KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Hundredth — Rare

Zu den angenehmen Über­raschun­gen des Jahres 2017 zählt nun­mehr auch das neueste Stu­dioal­bum “Rare” des US-amerikanis­chen Shoegaze-Quar­tetts Hun­dredth (Amazon.de). Im Klangge­wand der 80-er Jahre ent­fal­tet sich eine erfreulich bre­it­wandi­ge musikalis­che Land­schaft, auf der das Gras nicht bloß grün, son­dern auch noch voller wild sitz­tanzen­der, viel­far­ben­er Kühe ist.

Das ist so natür­lich Quatsch, geschrieben im Über­schwang. Fest ste­ht aber, dass die mir bish­er unbekan­nten Hun­dredth, sich laut Inter­net mit “Rare” musikalisch neu erfind­end, das Kun­st­stück schaf­fen, grauen­hafte — ich höre tat­säch­lich Place­bo und die Pet Shop Boys her­aus — Ein­flüsse zu im pos­i­tiv­en Sinne bemerkenswert­er Musik zu kom­binieren.

Hun­dredth — Youth (Visu­al)

Das kann daran liegen, dass die dekadenüblichen Spielzeugkey­boards auf “Rare” keine nen­nenswerte Rolle spie­len, denn stattdessen gibt es mal aggres­sive, mal überzeugt hüpfende, oft mehrschichtige Gitar­ren­klänge zu kraft- und damit druck­vollem Rhyth­mus aus selb­st­sicherem Bass und erfreulich wenig zurück­hal­ten­dem Schlagzeug; post-hard­core nen­nt sich das in den ein­schlägi­gen Wer­be­tex­ten und post ist oft gut. Post-Punk und New Wave kreisen hier neugierig in immer engeren Kreisen umeinan­der, die Stim­mung ist eige­nar­tig; die Dichte fördert Melan­cholie, die Dar­bi­etung jedoch ani­miert ver­schiedene Kör­perteile des Kon­sumenten zur autarken Bewe­gung. Kann man bedrückt sitz­tanzen? Ich ver­suche es ein­fach mal.

Hun­dredth — Neu­rot­ic (Offi­cial Music Video)

“Rare” ist ein fra­g­los im dun­klen Jahrzehnt ver­wurzeltes Album, das trotz­dem mod­ern klingt und Spaß macht — wahrlich: so was ist sel­ten. Und deswe­gen ist es gut.

In den Nachrichten
Braunschweiger Neuland

Das Dig­i­tal­isierung­sun­ternehmen Deutsche Telekom macht sich um die Zukun­ft der Tele­fonzellen kaum Sor­gen, denn diese haben gegenüber diesen neu­modis­chen Mit­nah­me­tele­fo­nen einen wesentlichen Vorteil, wie die heutige “Braun­schweiger Zeitung” berichtet:

“Immer mehr Men­schen benutzen statt Tele­fonzellen ihr Handy. Ger­ade im ländlichen Bere­ich ver­lieren viele Tele­fonzellen deshalb an Bedeu­tung”, erk­lärt Telekom-Sprech­er McK­in­ney. Dabei kann so eine Tele­fonzelle mehr als gedacht: “Unsere Münzetele­fone (sic) akzep­tieren noch D‑Mark-Münzen.”

(via @freshmango)

NetzfundstückeMontagsmusik
Googles eingebildetes Frauenproblem (Nachtrag)

Auf den Aufregertext eines mit­tler­weile gefeuerten Google-Mitar­beit­ers über die Prob­leme der beste­hen­den Diver­sität­spoli­tik inner­halb Googles hat der Fem­i­nis­mus eine pri­ma Antwort gefun­den:

Hören Sie auf, “Wis­senschaft” mit Wahrheit gle­ichzuset­zen!

Wir haben immer­hin 2017 und irgendwelche Män­ner glauben immer noch an diesen Wis­senschaft­squark!

