LyrikPolitik
Leere Gesichter

Wie aus­drucks­los, wie lebensmüd‘,
wie todes­nah, wie leer
sind, wie man dort oben sieht,
eure Gesichter!

Denn über­schwäng­lich, siegestrun-
ken hab’n eure Genossen
zur Ansehensverbesserung
das Aufhängen beschlossen.

Dabei haben sie aller­dings die schwar­zen Markierungen eben­so „über­se­hen“ wie die Schriftzüge, die dar­auf hin­deu­te­ten, dass dort, wo ihr, „Linke“, statt eure natur­ge­mäß eher aus den unte­ren Gesellschaftsschichten stam­men­de Klientel mit so was wie Politik zu über­for­dern, lie­ber die immer­glei­chen Visagen („Oskar kommt“ einself) platz­iert habt, eigent­lich ande­re Parteien, nament­lich Grüne und Piraten hät­ten pla­ka­tie­ren sol­len; in ande­ren Worten: Ihr, „Linke“, habt ohne Rücksicht auf Verluste - teil­wei­se wur­den auch Plakate der Piratenpartei über­klebt - ver­sucht, eurem Personenkult Gehör zu ver­schaf­fen, und befin­det euch dabei in bester Gesellschaft mit der F.D.P. und der SPD, die, statt auf den nun wirk­lich nicht gera­de knapp bemes­se­nen Plakatflächen auch nur ansatz­wei­se etwas dar­über zu erläu­tern, wofür sie sich eigent­lich poli­tisch ein­set­zen, ein paar bekann­te Gesichter und blö­de Einzeiler hin­ge­pappt haben. Eigentlich, ihr Parteien, die ihr gar nicht erst ver­sucht, den Eindruck zu erwecken, ihr hät­tet auch so etwas wie Inhalt, könn­tet ihr statt der übli­chen hoh­len Phrasen genau so gut „Ein gan­zer Kerl dank Chappi“ hin­schrei­ben. Das wür­de auf die­sen Plakatwänden viel­leicht sogar ein wenig Platz spa­ren: Ein Plakat pro Partei genügt dann vollends.

„Vertrau kei­nem Plakat - infor­mier dich!“

Senfecke:

  1. wuss­te gar nicht, dass die Linkejugend (wie­so woll­te ich Hitlerjugend schrei­ben?) neu­er­dings Wahlplakate im Design nutzt wel­ches aus Stalins Bart gekro­chen hät­te können..

  2. Welche Partei ist so hirn­ver­brannt, vor Wahlen Inhalte ver­mit­teln zu wollen?
    Du selbst hast bewie­sen, dass sich Phrasen, wie “Ein gan­zer Kerl dank Chappi”, ein­bren­nen. Es dürf­te kei­ne Partei geben, die die­ses Prinzip nicht zu ihren Gunsten umsetzt, es sei denn, es han­del­te sich um Amateure.

  3. Ich wäh­le jetzt Apfel, Orange, Birne oder ver­faul­ten Fisch. Mal sehen, was ich auf­sam­meln kann. Und danach zum Küchengarten, um zu hören, was die Piraten so für ’nen Unsinn erzäh­len. Bis später.

  4. Hallo chro­nisch schlecht gelaun­ter Pöbel-Pirat,
    wenn die Plakatfläche am Kornmarkt von den Piraten nicht gebraucht wird, braucht sich auch kein Pirat(en-Fan) über ande­re Plakate aufregen.
    Und wenn dann auf­fällt, dass man da ja doch ein eige­nes Plakat hin­hän­gen könn­te, dann geht des mit einer Ladung Kleister und einem Plakat gänz­lich schmerz­los. Ohne Beschwerde und ohne dei­ne in Datenmüll ver­wan­del­te Langeweile.

    Grüß die Ausbeuter von der unte­ren Gesellschaftsschicht!

  5. Haben die Linken denn die Piraten gefragt, ob die­se die Fläche noch benötigen?
    Meines Wissens nicht, sie haben sich eigen­mäch­tig ihrer bemächtigt.

    „Eigentum für alle“ ist ja schön und gut, so lan­ge es nur frem­des Eigentum ist, eh?

    Ich bedan­ke mich anson­sten, natür­lich, herz­lich für die­sen Kommentar und ins­be­son­de­re das Lächeln, das er mir ver­ur­sach­te, denn jemand, der sich die­sen Beitrag kom­plett durch­ge­le­sen hat UND sich dann noch die Zeit nimmt, ihn zu kom­men­tie­ren, zeigt mir doch deut­lich, dass in Datenmüll ver­wan­del­te Langeweile offen­bar für nach­hal­ti­gen Eindruck bei Besuchern sorgt. Anders gesagt: Zugabe?

  6. Jungchen, es war bis­lang üblich, so hör­te ich jeden­falls, dass Piraten und Linke in WF sorg­sam mit­ein­an­der umge­hen und sich sogar Hinweise auf beschä­dig­te Plakatpappen geben. Aber du bist wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. 

    Und die Stelltafeln sind im Übrigen kein Eigentum der Parteien son­dern der Stadt. Dort kannst du dich am besten gleich mor­gen früh beschwe­ren, um dem hier dar­ge­bo­te­nen Spießertum noch das Sahnehäubchen aufzusetzen.

  7. Nun, die Piraten WF waren nicht ange­tan davon, inso­fern kann ich wohl mit Fug und Recht behaup­ten, dass hier kein sorg­sa­mer Umgang, son­dern rück­sichts­lo­ser Egoismus gepflegt wird. Was spie­ßig dar­an ist, es nicht gut zu fin­den, dass die real­so­zia­li­sti­sche Linke mit ihren Kampfansagen unge­fragt (!) Werbeflächen mei­ner Partei annek­tiert, möge man mir noch eben kurz erklä­ren. Aber ja, so ist das Weltbild der „Linken“: Es gibt nur Linke und Spießer. Schon verstanden.

    Und wenn ich das Geschwätz von Frau Lötszsch, deren Namen ich nie so rich­tig in den Griff bekom­me, und ihren anti­se­mi­ti­schen ehe­ma­li­gen Stasifreunden so höre, kann ich stolz behaupten:

    Ich bin furcht­bar gern Spießer!

    (Gut, dass ich kein Auto habe - sonst bekä­me ich als­bald „Besuch“, hm?)


    Nachtrag, nur zur Klarstellung: Ja, ich spie­le hier bewusst mit Klischees, ja, ich habe eini­ge Freunde, die der „Linken“ nahe ste­hen, aber so eine Aktion fin­de ich völ­lig daneben.

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