SonstigesMir wird geschlecht
Medienkritik CVI: Si tacuisses…

Das Mag­a­zin “Hohe Luft” — Unter­ti­tel: “Für alle, die Lust am Denken haben” — gehört zu den weni­gen Mag­a­zi­nen, deren Erschei­n­un­gen ich regelmäßig zumin­d­est inhaltlich zur Ken­nt­nis nehme. Das wesentliche The­ma des Mag­a­zins ist die Philoso­phie, und während Adorno und Alt­griechen in der Redak­tion offen­bar als geset­zt gel­ten, hat doch jede einzelne Aus­gabe ein anderes Haupt­the­ma. Wie auch in der vor vie­len Jahren noch grund­sät­zlich lesenswerten “c’t”, die irgend­wann um 2014 herum zum Lin­ux-Fan­magazin verkom­men ist, nehme ich jedoch auch in der “Hohen Luft” allmäh­lich einen qual­i­ta­tiv­en Ver­fall wahr.

Nor­maler­weise geht es an dieser Stelle um Frauen­magazine und ihr merk­würdi­ges Bild von Män­nern. So ähn­lich ist es auch heute, denn die Redak­tion der “Hohen Luft” hat eine recht hohe Frauen­quote. Sel­ten aber war das so offen­sichtlich wie dies­mal.

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KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: The Notwist — Neon Golden

Selt­same Umstände ließen aus­gerech­net mich vor eini­gen Tagen das wun­der­same Album “Neon Gold­en” der ehe­ma­li­gen ober­bayrischen Schram­melpunkband The Notwist ken­nen­ler­nen. Es war gut.

Wie der geneigte Leser längst weiß, nah­men The Notwist einst Musik auf, die sich mit meinen hier mitunter kund­geta­nen Vor­lieben keineswegs offen­sichtliche Über­schnei­dun­gen aufwies, näm­lich mit weni­gen Aus­nah­men (wie pri­ma ich “Win­ter” finde, erläutere ich vielle­icht später ein­mal) erschreck­end unin­ter­es­sante Hard­core­musik. Das änderte sich mit jedem Album ein wenig mehr, besagter Hard­core wich allmäh­lich — wohl auch Beset­zungswech­seln zum Dank — elek­tro­n­isch ori­en­tiertem Art­pop mit einem dur­chaus jaz­zähn­lichen Ein­schlag. Mir soll es Recht sein.

The Notwist — Pick Up The Phone

Auf ihrem 2002 erschiene­nen sech­sten Stu­dioal­bum “Neon Gold­en”, dem let­zten mit Schlagzeuger Mar­tin Messer­schmidt, ist von der ungestü­men Ama­teur­band aus den Anfangs­jahren entsprechend auch nicht mehr viel zu hören, stattdessen bietet das dama­lige Quar­tett eine Son­der­vorstel­lung in süßlichem Belle-and-Sebas­t­ian-Folkpop ein­er- und effek­t­gestützter elek­tro­n­is­ch­er Tanz­musik (“Indi­etron­ic”, behauptet die Wikipedia, heiße das heute) ander­er­seits, die mit gewaltiger Melan­cholie aus dem Kopfhör­er und/oder Laut­sprech­er tropft.

The Notwist — This Room

Und dann hat diese Band auch noch die Chuzpe, dass das keineswegs kle­brig oder bloß deprim­ierend, son­dern ins­ge­samt höchst angenehm klingt, wofür ich mich Sänger und Gitar­rist Markus Acher aus­drück­lich und daher sep­a­rat zu danken ger­adezu verpflichtet füh­le, denn müsste ich mir ein­mal eine am besten mit “schön” zu beschreibende Sänger­stimme aus­suchen, ich wählte die seine.

Sich­er: Nach dem Durch­lauf von “Neon Gold­en” wün­scht man sich den sofor­ti­gen Beginn ein­er Feier, denn es bleibt schon etwas hän­gen vom trans­portierten Seufzen, jedoch ist der Weg dahin kein ver­reg­neter, son­dern ein­er, den zu beschre­it­en die Lust auf eine Wieder­hol­ung (oder wenig­stens den Rück­weg) nicht nimmt.

Neon­gold scheint eine wun­der­bare Farbe zu sein.

Politik
Die Verteidigung Europas mit den Mitteln des Boulevards

Manches ändert sich nie.Die bish­erige Sicherung der europäis­chen Außen­gren­zen zwecks Lösung der “Flüchtlings­frage” (Ste­fan Win­ter­bauer, Meedia.de) bestand neben riesi­gen Zäunennie­mand hat die Absicht und so weit­er — unter anderem auch aus aktiv­er Sicherung durch die Agen­tur Fron­tex und ihrer Nach­fol­ge­or­gan­i­sa­tion. Die amtierende deutsche Bun­desregierung beschreibt deren Auf­gabe so:

Die neue Agen­tur ist leis­tungs­fähiger und bess­er aus­gerüstet, um den migra­tions- und sicher­heit­spoli­tis­chen Her­aus­forderun­gen an Europas Außen­gren­zen zu begeg­nen. Erweit­erte Zuständigkeit­en und neue Befug­nisse wer­den es ihr erlauben, erfol­gre­ich zu arbeit­en.

Bei “migra­tionspoli­tis­chen Her­aus­forderun­gen” han­delt es sich ver­mut­lich um den alljährlichen Wet­tbe­werb um neue Reko­rde betr­e­ffs der erfol­gre­ich an der unbeschade­ten Ankun­ft in Europa gehin­derten Men­schen. “Her­aus­forderun­gen” nen­nt die Bun­desregierung diese Men­schen, und während ich Men­schen eben­falls für ziem­lich anstren­gend halte, würde ich trotz­dem lieber davon Abstand nehmen wollen, sie zu meinem eige­nen Schutz ertrinken zu lassen.

Poli­tisch für das Ertrinken all dieser Men­schen ver­ant­wortlich ist in Deutsch­land wie auch auf höher­er europäis­ch­er Ebene vor allem die CDU, die zu wählen immer noch zu viele Men­schen nicht aus­re­ichend anwidert; die gle­iche CDU natür­lich, die auch meine Überwachung fordert, um mich vor mir selb­st zu schützen, und also eine ziem­lich absurde Def­i­n­i­tion von “Schutz” durchzuset­zen ver­sucht; ich besitze immer­hin aus­re­ichend viele Ken­nt­nisse, um mich selb­st “hack­en” zu kön­nen (näm­lich: die mein­er Pass­wörter). Gle­ich­wohl kom­men nur die Wenig­sten der sonst­wie abge­brüht­en Warn­er und Mah­n­er auf die Idee, den längst fäl­li­gen Auf­s­tand gegen die CDU zu proben, Parteitags­block­aden und “Nazis!”-Gebrüll auf allen Kanälen eingeschlossen, denn die CDU ist etabliert, da macht man so etwas nicht. Stattdessen belästigt man also irgendwelche Popel­parteien, die bei der Selb­st­de­mon­tage nun wirk­lich keine Hil­fe von außen brauchen und deren außen­poli­tis­che Gefährlichkeit sowieso von über­schaubar­er Größe ist, mit seinem wichtigtuerischen Quatsch.

