Netzfundstücke
2015. (Symbolprodukt)

NoPhone

Tele­fonieren. Fotografieren. Tolle, hochau­flösende Videos aufnehmen. Unsere Smart­phones erledi­gen vieles — aber was ist mit einem Tele­fon, das über­haupt nichts tut?

Das ist die Idee hin­ter dem ZERO, einem neuen “Smart­phone” von der New York­er Fir­ma NoPhone. (…) Warum würde jemand einen tele­fonar­tiges Klotz kaufen, der nur herum­liegt? (…) Das ZERO funk­tion­iert wie tech­nis­ches Methadon, es befriedigt die Sucht eines Nutzers zu der gewohn­ten Form und dem gewohn­ten Gewicht des echt­en Dings. Die durch­dachte Kon­struk­tion füllt den gle­ichen Teil Ihrer Jeans wie Ihr eigentlich­es Tele­fon aus, aber sie hält Sie davon ab, es her­auszunehmen, in ein dig­i­tales Loch zu fall­en und die Welt um Sie herum zu ver­passen. Es ist eine ein­fachere Alter­na­tive zum kalten Entzug, indem es Ihre Gewohn­heit­en simuliert und Ihnen gle­ichzeit­ig dabei hil­ft, sie allmäh­lich zurück­zu­lassen.

(schlecht über­set­zt von mir; Quelle)

:bravo:

In den NachrichtenMontagsmusik
Black Space Riders — Give Gravitation to the People

RoboteuleEs ist Mon­tag. Habt Angst! Angst!

Aber wovor? Vor Kim Kar­dashi­an, vor der CDU oder vor der Apoka­lypse? Nah’ dran: Fürchtet euch vor Robot­ern! Zumin­d­est scheint diese Angst ver­bre­it­et zu sein; so ver­bre­it­et, dass Stephen Hawk­ing höch­st­selb­st, sein­er­seits ja längst auf Robotik angewiesen, beschwichtigte, ihr müsstet euch vor manchen Din­gen fürcht­en, aber nicht vor Robot­ern. Fürchtet den Kap­i­tal­is­mus und tötet den Ther­momix!

Die Poli­tik, so pos­tuliert Hen­rik Müller vom ewig seicht­en “SPIEGEL ONLINE”, sei “gefan­gen in ein­er Abfolge von Aus­nah­mezustän­den”, und vielle­icht kön­nte man vieles davon lösen, wenn man endlich Sig­mar Gabriel aus dem Land jagen würde, vielle­icht aber auch nicht. Krise? Welche Krise?

“Google Incor­po­rat­ed” schickt mir eine “ver­trauliche” Gewinnnachricht von ein­er *.or.id-E-Mail-Adresse. Das klingt ser­iös, täuscht aber nicht darüber hin­weg, dass das, was fehlt, in keinem Gewinn­spiel jemals errun­gen wer­den kön­nte.

Erst mal wach wer­den.

BLACK SPACE RIDERS — Give grav­i­ta­tion to the peo­ple (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
“JOY” und die 9 schönsten Peniszeichnungen

Helene Fis­ch­er, so fand man beim “Play­boy” her­aus, ist derzeit die ero­tis­chste und nervig­ste Sän­gerin. Das ist ein biss­chen unfair, denn beson­ders hüb­sch finde ich sie nun nicht ger­ade, aber vielle­icht bin ich auch nicht Teil der Ziel­gruppe des “Play­boys”, was ich wiederum sehr (an mir) schätze.

Was aber ist das Geheim­nis von Helene Fis­ch­ers Ausse­hen? Fra­gen wir die Profis für — fra­gen wir “JOY”.

JOY 11-2015

Denn die “JOY” weiß, wie man in nur 3 Minuten per­fekt geschminkt ist und zumin­d­est auf Fotos endlich super aussieht: Dünn näm­lich (“Die 25 größten Abnehm-Irrtümer”, Seite 40 bis 42) sollte man sein und sich auf self­ies nicht etwa natür­lich zeigen, son­dern hin­ter dem richti­gen Fil­ter und mit der richti­gen Bemalung und im richti­gen Winkel präsen­tieren (“die Zauber­worte laut­en: üben, fil­tern und ein klein wenig trick­sen!”, Seite 54 bis 58), denn wer will schon das echte Leben sehen?

