In den Nachrichten
Nachtrag zur Arbeitsweise deutscher Medien nach Anschlägen

Vorhin ist in Mün­ster ein Men­sch mit einem Auto in andere Men­schen reinge­fahren und hat sich anschließend erschossen. Den­noch kommt er in der medi­alen Darstel­lung nur als zufäl­lig hin­ter dem Steuer sitzende Per­son vor.

“ZEIT ONLINE”:

Ein Auto ist in der Alt­stadt von Mün­ster in eine Gruppe von sitzen­den Per­so­n­en gefahren.

“RP ONLINE”:

Den Angaben zufolge soll ein Klein­laster in eine sitzende Men­schen­gruppe gefahren sein.

“WELT ONLINE”:

In Mün­ster ist ein Klein­trans­porter in eine Men­schen­gruppe gefahren.

“SPIEGEL ONLINE”:

In Mün­ster ist ein Klein­last­wa­gen in eine Gruppe von Men­schen gefahren: Es gibt mehrere Tote und Ver­let­zte.

“Frank­furter All­ge­meine”:

In Mün­ster hat es mehrere Tote und Ver­let­zte gegeben, als ein Auto in eine Men­schen­menge gefahren ist.

“Süd­deutsche Zeitung”:

In Mün­ster ist ein Klein­trans­porter in eine Men­schen­menge gefahren.

Was zu beweisen war.

In den Nachrichten
“Ich brauch keine Ausbildung, ich mach YouTube” des Tages

Aus irgen­dein­er sehr zynis­chen (näm­lich: mein­er) Sicht ist das wun­der­voll: YouTube dreht YouTu­berin, die Videos über Ernährungseso­terik macht, wie vie­len anderen Video­mach­ern auch das Geld ab, prompt sieht sie sich gezwun­gen, statt großen Gel­dregens in ihrem Auto zu leben. Etwas später schießt sie in der YouTube-Zen­trale, augen­schein­lich vor allem erbost darüber, dass sich ihr eigenes Kön­nen darauf beschränkt, sich beim Sülzen zu fil­men, um sich, tötet dabei jedoch vor­erst nur sich selb­st, denn auch als Schützin ist sie mis­er­abel. Offen­sichtlich ver­ro­ht YouTube die Jugend und die CDU sollte es drin­gend im Auge behal­ten.

Bonus­pointe:

In ein­er Stel­lung­nahme teilte die Polizei von Moun­tain View mit, dass Beamte Agh­dam am Dien­stag gegen 2 Uhr mor­gens schlafend in ihrem Auto vorge­fun­den und ihr eine Rei­he von Fra­gen gestellt haben, darunter, “ob sie eine Gefahr für sich oder andere darstelle.”

(Über­set­zung von mir.)

Wer wäre denn da so blöd, die Wahrheit zu sagen? :irre:

Persönliches
Die Masken in ihren Köpfen

Da ste­hen sie und lächeln und man sieht, dass es nicht stimmt. Sie tra­gen Masken hin­ter ihrem Gesicht, denn mit Authen­tiz­ität kom­men sie in ihrem Streben nach möglichst viel Haben bei möglichst wenig Soll nicht weit­er und sie wis­sen das. Ein käu­flich­er Charak­ter strahlt nur Kälte aus, diese Kälte kann man riechen.

Jäger sein oder Beute? Wer nicht jagt, dem lassen sie keine Chance. Dass man sich in Unternehmen anders, als es Hol­ly­wood vor­ma­cht, meist nicht hochschlafen kann, das haben sie schnell ver­standen. Dass man sich stattdessen jedoch, sicher­lich für alle wesentlich angenehmer, hochlü­gen kann, sei es beru­flich oder ger­ade auch pri­vat, das wussten sie im Grunde ihres stein­er­nen Herzens seit ihrer Geburt. Sie sind Blender und dies ist ihre Chance.

Sie haben sich angepasst an das, was sie für eine Gesellschaft hal­ten, in der sie leben möcht­en. Man solle doch mit­machen, sagen sie, und nicht immer so viele Fra­gen stellen, denn nur dann sei man willkom­men. Die Gesellschaft habe halt Regeln, die seien jet­zt halt so und nie­mand hat die Macht, sie zu ändern. Ob das nicht unaufrichtig sei? Na klar sei es das, aber man habe ja auch etwas davon, näm­lich könne man sein Leben mit all den anderen Blendern ver­brin­gen und der Men­sch sei nun mal ein soziales Wesen. Was das denn bedeute? Wie — das wisse man nicht? Dann sei ohne­hin alles ver­loren.

Man erin­nert sich an den Jun­gen in der Grund­schule, der für ein biss­chen zusät­zlich­es Taschen­geld Regen­würmer gegessen hat­te, und lächelt wis­send zurück.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz angemerkt zu 1.1.1.1

Natür­lich kann man seinen DNS-Anbi­eter vom welt­größten Anbi­eter von Onlinereklame — näm­lich Google — zu einem US-amerikanis­chen Anbi­eter von so Cloud­kram umziehen, wie es “heise online” aktuell vorschlägt, weil die IP-Adresse so schön kleine Zahlen hat, aber aus Daten­schutzsicht ist es die min­destens zweit­dümm­ste Idee, einem Unternehmen, das einen Großteil der Tor-Nutzer für poten­zielle Bösewichte hält und entsprechend aussper­rt und gle­ichzeit­ig qua Gesetz eine Schnittstelle für US-amerikanis­che Geheim­di­en­ste anbi­eten muss, auf dass diese wis­sen mögen, welche Web­sites man denn so aufzulösen gedenkt, seine Sur­fge­wohn­heit­en sozusagen frei Haus zu liefern.

