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Wenn JavaScript Menschen zu Letzten macht

In einem inhaltlich durchaus lesenswerten Artikel über die von den technisch Zuständigen maßgeblich mitignorierte Internetanbindung auf dem Dorf (namentlich: Schlamberg, Bayern) lässt Sophie Rohrmeier das Ehepaar Hubert und Birgit Heinrich sich über die verfügbare Netzanbindung beschweren:

Von 105.912 Personen in Deutschland, die in dieser Woche den Test gemacht haben, landet Huberts Internetanschluss auf Platz 100.984. Birgit Hubert fragt: „Wie kann das sein, in einem Land wie Deutschland?“

Ja, wie denn nun: Hubert? Birgit? Heinrich? Egal, darum soll es nicht gehen, sondern darum, wie es sein könne, dass man „in einem Land wie Deutschland“ (nämlich Deutschland) in einer Rangliste der Schnellsten weit unten steht? In Deutschland sollte es keine Menschen geben, die schneller in irgendetwas sind als man selbst, und zwar für niemanden!

Was für eine Internetleitung haben die Hubert-Heinrichs denn und was haben sie damit vor?

16.000 kbit schnell sollte das Netz sein – was ohnehin nicht viel ist. Tatsächlich sind es jedoch nur 1.400 bis 1.800. (…) Wenn das Netz es zuließe, könnte [Birgit H., A.d.V.] im Homeoffice arbeiten und so langsam wieder in den Beruf finden.

Beinahe DSL 2000 (von sowas hätten wir früher ja nicht mal zu träumen gewagt) sind zweifellos nicht unbedingt eine für irgendwelchen Multimediakram geeignete Geschwindigkeit, an dieser Stelle widerspreche ich nicht. Interessant ist jedoch die Annahme, das Netz sei in der gegebenen Geschwindigkeit für „Homeoffice“ (E-Mails lesen und versenden, im Web rumsurfen, Dateien auf irgendwelche Server laden und so weiter) nicht geeignet, denn das bedeutet, dass irgendwas im Web, wo die Leute heutzutage ihre E-Mails, Dokumente und so weiter rumliegen haben, weil ihnen niemand gesagt hat, dass es sinnvollere Protokolle als das HTTP dafür gibt, plötzlich langsamer geworden ist als früher, denn in den (teilweise bis heute) auslaufenden Neunzigern hat sich kaum jemand ernsthaft beschwert, dass man mit seiner gebündelten ISDN- oder ähnlichen Leitung gegenüber anderen Marktteilnehmern ernsthaft benachteiligt sei, weil man im Gegensatz zu diesen nicht schnell genug arbeiten könne.

Könnte es womöglich daran liegen, dass die durchschnittliche Website inzwischen über zwei Megabyte groß ist (das sind fast anderthalb Disketten), von diesen ominösen, für so etwas wie „Homeoffice“ im Jahr 2017 bedauerlicherweise üblich scheinenden „Webanwendungen“, für die Webbrowser von Arschlöchern als Ersatz für ein Betriebssystem missbraucht werden und die im Wesentlichen aus ignorant großem – hat ja jeder heute zig Megabit zu Hause – JavaScript bestehen, müssen wir da gar nicht erst gesondert anfangen? Könnte es daran liegen, dass dieser geballte JavaScript-Unfug längst vor allem sich selbst dient und dass es insofern eine grauenvolle Idee ist, einen Webbrowser statt einer auf den jeweiligen Anwendungsfall optimierten Desktopanwendung zum Arbeiten zu verwenden?

Das Problem mit dem Digitalstandort Deutschland ist es nicht vorrangig, dass die Internetverbindungen immer weniger für effizientes Arbeiten tauglich wären, sondern, dass für die Datenübertragung so instinktiv wie fälschlich zu einem Protokoll gegriffen wird, das dafür nicht gedacht ist, um mit einem Programm, das dafür nicht gedacht ist, eine Website aufzurufen, die die Probleme, die das falsche Programm im falschen Protokoll notwendigerweise bei der Umsetzung bereitet, auf eine Weise, die dafür ungeeignet ist, zu umgehen („beheben“) versucht.

Aber wer weiß 2017 schon noch so genau, was ein „Hypertext“ eigentlich sein soll?

Senfecke:

  1. „im Homeoffice arbeiten und so langsam wieder in den Beruf finden“ – tja, genau dafür ist die miese Leitung doch da! Wenn man z. B. am Unitymediakabel hinge [„3play (sic!) fly“], dann müßte man ja vielleicht doch „ganz schnell“ wieder arbeiten resp. andere Ausreden erfinden für das eigene Lebenspech (im Grünen wohnen ohne Gesocks und Neger, aber ohne ganz schnell und mit scharf. Die Armen, tun mir schon irgendwie doch nicht leid).

  2. Guter Plot, hab ich auch schon ’ne Weile auf Halde, Dein Fazit passt mir nicht so ganz, weil Leute, die Mails im Browser lesen ein selbstverschuldetes Problem haben (was übrigens vor 20 Jahren OHNE ISDN und ohne DSL sowieso auch irgendwie ging), wohingegen sinnlos aufgeblasene Websites ein fremdverschuldetes Problem sind.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass man nicht oft genug mit dem Finger auf die Webdeppen zeigen kann, gar muss, statt auf die uninformierten Herberts ääh Dingens ääh Enduser.

    Zu blöder Letzt ist es auch irgendwie eine Art Segen, wenn Mail im Browser sich heute anfühlt wie Mail in irgendwas vor 20 Jahren. Gibt’s dann unter Umständen doch ’nen Neffen oder Enkel, der DOCH ein Mailprogramm vorschlägt.

    • Habe überlegt, ob ich das Fazit ganz weglasse, habe aber heute angemessen schlechte Laune gehabt. Klar, Endnutzer können nix für BWL-Spackos im Management. Läge mir auch fern.

  3. Sagmal, kann das sein, dass Deine Sätze mit schlechter werdender Laune immer länger werden? Ich meine da eine gewisse Proportionalität zu erkennen :)

  4. Gerade den Artikel über warum die JS-Codegröße egal ist gelesen…
    „Please enable JavaScript to view the comments powered by Disqus.“

    hihi

  5. Pingback: Zitat des tages | Schwerdtfegr (beta)

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