NetzfundstückeNerdkrams
Medienkritik CVII: t3ns sieben Tipps für eine schnellere Einordnung als schändlicher Spambot

E‑Mail-Sig­na­turen — ken­n­ta? -, in der Frühzeit der Kom­mu­nika­tion via E‑Mail ein dur­chaus prak­tis­ches Hil­f­s­mit­tel, um nicht jedes Mal händisch “Ruhe jet­zt! Her­zlichst, NAME” drun­ter­schreiben zu müssen, sind seit dem Aufkom­men von HTML-for­matierten E‑Mails durch irgendwelch­es redun­dantes Wer­bergeschmeiß eigentlich nur noch dafür da, den Spam­fil­ter zuver­läs­siger kon­fig­uri­eren zu kön­nen: Je bunter die Sig­natur, desto uner­wün­schter die E‑Mail.

Das hat sich wenig über­raschend freilich noch nicht bis zu “t3n” (Unter­ti­tel “dig­i­tal pio­neers”), deren Redak­tions-E-Mails ich ver­mut­lich auch lieber niemals erhal­ten möchte, herumge­sprochen, denn dort gibt Andreas Weck derzeit sieben Tipps für eine bessere E‑Mail-Sig­natur, bei deren Lesen man sich einiger­maßen unsich­er wird, ob die Sig­natur jet­zt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wieso Strich? — Eben!)

Also:

Wer eine smarte E‑Mail-Sig­natur anle­gen möchte, sollte diese sieben Tipps beacht­en.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr startet, wenn dem Smart­phone mal das Netz aus­ge­ht, oder ein sprachges­teuert­er Salzstreuer — kurz gesagt: so was möchte man nicht haben, wenn man keinen gewalti­gen Bir­nen­schaden hat.

Das ist Andreas Weck allerd­ings offen­sichtlich egal, denn er fährt, albern-jovial duzend, unbeir­rt mit den “sieben Tipps” fort:

1. Arbeite mit Far­ben

Denn es ist wichtig, dass das Auge beim ersten Erfassen der E‑Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drüber ver­schwen­det, son­dern von Anfang an den wichtig­sten Inhalt fokussiert, näm­lich die Reklame vom — zumeist — Arbeit­ge­ber des Absenders. Wäre ja blöd son­st!

2. Arbeite mit Bildern

(…) Am besten eignet sich beispiel­sweise eine weiße Wand, vor der sich die Per­son ablicht­en lässt.

Oder auch ein tanzen­der Jesus oder eine Nahauf­nahme ein­er Wasser­le­iche. Soll sich ja “visuell ein­bren­nen” (ebd.), die Sig­natur. — Dass anständi­ge Mail­pro­gramme (also nicht unbe­d­ingt so Browserkram) einge­bun­dene Bilder entwed­er direkt als Spam­merk­mal markieren oder die Bilder wenig­stens als Anhang statt als direkt einge­bun­denes Bild herun­ter­laden, so dass der Empfänger, falls er die E‑Mail über­haupt zu sehen bekommt, noch ein­mal zusät­zlich aktiv wer­den muss, nur um die lang­weilige Fresse eines Wer­bers, die er, falls er ger­ade mobil ist, auch noch kosten­in­ten­siv herun­ter­laden musste, sehen zu dür­fen, spricht prinzip­iell ja schon dage­gen, aber was weiß man bei “t3n” schon von anständi­gen Mail­pro­gram­men und/oder mobilen Net­zen?

3. Pri­or­isiere die Infor­ma­tio­nen

Es gilt immer, den begren­zten Platz nicht mit nut­zlosen Infor­ma­tio­nen zu ver­schwen­den.

Das ist prinzip­iell richtig und dieser Tipp hätte, wäre es nach mir gegan­gen, der einzige Tipp sein sollen, denn er sagt im Wesentlichen aus, dass E‑Mail-Sig­na­turen nicht der richtige Abla­geort für Werbescheiße sind; aber natür­lich musste Andreas Weck das präzisieren:

Die per­sön­liche E‑Mail-Adresse sollte beispiel­sweise schnell­stens aus der Sig­natur ver­schwinden, denn die braucht der E‑Mail-Empfänger nicht mehr.

