PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Von Türen und Toren

Die Medi­en haben sich ger­ade von dem Schock erholt, dass es nun wieder unschick ist, Frankre­ich zu sein, schon kriegen sie vor Begeis­terung den Mund nicht mehr zu: Der Papst hat eine Tür aufgemacht. Ich habe auch schon mal feier­lich eine Tür geöffnet, aber das hielt nie­mand für erwäh­nenswert. Ich finde das etwas schade.

Schon etwas inter­es­san­ter vielle­icht ist aus­nahm­sweise “SPIEGEL ONLINE”, wo man nicht nur einen weit­eren Gauck’schen Aus­bruch der Emo­tio­nen (“Sie sehen mich hier einiger­maßen bewegt”, ebd.) zu ver­melden weiß, son­dern auch weit Tiefer­gründi­ges:

Die Chef-Christ­demokrat­en mögen sich noch so bieder geben, CDU-Funk­tionäre heizen den Hass gegen Ander­s­denk­ende und Flüchtlinge an. Und sie sitzen in den Orts­beiräten, in den Kreista­gen, miss­brauchen die Demokratie für ihre Zwecke.

Hop­pla, ver­lesen, das ste­ht da gar nicht — natür­lich wird auf “SPIEGEL ONLINE” der Unter­schied zwis­chen Regierungs- und Split­ter­parteien berück­sichtigt, es ging natür­lich um die NPD, die wieder ein­mal ver­boten wer­den soll, weil, wie jed­er weiß, poli­tisch Radikale sofort aufhören, radikal zu sein, wenn man einen ihrer öffentlichen Vere­ine auflöst:

Der Staat darf Het­ze und Gewalt gegen Min­der­heit­en nicht tolerieren, son­dern muss eine Gren­ze set­zen.

Zur all­ge­meinen Erbau­ung ist das Bun­desver­fas­sungs­gericht als über­parteilich­es Organ nicht der Staat, denn nur wenig wäre fataler als die unheilige Koali­tion aus CDU/CSU und SPD zu höch­sten Richtern über Recht und Unrecht entschei­den zu lassen; aber wer auf “SPIEGEL ONLINE” über Poli­tik schreibt, der braucht bekan­ntlich nicht viel Wis­sen über sein Ressort.

Dieser hanebüch­ene Quatsch ist in sein­er Gesamtheit übri­gens eine Antwort auf den Kom­men­tar eines anderen Redak­teurs von “SPIEGEL ONLINE”, der da schrieb:

Wie wehrhaft muss der frei­heitliche Staat sich zeigen? Gerät er in der Not in Gefahr, seine eige­nen Werte — Frei­heit, Lib­er­al­ität, Weltof­fen­heit — aus Angst vor der unheim­lichen Bedro­hung hin­tanzustellen? (…)

Während deutsche Kampf­flugzeuge an der Seite ein­er inter­na­tionalen Kriegskoali­tion über Syrien kreisen, Bomben und Raketen als let­ztes Mit­tel für den Schutz der frei­heitlichen Ord­nun­gen vor dem IS auf­bi­eten, sitzen die deutschen Ver­fas­sunghüter (sic! A.d.V.) in ihrem Gehäuse beim Glasper­len­spiel.

Da machen sie wenig­stens nichts kaputt.

Nein, nein, keine Tol­er­anz der Intol­er­anz; Ver­bote lösen bekan­ntlich Prob­leme, bekan­ntlich ist mit dem Ver­bot der KPD vor über sechzig Jahren auch jed­er radikale Kom­mu­nis­mus aus Deutsch­land ver­trieben wor­den, mit dem Ver­bot des Ver­triebs von Soft­ware wie CloneCD jedes Musikkopier­por­tal in der Versenkung ver­schwun­den. Vielle­icht sollte jemand anre­gen, Straftat­en all­ge­mein zu ver­bi­eten — jede Ter­rorge­fahr wäre damit zweifel­sohne aus der Welt geschafft.

Die ein­fach­sten Lösun­gen sind oft die besten.

MontagsmusikIn den Nachrichten
The Dillinger Escape Plan — Milk Lizard

SchuuuhuuuuuiiiiiiMon­tag. Zusam­men aufzuwachen wäre noch etwas grandios­er, wenn da nur nicht dieses Ver­mis­sen danach wäre; aber wie kön­nte man seinen Mon­tag anson­sten bess­er begin­nen als mit Kaf­fee und zu zweit? Manch­mal: Dankbar sein.

