NetzfundstückeIn den Nachrichten
Himmlische Körper, neue Altbauten

Ent­war­nung einer‑, Ver­wun­derung ander­er­seits in New York: Bei der Gala “Himm­lis­che Kör­p­er: Fash­ion und die katholis­che Vorstel­lungswelt” gab es kein­er­lei nack­te Knaben, son­dern bloß reiche Frauen in bizarren Klam­ot­ten und damit ins­ge­samt eher unkatholis­che Dinge zu sehen.


Zufalls­fund der Woche: In Frank­furt am Main wird voraus­sichtlich noch dieses Jahr etwas offiziell “eröffnet”, das “Neue Frank­furter Alt­stadt” genan­nt wird und aus neuen alten Häusern beste­ht. Unklar ist, ob es zu dieser Zeit dunkel sein wird, während der Mond hell scheint.

Nerdkrams
Ein Monat mit OmniOS: Andere sind schon mit BSD überfordert.

Wer hier regelmäßig mitli­est, der hat eventuell mit­bekom­men, dass meine 2012 ent­fachte und später gele­gentlich wieder the­ma­tisierte Begeis­terung für das Betrieb­ssys­tem FreeB­SD im Feb­ru­ar 2018 ein jäh­es Ende fand.

In einem selb­st für mich über­raschen­den Anflug von Fol­gerichtigkeit stellte ich mit Erscheinen des let­ztver­link­ten Artikels jede Arbeit an FreeB­SD-Unter­stützung für jedes mein­er Pro­gramme ein und begab mich auf die Suche nach einem geeigneten Ersatz für meinen Web­serv­er. ‘Ein Monat mit OmniOS: Andere sind schon mit BSD über­fordert.’ weit­er­lesen »

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Terminal Cheesecake — Blow Hound

Ich trage heute meine Montagsfrisur.Es ist Mon­tag. Das muss doch nicht schon wieder sein. Sex mit Fis­chen ist das neue große Ding, sel­ten schienen andere Tiere so wenig ver­störend. Eine Aus­nahme sind und bleiben allerd­ings Pand­abären — wer kön­nte von ihnen ver­stört sein?

Ver­störend ist aber auch weit­er­hin die Poli­tik. Damit meine ich nicht ein­mal nur die CDU, deren Berlin­er Lan­desvor­sitzende die wenig­stens mutige Behaup­tung ins Web kübelte, dass das Inter­net in ein­er Demokratie nicht gut aufge­hoben sei, weil es “mehr Freiraum” biete, als Demokratie “ver­trage”, weshalb ein “poli­tis­ches Update” nötig sei. Immer, wenn jemand von der CDU von einem Update redet, fällt in irgen­deinem Büro der für das Aus­druck­en von E‑Mails zuständi­ge Prak­tikant lachend vom Stuhl, ver­mute ich. Rou­tine ver­stört nicht mehr. Viel ver­stören­der jedoch ist ihre süd­deutsche Schwest­er­partei: Markus Söder empfind­et es als eine Selb­stver­ständlichkeit, dass eine Horde Fußball­spiel­er für einen Sieg einen Staat­semp­fang ver­di­ent habe, obwohl das fränkische Nürn­berg doch mit seinem Bun­des­land über­haupt nichts zu tun haben will. Im All­ge­meinen scheint man in Bay­ern nicht mehr alle Lat­ten am Zaun zu haben. Der Tra­di­tion­spart­ner lässt sich da natür­lich nicht lumpen: Auch die F.D.P., mir zwis­chen­durch etwas weniger unsym­pa­thisch als noch 2013 gewor­den, hat es bedauer­licher­weise geschafft, mich durch reine Dummheit davon zu überzeu­gen, dass weit­ere Sym­pa­thie eine bek­nack­te Idee wäre.

Kann man denn gar nichts mehr lesen, ohne von Stuss umgeben zu sein? Doch: Die “Wash­ing­ton Post” veröf­fentlichte am ver­gan­genen Fre­itag einen Artikel, der den jahrzehn­te­lang schwe­len­den Stre­it darüber, wie viele Leerze­ichen zwis­chen zwei Sätzen einge­fügt wer­den soll­ten, endlich und endgültig bei­legt: Zwei natür­lich. Hof­fentlich gibt es bald eine Möglichkeit, das in HTML abzu­bilden, ohne sich mit unsicht­baren Son­derze­ichen zu behelfen.

