NetzfundstückeMir wird geschlechtPolitik
Liegengebliebenes vom 9. März 2018

So wider­wär­tig wie erhel­lend: Matthias Stre­itz (“SPIEGEL ONLINE”, Chefredak­tion) erläutert in nur einem Tweet zugle­ich die wesentliche Auf­gabe von Online­jour­nal­is­mus und warum er sich weit­ere Ver­weise auf “SPIEGEL ONLINE” ver­bit­tet.


Die desig­nierte Gedöns­min­is­terin Dorothee Bär lässt wis­sen, welche Impulse von ihr im Land von Daten­schutz, EDV-Sicher­heit und Bre­it­band in den näch­sten Jahren zu erwarten sind: Fliegende Taxis und die Pflicht zum Pro­gram­mieren für noch mehr stumpfe, aber wirtschaftlich nüt­zliche Bild­schir­mar­beit näm­lich. Was bringt ein Flug­taxi mit Inter­net in Edge-Geschwindigkeit? (Vor­sicht: t3n!)


“Die SPD lebt heute von einem Erbe, zu dem sie nichts mehr beitra­gen kann.”


Gute Nachricht­en für Ham­burg und Berlin: Gewalt­fre­undliche Flach­pfeifen, die Autos anzün­den, sollen kün­ftig als Ter­ror­is­ten gel­ten.

Schlechte Nachricht­en für Ham­burg und Berlin: Das gilt bis auf Weit­eres nur für “Rechte”.


Berufs­frau Kata­ri­na Bar­ley (SPD) hält es für eine “gravierende Fehlen­twick­lung”, dass die AfD Gle­ich­stel­lung (nicht aber Gle­ich­berech­ti­gung) kri­tisch gegenüber­ste­ht, und möchte dies mit ein­er Ent­demokratisierung des Bun­destags mit­tels ein­er Frauen­quote ent­ge­gen­wirken, als wäre sie nicht selb­st ein gelun­gener Beleg dafür, dass man viele weib­liche Abge­ord­nete bess­er nicht haben sollte.


“Wenn Gehor­sam und Men­sch aber gegeneinan­der ste­hen, entschei­de dich immer für den Men­schen!”

In den NachrichtenMusik
Kein Wort zu Patrick Gensings Musikgeschmack.

Moritz Tsch­er­nak vom anson­sten oft zumin­d­est lehrre­ichen Metablog “BILD­blog” hat, möchte man beim Blick in die ein­schlägi­gen sozialen Net­zw­erke beina­he annehmen, einen Coup gelandet, indem er fest­gestellt hat, dass Julian Reichelt (“BILD”) einen Tweet eines recht­en Twit­ter­ers mit seinen Fol­low­ern teilte, der hämisch (sin­ngemäß) kom­men­tierte, dass es nicht unbe­d­ingt für Patrick Gens­ing (“fak­ten­find­er”, tagesschau.de) spreche, dass dieser bere­its 2016 der vom meck­len­burg-vor­pom­merischen Ver­fas­sungss­chutz 2011 als “expliz­it anti-staatlich” deklar­i­erten Com­bo Feine Sahne Fis­chfilet eine gewisse Stil­sicher­heit nicht absprechen wollte, ohne sich dabei unbe­d­ingt auf die Texte zu beziehen.

Infolge der Veröf­fentlichung des Artikels entwick­elte sich eine ziem­lich lang­weilige und vorherse­hbare Diskus­sion, die vor allem auf Twit­ter geführt wurde und sich darum drehte, ob man zum Gutfind­en ein­er Musik­gruppe deren vor­rangig aus­ge­drück­te Weltan­schau­ung unbe­d­ingt teilen müsse; als wäre ein Hör­er der Toten Hosen automa­tisch auch ein Partylöwe mit Affinität zu Biolä­den, Alko­hol und Reimver­lust, als wäre ein Hör­er von Philipp Poisel automa­tisch auch ein trau­riger Lang­weil­er, als wäre ein Hör­er von Sebkha-Chott automa­tisch auch ein geis­teskranker Fran­zose. Ich kann auch der einiger­maßen linken Band FJØRT etwas abgewin­nen und habe bish­er den­noch noch nicht das Bedürf­nis ver­spürt, ein (zumal in frem­dem Besitz befind­lich­es) Auto­mo­bil in Flam­men aufge­hen zu lassen.

