser Fire­fox unnö­tig über­la­den, hat sich der Ent­wick­ler der Fire­fox-Erwei­te­rung Auto­Pa­ger etwas beson­de­res aus­ge­dacht und den Ein­stel­lungs­dia­log beim ers­ten Auf­ruf auf ein Mini­mum reduziert:

(Ich muss­te übri­gens auch ein wenig schmun­zeln, als ich im Zeit­schrif­ten­re­gal die Zeit­schrift „Der gro­ße Face­book Rat­ge­ber“ (sic!) erblick­te, des­sen Titel unter ande­rem die Rubrik „Sicher­heit ganz groß“ mit dem The­ma „Pri­vat­sphä­re und Daten­schutz – Pro­fil voll­kom­men was­ser­dicht machen“ ankün­dig­te: Eine Anlei­tung zur „Kon­ten­lö­schung“ für 7,80 Euro zu ver­kau­fen erschien mir doch etwas überzogen.)

MusikNerdkramsNetzfundstücke
Groo­ve­shark und Sim­fy: Zwei Diens­te, ein Lied

Dass das Inter­net dem geneig­ten Musik­freund dem Gar­ten Eden nicht unähn­lich erscheint, ist im Jahr 13 nach Naps­ter (heu­te erfin­den wir mal Zeit­rech­nun­gen) kei­ne Über­ra­schung mehr, allen Wid­rig­kei­ten und der GEMA zum Trotz. Die Tech­nik dahin­ter wird kon­ti­nu­ier­lich wei­ter diver­si­fi­ziert, Peer-to-Peer-Tausch­bör­sen sind längst nicht mehr die ein­zi­ge Bezugs­quel­le für Lie­der aller Art. Und wenn­gleich sich eMu­le auf­grund aus­ge­reif­ter Tech­nik und Dezen­tra­li­sie­rung noch immer als die benut­zer­freund­lichs­te und, neben Bit­Tor­rent, reich­hal­tigs­te Tausch­bör­se behaup­ten kann, so man­gelt es doch nicht an Alter­na­ti­ven, die oft völ­lig ande­re Kon­zep­te verfolgen.

Der­zeit wird in deutsch­spra­chi­gen Blogs das Kon­zept der Musik­strea­ming­diens­te, die gegen­wär­tig eine Blü­te­zeit erle­ben, geprie­sen, wohl auch bedingt durch den Umstand, dass der deut­sche Dienst Sim­fy, etwa von Caschy wort­reich für anse­hens­wert befun­den, den Kin­der­schu­hen ent­wach­sen ist. Im Fol­gen­den wer­de ich mich mit die­sem The­ma befas­sen und den von mir genutz­ten Dienst Groo­ve­shark als Ver­gleich her­an­zie­hen. Den, wohl aus psy­cho­lo­gi­schen Grün­den, noch in einer „geschlos­se­nen Test­pha­se“ befind­li­chen Daten­sam­mel­dienst „Music“ von Goog­le wer­de ich hier selbst­ver­ständ­lich nicht berück­sich­ti­gen. ‘Groo­ve­shark und Sim­fy: Zwei Diens­te, ein Lied’ weiterlesen »

NerdkramsSpaß mit Spam
Fire­fox kann jetzt auch Internet!

Aus einer ganz ande­ren Moti­va­ti­on als die ande­ren Ver­fas­ser uner­wünsch­ter Wer­be­post her­aus kon­kur­rie­ren gera­de deut­sche Gra­tis­mail­adres­sen­an­bie­ter (für sol­che Wör­ter schät­ze ich die deut­sche Spra­che sehr) um den größt­mög­li­chen Stuss. Dass sie dafür eine iden­ti­sche For­mu­lie­rung wäh­len, ver­ur­teilt die­sen Plan aller­dings ver­mut­lich zum Scheitern.