Dieser Sieg der WIs­senschaft ruft ger­adezu nach ein wenig ver­quer­er Musik. Hier mein Vorschlag:

Ter­mi­nal Cheese­cake — Blow Hound

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Humulus — Reverently Heading Into Nowhere

Wenn die Ital­iener nicht ger­ade merk­würdi­ge Poli­tik her­vor­brin­gen, machen sie stattdessen oft vernün­ftige Musik. Wenn sie dabei auf Gesang verzicht­en oder ihn in ein­er anderen als der Lan­dessprache vor­brin­gen, die beim Sin­gen wirk­lich nicht mehr schön klingt, dann ist mir das mitunter eine Empfehlung wert.

Das Trio Humu­lus etwa, das seine Musik als eine “Kom­bi­na­tion aus fet­ten Fuz­zgi­tar­ren, schw­eren Riffs und ein­er Menge Bier” beze­ich­net, veröf­fentlichte 2017 mit “Rev­er­ent­ly Head­ing Into Nowhere” (Amazon.de, Bandcamp.com) sein zweites Vol­lzeital­bum und hat auf ihm nicht viel falsch gemacht.

Im Wesentlichen spie­len “Humu­lus” sich zwis­chen 70er-Hardrock und Ston­er Rock eine eigene Nis­che her­aus, nicht ohne dabei die eigentlich oblig­a­torischen Zutat­en Fuz­zgi­tarre und ordentlich Hall best­möglich auszunutzen.

Humu­lus — Anachro­naut (exclu­sive preview/Album 2017)

Sänger und Gitar­rist Andrea Van Cleef (mit der deutschen Plat­ten­fir­ma gle­ichen Nach­na­mens zumin­d­est musikalisch erfreulich unver­wandt) beherrscht das entspan­nte Croon­ing (“Dis­tant Deeps Or Skies”), insoweit es in diese Art von Musik passt, mit sein­er angenehmen tiefen Stimme eben­so wie die gesan­gliche Eskala­tion. Bassist Gior­gio hat das Glück, auf einen ver­ständi­gen Pro­duzen­ten getrof­fen zu sein, wie sein her­rlich brum­mender Bass, der in genau den richti­gen Momenten auch ein­mal in den Vorder­grund gespielt wer­den darf, beweist.

Humu­lus — Catskull

Mit “Rama Kush­na” gibt es am Ende von “Rev­er­ent­ly Head­ing Into Nowhere” einen glat­ten Stil­bruch, näm­lich ein elfminütiges Shoegaz­ing, das — wie auch der Rest des Albums — bei aller begrün­de­ten Abnei­gung gegen diese Art von Begrif­f­en ziem­lich groovet.

Natür­lich ist “Rev­er­ent­ly Head­ing Into Nowhere” let­ztlich auch nur eines dieser Ston­er-Rock-Alben, die sich nur ger­ingfügig von ihren Regalkol­le­gen unter­schei­den. Ston­er Rock hört man nicht der Abwech­slung wegen. Zweifel­los aber gehört dieses Album nicht zu denen, die man sich nicht trotz­dem merken sollte. Gute Arbeit.

PolitikIn den Nachrichten
Soziale Gebrechlichkeit: Linke “Linke” gegen “linke” Linke und für gegen Israel.

Meine bei­den Lieblingssätze aus diesem Artikel im sicher­lich umstrit­ten­er­weise marxfre­undlichen “Neuen Deutsch­land” besagen, dass Linke Steine auf andere Linke gewor­fen hät­ten und es bei Sach­schä­den geblieben sei. Nicht klar ist, ob sie denn nun ihr jew­eiliges Ziel getrof­fen haben oder nicht.

