Sonstiges
Nur für offi­zi­el­le Vampire.

Ich schlen­der­te wie­der ein­mal durch die Buch­hand­lung im Bahn­hof, such­te nach Kurz­weil und wur­de fündig:

Die­ser Twi­light-Wahn zieht offen­bar wei­te Kreise.

Eins mach­te mich dann aber doch stut­zig, näm­lich der Unter­ti­tel: „Das offi­zi­el­le Maga­zin für Vam­pi­re und Wer­wöl­fe“. Jetzt mal ganz von der Fra­ge abge­se­hen, wie vie­le Vam­pi­re und Wer­wöl­fe sich tags­über (inner­halb der Laden­öff­nungs­zei­ten) in Bahn­hö­fen auf­zu­hal­ten pfle­gen: Das offi­zi­el­le Maga­zin? Heißt das, es gibt noch mehr davon? Und vor allem: Was qua­li­fi­ziert „The Vam­pi­res“ – ohne Bei­satz „and the Were­wol­ves“ – eigent­lich als „offi­zi­el­les Magazin“?

Vor mei­nem geis­ti­gen Auge sehe ich eine Hor­de blut­rüns­ti­ger und/oder glit­zern­der Vam­pi­re mit jeweils einer Zeit­schrift in der Hand. Ein Neu­an­kömm­ling stellt sich vor:

„Hallo/groar/buh, ich bin ein Vampir!“
– „Liest du denn The Vam­pi­res?“
– „Ähm, nee..?“
– „Dann bist du kein offi­zi­el­ler Vampir!“

Ich stel­le mir das mit dem ewi­gen Leben und der ein­tö­ni­gen Ernäh­rung aber auch nicht all­zu auf­re­gend vor.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLIII: Auf sie mit Gebräu!

Neu­es von der Coca-Cola-Front:

Das einst von John S. Pem­ber­ton gemix­te Gebräu gegen Kopf­schmerz, Müdig­keit und Frau­en­lei­den, das [am 6. Mai] vor genau 125 Jah­ren erst­mals über die Laden­the­ke ging, avan­cier­te im Zwei­ten Welt­krieg zum Sym­bol der ame­ri­ka­ni­schen Hei­mat par excellence.

Wäre heu­te nicht Mut­ter­tag und ich somit mora­lisch zu ein wenig Zurück­hal­tung ver­pflich­tet, schrie­be ich jetzt zum Bei­spiel, dass das bes­te „Gebräu gegen Frau­en­lei­den“ noch immer aus Tsche­chi­en kommt; denn wer unter Frau­en lei­det, für den ist seli­ger Bier­kon­sum noch immer ein pro­ba­tes Mittel.

Aller­dings hat sich in den letz­ten 125 Jah­ren die beab­sich­tig­te Wir­kung von Coca-Cola in den Augen der Welt­öf­fent­lich­keit gewan­delt. Als Medi­zin­pro­dukt wird sie – wohl auch auf­grund des mitt­ler­wei­le feh­len­den Koka-Gehalts – nicht mehr ange­prie­sen, und schon im 2. Welt­krieg war ihr Genuss statt­des­sen ein gera­de­zu heroi­scher Akt:

„Wenn uns jemand frag­te, wofür wir kämp­fen, wür­de ver­mut­lich die Hälf­te von uns ant­wor­ten, für das Recht, wie­der Coca-Cola zu trin­ken“, schrieb einer der GIs von den Trüm­mer­fel­dern nach Hause (…).

Dass den US-Ame­ri­ka­nern kein Grund zu blöd ist, Krieg spie­len zu dür­fen, ist ja bekannt. (Inso­fern kommt es ihnen ganz gele­gen, dass al-Qai­da die Ermor­dung Osa­ma bin Ladens nicht gut­hei­ßen kann, denn so ist der Fort­be­stand der Kriegs­grün­de vor­erst gewähr­leis­tet. Arsch­lö­cher.) Die opti­sche Ähn­lich­keit von Coca-Cola und Erd­öl lässt mich übri­gens gera­de über etwa­ige Zusam­men­hän­ge sinnieren.

„Wir kämp­fen für das Recht, wie­der Coca-Cola zu trin­ken“; sehr schön, das hat was von „wir kämp­fen für die Frei­heit Deutsch­lands am Hin­du­kusch“, ist genau so bekloppt, denn, immerhin:

Dem US-Colo­nel Robert L. Scott wie­der­um half der Gedan­ke an „Ame­ri­ka, Demo­kra­tie und Coca-Cola“, sei­nen „ers­ten Jap­sen abzu­schie­ßen“, wie er sei­nem Best­sel­ler „Gott ist mein Co-Pilot“ schrieb.

Ich gra­tu­lie­re bei der Gele­gen­heit dann übri­gens auch all den Deut­schen, die Coca-Cola als „Teil des Ame­ri­can way of life“ prei­sen und allein des­halb für ein lobens­wer­tes Getränk hal­ten, zu ihrem sorg­lo­sen Welt­bild. Zucker­brau­se als Aus­druck eines Lebens­stils? Das mag ein Lebens­stil sein, der sich außer­halb mei­ner Wahr­neh­mung abspielt.

Beängs­ti­gend fän­de ich dann übri­gens auch dies, pre­dig­te ich es nicht schon seit Jahren:

„Coca-Cola“ avan­cier­te, gemein­sam mit „o.k.“, zur bekann­tes­ten Voka­bel der Welt, über­all leck­ten sich die Men­schen, Sie­ger eben­so wie Besieg­te, die Fin­ger danach.

Das Leben der Deut­schen wird auch heu­te noch wesent­lich davon bestimmt, dass sie 1944 und 1945 von den US-Ame­ri­ka­nern bom­bar­diert, besiegt und fort­an unter­jocht wor­den waren. Kei­nes­falls möch­te ich hier den Sie­ges­zug der Rock­mu­sik kri­ti­sie­ren, ging doch ihre Revo­lu­ti­on stets von Groß­bri­tan­ni­en aus, aber der Sprach- und Kul­tur­ver­fall her­an­wach­sen­der Gene­ra­tio­nen deckt sich mit der Ent­wick­lung der US-ame­ri­ka­ni­schen Jugend. (In Film­form emp­feh­le ich zum Bei­spiel die Komö­die „Matil­da“, deren Haupt­dar­stel­le­rin in einer typisch ame­ri­ka­ni­schen Fami­lie auf­wächst, ohne Cola zwar, gleich­falls aber ohne Kultur.)

„Spra­che ent­wi­ckelt sich halt wei­ter“, ich mei­ner­seits ver­bin­de mit Wei­ter­ent­wick­lung aber Fort­schritt und nicht Liquidation.

