“Es folgt die Sondersendung: Alles, was wir zum Thema ‘Anonymous’ sicher wissen.”
Räusper, räusper.
Blätterrascheln.
Ein Schluck Wasser wird getrunken.
Weiteres Rascheln.
“Nichts.”
Tosender Beifall im Publikum.
“Es folgt die Sondersendung: Alles, was wir zum Thema ‘Anonymous’ sicher wissen.”
Räusper, räusper.
Blätterrascheln.
Ein Schluck Wasser wird getrunken.
Weiteres Rascheln.
“Nichts.”
Tosender Beifall im Publikum.
Die Medien haben sich gerade von dem Schock erholt, dass es nun wieder unschick ist, Frankreich zu sein, schon kriegen sie vor Begeisterung den Mund nicht mehr zu: Der Papst hat eine Tür aufgemacht. Ich habe auch schon mal feierlich eine Tür geöffnet, aber das hielt niemand für erwähnenswert. Ich finde das etwas schade.
Schon etwas interessanter vielleicht ist ausnahmsweise “SPIEGEL ONLINE”, wo man nicht nur einen weiteren Gauck’schen Ausbruch der Emotionen (“Sie sehen mich hier einigermaßen bewegt”, ebd.) zu vermelden weiß, sondern auch weit Tiefergründiges:
Die Chef-Christdemokraten mögen sich noch so bieder geben, CDU-Funktionäre heizen den Hass gegen Andersdenkende und Flüchtlinge an. Und sie sitzen in den Ortsbeiräten, in den Kreistagen, missbrauchen die Demokratie für ihre Zwecke.
Hoppla, verlesen, das steht da gar nicht — natürlich wird auf “SPIEGEL ONLINE” der Unterschied zwischen Regierungs- und Splitterparteien berücksichtigt, es ging natürlich um die NPD, die wieder einmal verboten werden soll, weil, wie jeder weiß, politisch Radikale sofort aufhören, radikal zu sein, wenn man einen ihrer öffentlichen Vereine auflöst:
Der Staat darf Hetze und Gewalt gegen Minderheiten nicht tolerieren, sondern muss eine Grenze setzen.
Zur allgemeinen Erbauung ist das Bundesverfassungsgericht als überparteiliches Organ nicht der Staat, denn nur wenig wäre fataler als die unheilige Koalition aus CDU/CSU und SPD zu höchsten Richtern über Recht und Unrecht entscheiden zu lassen; aber wer auf “SPIEGEL ONLINE” über Politik schreibt, der braucht bekanntlich nicht viel Wissen über sein Ressort.
Dieser hanebüchene Quatsch ist in seiner Gesamtheit übrigens eine Antwort auf den Kommentar eines anderen Redakteurs von “SPIEGEL ONLINE”, der da schrieb:
Wie wehrhaft muss der freiheitliche Staat sich zeigen? Gerät er in der Not in Gefahr, seine eigenen Werte — Freiheit, Liberalität, Weltoffenheit — aus Angst vor der unheimlichen Bedrohung hintanzustellen? (…)
Während deutsche Kampfflugzeuge an der Seite einer internationalen Kriegskoalition über Syrien kreisen, Bomben und Raketen als letztes Mittel für den Schutz der freiheitlichen Ordnungen vor dem IS aufbieten, sitzen die deutschen Verfassunghüter (sic! A.d.V.) in ihrem Gehäuse beim Glasperlenspiel.
Da machen sie wenigstens nichts kaputt.
Nein, nein, keine Toleranz der Intoleranz; Verbote lösen bekanntlich Probleme, bekanntlich ist mit dem Verbot der KPD vor über sechzig Jahren auch jeder radikale Kommunismus aus Deutschland vertrieben worden, mit dem Verbot des Vertriebs von Software wie CloneCD jedes Musikkopierportal in der Versenkung verschwunden. Vielleicht sollte jemand anregen, Straftaten allgemein zu verbieten — jede Terrorgefahr wäre damit zweifelsohne aus der Welt geschafft.
Die einfachsten Lösungen sind oft die besten.
Montag. Zusammen aufzuwachen wäre noch etwas grandioser, wenn da nur nicht dieses Vermissen danach wäre; aber wie könnte man seinen Montag ansonsten besser beginnen als mit Kaffee und zu zweit? Manchmal: Dankbar sein.