NetzfundstückeMontagsmusikMir wird geschlecht
Birth of Joy — You Got Me Howling

Der Osterhase hat eine Eule versteckt.Es ist Mon­tag. Daran hat gestern mal wieder nie­mand gedacht und auch heute tun es nur wenige, denn es ist Feiertag. Irgend­wo in Südeu­ropa standen zu viele Men­schen und ließen einen alten Mann einen Zauber­spruch auf­sagen. Ab mor­gen gilt aber wieder, begleit­et von täglichem Geläute, dass wir in ein­er aufgek­lärten Zeit leben und Sek­ten im Wortsinne brandge­fährlich sind und unbe­d­ingt gemieden wer­den sollen, denn nur Dumme lassen sich so leicht ver­führen, wenn’s nicht ger­ade der Papst ver­sucht. Es irrt der Men­sch, solang er strebt.

Gestern war im Übri­gen der 1. April, sicher­heit­shal­ber habe ich also alle Qual­itätsme­di­en unge­le­sen belassen und mir lediglich Blogs ange­se­hen, denen jed­er Humor völ­lig abge­ht. Hier­bei habe ich unter anderem ein Inter­view mit “Don Alphon­so” gele­sen, dessen Lek­türe zumin­d­est erhel­lend ist. Es ist die Botschaft zu beurteilen und nicht der Bote, was in ein­er schnel­llebi­gen Medi­en­welt oft die Schlagzeil­erei erschw­ert. Ein biss­chen blöder füh­le ich mich hinge­gen nach dem Lesen dieser über­raschen­den Mel­dung: Ein Gericht hat her­aus­ge­fun­den, dass Google mit Android Geld ver­di­ent und es sich daher um ein kom­merzielles Betrieb­ssys­tem han­delt.

Eben­so blöd: Franziska Gif­fey (natür­lich SPD) habe in ihrer Eigen­schaft als “junge Frau” (F. Gif­fey, Jahrgang 1978, über F. Gif­fey), las ich andern­tags und ‑orts (“FAZ.net”), beklagt, dass eine Zwang­sheirat, bei der Frauen allen­falls die Wahl zwis­chen ver­schiede­nen Cousins haben, diese Frauen unter­drück­te, woge­gen man etwas tun müsse, als wäre es undenkbar, dass sich diese Cousins nicht frei­willig für ihre Zwangs­frauen entsch­ieden hät­ten. Schlau ist allen­falls Brad Pitt, denn warum sollte eine mod­erne, aufgek­lärte Fem­i­nistin, die sich jede Beurteilung von Kör­per­lichem ver­bit­tet, ihn son­st verehren?

Ohne Zweifel und ohne ein Aber verehrenswert bleibt ganz kör­per­los: Musik.

Birth of Joy — «You Got Me Howl­ing»

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Melt Downer

Melt DownerAls Zeichen mein­er Uner­schrock­en­heit und zur angemesse­nen Würdi­gung des Tages der bescheuerten Witze wage ich heute mal wieder etwas, wovon ich mir selb­st meist eher abrat­en würde: Ich höre Musik aus Öster­re­ich.

Öster­re­ichis­ch­er Musik haftet zumeist nicht der Ruf an, beson­ders grandios­er Qual­ität oder auch nur Vielfalt zu sein. Gemein­hin als “Aus­tropop” klas­si­fizierte Lieder mit dop­pel­tem Text­bo­den mögen gele­gentlich pos­i­tiv her­vorstechen, sind jedoch musikalisch von wenig Über­raschun­gen geprägt. Zum Glück gibt es auch in Öster­re­ich mehr als nur eine Musikrich­tung.

In eine völ­lig andere näm­lich drin­gen Melt Down­er mit ihrem Debü­tal­bum (Band­camp) vor, das 2017 veröf­fentlicht wurde. Über eine Stunde lang ston­er- und postrock­en die drei Her­ren in klas­sis­ch­er Rock­bandbe­set­zung (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass) sich in Ohren und Ver­stand des unvor­bere­it­eten Pub­likums (hier: die meinen).

Melt Down­er — Back Down For The Peo­ple Of The Past (Stu­dio A Ses­sion)

Nach den ersten elf Stück­en fol­gt als Schlus­sakko­rd und Höhep­unkt des Albums das beina­he halb­stündi­ge “Dawn­er”, über das mit dem dort zu hören­den Aus­ruf, den man wohl als “wuhu!” tran­skri­bieren kann, eigentlich alles gesagt ist: Gitar­ren- und Rhyth­mus­eska­paden explodieren aus dem Kopfhör­er, uner­bit­tlich treiben die Musik­er die Welle voran. “Lasst den Mann in Ruhe!” fordert ein als Film- oder wenig­stens Serien­z­i­tat erkennbares, mehrfach wieder­holtes Sprach-Sam­ple gegen Ende des­sel­ben Stücks. Ich bin nicht unglück­lich darüber, dass die Band dem erst einige Minuten später Folge leis­tete.