Iden­titäre Seefahrer und der Nation­al­is­mus

Zu den weit­eren Grup­pierun­gen, auf deren Äch­tung sich die Bewahrer von Frei­heit und Demokratie geeinigt zu haben scheinen, gehört auch die “Iden­titäre Bewe­gung”, die offen­bar der aktion­is­tis­che Arm der CDU ist und zum Beispiel dadurch, vom Bran­den­burg­er Tor ein Spruch­band mit der Auf­schrift “Sichere Gren­zen — sichere Zukun­ft” her­abge­lassen zu haben, was nicht nur der “Tagesspiegel” anscheinend als Beleg dafür wertet, dass es sich hier um eine “völkische Bewe­gung” han­delt, medi­al auf­fäl­lig gewor­den ist. Dass die Medi­en schon zuvor die von der “iden­titären Bewe­gung” durchge­führte Demon­stra­tion gegen das “Net­zDG” (ich berichtete) als ver­suchte Stür­mung beze­ich­neten, als sei wüten­der Protest gegen staatliche Zen­surbe­stre­bun­gen plöt­zlich gesellschafts­feindlich­es Rebel­len­tum, ver­wun­dert angesichts des son­sti­gen medi­alen Umgangs mit Geg­n­ern dieses Geset­zes kaum: Wer was gegen Zen­sur hat, ist Nazi! — Wenn die Forderung nach “sicheren Gren­zen” (ob eine nicht sichere Gren­ze über­haupt noch eine Gren­ze oder bloß ein Rand ist, wäre sprach­wis­senschaftlich sicher­lich auch nicht unin­ter­es­sant, soll hier aber keine Rolle spie­len) und damit ein­er “sicheren Zukun­ft” jedoch bere­its ein Zeichen für eine “völkische Bewe­gung” mit “nation­al­is­tis­chen Botschaften” ist, die man drin­gend im Auge behal­ten sollte, ist vielle­icht das Wahl­pro­gramm der CDU/CSU für die kom­mende Bun­destagswahl doch noch ein­mal einen weit­eren Blick wert, denn dort ist auf Seite 56 zu lesen:

Europa muss seine Außen­gren­zen wirk­sam gegen ille­gale Migra­tion schützen, die Gren­zschutza­gen­tur Fron­tex stärken und das Europäis­che Asyl­sys­tem vol­len­den. Bis der Schutz der EU-Außen­gren­zen funk­tion­iert, hal­ten wir an Bin­nen­gren­zkon­trollen fest.

Diese völkisch-nation­al­is­tis­che Bewe­gung sollte in der Tat drin­gend aus dem Bun­destag fer­nge­hal­ten wer­den. Dass Nation­al­is­mus fak­tisch Voraus­set­zung für die langfristige Exis­tenz eines Staates und kein Syn­onym für Pfuipa­tri­o­tismus ist, sich zum sprach­lichen Verklein­ern eines als gefährlich ange­se­henen poli­tis­chen Geg­n­ers also kaum eignet, lasse ich aus­nahm­sweise ein­mal durchge­hen. Während aber das Tra­gen von CDU-Signets als “Wahlkampf” ver­harm­lost wird und die Akteure gemein­hin “Kon­ser­v­a­tive” genan­nt wer­den, obwohl das min­destens pas­sive Ertränken von Men­schen in Not mit Bewahrung — so lautet der ursprüngliche Wortsinn von Kon­ser­v­a­tivis­mus — weniger zu tun haben dürfte als mit der Rein­hal­tung der europäis­chen Rasse durch Auss­chluss Extern­er, wird die Sym­pa­thie für eine Gruppe, die ebendiese Exter­nen gewalt­los um ihre Heimkehr zu bit­ten beab­sichtigt, aus genau dieser Ecke unter bre­it­em Beifall aus dem Volk ihrer­seits “Ras­sis­mus” gescholten, wie es im Fall der jun­gen kanadis­chen YouTu­berin Lau­ren South­ern (das war die mit dem Patre­on-Zwis­chen­fall) passierte.

Europa Boot für Boot vertei­di­gen

Im Jahr 2017 näm­lich mietete sich eine von besagter YouTu­berin bewor­bene Gruppe aus dem Kreis der “Iden­titären Bewe­gung” unter dem Mot­to “Defend Europe” — “vertei­digt Europa” — auf Spenden­ba­sis ein Schiff (Allergik­er­war­nung: Primärquelle) mit dem vorge­blichen Ziel, das von Men­schen­händlern gemachte Geschäft mit der Ein­wan­derung vor der ital­ienis­chen Küste durch “Inter­ven­tions- und Aufk­lärungsar­beit” zumin­d­est einzudäm­men, also die Fol­gen der men­schen­feindlichen Poli­tik der CDU ger­ingfügig zu lin­dern. Das gefällt nicht allen, denn Flüchtlingspoli­tik ist ein The­ma, über das der Diskurs oft von Emo­tio­nen und nicht Gedanken bes­timmt wird. Die Waf­fen, die also aufge­fahren wur­den, waren wohl gewählt, denn man griff flugs zum Schärf­sten, das man ger­ade herum­liegen hat­te, näm­lich zu Twit­ter: Unter dem Hash­tag “#Defund­De­fend­Eu­rope” wurde dazu aufgerufen, den finanziellen Spiel­raum der “Iden­titären Bewe­gung” in sichere Gren­zen zu leit­en, und das ver­meintliche Scheit­ern for­t­an kom­men­tiert. Medi­al begleit­et wurde das Getagge natür­lich von der “taz”, die den Vor­wurf unsauber­er jour­nal­is­tis­ch­er Arbeit zwar nicht sehr schätzt, sich aber trotz­dem dazu hin­reißen ließ, Beobach­tung mit Recherche zu ver­wech­seln, indem sie beziehungsweise ihr mit “Reportage & Recherche” unter­titel­ter Redak­teur Chris­t­ian Jakob, der mit seinen Lesern auf Twit­ter auch schon mal Blog­a­r­tikel des frag­würdig agieren­den “linken” Autors Sören Kohlhu­ber teilt, in einem Artikel, in dem Lau­ren South­ern “Lau­ra South­ern” und das Boule­vard­blatt “Dai­ly Mail” in guter jour­nal­is­tis­ch­er Tra­di­tion “Krawall­blatt” genan­nt wird, behauptete, die Besatzung des Mietschiffs beste­he, haha, selb­st aus ille­gal Migri­eren­den und “Defend Europe” sei, was nicht bloß vere­in­fachend, son­dern schlicht unrichtig ist, eine “Anti-Flüchtlings-Mis­sion”. Dass die auf Face­book zu find­ende Gegen­darstel­lung (Vor­sicht: Face­book!) der Organ­isatoren dem­sel­ben Chris­t­ian Jakob zwar eben­falls keinen Link (denn das Nen­nen von Quellen ist sooo 90er und außer­dem Nazi), wohl aber eine Ver­schär­fung des Ton­falls wert war, indem er sie pauschal in einen Sack mit der Auf­schrift “die Neona­tion­al­is­ten” — weit ist es nicht mehr bis “die Nazis” — steck­te, ist ein dur­chaus auskun­fts­freudi­ger Umstand.

