NetzfundstückeMontagsmusik
Slowdive — Sugar for the Pill

Man kann nicht genug Käuzchen haben.Es ist Mon­tag. Noch alle Tassen im Schrank zu haben klingt wie eine Dro­hung, kein Buch im Haus zu haben wie Ungemach. Ist dies das echte Leben oder ist das Kun­st? Com­put­er­spiele sind Kul­turgut, kom­men gegen Pand­abären aber trotz­dem nicht an.

Tüdeldü, die Nachricht­en: Die Welt ist ver­rückt gewor­den. Wer braucht fliegende Autos, wenn er stattdessen auch Per­so­n­en über das Inter­net elek­troku­tieren kann? Die Visionäre von einst stellen gle­ich­falls ungern fest, dass das Netz über­ran­nt wird von Trot­teln, Dep­pen, bär­ti­gen Hip­stern. Schön und gut, dass Sie Krebs geheilt haben, aber ohne Ver­hal­tenskodex bleiben Sie draußen!

Der stel­lvertre­tende recht­spoli­tis­che Sprech­er der “Union” find­et der­weil, die War­nun­gen George Orwells vor einem allse­hen­den Überwachungsstaat ängstigten nur die Richti­gen. Genau so habe ich mir Recht­spoli­tik — also die rechte Poli­tik von CDU/CSU — immer vorgestellt.

Musik ist heute völ­lig über­zo­gen, völ­lig über­reizt.

Slow­dive — Sug­ar for the Pill (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

PolitikNetzfundstücke
Rheumapolitik

Es stellt sich her­aus, dass in die Rentenkasse vor allem von den­jeni­gen hineinge­grif­f­en wird, die, wären sie nicht in der Poli­tik, selb­st etwas davon hät­ten:

Das Durch­schnittsalter der Wahlberechtigten liegt bei knapp 53 Jahren. Das Durch­schnittsalter der Mit­glieder von SPD und CDU liegt noch darüber, näm­lich bei 60. (…) Die Parteien sind daher nicht die treibende Kraft der Gesellschaft, son­dern ihr Brem­sklotz. Lei­den­schaftliche (enthu­si­astis­che oder gar mitreißende) Auseinan­der­set­zun­gen darf man von ihnen nicht erwarten.

Vielle­icht ist diese Zwangsver­ren­tung ab einem bes­timmten Alter in bes­timmten Berufen doch gar keine so schlechte Idee.

(via Schw­erdt­fe­gr)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zum “linksunten”-Verbot

Während man auf “SPIEGEL ONLINE” lesen kann, dass es offen­bar “link­sex­treme Inter­net­seit­en” gibt, die also nachts ver­mut­lich heim­lich Stein­dateien auf Nazis­erv­er schmeißen, schwelt in den sozialen Net­zw­erken unter bedauer­lich­er Aus­blendung der Frage, ob die unbe­d­ingte Frei­heit des Inter­nets nicht vielle­icht auch irgend­was mit der unbe­d­ingten Frei­heit, Blödsinn in es hineinzuschreiben, zu tun hat, die Diskus­sion darüber, warum der Staat in seinem tra­di­tionellen linken Hal­b­jahr vor ein­er Wahl jet­zt zur Abwech­slung mal etwas gegen Link­sex­trem­is­mus tue, denn so sei der Wun­sch nach der Löschung von Hass im Netz doch bitteschön nicht gemeint gewe­sen; und warum denn so Nazi­seit­en immer noch online seien, obwohl jene doch viel schlim­mer seien, denn “linksun­ten” habe ja nicht nur zur Gewalt angeleit­et und aufgerufen, son­dern auch etwas zur Aufk­lärung von NSU- und ähn­lichen Fällen beige­tra­gen, als würde das jede Begeis­terung für die Gefährdung eines unbeschade­ten Lebens von Zivilis­ten und Polizis­ten inva­li­dieren und als set­ze unter anderem die Störung des zivilen Bah­n­verkehrs in Deutsch­land ein merk­lich­es Zeichen gegen das Unrecht im Nahen Osten, was jeden­falls mir nicht wesentlich schmerzärmer auf­stößt als die Wieder­hol­ung der so alten wie dum­men Geschichte, die Regierung des Drit­ten Reichs habe immer­hin auch Arbeit­slosigkeit ab- und Infra­struk­tur aufge­baut, so schlimm könne sie also gar nicht gewe­sen sein.