Das Durch­ste­hen, schrieb Flo­ri­an Kölsch für den “musik­ex­press”, lohne sich sehr. Das halte ich für maß­los unter­trieben.

NetzfundstückeMir wird geschlecht
“ZEIT” verleiht den Blockchainpreis.

Die “ZEIT” könne man, befand ich erst gestern, auch nicht mehr ruhi­gen Gewis­sens lesen. Wohl dem, der — anders als ich selb­st — diesem Rat Folge leis­tete, denn ihm blieb diese Eigen­wer­bung erspart:

Sie (…) set­zen sich für eine weib­lichere Raum­fahrt ein oder berat­en Regierun­gen in Sachen Gle­ich­stel­lung: Frauen, die unsere Wirtschaft rev­o­lu­tion­ieren, so heißt der diesjährige Edi­tion F Award, den das Onlinemagazin in Koop­er­a­tion mit ZEIT ONLINE und dem Han­dels­blatt zum fün­ften Mal ver­lei­ht.

Eine “weib­lichere Raum­fahrt” ist jet­zt zunächst ein­mal nichts, worüber ich per­sön­lich mich so sehr freuen würde, dass ich es für preiswürdig hielte, aber ich bin ja auch wed­er eine Frau noch aus­re­ichend geistig entk­ernt, um einen Preis namens “Frauen, die unsere Wirtschaft rev­o­lu­tion­ieren (Edi­tion F Award)” o.vglb. als Beloh­nung und nicht als Ver­höh­nung zu betra­cht­en. Und er hat noch einen zweit­en Namen:

Die Jury des 25 Frauen Awards hat aus 500 Nominierun­gen eine Vorauswahl von 50 Frauen getrof­fen, die (…) unsere Wirtschaft verän­dern und mit­gestal­ten.

Binde­striche sind anscheinend kein Frauend­ing. — Nicht unin­ter­es­sant ist diese Ersatzbe­nen­nung des Preis­es aber auch aus inhaltlich­er Sicht, sagt sie doch nur aus, dass man eine von 25 Frauen war, die irgend­was gemacht haben. Da kann man den Enkeln später sicher­lich eine total inter­es­sante Geschichte erzählen.

Wer also sind die 50 Delin­quentin­nen? Nun, zum Beispiel sie:

We are Kal heißt das von Cather­ine Allié gegrün­dete Label, das handge­sponnene und handge­wobene Tex­tilien aus Sei­de und Wolle her­stellt.

Schon klar: Mit einem Inno­va­tion­spreis kann die Frau nicht rech­nen, eine Verän­derung der Wirtschaft ist hier nicht auszu­machen. (Darf man Frau Allié auf­grund ihrer Tätigkeit eigentlich “Spin­ner­in” nen­nen oder bekommt man dann wieder Ärg­er?) Wenn aber jemand, der einen klas­sis­chen Handw­erks­beruf ausübt beziehungsweise ausüben lässt, bere­its allein hier­für die Vorauswahl über­ste­ht, dann wirft das auf die anderen 450 Nominierten ein eher ungutes Bild. Und dann behaupten Fem­i­nis­ten jed­welchen Geschlechts, Frauen wür­den unter­schätzt!

Weit­er­hin diese Dame:

Char­lotte Bar­tels studierte Volk­swirtschaft­slehre (…). In ihrer Pro­mo­tion, die mehrfach aus­geze­ich­net wurde, zeigte sie, dass der deutsche Sozial­staat immer weniger umverteilt.

“Die Armen wer­den immer ärmer.”
“Dafür bekom­men Sie einen Preis!”

:bravo:

Auch sie ist dabei:

Ise Bosch ist eine Enke­lin und Erbin des Unternehmers Robert Bosch. Mit ihrem Ver­mö­gen will sie anderen Men­schen helfen und die Gesellschaft verän­dern. (…) Als Grün­derin und Geschäfts­führerin der Dreilin­den gGmbH set­zt sich Bosch gegen Diskri­m­inierung und Gewalt auf­grund von Geschlecht­si­den­tität und sex­ueller Ori­en­tierung ein.

Ich würde ja unter­stellen wollen, dass das Auf­bauen ein­er Gesellschaft, die vor allem Geld verteilt, mit den Mit­teln, die von einem erfol­gre­ichen und pro­duk­tiv­en männlichen Unternehmer geerbt (also ohne große Gegen­leis­tung geschenkt wor­den) sind, sich für eine pos­i­tive Verän­derung der Wirtschaft und einen Frauen­preis nicht eignet, aber ich bin auch nicht in der Jury und ich ver­mute, ich kenne sog­ar den Grund dafür.

Zeich­net sich denn nie­mand der zu Ernen­nen­den durch etwas anderes als Unsinn aus? Doch, natür­lich, aber andere eben auch nicht:

Als Chief Finan­cial Offi­cer des US-Kred­itkarte­nun­ternehmens Mas­ter­card gilt Mar­ti­na Hund-Mejean weltweit als eine der ein­flussre­ich­sten Per­so­n­en der Finanzbranche.