Wenn man diese Tricks berück­sichtigt, kann man sich daran machen, einen “Wahnsinns-BLOWJOB!” zu prak­tizieren. Natür­lich kommt dafür nicht jed­er Penis in Frage, es muss schon min­destens ein John­ny sein:

Johnny, oh Johnny Hätte ich einen Penis, wäre er RIESIG! Hoden hängen

O_o

Und wie geht so ein “Wahnsinns-BLOWJOB!”? Nun, zuerst muss man üben, zum Beispiel so: “Eine Banane schälen und sie oral liebkosen”. Oder so: “Kau­gum­mi in den Mund — dann knallen lassen”. Oder so: “die Ton­leit­er auf und ab sin­gen”. Wenn man sich nach aus­giebiger Übung dann dazu durchrin­gen kann, es mal mit einem richti­gen Penis zu pro­bieren, wer­den als Stim­mungsaufheller Eiswür­fel und Sprüh­sahne emp­fohlen, was gegenüber ein­er Grape­fruit (“JOY”, Aus­gabe vom Mai 2015) immer noch eine geringe Verbesserung der Aus­sicht­en darstellt. Wenn jet­zt ein­er mein­er männlichen Leser Angst vor der “JOY”-Klientel bekom­men haben sollte: Gut so!

Weniger Furcht hat Mar­vin (21) aus Mannheim, der sich sicher­lich später ein­mal sehr dafür schä­men wird, hier aber noch den Rat gibt, es “törne” Män­ner “immer an”, wenn man Sprüh­sahne vom Penis lecke, nach­dem er den per­fek­ten Blowjob als sportlich­es, würziges Rit­u­al geschildert hat:

Die Kom­bi­na­tion aus Leck­en, Hand­job und Hodenkraulen. Ich nenne das den One-Hand­ed-Egg-Twister. Auch gut: die Pfef­fer­müh­le — das Mädel nimmt meine Eichel in den Mund und dreht dabei leicht mit bei­den Hän­den an meinem Penis in ver­schiedene Rich­tun­gen.

Ich hoffe für Mar­vin (21), dass er bish­er von den Tech­niken “Stepp­tanz” und “Gurken­reibe” ver­schont geblieben ist.

Im gle­ichen Heft der “JOY” ver­sichert die Redak­tion der desig­nierten Leserin, dass sie ja “kein kleines Dumm­chen” sei (Seite 45), gibt aber Nach­hil­fe (Seite 35), mit welchen Nachricht­en sie ihren “Traum­mann” — abge­bildet ist ein typ­is­ch­er Hip­ster — erobern könne, zum Beispiel:

“HILFE! Riesen­spinne im Bad!” Emanzi­pa­tion hin oder her — Män­ner wollen gebraucht wer­den.

Bleibt zu hof­fen, dass dieser Traum­mann nicht vorher die “JOY” liest. Son­st ist er gewarnt.

In den NachrichtenComputer
Safe Pearl Harbor

Bei Versagen Knopf drückenHur­ra! beziehungsweise Ach‽:

Der Europäis­che Gericht­shof in Lux­em­burg hat das Safe-Har­bor-Abkom­men zwis­chen den USA und der EU für ungültig erk­lärt. Per­sön­liche Dat­en europäis­ch­er Nutzer seien in den USA nicht aus­re­ichend vor dem Zugriff von Behör­den geschützt.

In den Vere­inigten Staat­en ist man ent­täuscht, von ein­er “Jagd­sai­son” ist die Rede; was ja bei deren Sta­tis­tik betr­e­ffs der Morde mit einem Gewehr nicht allzu absurd klingt. Aber worum geht es eigentlich genau?

“Safe Har­bor”, einige von euch haben das vielle­icht schon gele­sen, ist der Szenebe­griff für qua Gesetz sichere Herkun­ft­slän­der flüchtiger Dat­en, wie auch De-Mail qua Gesetz für sich­er erk­lärt wurde, und besagt im Wesentlichen, dass eure Dat­en aus der EU gefahr­los auf US-amerikanis­che Serv­er weit­ergeleit­et wer­den dür­fen, weil denen dort ja nichts Gravieren­des passiere. Im Juli 2000 hat­te zumin­d­est die Europäis­che Union, um aus­bleiben­den Daten­verkehr (dazu gle­ich mehr) zu ver­hin­dern, beschlossen, US-amerikanis­chen Unternehmen freizustellen, sich diesem Abkom­men anzuschließen, um sich dadurch als Daten­schützer zu erken­nen zu geben. Damit wurde schon früh der Grund­stein für das geplante “Frei­han­delsabkom­men” zwis­chen der Europäis­chen Union und den Vere­inigten Staat­en gelegt. Die transat­lantis­che Part­ner­schaft, so sagte Bun­de­spräsi­dent Gauck heute, sei “das essen­zielle strate­gis­che Bünd­nis unser­er Tage”, wie man das eben so gel­ernt hat, wenn man als “Bürg­er­rechtler” in einem Überwachungsregime seine erste Kar­riere gemacht hat.

