Man tanze rhythmisch mit:
(Auch’ne Wurst, Frollein?)
(Vorbemerkung: Natürlich könnte ich mich an dieser Stelle über die jüngsten Reibereien zwischen Vorstand und Basis des niedersächsischen Landesverbandes der Piratenpartei auslassen, aber das erscheint mir noch etwas verfrüht, angesichts der hier bewusst nicht verlinkten Desinformationskampagne ehemals aktiver Piraten in inzwischen Anti-Piraten-Blogs wohl auch taktisch unklug. Mehr dazu also frühestens später hier oder gegenwärtig in der entsprechenden Mailingliste [Anmeldung erforderlich].)
Um Gerüchten entgegenzuwirken, übermäßig viele Erweiterungen würden den standardmäßig schlanken und schnellen Browser Firefox unnötig überladen, hat sich der Entwickler der Firefox-Erweiterung AutoPager etwas besonderes ausgedacht und den Einstellungsdialog beim ersten Aufruf auf ein Minimum reduziert:

(Ich musste übrigens auch ein wenig schmunzeln, als ich im Zeitschriftenregal die Zeitschrift „Der große Facebook Ratgeber“ (sic!) erblickte, dessen Titel unter anderem die Rubrik „Sicherheit ganz groß“ mit dem Thema „Privatsphäre und Datenschutz – Profil vollkommen wasserdicht machen“ ankündigte: Eine Anleitung zur „Kontenlöschung“ für 7,80 Euro zu verkaufen erschien mir doch etwas überzogen.)
Dass das Internet dem geneigten Musikfreund dem Garten Eden nicht unähnlich erscheint, ist im Jahr 13 nach Napster (heute erfinden wir mal Zeitrechnungen) keine Überraschung mehr, allen Widrigkeiten und der GEMA zum Trotz. Die Technik dahinter wird kontinuierlich weiter diversifiziert, Peer-to-Peer-Tauschbörsen sind längst nicht mehr die einzige Bezugsquelle für Lieder aller Art. Und wenngleich sich eMule aufgrund ausgereifter Technik und Dezentralisierung noch immer als die benutzerfreundlichste und, neben BitTorrent, reichhaltigste Tauschbörse behaupten kann, so mangelt es doch nicht an Alternativen, die oft völlig andere Konzepte verfolgen.
Derzeit wird in deutschsprachigen Blogs das Konzept der Musikstreamingdienste, die gegenwärtig eine Blütezeit erleben, gepriesen, wohl auch bedingt durch den Umstand, dass der deutsche Dienst Simfy, etwa von Caschy wortreich für ansehenswert befunden, den Kinderschuhen entwachsen ist. Im Folgenden werde ich mich mit diesem Thema befassen und den von mir genutzten Dienst Grooveshark als Vergleich heranziehen. Den, wohl aus psychologischen Gründen, noch in einer „geschlossenen Testphase“ befindlichen Datensammeldienst „Music“ von Google werde ich hier selbstverständlich nicht berücksichtigen. ‘Grooveshark und Simfy: Zwei Dienste, ein Lied’ weiterlesen »
Aus einer ganz anderen Motivation als die anderen Verfasser unerwünschter Werbepost heraus konkurrieren gerade deutsche Gratismailadressenanbieter (für solche Wörter schätze ich die deutsche Sprache sehr) um den größtmöglichen Stuss. Dass sie dafür eine identische Formulierung wählen, verurteilt diesen Plan allerdings vermutlich zum Scheitern.
Denn dass man einst Internetseiten für einen Webbrowser „optimieren“ „musste“, ist längst Vergangenheit. Heute optimiert man Webbrowser auf Internetseiten, denn irgendeinen Grund müssen die ständigen neuen Browserversionen ja haben:
Nicht bekannt ist, ob Google-Mail-Benutzer ein ähnliches Angebot erhalten haben oder ob es gar schon erste gehackte Versionen gibt, die „schnellen Zugriff“ auf (also vermutlich jeweils ein Lesezeichen für) beide Mailanbieter beinhalten. Das wäre doch quasi ein unschlagbares Angebot! (Und ob dieser Firefox auch etwas gegen die Schadsoftware von GMX unternimmt?)