Ein jingle spielt. Die Nachrichten. Great Schrott. Kann man sich eigentlich auch totlachen? Das wäre mal ein humaner Krieg. Warum nicht gleich Krieg gegen Niederschläge in Form von Regen am Wochenende? Vielleicht sollte man Terrorismus einfach verbieten. Andererseits: Religion ist Krieg.
Das ist alles so deprimierend. Gucken wir ins Tierreich. — Das kann man ja mal verwechseln: “Ich dachte, die Frau in meinem Bett sei ein riesiger Panda.” Die sehen sich aber auch immer alle so ähnlich.
Es ist ja nicht alles schlecht. Es gibt jetzt Klopapier mit Lebkuchengestank. Dann muss man das Zeug nicht erst essen und spart einen Weg. Aber ich will nicht klagen. Seid besinnlich, sonst…
Guten Morgen.
(Vorbemerkung: Ein Rant, keineswegs zur inhaltlichen Auseinandersetzung gedacht.)
Die Idiokratie schreitet voran. Seit in der Linuxwelt mit “Docker” endlich ein werbetauglicher Name für das unter BSD schon längst nicht mehr bemerkenswerte Konzept der virtuellen “Container” gefunden wurde, halten Entwickler es für ratsam, den Benutzern ihrer Produkte gar nicht mehr zumuten zu wollen, halbwegs zu wissen, was gerade passiert. Die scheußliche, praxisuntaugliche Forensoftware Discourse ließe sich wahrscheinlich auch manuell installieren, empfohlen wird aber eine Installation “per Docker”. Bloß nicht zu viel nachdenken lassen, das passiert alles automatisch. Automatisch ist gut. Noch etwas blöder sind eigentlich nur noch die Witzbolde von Let’s Encrypt, die für ihre prophezeite Zukunft des SSL-Verschlüsselns gern eine Python-VM, Docker und noch einige Wunderlichkeiten hätten. Is’ ja Open Source, kannste ja reingucken, also muss dich gar nicht interessieren, was da gerade vor sich geht.
Wenn eine konzeptionell nicht furchtbar umfangreiche Software eine eigene Umgebung braucht, um unterstützenswert zu laufen, dann funktioniert sie nicht. Ein Administrator, der sich darauf verlässt, dass ein System, das sich sozusagen mit Sack und Pack selbst installiert, schon keinen Unfug anrichten wird, sollte niemals die Erlaubnis bekommen, ein Firmennetzwerk oder — noch schlimmer — einen Webserver zu warten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet sieht anders aus.
JavaScript, das irgendwelche Sicherheitslücken ausnutzt, lässt sich mittlerweile in Bildern verstecken. Hat euer Browser immer noch kein uMatrix? Ach so, ich verstehe: So viel klicken wollen wir ja alle nicht. Kann ja nichts passieren. Snowden hat seine Schuldigkeit getan, Snowden kann gehen. Diese Website sagt, ihr sollt kryptische, teilweise verschlüsselte Befehle in eure Kommandozeile eingeben, wenn ihr SSL auf eurer Website einsetzen wollt. Wovor sollte man sich auch Sorgen machen? Entpackt einfach diesen Container, startet diese virtuelle Umgebung, lasst unsere Software alles installieren, was sie braucht. Ihr müsst nicht wissen, was der Rechner, für den ihr rechtlich verantwortlich seid, gerade eigentlich rechnet. Wir wissen, was gut für euch ist. Is’ ja Linux. Is’ ja sicher.
Ich befürworte übrigens immer noch einen Pflichtführerschein für Internetnutzer. Wer nachweislich zu doof oder zu faul für wenigstens ein Mindestmaß an Verantwortungsbewusstsein in Netzwerken ist, der sollte das Recht auf Internet verwehrt bekommen. Im Straßenverkehr funktioniert das doch auch.