Den­noch, um zum The­ma zurück­zu­keh­ren, hal­te ich das Schü­ren von Vor­ur­tei­len gegen Coca-Cola für deut­lich überzogen:

In Ita­li­en ver­brei­te­ten anti­ame­ri­ka­ni­sche Genos­sen, dass der Cola-Kon­sum über Nacht die Haa­re schloh­weiß wer­den lässt, in Japan wie­der­um kur­sier­te das Gerücht, Cola wür­de die Frau­en unfrucht­bar machen. Und wäh­rend ein mus­li­mi­scher Dem­ago­ge in Ägyp­ten aus Wut über die Unter­stüt­zung Isra­els durch die USA die Theo­rie auf­stell­te, Cola sei aus Schwei­ne­blut gebraut, beschimpf­te Mao das Pri­ckel­was­ser gar als „Opi­um für die Renn­hun­de des revan­chis­ti­schen Kapitalismus“.

Deut­sche Eltern haben ähn­li­che Ideen: Als Kind wur­de mir gesagt, von Cola bekä­me ich schwar­ze Füße. Wie viel Cola ich dafür trin­ken muss, wur­de aller­dings nicht erläu­tert, bis jetzt hat es nur für schwar­ze Nägel genügt. Aber wie das mit Kin­dern so ist, mach­te Cola­trin­ken dann erst recht Spaß, der Geschmack war bei­na­he schon Neben­sa­che. „Ich nehm Cola, weil Mama das gera­de nicht sieht.“

Nun ist das alles schon ein paar Jah­re her, und aller Nach­kriegs­re­vues zum Trotz hat es sich gezeigt, dass die Welt­macht Coca-Cola nicht unan­ge­foch­ten in einer Mono­pol­stel­lung ver­harrt, son­dern sich zahl­rei­cher Kon­kur­renz erfreu­en kann. Kon­kur­renz belebt bekannt­lich den Markt.

Dar­auf erhe­be ich ein Konkurrenzprodukt!

(Dan­ke an C.)

Nerdkrams
iMacros: Fire­fox automatisieren

Manch­mal gibt es beim täg­li­chen Inter­net­gu­cken mit Fire­fox Situa­tio­nen, die sich immer wie­der wie­der­ho­len, etwa der täg­li­che Besuch der Lieblings-Nachrichtenseiten.

Eine ein­fa­che Lösung hier­für ist es, die Arbeit kom­plett dem Sit­zungs­ma­na­ger zu über­las­sen, die jewei­li­gen Sei­ten also gar nicht erst zu schlie­ßen. Alter­na­tiv könn­te man, wie ich es selbst bis vor kur­zem tat, Erwei­te­run­gen wie Mor­ning Cof­fee ver­wen­den, aber sie las­sen es meist an Über­sicht­lich­keit und Fle­xi­bi­li­tät man­geln. Mor­ning Cof­fee litt außer­dem bis Febru­ar unter Ver­nach­läs­si­gung sei­tens des Ent­wick­lers, in aktu­el­len Ver­sio­nen von Fire­fox war die Erwei­te­rung nur noch sehr ein­ge­schränkt nutzbar.

Eine mög­li­che Alter­na­ti­ve ist iMacros.

Wie es der Name schon andeu­tet, rüs­tet iMacros Makro­funk­tio­na­li­tät im Brow­ser nach, es las­sen sich also belie­bi­ge Aktio­nen auf­zeich­nen und jeder­zeit wie­der­ho­len. Hier­für kann man zum Einen den „Aufzeichnen“-Knopf in der iMacros-Sei­ten­leis­te ver­wen­den, zum Ande­ren steht dem Anwen­der eine mäch­ti­ge Skript­spra­che zur Ver­fü­gung, die den­noch leicht zu ver­ste­hen ist.

Neh­men wir an, wir wür­den iMacros gern nut­zen, um per ein­fa­chem Klick welt.de, spiegel.de und zeit.de auf­ru­fen zu kön­nen. Das ist nicht all­zu schwierig:

Nach der Instal­la­ti­on der Erwei­te­rung und dem obli­ga­to­ri­schen Brow­ser­neu­start ist zunächst die iMacros-Sei­ten­leis­te zu öff­nen, die über das iMacros-Sym­bol erreich­bar ist, das sich nor­ma­ler­wei­se bereits in der Sym­bol­leis­te ein­ge­nis­tet hat, aber auch nach­träg­lich dort ein­ge­fügt wer­den kann (Rechts­klick – „Anpas­sen…“):

Die Lis­te an Bei­spiel­ma­kros kann gern igno­riert oder gelöscht wer­den, sie ist für unser Tun nicht von Belang. Nun näm­lich ist unter „Rec“ auf „Auf­neh­men“ zu kli­cken. Jeder wei­te­re Schritt ist Teil des Makros. Nun ein­fach die gewünsch­ten Schrit­te aus­füh­ren, anschlie­ßend auf „Stop“ kli­cken und das Ergeb­nis unter einem belie­bi­gen Namen, etwa „MORNING COFFEE“, spei­chern. (Alle Makros wer­den als Datei­en gesi­chert, sie las­sen sich also spä­ter auch auf ande­re Gerä­te por­tie­ren.) Per Rechts­klick auf das neue Makro und Aus­wahl von „Add to book­mark“ – ja, iMacros ist mit­un­ter etwas unvoll­stän­dig über­setzt – kann das neue Makro auch in die Lese­zei­chen­leis­te gelegt wer­den, auf Wunsch gar mit sei­nem kom­plet­ten Code, was etwa auf por­ta­blen Daten­trä­gern sicher sehr vor­teil­haft ist.

Für mei­ne eher an grau­er Theo­rie inter­es­sier­ten wie auch mei­ne pro­gram­mier­be­geis­ter­ten Leser ist der Code so eines Makros viel­leicht inter­es­san­ter als die Mög­lich­keit, es zu benut­zen, selbst. Der funk­ti­ons­fä­hi­ge Code für ein Makro, das die im Bei­spiel gewünsch­ten Schrit­te durch­führt, sieht etwa so aus; ich habe zum bes­se­ren Ver­ständ­nis Kom­men­ta­re eingefügt:

' Öffne neuen Tab
TAB OPEN
' Wähle diesen Tab als aktiven Tab aus
TAB T=1
' Wechsle im aktiven Tab zu SPIEGEL Online
URL GOTO=http://www.spiegel.de

' Mach das noch zweimal:
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Tab­num­mern sind in iMacros, wie man sieht, immer rela­tiv. Lässt man etwa das ers­te TAB OPEN weg, so wird im gera­de akti­ven Tab spiegel.de auf­ge­ru­fen, egal, an wel­cher Stel­le die­ser steht. Dies ist sel­ten gewünscht.