Richtig, denn in einem E‑Mail-Head­er ste­hen pro­tokollbe­d­ingt alle wesentlichen Infor­ma­tio­nen zur Per­son, darunter die Absender­adresse (sofern nicht gefälscht), der Absender­name (sofern nicht gefälscht) und das Absende­da­tum. Alles Infor­ma­tio­nen, die nicht über­flüs­siger­weise nochmals sep­a­rat über­mit­telt wer­den müssten, damit mehr Platz für das Wesentliche (also hochau­flösende Fotos von Wirtschaft­spfeifen vor noch weißen Wän­den) bleibt.

Ander­er­seits:

4. Leite visuell durch die Infor­ma­tio­nen

(…) Der eigene Name kön­nte sich beispiel­sweise durch größere oder fette Buch­staben abset­zen.

Der eigene Name, der sowieso schon darüber oder daneben ste­ht, gehört rein, die Mailadresse aber nicht, weil sie sowieso schon darüber oder daneben ste­ht? Ja, wie denn nun?

Sin­nvoll ist beispiel­sweise auch, dass Texte neben ein­er der oben genan­nten Bild­dateien zu find­en sind. Das Bild wird das Augen­merk sofort auf sich lenken und die wichti­gen Infor­ma­tio­nen ste­hen direkt daneben.

Denn die wichti­gen Infor­ma­tio­nen in ein­er E‑Mail ste­hen, wie jed­er weiß, in der Sig­natur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nutze Call-to-Actions

(…) Ein CTA sollte sich ent­lang der aktuellen Ziele ori­en­tieren. Wollt ihr beispiel­sweise euren neuen Snapchat-Chan­nel pushen? Dann fügt einen Snap­code zum Abscan­nen ein.

Wenn ich mal von einem großen Inter­netkonz­ern gebeten wer­den sollte, ein neues E‑Mail-Pro­tokoll zu entwer­fen, werde ich als ersten Schritt einge­bun­dene Bilder als ungültig kennze­ich­nen. :motz:

6. Sag, wo Kun­den dich auch per­sön­lich tre­f­fen kön­nen

(…) Ein Satz wie „Ich werde vom 25. bis 26. Feb­ru­ar auf der Online-Mar­ket­ing-Rock­stars in Ham­burg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ kön­nte der Auf­mach­er für ein span­nen­des Gespräch sein.

Der Auf­mach­er für ein span­nen­des Gespräch mit einem poten­ziellen Kun­den oder Geschäftspart­ner gehört nach meinem Ver­ständ­nis ja in den ver­dammten E‑Mail-Text und nicht auf die Wer­be­fläche unten drunter, denn der Text ist in der Regel zumin­d­est wenig­stens teil­weise anlass­be­zo­gen und wird nicht ein­fach gedanken­los weit­er­ver­wen­det. Ich meine: Ich schließe nicht aus, dass Andreas Weck (“Online- und Print-Redak­teur”) sein Leben lang immer nur Sig­na­turen, aber noch keinen einzi­gen Mail­text geschrieben hat und nicht ein­mal etwas dafür kann, weil man bei “t3n” nur noch über Snapchat und nicht mehr über E‑Mail miteinan­der redet. Dann möchte ich diesen Ein­wand zurückziehen. In allen anderen Fällen gibt es für die Annahme, den Auf­mach­er für ein Gespräch platziere man am besten an ein­er Stelle, die der Empfänger mit großer Wahrschein­lichkeit höch­stens noch bis zur ersten hal­ben Zeile lesen wird, keine vernün­ftige Ausrede.

7. Achte auf die Pflich­tangaben

So nach den ersten drei Bild­schirm­seit­en Sig­natur kann man ja get­rost ein­mal darüber nach­denken, auch noch steuer­rechtliche Quatsch­texte in Schrift­größe 9 unterzubrin­gen. Dann ist der Scroll­balken auch länger und der Empfänger freut sich gle­ich dop­pelt darüber, so viel schöne Sig­natur lesen zu dür­fen. (Ich krei­de dies aus­drück­lich, jedoch aus­nahm­sweise, nicht Andreas Weck an, halte die rechtlichen Vor­gaben, sofern sie in der Tat den beschriebe­nen Inhalt haben, aber für riesen­große Scheiße.)

