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Medi­en­kri­tik CVII: t3ns sie­ben Tipps für eine schnel­le­re Ein­ord­nung als schänd­li­cher Spam­bot

E‑Mail-Signa­tu­ren – kenn­ta? -, in der Früh­zeit der Kom­mu­ni­ka­ti­on via E‑Mail ein durch­aus prak­ti­sches Hilfs­mit­tel, um nicht jedes Mal hän­disch „Ruhe jetzt! Herz­lichst, NAME“ drun­ter­schrei­ben zu müs­sen, sind seit dem Auf­kom­men von HTML-for­ma­tier­ten E‑Mails durch irgend­wel­ches red­un­dan­tes Wer­ber­ge­schmeiß eigent­lich nur noch dafür da, den Spam­fil­ter zuver­läs­si­ger kon­fi­gu­rie­ren zu kön­nen: Je bun­ter die Signa­tur, desto uner­wünsch­ter die E‑Mail.

Das hat sich wenig über­ra­schend frei­lich noch nicht bis zu „t3n“ (Unter­ti­tel „digi­tal pio­neers“), deren Redak­ti­ons-E-Mails ich ver­mut­lich auch lie­ber nie­mals erhal­ten möch­te, her­um­ge­spro­chen, denn dort gibt Andre­as Weck der­zeit sie­ben Tipps für eine bes­se­re E‑Mail-Signa­tur, bei deren Lesen man sich eini­ger­ma­ßen unsi­cher wird, ob die Signa­tur jetzt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wie­so Strich? – Eben!)

Also:

Wer eine smar­te E‑Mail-Signa­tur anle­gen möch­te, soll­te die­se sie­ben Tipps beach­ten.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr star­tet, wenn dem Smart­phone mal das Netz aus­geht, oder ein sprach­ge­steu­er­ter Salz­streu­er – kurz gesagt: so was möch­te man nicht haben, wenn man kei­nen gewal­ti­gen Bir­nen­scha­den hat.

Das ist Andre­as Weck aller­dings offen­sicht­lich egal, denn er fährt, albern-jovi­al duzend, unbe­irrt mit den „sie­ben Tipps“ fort:

1. Arbei­te mit Far­ben

Denn es ist wich­tig, dass das Auge beim ersten Erfas­sen der E‑Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drü­ber ver­schwen­det, son­dern von Anfang an den wich­tig­sten Inhalt fokus­siert, näm­lich die Rekla­me vom – zumeist – Arbeit­ge­ber des Absen­ders. Wäre ja blöd sonst!

2. Arbei­te mit Bil­dern

(…) Am besten eig­net sich bei­spiels­wei­se eine wei­ße Wand, vor der sich die Per­son ablich­ten lässt.

Oder auch ein tan­zen­der Jesus oder eine Nah­auf­nah­me einer Was­ser­lei­che. Soll sich ja „visu­ell ein­bren­nen“ (ebd.), die Signa­tur. – Dass anstän­di­ge Mail­pro­gram­me (also nicht unbe­dingt so Brow­ser­kram) ein­ge­bun­de­ne Bil­der ent­we­der direkt als Spam­merk­mal mar­kie­ren oder die Bil­der wenig­stens als Anhang statt als direkt ein­ge­bun­de­nes Bild her­un­ter­la­den, so dass der Emp­fän­ger, falls er die E‑Mail über­haupt zu sehen bekommt, noch ein­mal zusätz­lich aktiv wer­den muss, nur um die lang­wei­li­ge Fres­se eines Wer­bers, die er, falls er gera­de mobil ist, auch noch kosten­in­ten­siv her­un­ter­la­den muss­te, sehen zu dür­fen, spricht prin­zi­pi­ell ja schon dage­gen, aber was weiß man bei „t3n“ schon von anstän­di­gen Mail­pro­gram­men und/oder mobi­len Net­zen?

3. Prio­ri­sie­re die Infor­ma­tio­nen

Es gilt immer, den begrenz­ten Platz nicht mit nutz­lo­sen Infor­ma­tio­nen zu ver­schwen­den.

Das ist prin­zi­pi­ell rich­tig und die­ser Tipp hät­te, wäre es nach mir gegan­gen, der ein­zi­ge Tipp sein sol­len, denn er sagt im Wesent­li­chen aus, dass E‑Mail-Signa­tu­ren nicht der rich­ti­ge Abla­ge­ort für Wer­be­schei­ße sind; aber natür­lich muss­te Andre­as Weck das prä­zi­sie­ren:

Die per­sön­li­che E‑Mail-Adres­se soll­te bei­spiels­wei­se schnell­stens aus der Signa­tur ver­schwin­den, denn die braucht der E‑Mail-Emp­fän­ger nicht mehr.

Rich­tig, denn in einem E‑Mail-Hea­der ste­hen pro­to­koll­be­dingt alle wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen zur Per­son, dar­un­ter die Absen­der­adres­se (sofern nicht gefälscht), der Absen­der­na­me (sofern nicht gefälscht) und das Absen­de­da­tum. Alles Infor­ma­tio­nen, die nicht über­flüs­si­ger­wei­se noch­mals sepa­rat über­mit­telt wer­den müss­ten, damit mehr Platz für das Wesent­li­che (also hoch­auf­lö­sen­de Fotos von Wirt­schafts­pfei­fen vor noch wei­ßen Wän­den) bleibt.