Ein jin­gle spielt. Die Nachricht­en. Great Schrott. Kann man sich eigentlich auch tot­lachen? Das wäre mal ein human­er Krieg. Warum nicht gle­ich Krieg gegen Nieder­schläge in Form von Regen am Woch­enende? Vielle­icht sollte man Ter­ror­is­mus ein­fach ver­bi­eten. Ander­er­seits: Reli­gion ist Krieg.

Das ist alles so deprim­ierend. Guck­en wir ins Tier­re­ich. — Das kann man ja mal ver­wech­seln: “Ich dachte, die Frau in meinem Bett sei ein riesiger Pan­da.” Die sehen sich aber auch immer alle so ähn­lich.

Es ist ja nicht alles schlecht. Es gibt jet­zt Klopa­pi­er mit Lebkuchenges­tank. Dann muss man das Zeug nicht erst essen und spart einen Weg. Aber ich will nicht kla­gen. Seid besinnlich, son­st…

The Dillinger Escape Plan — Milk Lizard — Live on Fear­less Music

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Virtualisierungswahn

(Vorbe­merkung: Ein Rant, keineswegs zur inhaltlichen Auseinan­der­set­zung gedacht.)

Die Idiokratie schre­it­et voran. Seit in der Lin­uxwelt mit “Dock­er” endlich ein wer­be­tauglich­er Name für das unter BSD schon längst nicht mehr bemerkenswerte Konzept der virtuellen “Con­tain­er” gefun­den wurde, hal­ten Entwick­ler es für rat­sam, den Benutzern ihrer Pro­duk­te gar nicht mehr zumuten zu wollen, halb­wegs zu wis­sen, was ger­ade passiert. Die scheußliche, prax­isun­taugliche Foren­soft­ware Dis­course ließe sich wahrschein­lich auch manuell instal­lieren, emp­fohlen wird aber eine Instal­la­tion “per Dock­er”. Bloß nicht zu viel nach­denken lassen, das passiert alles automa­tisch. Automa­tisch ist gut. Noch etwas blöder sind eigentlich nur noch die Witzbolde von Let’s Encrypt, die für ihre prophezeite Zukun­ft des SSL-Ver­schlüs­selns gern eine Python-VM, Dock­er und noch einige Wun­der­lichkeit­en hät­ten. Is’ ja Open Source, kannste ja rein­guck­en, also muss dich gar nicht inter­essieren, was da ger­ade vor sich geht.

Wenn eine konzep­tionell nicht furcht­bar umfan­gre­iche Soft­ware eine eigene Umge­bung braucht, um unter­stützenswert zu laufen, dann funk­tion­iert sie nicht. Ein Admin­is­tra­tor, der sich darauf ver­lässt, dass ein Sys­tem, das sich sozusagen mit Sack und Pack selb­st instal­liert, schon keinen Unfug anricht­en wird, sollte niemals die Erlaub­nis bekom­men, ein Fir­men­net­zw­erk oder — noch schlim­mer — einen Web­serv­er zu warten. Ein ver­ant­wor­tungsvoller Umgang mit dem Inter­net sieht anders aus.

JavaScript, das irgendwelche Sicher­heit­slück­en aus­nutzt, lässt sich mit­tler­weile in Bildern ver­steck­en. Hat euer Brows­er immer noch kein uMa­trix? Ach so, ich ver­ste­he: So viel klick­en wollen wir ja alle nicht. Kann ja nichts passieren. Snow­den hat seine Schuldigkeit getan, Snow­den kann gehen. Diese Web­site sagt, ihr sollt kryp­tis­che, teil­weise ver­schlüs­selte Befehle in eure Kom­man­dozeile eingeben, wenn ihr SSL auf eur­er Web­site ein­set­zen wollt. Wovor sollte man sich auch Sor­gen machen? Ent­packt ein­fach diesen Con­tain­er, startet diese virtuelle Umge­bung, lasst unsere Soft­ware alles instal­lieren, was sie braucht. Ihr müsst nicht wis­sen, was der Rech­n­er, für den ihr rechtlich ver­ant­wortlich seid, ger­ade eigentlich rech­net. Wir wis­sen, was gut für euch ist. Is’ ja Lin­ux. Is’ ja sich­er.