Über die Exis­tenz — wovor eigentlich? — gut geschützter europäis­ch­er Außen­gren­zen ließe sich sicher­lich aus­führlich disku­tieren und bes­timmt ist das auch bere­its vielfach passiert; die Ver­harm­lo­sung der offen­bar men­schen­feindlichen und, glaubt man den Ver­harm­losern selb­st, ras­sis­tis­chen CDU durch ein­seit­ige neg­a­tive Kon­no­ta­tion gemäßigter Aktivis­ten ist jedoch kein Zeichen von Men­schlichkeit, son­dern Aus­druck eines blanken Zynis­mus, der, sofern man sich selb­st als einen Human­is­ten ver­standen wis­sen möchte, nicht bloß Skep­sis ern­ten sollte.

Ver­ständ­nis­frage zum Abschluss

Weil ich mich sehr ungern unab­sichtlich unbe­liebt mache, sich meine Infor­ma­tion­squellen jedoch nicht durch beson­dere Het­ero­gen­ität her­vor­tun, stelle ich die Frage, deren Antwort mir dabei helfen kön­nte, etwaige Fet­tnäpfe aus diesem The­men­bere­ich zu umge­hen, zum Abschluss ein­mal an dieser Stelle:

Die “Iden­titäre Bewe­gung” ist moralisch abzulehnen und man sollte ihre Aktiv­itäten drin­gend unterbinden, weil sie den Zuzug ille­gal trans­portiert­er Flüchtlinge ver­hin­dern möchte, vor Min­is­te­rien gegen von der All­ge­mein­heit für grun­drechts­feindlich gehal­tene Geset­ze demon­stri­ert und auf dem Bran­den­burg­er Tor sichere Gren­zen fordert. Die CDU hinge­gen ist ein wertvoller, zu schützen­der Teil der par­la­men­tarischen Demokratie, weil sie den Zuzug ille­gal trans­portiert­er Flüchtlinge ver­hin­dern möchte, im Bun­destag für von der All­ge­mein­heit für grun­drechts­feindlich gehal­tene Geset­ze votiert und in ihrem Wahl­pro­gramm sichere Gren­zen fordert.

Stimmt das so?

ComputerIn den Nachrichten
Nicht mal Zukunft kann dieses Paint!

Auf aus­gerech­net “ZEIT ONLINE” lästerte Eike Kühl am ver­gan­genen Dien­stag über das untote Bild­bear­beitung­spro­gramm Microsoft Paint:

Erst mit Win­dows 98 gab es über­haupt stan­dard­mäßig die Option, Bilder als JPG oder GIF zu spe­ich­ern.

Während natür­lich all die Konkur­ren­zpro­gramme, die schon “Mitte der neun­ziger Jahre” (ebd.) so viel bess­er waren als dieses “für anspruchsvolle Bild­bear­beitung (…) nicht zu gebrauchende” (dto.) Paint, das Dateifor­mat JFIF, das im Novem­ber 1996 als Träger­for­mat für JPEG-Dat­en spez­i­fiziert wurde, schon min­destens unter Win­dows 95, ach was!, Win­dows 3.11 unter­stützten und nicht erst unter Win­dows 98, dessen erste Vor­ab­ver­sion im Dezem­ber 1996 erschien.

Was macht Eike Kühl eigentlich beru­flich?

Netzfundstücke
Amazon: Kunden fragen, Leser fasst es nicht.

Dass Amazon.de seit eini­gen Jahren seine Kun­den nicht nur Tand kaufen, son­dern auch noch kosten­los Pro­duk­tun­ter­stützung für diesen Tand leis­ten lässt, indem sie gele­gentlich darum gebeten wer­den, Fra­gen ander­er Kun­den zu bes­timmten Pro­duk­ten zu beant­worten, hat sich mit­tler­weile sicher­lich schon eben­so herumge­sprochen wie der Umstand, dass diese Herange­hensweise des Unternehmens offen­sichtlich bess­er erk­lärt wer­den müsste.

Nicht mehr auszuschließen ist jedoch, dass Amazon.de für die oft ziem­lich blö­den Kun­den­fra­gen und ‑antworten nicht viel kann. Die Leute sind ein­fach doof.

Nehmen wir als ein­fach­es Beispiel ein­mal das präg­nant betitelte Pro­dukt “Handy Hal­terung, Lam­i­call iPhone Dock : Handy­hal­terung, Handy Hal­ter, Phone Stän­der, Handy Stän­der für”, einat­men, ausat­men!, “iPhone 7, 7 Plus, 6s 6 / Plus, SE, 5 5s 5c, Sam­sung A3 A5 J3 J5 J7 S6 S7 S8, Huawei P8 P9 P10 / Lite, Hon­or 6X, 8, Tisch Zube­hör, Schreibtisch, E‑Reader, andere Smart­phone — Schwarz”, offen­sichtlich eingestellt von irgen­dein­er men­tal­en Knack­wurst, die im SEO-Grund­kurs gel­ernt hat, dass mehr Wörter unab­hängig von ihrer Schreib­weise grund­sät­zlich mehr Geld ein­brin­gen. Schon aus dem Titel — wenn man in der gesellschaft­süblichen Lese­faul­heit schon darauf verzichtet, die eigentliche Beschrei­bung näher zu betra­cht­en — sollte schnell her­vorge­hen, dass hier — im Gegen­satz zu vie­len anderen ähn­lichen Vor­rich­tun­gen, die eine bes­timmte Pro­duk­trei­he voraus­set­zen — eine Hal­terung für irgend­wie smart­phone­för­mige Geräte beina­he beliebiger Größe zum Verkauf ste­ht.