(Danke an V.!)
(Vorbemerkung: Dies ist der zweite Teil meiner losen Reihe „Wie die Anderen“, diesmal inspiriert von Fefe.)
Also DAMIT konnte ja wohl NIEMAND rechnen!!11:
Christian von Boettichers Gespielin war zum Zeitpunkt des Kennenlernens erst 15 (Vorsicht, Kommentar zitiert BILD.de):
Und trotzdem bleibt ein schales Gefühl. Denn Marie (geboren im Februar 1994) war wohl erst 15, als die beiden sich über Facebook Anfang 2010 kennenlernten. Marie war da auf „Fratzenbuch“, wie sie Facebook selbst spöttisch nennt, bereits mit etlichen CDU- und FDP-Politikern verbunden.
Nur, falls noch jemand einen Grund braucht, die CDU nicht zu wählen.
(Nachbemerkung: Sollte ich eine der Marotten der in dieser Reihe parodierten Blogger versehentlich nicht eingebaut haben, so seid ihr natürlich herzlich eingeladen, es besser zu machen – gern mit Trackback und/oder Kommentar hier unten drunter.)
Hin und wieder finde ich es ehrlich schade, dass ich weder ein Musikblog betreibe noch den Smiths sonderlich viel abgewinnen kann, denn ersteres lässt mich mitunter, etwa gestern, erfolglos über Anlässe nachdenken, etwas zu schreiben, so dass ich das Wochenende anderweitig nutzen muss, und zweiteres hätte beinahe verhindert, dass mir die musikalische Pointe der gegenwärtigen Aufstände in London entgangen wäre.
Panic on the streets of London
Panic on the streets of Birmingham
I wonder to myself:
Could life ever be sane again?
(Besonders beunruhigend ist in diesem Zusammenhang ja die Vermutung, dass hier nicht Arm und Reich gegeneinander kämpfen, sondern der junge Hip-Hop gegen die als Zeichen für Gestriges missverstandene Rockmusik. Beinahe hätte es dabei 1:0 für den Hip-Hop gestanden. Das wollen wir doch alle nicht.)
Es fiele mir zweifelsohne leicht, diesen Artikel mit einem mauen Witz über, haha, Sommer-Löcher einzuleiten, aber wir sind ja hier nicht beim Privatfernsehen. Tatsächlich jedenfalls mangelt es aber anscheinend an wirklichen Schlagzeilen, so dass der leider alltägliche weibliche Sexismus sich mal wieder ins Bild rückt:
Mit viel nackter Haut haben hunderte „Schlampen“ am Samstag in deutschen Städten als Teil einer internationalen Protestbewegung gegen Sexismus demonstriert. Die sogenannten Slutwalks (Schlampenmärsche) sollten auf das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung aufmerksam machen.
Es demonstrierten also überwiegend Frauen, die sich selbst Schlampen nennen, dagegen, als Schlampen betrachtet zu werden. Dabei machten sie es ihren Mitmenschen aber wahrlich nicht leicht:
Mehrheitlich waren Frauen auf der Straße – einige in Miniröcken, mit Netzstrumpfhosen und High-Heels, manche sogar oben ohne.
Neidische Arbeitskolleginnen, so heißt es, würden über Neuzugänge hinter vorgehaltener Hand mitunter tuscheln, diese Neuzugänge hätten die Stelle nur bekommen, weil sie gekleidet seien wie Schlampen, eben sexuell aufreizend, um dem jeweiligen Personalchef im Falle einer Anstellung eben sexuelle Erwartungen zu suggerieren. Sehr wohl also kokettiert man auch und gerade als geistig gereifte Frau mit dem sprichwörtlichen Sexualtrieb des Mannes. (Dass der Sexualtrieb der Frau, evolutionär bedingt, auch nicht kleiner ist, wurde vielfach belegt; dass er meist verschwiegen wird, zeigt schon deutlich, dass etwas schief läuft auf der Welt.)