Nicht, dass die Gegen­seite weniger kurz dächte: Moritz Tsch­er­naks Artikel dreht sich maßge­blich um die Frech­heit, dass ein hochrangiges Redak­tion­s­mit­glied eines Revolverblattes sich weigert, recht­en Twit­ter­ern nicht allein deswe­gen keine weit­ere “Reich­weite” zu ver­schaf­fen, weil sie rechte Dinge, mitunter gar die Unwahrheit, pub­lizieren. Lei­der schreibt der Autor nicht in seinen Artikel hinein, wessen Tweets stattdessen “geteilt” wer­den dür­fen — die vom “BILD­blog” und die von Feine Sahne Fis­chfilet ver­mut­lich schon, aber welche noch? Zählt der Bote vor der Botschaft, ist der Him­mel also grün, wenn ein Rechter ihn blau nen­nt, wie es tat­säch­lich aus linken Kreisen seit Jahren vorgeschla­gen wird? Ist, was fast noch inter­es­san­ter zu erfahren ist, der Musikgeschmack endlich erlaubter­weise ein wesentlich­er Fak­tor bei der Bew­er­tung eines Men­schen? Über wen sagt dieser Fak­tor was aus?

Fest ste­ht: Weniger Wie und mehr Was täte dem poli­tis­chen Diskurs in den “sozialen Medi­en” mitunter gut. 2019 ist wieder ein bun­desweites Wahl­jahr. Welche Musik hört eigentlich Andrea Nahles am lieb­sten? Ist das wichtig und wofür?

Ich warte ein­fach, bis die bei­den sich für irgend­was entschei­den,
und solang hör ich Musik.
Die Ärzte: Worum es geht

PolitikIn den Nachrichten
Si vis pacem, para bellum. (2)

Eine einzige Nachricht, zwei gegen­sät­zliche Infor­ma­tio­nen:

Der Aus­bil­dung­sein­satz im Irak zur Unter­stützung des Kampfes gegen die Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion Islamis­ch­er Staat soll auf das ganze Land aus­geweit­et wer­den. (…) Bun­desvertei­di­gungsmin­is­terin von der Leyen sagte im ARD-Fernse­hen, es gelte, den Irak zu einem sta­bilen Land zu machen.

Denn wo man viele Sol­dat­en hin­schickt, da ist bald auch viel Frieden. Das ken­nen wir aus Afgh-

In Afghanistan will die Bun­desregierung die Ober­gren­ze des deutschen Kontin­gents von 980 auf 1.300 Sol­dat­en anheben. Dort gilt die Sicher­heit­slage als zunehmend schlechter.

Ach, schon gut.

Im Übri­gen bin ich der Mei­n­ung, dass die Bun­deswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusik
Mogwai — Don’t Believe the Fife

Frühling (Symboleule)Es ist Mon­tag. Es wird Früh­ling, die Russen kom­men raus. Der beliebteste Pand­abär sitzt in Berlin, was über Pand­abären, die bekan­ntlich über jeden Zweifel erhaben sind, wie gewohnt mehr aus­sagt als über die schäbig­ste Stadt östlich von Han­nover.

Andere Städte tun ihr Bestes, den Wet­tbe­werb um die berlin­ig­ste Stadt wenig­stens als Zweit­platzierte abzuschließen: Wer in Mannheim kün­ftig hin­fällt, der wird überwacht, berichteten schon im Feb­ru­ar ver­schiedene Medi­en. Endlich tut der Staat mal was! Der allerd­ings hat ger­ade ganz andere Sor­gen: Geht es nach der SPD, dann ist bald Schluss mit der lästi­gen Männlichkeit in der Nation­al­hymne. Deutsch­land, einig Mut­ter­erde. Mondge­fülltes Ohmwass­er für alle!

Der S.-Fischer-Verlag (“S. Fis­ch­er Ver­lag”, Deutsch war aus) hat ein ähn­lich­es Prob­lem mit dem ver­flix­ten Urhe­ber­recht wie die so genan­nten “Raubkopier­er”, nur ander­srum. Da freut sich Hein­rich Mann bes­timmt, dass seine Rechte in Deutsch­land noch lange genug gewahrt bleiben, um über ein halbes Jahrhun­dert nach seinem Tod noch jeman­dem ohne geistige Gegen­leis­tung das Kon­to vol­lzu­machen.