Momen­tan gibt es 18 Fra­gen zu diesem Pro­dukt, die unge­fähr so laut­en:

Für Black­ber­ry geeignet?

Oder:

Geht die Hal­terung auch für sam­sung Galaxy s5mini und funk­tion­iert es mit Schutzhülle

Oder:

ich kann den stän­der ja auch für ein htc one m9 benutzen oder?

Oder:

Funk­tion­iert die hal­terung auch für ein iphone se ?

Oder:

Geht Iphone 6s auch?

Oder:

Ist der Hal­ter für das iPhone 5s kom­pat­i­bel?

Oder:

Geht sie auch für das Huwai P8 ???

Oder:

Passt das iPhone 7 Plus auch in diese Hal­terung?

Oder:

Kann Mann die halte rung auch für eine Sam­sung galaxy s7 edge nutzen

Denn — hier absichtlich ungeachtet der mitunter nicht merk­lich klügeren Antworten — ein “Tisch Zube­hör” (sic!) mit aus­drück­lich­er Eig­nung für anscheinend jedes Smart­phone, das dem Verkäufer beim Tip­pen ger­ade einge­fall­en ist, ist höchst­wahrschein­lich für kein anderes Smart­phone geeignet. Keines. Nie. Passt nicht. Kann gar nicht, ste­ht näm­lich nicht drauf.

keine Ursache

(Mit Dank an K.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Liegengebliebenes vom 25. Juli 2017: Der Webcomics Rettung und anderes.

Gute Neuigkeit­en: Zwar wird Microsoft Paint aus Win­dows 10 dem­nächst ent­fer­nt, jedoch war der Aufruhr so groß, dass es weit­er­hin zumin­d­est ange­boten wer­den wird. Die Szene der absichtlich laien­haft gestal­teten Web­comics (man ver­ste­he dies keineswegs aus­nahm­s­los als Qual­ität­skri­tik) und ihrer Abon­nen­ten ist eine durch­set­zungskräftige, wie es scheint. Poli­tis­che Parteien wären gut berat­en, ließen sie in Wahlkampfdin­gen häu­figer ein­mal langjährige Paint­nutzer ihre Vorschläge ein­brin­gen.


Als stolz­er Lin­ux-Desk­top-Nutzer — natür­lich mit ein­er dieser Klick­i­bun­ti-sys­temd-Dis­tri­b­u­tio­nen aus­gerüstet — hat man sein Porte­mon­naie gezückt, um ein Net­flix-Abon­nement abzuschließen, weil man son­st nichts mit sein­er Freizeit anz­u­fan­gen weiß? Dann wün­sche ich viel Glück beim Strea­men.


Endlich nie wieder in der eige­nen Woh­nung ver­laufen! Der “Roomba”-Staubsauger ver­scher­belt kün­ftig Raumpläne sein­er “Besitzer”.


Ganz ohne Poli­tik würde hier doch etwas fehlen: Was ist eigentlich ein Pop­ulist? Wer sich an das Grundge­setz hal­ten möchte, sei ein Pop­ulist, behaupten die Fragesteller ein­er pop­ulären Ber­tels­man­nstudie.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz gefragt (3): Peter Altmaier!

Herr Alt­maier,

in Ihrer Funk­tion als Kan­zler­amtschef quatscht­en Sie einem Boule­vard­blatt (im Fol­gen­den wiedergegeben von “Epoch Times”) hier­mit ver­mut­lich eine Seite voll:

Frauen seien auch in Deutsch­land noch nicht kom­plett gle­ich­berechtigt, beklagte er: „Im Par­la­ment sitzen deut­lich mehr Män­ner, in den Chefe­ta­gen der großen Fir­men gibt es fast keine Frauen.“

Frage: Worin beste­ht der Unter­schied zwis­chen der Gle­ich­berech­ti­gung zweier Geschlechter und der Berück­sich­ti­gung des Geschlechts bei der Beförderung?

Die Kri­tik, dass die CDU nicht ger­ade als „Frauen­partei“ bekan­nt ist, wies Alt­maier zurück. Immer­hin stelle sie die erste Bun­deskan­z­lerin.

Frage: Worin beste­ht der Unter­schied zwis­chen ein­er “Frauen­partei” und ein­er Partei, deren rechtlich höch­ste Repräsen­tan­tin eine Frau ist?

Auch als Som­merurlaub­slek­türe hat sich Alt­maier das The­ma Frauen­rechte vorgenom­men.

Frage: Worin beste­ht der Unter­schied zwis­chen Frauen- und Men­schen­recht­en?

U. A. w. g.!

In den NachrichtenMontagsmusik
Vespero — The Course of Abagaz

Wir haben dich erwartet.Es ist Mon­tag, was sehr schade ist, denn es kennze­ich­net ein weit­eres ver­tanes Woch­enende. Zum Glück sollte aufge­s­tanden wer­den, denn Arbeit lässt vergessen. Arbeit macht frei und Frei­heit ist alles, worauf es ankommt, nicht wahr?

Poli­tis­che Frei­heit hat es dieser Tage noch ein wenig schw­er­er als die per­sön­liche. Vom Erfolg der Spät­pi­rat­en zu ler­nen heißt siegen zu ler­nen: Es gibt nun einen fem­i­nis­tis­chen Flügel in der F.D.P., wom­it ein Ende ihrer viel beleuchteten Rück­kehr abse­hbar ist. Das bewährte Auf­fang­beck­en für Kar­ri­eris­ten, die auf naivem Weg einen Fuß in die Tür der Poli­tik bekom­men haben, hat keinen Boden. Bis dahin sollte aber gek­lärt sein, was alle bewegt: Wie knuf­fig ist eigentlich Chris­t­ian Lind­ner?