So lange die Zahl der von Frauen vergewaltigten Männer weiterhin im Dunkeln bleibt und die angebliche „Feminismusbewegung“ alles tut, um Vergewaltigungen als rein männliche Perversion hinzustellen (Brüllerargument: „Alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger“), wird sich daran auch nicht viel ändern: Offene weibliche Sexualität ist ein Zeichen von Mündigkeit, während offene männliche Sexualität Machogehabe und brandgefährlich ist.
Wie sich solche Mündigkeit als Zeichen gegen Sexismus manifestiert, zeigt dieses hübsche, mit Herzchen (ausgerechnet mit Herzchen!) verzierte Plakat von besagtem Schlampenmarsch:
Das hält natürlich keinen der dergestalt bedrohten Macker (Lebenspartner, Chefs und dergleichen) davon ab, dieser Veranstaltung begeistert beizuwohnen; vielleicht, weil sie sonst auf die Fresse bekämen:
„Man demonstriert ja nicht nur für persönliche und individuelle Bedürfnisse, sondern auch für die Rechte anderer“, sagte ein solidarischer Mann in München, wo rund 350 selbst ernannte „Schlampen“ demonstrierten.
Wer aber demonstriert für das Recht auf männliche Sexualität? Würde eine der Schlampen an einer entsprechenden Gegendemonstration teilnehmen, um sich zu solidarisieren? Wahrscheinlich nicht, denn männliche Sexualität ist böse, so lange sie nicht beim gesellschaftlichen Aufstieg hilft. Die Sexualität eines Personalchefs etwa – ich erwähnte es oben bereits – ist meist sehr gefragt.
Insofern ist es doch immerhin zu begrüßen, dass auch der Posten des Personalchefs in vielen Unternehmen inzwischen der „Frauenquote“ unterliegt. Es ist ein wichtiger Schritt zur Befreiung der männlichen Sexualität. Schade ist es nur, dass die Gesellschaft dafür mehrere Jahrzehnte gebraucht hat. Das ist nachgerade eine Schlamperei.
Ich hoffe nur, wir Männer müssen nicht auch erst in aufreizender Kleidung durch die Straßen marschieren und uns Schlampen nennen, bevor dies die öffentliche Wahrnehmung erreicht hat. Eines nämlich haben wir den Schlampen noch immer voraus: Unseren Stolz.
So war es und so soll es bleiben.
(Danke an L.!)
Während ich heute mein freitägliches Lauschpensum absolvierte, erreichte außer einer Menge belanglosen Zeugs auch dieses eine Album meine Ohren und ließ mich interessiert aufhorchen.
The Book of Knots ist ein Musikerkollektiv aus New York, das sich für (vorerst) drei Alben mit einigen Gastmusikern zusammengefunden hatte, mit „Garden of Fainting Stars“ in diesem Jahr den Abschluss der Trilogie veröffentlichte und nun vielleicht weiter existiert, vielleicht aber auch nicht. „Traineater“, „Zugesser“, ist das zweite Album und erschien 2007.
Die beteiligten Musiker stammen überwiegend aus dem Avantgarde-Metal-Sektor um die mittlerweile aufgelösten Sleepytime Gorilla Museum. Als Gastmusiker sind unter anderem Tom Waits und Trey Spruance zu hören, woraus man bei entsprechendem Hintergrundwissen schon erahnen kann, wie das Album so klingt. Besitzt man dieses Hintergrundwissen nicht, so fällt die Beschreibung etwas ausführlicher aus:
Im Kern besteht The Book of Knots aus Matthias Bossi (unter anderem Schlagzeug und Gesang), Joel Hamilton (unter anderem Gitarren und Gesang), Tony Maimone (diverse Bässe und Gesang) und seit „Traineater“ auch Carla Kihlstedt (unter anderem Geigen und Gesang), nicht zu verwechseln mit Carla Bozulich, die, wenn ich nicht irre, hier lediglich als Gastmusikerin den Gesang in „View From The Watertower“ übernimmt.
