NerdkramsNetzfundstücke
“SPIEGEL ONLINE” weiß: Audiodateien haben häufig keine Bildsequenz.

Am Anfang, so ste­ht es geschrieben, war das Netz kalt und grau.

Neben Mail­box­en, BBSen, Gopher und dem Usenet etablierten sich allmäh­lich erste noch recht chat­lastige Vor­läufer des heuti­gen Webs, darunter Com­puServe, das heute zum dama­li­gen Konkur­renten AOL gehört. Die Com­put­er zur dama­li­gen Zeit kon­nten wie auch die Leitun­gen nur ver­gle­ich­sweise wenig zu einem “Mul­ti­me­dia-Erleb­nis”, wie das Anguck­en von Unsinn in heutiger Werbe­sprache heißt, beitra­gen, jedes Byte war wertvoll — ein Grund­satz, der heutzu­tage lei­der ein wenig in Vergessen­heit ger­at­en ist.

Um trotz­dem das eigene Netz ein wenig bunter machen zu kön­nen, ent­warf man bei Com­puServe Mitte der 1980-er Jahre das Grafik­for­mat GIF (Graph­ics Inter­change For­mat, also “Grafikaus­tauschfor­mat”), das mit der erst 1984 veröf­fentlicht­en LZW-Kom­pres­sion eine damals inno­v­a­tive Möglichkeit bot, auch über behäbige Leitun­gen recht ansehn­liche Bilder zu verteilen; diese, freilich, waren zwar auf 256 Far­ben beschränkt, was sowohl 1987 (GIF87a) als auch 1989 (GIF89a) eine Verbesserung gegenüber den vorheri­gen Graustufen­bildern darstellte und noch prob­lem­los aus­re­ichte, um auf gängi­gen Bild­schir­men nicht blöd auszuse­hen, besaßen jedoch Funk­tio­nen, die erst fast zehn Jahre später mit dem PNG-For­mat wieder ähn­lich pop­ulär wer­den soll­ten, näm­lich das Fes­tle­gen von Far­ben als “trans­par­ent” sowie ins­beson­dere das Zusam­men­fü­gen mehrerer Einzel­bilder zu ein­er Ani­ma­tion; eine GIF-Datei kann prak­tisch beliebig viele Teil­bilder, min­destens aber 0, enthal­ten.

Obwohl das LZW-Ver­fahren (und damit GIF) bis ins derzeit­ige Jahrtausend hinein patent­be­haftet war und wohl auch wegen der Dateigröße set­zte sich das anson­sten funk­tion­sre­ichere APNG (ani­miertes PNG) niemals durch, auch dann noch nicht, als die Leitun­gen immer schneller und die Com­put­er immer leis­tungs­fähiger wur­den. Während die begren­zte Far­ben­zahl GIF für ein­fache Grafiken mit der Zeit gegenüber den fort­geschrit­te­nen, mitunter sog­ar zu kleineren Dateien führen­den For­mat­en JFIF (“JPEG”) und PNG an Boden ver­lieren ließ, blieb es für ein­fache Ani­ma­tio­nen doch die erste Wahl, woran selb­st das Aufkom­men und Abebben von Flash sowie die Entwick­lung von HTML5 und Web­vide­o­for­mat­en nicht viel änderte. Das tanzende Kleinkind sym­bol­isiert das junge World Wide Web bis heute recht tre­f­fend.

Diese neuen Web­vide­o­for­mate kamen GIF sog­ar ent­ge­gen: Der beliebte Bilder­hoster Imgur bietet mit GIFV ein eigenes “For­mat” an, das hochge­ladene ani­mierte GIF-Dateien als MPEG-Video darstellt, wobei mitunter tat­säch­lich Spe­icher­platz ges­part wer­den kann. Im Jahr 2013 wurde mit Giphy gar eine eigene Daten­bank für ani­mierte GIF-Dateien ins Leben gerufen, die in “sozialen Net­zw­erken” auch auf Smart­phones einen neuen Ansturm auf witzige Ani­ma­tio­nen (lei­der nur noch sel­ten das gute alte Baustellen-GIF), inzwis­chen von stören­den Dateigrößen­hem­mungen befre­it, aus.

Wenn man all das nicht ver­standen hat, aber trotz­dem im Fach­magazin “SPIEGEL ONLINE” mit hal­b­garem Tech­nikwis­sen reüssieren möchte, klingt obige Erk­lärung stattdessen unge­fähr so:

Ein Gif, die Abkürzung ste­ht für Graph­ics Inter­change For­mat, ist ein meist extrem kurzes Video. Es zeigt in Dauer­schleife nur einige wenige Bilder, häu­fig ohne Ton.

Zumin­d­est der let­zte Teil des Satzes ist ziem­lich präzise. :-?

Senfecke:

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