Zu den das “Safe-Harbor”-Abkommen unterze­ich­nen­den Unternehmen zählten Face­book, Google und Microsoft; jedes dieser Unternehmen ist aufmerk­samen Lesern vielle­icht schon im Zusam­men­hang mit dem PRISM-Pro­gramm der ver­brecherischen Wider­linge von der NSA aufge­fall­en, an dem sie eben­falls im Rah­men der dor­ti­gen Ver­brecherge­set­zge­bung teilgenom­men haben. Daten­schutz und nationale Inter­essen sind miteinan­der eben oft nicht zu vere­in­baren. Die Älteren unter euch ken­nen das vielle­icht noch aus einem ihrer früheren Heimat­staat­en.

Und was passiert “jet­zt” mit “unseren” Dat­en? Das jeden­falls wollen Fabi­an Rein­bold und Chris­t­ian Stöck­er — bei­de sind regelmäßi­gen Lesern hier nicht unbekan­nt — für das hippe Tech­mag “SPIEGEL ONLINE” wis­sen und erk­lären:

Dür­fen jet­zt keine Dat­en mehr in die USA weit­ergegeben wer­den?

Doch. Aber wer dies tut, ist nicht mehr automa­tisch durch “Safe Har­bor” vor Über­prü­fung durch nationale Daten­schutzbe­hör­den geschützt.

Mit dem neuen Urteil ändert sich also in der Prax­is erst ein­mal nichts, zumal der sichere Hafen ja nur ein­er der Tun­nel war, während die anderen bis auf Weit­eres wohl nicht zugeschüt­tet wer­den:

Es gibt neben “Safe Har­bor” noch zwei weit­ere Wege, mit deren Hil­fe Unternehmen per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en in die USA über­tra­gen dür­fen: Soge­nan­nte verbindliche Unternehmen­sregeln (…), die von Daten­schutzbe­hör­den abge­seg­net wer­den, und bes­timmte Klauseln, die die EU-Kom­mis­sion zu diesem Zweck als Ver­trags­bausteine zur Ver­fü­gung stellt.

Man muss also als Kunde eines US-amerikanis­chen Unternehmens auch weit­er­hin davon aus­ge­hen, dass die “eige­nen” Dat­en zwecks Ter­rorab­wehr geheim­di­en­stlich erfasst wer­den, man darf darüber nur nicht mehr bel­o­gen wer­den. Verk­lag’ uns doch! Es würde sich indes, dies hat die Europäis­che Union unmissver­ständlich klargemacht, schädi­gend auf die Volk­swirtschaft auswirken, wären EU-Bürg­er kün­ftig den US-amerikanis­chen Hunger auf Per­so­n­en­dat­en weniger zu stillen bere­it: Diese seien “das Rück­grat unser­er Wirtschaft”.

Eure Wirtschaft muss mal zum Orthopä­den, sie ist kaputt.

In den NachrichtenMontagsmusik
John Zorn (live)

NakEin Mon­tag, und er begin­nt aber­mals mit einem Pauken­schlag ins Gemächt. Weißt du noch, damals, der Bär? Leben funk­tion­iert so nicht und kommt einem auch nicht so vor.

Was tun? Vielle­icht den Promis nacheifern und — fes­thal­ten, Brüder — arbeit­en gehen. Ach so, das tut man sowieso, aber das inter­essiert die ZEIT nicht, weil man noch nie dafür bekan­nt war, als Gesicht zu agieren. Man würde sich aber gern wieder vere­inen.

Oh, “Wiedervere­ini­gung”, da war ja was:

Wenn ein fick­riger alter Mann mit Schlap­phut in die Kam­eras nuschelt, dass sein Son­derzug nach Pankow der Anfang vom Ende der DDR war und ihm dabei auch noch Fans bestäti­gend zujubeln und die Presse das unkom­men­tiert abdruckt, dann ist es keine Zeit dafür, über die Chan­cen zu sprechen, die uns ent­gan­gen sind.