Dermaßen viele Ausrufezeichen, wie ich hier gern setzte, verstießen gegen jede Regel des guten Geschmacks, also setze ich kein einziges:
Als eine Stunde des Konzerts vorüber ist, denke ich, dass die Hirntoten nun langsam genug Fotos vom immergleichen Motiv (Klavier, Klavierspieler, Sänger, mal sitzend, mal stehend) geschossen haben müssten, aber weit gefehlt. Sie knipsen immer neue Bilder, die genau so aussehen wie die 5.000, die sie in der letzten halben Stunde geschossen haben. Mit Blitz. Immer dieser Blitz. Nochmal: Was stimmt mit den Menschen nicht? Der Saal ist dunkel, es gibt atmosphörische Musik und sie blitzen. Das ist wie bei einer Beerdigung auf den Sarg scheißen. Das tut man einfach nicht und das weiß normalerweise auch jeder. Nur in Berlin wieder nicht, hier wissen sie nichts.
Menschen. Sie werden so schnell doof.
Die Bundesregierung will bis zu 1200 Soldaten in den Kampf gegen den IS schicken. (…) Es ist ein Kampfeinsatz, den Kanzlerin Angela Merkel und ihre Minister planen — mit Aufklärungstornados, Luftbetankung und einer Fregatte soll Frankreich im Kampf gegen die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) unterstützt werden. (…) Kurz vor der Entscheidung sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) der “Bild”-Zeitung: “Wir tun das, was militärisch gebraucht wird, wir am besten können und politisch verantworten können.”
Wenn wir Deutschen eins können, dann ja wohl Krieg!
(per SPON)
Montag. Aufzuwachen von Geräuschen der besten aller Partnerinnen vermag manches zu erleichtern, auch die Uhrzeit. “Mistwetter statt Kaffee” ist das neue “Brot statt Böller”. Das alte war auch doof.
Die Nachrichten überschlagen sich derweil: Günther Jauch hört mit Monologsmoderation auf. Doch, echt! Dann muss man ja wieder Fußball gucken, wenn man nicht schlafen kann. Wie anstrengend ist das denn‽ — Andererseits könnte es schlimmer sein. Man könnte mit Kind zur Arbeit gehen. Nix geben. Nix zeigen. Ich mag eh keine fremden Babys.
Und es war, ist und wird noch mehr Advent, Kinder werden umworben und indoktriniert. Die Infantilisierung und Indoktrination mit dem sparentflammten Geist der Weihnacht geht voran. Zum Glück zahlen wir Rundfunkgebühren, sonst wäre das Fernsehprogramm dieser Tage sicherlich nicht besonders spannend. Ab Ende Dezember dürft ihr Menschen wieder offen hassen. Das Christsein ist sowieso verbrannt, seit Christen sich politisieren.
Die Einschläge kommen näher. Niemand hält die Enten auf. Es wäre Zeit für die Jahresrückschau, aber unsereins ist ja faul und ein bisschen erkältet. Stattdessen also erst mal JPL. Eine gute Band, ein gutes Album (das aber anders heißt).
Guten Tag.
Microsofts kreative Versionierung:
This initial shipping version of Windows 10 can also be identified by a build number, 10240. Where the 10 stands for 10 and the 240 stands for absolutely nothing. Actually, the 10 doesn’t stand for 10 either: That’s just the 10,240th time Microsoft has built Windows. Except, of course, that it isn’t.
Genderirrsinn an der Yale University:
It is not about creating an intellectual space! You understand that? It is about creating a home here! You are not doing that!
Naja, auch in den USA brauchen sie ja Leute, die später mal die Klos putzen.
Der Tod ist ein Kassenwart aus Deutschland:
Die Waffen, die vor zwei Wochen an die 130 Franzosen getötet haben, waren nun vielleicht doch nicht, wie vormals behauptet, von hier. Das meldeten die Nachrichten in allen Kanälen. Dass sie in Deutschland geordert wurden, war halt doch nur ein Gerücht von bösen Zungen. (…) Wieder ein wenig weniger Schuld auf den Schultern dieses Landes.
Die Schuld, die Schuld tragen zum Glück immer die Anderen (i.e. Gabriel, Sigmar).