Dass sowohl die Grün­der als auch die momen­ta­nen Vor­sitzen­den des Unternehmens Mas­ter­Card Män­ner sind und Frau Hund-Mejean in der englis­chsprachi­gen Wikipedia nicht erwäh­nt wird, lässt mich an ihrem Ein­fluss in der Wirtschaft zweifeln. Ander­er­seits hat ver­mut­lich jedes größere Unternehmen min­destens eine Frau, die dann seine ein­flussre­ich­ste ist. Die einzige gefun­dene Quelle für die Behaup­tung, sie sei “eine der ein­flussre­ich­sten Per­so­n­en der Finanzbranche”, ist jeden­falls “Trea­sury & Risk”, ein frag­würdi­ges Mag­a­zin, das besagte Wikipedia in kein­er Sprache zu ken­nen scheint.

Vielle­icht wird man in typ­is­chen “Frauen­domä­nen” eher fündig? Aber klar:

#For­ward Beau­ty heißt das Strate­giepro­gramm, mit dem Tina Müller, CEO und Vor­sitzende der Geschäfts­führung der Dou­glas GmbH, die Kos­metikin­dus­trie verän­dern will. Um die Marke langfristig voranzutreiben, braucht es ihrer Mei­n­ung nach eine dig­i­tale und weib­liche Neuaus­rich­tung des Unternehmens.

Denn bekan­ntlich haftet Dou­glas der Ruf an, sich als Unternehmen vor allem an die Bedürfnisse von Män­nern zu richt­en — von Män­nern, die gern nach Blu­men­wiese duften. :ja:

Das soll natür­lich nicht heißen, dass in der vorge­filterten Liste nicht auch Frauen zu find­en sind, die sich auch von Män­nerthe­men reizen lassen, zum Beispiel Bull­shit:

Sher­min Vosh­m­gir ist Grün­derin des Blockchain-Hubs, ein Infor­ma­tions-Hub und Think­tank in Berlin, der die weltweite Entwick­lung der Blockchain-Tech­nolo­gie vorantreibt, kom­mu­niziert und disku­tiert. (…) Außer­dem unter­stützt sie Start-ups mit dem Schw­er­punkt Blockchain.

Frau Vosh­m­gir wird sich in der Abstim­mung allein im Grad des Bull­shits, der sie qual­i­fiziert, allerd­ings geschla­gen geben müssen, denn die Frau, die ich ger­ade über­sprun­gen habe, über­trifft sie um Län­gen:

Hen­rike von Plat­en ist überzeugt, dass Frauen und Geld zusam­menge­hören

Stimmt, denn welch­er Mann hätte nicht gern bei­des gle­ichzeit­ig und nicht nur eines davon? — Ach, der Satz geht noch weit­er:

Hen­rike von Plat­en ist überzeugt, dass Frauen und Geld zusam­menge­hören und Lohn­gerechtigkeit schon mor­gen möglich wäre. Mit der Grün­dung von Fair Play Inno­va­tion Lab (…) möchte sie das Ziel der Lohn­gerechtigkeit für alle umset­zen.

Wenn Frau von Plat­en also dafür sor­gen möchte, dass mehr Frauen sich kün­ftig aktiv für tech­nis­che Berufe inter­essieren, einen besseren Schu­la­b­schluss machen, länger im sel­ben und größeren Unternehmen bleiben, Über­stun­den machen, nicht vor Schmutz zurückschreck­en und Schichtar­beit leis­ten, dann wäre das sicher­lich lobenswert.

Möchte sie aber gar nicht:

Deswe­gen set­zt sie sich seit vie­len Jahren für gerechte Bezahlung und die Ver­net­zung von beruf­stäti­gen Frauen weltweit ein und grün­dete einen Frauen­in­vest­ment­club.

Na dann.

Die tags des “ZEIT”-Artikels sind “Dig­i­tal­isierung”, “Award”, “Blockchain”, “Frauen”, “Ausze­ich­nung” und “Star­tups”. Hätte ich sie zuerst gele­sen, hät­ten sie also am Anfang und nicht am Ende des Artikels Platz gefun­den, so wäre mir die Lek­türe und meinen Lesern dieser Artikel ver­mut­lich erspart geblieben.

Sel­ber schuld.

In den NachrichtenNerdkrams
Geteilte Daten sind doppelte Daten (2): Web-Anwender in der NZZ-Falle

Unter der ungewöhn­lich wenig reißerischen Über­schrift “Web-Anwen­der in der Track­er-Falle” sülzte gestern Ste­fan Betschon für die “Neue Zürcher Zeitung” sein eigenes Ver­ständ­nis von der Her­aus­forderung, die der medi­ale Umgang mit Face­book mit sich bringt, in ein unvor­bere­it­etes Web hinein:

Auf Face­book kön­nte man not­falls verzicht­en. Aber ohne das Web kann man nicht leben.

Kann man nicht. Geht nicht. Ist nicht vorge­se­hen. Der Ver­such ist garantiert tödlich. Deswe­gen ster­ben arme Kinder in fer­nen Län­dern auch immer so früh: Kein Web. Kann man nix machen.