Im All­ge­meinen ging es, behauptet der Artikel, jeden­falls darum, dass neolib­erale, also anti­im­pe­ri­al­is­tis­che, Linke sich vorgestern in Bochum mit impe­ri­al­is­tis­chen, also “anti­deutschen”, Linken darum zu prügeln sucht­en, ob die einzig wahren “Linken” nun diejeni­gen, die das Zer­fet­zen von palästi­nen­sis­chen Zivilis­ten ablehnen, oder diejeni­gen, die das Zer­fet­zen von israelis­chen Zivilis­ten ablehnen, seien. Für das “Neue Deutsch­land” ist der Fall, sofern man aus der Wort­wahl etwas fol­gern sollte, offen­sichtlich klar, denn die Ablehnung israelis­ch­er Außen­poli­tik sei in toto als Anti­semitismus und Israel­hass zu erken­nen, als müsse man immer gle­ich alles has­sen, gegen was man demon­stri­ert. Dass eine Demon­stra­tion gegen eine Sit­u­a­tion im All­ge­meinen ein­er Demon­stra­tion für eine andere Sit­u­a­tion nicht vorzuziehen ist, habe ich ander­swo schon ein­mal erläutert.

Bei der medi­alen Berichter­stat­tung über den aus lib­eraler Per­spek­tive großar­ti­gen Geschichtswitz, dass sich hier der Teil der ehe­ma­li­gen Arbeit­er- und Friedens­be­we­gung, der nicht im Gefolge der CDU ver­sumpft ist, gewalt­sam darum stre­it­et, welch­es Land wohl mehr Recht dazu habe, Aus­län­der zu meucheln, gehe es, gibt eine “Aktivistin”, wie das “Neue Deutsch­land” sie nen­nt, zu Pro­tokoll, “darum, die radikale Linke zu diskred­i­tieren, indem auf linken Anti­semitismus abge­hoben wird”, als sei jemand, der sich selb­st als Teil eines radikalen poli­tis­chen Rands ver­ste­ht und daran nichts ändern möchte, über­haupt noch weit­er diskred­i­tier­bar.

Der ver­lus­tre­iche, jahrzehn­te­lange Krieg zwis­chen Israel und Palästi­na jeden­falls, sind sich die Kon­tra­hen­ten einig, sei gut und richtig, nur über den­jeni­gen Staat, der ihn gewin­nen soll, herrscht auch weit­er­hin Uneinigkeit. Es scheint mir unter Berück­sich­ti­gung des Umstands, dass sowohl Palästi­na als auch Israel von diesem Gezeter wohl nur wenig bee­in­flusst wer­den, eine zumin­d­est erwä­genswerte Alter­na­tive zu sein, um die notwendi­ge Entschei­dung in diesem Stre­it ein­fach zu wür­feln oder Stro­hhalme zu ziehen.

Allein die Her­steller deutsch­er U‑Boote sollte man in diese Entschei­dung nicht unbe­d­ingt ein­beziehen.

In den NachrichtenWirtschaft
Neues aus China: USA kritisieren US-Politik.

(Vorbe­merkung: Je mehr ich über Wirtschaft schreibe, desto weniger Ahnung habe ich davon.)

Seit 2009 beste­ht in den USA wie auch in EU-Staat­en ein Beschluss zur finanziellen Förderung des Absatzes von Elek­troau­tos in Höhe von bis zu 7.500 US-Dol­lar pro Fahrzeug. Ob die Gründe dafür ökonomis­ch­er oder ökol­o­gis­ch­er Natur waren, sei an dieser Stelle ein­mal unberück­sichtigt gelassen. In der weltweit führen­den Import­na­tion USA behei­matete Auto­mo­bil­her­steller kom­men jedoch kaum umhin, die benötigten Einzel­teile aus anderen Staat­en, oft auch Chi­na, zu importieren.

Unter dem Schlag­wort “Made in Chi­na 2025” — anscheinend reden die da alle Englisch — würde auch der chi­ne­sis­che Staat selb­st gern unter anderem Elek­troau­tos fördern und dafür gegebe­nen­falls die Importzölle senken, wovon selb­st die USA prof­i­tieren wür­den, denn für ein Unternehmen wie Tes­la würde der chi­ne­sis­che Markt dadurch deut­lich lohnenswert­er.