Es mag überraschen: Manchmal gucken sogar Journalisten nicht so genau hin. Konzertierte Anonymous-Aktion oder getrolltes Trolltrollen? Zivilistin oder zerfetzte Selbstmordattentäterin? Die sehen ja auch alle gleich aus:
Die angebliche Selbstmordattentäterin von Saint-Denis lebt ahnungslos in Marokko
Vorher ging natürlich ein, sagen wir, unvorteilhaftes Wannenfoto von ihr durch die Medien, natürlich nackich. Die Botschaft kommt an: Wir, der Westen, sind nicht prüde; wir, der Westen, mögen Nippel. Wir sind hier frei und ihr, die Terroristen, nicht. Frei von Besonnenheit, möchte man da hinzufügen, nicht aber frei von verqueren Weltbildern. Natürlich sind die Guten aber immer diejenigen, die das Richtige bejubeln, wie’s das Stimmungsbarometer auf der Website eines bekannten deutschen Drecksblatts dem Vernehmen nach gut widerspiegelt: Hier stirbt ein Rohling! Lachen, Weinen, Wut, Trauer?
Was das Richtige ist, wird mit den Füßen abgestimmt. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier. Zumindest, so lange sie sehen können, wo die anderen Geier sind:
Drüben beim fratzenbuch gibts noch zähler in den so genannten “buttons”, die in wirklichkeit träcking-wanzen sind, die diese ganzen idjoten in ihre webseits reinbauen. Zeigt ja zahl, misst ja kwalität!
Bekloppt, alle bekloppt.
Erregung über Leute, die Kunstwerke und Konzerte nur noch zu besuchen scheinen, um sich selbst dort zu fotografieren, ist eigentlich auch mal wieder angemessen; auf die Generation derer, die auf Konzerten allein deshalb klatschen, um sich selbst dafür zu beglückwünschen, das jeweilige Lied zutreffend erkannt zu haben, folgt offenbar jene, deren Hineingeborene das digitale Spiegelbild zum Zentralgestirn des kulturellen Kosmos’ erklärt haben. Für die virtuelle Ewigkeit konserviert wird heute der Moment der eigenen Zufriedenheit völlig ohne Einfangen des Moments selbst. Ob sie wohl auch auf Lesungen leicht neben dem Takt der Verse mitklatschen?
Dies nur, da mir unlängst eine Orchesterversion des Straßenfegers “Ghostbusters” begegnete und das sich sonstwie klassisch gebärdende Publikum schief mitklatschte. Wenigstens sang es nur auf Zuruf einen Teil des Textes. Eigentlich aber lehnt sich mein “Kultur”-Realismus heute gegen die App namens Hannover Hangover auf:
Auf Partys entstehen manchmal Bilder, die man lieber nicht im Netz sehen möchte. Mit der “HangoverApp” kann man sich schützen, verspricht der Hersteller. Sie zeigt die Aufnahmen nur, wenn alle Beteiligten zusammenkommen.
Das is’ ja wie bei Snapchat, der Rubbelapp für Katholiken, nur geringfügig anders: Man könnte selbstverständlich darauf verzichten, über von Unbekannten betriebene ebenso unbekannte Server in einem unbekannten Land vor gar nicht allzu langer Zeit selfies von den eigenen Fortpflanzungsorganen miteinander auszutauschen, aber für irgendwas müssen diese hippen neuen Medien ja da sein, und wofür, wenn nicht als Amateurpornoquelle? Gibt’s ja im Internet sonst viel zu wenig. — Ab und zu schüttet Snapchat auch in guter, alter Kommunistenmanier seine Benutzerdatenbank aus, damit wieder Platz ist für neues Fleisch. Sieht ja keiner. Ist ja alles gleich gelöscht.
Und so ist das mit Feierfotos eben auch: Wer davon ausgeht, dass man just in diesem Moment umgeben ist von Leuten, die keineswegs verantwortungsvoller und zurechnungsfähiger sind als man selbst, und man sowieso schon davon ausgeht, dass das, was man hier und jetzt zu fotografieren beabsichtigt, die Öffentlichkeit besser nicht zu Gesicht bekommen sollte, der lässt seine Taschenknipse doch einfach mal in der Tasche und lebt im Augenblick. Nichts ist schlimmer als ein Moment, den man nur durch den Sucher erlebt hat. Aber was soll’s, es ist ja Platz, der Digitalfilm vergisst nicht. Alles sammeln, es sehen ja sowieso nur diejenigen, die auch selbst dabei sind und das mit dem Sucher auch nicht verstanden haben. Eines Tages kann man sich dann mit den Anderen, die den Moment auch verpasst haben, zusammensetzen und sich gemeinsam angucken, was man hätte erleben können, wenn man nicht so beschäftigt damit gewesen wäre, Erinnerungen zu verbildlichen, weil man sich sicher war, dass sie am nächsten Tag ohnehin allmählich verblassten.