Viel­leicht fällt bei der Befol­gung obi­ger Schrit­te auf, dass iMacros stan­dard­mä­ßig eine Minu­te war­tet, bis die jewei­li­ge Sei­te fer­tig gela­den ist. Bei Sei­ten­aus­fäl­len endet das Makro, wenn die Sei­te nach 60 Sekun­den nicht gela­den wur­de, vor­zei­tig. Um das zu ver­hin­dern, kann man das Makro etwas feh­ler­re­sis­ten­ter machen, indem man die War­te­zeit auf zum Bei­spiel 10 Sekun­den her­ab­setzt und den Abbruch bei Lade­feh­lern unter­bin­det. Der voll­stän­di­ge Code sieht dann so aus:

SET !TIMEOUT_PAGE 10
SET !ERRORIGNORE YES
TAB OPEN
TAB T=1
URL GOTO=http://www.spiegel.de
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Die bei­den SET-Anwei­sun­gen gel­ten übri­gens so lan­ge, bis man sie wie­der zurück­nimmt. Dies ist an jeder Stel­le im Makro möglich.

Mit iMacros ist vie­les mehr umsetz­bar, vom Aus­fül­len eines For­mu­lars bis hin zu kom­ple­xen Web­sei­ten­tests. Natür­lich hat der Funk­ti­ons­um­fang auch sei­nen Preis, denn so ein­fach wie etwa das ein­gangs erwähn­te „Mor­ning Cof­fee“ ist iMacros nicht immer zu bedie­nen. Die gebo­te­ne Fle­xi­bi­li­tät aber ist eben­so wie die Mäch­tig­keit der Erwei­te­rung ein Argu­ment, iMacros zumin­dest ein­mal auszuprobieren.

iMacros gibt es übri­gens auch für den Inter­net Explo­rer. Aber lohnt sich das?

Sonstiges
Gala­xy Network

Lie­be Leser,

heu­te wen­de ich mich mit einem etwas unge­wöhn­li­chen Sujet an euch, näm­lich mit einem Online­spiel, genau­er: mit einem Brow­ser­spiel. Brow­ser­spie­le kenn­ta, kenn­ta, ihr öff­net den Web­brow­ser eurer Wahl und gebt auf einer Web­sei­te irgend­wel­che Zah­len ein, damit irgend­wel­che ande­ren Zah­len stei­gen; unge­fähr so auf­re­gend wie Mine­craft, aber mit mensch­li­chen Gegnern.

Das Spiel, um das es mir hier geht, heißt Gala­xy Net­work.

Wie der Name schon andeu­tet, han­delt Gala­xy Net­work von Kämp­fen im Welt­all. Die Geschich­te, die dahin­ter steht, ist der von Spie­len wie Pla­ne­ta­ri­on und OGa­me nicht unähn­lich: Der Spie­ler besitzt zu Beginn einen fast kah­len Pla­ne­ten und ein paar – wie vie­le, weiß nie­mand – Bür­ger, die für ihn Gebäu­de bau­en und Tech­no­lo­gien erfor­schen. Die­se Gebäu­de und Tech­no­lo­gien kann der Spie­ler fort­an nut­zen, um mit gro­ßen, bewaff­ne­ten Raum­schif­fen durch die Gegend zu flie­gen und ande­ren Pla­ne­ten (lies: Spie­lern), ver­ein­facht gesagt, Res­sour­cen im Form von so genann­ten „Extrak­to­ren“ zu klau­en. Sie­ger ist, wer nach etwa hun­dert Tagen sei­ne Geg­ner am aller­fie­ses­ten zusam­men­ge­bal­lert hat. Sadis­ten dür­fen sich wäh­rend der Kampf­hand­lun­gen gern vor­stel­len, wie die Geg­ner tot aus ihren Raum­schif­fen fal­len. Wie vie­le Per­so­nen an Bord eines Raum­schif­fes sind, erklärt das Hand­buch zu ihrem Glück en detail. Gala­xy Net­work ist also so eine Art Afgha­ni­stan­ein­satz in groß, oder, wie es ein ande­rer Spie­ler aus­drück­te:

„Flot­te aus­bau­en, den nächs­ten Geg­ner aus dem Uni­ver­sum fegen und die Run­de gewinnen.“

Nach der Anmel­dung beginnt aber erst ein­mal die For­schungs­pha­se, in der man 20 Gebäu­de bau­en und 30 Tech­no­lo­gien erfor­schen kann, um die Wirt­schaft auf sei­nem Pla­ne­ten in Gang zu brin­gen, Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen und Raum­schif­fe sowie Ver­tei­di­gungs­an­la­gen bau­en zu kön­nen. Letz­te­re müs­sen eben­falls erforscht wer­den, hier ste­hen ins­ge­samt 9 Schiffs­ty­pen sowie 5 Ein­hei­ten zur orbi­ta­len Ver­tei­di­gung zur Wahl. Eine Beson­der­heit hier­bei ist, dass man ein Gebäu­de nur ein­mal baut und dar­über hin­aus nicht wei­ter auf­rüs­ten kann oder muss, zusätz­lich gibt es im Tech­no­lo­gie­baum zwei Gabe­lun­gen, an denen der Spie­ler sich für eine offen­si­ve oder defen­si­ve Spiel­wei­se ent­schei­den muss.

Man ist auch nicht auf sich allein gestellt beim Kampf „alle gegen alle“, denn man orga­ni­siert sich in Alli­an­zen, Gala­xien und Bünd­nis­krei­sen. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on in Gala­xy Net­work erfolgt zu einem nen­nens­wer­ten Teil im IRC, also im chat, und kann auch schon mal zu schlaf­lo­sen Näch­ten vol­ler geist­rei­cher, wahl­wei­se auch schlicht­weg beklopp­ter Dis­kus­sio­nen füh­ren. Der sozia­le Aspekt, den aus­ge­rech­net ein Brow­ser­spiel also för­dert, zieht mit­un­ter wei­te Krei­se: Man mun­kelt, durch die­ses Spiel sei schon so man­che Ehe ent­stan­den und/oder zer­bro­chen. Zumin­dest aber eig­net es sich dazu, lang­jäh­ri­ge Freund­schaf­ten zu knüp­fen oder auch ein­fach mal abzuschalten.

Die For­schungs­pha­se dau­ert etwa sie­ben bis zehn Tage, bis die ers­ten Flot­ten­be­we­gun­gen mög­lich sind. Ab die­sem Zeit­punkt tritt der Team­fak­tor des Spiels in den Vor­der­grund, indem man mit sei­nen Mit­spie­lern zusam­men Geg­ner atta­ckiert, deren Angrif­fe abwehrt oder mit ihnen Han­del treibt. Über­haupt steht bei Gala­xy Net­work, anders als etwa bei OGa­me, die com­mu­ni­ty ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te. Spielt man als Solist, so wird man schnell mer­ken, dass man blo­ßes Kano­nen­fut­ter ist, wenn man nicht geschickt sei­ne Ver­tei­di­gung aufrüstet.