Möchte man ja, ander­er­seits, auch gar nicht.

Jazz gefäl­lig?

John Zorn — Book of Angels — Mar­ci­ac 2012 (Full Show)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den NachrichtenKaufbefehleMusikkritik
Von Hamstern und Toten (sowie: Electric Wizard — Time to Die)

Ah, es ist mal wieder Feiertag; nicht irgen­dein Feiertag, son­dern der Feiertag:

Alar­rrrma! Ham­sterkäufe. Panik. Mor­gen gibt’s nix mehr. Über­mor­gen auch nicht. Nie wieder. Wir wer­den alle ver­hungern. Der Laden voll. Die Ner­ven blank. Die Honks in Hochform. Und der Wichser hin­ter mir fährt in meine Hack­en. Kön­nt ja schneller gehen wenn er das tut.

Deutsch­land, du Land der liebenswerten Irren! Man sollte euch Kalen­der schenken, die zwei bis drei Tage vor einem eigentlich verkauf­sof­fe­nen, aber Feiertag in unregelmäßi­gen Abstän­den laut piepen und wild blinken und erst damit aufhören, wenn ihr eingekauft habt. Der Deutsche mag es nicht, wenn etwas laut piept und wild blinkt.

Woge­gen der Deutsche allerd­ings nur wenig einzuwen­den hat, denn son­st würde er aufhören, Parteien zu wählen, die die außen­poli­tis­che Nähe zu den USA befür­worten, ist ja so was hier:

Während eines US-Luftan­griffs in Kun­duz wurde ein Kranken­haus von Ärzte ohne Gren­zen getrof­fen, min­destens 19 Men­schen star­ben. (…) Die US-Armee hat­te am Mor­gen einge­s­tanden, man habe in der Nähe des Hos­pi­tals Luftschläge aus­ge­führt, dabei könne es zu zivilen Opfern in dem nahegele­gen Hos­pi­tal gekom­men sein. (…) Das Ziel der Luftan­griffe in der nordafghanis­chen Stadt seien “Per­so­n­en, die eine Gefahr für die Stre­itkräfte darstell­ten” gewe­sen.

Das kann ja mal vorkom­men. Muss man ja ver­ste­hen — da sitzen irgend­wo Tal­ibankämpfer im Gebüsch, da kann man auf so was wie ein Kranken­haus keine Rück­sicht nehmen, da muss das Gebi­et weiträu­mig eingeeb­net wer­den. Son­st über­lebt noch wer.

Was ja für ein Land mit durch­schnit­tlich etwa ein­er Schießerei pro Tag (und das sind nur die erfassten) keine beson­ders radikale Hal­tung ist. Waf­fen schützen nun mal vor den Bösen, und ich bin mit­tler­weile fest davon überzeugt, dass jemand, der kein Jäger ist und trotz­dem eine Waffe trägt, ein Arschloch und kein Guter ist. Der zweite Zusatzartikel zur US-amerikanis­chen Ver­fas­sung implizierte im 18. Jahrhun­dert, dass jed­er eine Mus­kete besitzen darf. Wie unge­fährlich es doch in den Vere­inigten Staat­en wäre, besäße jed­er nur eine Mus­kete!

Dazu passt vielle­icht etwas Musik.

Electric-Wizard-Time-To-DieIn Eng­land, dem Land des Magiers Mer­lin, formierte sich 1993 eine Doom-Met­al-Band namens “Elec­tric Wiz­ard”, “elek­trisch­er Zauber­er” also. Inzwis­chen spielt die Gruppe mit dem vierten Schlagzeuger und dem fün­ften Bassis­ten ziem­lich erfol­gre­ich mit ihrem image, das trügt: Hin­ter Album­stiteln wie “Witch­cult Today” (2007) und “Legalise Drugs and Mur­der” (2012) steckt let­ztlich Musik, die auch uns, die wir mit den meis­ten Spielarten des Met­al nur bed­ingt etwas anfan­gen kön­nen, zu gefall­en ver­mag. Vom guten Doom Met­al zum guten Ston­er-Rock ist es musikalisch nicht beson­ders weit. Ich per­sön­lich nehme den Doom Met­al ein­fach nicht ernst, dann macht er am meis­ten Spaß.