Das Leben als Projektion, als sei es nur im Hochglanz etwas wert.
Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael /
Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier wa-a-ar.
Nina Hagen
Real-Life-Hack des Tages: Erhalten Sie hier Ihren Gratisfalken!
Man soll den Montag nicht vor dem nächsten Montag loben. Nicht alles ist entbehrlich. Manchmal sind Menschen ja auch furchtbar dumm. Sogar in Metropolen:
Die Signalfarbe “Gelb” wird in Deutschland für Fußgängerampeln in aller Regel nicht genutzt. Ausnahme hierbei ist die Stadt Düsseldorf, die über “Rot-Gelb-Grün”-Signale für Fußgänger verfügt. Einige Menschen sind irritiert über diese Gelbphase, weshalb die Stadt Düsseldorf eine achtseitige Broschüre verteilte. Thema war: So gehen Sie in Düsseldorf über die Straße.
Natürlich ist diese Broschüre in ziemlich leichter Sprache verfasst. Wer schon von einer dreifarbig leuchtenden Ampel überfordert ist, dem mutet man lieber auch keine komplizierten Sätze zu. Vielleicht hätte es aber auch ein Bilderbuch getan.
Was es übrigens keinesfalls tut, ist Chromium, der Browser, auf dem Google Chrome, Vivaldi, Opera und sicher noch viele weitere basieren. Dieser Tage stellte sich heraus, dass all diese Browser nicht nur ein Hintertürchen (Vorsicht: Link auf Google Plus) besitzen, das es ermöglicht, Zwangserweiterungen mit vollen Zugriffsrechten zu installieren, sondern auch einen defekten Zufallszahlengenerator hat. “Der Browser ist weiterhin ein verwirrender und gefährlicher Ort” (ebd.), aber man muss ja mit der Zeit gehen. Sicherheit ist so 2010.
Popmusik zum Glück auch.
Kläng, dingelding.
Guten Morgen.
Eine Uhr wie in den Films hat mir gerade noch gefehlt. Zum Glück erhielt ich heute eine Mail von “Liese”, die Abhilfe versprach. Offensichtlich handelte es sich um eine HTML-Mail, irgendein extern eingebundenes Bild sollte nachgeladen werden; aber ich bin ja bekanntlich nicht völlig bescheuert.
Der Reintext ist aber auch super.
Jeder will sie von mir kaufen
Und dann bekomme gerade ich dieses unfassbare Angebot? Es geschehen Wunder!
Cool: Mit der Uhr mailen »
Prima! Außerdem: Mit dem Telefon Bücher lesen. Diese neue Zeit ist erschreckend, nicht?
Kannst eine Uhr wie in den Films haben
Hoffentlich wie in guten Films, nicht wie in Comicfilms.
Hier a b*melden
Was? Wovon? Wofür? War nicht “anmelden” gemeint? Und seit wann wird die Meldung gegendert? Ich bin irritiert.
Aber noch mal zur Uhr:
Super, zeigt sogar die Uhrzeiten…
(sic!)
Äh.
Muss ich haben!
Pünktlich zum heutigen internationalen Männertag habe ich mir die tödliche Männererkältung zugezogen. Meine verbleibende Lebenszeit ist daher wahrscheinlich kurz. Bevor ich also abtrete und der Nachwelt ein CDU-regiertes Deutschland hinterlasse, kann ich ein paar Nachrichten der letzten Tage trotzdem nicht unkommentiert lassen. Es gibt Schlimmeres.
Netzpolitik zum Beispiel mag “tot” sein, aber sinnlos ist sie bei Weitem nicht: Ein US-Geheimdienstler findet, an Terrorismus seien allein Datenschützer schuld. Zum Glück haben wir in Deutschland ein paar Parteien, die sich trotzdem um eine lebenswerte Gesellschaft kümmern, zum Beispiel die “Grünen”, die endlich eine Möglichkeit gefunden haben, ihrem image als Partei der Waffennarren und erhobenen Zeigefinger eine neue Form der Beklopptheit zu geben:
“Um sicherzustellen, dass alle Menschen gleichermaßen genannt und dadurch mitgedacht werden, wird in unseren Beschlüssen ab jetzt der Gender-Star benutzt”, begründet der Bundesvorstand seinen Vorstoß.