Zwar ist das aus­ge­reif­te Kampf­sys­tem, von Anfang an eine der her­aus­ra­gen­den Stär­ken des Spiels, auf den ers­ten Blick ziem­lich unüber­sicht­lich, aber je län­ger man spielt, des­to bes­ser ver­steht man, wel­che Schiffs­ty­pen für wel­chen Zweck am bes­ten geeig­net sind. Unnö­tig ist es da zu erwäh­nen, dass es mitt­ler­wei­le elek­tro­ni­sche Hilfs­mit­tel gibt, die die von eini­gen – meist neu­en – Spie­lern als läs­tig emp­fun­de­ne Rech­ne­rei qua­si über­flüs­sig machen.

Die ers­te Run­de von Gala­xy Net­work begann im Jahr 2001, eini­ge der etwa 2.000 Spie­ler sind also schon seit fast zehn Jah­ren dabei. Obwohl die bei­den Grün­der, „Hiob“ und „evuel“, das Spiel vor sechs Jah­ren an die Spie­le­klit­sche Big­point ver­scher­belt haben, ist der Com­mu­ni­ty­ge­dan­ke doch unver­än­dert aktiv. Gala­xy Net­work ist das, was sei­ne Spie­ler sind. Es geht längst nicht mehr dar­um, die Näch­te vor dem Bild­schirm zu ver­brin­gen, um irgend­wel­che Zah­len in einer Daten­bank zu ver­grö­ßern, es geht dar­um, gemein­sam etwas zu bewegen.

Wer wür­de da zögern?

PolitikNetzfundstückeKaufbefehle
Der Gott aus der Maschine

Es gehört zum Wesen neu­er Bahn bre­chen­der Erfin­dun­gen, erst ver­lacht, dann von den Ver­tre­tern eta­blier­ter Tech­ni­ken für grund­bö­se Hexe­rei erklärt zu wer­den und schließ­lich, oft erst Jahr­zehn­te spä­ter, auch die­se Skep­ti­ker zu überzeugen.

In wel­chem die­ser Zustän­de sich gegen­wär­tig das Inter­net befin­det, ist unklar. Die Mei­nun­gen schwan­ken zwar, aber auch die­je­ni­gen, die nicht auf der Sei­te der Geg­ner ste­hen, wis­sen: Das Inter­net ist böse. Es tum­meln sich dort Groß­kon­zer­ne neben Casi­no­be­trü­gern, deren gemein­sa­mes Ziel das schnel­le Geld ist, Rück­sicht gibt’s nicht vor Laden­schluss. Die Mög­lich­keit, dass sich jeder frei äußert, lie­fert Zünd­stoff für Bür­ger­krie­ge. Platt­for­men wie Wiki­leaks gefähr­den das Bestehen der west­li­chen Welt. Nicht zu ver­ges­sen sind all die Kin­der­schän­der, Raub­mord­ko­pie­rer und Ter­ro­ris­ten. Hab ich schon Kin­der­schän­der gesagt? Eins immer­hin wis­sen wir: Osa­ma bin Laden war nicht im Internet.

Die­se schon oft gehör­te Auf­zäh­lung ist natür­lich ziem­lich ein­sei­tig und somit frag­wür­dig. Auf der ande­ren Sei­te aber, dort, wo die neti­zens woh­nen, sieht es auch nicht bes­ser aus:

Die Zukunft läge in der Ver­net­zung, sagen sie, und es wäre gleich­sam ein revo­lu­tio­nä­rer Akt, zu twit­tern und zu goo­geln und zu flät­tern und zu face­boo­ken, hin­weg über alle Gren­zen und an der unge­lieb­ten Regie­rung vor­bei. „Wir gegen die“, die da drau­ßen und wir hier drin oder auch anders­her­um. Wir haben alle Infor­ma­tio­nen in unse­ren Hän­den, off­line war ges­tern, heu­te ist das neue über­mor­gen. Da muss man halt auch schon mal ein paar Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, aber es wird ja nie­mand gezwun­gen, sich Freun­de zu suchen, die Unter­neh­men, deren Geschäfts­grund­la­ge der Ver­kauf von Daten ist, nur all­zu gern Aus­kunft über die eige­ne Per­son geben. Kol­la­te­ral­schä­den im Ver­gleich zu all den neu­en Mög­lich­kei­ten. Wir sind das Inter­net ist wir sind die Digi­ta­le Gesell­schaft sind die ande­ren. Irgend­wer nann­te das mal Infor­ma­ti­ons­krieg. Blö­der­wei­se bin ich Pazifist.

Machi­ne, machi­ne messiah;
the mind­less search for a hig­her controller…“

– Yes: Machi­ne Messiah

Eins aber möch­te ich dann doch noch los­wer­den, bevor die Jahr­zehn­te vor­über sind:
Ein Staat, der stän­dig die Kon­fron­ta­ti­on den Dia­log mit der „digi­ta­len Eli­te“ zu suchen vor­gibt, des­sen Regie­rung pod­cas­tet und twit­tert, was das Zeug hält, und der somit das Inter­net beginnt als Mit­tel zur Selbst­ver­mark­tung zu ent­de­cken, mag sich noch so pro­gres­siv vor­kom­men; so lan­ge aber eine E‑Mail nicht für rechts­kräf­ti­ge Doku­men­te taugt, ist die Schaum­schlä­ge­rei ver­ta­ne Zeit.

PolitikIn den Nachrichten
End­lich Mord!

Apro­pos Zivilisation:

Es ist schon selt­sam, wie man sich doch in Men­schen täu­schen kann. Eigent­lich war ich bis­lang nicht von der Mei­nung abzu­brin­gen, mein sorg­fäl­tig aus­ge­wähl­ter Bekann­ten­kreis bestehe aus­schließ­lich aus wenigs­tens über­wie­gend zivi­li­sier­ten Phil­an­thro­pen mit ver­ein­zel­tem Hang zum Zynismus.

Mit blo­ßem Zynis­mus aber ist es nicht mehr zu erklä­ren, dass zum Bei­spiel der ansons­ten in Recht und Unrecht vor­geb­lich bewan­der­te Didi den sys­te­ma­ti­schen Mord an Sek­ten­füh­rern („Gerech­tig­keit“, Barack Oba­ma, c/o „SPIEGEL Online“) als „Fei­er des Tages“ bezeichnet.

Ande­rer­seits ist er da in „guter“ Gesell­schaft:

Außen­mi­nis­ter Gui­do Wes­ter­wel­le (FDP) hat die Tötung des Al-Kai­da-Chefs Osa­ma bin Laden in Paki­stan begrüßt.