Ich befür­worte übri­gens immer noch einen Pflicht­führerschein für Inter­net­nutzer. Wer nach­weis­lich zu doof oder zu faul für wenig­stens ein Min­dest­maß an Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein in Net­zw­erken ist, der sollte das Recht auf Inter­net ver­wehrt bekom­men. Im Straßen­verkehr funk­tion­iert das doch auch.

MusikNetzfundstücke
Zitat des Tages: Musiksmombies

Der­maßen viele Aus­rufeze­ichen, wie ich hier gern set­zte, ver­stießen gegen jede Regel des guten Geschmacks, also set­ze ich kein einziges:

Als eine Stunde des Konz­erts vorüber ist, denke ich, dass die Hirn­toten nun langsam genug Fotos vom immer­gle­ichen Motiv (Klavier, Klavier­spiel­er, Sänger, mal sitzend, mal ste­hend) geschossen haben müssten, aber weit gefehlt. Sie knipsen immer neue Bilder, die genau so ausse­hen wie die 5.000, die sie in der let­zten hal­ben Stunde geschossen haben. Mit Blitz. Immer dieser Blitz. Nochmal: Was stimmt mit den Men­schen nicht? Der Saal ist dunkel, es gibt atmo­sphörische Musik und sie blitzen. Das ist wie bei ein­er Beerdi­gung auf den Sarg scheißen. Das tut man ein­fach nicht und das weiß nor­maler­weise auch jed­er. Nur in Berlin wieder nicht, hier wis­sen sie nichts.

Men­schen. Sie wer­den so schnell doof.

PolitikIn den Nachrichten
Was wir am besten können

Die Bun­desregierung will bis zu 1200 Sol­dat­en in den Kampf gegen den IS schick­en. (…) Es ist ein Kampfein­satz, den Kan­z­lerin Angela Merkel und ihre Min­is­ter pla­nen — mit Aufk­lärungstor­na­dos, Luft­be­tankung und ein­er Fre­gat­te soll Frankre­ich im Kampf gegen die Ter­rormiliz “Islamis­ch­er Staat” (IS) unter­stützt wer­den. (…) Kurz vor der Entschei­dung sagte Außen­min­is­ter Frank-Wal­ter Stein­meier (SPD) der “Bild”-Zeitung: “Wir tun das, was mil­itärisch gebraucht wird, wir am besten kön­nen und poli­tisch ver­ant­worten kön­nen.”

Wenn wir Deutschen eins kön­nen, dann ja wohl Krieg!

(per SPON)

In den NachrichtenMontagsmusik
JPL — Invisible Death

Keine EuleMon­tag. Aufzuwachen von Geräuschen der besten aller Part­ner­in­nen ver­mag manch­es zu erle­ichtern, auch die Uhrzeit. “Mis­t­wet­ter statt Kaf­fee” ist das neue “Brot statt Böller”. Das alte war auch doof.

Die Nachricht­en über­schla­gen sich der­weil: Gün­ther Jauch hört mit Monologsmod­er­a­tion auf. Doch, echt! Dann muss man ja wieder Fußball guck­en, wenn man nicht schlafen kann. Wie anstren­gend ist das denn‽ — Ander­er­seits kön­nte es schlim­mer sein. Man kön­nte mit Kind zur Arbeit gehen. Nix geben. Nix zeigen. Ich mag eh keine frem­den Babys.

Und es war, ist und wird noch mehr Advent, Kinder wer­den umwor­ben und indok­triniert. Die Infan­til­isierung und Indok­tri­na­tion mit dem spar­ent­flammten Geist der Wei­h­nacht geht voran. Zum Glück zahlen wir Rund­funkge­bühren, son­st wäre das Fernseh­pro­gramm dieser Tage sicher­lich nicht beson­ders span­nend. Ab Ende Dezem­ber dürft ihr Men­schen wieder offen has­sen. Das Christ­sein ist sowieso ver­bran­nt, seit Chris­ten sich poli­tisieren.

Die Ein­schläge kom­men näher. Nie­mand hält die Enten auf. Es wäre Zeit für die Jahres­rückschau, aber unsere­ins ist ja faul und ein biss­chen erkäl­tet. Stattdessen also erst mal JPL. Eine gute Band, ein gutes Album (das aber anders heißt).

JPL Invis­i­ble death

Guten Tag.