Beziehungsweise eben der*die Bundesvorstand*in. Ich finde es übrigens durchaus angenehm bissig, bei der Sprachverhunzung dem Patriarchat weiterhin den Kern eines Wortes und den Frauen das überflüssige, aber immerhin letzte Wort (“*in”) zu überlassen.
Da wir gerade bei Parteien sind: Laut “SPIEGEL ONLINE” sei die AfD derzeit die drittstärkste Kraft im Bundestag. Wie praktisch, dann muss man nicht mehr wählen gehen, wenn der Wahlausgang Jahre zuvor rückwirkend per Umfrage festgelegt wird. Hunde, wollt ihr ewig leben? Manche jedenfalls nicht: Das Netz ist gespalten. Was wir jetzt brauchen, sind mehr traurige Menschen mit Zetteln, mehr Flaggenavatare auf Twitter und mehr Tonnenboys (m/w).
Apropos Tonnenboys bzw. och nei, du: Xavier Naidoo (“Wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?”, aus: “Wo sind sie jetzt?”), der wohl bekannteste Gefangene der Deutschland GmbH, darf 2016 im “Eurovision Song Contest” für dieses schwer gebeutelte Land “singen”. Nun könnte man einwerfen, dass es ja ein Länder- und kein Musikerwettstreit sei, und dann hört man sich einmal die dort aufgeführten austauschbaren englischsprachigen Mitklatschschlager der vergangenen Jahre an und zieht seinen Einwand zurück. Seien wir doch ehrlich und geben zu, dass wir uns mindestens seit dem Jahr nach Nicole Ohnenachnamens erschreckend erfolgreichem “Ein bisschen Frieden” nicht mehr mit den Auftritten identifizieren können und mit der Musik noch viel weniger. Dass aus Deutschland nicht viel gute Musik kommt, mag stimmen; dass aber der “Eurovision Song Contest” ein medial aufgeblasener Schlagerwettstreit und kein ernst zu nehmendes künstlerisch bemerkenswertes Musikfestival ist und Xavier Naidoo mit seinem melodisch und textlich bestenfalls nur belanglosen Gejammer nicht einmal der lachhafteste mögliche Vertreter Deutschlands ist, wird vor lauter Politisierung viel zu sehr verdrängt.
“Leike Setteleit” war auch nicht deshalb ein Erfolg, weil es so gut zu Deutschland passen würde.
Gute Besserung uns allen.
Es ist Montag. Ein Blick nach links und lächeln. Zumindest war es diesmal kein Traum. Das Käuzchen schweigt und genießt, das Leben kann beginnen.
Allmählich verdaut man dann auch, was letzte Woche außer den erneuten Anschlägen in Frankreich, unserem Nachbarland mit scharfer Vorratsdatenspeicherung zur effizienten Gewaltprävention, mitsamt dringend erforderlichen Belanglosigkeiten noch geschah. Endlich wurde wieder jemand getötet, damit das Töten aufhört. Der unbewaffnete neunjährige Autist hingegen, der unlängst von der US-amerikanischen Polizei erschossen wurde, war gar nicht bedrohlich. Hoppla! Aber solche Fehler können ja mal passieren in dieser verrohten Gesellschaft, die nach der Überwindung von Lesesucht, die im 19. Jahrhundert unser Miteinander gefährdete, und Fernsehen, das im 20. Jahrhundert unser Miteinander gefährdete, inzwischen durch Smombiefizierung gefährdet wird. Das Jugendwort des Jahres erkennt man ja normalerweise daran, dass es niemand benutzt.
Unverzeihlich ist es hingegen, wenn auf Müllermilch eine Dunkelhäutige prangt. Allein der Name schon — “Schoko”! Das heißt doch jetzt Farbigolade. Gegen einen muskulösen dunkelhäutigen Musiker hätte man aber wahrscheinlich nichts gehabt. Die werden ja nicht diskriminiert dadurch.
Man weiß schon gar nicht mehr, was man noch zeigen soll. Menschen jedenfalls nicht.
Dann eben Elektrodingsbums.
Guten Morgen.
(via)