Fast bin ich ver­sucht, zivilen Unge­hor­sam mit­tels Musikhörens auf YouTube gutzuheißen. Die Musik macht es mir leichter, denn sie ist viel zu gut, um unge­hört zu bleiben.

Mog­wai — Don’t Believe the Fife live at the BBC Glas­gow Quay 2017

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Treudoof bis in den Tod.

Es wäre ver­messen, anzunehmen, die Partei des Hungerns habe mit ihrer beina­he erre­icht­en Zwei­drit­telmehrheit zugun­sten weit­er­er dreiein­halb Jahre des Sozial­ab­baus bei regelmäßiger Gehalt­ser­höhung der Schuldigen nun den Bogen endlich so weit überspan­nt, dass die Ver­fechter ein­er eigen­ständi­gen Poli­tik ihr den Rück­en kehren wür­den.

Es spricht der Hoff­nungsträger der anderen SPD, der medi­al für seinen Ide­al­is­mus bewun­dert wurde und noch immer wird, wie fol­gt:

Übri­gens: Aus der #SPD tritt man nicht aus, aus der SPD stirbt man raus. (…) Es gibt keine Reserve-SPD. Es gibt diese, (sic! A.d.V.) oder keine.

Der Treueeid wird nicht gebrochen. Unpoli­tisch zu sein ist eine Pflicht und eine Ehre zugle­ich. Ver­stand ist zweck­los.

Zum Glück haben die nicht auch noch eine Reserve.

In den NachrichtenComputer
Ministerium für Computergedöns

Im Land der staatlich gewün­scht­en Infek­tion von pri­vat­en Com­put­ern bei gle­ichzeit­iger durch die aus mir unbekan­ntem Grund noch immer nicht aufge­hobene Teil­ver­staatlichung des tragikomis­chen Konz­erns Deutsche Telekom verur­sachter Abwe­sen­heit von Band­bre­ite, die diesen Namen auch ver­di­ent, verkün­det die EDV-Presse ohne jedes sicht­bare Anführungsze­ichen:

Wie das Nachricht­en­magazin Der Spiegel berichtet, soll CSU-Chef Horst See­hofer bei Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel (CDU) durchge­set­zt haben, dass seine Partei den Posten eines Staatsmin­is­ters für Cyber Dig­i­tales im Kan­zler­amt erhält.

Um die Eig­nung der momen­tan favorisierten Kan­di­datin für diesen Posten soll es mir nicht gehen, geeignete Min­is­ter wählt man hierzu­lande sowieso nir­gend­wo hin; span­nen­der ist die Frage, wofür nun eigentlich ein “Staatsmin­is­ter für Dig­i­tales” in ein­er Zeit und Gegend, in der selb­st Klodeck­el vers­martet und damit dig­i­tal sind, genau zuständig sein soll: Für alles mit Com­put­er drin oder wieder nur für pro­gram­mierende Sech­sjährige?

Und warum kann das eigentlich kein Robot­er übernehmen?

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Dschungelkönig erteilt Putin Befehle

Naja, fast:

Deutsche TV-Jour­nal­is­ten fordern Öster­re­ichs Kan­zler mit offen­em Brief zum Ein­greifen auf

Sie bit­ten nicht höflich, sie fra­gen nicht nett nach, sie fordern auf. Ist nur so ein schäbiges Ober­haupt ein­er aus­ländis­chen Regierung, da ste­he man als deutsch­er Jour­nal­ist doch drüber, so moralisch, impliziert “Mee­dia” eben­so wie “WELT ONLINE”, der Deutsch­land­funk sowie “Die Presse”, die das alle­samt ähn­lich blöd for­mulieren, näm­lich unge­fähr so:

Deutsche Jour­nal­is­ten fordern Kurz zum Han­deln auf

Nun ver­fügt let­ztere Pub­lika­tion über eine Kopie des fraglichen Doku­ments, in der nicht von ein­er Auf­forderung, son­dern in der Tat nur von ein­er Bitte um Befas­sung mit dem als gegen­wär­tig emp­fun­de­nen Prob­lem die Rede ist. Richtig macht es aus­gerech­net “SPIEGEL ONLINE”, das eine Forderung von Nobel­preisträgern an den türkischen Präsi­den­ten völ­lig zutr­e­f­fend als “Forderung” beschrieb.