Über­raschend stellt sich her­aus, dass die USA das doof find­en:

Vor allem die chi­ne­sis­che Indus­tries­trate­gie “Made in Chi­na 2025”, mit der die Volk­sre­pub­lik zum weltweit­en Tech­nolo­gieführer auf­steigen will, wird von den Amerikan­ern kri­tisiert, da Chi­na bei sein­er tech­nol­o­gis­chen Aufhol­jagd mas­siv auf staatliche Sub­ven­tio­nen set­zt.

Erst klauen die die tollen Pro­duk­tideen aus den USA und dann auch noch deren Wirtschaft­spoli­tik. Un-ver-schämt-heit! :motz:

Bonus­pointe:

US-Präsi­dent Don­ald Trump fordert von Chi­na, dass es seinen Han­del­süber­schuss mit den USA min­destens um 100 Mil­liar­den US-Dol­lar reduziert.

Wenn man doch bloß nen­nenswerte Indus­trie hätte, deren Pro­duk­te irgendw­er haben wollen würde, nicht wahr?

In den NachrichtenNerdkrams
Tore zum Mistmachweb (3): Hundekot gehört zum Vorgarten dazu!

Pünk­tlich zur Feier des Tages — heute vor 40 Jahren wurde die erste Spam­mail ver­sandt — quatschte Torsten Kleinz auf der “re:publica”, dem alljährlichen Pim­melfecht­en von haupt­beru­flichen Rekla­menullen, in seinem sog. “Vor­trag” darüber, warum man im Zeital­ter von all­ge­gen­wär­tigem Schutz gegen Web­müll auch weit­er­hin seinen Besuch­ern (mithin: Kun­den) mit Reklame auf den Sack gehen sollte, ange­blich dies:

Wir müssen Wer­bung ver­ste­hen, denn sie gehört zum Inter­net.

Wenn ich einen Vor­garten hätte und es würde jemand seinen Hund dort hineinkack­en lassen, dann würde ich ihm möglicher­weise eher wenig Ver­ständ­nis ent­ge­gen­brin­gen, son­dern unter Vor­bringung überzeu­gen­der Argu­mente erwarten, dass er sich in möglichst kurz­er Zeit vom Ack­er machen möge, nicht ohne die hin­ter­lassene Scheiße in einem möglichst pein­lichen Tütchen mit sich zu führen. — Was höre ich da: Das Inter­net sei gar nicht mein Vor­garten? Noch weniger aber ist es der ihre!

Als für jeden ersichtliche pos­i­tive Aspek­te der Plakatierung, bevor er auf die ver­meintlich wesentlichen Kehr­seit­en von Onlinewer­bung zu sprechen kommt, nen­nt Torsten Kleinz in sein­er Vor­trags­beschrei­bung, dass es immer mehr Pod­casts, in denen zwei oder mehr Men­schen in leiern­dem Ton­fall stun­den­lang und ohne vernün­ftige Möglichkeit, ein Äquiv­a­lent zu einem Leseze­ichen an ein­er geeigneten Stelle einzufü­gen, Blog­a­r­tikel und Tweets zusam­men­fassen, und Videobeiträge auf vie­len Web­sites, in denen unsicht­bare “Jour­nal­is­ten” ohne vernün­ftige Möglichkeit, ein Äquiv­a­lent zu einem Leseze­ichen an ein­er geeigneten Stelle einzufü­gen, Nachricht­en vor­lesen, gibt. Was Torsten Kleinz (“Jour­nal­ist”, u.a. “ZEIT ONLINE”) gegen Schrift hat, weiß ich lei­der nicht mit Sicher­heit, aber ich habe eine Ver­mu­tung (“ZEIT ONLINE”).

Ich füh­le mich, das sei gesagt, im Usenet fast täglich ein biss­chen wohler.

(Teil 1, Teil 2)

In den NachrichtenComputer
Glasfaserabbau mit der Großen Koalition

Da die deutsche Alph­ablog­ge­ria ger­ade drei Tage lang damit beschäftigt ist, vor­einan­der blogzuwich­sen, gibt uns dies Gele­gen­heit, zur Abwech­slung mal über wichtige The­men zu sprechen, ohne in ein­er Welle aus Sascha-Lobo-Rab­u­lis­tik und “Netzpolitik”-Eigenliebe völ­lig überse­hen zu wer­den.