In den NachrichtenWirtschaftComputerMir wird geschlecht
Dreimal kurz zitiert: Windows 10, Wohlfühlstudenten, Kassenklingeln

Microsofts kreative Ver­sion­ierung:

This ini­tial ship­ping ver­sion of Win­dows 10 can also be iden­ti­fied by a build num­ber, 10240. Where the 10 stands for 10 and the 240 stands for absolute­ly noth­ing. Actu­al­ly, the 10 doesn’t stand for 10 either: That’s just the 10,240th time Microsoft has built Win­dows. Except, of course, that it isn’t.

:lachtot:


Gen­derirrsinn an der Yale Uni­ver­si­ty:

It is not about cre­at­ing an intel­lec­tu­al space! You under­stand that? It is about cre­at­ing a home here! You are not doing that!

Naja, auch in den USA brauchen sie ja Leute, die später mal die Klos putzen.


Der Tod ist ein Kassen­wart aus Deutsch­land:

Die Waf­fen, die vor zwei Wochen an die 130 Fran­zosen getötet haben, waren nun vielle­icht doch nicht, wie vor­mals behauptet, von hier. Das melde­ten die Nachricht­en in allen Kanälen. Dass sie in Deutsch­land geordert wur­den, war halt doch nur ein Gerücht von bösen Zun­gen. (…) Wieder ein wenig weniger Schuld auf den Schul­tern dieses Lan­des.

Die Schuld, die Schuld tra­gen zum Glück immer die Anderen (i.e. Gabriel, Sig­mar).

In den Nachrichten
Medienkritik (extern) in Kürze: “Zeigt ja Zahl, misst ja Qualität.”

Es mag über­raschen: Manch­mal guck­en sog­ar Jour­nal­is­ten nicht so genau hin. Konz­ertierte Anony­mous-Aktion oder getrolltes Troll­trollen? Zivilistin oder zer­fet­zte Selb­st­mor­dat­ten­tä­terin? Die sehen ja auch alle gle­ich aus:

Die ange­bliche Selb­st­mor­dat­ten­tä­terin von Saint-Denis lebt ahnungs­los in Marokko

Vorher ging natür­lich ein, sagen wir, unvorteil­haftes Wan­nen­fo­to von ihr durch die Medi­en, natür­lich nac­kich. Die Botschaft kommt an: Wir, der West­en, sind nicht prüde; wir, der West­en, mögen Nip­pel. Wir sind hier frei und ihr, die Ter­ror­is­ten, nicht. Frei von Beson­nen­heit, möchte man da hinzufü­gen, nicht aber frei von ver­queren Welt­bildern. Natür­lich sind die Guten aber immer diejeni­gen, die das Richtige bejubeln, wie’s das Stim­mungs­barom­e­ter auf der Web­site eines bekan­nten deutschen Drecks­blatts dem Vernehmen nach gut wider­spiegelt: Hier stirbt ein Rohling! Lachen, Weinen, Wut, Trauer?

Was das Richtige ist, wird mit den Füßen abges­timmt. Wo ein Aas ist, da sam­meln sich die Geier. Zumin­d­est, so lange sie sehen kön­nen, wo die anderen Geier sind:

Drüben beim fratzen­buch gibts noch zäh­ler in den so genan­nten “but­tons”, die in wirk­lichkeit träck­ing-wanzen sind, die diese ganzen idjoten in ihre web­seits rein­bauen. Zeigt ja zahl, misst ja kwal­ität!

Bek­loppt, alle bek­loppt.

In den NachrichtenComputer
I got a hangover, whoa.

Erre­gung über Leute, die Kunst­werke und Konz­erte nur noch zu besuchen scheinen, um sich selb­st dort zu fotografieren, ist eigentlich auch mal wieder angemessen; auf die Gen­er­a­tion der­er, die auf Konz­erten allein deshalb klatschen, um sich selb­st dafür zu beglück­wün­schen, das jew­eilige Lied zutr­e­f­fend erkan­nt zu haben, fol­gt offen­bar jene, deren Hineinge­borene das dig­i­tale Spiegel­bild zum Zen­tralge­stirn des kul­turellen Kos­mos’ erk­lärt haben. Für die virtuelle Ewigkeit kon­serviert wird heute der Moment der eige­nen Zufrieden­heit völ­lig ohne Ein­fan­gen des Moments selb­st. Ob sie wohl auch auf Lesun­gen leicht neben dem Takt der Verse mitk­latschen?