Ande­rer­seits:

4. Lei­te visu­ell durch die Infor­ma­tio­nen

(…) Der eige­ne Name könn­te sich bei­spiels­wei­se durch grö­ße­re oder fet­te Buch­sta­ben abset­zen.

Der eige­ne Name, der sowie­so schon dar­über oder dane­ben steht, gehört rein, die Mail­adres­se aber nicht, weil sie sowie­so schon dar­über oder dane­ben steht? Ja, wie denn nun?

Sinn­voll ist bei­spiels­wei­se auch, dass Tex­te neben einer der oben genann­ten Bild­da­tei­en zu fin­den sind. Das Bild wird das Augen­merk sofort auf sich len­ken und die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ste­hen direkt dane­ben.

Denn die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen in einer E‑Mail ste­hen, wie jeder weiß, in der Signa­tur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nut­ze Call-to-Actions

(…) Ein CTA soll­te sich ent­lang der aktu­el­len Zie­le ori­en­tie­ren. Wollt ihr bei­spiels­wei­se euren neu­en Snap­chat-Chan­nel pushen? Dann fügt einen Snap­code zum Abscan­nen ein.

Wenn ich mal von einem gro­ßen Inter­net­kon­zern gebe­ten wer­den soll­te, ein neu­es E‑Mail-Pro­to­koll zu ent­wer­fen, wer­de ich als ersten Schritt ein­ge­bun­de­ne Bil­der als ungül­tig kenn­zeich­nen. :motz:

6. Sag, wo Kun­den dich auch per­sön­lich tref­fen kön­nen

(…) Ein Satz wie „Ich wer­de vom 25. bis 26. Febru­ar auf der Online-Mar­ke­ting-Rock­stars in Ham­burg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ könn­te der Auf­ma­cher für ein span­nen­des Gespräch sein.

Der Auf­ma­cher für ein span­nen­des Gespräch mit einem poten­zi­el­len Kun­den oder Geschäfts­part­ner gehört nach mei­nem Ver­ständ­nis ja in den ver­damm­ten E‑Mail-Text und nicht auf die Wer­be­flä­che unten drun­ter, denn der Text ist in der Regel zumin­dest wenig­stens teil­wei­se anlass­be­zo­gen und wird nicht ein­fach gedan­ken­los wei­ter­ver­wen­det. Ich mei­ne: Ich schlie­ße nicht aus, dass Andre­as Weck („Online- und Print-Redak­teur“) sein Leben lang immer nur Signa­tu­ren, aber noch kei­nen ein­zi­gen Mail­text geschrie­ben hat und nicht ein­mal etwas dafür kann, weil man bei „t3n“ nur noch über Snap­chat und nicht mehr über E‑Mail mit­ein­an­der redet. Dann möch­te ich die­sen Ein­wand zurück­zie­hen. In allen ande­ren Fäl­len gibt es für die Annah­me, den Auf­ma­cher für ein Gespräch plat­zie­re man am besten an einer Stel­le, die der Emp­fän­ger mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit höch­stens noch bis zur ersten hal­ben Zei­le lesen wird, kei­ne ver­nünf­ti­ge Aus­re­de.

7. Ach­te auf die Pflicht­an­ga­ben

So nach den ersten drei Bild­schirm­sei­ten Signa­tur kann man ja getrost ein­mal dar­über nach­den­ken, auch noch steu­er­recht­li­che Quatsch­tex­te in Schrift­grö­ße 9 unter­zu­brin­gen. Dann ist der Scroll­bal­ken auch län­ger und der Emp­fän­ger freut sich gleich dop­pelt dar­über, so viel schö­ne Signa­tur lesen zu dür­fen. (Ich krei­de dies aus­drück­lich, jedoch aus­nahms­wei­se, nicht Andre­as Weck an, hal­te die recht­li­chen Vor­ga­ben, sofern sie in der Tat den beschrie­be­nen Inhalt haben, aber für rie­sen­gro­ße Schei­ße.)

Ich ver­mis­se die Zeit, als man für eine Signa­tur, die mehr als drei Text­zei­len umfass­te, noch umge­hend auf irgend­wel­chen kill­files lan­de­te.

Senfecke:

  1. Ich fin­de es ja schon ein Stück weit beein­druckend, dass du über­haupt Wor­te gefun­den hast, die­sen Arti­kel zu kom­men­tie­ren. Das ist so kras­se Real­sa­ti­re, dass man der zustän­di­gen Redak­ti­on sofort gra­tu­lie­ren möch­te, dass sie den Mut auf­ge­bracht hat, den zu ver­öf­fent­li­chen.

  2. Der wich­tig­ste Tipp wur­de natür­lich ver­ges­sen: Tren­ne die Signa­tur mit „– “ ab. Dann blei­ben die, die sich damit aus­ken­nen von dem Schrott ver­schont. T3N kann man wirk­lich nicht mehr lesen…

  3. Ich schlie­ße nicht aus, dass Andre­as Weck („Online- und Print-Redak­teur“) sein Leben lang immer nur Signa­tu­ren, aber noch kei­nen ein­zi­gen Mail­text geschrie­ben hat …

    Mail­text?

    Die kom­plet­te Nach­richt steht im Betreff und damit das Fen­ster dar­un­ter nicht so leer ist hat man ne tol­le bun­te, bebil­der­te Signa­tur. :D

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