Denn dass man einst Inter­net­sei­ten für einen Web­brow­ser „opti­mie­ren“ „muss­te“, ist längst Ver­gan­gen­heit. Heu­te opti­miert man Web­brow­ser auf Inter­net­sei­ten, denn irgend­ei­nen Grund müs­sen die stän­di­gen neu­en Brow­ser­ver­sio­nen ja haben:

Nicht bekannt ist, ob Goog­le-Mail-Benut­zer ein ähn­li­ches Ange­bot erhal­ten haben oder ob es gar schon ers­te gehack­te Ver­sio­nen gibt, die „schnel­len Zugriff“ auf (also ver­mut­lich jeweils ein Lese­zei­chen für) bei­de Mail­an­bie­ter beinhal­ten. Das wäre doch qua­si ein unschlag­ba­res Ange­bot! (Und ob die­ser Fire­fox auch etwas gegen die Schad­soft­ware von GMX unternimmt?)

(Dan­ke an V.!)

PolitikIn den NachrichtenWie die Anderen
Wie die Ande­ren (2): C wie Childporn

(Vor­be­mer­kung: Dies ist der zwei­te Teil mei­ner losen Rei­he „Wie die Ande­ren“, dies­mal inspi­riert von Fefe.)

Also DAMIT konn­te ja wohl NIEMAND rechnen!!11:

Chris­ti­an von Boet­ti­chers Gespie­lin war zum Zeit­punkt des Ken­nen­ler­nens erst 15 (Vor­sicht, Kom­men­tar zitiert BILD.de):

Und trotz­dem bleibt ein scha­les Gefühl. Denn Marie (gebo­ren im Febru­ar 1994) war wohl erst 15, als die bei­den sich über Face­book Anfang 2010 ken­nen­lern­ten. Marie war da auf „Frat­zen­buch“, wie sie Face­book selbst spöt­tisch nennt, bereits mit etli­chen CDU- und FDP-Poli­ti­kern verbunden.

Nur, falls noch jemand einen Grund braucht, die CDU nicht zu wählen.

(Nach­be­mer­kung: Soll­te ich eine der Marot­ten der in die­ser Rei­he par­odier­ten Blog­ger ver­se­hent­lich nicht ein­ge­baut haben, so seid ihr natür­lich herz­lich ein­ge­la­den, es bes­ser zu machen – gern mit Track­back und/oder Kom­men­tar hier unten drunter.)

MontagsmusikMusikPolitikIn den Nachrichten
Panic on the streets of London

Hin und wie­der fin­de ich es ehr­lich scha­de, dass ich weder ein Musik­blog betrei­be noch den Smit­hs son­der­lich viel abge­win­nen kann, denn ers­te­res lässt mich mit­un­ter, etwa ges­tern, erfolg­los über Anläs­se nach­den­ken, etwas zu schrei­ben, so dass ich das Wochen­en­de ander­wei­tig nut­zen muss, und zwei­te­res hät­te bei­na­he ver­hin­dert, dass mir die musi­ka­li­sche Poin­te der gegen­wär­ti­gen Auf­stän­de in Lon­don ent­gan­gen wäre.

The Smit­hs – Panic

Panic on the streets of London
Panic on the streets of Birmingham
I won­der to myself:
Could life ever be sane again?

(Beson­ders beun­ru­hi­gend ist in die­sem Zusam­men­hang ja die Ver­mu­tung, dass hier nicht Arm und Reich gegen­ein­an­der kämp­fen, son­dern der jun­ge Hip-Hop gegen die als Zei­chen für Gest­ri­ges miss­ver­stan­de­ne Rock­mu­sik. Bei­na­he hät­te es dabei 1:0 für den Hip-Hop gestan­den. Das wol­len wir doch alle nicht.)