Dies nur, da mir unlängst eine Orch­ester­ver­sion des Straßen­fegers “Ghost­busters” begeg­nete und das sich sonst­wie klas­sisch gebär­dende Pub­likum schief mitk­latschte. Wenig­stens sang es nur auf Zuruf einen Teil des Textes. Eigentlich aber lehnt sich mein “Kultur”-Realismus heute gegen die App namens Han­nover Hang­over auf:

Auf Par­tys entste­hen manch­mal Bilder, die man lieber nicht im Netz sehen möchte. Mit der “Hang­over­App” kann man sich schützen, ver­spricht der Her­steller. Sie zeigt die Auf­nah­men nur, wenn alle Beteiligten zusam­menkom­men.

Das is’ ja wie bei Snapchat, der Rubbe­lapp für Katho­liken, nur ger­ingfügig anders: Man kön­nte selb­stver­ständlich darauf verzicht­en, über von Unbekan­nten betriebene eben­so unbekan­nte Serv­er in einem unbekan­nten Land vor gar nicht allzu langer Zeit self­ies von den eige­nen Fortpflanzung­sor­ga­nen miteinan­der auszu­tauschen, aber für irgend­was müssen diese hip­pen neuen Medi­en ja da sein, und wofür, wenn nicht als Ama­teur­pornoquelle? Gibt’s ja im Inter­net son­st viel zu wenig. — Ab und zu schüt­tet Snapchat auch in guter, alter Kom­mu­nis­ten­manier seine Benutzer­daten­bank aus, damit wieder Platz ist für neues Fleisch. Sieht ja kein­er. Ist ja alles gle­ich gelöscht.

Und so ist das mit Feier­fo­tos eben auch: Wer davon aus­ge­ht, dass man just in diesem Moment umgeben ist von Leuten, die keineswegs ver­ant­wor­tungsvoller und zurech­nungs­fähiger sind als man selb­st, und man sowieso schon davon aus­ge­ht, dass das, was man hier und jet­zt zu fotografieren beab­sichtigt, die Öffentlichkeit bess­er nicht zu Gesicht bekom­men sollte, der lässt seine Taschenknipse doch ein­fach mal in der Tasche und lebt im Augen­blick. Nichts ist schlim­mer als ein Moment, den man nur durch den Such­er erlebt hat. Aber was soll’s, es ist ja Platz, der Dig­i­tal­film ver­gisst nicht. Alles sam­meln, es sehen ja sowieso nur diejeni­gen, die auch selb­st dabei sind und das mit dem Such­er auch nicht ver­standen haben. Eines Tages kann man sich dann mit den Anderen, die den Moment auch ver­passt haben, zusam­menset­zen und sich gemein­sam anguck­en, was man hätte erleben kön­nen, wenn man nicht so beschäftigt damit gewe­sen wäre, Erin­nerun­gen zu ver­bildlichen, weil man sich sich­er war, dass sie am näch­sten Tag ohne­hin allmäh­lich verblassten.

Das Leben als Pro­jek­tion, als sei es nur im Hochglanz etwas wert.

Du hast den Farb­film vergessen, mein Michael /
Nun glaubt uns kein Men­sch, wie schön’s hier wa-a-ar.
Nina Hagen


Real-Life-Hack des Tages: Erhal­ten Sie hier Ihren Grat­is­falken!

NetzfundstückeNerdkramsMontagsmusik
Faust (live) // Total verchromt / Ampeln für Anfänger

Huh?Man soll den Mon­tag nicht vor dem näch­sten Mon­tag loben. Nicht alles ist ent­behrlich. Manch­mal sind Men­schen ja auch furcht­bar dumm. Sog­ar in Metropolen:

Die Sig­nal­farbe “Gelb” wird in Deutsch­land für Fußgänger­am­peln in aller Regel nicht genutzt. Aus­nahme hier­bei ist die Stadt Düs­sel­dorf, die über “Rot-Gelb-Grün”-Signale für Fußgänger ver­fügt. Einige Men­schen sind irri­tiert über diese Gelbphase, weshalb die Stadt Düs­sel­dorf eine acht­seit­ige Broschüre verteilte. The­ma war: So gehen Sie in Düs­sel­dorf über die Straße.