Hat zum Beispiel jemand mit­bekom­men, dass im Koali­tionsver­trag der aktuellen Bun­desregierung im vierten Kapi­tel (“Offen­sive für Bil­dung, Forschung und Dig­i­tal­isierung”, Seite 11 unten ff.) ver­sprochen wurde, dass Deutsch­land, wenn es schon zu blöd für Flughäfen ist, wenig­stens in Sachen Bre­it­ban­daus­bau nicht mehr das Gespött Europas sein sollte?

Dig­i­tal­pakt Schule mit 5 Mil­liar­den in fünf Jahren für starke Dig­i­tal-Infra­struk­tur an allen Schulen[.] (…) 10 bis 12 Mil­liar­den Euro für flächen­deck­ende Glas­fas­er-Net­ze, möglichst direkt bis zum Haus.

Noch im Feb­ru­ar wurde dieser Glas­faser­aus­bau als gegeben hin­genom­men. Aber ein biss­chen beeilen, weiß heute “ZEIT ONLINE”, muss sich die Bun­desregierung mit diesen Plä­nen schon, denn Olaf Scholz (SPD, wie sich das für einen Poli­tik­er ohne Sachver­stand eben gehört) hat ab übernäch­stem Jahr was vor:

Der Bund will seine öffentliche Investi­tio­nen in den kom­menden Jahren zurück­fahren. Die Aus­gaben dafür sollen von 37,9 Mil­liar­den Euro im kom­menden Jahr auf 33,5 Mil­liar­den Euro im Jahr 2022 sinken.

Ver­ste­he schon: Die Bun­deswehr ist eben teuer.

Sonstiges
Kurz angemerkt zum 1. Mai: Alles wie immer.

Wenn mil­i­tante Hor­den, deren Diskur­sprax­is selb­st die CDU fürchtet und deren Wap­pen “nie­mand ist ille­gal” sagt, aber eigentlich nie­man­den außer “dem Geg­n­er” meint, der nur allzu gern als Ille­galer begrif­f­en und behan­delt wird, am Feiertag der nationalen Arbeit wie früher zwecks Macht­demon­stra­tion durch zer­störte (Berlin) oder noch nicht wieder wenig­stens gesellschaftlich aufge­baute (Ham­burg) Städte ziehen, laut furcht­bare Musik hörend und Parolen brül­lend, die selb­st im sel­te­nen Fall gram­matikalis­ch­er Ein­wand­frei­heit inhaltlich von ein­er Qual­ität sind, deretwe­gen man ver­sucht wäre, von erschreck­ender Dummheit zu sprechen, wenn man nach unzäh­li­gen Jahren noch fähig wäre, davon noch in irgen­dein­er Weise über­rascht zu sein, und sich dabei aus­gerech­net auf eine klas­sis­tis­che Kom­mu­nistin aus dem ersten Weltkrieg berufen, als sei die Über­win­dung des Kaiser­re­ichs noch heute das vor­rangige Ziel eines jeden anständi­gen Demokrat­en und als prof­i­tierte ein irgend­wie nen­nenswert­er Teil der Gesellschaft von den unbe­d­ingten Gewalt­fan­tasien dieser Ban­den und als sei Sol­i­dar­ität mit “Rev­o­lu­tionären”, deren mutige und visionäre Umsturz­pläne anscheinend vor allem die Abschaf­fung von unbeschmierten Wän­den (denn es sind ja nicht ihre Wände), Geld (denn sie haben ja keines, weil man dafür ehrlich arbeit­en und dafür wiederum irgend­was gel­ernt haben müsste, und sei es nur Geschichte) und der Exeku­tive (denn ein Schutz vor ihren Umtrieben ist in ihren Plä­nen selb­stre­dend nicht vorge­se­hen) bein­hal­ten und die also als “Rev­o­lu­tionäre” fast so untauglich sind wie als Demokrat­en, sowohl mit Gebrüll und Zer­störung am ein­fach­sten zu erre­ichen als auch nur irgend­wie erstrebenswert, dann fühlt man sich in ein­er par­la­men­tarischen (also: repräsen­ta­tiv­en) Demokratie wenig­stens einen Tag lang so heimisch wie son­st eher sel­ten; und möchte sich bei den Auf­ständis­chen beina­he für dieses Lebens­ge­fühl bedanken, lässt es dann aber doch lieber sein.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Messa — Babalon