In den Nachrichten
Wenn Schlam­pen protestieren

Es fie­le mir zwei­fels­oh­ne leicht, die­sen Arti­kel mit einem mau­en Witz über, haha, Som­mer-Löcher ein­zu­lei­ten, aber wir sind ja hier nicht beim Pri­vat­fern­se­hen. Tat­säch­lich jeden­falls man­gelt es aber anschei­nend an wirk­li­chen Schlag­zei­len, so dass der lei­der all­täg­li­che weib­li­che Sexis­mus sich mal wie­der ins Bild rückt:

Mit viel nack­ter Haut haben hun­der­te „Schlam­pen“ am Sams­tag in deut­schen Städ­ten als Teil einer inter­na­tio­na­len Pro­test­be­we­gung gegen Sexis­mus demons­triert. Die soge­nann­ten Slut­walks (Schlam­pen­mär­sche) soll­ten auf das Recht auf sexu­el­le Selbst­be­stim­mung auf­merk­sam machen.

Es demons­trier­ten also über­wie­gend Frau­en, die sich selbst Schlam­pen nen­nen, dage­gen, als Schlam­pen betrach­tet zu wer­den. Dabei mach­ten sie es ihren Mit­men­schen aber wahr­lich nicht leicht:

Mehr­heit­lich waren Frau­en auf der Stra­ße – eini­ge in Mini­rö­cken, mit Netz­strumpf­ho­sen und High-Heels, man­che sogar oben ohne.

Nei­di­sche Arbeits­kol­le­gin­nen, so heißt es, wür­den über Neu­zu­gän­ge hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand mit­un­ter tuscheln, die­se Neu­zu­gän­ge hät­ten die Stel­le nur bekom­men, weil sie geklei­det sei­en wie Schlam­pen, eben sexu­ell auf­rei­zend, um dem jewei­li­gen Per­so­nal­chef im Fal­le einer Anstel­lung eben sexu­el­le Erwar­tun­gen zu sug­ge­rie­ren. Sehr wohl also koket­tiert man auch und gera­de als geis­tig gereif­te Frau mit dem sprich­wört­li­chen Sexu­al­trieb des Man­nes. (Dass der Sexu­al­trieb der Frau, evo­lu­tio­när bedingt, auch nicht klei­ner ist, wur­de viel­fach belegt; dass er meist ver­schwie­gen wird, zeigt schon deut­lich, dass etwas schief läuft auf der Welt.)

So lan­ge die Zahl der von Frau­en ver­ge­wal­tig­ten Män­ner wei­ter­hin im Dun­keln bleibt und die angeb­li­che „Femi­nis­mus­be­we­gung“ alles tut, um Ver­ge­wal­ti­gun­gen als rein männ­li­che Per­ver­si­on hin­zu­stel­len (Brül­ler­ar­gu­ment: „Alle Män­ner sind poten­zi­el­le Ver­ge­wal­ti­ger“), wird sich dar­an auch nicht viel ändern: Offe­ne weib­li­che Sexua­li­tät ist ein Zei­chen von Mün­dig­keit, wäh­rend offe­ne männ­li­che Sexua­li­tät Macho­ge­ha­be und brand­ge­fähr­lich ist.

Wie sich sol­che Mün­dig­keit als Zei­chen gegen Sexis­mus mani­fes­tiert, zeigt die­ses hüb­sche, mit Herz­chen (aus­ge­rech­net mit Herz­chen!) ver­zier­te Pla­kat von besag­tem Schlampenmarsch:

Das hält natür­lich kei­nen der der­ge­stalt bedroh­ten Macker (Lebens­part­ner, Chefs und der­glei­chen) davon ab, die­ser Ver­an­stal­tung begeis­tert bei­zu­woh­nen; viel­leicht, weil sie sonst auf die Fres­se bekämen:

„Man demons­triert ja nicht nur für per­sön­li­che und indi­vi­du­el­le Bedürf­nis­se, son­dern auch für die Rech­te ande­rer“, sag­te ein soli­da­ri­scher Mann in Mün­chen, wo rund 350 selbst ernann­te „Schlam­pen“ demonstrierten.