Auch auf dem aktuellen, 2014 veröf­fentlicht­en Stu­dioal­bum “Time to Die” wird die Freude befeuert: Titel wie “Destroy Those Who Love God” und “Lucifer’s Slaves” amüsieren mich, wenn ich mir vorstelle, dass es vielle­icht tat­säch­lich Leute gibt, die das alles furcht­bar ernst nehmen. Dabei steckt hin­ter der Attitüde wirk­lich Hörenswertes:

Das Album begin­nt mit dem Plätsch­ern eines Bach­es. Allmäh­lich set­zen Schlagzeug und Orgelk­länge ein, ein Erzäh­ler hält einen kurzen Monolog und es wird schla­gar­tig düster: “Incense for the Damned” ist eine schnei­dende Gitarre über treiben­dem Bass- und Schlagzeug-Fun­da­ment, Front­mann Justin Oborn steuert verz­er­rten Gesang bei: ” I don’t give a fuck about any­one / or your soci­ety. I just need / incense for the Damned”, die Sex Pis­tols hät­ten es nicht bess­er aus­drück­en kön­nen. Doom Met­al ist vielle­icht let­ztlich auch nur eine Spielart der Punkkul­tur, aber da kenne ich mich nicht beson­ders gut aus.

Das fol­gende Titel­stück “Time to Die” bleibt ohne weit­ere Auf­fäl­ligkeit, inter­es­san­ter ist das elfein­halb­minütige “I Am Noth­ing”, das mit seinem hyp­no­tis­chen Rhyth­mus und der repet­i­tiv­en Melodie, die beina­he vom Gesang, der in der zweit­en Hälfte allerd­ings gar nicht mehr vorkommt, ablenken, den­jeni­gen belohnt, der einen guten musikalis­chen trip zu würdi­gen weiß, aus dem man von den Sprach­fet­zen in “Destroy Those Who Love God” nur vorüberge­hend her­aus­geris­sen wird, bis man in “Funer­al of your Mind” wieder in den Strudel gerät und dort bis zum let­zten Stück, dem krautrock­lasti­gen “Sat­urn Dethroned”, das wiederum mit einem Bach­plätsch­ern endet, in ihm gefan­gen (obwohl sich das wirk­lich gut anfühlt) bleibt. Das muss dieser “Höl­len­trip” sein, von dem alle reden.

Pri­ma Album, das.

In den NachrichtenPersönliches
Bring Your Own Fäkalnachweis

Das mit diesen Wert­coupons, die man auf Bahn­hof­s­toi­let­ten bekommt, ist so teu­flisch, dass ich selb­st gern darauf gekom­men wäre und im Wortsinne mit Scheiße Geld ver­di­ent hätte.

Für die, die das nicht ken­nen: Wenn man auf einem durch­schnit­tlichen deutschen Bahn­hof einen Euro ein­wirft, um seine Not­durft ver­richt­en zu dür­fen, bekommt man dafür einen Gutschein über 50 Cent zurück, den man dann in bahn­hof­seige­nen Geschäften ein­lösen kann — natür­lich beschränkt auf einen Gutschein pro Per­son und Bestel­lung, denn son­st kann man seine Ver­dau­ungs­belege ja ein­fach lange genug sam­meln und sich dann irgend­wann bei Burg­er King qua­si gratis in den Herz­tod schlem­men. (Sagt man das bei Burg­er King eigentlich so, “schlem­men”?) Der Ver­such, einen solchen Wert­coupon einzulösen, besagt doch eigentlich nur: Seht her, ich habe aus­giebig gekackt und möchte nun meinen Lohn erhal­ten!

Mein aus­drück­lich­er Glück­wun­sch hier­bei geht an die Frau, die gestern vergebens ver­suchte, fünf dieser Gutscheine in ein­er Fast-Food-Fil­iale einzulösen, und dabei recht auf­dringlich Unver­ständ­nis über die Beschränkung sowie Befürch­tun­gen über die Gültigkeits­dauer äußerte. Stimme und Habi­tus erin­nerten mich der­maßen an die Fig­ur der Lor­raine Swan­son aus der US-amerikanis­chen Serie “MADtv”, dass es mir ver­gle­ich­sweise schw­er fiel, dem Vor­gang keine über­mäßige Aufmerk­samkeit zu wid­men. Im Krieg waren Essens­marken noch mit weniger Über­win­dung von Scham ver­bun­den.