Das zentrale Thema von The Book of Knots lautet „Niedergang“. Handelten die Texte auf dem Debüt von dem Niedergang der US-amerikanischen Fischerdörfe, so ist es auf „Traineater“ der „Rostgürtel“, der nordamerikanische „Ruhrpott“ also, dessen langsames Siechen hier besungen wird. (Einige Leser kennen dieses Prinzip vielleicht von der Band Big Big Train, die auch gern ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückgreift, allerdings in die britische.) Anders (etwas esoterischer) ausgedrückt:
The Book Of Knots erzählen auch auf ihrem zweiten Album nicht etwa die pathetische Science Fiction einer Revolution der Maschinen, sondern inszenieren die stoische Zerstörungskraft einer riesigen, außer Kontrolle geratenen Hurrikan-Apparatur, der es herzlich egal ist, ob sie Rosenfelder niedermäht oder irgendeinen Cyborg zum nächstbesten Bauernopfer zermatscht.
Das klingt geschrieben so radikal wie gehört, besticht aber gerade auch durch seine melodiösen, beinahe ruhigen Momente, die dem Hörer zwischendurch auch mal ein wenig Verschnaufpause gewähren. Es muss ja nicht immer hoch hergehen. Belege gefällig?
Auf YouTube gibt es zum Beispiel das großartige „Pray“ mit dem bereits erwähnten Tom Waits zu hören und das eröffnende „View From The Watertower“ ohne Tom Waits in einer nicht üblen Liveversion zu sehen. Wer es mag, der möge es kaufen. Der Rest möge die Augen verdrehen, „was für ein schrecklicher Lärm!“ skandieren und sich wieder seiner Easy-Listening-Radiobeschallung zuwenden. Aber zumindest ist er dann um eine Erfahrung reicher.
Die tolle Idee des Tages kommt von David Cameron, Premierminister von Großbritannien, der Proteste in einer Demokratie eigentlich ganz gut findet, so lange sie weit weg stattfinden, und darum erwägt, dem ungezogenen Pöbel einfach das Internet wegzunehmen:
Der britische Premier droht den Krawallmachern mit der Armee – und überlegt, ihre Nutzung von Netzen wie Facebook und Twitter zu beschränken.
Eine Rebellion des Volkes ist nämlich nicht etwa ein Zeichen dafür, dass die gegenwärtige Regierung womöglich ein paar nicht ganz unbedeutende Fehler gemacht hat, sondern nur so eine Phase. Es liegt nahe, dass die Proteste umgehend verstummen, wenn Facebook und Twitter nicht mehr gehen; das hat in Ägypten ja auch gut funktioniert, wo man aufgrund laufender Proteste einfach mal den Stecker gezogen hat.
Im Februar 2011 forderte David Cameron übrigens den Rücktritt des libyschen Staatsoberhauptes Gaddafi, da dieser friedliche Proteste im eigenen Land mit militärischen Mitteln zu verhindern versuchte. Dieser David Cameron nun erwägt ebenfalls den Einsatz von Wasserwerfern, um die (allerdings nicht gleichfalls friedfertigen) Protestanten zum Schweigen zu bringen. Die passende Reaktion darauf lautet so: Muammar al-Gaddafi fordert David Camerons Rücktritt, die Proteste seien ein Zeichen dafür, dass er unfähig sei zu regieren.
Wäre ich David Cameron, würde mir das zu denken geben; leider ist aber schon David Cameron David Cameron, und ob David Cameron viel darüber nachdenkt, was außerhalb seines Büros so geschieht, weiß ich nicht so genau. Spätestens jetzt aber bin ich überzeugt davon, dass man das zumindest ein bisschen in Zweifel ziehen sollte.
Nachtrag: Zu den möglichen Folgen der Proteste hat Stefan Sasse noch ein paar lesenswerte Gedanken geäußert.