PersönlichesPiratenpartei
Warum Basisdemokratie kein Blankoscheck sein darf

Davon, dass die zeitliche Nähe zwis­chen dem Nieder­gang der Hack­erkul­tur und dem gesellschaftlichen Auf­stieg von Leuten, deren wesentlich­es Inter­esse der Neude­f­i­n­i­tion ihres Geschlechts gilt, war hier bere­its 2016 die Rede, ich stellte hier­für einen Zusam­men­hang zwis­chen dem Chaos Com­put­er Club und der Piraten­partei her, wobei ich ins­beson­dere die Fol­gen für ersteren Vere­in the­ma­tisierte. Aus aktuellem Anlass möchte ich heute ein­mal die andere Seite ger­ingfügig genauer beleucht­en.

Es gibt näm­lich gute Gründe, dass es mehrere Parteien gibt, und diese liegen nicht nur darin, dass die Exis­tenz nur ein­er Partei dem jeden­falls papier­nen Anspruch der Repräsen­ta­tion des ganzen het­ero­ge­nen Volks zuwider­liefe, weswe­gen im Übri­gen auch eine prozen­tuale “Hürde” für den Ein­stieg in irgen­dein Par­la­ment mein­er Auf­fas­sung von Volksvertre­tung nicht entspricht. Es gibt, bewusst grif­fig verkürzt, mit den “Grü­nen” eine Ökopartei, es gibt mit der SPD eine ehe­ma­lige Arbeit­er­partei, es gibt eine BGE-Partei dieses Namens, es gibt eine erschreck­end apoli­tis­che “Partei” namens PARTEI, es gibt mit der “Union” sog­ar zwei Parteien für den poli­tisch apathis­chen Durch­schnitts­bürg­er; es gibt außer­dem eine Partei, die sich für net­zpoli­tis­che Belange einzuset­zen pflegte, und ihr Name ist Piraten­partei.

Die Piraten­partei, aufge­baut in und dank der Annahme, jed­er Beitrag sei eine große Hil­fe bei der Umset­zung der poli­tis­chen Pläne, was später als “Basis­demokratie” zusam­menge­fasst wurde, kämpfte überzeu­gend dafür, dass die Belange der­er, die 2017 kollek­tiv belei­di­gend als “die Net­zge­meinde” beze­ich­net wer­den, als sei das Netz eine abwe­ich­ler­freie Sek­te und kein Kom­mu­nika­tion­s­medi­um, eine größere Rolle in der Bun­de­spoli­tik spie­len soll­ten. Bedauer­licher­weise wurde die Bere­itschaft, keinen am The­ma Inter­essierten abzuweisen, bald dergestalt fehlin­ter­pretiert, dass davon aus­ge­gan­gen wurde, dass jede noch so bescheuerte Idee, der in anderen Parteien nicht genug zuge­hört wurde, bei der Piraten­partei gut aufge­hoben sei, von Kernkraftkri­tik über Radikalfem­i­nis­mus bis hin zum leis­tungslosen Gratis­geld (“BGE”).

Dass das klare und von allen anderen deutschen Parteien weit ent­fer­nte, somit ein­ma­lige Pro­fil der Partei, die sich für eine poli­tis­che Inte­gra­tion des Inter­nets in gesellschaftliche Fra­gen ein­set­zt, seit 2011 zuse­hends mehr ver­wässert wurde, ist Teil des Prob­lems, dessen Fol­gen sich in per­vers­er Geset­zge­bung und Ver­mehrung von Überwachungsmech­a­nis­men zeigen, und es gibt gute Gründe, daran den­jeni­gen eine per­sön­liche Schuld zu geben, die den Unter­schied zwis­chen der Hil­fe beim Auf­bau ein­er schlagkräfti­gen Parteiba­sis und der Möglichkeit, seine eigene Agen­da zu pub­lizieren, nicht ver­standen haben.