Sie haben ja keine Wahl:

Bahn­hof­s­toi­let­ten wer­den bere­its seit mehreren Jahrzehn­ten an Toi­let­ten­be­treiber ver­pachtet, da die Betrei­bung von Toi­let­te­nan­la­gen nicht zwin­gend zum Kerngeschäft eines Eisen­bah­n­in­fra­struk­tu­run­ternehmens gehört. (…) Eine wirtschaftliche Betrei­bung der Anla­gen macht die Erhe­bung eines Nutzungsent­geltes erforder­lich. (…) Eine Betrei­bung auf diesem Niveau ist nur mit­tels eines angemesse­nen Nutzungsent­gelts in Höhe von einem Euro je Nutzer umset­zbar.

Was dann ja ander­er­seits erk­lärt, wieso das Niveau von Zug­toi­let­ten so niedrig ist. Das Sauber­hal­ten gehört nicht zwin­gend zum Kerngeschäft der Bahn. Die haben ja kein Geld.

So lange bleiben sie hän­gen, wie es nach den Geset­zen der Hygiene möglich ist.
Adolf Hitler, 1922


Gute Nachricht­en übri­gens: Jemand hat endlich RFC 1149 imple­men­tiert!

PersönlichesMontagsmusik
Discipline. — Before the Storm

EulenkaterMont-argh. Hol­ter­dipolter, da kullert das Niveau unter’m Woch­enende her­vor. Wenn die Piraten­partei wählt, dann wählt sie gern von der Getränkekarte. Da geht wenig­stens nichts kaputt. Wir sind ja nicht zum Spaß da.

Ander­er­seits: Spaß? Bei jedem “Tor!”-Ruf im Fernse­hen befürchtet man, dass gle­ich sein Gesicht zu sehen ist, wenn man es schon schafft, entschei­dende Elfme­ter in ein Eigen­tor zu ver­wan­deln, und sich der Ouroboros nicht zu drehen aufhört; der Kon­se­quenz aus der Kon­se­quenz kann man nicht mit Umkehrschlüssen begeg­nen. Es funk­tion­iert nur, wenn man es nicht ver­sucht, und es schlägt pom­pös fehl, wenn man sich anstrengt, es aktiv nicht zu ver­suchen. Das magis­che Feuer bren­nt wohl nur ein­mal im Leben, danach zählt, was man selb­st zu leis­ten ver­mag. Wie hat man das damals eigentlich geschafft? Manch­mal, nur manch­mal ist der freie Fall noch aufzuhal­ten, und man streckt die Arme aus und streift zumin­d­est weich­es Fell, das sich ein­fügt wie dafür gemacht. Per­fek­te Momente ken­nt man ja auch nur als “hop­pla, da war wieder ein­er”, wie Stern­schnup­pen und Voll­monde, man ist ja nicht mehr nur nicht der Schnell­ste, son­dern nun auch noch nicht mehr der Jüng­ste.

Recht hast du, kla­gen­des Käuzchen in der Ferne. Dir fehlt sie auch, nicht?

And I can’t remem­ber before the storm or the ocean.

Dis­ci­pline band Before The Storm / Blue­print

I can still see the sun in your eyes,
and I can see you there like it’s yes­ter­day.

Mor­gen.

Spaß mit Spam
Hello. Re: Maria (ID15896374) 27 y.o changed photos…[hlslvb]

So eine Betr­e­f­fzeile hat den Vorteil, dass man sofort sehen kann, was der Ver­fass­er eigentlich vom Empfänger zu wis­sen begehrt. In diesem Fall bin ich rat­los.

Aber der Text selb­st ist auch nur bed­ingt hil­fre­ich:

[jwkg­tyyg]
Hello.[rovjgx]
I am Maria (ID15896374) ‚27 y.o , I changed pho­tos ,
can we chat now?
sweet kiss,
yours Maria
My e‑mail:ledirus2015@(zensiert).ru
[wuvflbg]

“Ich habe mein Bild geän­dert, hast du jet­zt Lust auf eine Unter­hal­tung mit mir?”

Die Attitüde zu ändern wäre wom­öglich zielführen­der.

gfuthguthgf.

In den Nachrichten
Piëch gehabt

Ende 1997: Die Vere­in­ten Natio­nen eini­gen sich weit­ge­hend auf das “Pro­tokoll von Kyoto zum Rah­menübereinkom­men der Vere­in­ten Natio­nen über Kli­maän­derun­gen” (“Kyoto-Pro­tokoll”). Die SUV-Nar­ren in den USA unterze­ich­nen nicht, ihnen genügt ihr 1963 beschlossen­er Clean Air Act.