Ich ver­misse die Zeit, als man für eine Sig­natur, die mehr als drei Textzeilen umfasste, noch umge­hend auf irgendwelchen kill­files lan­dete.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Googles eingebildetes Frauenproblem

In der Rei­he der Tech­niko­r­gan­i­sa­tio­nen, in denen ein zer­set­zen­des Kli­ma herrscht, seit Krawallfem­i­nis­ten aller­lei Geschlechts die Ansicht durchzubox­en ver­suchen, ein kusche­liges Miteinan­der sei in der EDV min­destens genau so wichtig wie, ver­mut­lich aber noch weitaus wichtiger als Pro­duk­tiv­ität (denn gegen­seit­iges Ver­ständ­nis dafür, wenn man sich heute geschlechtsmäßig als Apache-Kampfhub­schrauber fühlt, hat einem Unternehmen gefäl­ligst mehr zu bedeuten als dass man deswe­gen heute lei­der nicht pro­duk­tiv arbeit­en kann #auf­schrei), ste­ht nach dem Tor-Pro­jekt und GitHub jet­zt, wie man liest, auch Google.

Google, eines dieser Unternehmen, die stolz einen “Code of Con­duct” vor sich her­tra­gen und natür­lich eine eigens für Diver­sität zuständi­ge Vizepräsi­dentin über­bezahlen, als sei Geschäft­ser­folg zweitrangig, ver­sucht ger­ade einen Sturm im Wasser­glas zu über­winden, nach­dem ein­er sein­er Angestell­ten, der in einem inter­nen Schreiben die Ansicht ver­trat, dass Frauen in der EDV nicht völ­lig grund­los unter­repräsen­tiert sind, son­dern wom­öglich ein­fach naturgemäß andere Inter­essen haben, wom­it der Wun­sch Googles, Frauen aktiv zu fördern, let­ztlich Män­ner diskri­m­iniere, als Beweis dafür, dass er damit völ­lig Recht hat­te, der Arbeit­slosigkeit übergeben wurde.

Ich mein­er­seits halte ja — anders, als der Fem­i­nis­mus, den ander­er­seits eine Unter­repräsen­tierung in mies bezahlten Handw­erks­berufen augen­schein­lich keineswegs zu inter­essieren scheint, denn “Geschlechterg­erechtigkeit”, also leis­tung­sun­ab­hängig hohes Gehalt, soll es bitteschön nur dort geben, wo genug Net­to­geld reinkommt, es gern hätte — nach wie vor sehr viel vom Ver­di­en­st­prinzip. Wer scheiße pro­gram­miert, der ist auch dann jemand, der scheiße pro­gram­miert, wenn er ein gefäl­ligst wertzuschätzen­des Geschlecht hat und/oder zu haben glaubt. Daran ändert auch ein Ver­hal­tenskodex bemerkenswert wenig. Ein Geschlecht zu haben ist noch kein sin­nvoller Beitrag für die Gesellschaft. Selb­stre­dend ist die medi­ale Rezep­tion seit­ens fach­fern­er Autoren eine andere: Im “Tagesspiegel” zum Beispiel behauptet Oliv­er Voss von vorn­here­in, Infor­matik sei einst Frauen­sache gewe­sen, als beste­he zwis­chen dem Umstand, dass für das Pro­gram­mieren von Com­put­ern in deren Frühzeit, also in den 1940-er Jahren, kaum lebendi­ge, nicht gefan­gene und nicht ander­weit­ig beschäftigte Män­ner zu find­en waren, und dem Fakt, dass ger­ade ein Weltkrieg stat­tfand, kein­er­lei Zusam­men­hang. Frauen hat­ten eben nicht beson­ders viel zu tun und waren auch eher ungern an der Front.