Ich erk­läre das Prob­lem ein­mal mit ein­er Analo­gie: Nehmen wir an, es gibt jeman­den, der zu Hause “kein Inter­net” hat und dessen Hob­bys Rüben­zucht und Tauben­jagd sind. Welche Partei ver­tritt seine per­sön­lichen Inter­essen am besten, in welch­er würde er sich willkom­men fühlen und gar mit sein­er Exper­tise diese Partei voran­brin­gen? In ein­er net­zpoli­tis­chen, ein­er wirtschaft­sori­en­tierten gar?

Eine Partei, man verzei­he mir den Zirkelschluss, heißt Partei, weil sie Partei für eine bes­timmte Gruppe (ihre Klien­tel, ihre Stammwäh­ler­schaft eben) ergreift, nicht aber zwangsläu­fig für jeden geisti­gen Tota­laus­fall, der ger­ade was sagen will. Offene Arme für jeden Fan­tas­ten haben schon ganz andere Pro­jek­te als bloß eine Partei zer­stört. Wenn jemand offen­sichtlich völ­lig andere poli­tis­che Vorstel­lun­gen als ich selb­st habe, dann nehme ich das zur Ken­nt­nis, weiß aber auch, dass ein Kon­sens nicht funk­tion­ieren kann, weshalb ich diesen Jemand auch nicht “einzu­binden” und “teil­haben” zu lassen ver­suche. Es ist ein gewaltiger Fehler, als Partei anzunehmen, dass jed­er Knal­lkopf Gehör find­en sollte, wofür Zeit geopfert wer­den müsste, die stattdessen auch in sin­nvollere Tätigkeit­en, zum Beispiel für den Kampf für anständi­ge Net­zpoli­tik, investiert wer­den kön­nte. Parteien sind keine Buchk­lubs.

Die Piraten­partei — Offen­le­gung: noch immer mit mein­er Mit­glied­schaft aus­ges­tat­tet — ist konzep­tionell eine net­zpoli­tis­che Partei, zusam­menge­set­zt zweifel­los aus Men­schen ver­schieden­ster Art. Dage­gen ist prinzip­iell nichts einzuwen­den. Wer jedoch zwar vor vielfälti­gen Ideen nur so über­schäumt, jedoch kein­er­lei Inter­esse an ein­er mod­er­nen Netz- oder wenig­stens Urhe­ber­recht­spoli­tik hat, der ist in ein­er poli­tis­chen, inner­parteilichen Diskus­sion mit mir per­sön­lich nicht willkom­men, weil er anders als diejeni­gen, die wenig­stens in den The­men, die der Piraten­partei über­haupt einen Grund zum Fortbe­stand ver­lei­hen, eine diskus­sion­swürdi­ge Mei­n­ung vertreten, lediglich ein Klotz am Bein wäre, denn er hat zur Umset­zung der Ziele, für die diese Partei über­haupt existiert, nichts beizu­tra­gen, was es wert wäre, gehört zu wer­den.

Eine Partei muss auch mal sagen: Leute, ihr seid uns hier echt im Weg.

(Zweitver­w­ertet aus ein­er Diskus­sion auf Twit­ter.)

In den NachrichtenComputer
Das Internet ist kaputt und kein Nazi ist daran schuld (Nachtrag).

Ein Gedanken­spiel: In naher Zukun­ft wird ein Recht­saußen mit der Absicht, einen von ihm ungeliebten, weil pro­vokan­ten linken Benutzer loszuw­er­den, eine Spendenkam­pagne eröff­nen, um das führende soziale Net­zw­erk — der Ein­fach­heit hal­ber nehmen wir an, es sei Face­book — zu kaufen. Befeuert von einem weltweit­en über­wiegend pos­i­tiv­en Medi­ene­cho wird das ein riesiger Erfolg: Bin­nen weniger Wochen ist das über­nommene Face­book nicht nur um einen, son­dern um viele Benutzer ärmer, denn wenn man schon mal einen Sper­rknopf gekauft hat, dann will man ihn auch nutzen. Sehr bald ist freie Rede nur noch eine schwäch­er wer­dende Erin­nerung in diesem Net­zw­erk, die verbleiben­den Benutzer akzep­tieren das aber, denn es war ja immer­hin auch ein Pro­vokant unter den Ent­fer­n­ten.