Gute Nachricht­en gibt es der­weil aus Budapest: Nach­dem ein Achtzehn­jähriger, der her­aus­ge­fun­den hat­te, dass die zuständi­ge Nieder­las­sung des für sicher­heit­stech­nis­chen Flächen­brand bekan­nten Unternehmens T‑Systems auf der von ihr betreuten Web­site eines Verkehrsun­ternehmens einen ger­adezu pein­lichen Pro­gram­mier­fehler überse­hen hat­te, als Strafe für das Melden dieses Fehlers vom Verkehrsun­ternehmen stolz angezeigt wor­den war, pras­seln auf die Face­book­seite besagten Unternehmens zahlre­iche Neg­a­tivbe­w­er­tun­gen nieder, weil sehr wenige Men­schen mit diesem Ver­ständ­nis von Com­put­er­sicher­heit ein­ver­standen sind. Es ist ja nicht alles schlecht in Budapest. Im deutschsprachi­gen Raum wird während­dessen ein Pro­jekt herumgere­icht, mit­tels dessen Twit­ter­nutzer sich selb­st auf ein­er Land­karte ein­tra­gen kön­nen. Das ist nett, denn diese Dat­en machen das Erstellen von Per­so­n­en­pro­filen viel ein­fach­er.

Eigentlich wäre das zum Kotzen, aber zum Glück gibt es Musik. Musik macht vieles viel bess­er.

Ves­pero — The Course of Abagaz (Live 15.05.2015, STD ‚Astrakhan, Rus­sia)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zum parteilichen Engagement anlässlich der Paraden zum “CSD” in Berlin

Die diesjähri­gen Paraden zum “Christo­pher Street Day” in Berlin, tra­di­tionell Aus­drucks­form von sex­ueller und damit max­i­mal per­sön­lich­er Frei­heit, wur­den flankiert von der wie gewohnt lang­weili­gen Berlin­er SPD und der örtlichen “Linken”, die sogle­ich befand, man sollte irgen­deine Liebe “gle­ich­stellen”, sowie Vertretern des ethisch abtrün­ni­gen Berlin­er Lan­desver­ban­des der Piraten­partei, der sich davon überzeugt gab, die sex­uelle Aus­rich­tung ihrer “Dop­pel­spitze” — allein das Wort schon — sei ein Wahlanreiz für irgendwen außer ihm selb­st, wom­it parteiüber­greifend der Wun­sch nach Poli­tisierung der Liebe festzustellen ist, als han­dele es sich bei der Tiefe der Zunei­gung zu einem oder beliebig vie­len Men­schen oder Gegen­stän­den um ein The­ma, das sich in einem Satz mit Bun­deswehrein­sätzen, Rentenkassen oder Importbeschränkun­gen seman­tisch wohl fühlte, denn was ger­ade in jedem dieser unsäglichen Wahl­jahre gern mis­sachtet wird, ist, dass nicht jed­er Lebens­bere­ich ein­er ist, in dem ein stark­er Staat etwas zu suchen hat, und jede Partei, die sich zwecks bloßer Wer­bung für den Fluss von mehr bun­des­ge­förderten Wahlkampfmit­tel (d.h. Kohle) in die eigene Kasse dazu her­ablässt, die Entschei­dung darüber, wer (“alle”) mit wem (“allen”) eine Beziehung führen darf, zu ein­er poli­tis­chen und damit auch eige­nen zu erk­lären, sollte jede einzige Stimme der­er, um die sie so laut­stark wer­ben, moralisch auf Jahre hin­weg ver­spielt haben und nie wieder auch nur in der finanziellen Lage sein kön­nen, sich noch ein­mal mit lautem Getöse zum Entschei­der über sex­uelle Frei­heit zu erk­lären.

In den NachrichtenWirtschaft
Das auch mit Spielgeld nicht gelöste Problem: Ein Nachtrag.

In meinem Exkurs über den Bit­coin- und Ethereumwahnsinn habe ich verse­hentlich einen Teilaspekt zu beleucht­en vergessen, der etwa zur gle­ichen Zeit wieder tage­sak­tuell wurde. Mir sei ges­tat­tet, dies an dieser Stelle nachzu­holen.

Eine wichtige Schwäche der vorhan­de­nen Zahlungsmit­tel näm­lich, da gebe ich den Ideen­hab­ern der “Kryp­towährun­gen”, wenn auch ungern, Recht, ist die zen­tral­is­tis­che Struk­tur der damit ver­bun­de­nen Kon­ten, was bedeutet, dass es als übliche Kon­stel­la­tion gilt, dass das Schick­sal des irgend­wo gelagerten Geldes in den Hän­den ein­er einzi­gen Per­son oder wenig­stens Insti­tu­tion liegt, der damit zumin­d­est — von ein­schlägi­gen Geset­zen abge­se­hen, möglichen Übeltätern näm­lich sind Geset­ze oft nicht unbe­d­ingt die wichtig­sten Regel­w­erke — die Möglichkeit gelassen wird, besagtes Geld an sich zu nehmen oder den Geld­trans­fer Einzel­ner zu unterbinden. Dies wäre mit ein­er verteil­ten Bezahlin­fra­struk­tur lös­bar, wird aber aus­gerech­net von “Kryp­towährun­gen” beibehal­ten: Klaut mir jemand die virtuelle Geld­börse, kommt kün­ftig ihm sämtlich­er Geld­fluss in diese virtuelle Geld­börse zugute. Ohne eine Kon­trol­linstanz, die mir diese virtuelle Geld­börse nach wie auch immer geart­eter Autorisierung wieder zurück­geben kann, kön­nte ich sehr schnell sehr große wenig­stens finanzielle Prob­leme bekom­men.

Die De-fac­to-Alter­na­tiv­en zu Bargeld oder Schuld­scheinen in Form ein­er Kred­itkarte sind zumin­d­est im Web derzeit die frühere eBay-Tochter Pay­Pal, die dafür bekan­nt gewor­den ist, ihren Kun­den das Ersparte wegzunehmen, weil ihren Entschei­dern nicht gefällt, was die Kun­den damit tun, und Patre­on, eine Art Ver­mit­tlungs­di­enst zwis­chen Kün­stlern und Kun­st­fre­un­den. Dass die medi­ale Diskus­sion über die Geschäft­sprak­tiken solch­er Dien­ste stark von poli­tis­chen Vor­lieben statt von objek­tiv­er Ethik geprägt ist, dass die fak­tis­che Enteig­nung von Wik­ileaks durch Pay­Pal und Ama­zon also empörte Reak­tio­nen her­vor­rief, die dieswöchige fak­tis­che Enteig­nung ein­er YouTu­berin aus vorgeschobe­nen Grün­den durch Patre­on jedoch Schaden­freude, ist unan­genehm men­schlich, lenkt aber auch von dem ver­mut­lich einzig bedeut­samen Fakt ab: Das Inter­net braucht heute nötiger als bis­lang ein nicht an jew­eils einen einzi­gen Anbi­eter gebun­denes Pro­tokoll zur Über­tra­gung von geset­zlichen Zahlungsmit­teln.