Dabei scheint der ursprüngliche Fehler, der bei Google (und so weit­er) gemacht wurde, allein der zu sein, das Geschlecht über­haupt zu einem entschei­den­den Kri­teri­um für irgen­det­was gemacht zu haben. In ein­er Welt, die Geschlechter­gren­zen ein­reißen soll (es gebe, sagt man, sowieso unzählbar viele Geschlechter), ist der Ver­such, ein bes­timmtes Geschlecht stärk­er aktiv einzu­binden als ein anderes, ein moralis­ch­er Rückschritt, der sich ins linksre­gres­sive Nar­ra­tiv der Zeit zwar har­monisch ein­fügt, dessen Folgeschä­den jedoch unab­se­hbar bleiben.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Bask — Shake The Soot // Christian Lindners italienische Bewegung

Ob dort draußen wohl ein Panda ist?Es ist Mon­tag. Penis! Was tut man nicht alles zur Stim­mungsaufhel­lung an einem Tag wie diesem (näm­lich: Mon­tag)? Das Som­mer­loch ist da und es lang­weilt mich. Es geht mit großen Schrit­ten auf diverse Wahlen zu und da redet man nicht mehr so gern über wichtige The­men, obwohl das Reden wahrlich fehlt (auch: syn­onym). Das Käuzchen verzweifelt leise.

Das ist auch wenig über­raschend, die Ver­drossen­heit hat Gründe; welch­er Auto­mo­bilkonz­ern auch immer — in Nieder­sach­sen voraus­sichtlich Volk­swa­gen, wis­sen die unser­iösen Jour­nal­is­ten von “SPIEGEL ONLINE” — die näch­sten paar Wahlen gewin­nen wird, seine Partei macht sich sicher­heit­shal­ber schon vorher lächer­lich. Berlin­er wis­sen nicht erst jet­zt: SPD, Linke und Grüne sind ein Griff ins Klo.

Andere Parteien, andere Sit­ten: Nach der CDU, Ital­ien und der EU spricht sich nun auch Chris­t­ian Lind­ner dafür aus, dass Deutsch­land die europäis­che Flüchtlingspoli­tik anwen­det. Post­wen­dend fan­den sich auf Twit­ter Schrei­hälse, die diese Forderung mit denen der “Iden­titären Bewe­gung” gle­ich­set­zten, ver­säumten dabei aber zu erk­lären, was sie en detail daran störe; klar: wenn die medi­al auserko­re­nen Bösewichte etwas gut find­en, dann kann das, was sie gut find­en, gar nicht gut sein. Niemals nicht.

Was aber unbe­stre­it­bar gut ist und bleibt: Musik.

Bask — Shake The Soot

Guten Mor­gen.

MusikkritikKaufbefehle
Kurzkritik: OHHMS — The Fool

OHHMS - The FoolOHHMS! Endlich mal wieder eine Band, deren Musik so klingt, wie sie heißt.

Nach immer­hin drei Jahren und eini­gen EPs veröf­fentlichte die britis­che Met­al­band OHHMS mit “The Fool” (Band­camp, Amazon.de) 2017 endlich ihr Debü­tal­bum.

Die sechs enthal­te­nen Stücke sind bis zu 21 Minuten (“The Hiero­phant”) lang, Radio­hör­er sind hier also nicht unbe­d­ingt die Ziel­gruppe. Zu hören gibt es das, was wohl ander­swo “Sludge” genan­nt wird, bei mir indes als ordentlich dröh­nende psy­che­delis­che Doom-Musik (“The Hiero­phant”) und angenehm entschlossen­er Hardrock (“The World”) ankommt.

Das aggres­sive, aber rhyth­mis­che Klangge­wit­ter auf “The Fool” wird von Paul Wallers dur­chaus vari­abler Stimme begleit­et, zwis­chen lieblichem Säuseln (“The Lovers”) und heftigem Nieder­schlag (“The Hanged Man”) sind manche Graustufen auszu­machen — immer nur zu dröh­nen und zu poltern ließe “The Fool” auch schnell lang­weilig wer­den.