Natür­lich ist diese Broschüre in ziem­lich leichter Sprache ver­fasst. Wer schon von ein­er drei­far­big leuch­t­en­den Ampel über­fordert ist, dem mutet man lieber auch keine kom­plizierten Sätze zu. Vielle­icht hätte es aber auch ein Bilder­buch getan.

Was es übri­gens keines­falls tut, ist Chromi­um, der Brows­er, auf dem Google Chrome, Vival­di, Opera und sich­er noch viele weit­ere basieren. Dieser Tage stellte sich her­aus, dass all diese Brows­er nicht nur ein Hin­tertürchen (Vor­sicht: Link auf Google Plus) besitzen, das es ermöglicht, Zwangser­weiterun­gen mit vollen Zugriff­s­recht­en zu instal­lieren, son­dern auch einen defek­ten Zufall­szahlen­gener­a­tor hat. “Der Brows­er ist weit­er­hin ein ver­wirren­der und gefährlich­er Ort” (ebd.), aber man muss ja mit der Zeit gehen. Sicher­heit ist so 2010.

Pop­musik zum Glück auch.

Kläng, din­geld­ing.

Faust live at Fes­ti­val BBmix 2014

Guten Mor­gen.

Spaß mit Spam
Kannst eine Uhr wie in den Films haben

Eine Uhr wie in den Films hat mir ger­ade noch gefehlt. Zum Glück erhielt ich heute eine Mail von “Liese”, die Abhil­fe ver­sprach. Offen­sichtlich han­delte es sich um eine HTML-Mail, irgen­dein extern einge­bun­denes Bild sollte nachge­laden wer­den; aber ich bin ja bekan­ntlich nicht völ­lig bescheuert.

Der Rein­text ist aber auch super.

Jed­er will sie von mir kaufen

Und dann bekomme ger­ade ich dieses unfass­bare Ange­bot? Es geschehen Wun­der!

Cool: Mit der Uhr mailen »

Pri­ma! Außer­dem: Mit dem Tele­fon Büch­er lesen. Diese neue Zeit ist erschreck­end, nicht?

Kannst eine Uhr wie in den Films haben

Hof­fentlich wie in guten Films, nicht wie in Comic­films.

Hier a b*melden

Was? Wovon? Wofür? War nicht “anmelden” gemeint? Und seit wann wird die Mel­dung gegen­dert? Ich bin irri­tiert.

Aber noch mal zur Uhr:

Super, zeigt sog­ar die Uhrzeit­en…

(sic!)

Äh.

Muss ich haben! :bravo:

MusikPolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 19. November 2015

Pünk­tlich zum heuti­gen inter­na­tionalen Män­nertag habe ich mir die tödliche Män­ner­erkäl­tung zuge­zo­gen. Meine verbleibende Leben­szeit ist daher wahrschein­lich kurz. Bevor ich also abtrete und der Nach­welt ein CDU-regiertes Deutsch­land hin­ter­lasse, kann ich ein paar Nachricht­en der let­zten Tage trotz­dem nicht unkom­men­tiert lassen. Es gibt Schlim­meres.

Net­zpoli­tik zum Beispiel mag “tot” sein, aber sinn­los ist sie bei Weit­em nicht: Ein US-Geheim­di­en­stler find­et, an Ter­ror­is­mus seien allein Daten­schützer schuld. Zum Glück haben wir in Deutsch­land ein paar Parteien, die sich trotz­dem um eine lebenswerte Gesellschaft küm­mern, zum Beispiel die “Grü­nen”, die endlich eine Möglichkeit gefun­den haben, ihrem image als Partei der Waf­fen­nar­ren und erhobe­nen Zeigefin­ger eine neue Form der Bek­lopptheit zu geben:

“Um sicherzustellen, dass alle Men­schen gle­icher­maßen genan­nt und dadurch mitgedacht wer­den, wird in unseren Beschlüssen ab jet­zt der Gen­der-Star benutzt”, begrün­det der Bun­desvor­stand seinen Vorstoß.

Beziehungsweise eben der*die Bundesvorstand*in. Ich finde es übri­gens dur­chaus angenehm bis­sig, bei der Sprachver­hun­zung dem Patri­ar­chat weit­er­hin den Kern eines Wortes und den Frauen das über­flüs­sige, aber immer­hin let­zte Wort (“*in”) zu über­lassen.