Sich­er ist, dass eine Erweiterung des Zahlungsmit­tel­be­griffs um irgendwelche “Coins” dieses Bedürf­nis nicht stillt.

PolitikIn den Nachrichten
“Stasi 2.0” (Alternativfassung)

Oder eben auch so:

Ein gemein­sames Abhörzen­trum soll die Sicher­heits­be­hör­den in Ost­deutsch­land effizien­ter machen. (…) Es gehe nicht darum, den “recht­streuen Bürg­er auszuschnüf­feln”, ver­sucht Sach­sens Innen­min­is­ter Ulbig zu beruhi­gen. (…) Das Abhörzen­trum – offiziell Min­is­teri­um für Staatssicher­heit (Stasi) Gemein­sames Kom­pe­tenz- und Dien­stleis­tungszen­trum (GKDZ) genan­nt – soll Ende 2019 in Leipzig in Betrieb gehen. Darin soll die polizeiliche Kom­mu­nika­tion­süberwachung der fünf Län­der gebün­delt wer­den.

Nie­mand hat die Absicht, den Begriff der Recht­streue beson­ders weit auszule­gen.

Was Hei­del­bergCe­ment wohl ger­ade macht?

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der weni­gen unbeschränkt gülti­gen Börsen­weisheit­en lautet unge­fähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht ver­lieren möcht­est. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investi­tion keinen greif­baren Gegen­wert besitzt.

Bezo­gen auf den greif­baren Gegen­wert dessen, was ver­sierte Schwafler als “Fiat­geld” beze­ich­nen und was gewöhn­lichen Men­schen schlicht als Geld bekan­nt ist, beste­ht zweifel­sohne kein beson­ders großer Diskus­sions­be­darf: Über gedruck­tes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edel­met­allen gedeckt, beste­ht inzwis­chen seit Jahrhun­derten ein gesellschaftlich­er Kon­sens, der unge­fähr abse­hbar macht, gegen welche Waren man es in vie­len Geschäften ein­tauschen kann. Es han­delt sich somit eigentlich nur um staatlich akzep­tierte Äquiv­a­lente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umset­zung dieses Konzeptes mit steigen­der Infla­tion, sink­enden Zin­sen und psy­chol­o­gisch wirk­en­dem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Kom­ma klein­er ist, bis­lang min­destens etwas unglück­lich ver­laufen ist, halte ich auch ohne selb­st vorgenommene vorherige sta­tis­tis­che Erhe­bung für einen Kon­sens der meis­ten Men­schen, die in der wirtschaftlichen Nahrungs­kette nicht ganz hin­ten ste­hen.

Um zumin­d­est einen Teil dieser konzep­tionellen Her­aus­forderun­gen zu umge­hen, wurde zwis­chen 2008 und 2009 die dezen­trale Währung “Bit­coin” ins Leben gerufen. Bei Bit­coins han­delt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spiel­geld ähn­lich dem in “Monop­oly” ver­wen­detes, dessen real­er Gegen­wert in den zur Erzeu­gung nöti­gen Stromkosten, die auf­grund der Art der “Berech­nung” neuer Bit­coins fortwährend steigen, beste­ht; man ver­schwen­det also elek­trische Energie, um gehashte Hexa­dez­i­mal­w­erte in eine immer größer wer­dende verteilte Daten­bank (“Blockchain”) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Men­schen ent­ge­gen der all­ge­meinen Annahme real­er Besitz wirk­lich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexa­dez­i­mal­w­erte ein­er Bit­coin-Tauschbörse oder einem Mit­men­schen verkauft, heute deut­lich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön ein­fach umzuset­zen und zu mod­i­fizieren ist, gibt es mit­tler­weile über 800 miteinan­der konkur­ri­erende, teil­weise voneinan­der abstam­mende “Blockchains” beziehungsweise darin gespe­icherte Arten von Hash­w­erten (“Kryp­towährun­gen”), von denen einige nach Großin­vesti­tion durch Banken und/oder EDV-Konz­erne einen höheren Euro­preis erzie­len kön­nen als andere. Der nen­nenswerte Unter­schied zwis­chen Aktionären und Kryp­toin­ve­storen beste­ht also darin, dass Kryp­toin­ve­storen nichts zum Gelin­gen der realen Wirtschaft beitra­gen, son­dern ihr Geld aus dem Fen­ster wer­fen und hof­fen, dass unten jemand ste­ht, der das Geld frei­willig ver­dop­pelt und wieder zurück­wirft, statt ein­fach damit wegzuren­nen, was manch­mal funk­tion­iert und meis­tens eben nicht. Die eigene Samm­lung an Hash­w­erten wird in der Regel in so genan­nten wal­lets abgelegt, was Englisch ist und “Porte­mon­naie” bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herum­liegende Datei ist. Es gibt bekan­ntlich kaum einen besseren Ablage­platz für “Geld” als eine lokal herum­liegende Datei.

Um das Zurück­w­er­fen des aus dem Fen­ster gewor­fe­nen Geldes schmack­hafter zu machen, gibt es mit “ICOs”, “Ini­tial Coin Offer­ings”, eine “Blockchain”-Alternative zur Erstze­ich­nung an ein­er Börse: Jemand würde gern eine neue “Blockchain”, eine Tausch­plat­tform für Hash­w­erte, eine neue Hash­w­er­tart oder son­sti­gen virtuellen Krem­pel pro­gram­mieren und sam­melt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hash­w­erte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momen­tan zweit­platzierten Hash­währung, ver­langt) ein. Die Gegen­leis­tung beste­ht nach Ablauf der Erstze­ich­nungs­frist dann meist in Anteilss­cheinen in Form von oft wiederum neuar­tig gehasht­en Hexa­dez­i­mal­w­erten zum Vorzugspreis, die dann vielle­icht im Wert steigen und vielle­icht auch nicht, was, abhängig von der erfol­gten Ver­wen­dung des ein­genomme­nen echt­en Geldes, dann ein riesiger Ver­lust ist oder vielle­icht auch nicht. Scheit­erte etwa ein “ICO”, dessen Einkün­fte in die Förderung ein­er Pan­dapop­u­la­tion fließen soll­ten, so wäre dies sicher­lich bedrück­ender als das Scheit­ern manch ander­er Geschäfte. Dass die “ICO”-Idee aus wirtschaftlich­er Sicht, berück­sichtigt man die andauernde Hyper­in­fla­tion und ‑defla­tion der Wech­selkurse zwis­chen den Hash­w­erten (allein Bit­coins gewin­nen oder ver­lieren am Tag mitunter dreis­tel­lige Dol­lar­be­träge pro “Stück”), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekan­ntlich noch fast nie­man­den an irgen­det­was gehin­dert: Allein im Ankündi­gungs­fo­rum des virtuellen Szen­e­tr­e­ffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen “Smart Con­tract”, was das gegen­wär­tige Lieblingsquatschwort der Krypte­ria ist und unge­fähr bedeutet, dass die Hash­w­erte, die man irgend­wo hin­schickt, beim Gegenüber weniger wahrschein­lich nicht ankom­men als üblich, einen Schnaps frei wählbar­er Menge zu trinken, bin­nen erschreck­end kurz­er Zeit ein tödlich­es Ende.