„Hal­lo, Tötung! Wie geht’s?“

„Dass die­sem Ter­ro­ris­ten sein blu­ti­ges Hand­werk gelegt wer­den konn­te, ist eine gute Nach­richt für alle fried­lie­ben­den und frei­heit­lich den­ken­den Men­schen in der Welt“, sag­te Wes­ter­wel­le am Mon­tag in Berlin.

Da freu­en sich alle fried­lie­ben­den und frei­heit­lich den­ken­den Men­schen in der Welt aber, dass die Streit­kräf­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wie­der einen fie­sen Ter­ro­ris­ten gemeu­chelt haben. Aber er hat es ja ver­dient, denn:

Bin Laden sei einer der „bru­tals­ten Ter­ro­ris­ten der Welt“ gewe­sen, der das Leben von meh­re­ren tau­send Men­schen auf dem Gewis­sen habe.

Wir fol­gern: Das kran­ke Welt­bild der „west­li­chen Demo­kra­tie“ besagt, dass es eine ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf tau­send­fa­chen Mord ist, den­je­ni­gen, der für den Mord ver­ant­wort­lich ist, mit­samt sei­nen Ver­bün­de­ten und not­falls dem gesam­ten zivi­len Volk in des Ver­ant­wort­li­chen Hei­mat­land niederzustrecken.

Soll ich jetzt kurz zäh­len, wie vie­le tau­send Men­schen auf­grund des Befehls der Her­ren Bush Jr. und Oba­ma bereits ihr Leben las­sen muss­ten? Und was bedeu­tet das eigent­lich im Umkehr­schluss? Nur so als Hypo­the­se, ver­steht sich.

Aber es ist pri­ma, dass Oba­ma Osa­ma bin Laden nun angeb­lich tot ist, denn ich bin davon über­zeugt, dass sich alle bösen Men­schen jetzt ganz dol­le fürch­ten und es nie wie­der Krieg geben wird. Ganz ehrlich.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLII: Auge um Auge…

Die Demo­kra­tie zu ver­tei­di­gen ist ein ehren­haf­tes Ansin­nen:

Am Sonn­abend sag­ten Nato-Offi­zie­re, die Alli­anz wer­de kei­ne Gesprä­che füh­ren, bevor die [liby­sche] Regie­rung auf­hört, Zivi­lis­ten anzugreifen.

Weil näm­lich:

[D]er liby­sche Dik­ta­tor habe „Waf­fen­ru­he ange­bo­ten, nur um wei­ter­hin grund­le­gen­de Men­schen­rech­te zu verletzen.

Und statt Gesprä­chen machen sie dann halt so was:

Ein Nato-Luft­schlag in Tri­po­lis töte­te den Sohn von Muammar al-Gad­da­fi, sag­te ein liby­scher Regierungssprecher.

Saif al-Arab und drei von Gad­da­fis Enkeln sei­en in einer Vil­la auf dem Bab al-Azi­zi­ya-Gelän­de gestorben.

Die sind ja auch sel­ber schuld, wenn ihr Opa Men­schen­rech­te ver­letzt! Da sehen sie mal, wie das ist!

Ich bin dann doch aus­nahms­wei­se mal ein biss­chen stolz, dass Deutsch­land sich nicht zu einer kla­ren Ent­schei­dung durch­rin­gen konnte.

(Über­schrift und Quel­le: Fefe)

Fotografie
Teu­rer Spaß.

In einem spon­ta­nen, gleich­wohl über­ra­schen­den Anflug von Hei­ter­keit gera­de­zu puber­tä­rer Natur dach­te der Vorübergehende:

„Bei den Prei­sen ist es ja kein Wun­der, dass die Zahl der Teen­ager­schwan­ger­schaf­ten eben­so wie die Zahl der Armen kon­ti­nu­ier­lich steigt. Wirk­lich hart trifft die Preis­ge­stal­tung aber vor allem die­je­ni­gen, die trotz klei­ne­rer Maße den vol­len Preis zah­len sollen.“

Musikkritik
Van der Graaf Gene­ra­tor – A Groun­ding in Numbers

Jüngst lausch­te ich dem neu­en Werk „A Groun­ding in Num­bers“ der bri­ti­schen Pro­gres­si­ve-Rock-Legen­de Van der Graaf Gene­ra­tor und sah Poten­zi­al für einen kur­zen Ver­riss mei­ner­seits. Er folgt:

Die Geschich­te Van der Graaf Gene­ra­tors ist bewegt, bedenkt man, dass die Band sich seit ihrem Bestehen mehr­fach auf­ge­löst und umbe­setzt hat und zwi­schen zwei Stu­dio­al­ben („The Quiet Zone/The Plea­su­re Dome“, 1977, und „Pre­sent“, 2005) auch schon mal 28 Jah­re ver­gin­gen. Anders als etwa King Crims­on, deren Geschich­te ähn­lich ver­lief, hat­ten „VdGG“ aber auch mit ver­än­der­ter Instru­men­tie­rung nie ihren Stil als Mar­ken­zei­chen, das leicht düs­ter-thea­tra­li­sche Dra­ma in Musik­form, auf­ge­ge­ben, was wohl auch der Stim­me Peter Ham­mills zu ver­dan­ken ist, dem nicht umsonst unheil­vol­le Bei­na­men wie „King of Fear“, „König der Angst“ also, ange­dich­tet werden.

Nun also ist „A Groun­ding in Num­bers“ das neue Album der zum Trio geschrumpf­ten Band (Saxo­pho­nist David Jack­son hat­te bereits nach „Pre­sent“ zum wie­der­hol­ten Mal aus unbe­kann­tem Grund sei­nen Hut genom­men), und es ist ein Kon­zept­al­bum zum The­ma Mathe­ma­tik geworden.

Die Tex­te Van der Graaf Gene­ra­tors waren ja schon immer etwas boden­stän­di­ger als die von Gen­re­kol­le­gen wie Yes, sieht man von deren Popaus­fäl­len ein­mal ab, inso­fern ist das eigent­lich noch kei­ne Erwäh­nung wert. Was aber „A Groun­ding in Num­bers“ anzu­hö­ren ist, ist ein bei­na­he schon radi­ka­ler Schnitt in allem, was die Musik der Band einst auszeichnete.

Rück­blen­de: Nach dem dro­gen­schwan­ge­ren Psy­che­de­lic-Rock-Debüt „The Aero­sol Grey Machi­ne“ von 1969 wand­ten sich „VdGG“ in neu­er Beset­zung dem Pro­gres­si­ve Rock zu und ver­öf­fent­lich­ten eine Rei­he von legen­dä­ren Alben wie „H to He who Am the Only One“ von 1970, deren mar­kan­tes­tes Merk­mal die Instru­men­tie­rung (Orgel/Basspedal, Schlag­zeug, Saxo­phon, sel­ten Gitar­re) ist. Saxo­pho­nist David Jack­son wur­de spä­ter von einem Vio­li­nis­ten ver­tre­ten, wodurch die mit­un­ter Angst ein­flö­ßen­de Stim­me von Peter Ham­mill noch apo­ka­lyp­ti­scher (ist das ein Wort?) wirkte.