Und sobald man den Web-Brows­er auf­s­tartet und Web­sites aufruft, lädt man sich kleine Pro­grämm­chen (Scripts) in den Haupt­spe­ich­er, die meist ohne Wis­sen des Betrof­fe­nen und manch­mal auch ohne Wis­sen des zuständi­gen Web­site-Betreibers per­so­n­en­be­zo­gene Infor­ma­tio­nen sam­meln. (…) Meist geht es darum, Web-Benutzer zu beobacht­en.

Diese sehr falsche Vorstel­lung von ein­er Web­site — als wären die Pro­grämm­chen verpflich­t­end! — sei zur Ref­erenz ein­mal vorge­merkt, eben­so übri­gens die moralis­che Bew­er­tung sel­biger:

Das ist nicht unbe­d­ingt ver­w­er­flich. Solche Track­er kön­nen beispiel­sweise dazu beitra­gen, die Gestal­tung von Web­sites zu verbessern, indem sie dem Web­site-Betreiber zeigen, wie die Benutzer bei der Infor­ma­tion­ssuche vorge­hen. Manch­mal aber fol­gen diese Track­er dem Benutzer von Web­site zu Web­site, nach­dem sie (…) beson­dere Merk­male des Com­put­ers fest­stellen kon­nten. Manch­mal zeich­nen solche Track­er (…) sehr detail­liert alle Aktio­nen eines Web-Nutzers auf, reg­istri­eren jede Bewe­gung der Maus und jede Eingabe mit der Tas­tatur[.]

Wie das “Vorge­hen bei der Infor­ma­tion­ssuche”, gegen dessen Beobach­tung Ste­fan Betschon offen­sichtlich nichts einzuwen­den hat, sich von ein­er Aufze­ich­nung aller Aktio­nen, die Ste­fan Betschon offen­sichtlich zu Recht für eher unan­genehm hält, unter­schei­det, wird im vor­liegen­den Artikel lei­der nicht erk­lärt. Dafür wird einiger­maßen aus­führlich erk­lärt, wie viele Track­er denn unge­fähr kur­sieren:

Laut den Infor­ma­tio­nen dieses Web Trans­paren­cy and Account­abil­i­ty Project kom­men in den USA auf den 50 pop­ulärsten Web­sites jew­eils mehrere Dutzend Track­er zum Ein­satz. Alles in allem haben die Forsch­er mehr als 80 000 Unternehmen beobachtet, die Track­er ver­wen­den. (…) Die Track­er ste­hen meist im Dienst der Online-Wer­bung, laut Narayanan ist es aber leicht möglich, die Track­ing-Infra­struk­tur für staatliche Überwachung umzu­funk­tion­ieren.

Das klingt ja gefährlich! Ist etwa auch die “NZZ” betrof­fen? Nein, das wäre ja son­st auch unredlich:

Im Rah­men der «nicht abschliessenden Unter­suchung» wur­den im März 374 pop­uläre Schweiz­er Web­sites aufgerufen, und dabei hat man her­aus­ge­fun­den, dass min­destens 24% der Web­sites – darunter jene von Dig­itec, NZZ, Swiss und Zalan­do – Fin­ger­print­ing-Ver­fahren nutzen. (…) Bei der NZZ wurde das Fin­ger­print­ing vorüberge­hend einge­set­zt im Bemühen, die kostenpflichti­gen Online-Inhalte bess­er zu schützen. Das Ver­fahren wird inzwis­chen nicht mehr einge­set­zt.

Genau, die NZZ macht das nicht mehr. Dann ist doch alles in bester Ord­nung. Bis auf diesen Teil des Artikelquell­texts natür­lich:

<script src="//aka-cdn.adtech.de/dt/common/DAC.js"></script> <script src="//aka-cdn.adtech.de/dac/1135.1/w1070036.js"></script> <script> 
 try {
 window.performance.mark('js.ads.done');
 }
 catch (e) {}
 </script> <script class="adtech-data">
 if (window.adgroupid == undefined) {
 window.adgroupid = Math.round(Math.random() * 1000);
 }
 var ADTECH = ADTECH || {};
 if (ADTECH.config) {
 ADTECH.config.page = {
 protocol: "https",
 server: "adserver.adtech.de",
 network: "1135.1",
 pageid: "",
 kv: {},
 params: {
 kvkw: "wirtschaft",
 kvarticle: "yes:ld.1370488",
 kvmorph: "desktop",
 loc: "100",
 grp: "" + window.adgroupid,
 misc: "" + new Date().getTime()
 }
 };
 ADTECH.config.page.params.kvcac = 'none';
 window.audienzz = window.audienzz || {};
 window.audienzz.dmp = {providerId: '-1262851859831711409', userHash: ''}
 }
</script><script src="//adnz.co/dmp/publisher.js"></script>

Und diesen:

<script>
 var ADTECH = ADTECH || {};
 if (ADTECH.config && ADTECH.config.placements) {
 ADTECH.config.placements[2945552] = {
 adContainerId: 'resor__item--2945552',
 sizeid: 1217,
 params: {alias: '', target: '_blank'}
 }
 var showAd = true;
 if (showAd) {
 ADTECH.loadAd(2945552);
 }
 }
 </script>