Da wir ger­ade bei Parteien sind: Laut “SPIEGEL ONLINE” sei die AfD derzeit die drittstärk­ste Kraft im Bun­destag. Wie prak­tisch, dann muss man nicht mehr wählen gehen, wenn der Wahlaus­gang Jahre zuvor rück­wirk­end per Umfrage fest­gelegt wird. Hunde, wollt ihr ewig leben? Manche jeden­falls nicht: Das Netz ist ges­pal­ten. Was wir jet­zt brauchen, sind mehr trau­rige Men­schen mit Zetteln, mehr Flagge­na­vatare auf Twit­ter und mehr Ton­nen­boys (m/w).

Apro­pos Ton­nen­boys bzw. och nei, du: Xavier Naidoo (“Wo sind unsere Führer, wo sind sie jet­zt?”, aus: “Wo sind sie jet­zt?”), der wohl bekan­nteste Gefan­gene der Deutsch­land GmbH, darf 2016 im “Euro­vi­sion Song Con­test” für dieses schw­er gebeutelte Land “sin­gen”. Nun kön­nte man ein­wer­fen, dass es ja ein Län­der- und kein Musik­er­wettstre­it sei, und dann hört man sich ein­mal die dort aufge­führten aus­tauschbaren englis­chsprachi­gen Mitk­latschschlager der ver­gan­genen Jahre an und zieht seinen Ein­wand zurück. Seien wir doch ehrlich und geben zu, dass wir uns min­destens seit dem Jahr nach Nicole Ohne­nach­na­mens erschreck­end erfol­gre­ichem “Ein biss­chen Frieden” nicht mehr mit den Auftrit­ten iden­ti­fizieren kön­nen und mit der Musik noch viel weniger. Dass aus Deutsch­land nicht viel gute Musik kommt, mag stim­men; dass aber der “Euro­vi­sion Song Con­test” ein medi­al aufge­blasen­er Schlager­wettstre­it und kein ernst zu nehmendes kün­st­lerisch bemerkenswertes Musikfes­ti­val ist und Xavier Naidoo mit seinem melodisch und textlich besten­falls nur belan­glosen Gejam­mer nicht ein­mal der lach­hafteste mögliche Vertreter Deutsch­lands ist, wird vor lauter Poli­tisierung viel zu sehr ver­drängt.

“Leike Set­teleit” war auch nicht deshalb ein Erfolg, weil es so gut zu Deutsch­land passen würde.

Gute Besserung uns allen.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Mono für Alle! — Gentrification

UuaaaahEs ist Mon­tag. Ein Blick nach links und lächeln. Zumin­d­est war es dies­mal kein Traum. Das Käuzchen schweigt und genießt, das Leben kann begin­nen.

Allmäh­lich ver­daut man dann auch, was let­zte Woche außer den erneuten Anschlä­gen in Frankre­ich, unserem Nach­bar­land mit schar­fer Vor­rats­daten­spe­icherung zur effizien­ten Gewalt­präven­tion, mit­samt drin­gend erforder­lichen Belan­glosigkeit­en noch geschah. Endlich wurde wieder jemand getötet, damit das Töten aufhört. Der unbe­waffnete neun­jährige Autist hinge­gen, der unlängst von der US-amerikanis­chen Polizei erschossen wurde, war gar nicht bedrohlich. Hop­pla! Aber solche Fehler kön­nen ja mal passieren in dieser ver­ro­ht­en Gesellschaft, die nach der Über­win­dung von Lesesucht, die im 19. Jahrhun­dert unser Miteinan­der gefährdete, und Fernse­hen, das im 20. Jahrhun­dert unser Miteinan­der gefährdete, inzwis­chen durch Smom­biefizierung gefährdet wird. Das Jugend­wort des Jahres erken­nt man ja nor­maler­weise daran, dass es nie­mand benutzt.

Unverzeih­lich ist es hinge­gen, wenn auf Müller­milch eine Dunkel­häutige prangt. Allein der Name schon — “Schoko”! Das heißt doch jet­zt Far­bigo­lade. Gegen einen muskulösen dunkel­häuti­gen Musik­er hätte man aber wahrschein­lich nichts gehabt. Die wer­den ja nicht diskri­m­iniert dadurch.

Man weiß schon gar nicht mehr, was man noch zeigen soll. Men­schen jeden­falls nicht.

Dann eben Elek­trod­ings­bums.

G‑e~n*T‑r-i^f.i.K.@.t#i+0N — [mono für alle]

Guten Mor­gen.