Will man das?

Will man das?

Die ehe­ma­lige CIA-Agentin Valerie Plame Wil­son hat eine Crow­fund­ing-Kam­pagne ges­tartet, um genü­gend Aktien des Unternehmens Twit­ter zu kaufen, und so Ein­fluss nehmen zu kön­nen. Ihr Ziel: Don­ald Trump zu ver­ban­nen.

Stille wird unter­schätzt.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Skinny Puppy — VIVIsectVI

Skinny Puppy - VIVIsectVIIch höre aber auch immer einen Scheiß.

Auf einem mein­er Streifzüge durch die Wikipedia wegen eines eigentlich ganz anderen The­mas — ich kann nie­man­dem empfehlen, die Wikipedia zu durch­streifen — stieß ich aus Verse­hen auf die kanadis­che Post-Indus­tri­al-Band Skin­ny Pup­py und bekam urplöt­zlich Lust, die Tauschbörse meines Ver­trauens nach ihr zu fra­gen. Das erst­beste Ergeb­nis war deren Album “VIVI­sectVI” (Amazon.de), was, ver­mut­lich, irgend­was mit “666” zu tun hat, von 1988, und es ist so grauen­haft, dass es mir schon wieder erschreck­end gut gefällt.

VX Gas Attack — Skin­ny Pup­py

Ton­band- und effek­t­lastige elek­tro­n­is­che Tanz­musik, von beteiligten Musik­ern selb­st als “Psy­che­del­ic Indus­tri­al” beze­ich­net, mit verz­er­rt vor­ge­tra­ge­nen Tex­ten über Naturschutz, Verge­wal­ti­gung und Chemiewaf­fen, als hät­ten Throb­bing Gris­tle verse­hentlich mal die falschen Dro­gen genom­men, bricht hier über den son­st jaz­zum­schme­ichel­ten Rezensen­ten here­in.

Was ist das und warum kann ich es nicht ein­fach weg­machen?

Human Dis­ease (S.K.U.M.M.) — Skin­ny Pup­py

All is a dis­ease. Die Texte, ange­blich via Bewusst­seinsstrom und somit eigentlich unab­sichtlich ent­standen, sind min­destens so ver­störend wie ihre Ver­pack­ung und vielle­icht ist das ein Teil der Anziehungskraft, die “VIVI­sectVI” ausübt. Man sollte ja stets den Hor­i­zont, den Teller­rand und so weit­er zu weit­en bere­it sein, bis nur noch ein großes Loch übrig bleibt. In so Serien kommt aus großen Löch­ern ja gern ein­mal aller­lei Ungemach.

Dreams amaze me, time escapes me (“Dogshit”).

Man wird ziem­lich blöd davon. Auch mal schön.

Montagsmusik
Katie Von Schleicher — Move Through

Eines Tages.Es ist Mon­tag. Laut ein­er Eilmel­dung, die wohl lei­der nicht noch ein paar Minuten warten kon­nte, muss jeden­falls Jer­ry Lewis das nicht mehr miter­leben, während man selb­st gern den Tag erleben würde, an dem nur noch das eine Eilmel­dung ist, was unverzüglich­es Han­deln erfordert. Sowieso im Verzug: Man selb­st. Mon­tags ist die Melan­cholie meist am lautesten.

Apro­pos Zweisamkeit — es gibt gute Nachricht­en für alle, die gefährdet sind, den Glauben an die Ver­nun­ft des Men­schen zurück­zubekom­men: Es gibt jet­zt Sexro­bot­er, die man so ein­stellen kann, dass sie über­haupt keinen Sex wollen, jubelt das Gen­der­por­tal “ze.tt”; so lebensecht waren die Dinger ver­mut­lich noch nie.