Zu diesem Album jedoch ist Langeweile keine gute Beilage, denn es reizt vielmehr zur Kanal­i­sa­tion von Wut; hört man “The Fool”, so kann man sich dabei her­vor­ra­gend über die Welt aufre­gen. Es gibt solche Momente im Leben, und sie ver­lan­gen nach solch­er Musik. Kein Narr ist, wer sie ein­mal hören möchte.

Nur zu!

In den NachrichtenNerdkrams
Der menschliche Android-Trojaner

In den frühen 1990er Jahren machte sich im Usenet — für die Jün­geren: wie Chat, nur ohne Emo­jis, dafür mit richtiger Gram­matik — der zur dama­li­gen Zeit noch als Aus­druck von Kreativ­ität gel­tende “Sig­naturvirus” bre­it, der darin bestand, dass man zwecks dessen Aus­bre­itung einen Text, der über­set­zt unge­fähr “ich bin ein manueller Virus, bitte kopieren Sie mich” lautete, in seine eigene Sig­natur übernehmen sollte. Wie die meis­ten einiger­maßen amüsan­ten Meme aus der dama­li­gen Zeit schaffte auch dieser “Sig­naturvirus” per Muta­tion die Aus­bre­itung ins Web und tauchte in den fol­gen­den Jahren — oft erweit­ert um “bitte löschen Sie eine oder mehrere Dateien”, denn das Web war von Anfang an reich an Benutzern, die feinsin­ni­gen Humor lieber mit dem Holzham­mer eingeprügelt bekom­men woll­ten — als afghanis­ch­er, elbonis­ch­er, irisch­er, alban­is­ch­er, schwedis­ch­er, pol­nis­ch­er, mexikanis­ch­er oder sonst­woher stam­mender “Virus” immer mal wieder auf.

Es ist schön, dass diese Tra­di­tion nicht vergessen wird:

Eine (…) Vari­ante das Bank­ing-Tro­jan­ers Svpeng hat es auf Android-Geräte abge­se­hen und soll seit Juli auf der Jagd nach Bank­ing- und Kred­itkarten-Dat­en sein. (…) Eine Infek­tion ist nicht ohne weit­eres möglich: Svpeng lauert als Flash Play­er getarnt auf Web­seit­en. Ein Opfer muss demzu­folge gezielt eine der­ar­tige Seite aufrufen, den Schädling herun­ter­laden und instal­lieren. Anschließend muss es sog­ar noch den Zugriff auf die Acces­si­bil­i­ty Ser­vices des Android-Sys­tems erlauben. (…) Erst wenn das alles erfüllt ist, kann Svpeng Dat­en abgreifen.

27 Prozent der erkan­nten Infek­tio­nen, heißt es, seien in Deutsch­land gefun­den wor­den, was wieder ein­mal dafür spricht, dass es eine ziem­lich bescheuerte Idee ist, hierzu­lande jedem ohne vorherige Reifeprü­fung einen Inter­net­zu­gang zu verkaufen.

Vielle­icht soll­ten wir ein­fach abwarten, bis die Evo­lu­tion dieses Prob­lem gelöst hat.

SonstigesIn den NachrichtenComputer
Liegengebliebenes vom 2. August 2017

Der welt­größte Anbi­eter uner­wün­schter Reklame testet “ab sofort” die Block­ade uner­wün­schter Reklame aus ander­er Hand als der eige­nen. Große Freude ist im Pub­likum zu hören, denn wer würde nicht seinem Reklamean­bi­eter ver­trauen?


Was hat uns allen denn noch drin­gend gefehlt? Richtig: Ein Atom­krieg, schreibt die “FAZ”.


Das Bran­den­burg­er Ober­lan­desnudelgericht hat beschlossen, dass die däm­liche “Kirche des fliegen­den Spaghet­ti­mon­sters” keine Reli­gion­s­ge­mein­schaft sei, weil “sie keine gemein­same Sicht auf die Welt habe, aus der sie Werte ableite”, was im Umkehrschluss bedauer­licher­weise jede Partei zu ein­er poten­ziellen Reli­gion erk­lärt. Hof­fentlich will die SPD nicht auch noch Kirchen­s­teuern von Ger­ingver­di­enern haben.