(Vorbemerkung: Dies ist der Auftakt zu meiner losen Reihe „Wie die Anderen“, diesmal inspiriert von Caschy.)
Dürfte vielleicht einigen meiner Leser nicht bekannt sein: Ich bin ja beruflich und in der Freizeit vor allem Informatiker. Und was macht ein Informatiker so, wenn er nicht gerade an seinen Gadgets rumspielt oder seine sozialen Profile aufhübscht? Klar – er trinkt Kaffee.
Wer kennt das nicht? Man kommt morgens, mittags und abends einfach nicht in die Hufe. Wir Informatiker haben da Abhilfe: Einfach die Kaffeemaschine befüllen, anmachen und kurz warten. Geht easy-peasy und ruckzuck. :wink:
Blöd nur, wenn man seinen Kaffee gern mit Milch trinken würde, denn dann wird erst Unboxing fällig. Das macht normalerweise tierischen Spaß, ist aber bei Milch nicht leicht. Zwischen den Deckel und das Naturprodukt haben die Abfüller nämlich manchmal noch so ein Ding geschraubt, das man ganz easy-peasy abziehen können soll. Sitzt aber meist bombenfest, das Ding. Gibt es zum Beispiel mit Ring oben dran und sieht hinterher so aus:

Lust auf Kaffee hat man dann allerdings eigentlich keine mehr. Bloß nicht auf Zucker umsteigen. Alternativen? Fehlanzeige. :-S
Zu gewinnen gibt es diesmal nichts, aber ich frage mal in die Runde: Und ihr so?
(Nachbemerkung: Sollte ich eine der Marotten der in dieser Reihe parodierten Blogger versehentlich nicht eingebaut haben, so seid ihr natürlich herzlich eingeladen, es besser zu machen – gern mit Trackback und/oder Kommentar hier unten drunter.)
Vor all der Panik wegen verzockter Milliarden an nicht einmal real vorhandener Währung wird doch glatt vergessen, dass auch weiterhin Leute sterben. Um eine leidlich brauchbare Überleitung hinzubekommen, hole ich aber mal etwas weiter aus:
Vor einigen Tagen fuhr ich mit dem Regionalzug durch die Gegend. Ich schätze die Regionalzüge hier sehr, denn sie bieten reichhaltige Einblicke in menschliche Abgründe. In besagtem Regionalzug nun, mir schräg gegenüber, saß, sommerlich gekleidet, ein nicht unhübsches Mädchen von etwa 16 Jahren, das sich, wie man trotz ihrer Ohrhörer vernehmen konnte, der Techno- oder jedenfalls Ravemusik hingab. Mit dem Rücken ihr zugewandt saß ein bärtiger Mann mit Hut, der aussah, als würde er im Dezember seine Rente als Nikolaus aufbessern.
Diesen Mann nun hatte keinesfalls der Geist der Weihnacht erfüllt, denn er stand irgendwann auf, drehte sich um, beugte sich über sie und nuschelte „mach das aus, das stört mich“ in seinen beeindruckenden Bart hinein. Ich überlegte, ob ich einwerfen sollte, dass ich mich in meiner Gemütsruhe eher von seinem Gemurmel als von ihrer Beschallung gestört fühlte, aber da saß er auch schon wieder, und die Musik blieb, wie sie war; daher widmete ich mich wiederum lauschend den übrigen Reisenden.
Irgendwann stand der grimmige Herr dann auf und verließ den Zug. Allerdings nahm er hierfür einen kleinen Umweg in Kauf, nur um an dem nicht unhübschen Mädchen vorüberzugehen und sie nochmals ob ihres Hörverhaltens als Störerin bezeichnen zu können. Wieso ihm das nun, da er den Zug ohnehin verließ, noch so wichtig war, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, das Mädchen jedenfalls wandte sich anschließend ihren offenbaren Freundinnen zu, die vor ihr saßen, und in breitem Jugendslang und wild gestikulierend spotteten sie über das betagte Verhalten des betagten Herrn.