Das Eulenorakel sagt den Montag voraus.Es ist Mon­tag. Britis­che Schüler sind zu doof, die Uhrzeit abzule­sen, ich benei­de sie darum. Sog­ar Mond und Käuzchen (hier rechts im Bild) schlafen noch. Schnell, ein Not­fall­pan­da!

Wen­den wir uns nun fro­hge­mut den Nachricht­en zu. NBC San Diego berichtet, dass es im Ort eine Gruppe gebe, die wie Frauen für Gle­ich­heit kämpften, “aber für Män­ner”, als sei Gle­ich­heit “für Män­ner” eine ganz beson­dere Gle­ich­heit. Frauen haben ihnen freilich zumin­d­est voraus, dass sie — anders als Män­ner — in ihrem Geschlecht­steil eine geladene Waffe ver­steck­en kön­nen. Münch­en­er Kolum­nis­ten dür­fen inzwis­chen unge­niert fordern, dass man Her­anwach­senden mal wieder ein wenig Wehrpflicht schenkt, damit sie endlich aufhören, Polizis­ten anzu­greifen, jeden­falls die im Inland (hier: Bay­ern).

Apro­pos hier: Sie seien “hier, weil es Zeit ist aufzuste­hen”, befand eine Demon­stra­tion am ver­gan­genen Sonnabend in Karl­sruhe, aber es han­delte sich nicht um Stu­den­ten, son­dern um Hartz-IV-Empfänger und son­stige Aktivis­ten. Auch für mich ist es Zeit aufzuste­hen, jedoch mache ich das am lieb­sten mit Musik.

Etwa mit dieser hier:

Mes­sa — Babalon OFFICIAL VIDEO

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Incelbegabung (Presseschau)

Wer Sex haben will, jedoch wegen Hässlichkeit, Dummheit und/oder bescheuert­er Hob­bys keinen wenig­stens vorüberge­hend inter­essierten Part­ner dafür find­et, hieß volk­stüm­lich früher, oft spöt­tisch gemeint, “Nerd” oder wenig­stens “ewige Jungfrau”. Inzwis­chen wurde dafür der Begriff “Incel”, was die englis­chsprachige Abkürzung für “unfrei­willig zoli­batär” ist, etabliert und gilt in den Kreisen, in denen man nur mit “Allys” (also vorge­blich fem­i­nis­tis­chen Män­nern, die auch bloß einen weg­steck­en wollen) verkehrt, endlich wieder als Schimpf­wort.

Auf dem Has­s­portal “Twit­ter” ist von ein­er ekel­haften Kul­tur der­er, die keinen Sex bekom­men, die Rede und davon, dass es sich um fehlgeleit­ete Frauen­has­s­er han­dle. Fem­i­nistin­nen stellen fest, Frauen schulde­ten Män­nern keinen Sex, und ver­ste­hen dabei nicht ein­mal, dass schon diese For­mulierung erk­lärt, warum sie selb­st laut eigen­er Aus­sage im sel­ben Kon­text noch immer Sin­gle sind. Angela Gru­ber, Fach­frau für das Nichtver­ste­hen von Com­put­ertech­nik bei “SPIEGEL ONLINE”, sifftwit­terte, bei Män­nern, die unfrei­willig zoli­batär leben, han­dle es sich um eine “Net­zbe­we­gung, mit der wir lei­der noch viel Ärg­er haben wer­den”, ver­weigerte sich aber im Fol­gen­den der Lösungs­find­ung: Sollte man Hässlichkeit, Dummheit und bescheuerte Hob­bys bei Män­nern sicher­heit­shal­ber ganz ver­bi­eten?