Wer aber demons­triert für das Recht auf männ­li­che Sexua­li­tät? Wür­de eine der Schlam­pen an einer ent­spre­chen­den Gegen­de­mons­tra­ti­on teil­neh­men, um sich zu soli­da­ri­sie­ren? Wahr­schein­lich nicht, denn männ­li­che Sexua­li­tät ist böse, so lan­ge sie nicht beim gesell­schaft­li­chen Auf­stieg hilft. Die Sexua­li­tät eines Per­so­nal­chefs etwa – ich erwähn­te es oben bereits – ist meist sehr gefragt.

Inso­fern ist es doch immer­hin zu begrü­ßen, dass auch der Pos­ten des Per­so­nal­chefs in vie­len Unter­neh­men inzwi­schen der „Frau­en­quo­te“ unter­liegt. Es ist ein wich­ti­ger Schritt zur Befrei­ung der männ­li­chen Sexua­li­tät. Scha­de ist es nur, dass die Gesell­schaft dafür meh­re­re Jahr­zehn­te gebraucht hat. Das ist nach­ge­ra­de eine Schlam­pe­rei.

Ich hof­fe nur, wir Män­ner müs­sen nicht auch erst in auf­rei­zen­der Klei­dung durch die Stra­ßen mar­schie­ren und uns Schlam­pen nen­nen, bevor dies die öffent­li­che Wahr­neh­mung erreicht hat. Eines näm­lich haben wir den Schlam­pen noch immer vor­aus: Unse­ren Stolz.

So war es und so soll es bleiben.

(Dan­ke an L.!)

KaufbefehleMusikkritik
The Book of Knots – Traineater

Wäh­rend ich heu­te mein frei­täg­li­ches Lausch­pen­sum absol­vier­te, erreich­te außer einer Men­ge belang­lo­sen Zeugs auch die­ses eine Album mei­ne Ohren und ließ mich inter­es­siert aufhorchen.

The Book of Knots ist ein Musi­ker­kol­lek­tiv aus New York, das sich für (vor­erst) drei Alben mit eini­gen Gast­mu­si­kern zusam­men­ge­fun­den hat­te, mit „Gar­den of Fain­ting Stars“ in die­sem Jahr den Abschluss der Tri­lo­gie ver­öf­fent­lich­te und nun viel­leicht wei­ter exis­tiert, viel­leicht aber auch nicht. „Trai­nea­ter“, „Zug­esser“, ist das zwei­te Album und erschien 2007.

Die betei­lig­ten Musi­ker stam­men über­wie­gend aus dem Avant­gar­de-Metal-Sek­tor um die mitt­ler­wei­le auf­ge­lös­ten Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um. Als Gast­mu­si­ker sind unter ande­rem Tom Waits und Trey Spru­an­ce zu hören, wor­aus man bei ent­spre­chen­dem Hin­ter­grund­wis­sen schon erah­nen kann, wie das Album so klingt. Besitzt man die­ses Hin­ter­grund­wis­sen nicht, so fällt die Beschrei­bung etwas aus­führ­li­cher aus:

Im Kern besteht The Book of Knots aus Mat­thi­as Bos­si (unter ande­rem Schlag­zeug und Gesang), Joel Hamil­ton (unter ande­rem Gitar­ren und Gesang), Tony Mai­mo­ne (diver­se Bäs­se und Gesang) und seit „Trai­nea­ter“ auch Car­la Kihl­stedt (unter ande­rem Gei­gen und Gesang), nicht zu ver­wech­seln mit Car­la Bozu­lich, die, wenn ich nicht irre, hier ledig­lich als Gast­mu­si­ke­rin den Gesang in „View From The Water­tower“ übernimmt.