Über­raschen­der­weise ist die dezen­trale Schöp­fung von gegen­wert­los­er Han­del­sware über ein nicht nur von wohlwol­len­den Asketen genutztes Netz aus mod­i­fizier­baren Maschi­nen gar nicht mal aus Sicher­heits­grün­den eine über­ra­gend gute Idee. Ein Währungssys­tem mit men­schlich­er Beteili­gung kann und wird früher oder später an der fehlen­den Per­fek­tion des Men­schen zugrunde gehen; und die Unper­fek­testen sitzen meist am lan­gen Hebel.

Eine der beliebteren wal­let-Umset­zun­gen für Ethereum-Hash­w­erte trägt den Namen “Par­i­ty” und läuft dort, wo reale Werte am schlecht­esten aufge­hoben wären, näm­lich inner­halb der meis­tange­grif­f­e­nen Kom­po­nente von Desk­top­com­put­ern, d.h. im Web­brows­er. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurech­nungs­fähigkeit der Mit­glieder der um “Par­i­ty” herum ent­stande­nen Gemein­schaft, ver­fügt es oben­drein um eine Funk­tion namens “Mul­ti-Sig-Wal­lets”, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch span­nen­der macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle “Porte­mon­naie” zugreifen kön­nen. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekan­nte haben eine inzwis­chen geschlossene Sicher­heit­slücke im Ethereum-Client des Unternehmens Par­i­ty genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Kon­to zu über­weisen. Beim aktuellen Kurs der Kryp­towährung sind das umgerech­net etwa 30 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Der Dieb­stahl und die Lücke wur­den sofort ent­deckt. Daraufhin tat sich spon­tan eine Gruppe namens White Hat Group zusam­men und nutzte die gle­iche Schwach­stelle, um weit­ere 377.116 Ether aus noch nicht geplün­derten Kon­ten zu sich­ern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine “Kryp­towährung” viel bess­er als anderes Geld, denn wenn irgend­je­mand an mein reg­uläres Porte­mon­naie her­ankommt, um etwas her­auszunehmen, wird sich keine Gruppe zusam­men­find­en, die den Rest des Geldes in meinem Porte­mon­naie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gle­ich­falls Diebe und nicht Sicher­er. — Zum Glück gibt es mit “ICOs” eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesam­melten Hash­w­erte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Porte­mon­naie dabei? Das endet dann manch­mal aber statt mit ein­er Pleite des Pro­jek­ts auch so:

Unbekan­nte Angreifer hack­ten die Web­site des Pro­jek­ts Coin­dash und änderten dort die Kryp­to­geld-Adresse, an die Inve­storen bei einem Crowd­fund­ing Geld schick­en soll­ten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Mil­lio­nen-Coup.

(Bei­de Mel­dun­gen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fen­ster­bank legt, der sollte eben bess­er nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jew­eils betrof­fene “Währung” Ethereum trotz­dem weit­er im Wert steigt, spricht zumin­d­est nicht für ein Prob­lem­be­wusst­sein der Anleger, denn nach wie vor sind Web­brows­er nicht vom Han­del mit Kryp­togedöns aus­geschlossen. Wer­fen wir ein­fach mehr Geld drauf. Dass das Draufw­er­fen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zer­stört als repari­ert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwach­er Trost: Möglicher­weise wird sich in weni­gen Wochen die auf großes Wach­s­tum nicht vor­bere­it­ete Prob­le­mur­sache Bit­coin zweit­eilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 — wenn auch, hihi, aus Sicher­heits­grün­den — passiert ist. Wenn das ein­tritt, wer­den diejeni­gen, die jet­zt noch viel Zeit damit ver­schwen­den, ihren Mit­men­schen unge­fragt von ihrem Reich­tum und/oder ihrem guten Riech­er zu erzählen, was eine Art Neben­wirkung von Bit­coinbe­sitz zu sein scheint, möglicher­weise vorüberge­hend ein wenig leis­er sein. Das wird schön.

Erin­nert sich noch jemand an “Sec­ond Life”?

(Offen­le­gung: Ich habe gele­gentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medi­al bewor­be­nen Spiel­währun­gen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arro­gan­ten reichen Schnösel wer­den zu lassen. Das stört mich aus vor­ge­nan­nten Grün­den jedoch nicht im Ger­ing­sten.)

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik CV: Protestnazis im Wandel der “ZEIT”

Dass das medi­ale Bild von Kri­tik an staatlich­er Zen­sur dig­i­taler Medi­en sich seit den noch einiger­maßen wohlwol­len­den Bericht­en über die “Zensursula”-Demonstrationen verän­dert hat, bedarf ver­mut­lich kein­er weit­eren Belege. Seit der Flüchtlingssache — ob nun damit begrün­det oder nicht — ist den Medi­en jed­er Vorstoß der richti­gen poli­tis­chen Seite gegen das Böse ein guter, denn als weltof­fenes Land sollte man es mit der Tol­er­anz nicht zu weit treiben.

Lei­der gibt es hier­für ein aktuelles Beispiel.