Und jetzt also: „A Groun­ding in Num­bers“, nach „Tri­sec­tor“ das zwei­te Album in Trio­be­set­zung, aber was auf „Tri­sec­tor“ noch wirk­te, näm­lich statt des Saxo­phons Gitar­re und Orgel als Klang bestim­men­de Instru­men­te zu ver­wen­den, schlägt auf „A Groun­ding in Num­bers“ fehl. In einer ande­ren Rezen­si­on las ich, „A Groun­ding in Num­bers“ sei in der „VdGG“-Diskografie so etwas wie „Road Salt One“ in der von Pain of Sal­va­ti­on: Statt in epi­scher Brei­te Geschich­ten zu erzäh­len, kon­zen­triert sich die Band auf kur­ze Lie­der und geht dabei so spär­lich wie mög­lich vor. In gewis­ser Wei­se hat „A Groun­ding in Num­bers“ die Merk­ma­le von Peter-Ham­mill-Solo­al­ben, die auch stets eher zer­brech­lich als bedroh­lich wirken.

Über­haupt ist mir nach Ablauf der fast 49 Minu­ten – und immer­hin 13 kur­zen Stü­cke – nicht so ganz klar, was ich nun von dem Album hal­ten soll. Wäre da nicht das über­ra­gen­de, lei­der nicht reprä­sen­ta­ti­ve „Mr. Sands“, ich hät­te wohl bes­ten­falls die Ach­seln gezuckt. Instru­men­ta­le Ambi­ent­stü­cke statt extro­ver­tier­ter Dra­ma­tik; habe ich ver­se­hent­lich das fal­sche Album im Spie­ler? Ich schaue noch ein­mal nach: Nein, es stimmt.

Ja, „A Grou­ding in Num­bers“ ist Kunst, ein Musik­al­bum, das sich mit der Mathe­ma­tik befasst; sozu­sa­gen schon Meta­kunst. Ich bin kein Kunst­ken­ner und ich geste­he jeder Kunst zu, dass sie Meis­ter­wer­ke her­vor­brin­gen kann. Kunst­wer­ke, die ich nicht ver­ste­he, lobe ich aller­dings auch nicht ehr­fürch­tig, son­dern ich las­se sie links oder rechts lie­gen und war­te, bis irgend­wer sie weg­räumt. Und genau so geht es mir mit die­sem Album: Ich las­se es nun lie­gen und war­te, bis es verstaubt.

Viel­leicht wer­de ich es spä­ter noch ein­mal her­vor­kra­men und den „Aha!“-Moment erle­ben, so ähn­lich ging es mir vor eini­ger Zeit ja auch mit King Crims­ons „Lizard“. Man schimp­fe mich einen Banau­sen, aber hier und jetzt ringt es mir nur ein Gäh­nen ab.

NetzfundstückeKaufbefehle
Adre­na­lin.

Da lese ich doch gera­de bei Klop­fer, dass tat­säch­lich eine Spie­le­schmie­de einen Bau­ern­hof­si­mu­la­tor – „mit Schä­fer Hein­rich“ – an den Mann brin­gen will. Absur­de Vorstellung!

Immer­hin sind die Ansprü­che von Com­pu­ter­spie­len in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten sprung­haft gestie­gen, von ver­ein­zel­ten „Hä?“-Ausfällen wie etwa Mine­craft ein­mal ganz abge­se­hen. Es genügt eben als Spiel­ziel nicht mehr, einen Bau­ern­hof zum Sieg zu füh­ren. Man betrach­te nur ein­mal ande­re aktu­el­le Spie­le­ti­tel wie zum Bei­spiel Por­tal 2 oder, äh …

…, ich hab nichts gesagt, ent­schul­digt die Störung.

(Mit spä­tem Dank auch an V.!)

Fotografie
Illu­sio­nen.

Ich mag es, gesam­mel­te Schmie­re­rei­en aus meh­re­ren Jah­ren Schul­öd­nis zu lesen.

Nicht, weil mich Ästhe­tik oder wenigs­tens Wort­ge­wand­heit über­zeu­gen wür­den, son­dern, weil Fund­stü­cke wie die­ses bild­lich Aus­kunft über das Leben des Schrei­ben­den geben:

Der (ver­mut­lich) jun­gen Dame ging vor Ver­liebt­heit ver­se­hent­lich ihr deut­scher Wort­schatz flöten.
Ich fra­ge mich, was sie heu­te denkt, wenn sie ihr Kunst­werk sieht.

Viel­leicht: „Jetzt ist es bei­na­he auf den Tag genau zwei Jah­re her, dass ich die­sem einen Jun­gen mein gan­zes Herz­blut wid­me­te. Und wo ist er heu­te? Fort mit all unse­rer gemein­sa­men Geschichte!“

Viel­leicht auch: „Jetzt ken­ne ich ihn schon über zwei Jah­re lang und bin immer noch so glück­lich wie am ers­ten Tag, mein Leben mit einem so wun­der­vol­len Men­schen tei­len zu dürfen.“

Viel­leicht aber auch: „Ich weiß selbst nicht mehr, was damals in mich gefah­ren ist. So toll war das alles nicht. Hat mal jemand Tipp-Ex?“.

Manch­mal ist es scha­de, dass so ein Bus nicht spre­chen kann.

Persönliches
Mit­ge­fühl für Donald Duck

Kein Mensch ist per­fekt. Per­fek­ti­on ist etwas, was den Men­schen wie ein uner­reich­ba­res Ide­al eigent­lich sein Leben lang ver­folgt; bezie­hungs­wei­se, genau genom­men, anders­her­um. Und gera­de, wenn man sich der eige­nen Unper­fek­ti­on bewusst ist, ist es ver­meint­lich um so wich­ti­ger, nicht im Still­stand zu ver­har­ren, son­dern sich immer wie­der qua­si selbst neu zu erfinden.

Oft geht das aber gründ­lich schief. Vor Jah­ren gab es einen kur­zen Donald-Duck-Comic, der unge­fähr so ging: Donald hilft sei­ner Freun­din Dai­sy dabei, ihr Haus umzu­ge­stal­ten, und folgt hier­zu ihrer Bit­te, das – natür­lich – schwers­te Möbel­stück des Zim­mers an eine ande­re Stel­le zu rücken. Jeder neue Stell­platz aber miss­fällt Dai­sy, und schließ­lich, als Donald längst außer Atem ist, beschließt sie, dass er es wie­der dort, wo es ursprüng­lich stand, hin­tra­gen sol­le, denn dort hat­te es ihr am bes­ten gefal­len. Damit endet die Geschichte.