Und geht es über­haupt nur um Män­ner? Beim fem­i­nis­tis­chen “Fre­itag” fragt Elsa Koester, ob es sich um “maskulin­is­tis­chen Ter­ror” han­dle, bemerkt aber noch rechtzeit­ig vor dem Tex­tende nach aus­giebiger Herum­fragerei, dass Speku­la­tio­nen der guten Jour­nal­is­ten Art noch niemals waren, und “stellt” stattdessen “fest”, dass alles let­z­tendlich bei “Sex­is­mus” zusam­men­laufe, der jeden außer “Alphamän­nern” benachteilige. Diese Auf­fas­sung über­schre­it­et Län­der­gren­zen: Auch beim Mei­n­ungsmedi­um “Vox” ken­nt man “Incels” vor allem als männliche On- und Offlineter­ror­is­ten. Aus­gerech­net das Frauen­fab­rikat “Elle” weiß zur Iden­tität der Erfind­erin der “Incel”-“Bewegung” allerd­ings dies beizu­tra­gen:

1993 erhielt sie ihren Bach­e­lor-Abschluss in Sta­tis­tik an der Car­leton-Uni­ver­sität in Ottawa und sie hat­te bis dahin niemals Geschlechtsverkehr oder auch nur etwas ähn­lich­es wie einen fes­ten Fre­und. Manch­mal gab sie ihrem Ausse­hen die Schuld: klein, etwas übergewichtig, Hau­tauss­chlag.

(Frei über­set­zt von mir.)

Lei­der aber schulde­ten ihr die Män­ner keinen Sex.

Die Frau, bis­lang nur als “Alana” bekan­nt, berichtete der “Elle” weit­er­hin, sie habe in den fol­gen­den Jahren ein wenig Selb­stver­trauen entwick­elt, sich Sex­cliquen angeschlossen und irgend­wann den Punkt erre­icht, an dem sie nicht mehr mit Leuten herumhän­gen wollte, die weniger cool waren als sie selb­st, woraufhin sie mit den “Incels” nichts mehr zu tun haben wollte. Diesen Teil der Geschichte haben die Kom­men­ta­torin­nen bedauer­licher­weise nicht aufge­grif­f­en, denn er enthält den Schlüs­sel zur Lösung des Prob­lems mit “dieser Net­zbe­we­gung”: Die müssen ein­fach nur mal flachgelegt wer­den, dann geht’s wieder.

Gern geschehen!

MusikIn den Nachrichten
Abba Nord und Abba Süd: Discounter endlich wieder vereint

Kaum sind Helene Fis­ch­er und Campino die anscheinend let­zten verbliebe­nen Preisträger des hof­fentlich let­zten “Echo”-Preises, wer­den die Musik­er über­mütig: Nord- und Süd­ko­rea nehmen nach 35 Jahren des Krieges wieder gemein­sam neue Lieder Friedensver­hand­lun­gen auf. Sie kamen nicht mit leeren Hän­den:

​„Ich habe aus der Haupt­stadt Naengmyeon Pjöng­janger Art mit­ge­bracht. Es wäre gut, wenn Sie die Nudeln beim Ban­kett heute Abend kosten wür­den“, zitiert die Nachricht­e­na­gen­tur RIA Novosti den nord­ko­re­anis­chen Staatschef.

Eigentlich blöd, dass es in der DDR nur Gurken gab.

NetzfundstückeNerdkrams
Medienkritik in Kürze: Golems Headless Editors sind live

Und dann war da noch dieser “Bericht” mit der Über­schrift “Microsofts Server­less Con­tain­er gehen live”, in dem eine neuar­tige Idee ange­priesen wird:

Azure Con­tain­er Instances ist Microsofts neuer Cloud-Dienst. Das Beson­dere: Kun­den sollen sich nicht um Serv­er oder das Ver­wal­ten virtueller Maschi­nen küm­mern müssen. Stattdessen zahlen sie für (…) Con­tain­er in der Cloud (…).