14. März 2013: Es wird bekan­nt, dass ver­schiedene in der EU (ein­schließlich Deutsch­land) verkaufte Auto­mo­bile sich bei Abgastests anders ver­hal­ten als unter reellen Bedin­gun­gen. Irgend­wo fällt ein Sack nicht näher bes­timmten Getrei­des um.

April 2015: Fer­di­nand Piëch, Enkel von Fer­di­nand Porsche und Auf­sicht­sratsvor­sitzen­der der Volk­swa­gen AG, scheit­ert beim Ver­such, seinen ein­sti­gen Pro­tégé Mar­tin Win­terko­rn wegen zu geringer Gewinne in den USA aus dem Vor­stand zu drän­gen, und räumt schließlich sein­er­seits seinen Posten.

18. Sep­tem­ber 2015: Die US-amerikanis­che Umwelt­be­hörde EPA gibt bekan­nt, dass ver­schiedene in den USA verkaufte Audi- und VW-Mod­elle sich bei Abgastests anders ver­hal­ten als unter reellen Bedin­gun­gen.

In den fol­gen­den Tagen stürzt die Aktie der Volk­swa­gen AG deut­lich ab. Anleger und Käufer sind außer sich, dass VW so doof war und sich erwis­chen ließ, und fordern Schadenser­satz für die durch weniger saubere Ver­bren­nung gewonnene Ben­zin­erspar­nis. Die betrof­fe­nen Mod­elle wer­den bis auf Weit­eres nicht verkauft.

23. Sep­tem­ber 2015: Mar­tin Win­terko­rn tritt zurück.

Was kün­ftige Gen­er­a­tio­nen daraus vielle­icht ler­nen kön­nen: Das Bescheißen von Kun­den und Staat ist ein Kava­liers­de­likt, aber wenn das euren Aktienkurs in den USA beein­trächtigt, seid ihr raus. Der Markt regelt das schon.


Auf Twit­ter wird heute der “Bi Vis­i­bil­i­ty Day” zele­bri­ert. Viele ger­ade junge Men­schen fordern, dass die Gesellschaft noch deut­lich­er zur Ken­nt­nis nimmt, dass sie Män­ner und Frauen vögeln. Schön, dass die Jugend sich noch für wirk­lich wichtige Dinge engagiert.

In den NachrichtenPiratenpartei
Politik ist sexy (in Österreich)

FapFapFapWas macht eigentlich Anne Helm?

Tja, so genau weiß ich das erfreulicher­weise auch nicht, halb­nackt für mehr Bom­barde­ments zu wer­ben ist auch sooo 2014. Apro­pos 2014: Es ist jet­zt unge­fähr ein Jahr her, dass die mit­tler­weile durch den Lan­desvor­stand in die Auflö­sung getriebene Piraten­partei Hildesheim in einem Sado-Maso-Club tagte und dadurch vielfache Diskus­sio­nen darüber aus­löst, ob sex­uelle Freizügigkeit Gren­zen haben sollte. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf komme, eigentlich wollte ich doch diese Mel­dung (Vor­sicht: ungezählte hof­fentlich absichtlich lächer­liche Ver­suche, das Wort “Wich­sen” zu ver­mei­den) kom­men­tieren:

Wer derzeit auf [YouPorn, A.d.V.] surft, der sieht sich (…) plöt­zlich mit ein­er Dame kon­fron­tiert, die ggf. dem Wun­sch nach sex­ueller Erle­ichterung schnell ein Ende set­zen kön­nte: Johan­na Miki-Leit­ner, bish­er eher bekan­nt als Öster­re­ichs Bun­desin­nen­min­is­terin denn als Dame, die bei YouPorn (in welch­er Form auch immer) in Erschei­n­ung tritt.

“Johan­na will dir zuschauen” heißt es dort auf einem Foto der Innen­min­is­terin. Doch der Klick auf die bewor­bene Seite zeigt nicht etwa intime Ein­sicht­en in das Leben der ÖVP-Poli­tik­erin oder eine Form der masochis­tis­chen Betä­ti­gung der YouPorn-Nutzer, die gle­ichzeit­ig Geld in Öster­re­ich­es Kassen spült. Nein, man sieht nur eine Seite der Piraten­partei Öster­re­ichs, die hier auf das manch­mal recht voyeuris­tisch anmu­tende Streben der Min­is­terin hin­weist und die Bedeu­tung der Pri­vat­sphäre her­vorhebt.