Und diesen:

<script>
 var ADTECH = ADTECH || {};
 if (ADTECH.config && ADTECH.config.placements) {
 ADTECH.config.placements[2945402] = {
 adContainerId: 'resor__item--2945402',
 sizeid: 154,
 params: {alias: '', target: '_blank'}
 }
 var showAd = true;
 if (showAd) {
 ADTECH.loadAd(2945402);
 }
 }
 </script>

Von diesen Pro­grämm­chen find­et man noch manch­es, als Beispiele sollen die hier einge­fügten jedoch ein­mal reichen. Auf­fäl­lig sind neben “load­Ad”, dessen Funk­tion­sweise ich abse­hen zu kön­nen meine, die Aufrufe von “Audienzz” beziehungsweise “adnz”. Dies ist, es sollte kaum über­raschen, eine Reklamepart­ner­fir­ma der NZZ (vastehste, “AudieNZZ”) und hat unter anderem solch­es im Reper­toire:

Detail­lierte Infor­ma­tio­nen über Nutzer, Ange­bote und Nutzungsver­hal­ten. Auswer­tun­gen nach Sprachre­gio­nen möglich. Inter­na­tionale Ver­gle­ich­barkeit.

Es sei, zitiere ich aber­mals, “leicht möglich, die Track­ing-Infra­struk­tur für staatliche Überwachung umzu­funk­tion­ieren.” Gemäß der NZZ ist es somit für die eigene Sicher­heit einiger­maßen gefährlich, die Web­site der “Neuen Zürcher Zeitung” ohne beson­deren Schutz gegen etwaige Pro­grämm­chen — also Werbe- und Pro­grämm­chen-Block­aden — zu besuchen.

Ob sie wohl auch bald — wie zuvor schon “SPIEGEL ONLINE” — voller Unver­ständ­nis für diese Maß­nah­men ihr Onlin­eange­bot hin­ter ein­er Bezahlschranke ver­steckt?


Die “ZEIT” kann man ja auch nicht mehr ruhi­gen Gewis­sens lesen.

MusikIn den Nachrichten
Tanzverbot für Phil Collins

In der Zeit vor Ostern wird tra­di­tionell auch in dem Land, das sich drin­gend darum zu bemühen sucht, sich auf seine christlichen Tra­di­tio­nen (i.s. Kreuz­züge und Juden­ver­fol­gung) zu besin­nen, um sich von den Moslems abzu­gren­zen, alljährlich Reli­gion­skri­tik laut, denn wie auch an Heili­ga­bend — was aus unklarem Grund sel­ten zur Sprache kommt — soll an Kar­fre­itag allen­falls trau­rig getanzt wer­den.

Da es nur wenig gibt, was trau­riger wäre als Han­nover, hielt ich die Web­site der Stadt Han­nover für eine geeignete Quelle, um das genauer zu erforschen. Und tat­säch­lich gibt es dort Infor­ma­tio­nen:

Nach dem Nieder­säch­sis­chen Feiertags­ge­setz (NFeiertagsG) sind Tanzver­anstal­tun­gen am Grün­don­ner­stag, Kar­fre­itag und Karsam­stag unzuläs­sig.

Dass dieselbe Stadt Han­nover auch am kom­menden Kar­fre­itag zum Tanz lädt, lasse ich hier aus dra­matur­gis­chen Grün­den weit­ge­hend unkom­men­tiert und gucke mir stattdessen das NFeiertagsG an.

Was zunächst auf­fällt, ist, dass es expliz­it regelt, wann Videotheken öff­nen dür­fen. Es ist erfrischend, dass die Dig­i­tal­isierung noch nicht über­all um sich greift. Für den vor­liegen­den Kasus rel­e­vant ist aber ins­beson­dere § 5 NFeiertagsG:

An den in § 3 genan­nten Tagen sind während der Zeit von 7 bis 11 Uhr mor­gens fol­gende Ver­anstal­tun­gen und Hand­lun­gen ver­boten (…):

a) öffentliche Ver­samm­lun­gen unter freiem Him­mel und öffentliche Aufzüge, die nicht mit dem Gottes­di­enst zusam­men­hän­gen; das Grun­drecht der Ver­samm­lungs­frei­heit ( Artikel 8 Abs. 2 des Grundge­set­zes) wird insoweit eingeschränkt;

Man muss ja Pri­or­itäten set­zen: Chris­ten­tum oder Ver­samm­lungs­frei­heit? Die Entschei­dung lag doch wohl auf der Hand!

b) die der Unter­hal­tung oder dem Vergnü­gen dienen­den Ver­anstal­tun­gen, bei denen nicht ein höheres Inter­esse der Kun­st, der Wis­senschaft oder der Volks­bil­dung vor­liegt;
c) Ver­anstal­tun­gen und Hand­lun­gen, soweit sie religiöse oder weltan­schauliche Feiern stören oder den Besucherin­nen oder Besuch­ern dieser Feiern den Zugang erschw­eren.