Weniger lebensecht: Google lässt jet­zt “kün­stliche Intel­li­genz” auf “Has­sver­brechen” (also unhöfliche Onlinekom­mu­nika­tion) los, denn Com­put­er sind bekan­ntlich unfehlbar. Das har­moniert prächtig mit der Forderung der Umweltwissenschaft­lerin Jen­nifer Jacquet, die in der “Süd­deutschen Zeitung” (möchte aus Leis­tungss­chutz­grün­den nicht ver­linkt wer­den) für das US-amerikanis­che Ver­ständ­nis von sozialer Gerechtigkeit, näm­lich die namentliche öffentliche Bloßstel­lung (“Pranger”) von Mis­setätern, wirbt, einge­bet­tet in ein “Gespräch” darüber, warum Don­ald Trump so ist, wie er zu sein scheint, lei­der jedoch ohne Ref­erenz darauf, dass seine bish­erige poli­tis­che Bilanz noch immer mehr ver­spricht als sein Vorgänger zu hal­ten ver­mochte. Die Bew­er­tung aus­ländis­ch­er Präsi­den­ten in aus­gerech­net deutschen Medi­en, ander­er­seits, ist des Man­tels des Schweigens schon immer würdig gewe­sen. Wie lächer­lich “der Typ” eigentlich sei, fragt Timur Ver­mes auf “SPIEGEL ONLINE” und lässt mich plöt­zlich genau die gle­iche Frage stellen. Zufälle gibt’s!

Ganz und gar nicht lächer­lich ist und bleibt: Musik.

Katie Von Schle­ich­er | Blue Room | Thrd­Coast

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 18. August 2017

Bei “Golem.de” fand man über­rascht her­aus: Ein inter­net­ges­teuert­er Garten funk­tion­iert nicht ohne eine Verbindung.


Die kanadis­che Ryer­son-Uni­ver­sität hat gegen freie Rede nichts einzuwen­den, aber bitte woan­ders.


Der ehe­ma­lige Waf­fen­ex­port­min­is­ter Sig­mar Gabriel find­et Waf­fen­ex­porte blöd, teilt sein Min­is­teri­um mit. Voraus­sichtlich wird sich seine Partei aus par­la­men­tarischen Grün­den jedoch auch kün­ftig anders entschei­den.


Lustig: Lea-Ver­e­na Mein­gast find­et in einem Artikel auf “ze.tt”, in dem sie das “Gen­der­sternchen” alle paar Sil­ben dazwis­chen­spuckt, der akademis­che Titel gehöre nicht auf ein Klin­gelschild, weil er Aus­län­der ver­wirre.


Die “c’t”-Redaktion “informiert”: Geräte physisch zu beschädi­gen nen­nt man “Hack­en”.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Polizei findet Terrorautos in Barcelona

Auf “ZEIT ONLINE” gibt Karsten Polke-Majew­s­ki — pri­ma Name eigentlich — anlässlich der kür­zlich erfol­gten Anschläge in Barcelona anderthalb gesicherte Fak­ten bekan­nt:

Ein (…) Liefer­wa­gen ist (…) in die Fußgänger­zone La Ram­bla in Barcelona gefahren und hat min­destens 13 Men­schen getötet. (…) Die Polizei soll zudem ein weit­eres Auto gefun­den haben, vielle­icht sollte es als Flucht­wa­gen dienen.

Erst fährt ein Liefer­wa­gen von ganz allein irgend­wo rein und dann ste­ht irgend­wo in Barcelona auch noch ein zweites Auto herum, das vielle­icht dem Liefer­wa­gen als Flucht­wa­gen dienen sollte und vielle­icht auch nicht. Die Auto­mo­bilin­dus­trie schreckt auch vor nichts mehr zurück.

(via @MarvinWendland1)

In den NachrichtenComputer
Das Internet ist kaputt und kein Nazi trägt daran die Schuld.

Waf­fen­nar­retei und Ein­wan­derungskri­tik, ließ dieser Tage das Essen­sportal Insta­gram seine Benutzer wis­sen, seien selb­stre­dend gern gese­hen, aber Fotos fet­ter Igel wür­den keineswegs geduldet und ihre Ver­bre­itung führe verse­hentlich zum sofor­ti­gen Auss­chluss des Verur­sach­ers.