Manch­mal erlebt ein Mensch Momen­te, von denen er sich wünscht, dass sie nie ver­ge­hen mögen. Sobald sie vor­über sind, erwächst in ihm der Wunsch, die­sen Moment noch ein­mal zu erle­ben. Wenn die­se glück­li­chen Momen­te aber Momen­te der Zwei­sam­keit sind, obliegt es nicht allein dem eige­nen inne­ren Schwei­ne­hund, son­dern dem Kon­sens, einen ähn­li­chen Zustand wie­der herbeizuführen.

Wie gern ist man da geneigt, gewohn­te Ver­hal­tens­wei­sen, wenn nötig, abzu­le­gen! Wenn der selbst vom Lauf der Zeit gezeich­ne­te Part­ner, mit dem man gemein­sam näch­te­lang das Leben genoss und, kaum war die­se Zeit vor­über, wegen des­sen man allein näch­te­lang am Leben zer­brach, nun als Faust­pfand für die Ewig­keit erwar­tet, dass man sein Selbst in den Dienst der Zwei­sam­keit stellt, dann wirft man nur all­zu gern alle lieb gewor­de­nen Gewohn­hei­ten über Bord, winkt doch zum Tausch gegen Alt­las­ten die Frei­heit des Herzens.

Was ist nun aber zu tun, wenn es letz­ten Endes doch die abge­leg­ten Alt­las­ten sind, die der Part­ner vermisst?
Wenn jeder Schritt im Bewusst­sein ande­rer ein Schritt in die fal­sche Rich­tung ist, ist dann nicht der Still­stand der bes­te, weil ein­zig kom­pro­miss­fä­hi­ge aller Lebenswege?

Aus dem Leben Donald Ducks, so fik­tiv es auch sein mag, kann man vie­les ler­nen; und es bes­ser machen.

PersönlichesNetzfundstücke
Dells Kein­gut­schein

Pro­log: Im Reich der Legen­den gibt es immer wie­der sol­che, die sich dar­um dre­hen, dass elek­tro­ni­sche Bedruckung nicht immer zu den gewünsch­ten Ergeb­nis­sen führt, wie etwa die Inter­net­sei­te The Dai­ly WTF gern zeigt, so etwa hier.

Kom­men wir zum The­ma: Vor einer Wei­le frag­te mich ein Haus­halt um Rat, wel­cher Com­pu­ter­her­stel­ler denn Gerä­te anbie­te, deren Anschaf­fung sich qua­li­ta­tiv loh­ne. Arg­los emp­fahl ich Dell und bestell­te ein geeig­ne­tes Modell.
Ges­tern nun erreich­te mich als Kon­se­quenz die­ser Tat ein Wer­be­pro­spekt des Unter­neh­mens, der mich zu mei­nem Kauf beglück­wünsch­te und inlie­gen­de Son­der­an­ge­bo­te ver­sprach, Gut­schein inklu­si­ve. Ich blät­ter­te nun also vor­hin dar­in und such­te erfolg­los nach dem ver­spro­che­nen Gutschein.

Gut­schei­ne in Pro­spek­ten erkennt man meist schon beim Über­flie­gen, sie wer­den meist deut­lich akzen­tu­iert gedruckt; jedoch fand ich zwar mehr­fach einen Hin­weis auf den Rabatt, den mir der Gut­schein für künf­ti­ge Anschaf­fun­gen gewäh­ren soll­te, nicht aber den Gut­schein selbst.

Dar­ob frus­triert wid­me­te ich mich also dem edi­to­ri­al und fand, was ich zuvor über­se­hen hatte:

„Wie trick­reich!“, sprach ich zu mir.
Auf einen sol­chen Gut­schein­code wür­de so bald nie­mand kommen.

Ob Dell damit ver­sucht, sub­til gegen die zahl­rei­chen Inter­net­sei­ten vor­zu­ge­hen, die sel­bi­ge ver­brei­ten, weiß ich nicht; aber krea­tiv sind sie ja, das muss man ihnen lassen.

MusikNetzfundstücke
Der Wert der Musik

Was Musik wert sei, frag­te Caschy und stell­te sodann eine Behaup­tung auf:

Ich stel­le mal eine Behaup­tung auf: vor uns liegt eine Zeit, in der wir pau­schal für Kunst bezah­len. Zumin­dest Musik. Die gro­ßen Plat­ten­fir­men wer­den Ver­trä­ge mit Apple, Goog­le, Ama­zon, Micro­soft & Co abschlie­ßen – und über jene Fir­men wer­den wir in irgend­ei­ner Form unse­re Mucke bezie­hen, bzw. bezie­hen wir unse­re Tracks bereits daher. Aber, viel­leicht wird es ja in Zukunft anders. Nicht mehr ein­zeln per Track – son­dern das kom­plet­te Ange­bot kann für eine pau­scha­le Sum­me gehört werden.

Das alte The­ma der Musik­pau­scha­le also ist es, das Caschy bewegt. Das ist ein durch­aus wich­ti­ges The­ma: Soll­te die qua­si gege­be­ne All­ge­gen­wär­tig­keit von Musik nicht auch neue gesetz­li­che Ver­triebs­mög­lich­kei­ten mit sich brin­gen? Die oft geschol­te­ne „Gene­ra­ti­on Down­load“, die, genau genom­men, gene­ra­ti­ons­über­grei­fend ist, lädt bis­her auf lega­lem Wege hin und wie­der ein paar Stü­cke her­un­ter. Wie aber die Minu­ten­ta­ri­fe der Inter­net­an­bie­ter irgend­wann flat­rates wichen, so wäre ein eben­sol­cher Tarif auch für Musik, so argu­men­tie­ren man­che, nur der nächs­te logi­sche Schritt. Als „Fort­schritt“ wird es von die­sen (tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen gegen­über durch­aus meist auf­ge­schlos­se­nen) Leu­ten meist bezeich­net, den Wert von Musik nicht mehr in Tan­tie­men per Minu­te oder Kilo­byte zu mes­sen, son­dern die Ware für einen wie auch immer berech­ne­ten Obu­lus gänz­lich von ihrem indi­vi­du­el­len finan­zi­el­len Aspekt zu befrei­en. (Ich lege zur wei­te­ren Lek­tü­re die Abhand­lung „Gut kopiert ist halb gewon­nen“ von Jens Sei­pen­busch nebst dazu gehö­ren­dem Kom­men­tar­be­reich ans Herz.)

Eines steht außer Fra­ge: Will man sich einer brei­ten (im Sin­ne einer zahl­rei­chen) Zuhö­rer­schaft erschlie­ßen, sind digi­ta­le Ver­triebs­we­ge in jeg­li­che Über­le­gun­gen mit ein­zu­be­zie­hen. Musik ist Kunst, und sei es noch so schlech­te Kunst, und sie lebt von den Men­schen, nicht aber die Men­schen von ihrem Ausverkauf.