Aber warum sollte jemand, der Men­schen Nachricht­en auf­schreibt, sich auch Gedanken über Wortbe­deu­tun­gen machen wollen?

PersönlichesNerdkrams
Vero: Früher hieß unser soziales Netzwerk noch “rausgehen”.

Erin­nert sich noch jemand an Minds?

Minds ist, ruft eine kurze Recherche zum Beispiel beim eben­falls zu Recht wieder vergesse­nen Mag­a­zin “WIRED” in Erin­nerung, zwar “ein Social Net­work wie viele andere auch”, aber “etwas ist anders als bei Face­book oder Google+. Denn Minds wen­det sich vor allem an Online-Aktivis­ten — und wird sog­ar von Anony­mous unter­stützt”, wer auch immer “Anony­mous” in diesem Fall jet­zt eigentlich war. Das klingt inter­es­sant, ist aber egal: Wie auch bei Ello, GNU Social und Dias­po­ra, wobei sich wenig­stens Ello inzwis­chen eines zweit­en Lebens als mod­ernere Alter­na­tive zu DeviantArt erfreut, blieb auch für es der dauer­hafte Zus­pruch merk­lich geringer als der für das anfangs belächelte und zu spät ent­standene, in der Android­welt aber erstaunlich dom­i­nante Google+ es bis heute geblieben ist.

Man hätte daraus ler­nen kön­nen, dass es für nur wenige Men­schen sin­nvoll ist, das “soziale Net­zw­erk”, in dem sie sich ein­mal häus­lich ein­gerichtet haben, ohne Not durch ein anderes zu erset­zen oder auch nur zu erweit­ern. Wer schon unbe­d­ingt Wild­fremde damit belästi­gen möchte, welchen zuck­ri­gen Kaf­feeer­satz er sich ger­ade reinpfeift oder in welch­er Trend­farbe er sich heute ange­malt hat (das nen­nt man dann “Influ­encer”, wenn ich das so weit richtig ver­standen habe), der tut das zumeist dort, wo man mit dem ger­ing­sten Aufwand das Prof­it­max­i­mum erre­ichen kann. Aktuell scheinen das Insta­gram und YouTube zu sein.

Ein tritt Vero. Vero, tippt man auf “heise online” aus dem Waschzettel ab, ist ein nur auf Smart­phones ver­füg­bares und somit für die meis­ten nor­malen Men­schen nur zeitweise brauch­bares “soziales Net­zw­erk”, das drei Jahre lang unbeachtet herum­lag, bis irgendwelche Laut­sprech­er (“Influ­encer”) es auf Insta­gram plöt­zlich zu einem “Hype” macht­en. Wenn etwas ein “Hype” ist, nimmt man das ein­fach hin und fragt nicht mehr als nötig nach, wie es sich für ein gutes EDV-Fach­magazin gehört. Der Mehrw­ert liege, behauptet man dort, darin, dass ange­blich keine intrans­par­enten Algo­rith­men für die Sortierung der Inhalte sorgten, woran freilich gezweifelt wird, son­dern der Nutzer sich wie einst bei Dias­po­ra und Google+ en detail aus­suchen könne, wer welchen sein­er Beiträge sehen darf. Auf der Web­site von Vero faselte eine Ver­mark­tungsnull gar etwas davon, dass über­haupt keine Algo­rith­men zum Ein­satz kämen, was mich daran zweifeln lässt, dass die Mach­er von Vero über­haupt so genau wis­sen, was ein Algo­rith­mus eigentlich ist.

Natür­lich hat Vero auch eines dieser “Man­i­feste” veröf­fentlicht, das dem Besuch­er in Majuskeln ent­ge­gen­brüllt, dass Vero das “natür­liche Bedürf­nis” der Men­schen zu stillen ver­suche, alles, was in ihrem Leben geschieht, mit allen anderen Men­schen zu “teilen”, wie man das im echt­en Leben halt auch so mache, wofür aber diese allen anderen Men­schen, anders als im echt­en Leben, auch mit einem Smart­phone aus­ges­tat­tet und auf Vero angemeldet sein müssen. Wie Leben, nur beschränkt. Vero selb­st wirbt so kon­se­quent wie dumm mit hip­sterge­filterten Fotos von zu teur­er Hard­ware auf rustikalen Möbeln, damit auch diejeni­gen, die bish­er gar kein Inter­esse an so einem Kram hat­ten, ver­ste­hen, worin der Ein­satzz­weck von Vero liege: im Teilen von hip­sterge­filterten Fotos von zu teur­er Hard­ware auf rustikalen Möbeln natür­lich. Dit is Berlin bzw. Libanon.