‘Medi­enkri­tik CV: Protest­nazis im Wan­del der “ZEIT”’ weit­er­lesen »

In den NachrichtenPolitik
Knallkopf Neitzels ethisches Töten

Auf “SPIEGEL ONLINE” darf heute — die nicht wirk­same “Pay­wall” bitte per Script umge­hen — der “Mil­itärhis­torik­er” Sönke Neitzel Fol­gen­des zu ein­er friedlicheren Gesellschaft beitra­gen:

Wir sind eine aufgek­lärte Gesellschaft, in der Bun­deswehr dienen fast aus­nahm­s­los aufgek­lärte Bürg­er. (…) Reden Sie mal mit Panz­er­grenadieren oder Fallschir­mjägern. Die laufen nicht mit Schaumgum­mibällen durch die Gegend, die sollen kämpfen und töten kön­nen, und zwar weil die Bun­desre­pub­lik das von ihnen ver­langt. Im Gegen­zug muss ich akzep­tieren, dass diese Leute, alles Frei­willige, über ein bes­timmtes Ethos ver­fü­gen. Die sagen nicht: Es ist schreck­lich, dass ich Scharf­schütze bin. (…) Diesen Leuten kann ich doch nicht lauter nicht kämpfende Vor­bilder anbi­eten.

Schlimm wäre das, wenn die aufgek­lärten — wenig­stens hat er nicht “zivil­isierten” gesagt — und ethisch zum Kämpfen und Töten verpflichteten Bürg­er in der Bun­deswehr nur noch Vor­bilder haben dür­fen, die noch nie irgendwen gemeuchelt haben. Mit Weicheiern gewin­nt man keinen Krieg!

Im Übri­gen bin ich der Mei­n­ung, dass die Bun­deswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Goldray — Rising // Doctress Who // Ramelows Präzision

Bitte zurück ins Nest bringen.Es ist Mon­tag. Pünk­tlich zum Woch­enen­dende hat sich auch der Kopf­schmerz wieder beruhigt, auf dass man fro­hen Mutes zur immer­hin bezahlten Tat schre­it­en kann. Pand­abär in Berlin müsste man sein, dann bekäme man jet­zt Eis mit Gemüse, aber stattdessen ist man weit von Berlin ent­fer­nt und denkt als bloßer Men­sch über Pan­das nach. So kann es gehen.

Und die Nachricht­en so? Der seit 54 Jahren männliche Titel­held aus “Doc­tor Who” ist ab Ende dieses Jahres eine Fem­i­nistin, was der Serie, die in jün­ger­er Zeit neben dem erst­mals weib­lichen Antag­o­nis­ten mit “Bill” auch eine Neben­darstel­lerin (“Com­pan­ion”) bekom­men hat, deren wesentliche Eigen­schaft es war, eine les­bis­che Fem­i­nistin zu sein, zwar eine gewisse Kon­ti­nu­ität ver­lei­ht, mich hinge­gen skep­tisch min­destens eine Augen­braue heben lässt, denn, wen­ngle­ich die schaus­pielerische Leis­tung eines “Doc­tors” bis­lang keineswegs geschlechts­be­zo­gen zu beurteilen war, die Serien­mach­er scheinen in let­zter Zeit das drin­gende Bedürf­nis zu haben, dem ver­dammten Patri­ar­chat über­ra­gend selb­st­sichere Frauen­fig­uren ent­ge­gen­zustellen, die außer dem Frau­sein nichts wirk­lich gut kön­nen. Haben die “Ghost­busters” ver­passt?

Der aufge­bran­dete Jubel auf Twit­ter, endlich dürfe eine Frau mal einen sowieso unsterblichen Helden mit ein­er lan­gen Ver­gan­gen­heit und voraus­sichtlich Zukun­ft verkör­pern, was unab­hängig von der charak­ter­lichen Entwick­lung schon deshalb gut sei, weil sie kein Mann sei, ist jeden­falls ein schlecht­es Zeichen, belegt er doch, dass viele der Zuschauer eine Fernsehserie nicht als Unter­hal­tung, son­dern als poli­tis­ches Mit­tel zur Machtver­schiebung begreifen, als habe irgen­deine Weltan­schau­ung plöt­zlich gewon­nen, nur, weil in ein­er Serie, in der das allerd­ings schon mehrfach passiert ist, eine Fig­ur das Geschlecht wech­selt. Dem Patri­ar­chat dürfte das jeden­falls einiger­maßen egal sein und den verbliebe­nen nicht ret­tungs­los bescheuerten Zuschauern bleibt zu hof­fen, dass es endlich mal wieder eine Neube­set­zung in “Doc­tor Who” gibt, die der Serie inhaltliche Tiefe zurück­gibt. Apro­pos: In Berlin-Licht­en­berg ist der antipa­tri­ar­chalis­che Vorstoß der örtlichen “Grü­nen”, poten­ziellen Red­nern im Bezirkspar­la­ment nach Geschlecht statt Inhalt das Wort zu erteilen, nun vor­erst gescheit­ert. Wie viel wäre auf dieser Welt gewon­nen, achtete man nur mehr auf die Qual­ität des Erbracht­en statt auf das Geschlecht des Erbringers!

Während die ehe­mals qual­itäts­fokussierte Piraten­partei in Kon­stanz, München und Leipzig anlässlich der jew­eili­gen Christo­pher-Street-Day-Parade um net­zpoli­tisch eben­so desin­ter­essierte Unter­stützer für die kom­mende Bun­destagswahl warb, gin­gen unbe­merkt zwei Nachricht­en von let­zter Woche fast ver­loren: Die CIA hackt völ­lig über­raschend auch Lin­ux, was ich hier nur ver­linke, weil das Didi immer so schön her­aus­fordert; schlim­mer jedoch: es wurde die Nach­fol­gerin von Gün­ther Oet­tinger, also die neue EU-Dig­italkom­mis­sarin, verei­digt, die gern “schär­fere Regeln gegen Has­säußerun­gen und Falschmel­dun­gen” (“heise online”) durch­set­zen lassen würde. In ein­er gesun­den Gesellschaft würde sich zahlre­ich­er Wider­stand formieren, aber es ist Wahlkampf, da macht man nichts mit Poli­tik.

Der thüringis­che Min­is­ter­präsi­dent Bodo Ramelow (“Linke”), der auch nichts mit Poli­tik macht, hat gestern vorgeschla­gen, man möge, um den Erfolg von lan­desan­säs­si­gen “Recht­srock­konz­erten” (als seien Schlager leichter zu ertra­gen) einzudäm­men, das Ver­samm­lungsrecht, für Ost­deutsche bekan­ntlich keine Selb­stver­ständlichkeit, doch bitte “präzisieren”; mit anderen Worten: Zu viele Dinge gehen derzeit als “Ver­samm­lung” durch. Unklar bleibt, welche Art von Konz­erten kün­ftig noch als legit­ime Ver­samm­lung gel­ten darf. Hof­fentlich nichts mit Phil Collins!

Här nix Ton, nix Musik.

Gol­dray — Ris­ing — [Offi­cial Video]

Guten Mor­gen.