Es wird dem Wert der Musik also nicht gerecht, bezif­fert man ihn in blo­ßer Wäh­rung. Tat­säch­lich reden die Ver­mark­ter von Wert und mei­nen Umsatz. Der Umsatz, den ein Pro­dukt gene­riert, ist aber in der Regel um ein Viel­fa­ches höher als der blo­ße (Material-)Wert. Musik wird hier also behan­delt wie Klei­dung und Lebens­mit­tel. Allein: Wel­chen Mate­ri­al­wert hat so ein Musik­stück? Es geht doch viel­mehr um das „geis­ti­ge Eigen­tum“, und das „geis­ti­ge Eigen­tum“ eines Lie­des liegt nicht bei Sony oder sons­ti­gen Schat­ten­rie­sen, es sei denn, der Kon­zern Sony hat es höchst­selbst erdacht. Kann man die­sen „geis­ti­gen“ Wert in Wäh­rung umrech­nen? (Wie steht der Wechselkurs?)

Nun gibt es zwei Arten von Musik­lie­ben­den: Jene, die Musik als Kunst­werk ver­ste­hen, und die schon erwähn­te „Gene­ra­ti­on Down­load“. Ers­te­ren ist der Sie­ges­zug der Schall­plat­te und inzwi­schen der CD zu ver­dan­ken, die den Musik­ver­mark­tern zu Vil­len und teu­ren Autos ver­hol­fen haben, und sie frö­nen ihrer Lieb­ha­be­rei meist jahr­zehn­te­lang. Der Musik­in­dus­trie aber ist das, so scheint es mir, weit­ge­hend hupe, sie haben sich auf die zwei­te­re Grup­pe fixiert, denn von ihr kön­nen sie zwar nicht erwar­ten, dass sie in gro­ßen Stück­zah­len Musikal­ben erwer­ben, wohl aber, dass ihr Taschen­geld für „Remi­xe“, Klin­gel­tö­ne und vor allem ein­zel­ne Lie­der in kaputt­kom­pri­mier­ter Bit­ra­te draufgeht.

Ein noch nicht all­zu ange­staub­tes Bei­spiel: Im Jahr 2009 erschien das Gesamt­werk der Beat­les erst­mals kom­plett neu abge­mischt und – auch die ers­ten Alben – in Ste­reo. Dass es von die­ser „Box“ unter ande­rem auch eine limi­tier­te (und teu­re­re) Auf­la­ge gibt, in der selbst die Ton­trä­ger, bekannt­lich ein nicht uner­heb­li­cher Aspekt eines Musik­al­bums, einem (immer­hin hüb­schen) USB-Stick wei­chen muss­ten, zeigt schon, wohin die Rei­se wohl gehen soll, aber ich möch­te eigent­lich auf etwas ganz ande­res hin­aus, näm­lich auf die ent­hal­te­ne Musik selbst.

In den Kom­men­ta­ren auf Online­platt­for­men wie etwa Amazon.de zeigt sich ein Groß­teil der Käu­fer über das ihnen Offen­bar­te höchst erfreut; Platt­for­men, die natur­ge­mäß zum Revier der „Gene­ra­ti­on Down­load“ gehö­ren. Die Span­ne der posi­ti­ven Anmer­kun­gen reicht hier von „end­lich muss man die Alben nicht mehr ein­zeln kau­fen“ bis „end­lich kann ich die blö­den alten Beat­les-Schnul­zen auch mal in Ste­reo hören“. Inter­es­sant ist es aber zu sehen, dass kei­ner der Fünf­best­erner sich über­haupt mit den Ände­run­gen in punc­to Qua­li­tät die­ser Ste­reo-Abmi­schun­gen befasst zu haben scheint, denn dar­über ver­lie­ren sie kein Wort. Ver­ein­zelt mel­den sich dort aber auch jene zu Wort, die Musik als Kunst­werk ver­ste­hen, und ihr Fazit ist ernüch­ternd: Detail­liert zwar, aber auch kraft­los klän­gen die neu­en Fas­sun­gen, oben­drein feh­le den meis­ten Stü­cken die einst deut­lich zu hören­de Dyna­mik. Es sei, als habe man ein­fach alles ein wenig lau­ter gedreht und das Über­ste­hen­de abgeschnitten.

Nur ist das kei­ne Ein­bil­dung, son­dern, Musik­freun­de bit­te hin­set­zen, fest­hal­ten und auf einen Mes­ser­griff bei­ßen, beab­sich­tigt. Die ver­ant­wort­li­chen Ton­tech­ni­ker, denen ich von Stund an unge­ach­tet guter und rich­ti­ger Stel­lung­nah­men („die­se dum­men, klei­nen Ohr­ste­cker, die Apple, also die Com­pu­ter­fir­ma, mit­lie­fert, sind offen gesagt völ­li­ger Schrott“) fort­an kei­ne ruhi­ge Nacht mehr wün­sche, vermeldeten:

Wir las­sen die Beat­les ledig­lich so klin­gen, wie man sie immer wahr­ge­nom­men hat, nur bes­ser denn je.

Detail­liert liest sich das so:

Letzt­lich muss­ten wir die neu­en CD-Ver­sio­nen den heu­ti­gen Hör­ge­wohn­hei­ten der brei­ten Mas­se anpas­sen, die vor allem alles unglaub­lich laut und weni­ger dif­fe­ren­ziert hören will. (…) Wir arbei­ten den Erwar­tun­gen der Plat­ten kau­fen­den Öffent­lich­keit zu.

Mei­nes Emp­fin­dens sind Zita­te wie die­se aus­sa­ge­kräf­tig genug, um zu beschrei­ben, wel­chen Wert man, geht es nach dem Dafür­hal­ten der Rech­te­ver­wer­ter, der Musik, ver­gli­chen mit dem stän­di­gen wei­ßen Rau­schen, das uns umgibt, in die­ser schnell­le­bi­gen Zeit noch bei­mes­sen soll. Allein: Ich ver­wei­ge­re mich dem.

Es gibt zwei Arten von Musik­lie­ben­den. Ratet, wel­che von ihnen den Wert der Musik zu schät­zen weiß.

Musik hat die Men­schen zu allen Zei­ten berei­chert, sie durch gute und schlech­te Zei­ten beglei­tet. Musik berührt ihr Inners­tes und bringt ihr Äuße­res zum Tan­zen. Musik reißt Brü­cken ein und baut dafür neue wie­der auf. Musik ist die Spra­che der Lie­be und der Ein­sam­keit; Musik ist eine Spra­che, die jeder ver­steht. Musik ist der Weg und das Ziel zugleich. Das, nichts ande­res, ist der Wert der Musik.