Vielle­icht habe ich inzwis­chen das Alter erre­icht, in dem mich solche Erfind­un­gen nicht mehr lock­en, vielle­icht hat mir aber auch ein­fach ohne­hin immer schon das Mit­teilungs­bedürf­nis gefehlt, um mich virtuell bess­er zu ver­net­zen als bloß meinen Stuss wie bish­er ein­bahn­straßig ins Web zu kip­pen: Ich habe noch nie ein Foto auf Insta­gram hochge­laden, noch nie eine Web­site auf Knud­dels gepflegt, noch nie ein Kon­to bei Ello besessen, und das bis heute Let­zte, was mir in “sozialen Net­zw­erken” einiger­maßen nach­haltig Freude gemacht hat, war Gruscheln auf stu­di­VZ, denn das war zwar damals eine schlecht gemachte Kopie des “Stupsens” auf dem in Deutsch­land noch nicht ver­bre­it­eten Face­book, aber da war man halt, wenn man Langeweile zu vertreiben hat­te. Da hing man aber auch nicht den ganzen Tag vor seinem Tele­fon ab und fotografierte mit ihm sein Essen, son­dern schrieb — nicht ein­mal in Echtzeit — einan­der auf vernün­fti­gen Tas­taturen Nachricht­en mit richtiger Gram­matik und ohne Emo­jis, denn Emo­jis gab es auf vernün­fti­gen Tas­taturen noch nicht und ein Smart­phone hat­te all­ge­mein noch kaum jemand — wofür auch? Den Sprung in die Zeit des ständig ver­füg­baren Taschenge­sprächs hätte stu­di­VZ allerd­ings sicher­lich geschafft, wenn es das nur gewollt hätte. Dass Dien­ste dieser Art nicht unsterblich sind, hat­te noch vor der Grün­dung von stu­di­VZ schon uboot.com (für Inter­netarchäolo­gen vielle­icht inter­es­sant) unter Beweis gestellt, das von den drei “VZs”, MySpace und schließlich auch Face­book selb­st so nach­drück­lich aus­ge­presst wurde, dass es vor fünf Jahren voll­ständig zu existieren aufhörte, obwohl dort auch irgend­wann ein­mal jed­er sein musste. Dass die Jugendlichen von damals — jeden­falls: ich — sich heute zu alt für Vero fühlen, gibt diesem Monolog eine bit­tere Note.

Aber zurück zu Vero: Der Wild­wuchs an “sozialen Net­zw­erken”, den ein Ein­steiger heute vorfind­en kann, unter­gräbt die voll­mundi­ge Behaup­tung, Vero erfülle das “natür­liche Bedürf­nis” der Men­schen, alles unge­fragt für ein erwäh­nenswertes Erleb­nis zu hal­ten, denn während diese Behaup­tung eigentlich von mir bish­er nur aus Zügen und Bussen bezeugt wer­den kann, wiesen auch die bezeugten Ereignisse bis­lang die Eigen­heit auf, dass der Adres­sat stets eine hand­ver­lesene Auswahl an Per­so­n­en war, oft sog­ar nur eine einzige. Die Men­schen — bezahlte Reklamescher­gen auf Insta­gram und YouTube ein­mal ausgenom­men — teilen gern Dinge, die ihnen wichtig sind oder wenig­stens zu sein scheinen, mit den Men­schen, die ihnen wichtig sind oder wenig­stens zu sein scheinen. Die Men­schen teilen nicht gern irgendwelchen Fir­lefanz mit frem­den Schuften. Bei Ede­ka am “schwarzen Brett” hängt ja auch sel­ten ein Foto von einem Gänse­blüm­chen am Weges­rand. Man ist vielle­icht manch­mal auch ein­fach gern allein mit sein­er Welt.

Früher hieß unser soziales Net­zw­erk noch “raus­ge­hen”.