Tja, werden nun die Leser einwenden, da treffen wieder völlig unterschiedliche Generationen und Gesellschaftsschichten aufeinander, und mit über 60 ist man dann so, wie man mit unter 20 nie sein wollte. So unterschiedlich sind ihre Sorgen aber gar nicht.
In dieser Woche zum Beispiel sind die Boulevardmagazine im Zeitschriftenregal erfüllt von Trauer, weil zwei Personen des öffentlichen Lebens abgenippelt verstorben sind. Den Tod von Amy Winehouse thematisierte ich ja bereits. „Wer ist Amy Winehouse?“, fragen nun die älteren Menschen. Amy Winehouse, das antworte ich ihnen, war eine Sängerin, die beim vorwiegend jungen Publikum beliebte Weisen intonierte. Vergleichbar ist sie etwa mit Bernd Clüver, gleichfalls inzwischen toter Musiker, dessen „Junge mit der Mundharmonika“ einst ebenfalls Massen begeisterte.
Und so prangte heute in trauter Einigkeit in nämlichem Zeitschriftenregal das Gesicht von Amy Winehouse gleich neben dem von Bernd Clüver. Und während man bei der BRAVO spekulierte, ob Frau Winehouse wohl an gebrochenem Herzen starb („Starb sie an gebrochenem Herzen?“), ist man bei der „Neuen Post“ bodenständiger genau so überdreht esoterisch und fragt anlässlich Herrn Clüvers Ablebens: „Starb er an gebrochenem Herzen?“.
Das mit dem gebrochenen Herzen scheint ja eine brandgefährliche Sache zu sein. (Ob daran die Killerspiele schuld sind?)
Da ist es beinahe schon beruhigend, dass ein berühmter Toter garantiert an etwas anderem verstarb: Knut.
(Danke an V.!)
Eine Ankündigung in eigener Sache:
Seit ich hier wieder etwas regelmäßiger schreibe, erfahre ich hin und wieder Kritik, ich würde stilistisch allzu deutlich von anderen Insinternetschreibern inspiriert, sei gar ein Kopist.
Wahr ist, dass mein Schreibstil, wie wohl der der meisten Menschen, die nicht nur schreiben, sondern auch lesen, im Laufe der Jahre von einigen Autoren beeinflusst wurde, gelegentlich auch von Bloggern. Falsch ist aber, dass ich deshalb gänzlich auf einen eigenen Stil verzichte. Um diese Kritik künftig etwas abzuschwächen, werde ich in den nächsten Wochen, vielleicht auch Tagen, versuchen, einige Beiträge im Schreibstil bekannter und vielleicht weniger bekannter Blogger zu verfassen, und hoffe, dass meine geneigte Leserschaft den Unterschied bemerkt. Zur Sicherheit werde ich jedenfalls diese Artikel gesondert kennzeichnen.
Anregungen nehme ich selbstverständlich gern entgegen.
Eine Begebenheit erinnerte mich jüngst daran, dass „The Downward Spiral“ der großartigen Nine Inch Nails auch schon wieder 17 Jahre her ist:
The me that you know, he used to have feelings,
but the blood has stopped pumping and he is left to decay.
The me that you know, he is now made up of wires,
and even when I’m right with you I’m so far away.
Zeitlose Psychose.
(Reimt sich.)
Heute in der beliebten Serie „Die Qualitätsoffensive der Bahn“:
Sparpreise!
„Im September (2010, A.d.V.) wird der Vorstand weitere Schritte unserer Kunden- und Qualitätsoffensive verstellen“, kündigte Grube bei der Vorstellung des Halbjahresergebnisses der Bahn an.
Termini, die man erst seit der Allgegenwart des postfeministischen Sexismus nicht einmal mehr lesen kann, ohne kurz innezuhalten:
(Und dann entdecken, dass da entweder ein Bindestrich fehlt oder ein Schrägstrich überflüssig ist, endlich den Zusammenhang verstehen, ein wenig schmunzeln und was anderes machen.)