Dass es Reli­gio­nen geben soll, die zu ihren Aus­drucksmit­teln den freudi­gen Tanz zählen, sei hier auf­grund meines aus­bleiben­den Inter­ess­es, diese Behaup­tung zu ver­i­fizieren, nur als Pointe ange­bracht. Entschei­dend scheint mir aber Satz “b” zu sein: Zählt es nicht bere­its als Volks­bil­dung, wenn man als Protest gegen dieses für einen vorge­blich säkulären Staat son­der­bare Gesetz eine Tanzver­anstal­tung abhält, durch die möglicher­weise Bürg­er dazu bewegt wer­den, sich mit der gängi­gen Recht­sprechung aktiv statt nur pas­siv zu beschäfti­gen? Welch­es höhere Inter­esse hat “die Kun­st” und was ist eigentlich Kun­st? Wer schließlich bes­timmt, was Vergnü­gen bere­it­et und was nicht? Mir zum Beispiel bere­it­et die Musik von Phil Collins anhal­tende Schmerzen — ist es mir also weit­er­hin ges­tat­tet, an einem Kar­fre­itag mit schmerzverz­er­rter Miene zu Phil Collins zu tanzen?

Andern­falls hätte ich gegen eine Ausweitung der Gültigkeit des Geset­zes auf einen Großteil des übri­gen Jahres näm­lich nichts einzuwen­den.

PolitikIn den Nachrichten
Kalter Krieg, reloaded. (3)

Um zu sig­nal­isieren, dass er seinem Amtsvorgänger im Säen von Zwi­etra­cht zwis­chen den Völk­ern nicht nach­ste­ht, beschloss Außen­min­is­ter Heiko Maas, die let­zte Geheimwaffe der SPD, sich mit so etwas wie einem Bürg­erkrieg in fer­nen Län­dern gar nicht erst abzugeben — nein, der Kalte Krieg muss das Min­deste sein und die Sol­i­dar­ität ist ein willkommenes Vehikel:

Wir haben heute vier rus­sis­che Diplo­mat­en aus Deutsch­land aus­gewiesen. Denn nach dem Gif­tan­schlag von #Sal­is­bury trägt Rus­s­land noch immer nicht zur Aufk­lärung bei.

Das­selbe Rus­s­land freilich, dem es nach wie vor ver­wehrt bleibt, zwecks Hil­fe bei der Aufk­lärung Proben des ver­wen­de­ten Giftes zu erhal­ten, kommt einzig als Täter in Betra­cht. Er habe, lügt Heiko Maas, sich die Entschei­dung “nicht ein­fach gemacht”, wie es guter “Link­er” Art eben ist; die Grü­nen haben sich ihre Entschei­dung für TTIP gle­ich­falls sicher­lich nicht ein­fach gemacht. Von “Sol­i­dar­ität” ist also die Rede, denn in einem Land, in dem die Partei des Außen­min­is­ters dieselbe unter Bürg­ern in einem lan­gen, schmerzhaften Prozess weit­ge­hend liq­ui­diert hat, ist nicht mehr anzunehmen, dass sie es wagen wür­den zu wider­sprechen, wenn man ihnen sagt, was gut für sie ist. Der Russe, er muss es gewe­sen sein, daran kann und darf es keinen Zweifel geben. Warum son­st soll­ten führende Poli­tik­er selb­st der F.D.P. fordern, sein Land müsse aufhören, dem West­en zu dro­hen?

Wer hat jemals behauptet, Großbri­tan­nien, unser his­torisch­er Ver­bün­de­ter in Han­dels­din­gen, ste­he vor der Tür? Schon darum ist es offen­sichtlich, wo der Feind sitzt. Da ist dann auch TTIP egal — Tra­di­tio­nen müssen gewahrt bleiben.

Koste es, was es wolle.

MontagsmusikIn den Nachrichten
Dungen — Häxan // Das Geschwätz und wir

Ich weiß doch auch nicht

Es ist Mon­tag. In Deutsch­land wer­den Exil­präsi­den­ten zur Abwech­slung mal festgenom­men, bei den ehe­ma­li­gen Präsi­den­ten von Irak und Libyen war man nicht so zim­per­lich. Vielle­icht kann der Bun­de­spräsi­dent, der in einem früheren poli­tis­chen Amt Murat Kur­naz in einem Folterk­nast gefan­gen hal­ten ließ, inter­ve­nieren. Aber wer wären wir, der spanis­chen Regierung in ihre Poli­tik reinzure­den?

Anfäl­lig für Geschwätz sind wir. “Aus­gerech­net” Don­ald Trump, quatschte am Don­ner­stag aus­gerech­net “WELT ONLINE”, habe die “weltweit beste Klima­bi­lanz”. Aus­gerech­net! Beina­he wäre man ein biss­chen wütend, aber dann bemerkt man noch rechtzeit­ig, dass dann auch Men­schen im per­sön­lichen Umfeld merken kön­nten, dass man manch­mal “WELT ONLINE” liest, und das gilt es unbe­d­ingt zu ver­mei­den. Grum­meln wir also heim­lich weit­er! Andere Medi­en haben auch dumme Mel­dun­gen: Offen­sichtlich han­delt es sich bei Liedern, die inzwis­chen seit Jahrhun­derten zum volk­stüm­lichen Liedgut gehören, um “SS-Lieder”, weil sie auch in SS-Lied­büch­ern auf­taucht­en. Es möge “Backe, backe Kuchen” niemals auf seinen poli­tis­chen Hin­ter­grund unter­sucht wer­den.