Ob es insofern eine beson­ders gute Idee ist, Algo­rith­men statt Men­schen über richtig und falsch, über legal und ille­gal, über den Unter­schied zwis­chen Igelfo­tos und zum Beispiel Kinder­pornografie entschei­den zu lassen, ist eine Frage, die sich unkri­tisch tech­nikhörige, weil klick­hun­grige Massen­me­di­en bedauer­licher­weise viel zu sel­ten stellen, was nicht nur Unsinn wie Insta­gram bet­rifft, son­dern auch viel weit­er reichende Auswirkun­gen hat, was wir nicht erst seit den Gesetz gewor­de­nen Denk­fehlern von Heiko Maas wis­sen. Bis zur endgülti­gen moralis­chen Klärung dieses Prob­lems verbleiben immer­hin noch Men­schen an den Schalthe­beln, denen der Kon­sens, der so etwas wie eine weltweite Ver­net­zung über­haupt erst sin­nvoll machte, nicht ganz so wichtig ist wie ihr eigen­er moralis­ch­er Stand­punkt, weshalb sie ohne Not auch schon mal an den Grundpfeil­ern des Inter­nets rüt­teln, um das Böse angemessen zu besiegen.

“ZEIT ONLINE” (unisono mit anderen zeit­genös­sis­chen Pub­lika­tio­nen) berichtet heute etwa vom Kampf “des Inter­nets” gegen “die Nazis”:

Wer sich als Web­site­be­treiber von einem (…) Unternehmen benachteiligt fühlt, kann the­o­retisch ein­fach zu einem anderen gehen. Doch fak­tisch wer­den viele dieser acht Ebe­nen von sehr weni­gen, sehr mächti­gen Unternehmen kon­trol­liert. Wer ihre Dien­ste nicht nutzen kann, ist im Netz unsicht­bar, schw­er erre­ich­bar, angreif­bar, geschäft­sun­fähig.

Der Hin­ter­grund des Artikels ist, dass der ver­schlüs­selungskri­tis­che Net­z­di­en­st­be­treiber Cloud­flare, der noch 2015 so tat, als sei ihm wichtig, dass Domä­nensper­run­gen allen­falls auf judika­tives Urteil hin erfol­gen müssten, auf die Eskala­tion der US-amerikanis­chen Schar­mützel zwis­chen alter­na­tiv­en Recht­en und regres­siv­en Linken (irgend­was mit einem Auto) dergestalt reagierte, dass er die reißerische Web­site “Dai­ly Stormer” aus der öffentlichen Erre­ich­barkeit ent­fer­nte. Der­jenige, der diese Entschei­dung getrof­fen hat­te, näm­lich der Vor­standsvor­sitzende von Cloud­flare, vertei­digte sie zunächst mit der Begrün­dung, dass er die Autoren des “Dai­ly Stormer” für Arschlöch­er halte, veröf­fentlichte jedoch außer­dem einen dop­pelzüngi­gen Blog­a­r­tikel, in dem er zwar zugab, dass Cloud­flare hier einge­grif­f­en hat­te, um den Ver­dacht, das Unternehmen unter­stütze heim­lich Neon­azis, zu zer­streuen, es gle­ichzeit­ig aber bedauerte, dass Cloud­flare das über­haupt könne; als sei der Vor­wurf, dass ein für die Neu­tral­ität des Inter­nets nicht völ­lig unwichtiges Unternehmen sich nicht für die richtige poli­tis­che Seite entschei­det, ein Anlass, ebendiese Neu­tral­ität über den Haufen zu wer­fen.