Das zen­tra­le The­ma von The Book of Knots lau­tet „Nie­der­gang“. Han­del­ten die Tex­te auf dem Debüt von dem Nie­der­gang der US-ame­ri­ka­ni­schen Fischer­dör­fe, so ist es auf „Trai­nea­ter“ der „Rost­gür­tel“, der nord­ame­ri­ka­ni­sche „Ruhr­pott“ also, des­sen lang­sa­mes Sie­chen hier besun­gen wird. (Eini­ge Leser ken­nen die­ses Prin­zip viel­leicht von der Band Big Big Train, die auch gern ein paar Jahr­zehn­te in die Ver­gan­gen­heit zurück­greift, aller­dings in die bri­ti­sche.) Anders (etwas eso­te­ri­scher) ausgedrückt:

The Book Of Knots erzäh­len auch auf ihrem zwei­ten Album nicht etwa die pathe­ti­sche Sci­ence Fic­tion einer Revo­lu­ti­on der Maschi­nen, son­dern insze­nie­ren die stoi­sche Zer­stö­rungs­kraft einer rie­si­gen, außer Kon­trol­le gera­te­nen Hur­ri­kan-Appa­ra­tur, der es herz­lich egal ist, ob sie Rosen­fel­der nie­der­mäht oder irgend­ei­nen Cyborg zum nächst­bes­ten Bau­ern­op­fer zermatscht.

Das klingt geschrie­ben so radi­kal wie gehört, besticht aber gera­de auch durch sei­ne melo­diö­sen, bei­na­he ruhi­gen Momen­te, die dem Hörer zwi­schen­durch auch mal ein wenig Ver­schnauf­pau­se gewäh­ren. Es muss ja nicht immer hoch her­ge­hen. Bele­ge gefällig?

Auf You­Tube gibt es zum Bei­spiel das groß­ar­ti­ge „Pray“ mit dem bereits erwähn­ten Tom Waits zu hören und das eröff­nen­de „View From The Water­tower“ ohne Tom Waits in einer nicht üblen Live­ver­si­on zu sehen. Wer es mag, der möge es kau­fen. Der Rest möge die Augen ver­dre­hen, „was für ein schreck­li­cher Lärm!“ skan­die­ren und sich wie­der sei­ner Easy-Lis­tening-Radio­be­schal­lung zuwen­den. Aber zumin­dest ist er dann um eine Erfah­rung reicher.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LV: Gedankenverbot

Die tol­le Idee des Tages kommt von David Came­ron, Pre­mier­mi­nis­ter von Groß­bri­tan­ni­en, der Pro­tes­te in einer Demo­kra­tie eigent­lich ganz gut fin­det, so lan­ge sie weit weg statt­fin­den, und dar­um erwägt, dem unge­zo­ge­nen Pöbel ein­fach das Inter­net wegzunehmen:

Der bri­ti­sche Pre­mier droht den Kra­wall­ma­chern mit der Armee – und über­legt, ihre Nut­zung von Net­zen wie Face­book und Twit­ter zu beschränken.

Eine Rebel­li­on des Vol­kes ist näm­lich nicht etwa ein Zei­chen dafür, dass die gegen­wär­ti­ge Regie­rung womög­lich ein paar nicht ganz unbe­deu­ten­de Feh­ler gemacht hat, son­dern nur so eine Pha­se. Es liegt nahe, dass die Pro­tes­te umge­hend ver­stum­men, wenn Face­book und Twit­ter nicht mehr gehen; das hat in Ägyp­ten ja auch gut funk­tio­niert, wo man auf­grund lau­fen­der Pro­tes­te ein­fach mal den Ste­cker gezo­gen hat.

Im Febru­ar 2011 for­der­te David Came­ron übri­gens den Rück­tritt des liby­schen Staats­ober­haup­tes Gad­da­fi, da die­ser fried­li­che Pro­tes­te im eige­nen Land mit mili­tä­ri­schen Mit­teln zu ver­hin­dern ver­such­te. Die­ser David Came­ron nun erwägt eben­falls den Ein­satz von Was­ser­wer­fern, um die (aller­dings nicht gleich­falls fried­fer­ti­gen) Pro­tes­tan­ten zum Schwei­gen zu brin­gen. Die pas­sen­de Reak­ti­on dar­auf lau­tet so: Muammar al-Gad­da­fi for­dert David Came­rons Rück­tritt, die Pro­tes­te sei­en ein Zei­chen dafür, dass er unfä­hig sei zu regieren.