In den NachrichtenWirtschaft
Klauen gegen Enteignung, Tasern für die Bürgerrechte

Es tut sich was in armen Regio­nen.

Am Tag nach der frem­den­feindlichen Enteig­nung weißer Bauern in Südafri­ka berichtete auch “SPIEGEL ONLINE” über die Prob­leme in ein­er anderen armen Region, näm­lich in Berlin, und ließ ein paar Aktivis­ten gle­ich eine unter dem Ein­druck der antikap­i­tal­is­tis­chen iPhone-Demon­stra­tio­nen in Ham­burg ger­adezu vernün­ftig wirk­ende Lösung vorschla­gen:

Mit dem Slo­gan “Deutsch­land geht klauen” ruft [ein Werbespot] zum Dieb­stahl bei den Lebens­mit­tel­händlern Ede­ka, Rewe, Lidl und Aldi auf, die rund 80 Prozent des Mark­tes abdeck­en. Das nicht bezahlte Geld sollen die Diebe über eine Inter­net­seite direkt an Gew­erkschaften spenden, die Pro­duzen­ten der Lebens­mit­tel vertreten. Begrün­dung: Wenn Dis­counter und Super­märk­te nicht selb­st für faire Löhne sor­gen, müssen es die Kon­sumenten tun.

Die Freude in den Augen der Super­mark­tangestell­ten, wenn ihre Löhne entsprechend umverteilt wer­den, wird umw­er­fend sein.

Ich nehme noch heute Abend einen Werbespot namens “Deutsch­land geht tasern” auf, in dem zu sehen ist, wie ein paar von diesen Witzbold­en im “schwarzen Kostüm mit Waschbären-Logo” (ebd.) bis zum Ein­tr­e­f­fen der Polizei vom Ladenbe­sitzer mit ein paar geziel­ten Strom­stößen daran gehin­dert wer­den, vorzeit­ig den Dis­counter oder Super­markt zu ver­lassen. Begrün­dung: Wenn die Polizei nicht selb­st für die Gewährleis­tung unternehmerisch­er Rechte sorgt, müssen es die Unternehmer tun.

In den Nachrichten
Stinken gegen Rechts!

Eine fan­tastis­che Sta­tis­tik hat der Guardian heute gefun­den:

Men­schen mit einem größeren Hang dazu, die Nase vom Geruch nach Urin, Schweiß und anderen Kör­perg­erüchen abzuwen­den, haben wahrschein­lich­er eine recht­sautoritäre Weltan­schau­ung, ver­mutet die Forschung. (…) Die Ergeb­nisse [der Studie] deck­en auf, dass rechter Autori­taris­mus mit einem Gefühl der Abstoßung gegenüber Kör­perg­erüchen ver­bun­den sei und dass diese Verbindung auch einen schwachen Zusam­men­hang zwis­chen solchen Gefühlen des Angewidert­seins und der Unter­stützung für Don­ald Trump unter­mauere.

(Über­set­zung von mir.)

Was bedeutet, dass die eher “linke” Teil­gruppe der Stu­di­en­teil­nehmer gle­ichzeit­ig auch die ist, der Ges­tank nicht so viel aus­macht, was dem erfahre­nen Fahrgast von so Zügen einiges erk­lären kön­nte oder auch nicht. Eine mögliche Lesart wäre dann auch diese: Duschen ist nicht pro­gres­siv und Deodor­ants sind, sta­tis­tisch gese­hen, wahrschein­lich­er ein Erken­nungsze­ichen neuer Rechter als link­er Kampfgenossen. Da hil­ft auch eine Anbiederung an “linke” Gen­der­speren­zchen nichts mehr: Ihr seid ent­tarnt, ihr Seifen­nazis!

:aufsmaul:

MontagsmusikIn den Nachrichten
People of the North — Over Me // Was kostet Fahrtgeld?

Vielleicht findet mich der Montag ja nicht.Es ist Mon­tag. Freu wie blöd! Es ist kalt, das Selb­st ist beschw­er­lich und die Men­schen sind zumeist sehr uner­freulich. Man kön­nte Bus fahren vor Vergnü­gen.