Natür­lich geht diese Aktion völ­lig an der Leben­sre­al­ität der Öster­re­ich­er vor­bei; wer guckt schon auf YouPorn, noch dazu ohne einen Wer­be­block­er? :)

Wie nach­haltig sie anson­sten sein mag, wird Öster­re­ich vielle­icht noch erleben. Grund­sät­zlich aber ist es löblich, dass schon bald im Kom­men­tar­bere­ich unter der Mel­dung die Frage aufkam, wieso das eigentlich die Piraten­partei Deutsch­land noch nicht adap­tiert hat. Ich begrüße diesen Vorschlag: Nur wenig wird das ein­fache Volk so deut­lich zum Nach­denken brin­gen wie das einge­blendete Gesicht von Thomas de Maiz­ière auf ein­er Pornoweb­site. Ich gehe sog­ar noch weit­er und rege hier­mit an, Wer­be­flächen mit diesem Motiv in allen großen Schundme­di­en (YouPorn, Red­Tube, xHam­ster, RTL-Nach­mit­tagspro­gramm, BILD, SPIEGEL ONLINE) zu platzieren. Wählen Sie diesen Mann ab und Sie kön­nen wieder ungestört mas­tur­bieren.

Blöd nur, dass diese Wer­bung dann kein­er gese­hen haben will.

In den NachrichtenMontagsmusik
Portico Quartet — Ruins

Guten MorgenEs ist so was von Mon­tag, das glaubt ihr gar nicht. Dieser Tag kämpft mit harten Ban­da­gen; noch härter als Matthias Beer­mann, der sich am Fre­itag in der “Rheinis­chen Post” darüber beklagte, die “deutsche Seele” sei zer­fressen von einem “Arg­wohn gegen Ameri­ka”, was durch den “völ­lig irra­tionalen Kreuz­zug gegen TTIP” (alle­samt: ebd.) belegt wer­den könne. Ich schlage den “Orden wider den tierischen Ernst” für Matthias Beer­mann, einen Troll son­der­gle­ichen, vor.

Frei­heit hat ihren Preis. Auch ziem­lich teuer war übri­gens der “neue” Berlin­er Flughafen. Auf­grund von Sta­tikprob­le­men kön­nte es sein, dass er später fer­tig wird als, sagen wir, GNU/Hurd. Früher hätt’s das nicht gegeben, da hätte man das den Profis über­lassen. Anderes übri­gens auch: Sau­di-Ara­bi­en ist bei den UN nun für Men­schen­rechte zuständig, Sad­dam Hus­sein war lei­der ger­ade unpässlich.

Kapit­uliert haben auch Andere, zum Beispiel die drei Her­ren von Por­ti­co, die 2013 ihr viertes Mit­glied, das “Quar­tet” im Band­na­men und ihre musikalis­che Aus­rich­tung ver­loren haben und 2015 mit “Liv­ing Fields” ein schnar­ch­lang­weiliges Elek­tropopal­bum auf den Markt schmis­sen. Ihre Vorgänger­band indes hin­ter­ließ manch­es Juwel der zeit­genös­sis­chen Jazzmusik, zum Beispiel “Ruins”.

Welch tre­f­fend­er Titel für einen Mon­tag­mor­gen, welch ver­rück­te Benen­nung ange­hörs des Wohlk­langs!

Por­ti­co Quar­tet — Ruins

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
In aller Kürze: Pappa ante portas, Kubaner aus dem Häuschen

Och:

Tausende Kubaner jubel­ten dem Papst auf den Straßen von Havan­na zu. Gle­ich nach der Ankun­ft forderte Franziskus mehr Reli­gions­frei­heit in dem kom­mu­nis­tis­chen Karibik­staat.

Papst Franz, Staat­sober­haupt eines Lan­des, dessen Staats­bürg­er­schaft nur an Katho­liken vergeben wird, hat offen­sichtlich ein ges­paltenes Bild von Reli­gions­frei­heit. — Ach, um Reli­gionsfrei­heit geht es gar nicht, son­dern darum, den Ein­fluss der Katho­liken zu mehren?

Die Kirche wolle das kuban­is­che Volk mit seinen Hoff­nun­gen und seinen Sor­gen begleit­en, “in Frei­heit und mit allen notwendi­gen Mit­teln und Freiräu­men”, sagte der 78-Jährige.

Dann hab’ ich nichts gesagt!