Wäre ich David Came­ron, wür­de mir das zu den­ken geben; lei­der ist aber schon David Came­ron David Came­ron, und ob David Came­ron viel dar­über nach­denkt, was außer­halb sei­nes Büros so geschieht, weiß ich nicht so genau. Spä­tes­tens jetzt aber bin ich über­zeugt davon, dass man das zumin­dest ein biss­chen in Zwei­fel zie­hen sollte.


Nach­trag: Zu den mög­li­chen Fol­gen der Pro­tes­te hat Ste­fan Sas­se noch ein paar lesens­wer­te Gedan­ken geäußert.

PersönlichesWie die Anderen
Wie die Ande­ren (1): Milch und Zucker

(Vor­be­mer­kung: Dies ist der Auf­takt zu mei­ner losen Rei­he „Wie die Ande­ren“, dies­mal inspi­riert von Caschy.)

Dürf­te viel­leicht eini­gen mei­ner Leser nicht bekannt sein: Ich bin ja beruf­lich und in der Frei­zeit vor allem Infor­ma­ti­ker. Und was macht ein Infor­ma­ti­ker so, wenn er nicht gera­de an sei­nen Gad­gets rum­spielt oder sei­ne sozia­len Pro­fi­le auf­hübscht? Klar – er trinkt Kaf­fee.

Wer kennt das nicht? Man kommt mor­gens, mit­tags und abends ein­fach nicht in die Hufe. Wir Infor­ma­ti­ker haben da Abhil­fe: Ein­fach die Kaf­fee­ma­schi­ne befül­len, anma­chen und kurz war­ten. Geht easy-peasy und ruck­zuck. :wink:

Blöd nur, wenn man sei­nen Kaf­fee gern mit Milch trin­ken wür­de, denn dann wird erst Unboxing fäl­lig. Das macht nor­ma­ler­wei­se tie­ri­schen Spaß, ist aber bei Milch nicht leicht. Zwi­schen den Deckel und das Natur­pro­dukt haben die Abfül­ler näm­lich manch­mal noch so ein Ding geschraubt, das man ganz easy-peasy abzie­hen kön­nen soll. Sitzt aber meist bom­ben­fest, das Ding. Gibt es zum Bei­spiel mit Ring oben dran und sieht hin­ter­her so aus:

Lust auf Kaf­fee hat man dann aller­dings eigent­lich kei­ne mehr. Bloß nicht auf Zucker umstei­gen. Alter­na­ti­ven? Fehl­an­zei­ge. :-S

Zu gewin­nen gibt es dies­mal nichts, aber ich fra­ge mal in die Run­de: Und ihr so?

(Nach­be­mer­kung: Soll­te ich eine der Marot­ten der in die­ser Rei­he par­odier­ten Blog­ger ver­se­hent­lich nicht ein­ge­baut haben, so seid ihr natür­lich herz­lich ein­ge­la­den, es bes­ser zu machen – gern mit Track­back und/oder Kom­men­tar hier unten drunter.)