Bus­fahren, apro­pos, ist ja inzwis­chen, ger­ade mal sechs Jahre, nach­dem der Autor dieser Zeilen selb­st in eine Wer­bekam­pagne für den fahrsche­in­freien Nahverkehr hineinge­zo­gen wurde, auch zu ein­er Forderung gewor­den, die die oft gescholte­nen Main­streamme­di­en befür­worten. Und sie machen es — Trom­mel­wirbel! — erwartungs­gemäß falsch: Auf dem ehe­ma­li­gen EDV-Fach­por­tal “heise online” fragt etwa Dusan Zivadi­novic, wer denn bei “Gratis-Nahverkehr” zahle, und bemerkt selb­st nicht, dass es eben nicht um Kosten‑, son­dern um Fahrsche­in­frei­heit geht. Zu zahlen hät­ten es alle; die Forderung nach einem fahrsche­in­freien (also kollek­tiv finanzierten) Nahverkehr stammt eben aus der­sel­ben Hirn­schmiede wie die nach kollek­tiv finanziertem Geld für alle (“BGE”), denn wenn man allen gle­ichviel weg­n­immt und jedem etwas von der Beute abgibt, ist Fair­ness endlich hergestellt. Fast wie früher. Ochs und Esel ahnen, wie das aus­ge­ht.

In den USA tobt der­weil immer noch der Bürg­erkrieg der Guten: Mal lassen sie schwarze Köche ent­fer­nen, weil diese es wagten, im “Black His­to­ry Month” — als wäre dessen bloße Exis­tenz noch nicht bek­loppt genug — Dinge auf die Speisekarte zu schreiben, die ihnen auch schmeck­en, aber lei­der Klis­cheeschwarzen eben auch, mal sind sie zu blöd für Math­e­matik: Schüler find­et, Wurzelze­ichen sehe aus wie Hand­feuer­waffe, Polizei tritt auf den Plan. Ich möchte vor­sichtig anre­gen, die Zivilge­sellschaft in den USA bis auf Weit­eres allein zu lassen und zu warten, bis sich das Prob­lem von selb­st löst.

Dann bleibt auch mehr Zeit für Musik.

Peo­ple of the North — Over Me

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: At the Drive-In — Diamanté

At the Drive-In - DiamantéVon 1993 bis 2001 bestand die tex­anis­che Post-Hard­core-Band At the Dri­ve-In, die in ein­schlägi­gen Musikme­di­en als — um nicht schon wieder dieses unsägliche Wort “abfeiern” zu ver­wen­den — ziem­lich gut beschrieben wurde. Aus Grün­den wur­den aus ihr dann jedoch zwei ver­schiedene Grup­pen, näm­lich die mir völ­lig unbekan­nten Spar­ta und die mir in recht pos­i­tiv­er Weise bekan­nten The Mars Vol­ta. Let­ztere Gruppe nan­nte ich vor ein paar Jahren “Krawall­ben­gels” und kurz darauf hat­te ich sie dann auch ver­standen.

Seit 2012 sind At the Dri­ve-In jedoch wieder vere­int, wobei mit­tler­weile an der Per­son­alschraube ger­ingfügig gedreht wurde: Mit­grün­der Jim Ward wurde 2016 durch Kee­ley Davis von Spar­ta erset­zt, son­st ist alles beim Alten. Nach dem ersten Stu­dioal­bum nach 16 alben­freien Jahren, dem von mir 2017 gän­zlich unter­schla­ge­nen “in•ter a•li•a”, erschien noch im Novem­ber 2017 der/die/das EP “Dia­man­té” (Amazon.de, TIDAL) mit drei Liedern, die mich in einem Maße erfreuen, das in mir den Wun­sch her­vor­ruft, mich doch noch mal ein biss­chen genauer mit dem bish­eri­gen Werk des Quin­tetts auseinan­derzuset­zen.

At The Dri­ve In — Amid Ethics

Gara­gen­gi­tar­ren, Mitwip­prhyth­mus, unscheißer Gesang — so leicht ist es, mich musikalisch zu begeis­tern. Dass es trotz­dem so wenige Grup­pen schaf­fen, spricht nicht für die Musik­szene dieses Jahrzehnts. “Dia­man­té” klingt wie ein Cock­tail im Som­mer auf der Auto­bahn (natür­lich auf dem Beifahrersitz) — und das bei den derzeit­i­gen Tem­per­a­turen!

Heiße Scheibe, ins­ge­samt.