Neues hinge­gen wis­sen die Medi­en vom Spiel­geld: Bit­coins sind in Deutsch­land unter Umstän­den ille­gal. Es ist ja nicht alles schlecht in der Blockchain­forschung.

Es ist Mon­tag und kein Pand­abär ist zuge­gen. Stets zuge­gen wie ret­tend aber ist Musik.

Dun­gen — Häx­an | The Furi­ous Ses­sions en Sol de Sants Stu­dios (Barcelona)

Guten Mor­gen.

Persönliches
Kopfverkatert.

(Was man, ander­er­seits, offen­sichtlich schon wieder viel zu lange nicht mehr erlebt hat­te, war es, Lek­tio­nen hin oder her, zu fühlen, wie das Leben eigentlich funk­tion­iert. We teach old hearts to break. Der sich furcht­los erhebende Tag spendet Licht sowie Zer­streu­ung und fragt nicht, was bess­er dunkel bleiben sollte. Die Lebens­maxime “ja, aber” weiß um ihren Reiz, sind Überzeu­gun­gen erst ein­mal flex­i­bel. Il n’y a que la vérité qui blesse.

Die Rech­nung bleibt uner­bit­tlich. Wie viel Trink-Geld darf es sein? Es ist alles geliefert wie bestellt, ins­beson­dere auch: man selb­st. Dem Gefühlskater ist mit Aspirin nicht beizukom­men. Man könne, heißt es, auf der zweit­en Seite von Suchergeb­nis­sen eine Leiche ver­steck­en, denn dort sehe nie­mand nach. Selb­st­bild als Such­mas­chine.

Fehl­far­ben — Paul Ist Tot

Acht Jahre Midlife­cri­sis. Manche Fra­gen stellt man ein­fach nicht.)

In den NachrichtenComputer
Warum Christopher Lauer verstaatlicht werden muss

Christo­pher Lauer, gescheit­ert­er Christo­pher-Lauer-Darsteller, nutzt die ihm nach seinem Rück­zug aus der “Poli­tik” frei gewor­dene Zeit für Mei­n­un­gen in Mei­n­ungsme­di­en, die sich im aktuellen Fall unge­fähr mit diesem Zitat zusam­men­fassen lassen:

Laut ein­er Pew-Research-Studie aus 2017 nutzen 45 Prozent der US-Amerikan­er Face­book als Nachricht­en­seite, und wiederum 50 Prozent dieser Gruppe nutzen Face­book als einzige Nachricht­en­quelle. (…) Face­book ist dafür ver­ant­wortlich, wie sich für seine Nutzer die Real­ität darstellt. (…) Die eigentliche, viel inter­es­san­tere Frage ist, wie ein Gebilde wie Face­book ver­staatlicht und unter demokratis­che Auf­sicht gestellt wer­den kann.

Denn wenn Men­schen die meis­ten Infor­ma­tion­squellen bei­seite lassen und sich eine einzige als ihre Nachricht­en ein­richt­en, dann ist es doch offen­sichtlich, dass diese eine Infor­ma­tion­squelle die alleinige Schuld daran trägt und man diesem Umstand nur mit mehr Staat beikom­men kann.

Für die Men­schen hinge­gen, die den “Tagesspiegel” als einzige Nachricht­en­quelle nutzen, stellt sich eine Real­ität dar, in der so ein Quark als “Gast­beitrag” angenom­men und so ver­bre­it­et wird, was einen Ein­fluss darauf hat, wie sich für seine Leser die Real­ität darstellt. Die Frage muss also laut­en, wie ein Gebilde wie Christo­pher Lauer ver­staatlicht und unter demokratis­che Auf­sicht gestellt wer­den kann.

In den NachrichtenComputer
Medienkritik extern: Geteilte Daten sind doppelte Daten.

Zur Causa bzw. Nicht­causa “Face­book bekommt Dat­en geschenkt” und dem erstaunlichen Umgang der Medi­en mit den gewonnenen Erken­nt­nis­sen ist eigentlich inzwis­chen schon alles gesagt wor­den, unter anderem von mir, aber das the­men­be­zo­gene Inter­view von “Mee­dia” mit Fefe möchte und werde ich den­noch nicht ohne min­destens dieses Zitat bei­seit­elegen:

Man kann nicht jahre­lang das Kleinge­druck­te wegk­lick­en und irgendwelchen wild­frem­den Apps aus dem Inter­net seinen Haustürschlüs­sel in die Hand drück­en, aber dann Zeter und Mor­dio schreien, wenn was wegkommt.

Dass “Mee­dia”, das natür­lich nicht über HTTPS erre­ich­bar ist und auf dessen Web­site ohne tech­nis­chen Anlass ein Face­book-Daten­samm­ler einge­bun­den ist, vor weni­gen Stun­den einen Artikel nach­schob, dessen Ver­fass­er sich bit­ter­lich beklagt, dass das Zurückziehen von Face­book zu beru­flichen Nachteilen führe, spricht im Übri­gen nicht unbe­d­ingt für das Arbeit­skli­ma bei “Mee­dia”.