PersönlichesMusikIn den Nachrichten
Pro­mi­nen­ten­seu­che gebro­che­nes Herz

Vor all der Panik wegen ver­zock­ter Mil­li­ar­den an nicht ein­mal real vor­han­de­ner Wäh­rung wird doch glatt ver­ges­sen, dass auch wei­ter­hin Leu­te ster­ben. Um eine leid­lich brauch­ba­re Über­lei­tung hin­zu­be­kom­men, hole ich aber mal etwas wei­ter aus:

Vor eini­gen Tagen fuhr ich mit dem Regio­nal­zug durch die Gegend. Ich schät­ze die Regio­nal­zü­ge hier sehr, denn sie bie­ten reich­hal­ti­ge Ein­bli­cke in mensch­li­che Abgrün­de. In besag­tem Regio­nal­zug nun, mir schräg gegen­über, saß, som­mer­lich geklei­det, ein nicht unhüb­sches Mäd­chen von etwa 16 Jah­ren, das sich, wie man trotz ihrer Ohr­hö­rer ver­neh­men konn­te, der Tech­no- oder jeden­falls Rave­mu­sik hin­gab. Mit dem Rücken ihr zuge­wandt saß ein bär­ti­ger Mann mit Hut, der aus­sah, als wür­de er im Dezem­ber sei­ne Ren­te als Niko­laus aufbessern.

Die­sen Mann nun hat­te kei­nes­falls der Geist der Weih­nacht erfüllt, denn er stand irgend­wann auf, dreh­te sich um, beug­te sich über sie und nuschel­te „mach das aus, das stört mich“ in sei­nen beein­dru­cken­den Bart hin­ein. Ich über­leg­te, ob ich ein­wer­fen soll­te, dass ich mich in mei­ner Gemüts­ru­he eher von sei­nem Gemur­mel als von ihrer Beschal­lung gestört fühl­te, aber da saß er auch schon wie­der, und die Musik blieb, wie sie war; daher wid­me­te ich mich wie­der­um lau­schend den übri­gen Reisenden.

Irgend­wann stand der grim­mi­ge Herr dann auf und ver­ließ den Zug. Aller­dings nahm er hier­für einen klei­nen Umweg in Kauf, nur um an dem nicht unhüb­schen Mäd­chen vor­über­zu­ge­hen und sie noch­mals ob ihres Hör­ver­hal­tens als Stö­re­rin bezeich­nen zu kön­nen. Wie­so ihm das nun, da er den Zug ohne­hin ver­ließ, noch so wich­tig war, konn­te ich nicht in Erfah­rung brin­gen, das Mäd­chen jeden­falls wand­te sich anschlie­ßend ihren offen­ba­ren Freun­din­nen zu, die vor ihr saßen, und in brei­tem Jugendslang und wild ges­ti­ku­lie­rend spot­te­ten sie über das betag­te Ver­hal­ten des betag­ten Herrn.

Tja, wer­den nun die Leser ein­wen­den, da tref­fen wie­der völ­lig unter­schied­li­che Gene­ra­tio­nen und Gesell­schafts­schich­ten auf­ein­an­der, und mit über 60 ist man dann so, wie man mit unter 20 nie sein woll­te. So unter­schied­lich sind ihre Sor­gen aber gar nicht.

In die­ser Woche zum Bei­spiel sind die Bou­le­vard­ma­ga­zi­ne im Zeit­schrif­ten­re­gal erfüllt von Trau­er, weil zwei Per­so­nen des öffent­li­chen Lebens abge­nip­pelt ver­stor­ben sind. Den Tod von Amy Wine­house the­ma­ti­sier­te ich ja bereits. „Wer ist Amy Wine­house?“, fra­gen nun die älte­ren Men­schen. Amy Wine­house, das ant­wor­te ich ihnen, war eine Sän­ge­rin, die beim vor­wie­gend jun­gen Publi­kum belieb­te Wei­sen into­nier­te. Ver­gleich­bar ist sie etwa mit Bernd Clü­ver, gleich­falls inzwi­schen toter Musi­ker, des­sen „Jun­ge mit der Mund­har­mo­ni­ka“ einst eben­falls Mas­sen begeisterte.