Ob man nun die Mei­n­ungs­frei­heit weit genug auslegt, um ihre Ausübung auch “den Nazis” zuzugeste­hen, oder nicht, spielt bei der Bew­er­tung des bedeut­sam­sten Prob­lems in dieser Sache jeden­falls keine Rolle, das da näm­lich lautet: Je inten­siv­er “die Nazis” (oder wer auch immer die aktuell meistver­achtete Grup­pierung sein mag) weggelöscht wer­den, desto wahrschein­lich­er ist es, dass sie irgend­wann eine aus­re­ichend große Schlagkraft entwick­elt haben, um ihr eigenes unzen­siertes Gegen­netz aufzubauen; wom­it sie, “die Nazis”, let­ztlich gewon­nen hät­ten, denn dem gesund­kon­so­li­dierten Wohlfüh­lin­ter­net, in dem es Ein­hornkotze und Nutel­la reg­net, stünde ihr Abgrund ent­ge­gen, der sicher­lich seine Eck­en und Kan­ten haben dürfte, was den Human­is­mus bet­rifft, aber nichts­destotrotz frei wäre. Anders gesagt: Unternehmen wie Cloud­flare wer­den, wenn sich die Net­zpoli­tik in beste­hen­der Weise weit­er entwick­elt, die Schuld daran tra­gen, dass die Let­zten, die sich noch über ein freies Inter­net freuen dür­fen, irgend­wann “die Nazis” sein wer­den, während hierzu­lande in enger Zusam­me­nar­beit mit Übersee die SPD, der bescheuerte Axel-Springer-Ver­lag und GitHub ihr bedauer­licher­weise Bestes tun, um einen schon in der bloßen The­o­rie fatal­en Kom­pro­miss aus glob­aler Frei­heit und kle­ingärt­ner­ischem Ver­ständ­nis von Recht und Unrecht zu find­en und zu etablieren, not­falls mit juris­tis­ch­er Gewalt. Kann, wem jedes Mit­tel gegen das Böse Recht ist, noch der Gute sein?

Ins Dark­net kann man ja auch nicht mehr. Da sind jet­zt auch eure Eltern.

In den NachrichtenComputer
Empörend: Öffentliche Dateiablage dient der öffentlichen Dateiablage!

Applekun­den in New York sind erbost:

In New York miss­brauchen offen­bar Exhi­bi­tion­is­ten das Air­Drop-Fea­ture und schick­en wahl­los iPhone-Nutzern im Zug Penis-Fotos. (…) Um den mod­er­nen Exhi­bi­tion­is­ten zum Opfer zu fall­en, muss Air­Drop so eingestellt sein, dass man Dat­en von jedem Nutzer emp­fan­gen kann.

Früher war ein “Opfer” ja noch jemand, der einen tat­säch­lichen Schaden davon­trug, und nie­mand, dem Fremde in einen Ord­ner, den er absichtlich für die ganze Welt zum Schreiben freigegeben hat, irgendwelche Bild­dateien leg­en, aber früher hat­ten unsere Tele­fone auch noch Schnur und Scheibe.

In den NachrichtenMontagsmusik
North Sea Radio Orchestra — Vishnu Schist

Hellwach (Symbolbild)Es ist Mon­tag, ein Tag voller Ungemach. Pand­abären sind fan­tastisch, jedoch noch nicht aus­re­ichend ver­bre­it­et; ein Zus­tand, den zu ändern es gilt, so lange das Leben noch schwelt. Zunächst jedoch ist Müdigkeit Dom­i­nanz. In der Ferne ein Schweif.

Was in der Ferne, näm­lich an den USA, dem Staaten­bund mit den smarten Haustüren, völ­lig unver­ständlich ist, sind ja auch die Nachricht­en. Fox News zum Beispiel zeigt auf YouTube ein Video, auf dem zu sehen ist, dass ein Auto in eine Men­schen­menge fährt, was also offen­sichtlich nicht so schlimm ist — der Aus­ruf “Fuck!” hinge­gen, den ein Pas­sant angemessen­er­weise tätigt, wurde über­piept. Tote sind schade, aber Fluchen ist tabu!

Zur gestri­gen Feier des Jahrestags des Mauer­baus gab das Auswär­tige Amt auf Twit­ter bekan­nt, dass es froh sei, dass wir in der EU heute ohne Mauern auskä­men, und hat damit nicht ein­mal Unrecht, denn die Außen­gren­zen der EU beste­hen vor allem aus Wass­er und hohen Zäunen. So fortschrit­tlich war die DDR nicht.

Die “Frank­furter All­ge­meine Woche” titelte unlängst, keine Droge werde so sehr ver­harm­lost wie Cannabis. Während sich die fol­gen­den Disku­tan­ten weit­ge­hend darüber einig waren, dass die eigentlich furcht­barste ver­harm­loste Droge Alko­hol sei, saß ich total high mit der einzi­gen Droge herum, deren Glücks­ge­fühl schon ab der Geburt legal zu erzie­len ist: Musik.

North Sea Radio Orches­tra: Vish­nu Schist [Offi­cial Video]

Guten Mor­gen.