Es gibt tat­säch­lich Ein­undzwanzigjährige unter uns, die gegen die Überwachung Unschuldiger nichts einzuwen­den haben, weil sie neue Überwachung­stech­niken so span­nend find­en. Wo bleibt die ver­dammte Apoka­lypse?


Über­raschung des Tages: Inter­net­fähiges Gerät mit Mikro­fon drin kön­nte zur Über­tra­gung von Gesprächen ins Inter­net genutzt wer­den,wun­dert man sich beim “Stan­dard”.


💩, aber im Kino.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Peta verklagt Makaken!

Lau­ra Hertre­it­er (“Süd­deutsche Zeitung”, möchte nicht ver­linkt wer­den) schreibt über aktuelle Vorgänge zum vor inzwis­chen drei Jahren berühmt gewor­de­nen self­ie eines Makak­en:

Der Fotograf hin­ter dem berühmten Affen-Self­ie bereut das Bild inzwis­chen und ist offen­bar pleite, weil ihn die Tier­schut­zor­gan­i­sa­tion Peta verk­lagt.

Das hätte ich ja nicht von Peta gedacht, dass die mal Geld von einem Affen haben wollen.

In den NachrichtenWirtschaft
Abschließend angemerkt zum Abgasskandälchen und seinen Folgen

So bescheuert, als Reak­tion darauf, dass sich über­raschend her­aus­gestellt hat, dass die eigene Annahme, ein Auto mit Aus­puff hin­ten dran gehe ver­gle­ich­sweise scho­nend mit der Umwelt um, völ­lig hirn­ris­sig war, nicht etwa über sein Ver­hält­nis zu Autos und/oder der Umwelt, son­dern darüber, wen man nun wie für diesen Hirn­riss verk­la­gen kann, nachzu­denken, muss man ja auch erst mal sein.

NetzfundstückeMontagsmusik
Flash the Readies — Kris

Ist noch Sonne?Mon­tag. Ich meine: Juhu, Mon­tag! Der ver­rück­te Feier­som­mer nimmt kein Ende, in den USA wird hier­für eigens Schlamm gekauft, damit man was hat, um sich darin vol­lzusauen. Wohl dem, der keine Sau ist; wohl dem, der zum Beispiel ein Pand­abär ist und unerkan­nt in Bäu­men herum­sitzt.

Dann kann einen auch der Fem­i­nis­mus linkster Natur kalt lassen, der anson­sten ger­ade im Inter­net herum­SPONt, dass der her­rische Umgangston, der die Nazis bis­lang in die Schranken weisen sollte, wom­öglich über­haupt erst den Erfolg der Nazis befeuert hat; um dann, weil die Denkstrecke wieder ein­mal unüber­wind­bar lang war, doch schnell das Gespenst der fem­i­nis­tis­chen Quer­front in Gestalt von Alice Schwarz­er als Schuldigen auszu­machen. Bloß nichts ändern, man kön­nte ja mal aus Verse­hen etwas verbessern.

Ein Prob­lem, das die kaputte Lin­uxwelt zweifel­los nicht hat, denn dort verbessert man nichts: Der Pwnie Award für die lahm­ste Antwort eines Soft­ware­ver­triebs ging in diesem Jahr an Lennart Poet­ter­ing, den ver­di­en­ten Zer­stör­er des küm­mer­lichen Rests von Lin­ux’ irgend­wann ein­mal lei­dlich gutem Ruf. Unter Win­dows ist man wenig­stens nur mit Unternehmen wie EaseUS ges­traft, mit denen man ver­mut­lich auch lieber nichts zu tun haben möchte.

Mit einem jedoch etwas zu tun zu haben wird hof­fentlich niemals enden, näm­lich Musik.

Flash the Read­ies — Kris (live CRO ses­sion)

Guten Mor­gen.