Und so prang­te heu­te in trau­ter Einig­keit in näm­li­chem Zeit­schrif­ten­re­gal das Gesicht von Amy Wine­house gleich neben dem von Bernd Clü­ver. Und wäh­rend man bei der BRAVO spe­ku­lier­te, ob Frau Wine­house wohl an gebro­che­nem Her­zen starb („Starb sie an gebro­che­nem Her­zen?“), ist man bei der „Neu­en Post“ boden­stän­di­ger genau so über­dreht eso­te­risch und fragt anläss­lich Herrn Clü­vers Able­bens: „Starb er an gebro­che­nem Herzen?“.

Das mit dem gebro­che­nen Her­zen scheint ja eine brand­ge­fähr­li­che Sache zu sein. (Ob dar­an die Kil­ler­spie­le schuld sind?)
Da ist es bei­na­he schon beru­hi­gend, dass ein berühm­ter Toter garan­tiert an etwas ande­rem ver­starb: Knut.

(Dan­ke an V.!)

Wie die Anderen
Wie die Ande­ren: Ein Experiment

Eine Ankün­di­gung in eige­ner Sache:

Seit ich hier wie­der etwas regel­mä­ßi­ger schrei­be, erfah­re ich hin und wie­der Kri­tik, ich wür­de sti­lis­tisch all­zu deut­lich von ande­ren Ins­in­ter­net­schrei­bern inspi­riert, sei gar ein Kopist.

Wahr ist, dass mein Schreib­stil, wie wohl der der meis­ten Men­schen, die nicht nur schrei­ben, son­dern auch lesen, im Lau­fe der Jah­re von eini­gen Autoren beein­flusst wur­de, gele­gent­lich auch von Blog­gern. Falsch ist aber, dass ich des­halb gänz­lich auf einen eige­nen Stil ver­zich­te. Um die­se Kri­tik künf­tig etwas abzu­schwä­chen, wer­de ich in den nächs­ten Wochen, viel­leicht auch Tagen, ver­su­chen, eini­ge Bei­trä­ge im Schreib­stil bekann­ter und viel­leicht weni­ger bekann­ter Blog­ger zu ver­fas­sen, und hof­fe, dass mei­ne geneig­te Leser­schaft den Unter­schied bemerkt. Zur Sicher­heit wer­de ich jeden­falls die­se Arti­kel geson­dert kennzeichnen.

Anre­gun­gen neh­me ich selbst­ver­ständ­lich gern entgegen.

MontagsmusikKaufbefehle
Nine Inch Nails – The Becoming

Eine Bege­ben­heit erin­ner­te mich jüngst dar­an, dass „The Down­ward Spi­ral“ der groß­ar­ti­gen Nine Inch Nails auch schon wie­der 17 Jah­re her ist:

NIN: The Beco­ming live at Sas­quatch Fes­ti­val 5.24.09 [HD]

The me that you know, he used to have feelings,
but the blood has stop­ped pum­ping and he is left to decay.
The me that you know, he is now made up of wires,
and even when I’m right with you I’m so far away.

Zeit­lo­se Psychose.
(Reimt sich.)

SonstigesFotografie
Spa­ren Sie sich reich!

Heu­te in der belieb­ten Serie „Die Qua­li­täts­of­fen­si­ve der Bahn“:

Spar­prei­se!

„Im Sep­tem­ber (2010, A.d.V.) wird der Vor­stand wei­te­re Schrit­te unse­rer Kun­den- und Qua­li­täts­of­fen­si­ve ver­stel­len“, kün­dig­te Gru­be bei der Vor­stel­lung des Halb­jah­res­er­geb­nis­ses der Bahn an.

:?

Sonstiges
Par­ty/-innen

Ter­mi­ni, die man erst seit der All­ge­gen­wart des post­fe­mi­nis­ti­schen Sexis­mus nicht ein­mal mehr lesen kann, ohne kurz innezuhalten:

(Und dann ent­de­cken, dass da ent­we­der ein Bin­de­strich fehlt oder ein Schräg­strich über­flüs­sig ist, end­lich den Zusam­men­hang ver­ste­hen, ein wenig schmun­zeln und was ande­res machen.)