Ach so — keine Serv­er, nur Con­tain­er in ein­er Cloud? Das ist natür­lich etwas ganz anderes.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: The Brian Jonestown Massacre — Don’t Get Lost

The Brian Jonestown Massacre - Don't Get LostDas US-amerikanis­che Septett The Bri­an Jon­estown Mas­sacre — ein nicht unkluges Wort­spiel unter Ein­beziehung von Bri­an und Jim Jones — ist seit Jahren eine feste Instanz, wenn es um die musikalis­che (wenn auch nicht kul­turelle) Nach­folge der unvergesslichen Vel­vet Under­ground geht. Außer schlechter Musik ist ihnen aber auch eine Pause fremd: 2017 erschien schon wieder ein Stu­dioal­bum von ihnen. Wer erwartet hat, dass ihnen wenig­stens dieses miss­lun­gen sein kön­nte, der irrt.

Schlep­pen­den Psy­che­del­ic Rock (“Drop­ping Bombs On The Sun”) und Krautiges (“Throb­bing Gris­tle”, ver­mut­lich benan­nt nach der lei­der aufgelösten Band gle­ichen Namens) gibt es auf “Don’t Get Lost” (Amazon.de, TIDAL), eine Auf­forderung, deren Befol­gung angesichts des Cover­bildes und der Liedti­tel keine leichte Auf­gabe ist, eben­so zu hören wie Shoegaze und den guten, alten Lo-Fi-Gara­gen­punk (“Noth­ing New To Trash Like You”).

Drop­ping Bombs On The Sun

Auf die schlimme Früh-90er-Tanz­musik “Acid 2 Me Is No Worse Than War” hätte die Band meinetwe­gen gern verzicht­en kön­nen, jedoch stimmt der Ausklang des Albums, “Ich bin Klang”, wieder ver­söhn­lich: “Am Anfang war Ton” erzählt eine in sich selb­st ver­schränk­te Frauen­stimme, unter­legt mit schwap­pen­der 60er- und 80er-Elek­tron­ik, und dass die schön­sten Muster die Musik male.

Ich Bin Klang

Wie wahr.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 25. April 2018

Bande benutzt den Fin­ger eines toten Mannes, um dessen Smart­phone zu entsper­ren.


Andreas Kem­per “erk­lärt”, was Män­nerrechtler mit der NPD zu tun haben:

Und da gibt es ganz deut­lich NPD-Posi­tio­nen. Dazu gehört (…) ein ille­galer Inter­net-Auftritt ohne gültiges Impres­sum usw.

Kein gültiges Impres­sum zu haben ist rechts! :hitler:


Die unfass­bare PETA find­et, dass man in Meuchel­spie­len angeln kann, sei Tierquälerei.


Andere Län­der, andere Sit­ten: In Kana­da wurde ein Amok­fahrer von einem Polizis­ten zur Auf­gabe gequatscht, weil dieser ihn nicht erschießen wollte.


Paul Ingedaay merkt zur Auflö­sung der Eta im Feuil­leton der “FAZ” (möchte wegen LSR nicht ver­linkt wer­den) an:

Beson­ders zynisch ist die Unter­schei­dung zwis­chen zufäl­li­gen Todes­opfern und denen, auf die Eta-Atten­tate tat­säch­lich ziel­ten. Deren Ange­hörige wer­den näm­lich nicht um Verzei­hung gebeten, denn in den Augen der Ter­ror­is­ten richtete sich der „bewaffnete Kampf“ ja völ­lig zu Recht gegen die Urhe­ber des „poli­tis­chen Kon­flik­ts“.

Nur ein noch beson­der­erer Zyniker würde ergänzen wollen, dass sich das ja eigentlich auch nicht wesentlich von der Vorge­hensweise der Scheiß-NATO unter­schei­det, deren “Krieg gegen den Ter­ror” ja auch das Umbrin­gen der Urhe­ber des “poli­tis­chen Kon­flik­ts” zum Ziel hat und manch­mal halt aus Verse­hen Kol­lat­er­alschä­den anrichtet. Selb­stver­ständlich ist dieser Ver­gle­ich aber unangemessen: Die sind, wis­sen Qual­itätsme­di­en, nun mal “böse”.


In bayrischen Behör­den sollen kün­ftig noch mehr Kreuze hän­gen als bish­er. Das soll wahrschein­lich die Begeis­terung der dor­ti­gen Beamten für einen lan­gen, schmerzhaften Lei­densweg sig­nal­isieren.